Sonnenfinsternisse und die Bestimmung von D t

Die ungenaue Erduhr

Unser Zeitbegriff beruht letztendlich auf der täglichen Drehung der Sonne und damit dient letztlich die Erde mit ihrer Rotation als Zeitgeber.

Hier stellt sich natürlich die bange Frage, wie zuverlässig denn dieser Zeitgeber ist.

Erste Zweifel kamen bereits Edmond Halley bei der Untersuchung alter Finsternisberichte. So sollte sich zum Beispiel die Totalitätszone der Sonnenfinsternis vom 14. Januar des Jahres 484 n. Chr. Von Südspanien über Nordafrika bis zur Türkei erstreckt haben. Dagegen dürfte der wahre Finsternisverlauf um 30 Längengrade weiter östlich erfolgt zu sein.

Für lange Zeiträume gibt es noch weitere Indizien für eine Verlangsamung im Gang der Erduhr.

So hat man in den Kalkablagerungen von 300 Millionen Jahre alten Korallenstücken Tagesringe beobachten können, nach denen im Devon rund 400 Tage auf ein Jahr kamen. Der Sonnentag dürfte als nur rund 22 Stunden gedauert haben.

Die Zeitkontrolle durch Positionsmessungen am Mond und schließlich die Überwachung der Erddrehung mit Atomuhren haben gezeigt, daß die Rotation unseres Planeten verschiedenartigen und teils unvorhersehbaren Schwankungen unterliegt.

Deswegen entschloß man sich zur Einführung einer dynamischen Zeit von der man fordert, daß sie ideal gleichmäßig abläuft. Sie ist von der Idee her diejenige Zeit die Newtons Gesetzen der Himmelsmechanik zugrunde liegt.

In der Praxis hat man die dynamische Zeit vor allem aus Beobachtungen der Mondbewegung abgeleitet, durch einen Abgleich Beobachtung minus Rechnung.

Weil es dabei um eine Kontrolle der Ephemeriden geht, nennt man die so gewonnene Zeit auch Ephemeridenzeit.

Nachfolgerin der Ephemeridenzeit wurde die Terrestrial Dynamical Time (TDT) 1984, seit 1991 Terrestrial Time (TT) genannt.

 

TT UT = Dt

Dieses Dt kann in der Astronomie bei Sternbedeckungen und Sonnenfinsternissen bestimmt werden. Für Sonnenfinsternisse wurde von mir (Ann. Univ.Sternwarte Bd. 27) eine Methode entwickelt aus den, beide den Partialphasen aufgenommenen Sonnenbildern die tatsächlichen Abstände der Sonnen- und Mondmittelpunkte jenen aus dem Jahrbuch vorausberechneten Werten gegenüberzustellen. Daraus kann Dt bestimmt werden.



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© Sofi-Arbeitsgruppe der Universitätssternwarte Wien