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> Österreichischer Ernährungsbericht
2003
Der Österreichischer
Ernährungsbericht 2003
Am 16. Oktober 2003
wurde im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen, Radetzkystr.
2, 1030 Wien, der neue Österreichische Ernährungsbericht 2003
in einem wissenschaftlichen Symposium der Öffentlichkeit vorgestellt.
Das Programm des
Symposiums findet sich auf unserer Download-Seite.
Die Vielfalt und
Komplexität der Datenerhebung, Dokumentation und Interpretation
auf dem Gebiet der Lebensmittelqualität, Gesundheitsförderung
und der Prävention ernährungsabhängiger Erkrankungen
machen eine regelmäßige Bestandsaufnahme und Analyse relevanter
vorhandener Informationen erforderlich. Solche Darstellung soll dem
Gesundheitspolitiker und Entscheidungsträger helfen, Probleme zu
erkennen und kurz- und mittelfristige Maßnahmen und Strategien
zur Abhilfe zu entwickeln und einzuleiten.
Von der Notwendigkeit dieser grundsätzlichen Betrachtung und Zielsetzung
der Kontinuität der Dokumentation auf dem ernährungs- und
gesundheitspolitischen Sektor gingen viele Länder/Staaten aus,
indem sie offizielle und regelmäßige, in vier- bis fünfjährigen
Zeitabständen erscheinende „Ernährungsberichte“
veröffentlichen.
Nach dem Österreichischen Ernährungsbericht 1998 liegt nun
auch der neue Östereichische Ernährungsbericht 2003 vor.
Dieser Ernährungsbericht fußt hauptsächlich auf Daten
von Studien und Projekten, die das Institut für Ernährungswissenschaften
in Zusammenarbeit oder im Auftrag vom Bundesministerium für Unterricht
und Kunst, dem Bundeskanzleramt, Sektion VI und Sektion VIII, der Gemeinde
Wien (WHO-Projekt) und Instituten der Universität Wien durchgeführt
hat. Er ist als Initiative des Instituts für Ernährungswissenschaften
und im Auftrag vom Bundesministerium für Gesundheit und Frauen
zustande gekommen.
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Österreichischer
Ernährungsbericht 2003 |
| Kurzfassung |
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Kapitel
1: Lebensmittelverbrauch Österreichs, ein Überblick
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Der Lebensmittelverbrauch
der österreichischen Bevölkerung entwickelt sich größtenteils
in eine wünschenswerte Richtung. Der Verbrauch von Gemüse,
Obst (ausgenommen Zitrusfrüchte) und auch Fisch ist ansteigend.
Insgesamt nimmt zwar auch der Verbrauch von Brotgetreide (Weizen)
zu, aber der Verbrauch von dunklen Brotsorten (aus Roggen), die
einen wünschenswert höheren Ballaststoffgehalt aufweisen,
zeigt eine fallende Tendenz.
Da pflanzliche Öle wichtige Lieferanten von essentiellen Fettsäuren
und fettlöslichen Vitaminen sind, ist der steigende Verbrauch
insgesamt positiv zu bewerten. Da die Gesamtfettzufuhr in Österreich
zu hoch ist, sollten weniger tierische Fette (aus Fleisch und Fleischwaren,
fettreichen Milchprodukten, Butter, Rahm etc.) konsumiert werden.
Ein negativer Trend zeigt sich bei Hülsenfrüchten. Der
stark rückläufige Trend bei den Hülsenfrüchten
ist weniger wünschenswert, da diese Lebensmittelgruppe ein
hohes nutritives Potential aufweist.
Insgesamt ernährt sich "der Österreicher" nach
wie vor sehr traditionsbewusst und deftig. Fleisch und Fleischwaren
sind beliebt. Beispielsweise werden in Österreich pro Kopf
und Monat 5 kg Schweinefleisch verbraucht. Dagegen liegt der Fischverbrauch
bei nur 450 g pro Kopf und Monat.
Die Entwicklung des Verbrauchs aller Lebensmittelgruppen seit 1950
ist im Anhang dieses Ernährungsberichts ausführlich beschrieben.
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| Kapitel
2: Ernährungszustand der österreichischen Bevölkerung
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Ernährungszustand
der österreichischen Bevölkerung:
Die 1991 begonnene Österreichische Studie zum Ernährungsstatus
ÖSES (Austrian Study on Nutritional Status, ASNS) hat zum Ziel,
den Ernährungszustand verschiedener Bevölkerungsgruppen
in Österreich zu erheben und zu dokumentieren. Erste umfassende
Ergebnisse dazu wurden im Österreichischen Ernährungsbericht
1998 veröffentlicht. Um die langfristige Entwicklung des Ernährungszustands
beschreiben zu können und auch weiterhin international vergleichbare
Daten liefern zu können, wurden bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen
Follow-up-Studien durchgeführt. Aktuelle Erhebungen wurden
an 3-6-jährigen Vorschulkindern (erstmals bundesweit), Schulkindern,
Lehrlinge (erstmals erhoben), Erwachsenen, Breitensportlern (erstmals
erhoben), Senioren (in privaten Haushalten erstmals erhoben) und
Schwangeren durchgeführt. Nahrungsenergie:
In westlichen Industriegesellschaften und somit auch in Österreich
kann grundsätzlich davon ausgegangen werden, dass die überwiegende
Mehrheit der Allgemeinbevölkerung ausreichend mit Nahrungsenergie
versorgt ist. Die Energieaufnahmen entsprachen im Mittel bei fast
allen Bevölkerungsgruppen lediglich den D-A-CH-Richtwerten
für geringe körperliche Aktivität (PAL, Physical
Activity Level = 1,4).
Langfristig lässt sich eine adäquate Versorgung mit
Nahrungsenergie an einem im Normalbereich liegenden Körpergewicht
ablesen.
Zur Beurteilung des Körpergewichts eignet sich am besten
der Body Mass Index (BMI = Körpergewicht in kg/(Körpergröße
in m)2 [kg/m2]). Im Rahmen der einzelnen Teilstudien wurde aus
den Angaben der Probanden zu ihrer Körpergröße
und ihrem Körpergewicht der BMI ermittelt:
Ø Bei den weiblichen Studienteilnehmern zeigte sich insgesamt
häufiger ein BMI im Normbereich als bei den männlichen.
Ø Mit zunehmendem Alter war ein Anstieg der Prävalenz
von Übergewicht (BMI>25 kg/m2) und Adipositas (BMI>30
kg/m2) feststellbar. Erst ab dem Alter von etwa 65 Jahren ergab
sich eine Umkehr dieses Trends.
Ø Der höchste Anteil an therapiebedürftigem Übergewicht
(= Adipositas, BMI>30 kg/m2) wurde mit 11% bei den männlichen
Lehrlingen (15-18 J.) festgestellt.
Ø Bei 41% der männlichen Österreicher zwischen
25 und 54 Jahren wurde ein BMI>25 kg/m2 und damit Übergewicht
festgestellt.
Bei den Freizeitsportlern der selben Altersgruppe lag diese Rate
bei nur 23%.
Ø Eine nicht unbedeutende Prävalenz von Untergewicht
zeigte sich bei den 7-10-jährigen Mädchen mit 9% (BMI<9.
Perzentile) und bei den über 65-jährigen Frauen und
Männern (BMI<24 kg/m2) mit 18-29%. (für Kinder und
Senioren werden andere BMI-Bewertungen verwendet als für
Erwachsene zwischen 18-55 J.)
Fette,
Fettsäuren, Cholesterin:
Fett bleibt in der Ernährung sowohl in quantitativer als
auch in qualitativer Hinsicht ein kritischer Nährstoff. Je
nach Bevölkerungsgruppe lag der durchschnittliche Fettverzehr
zwischen 35 und 40% der Gesamtenergiezufuhr. Zwar zeigt sich im
Vergleich zum Österreichischen Ernährungsbericht 1998
insgesamt eine fallende Tendenz, dennoch wird in Österreich
nach wie vor zu viel Fett aufgenommen. Lediglich bei den 3-6-jährigen
Vorschulkindern lag die mittlere Fettzufuhr im Bereich der D-A-CH-Richtwerte.
Die Art bzw. Zusammensetzung des aufgenommenen Nahrungsfettes
ist für die Gesunderhaltung nicht weniger wichtig. In dieser
Hinsicht muss die Zufuhr an gesättigten Fettsäuren als
zu hoch (15-20% der Energiezufuhr) und jene an mehrfach ungesättigten
Fettsäuren (rund 6% der Energiezufuhr) insgesamt als zu gering
beurteilt werden.
Zu den mehrfach ungesättigten Fettsäuren (Polyenfettsäuren,
PFS) zählen auch die essentiellen Fettsäuren (n-6 und
n-3 Fettsäuren). Zwar kann die Versorgung an essentiellen
Fettsäuren als gesichert angesehen werden (Tab. 2.0), wenngleich
das Verhältnis von n-6 zu n-3 Fettsäuren von derzeit
etwa 8:1 auf 5:1 abgesenkt werden sollte. Diese Empfehlung wäre
leicht in die Praxis umzusetzen, wenn sowohl im Haushalt als auch
in der Lebensmittelverarbeitung anstelle von n-6-fettsäurereichen
Pflanzenölen (z.B. Sonnenblumenöl, Maiskeimöl)
vermehrt n-3-fettsäurehaltige Pflanzenöle (z.B. Rapsöl,
Sojaöl) zum Einsatz kämen.
Ferner lag die durchschnittliche Cholesterinzufuhr bereits ab
der Altersgruppe der Schulkinder (>12 Jahre) über dem
Richtwert von 300 mg pro Tag.
Protein:
Die Proteinversorgung ist mehr als ausreichend, da die Empfehlungen
seit vielen Jahren in fast allen Altersgruppen und bei beiden
Geschlechtern deutlich überschritten werden. Lediglich bei
den Höchstbetagten lag die ermittelte Eiweißaufnahme
im Durchschnitt nur knapp über den Empfehlungen.
Die hohe Eiweißzufuhr entspricht dem üblichen Ernährungsmuster
aller industrialisierten Länder, in denen tierische Produkte
(Fleisch, Wurst, Milch- und Milchprodukte) einen großen
Stellenwert haben. So stammten in den aktuellen Untersuchungen
auch etwa 2/3 der zugeführten Proteine aus tierischen Quellen.
Die deutliche Dominanz des tierischen Anteils kann als nachteilig
bewertet werden, da die Aufnahme an Protein tierischen Ursprungs
generell mit einer gleichzeitigen Zufuhr an Fett bzw. gesättigten
Fettsäuren, Cholesterin und - ausgenommen Ei- und Milchprotein
- auch an Purinen verbunden ist. Eine Erhöhung des Verzehrs
pflanzlicher zu Lasten von tierischen Produkten würde im
allgemeinen eine Verbesserung der Nährstoffrelation bedeuten.
Kohlenhydrate,
Ballaststoffe:
Als Folge der hohen Fett- und Eiweißaufnahme werden bei
fast allen Altersgruppen durchschnittlich zu wenig Kohlenhydrate
aufgenommen. Hinsichtlich der Kohlenhydratversorgung werden vor
allem stärkehaltige und ballaststoffreiche Lebensmittel,
die auch essentielle Nährstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe
enthalten, in zu geringem Umfang verzehrt. Deshalb ist es auch
nicht verwunderlich, dass der Richtwert für die Ballaststoffzufuhr
von mindestens 30 g pro Tag im Mittel nur zu etwa zwei Drittel
erreicht wird.
Alkohol:
Der Alkoholkonsum ist im Vergleich zum Österreichischen Ernährungsbericht
1998 vor allem bei den Frauen stark angestiegen. Bei Männern
zwischen 25 und 64 Jahren ergab die aktuelle Erhebung eine Alkoholaufnahme
von rund 5% der Gesamtenergiezufuhr und bei den Frauen der gleichen
Altersgruppe von rund 3%.
Mikronährstoffe:
Die allgemeine Aufnahme an einigen Mikronährstoffen (Vitamine,
Mineralstoffe und Spurenelemente) ist innerhalb mehrerer Bevölkerungsgruppen
niedriger als empfohlen. In dieser Hinsicht und in Bezug auf die
Gesundheitsrelevanz, ist es möglich, Kategorien abnehmender
Signifikanz vorzuschlagen:
Ø Versorgung
ist kritisch, dringender Handlungsbedarf: Bei allen Bevölkerungsgruppen
benötigen Folsäure, Jod und Calcium spezielle Aufmerksamkeit.
Außerdem ist die Vitamin D-Zufuhr über Lebensmittel
beim Großteil der Bevölkerung unzureichend. Ältere
Menschen mit atrophischer Gastritis (Prävalenz bis 30%) sind
auch hinsichtlich der Vitamin B12-Versorgung als Risikogruppe
anzusehen. Eisen ist speziell für Frauen im gebärfähigen
Alter ein kritischer Nährstoff. Bei Stillenden ist zusätzlich
die Vitamin A- sowie die Vitamin B6-Versorgung sorgsam zu überwachen.
Nicht zuletzt darf auch die exzessive Natriumaufnahme für
gewisse Hochrisikogenotypen nicht außer Acht gelassen werden.
Ø Versorgung mancher Personengruppen grenzwertig, mittelfristig
Verbesserung anzustreben:
Personen >65 J.: Vitamin C, Vitamin E, Vitamin B1 und B2 (weibl.),
Magnesium
Personen >86 J.: Zink (männl.)
Schwangere: Vitamin E, Magnesium
Lerhlinge (15-18 J.): Vitamin C (männl.), Vitamin E, Vitamin
B1 und B2, Magnesium
Ø Versorgung ausreichend, keine Intervention erforderlich:
Niacin, Biotin, Pantothensäure, Kalium, Phosphor, Mangan,
Kupfer
Ø Vorläufig noch nicht exakt bewertet: Vitamin K,
Fluorid, Selen, Carotinoide
Lebensmittelverzehrsmengen:
Bei mehreren Bevölkerungsgruppen wurden auch die Verzehrsmengen
von verschiedenen Lebensmittelgruppen erhoben. Dabei zeigte sich,
dass vor allem Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte in
viel zu geringem Umfang konsumiert wurden (z.B. Gemüse, Brot
und Getreideflocken, Milch und Milchprodukte, etc.). Insgesamt
kommt der Verzehr von pflanzlichen Lebensmitteln oft zu kurz.
Im Gegensatz dazu zeigte sich bei allen Altersgruppen ein hoher
Verzehr an Fleisch und Wurst, wobei Männer viel häufiger
zu dieser Lebensmittelgruppe greifen. Die dargestellte Nährstoffversorgung
ließe sich allgemein weiter optimieren, wenn sich die Lebensmittelauswahl
noch mehr an den präventiven Empfehlungen orientieren würde:
Gemüse und Obst sollten nicht nur täglich, sondern besser
mehrmals täglich auf dem Speiseplan stehen. Milch und Milchprodukte,
bevorzugt fettarme Produkte, sollten täglich verzehrt werden
und 1 bis 2mal wöchentlich sollte ein Fischgericht auf den
Tisch kommen. Vollkornprodukte sollten soweit machbar Weißmehlprodukte
ersetzen. Dagegen kann der Konsum von Fleisch und Wurst durchaus
auf 2 bis 3mal pro Woche reduziert werden. Diese Empfehlungen
gelten besonders für Männer, deren Verzehrsgewohnheiten
sich insgesamt ungünstiger darstellen als jene der Frauen.
Der Richtwert für eine wünschenswerte Getränkezufuhr
aus nicht-koffeinhaltigen und nicht-alkoholischen Getränken
(1000-1500 ml/d) wurde von den österreichischen Erwachsenen
im Mittel erreicht.
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| Kapitel
3: Lebensmittelqualität |
3.1
Die amtliche Lebensmittelüberwachung in Österreich
Die Europäische
Gemeinschaft unternimmt große Anstrengungen, um die amtliche
Lebensmittelüberwachung in den Mitgliedstaaten zu harmonisieren.
Dazu wird auf der Basis des Weißbuchs für Lebensmittelsicherheit
der Europäischen Kommission aus dem Jahr 2000 ein Vorschriftenwerk
erstellt, das den Rahmen bilden soll, um es den nationalen Behörden
zu ermöglichen, in harmonisierter Weise vorzugehen.
Futtermittel werden nunmehr gemeinsam mit den Lebensmitteln in
das generelle Kontrollkonzept einbezogen.
Neben amtlichen Kontrollen wird als weiteres Grundprinzip die
Verantwortung der Produzenten und des Handels für ihre Produkte
im Sinne der Erfüllung der Anforderungen des Lebensmittelrechts
hervorgehoben.
Zum schnellen Informationsaustausch bezüglich Lebens- und
Futtermittel zwischen der Europäischen Kommission und den
nationalen Behörden der Mitgliedstaaten besteht ein Schnellwarnsystem,
um neben anderen Informationen auch die Vermarktungswege von einzelnen
Chargen gesundheitsgefährdender Waren verfolgen zu können.
Aufgaben der Risikobewertung auf wissenschaftlicher Basis werden
auf EU-Ebene von der Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit
(= European Food Safety Authority, EFSA) und auf nationaler Ebene
von der "Österreichische Agentur für Gesundheit
und Ernährungssicherheit GmbH" (AGES) übernommen.
Die Struktur der amtlichen Lebensmittelüberwachung in Österreich
ist im Vergleich zum Zeitpunkt des Ernährungsberichts 1998
unverändert geblieben.
3.2
Aspekte der Qualität von Lebensmitteln tierischer Herkunft
– aus der Praxis des Instituts für Lebensmitteluntersuchung,
Wien*
In der Kategorie "Lebensmittel tierischer Herkunft"
(Fleisch und Fleischprodukte, Fische, Krebse, Weichtiere und daraus
hergestellte Erzeugnisse, Milch und Milchprodukte, Eier und Eierprodukte)
wurden im Zuständigkeitsbereich der ehemaligen Bundesanstalt
für Lebensmitteluntersuchung und -forschung Wien im Zeitraum
1998-2002 jährlich zwischen 5000-7000 Proben untersucht.
Die Untersuchungen von Fleisch und Fleischprodukten ergaben hinsichtlich
der Zusammensetzung (Fett-, Wasser- und Eiweißgehalt) eine
den Lebensmittelvorschriften entsprechende Qualität.
Aufgrund aktueller Anlässe wurden zwischen 1998 und 2002
mehrer schwerpunktmäßige Untersuchungen auf Rückstände
von Dioxin, Antibiotika und Hormone sowie Nitrofen durchgeführt.
In keiner Probe waren Verunreinigungen feststellbar.
In Fischen und Fischereierzeugnissen wird routinemäßig
auf Schwermetalle untersucht. Dabei zeigten sich im Zeitraum 1998-2002
im Wesentlichen keine Veränderungen der Blei-, Cadmium und
Quecksilbergehalte. Gelegentlich war der Quecksilbergehalt bei
Haifischen bzw. der Cadmiumgehalt bei Tintenfischen leicht überschritten.
Zudem wurden Fischereierzeugnisse und Geflügel aus Fernost
auf Nitrofuranrückstände und Chloramphenicol untersucht.
Während Nitrofuran in keiner Probe nachgewiesen wurde, kam
es bei Chloramphenicol in einigen Fällen zu Überschreitungen.
In den Beobachtungszeitraum fällt weiter die BSE-Krise, die
auch in den sprunghaft angestiegenen Untersuchungen des Jahres
2001 auf Vorhandensein von Zentralnervengewebe und Separatorenfleisch
in Fleischerzeugnissen ihren Niederschlag fand. Während in
keinem Fall Zentralnervengewebe nachgewiesen wurde, wurde anfangs
in einigen Proben Separatorenfleisch gefunden. Dies änderte
sich mit dem Inkrafttreten der Codexrichtlinie, nach der Separatorenfleisch
nicht mehr verwendet wird.
Neben BSE-Skandal, Dioxin- und Tierarzneimittel-Rückständen
treten auch immer neue Herausforderungen an die Untersuchungsstellen
in Bezug auf Hygienekontrolle in der Lebensmittelproduktion und
bei der Lagerung frischer verpackter tierischer Lebensmittel auf.
3.3
Risikoanalyse bei Lebensmitteln
Spätestens im Gefolge der jüngsten Lebensmittelskandale
(die Schlagzeilen lauteten z.B. Rinderwahnsinn, Dioxinhühner,
Importe von Hormonrindern, unerlaubte Verwendung von Antibiotika,
Geflügelpest, etc.) wurde die Lebensmittelsicherheit zu einem
prioritären Thema. Als Grundlage für sämtliche
Maßnahmen in Bezug auf die Lebensmittelsicherheit schreibt
die neue Gemeinschaftsgesetzgebung die Risikoanalyse vor. Das
Konzept der Risikoanalyse umfasst drei miteinander in Wechselwirkung
stehende Prozesse, Risikobewertung (risk assessment), Risikomanagement
(risk management) und Risikokommunikation (risk communication).
Die Risikobewertung wiederum erfolgt in vier Stufen: Gefahrenerkennung
(hazard identification), Gefahrencharakterisierung (hazard characterization),
Quantifizierung der Exposition (appraisal of exposure) und Risikocharakterisierung
(risk characterization).
Ziel des Risikomanagements ist die Wahl der geeigneten regulatorischen
Optionen zur Prävention bzw. Minimierung der Exposition der
Bevölkerung durch die politisch Verantwortlichen. Wirksames
Risikomanagement erfordert einen permanenten Dialog zwischen den
mit der Risikobewertung betrauten Experten und den für das
Risikomanagement verantwortlichen administrativen und politischen
Entscheidungsträgern. In die Entscheidungsprozesse werden
außerdem in zunehmendem Maße auch die betroffenen
Wirtschaftskreise, Verbraucherschutzverbände und andere NGO's
einbezogen. Darüber hinaus müssen in der heutigen partizipatorischen
Informationsgesellschaft behördliche Entscheidungen, insbesondere
solche, die den sensiblen Bereich der Lebensmittelsicherheit betreffen,
transparent und plausibel sein und einer breiten Öffentlichkeit
verständlich gemacht werden.
Diese im letzten Absatz erwähnten komplexen Interaktionen
im Rahmen der Risikoanalyse werden unter dem Begriff Risikokommunikation
zusammengefasst.
3.4
Lebensmittelsicherheit anhand einiger Beispiele
Die Risikobewertung
auf dem Lebensmittelsektor ist unter anderem im Österreichischen
Gesundheits- und Ernährungssicherheitsgesetz als Kernkompetenz
der Österreichischen Agentur für Gesundheits- und Ernährungssicherheit
(AGES) festgelegt.
In diesem Beitrag wird die Problematik der Pestizidrückstände
in Lebensmitteln pflanzlicher Herkunft, des Vorkommens der polyzyklischen
aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) sowie der Belastung mit
einigen ausgewählten Mykotoxinen (Patulin, Fusarientoxin)
dargestellt. Vorläufige Ergebnisse der Expositionsabschätzung
auf diesem Gebiet sind im Folgenden zusammengefasst:
- Sowohl im
EU-koordinierten Monitoringprogramm (seit 1996) als auch im nationalen
Überwachungsprogramm (seit 1997) haben die Anzahl der untersuchten
Proben und der Parameter je Probe stark zugenommen.
- Rückstände von Pflanzenschutzmitteln in Lebensmitteln
zeigen, dass sowohl die Anzahl der Proben mit Höchstwertüberschreitungen
als auch die ohne Höchstwertüberschreitung (weniger
kritisch) zwischen 1997-2002 zugenommen hat.
- Der österreichische Konsument nimmt PAK insbesondere über
geräucherte Fleisch und Fleischprodukte auf.
- Bei Patulin gilt eine vorläufige tolerierbar maximale Tagesdosis
(PMTDI-Wert) von 400 ng/kg Körpergewicht. In Bezug auf das
Körpergewicht zeigt sich bei Kindern die höchste Patulin-Belastung,
die allerdings weit unter dem genannten kritischen Wert liegt.
- Bei den Mykotoxinen der Fusarienpilze beträgt die mittlere
tägliche Aufnahme an Desoxynivalenol etwa 0,3 µg/kg
Körpergewicht (KG) und bei Zearalenon etwa 0,2 µg/kg
KG. Das entspricht lediglich einem Bruchteil der derzeit erlaubten
Dosis von 1 µg/kg KG und Tag.
Die Risikobewertung
umfasst neben den oben beschriebenen Ergebnissen der chemischen
Analyse vor allem auch Aspekte der mikrobiologischen Untersuchung,
auf die an anderer Stelle dieses Berichts eingegangen wird.
Die angeführten
Beispiele zeigen nur einen kleinen Teilbereich des Untersuchungsspektrums,
in dem die Österreichische Agentur für Gesundheit und
Ernährungssicherheit analytisch tätig ist. Das Untersuchungsspektrum
reicht von der Untersuchung von chemischen Parametern, von denen
einige Beispiele angeführt wurden, über die mikrobiologischen
Untersuchungen bis zur Untersuchung von physikalischen Parametern,
die alle für die Lebensmittelsicherheit und somit für
den Konsumenten wesentlich von Bedeutung sind.
3.5
Trinkwasser
Das österreichische Trinkwasser wird zu 99% aus Grundwasser
und zu 1% aus Oberflächengewässern (Flüsse und
Seen) gewonnen. Der Großteil der österreichischen Haushalte
ist an ein öffentliches Wasserversorgungsnetz angeschlossen.
Etwa 1 Million Österreicher beziehen das Trinkwasser direkt
aus Quellen und Hausbrunnen. In Österreich beträgt der
häusliche Wasserverbrauch pro Kopf und Tag 140 bis 150 Liter.
Grundwassergüteuntersuchungen werden in allen Bundesländern
nach einheitlichen Methoden und Untersuchungsumfang auf Basis
der Wassergüte-Erhebungsverordnung (WGEV) durchgeführt.
Eine Reihe von Institutionen und Sachverständigen überprüfen
periodisch die Qualität des Grundwassers, wobei der Schwerpunkt
bei chemischen Parametern wie Nitrat- oder Atrazinanalysen liegt.
Die gesetzlichen Regelungen für Trinkwasser erfolgen im Rahmen
des Lebensmittelgesetzes und durch die Trinkwasserverordnung.
Nach der Trinkwasserverordnung (TWV) sind Parameterwerte und Indikatorparameterwerte
festgelegt. Die Parameterwerte beruhen auf den Leitlinien der
Weltgesundheitsorganisation und sind zwingend einzuhalten. Der
Wasserbelastung durch pathogene Mikroorganismen kann durch Desinfektionsverfahren
gewöhnlich wirksam begegnet werden. Ein anderes Problem stellt
die Belastung des Wassers mit Schwermetallen, Nitrat, Nitrit,
Pestizide und so fort dar. Gefahr durch Nitratbelastung aufgrund
von Überdüngung landwirtschaftlicher Nutzflächen
gilt vor allem für die Ackerbaugebiete Ostösterreichs
(Tullnerfeld, Marchfeld). Die Nitrat-Mittelwerte der öffentlichen
Wasserversorgung lagen in den einzelnen Bundesländern jedoch
durchwegs unter dem Richtwert von 25 mg/l (Ost-West-Gefälle).
Im Allgemeinen ist jedoch die Wasserqualität in Österreich
als hervorragend zu bezeichnen. Anzustreben wäre die Verbesserung
der mikrobiologischen Analytik sowie die Errichtung einer zentralen,
unabhängigen Stelle zur Erfassung, Koordination und Evaluierung
von Wasseruntersuchungen.
3.6
Bioproduke
Die Nachfrage
nach Biolebensmitteln steigt in vielen Ländern und so auch
in Österreich ständig an. Der geschätzte Marktanteil
soll 2025 5-10% betragen. Die Mehrheit der Österreicher greift
zumindest gelegentlich zu Bioprodukten. Der durchschnittliche
Käufer solcher Lebensmittel ist heute älter als noch
vor 20 Jahren. Er verfügt über zumindest mittleres Bildungsniveau,
höheres Einkommen und lebt meist in einem Haushalt mit 2-5
Personen. Als Kaufmotive der Konsumenten sind vor allem gesundheitsbewusste
Ernährung, Umweltschutz und Geschmack, zu nennen.
Bei
pflanzlichen Lebensmitteln aus biologischem Anbau ist generell
mit weniger Rückständen zu rechnen (z.B. Nitrat, Pestizide).
Die Unterschiede im Gehalt an wertgebenden Inhaltsstoffen (essentielle
Nährstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe
etc.) fallen meist weniger deutlich aus. Zwar können Lebensmittel
aus biologischer Produktion im Rahmen einer insgesamt ausgewogenen
Ernährung, dem Kaufmotiv gesundheitsfördernde Lebensmittel
entsprechen, dass sie generell gesünder sind, lässt
sich derzeit wissenschaftlich aber nicht belegen.
Die
Bevorzugung von Nahrungsmitteln aus biologischer Produktion stellt
nicht nur eine Absage an die konventionelle Praxis der Lebensmittelproduktion
dar, sondern leistet auch einen aktiven Beitrag zur Nachhaltigkeit
und zu einem zukunftsfähigen ökologischen Gleichgewicht.
Da eines der zentralen Kaufmotive für Bioprodukte das Interesse
der Konsumenten an Umweltfragen ist, kann dieses bestätigt
werden.
Schlussendlich
kann die Frage, ob Bioprodukte die Erwartungen der Konsumenten
hinsichtlich des Geschmacks erfüllen, mit "Ja"
beantwortet werden. In so genannten Degustationstests, in denen
die sensorische Qualität von Lebensmitteln beurteilt werden
kann, werden Bio-Lebensmittel großteils besser beurteilt.
3.7
Gentechnisch veränderte Lebensmittel
Obwohl die Europäer keine Angst vor neuen Technologien (Computer,
Telekommunikation, Solarenergie, etc.) haben, lehnt der Großteil
und allen voran die österreichische Bevölkerung den
Einsatz von gentechnologischen Methoden im Bereich der Landwirtschaft
und Lebensmittelherstellung mit der Begründung "unsicher",
"ökologisch bedenklich" und "unnatürlich"
ab. Vom Institut für Ernährungswissenschaften der Universität
Wien wurden 1996, 2000 und 2002 Umfragen zum Thema Gentechnik
und ihren Anwendungen im Lebensmittelbereich durchgeführt.
Das allgemeine Wissen über Bio- und Gentechnologie hat sich
in diesem Zeitraum von 7 Jahren geringfügig verbessert. In
einem europaweiten Vergleich des Allgemeinwissens über Biotechnologie
platziert sich die österreichische Bevölkerung im Mittelfeld.
Das ergab die letzte "Eurobarometer-Umfrage, 2002" zum
Thema Biotechnologie.
Als Hauptinformationsquellen wurden Massenmedien (TV, Zeitungen,
etc.) genannt. Der Anteil derjenigen, die sich nicht ausreichend
über GV-Lebensmittel informiert fühlten, war in allen
drei Befragungen mit rund 85% weitgehend gleich groß.
Obwohl sich die Kaufbereitschaft von gentechnisch veränderten
Lebensmitteln wesentlich erhöht hat, lag diese in der letzten
Befragung immer noch unter 20%. Am ehesten würden GV-Lebensmittel
noch gekauft werden, wenn diese für den Verbraucher einen
nachvollziehbaren und akzeptierten Nutzen mit sich brächten.
Der Kennzeichnung kommt in diesem Zusammenhang eine herausragende
Bedeutung zu. Über 90% des Studienkollektivs in allen drei
Umfragen wünschte sich eine entsprechende Kenntlichmachung
solcher Produkte. Diese soll informieren und dem Käufer Wahlmöglichkeiten
einräumen. Von der Mehrheit der Befragten wurden Zusatzinformationen
über die Unterschiede zwischen den GV-Lebensmitteln und den
herkömmlichen Lebensmitteln gewünscht.
In den voraussichtlich noch 2003 im EU-Raum in Kraft tretenden
neuen und strengeren Regelungen im Bereich gentechnisch modifizierter
Lebensmittel wurde versucht, viele Forderungen der Konsumenten
und Verbraucherschutzorganisationen zu berücksichtigen. Als
unmittelbare Folge der neuen Verordnung wird jedoch aller Voraussicht
nach das seit 1998 bestehende De-facto-Moratorium für GV-Pflanzen
fallen. Auch wenn sich nach wie vor einige Länder und deren
Bevölkerung für eine Verlängerung dieses Stillhalteabkommens
aussprechen.
3.8
Nährstoffanreicherung von Lebensmitteln
Das Interesse an nährstoffangereicherten Lebensmitteln (NAL)
nimmt sowohl von Seiten der Konsumenten als auch von Seiten der
Lebensmittelproduzenten ständig zu. Dementsprechend wird
das Angebot am Markt immer umfangreicher. Das Institut für
Ernährungswissenschaften der Universität Wien führte
deshalb in den letzten Jahren einige Studien zu diesem Thema durch.
So ergab eine zwischen Dezember 1997 und Mai 1998 durchgeführte
Geschäftsbegehung, dass 73% der insgesamt fast 500 verschiedenen
am österreichischen Markt befindlichen Produkte mit Vitamin
C angereichert waren. Damit kam dieses Vitamin mit Abstand am
häufigsten zum Einsatz, obwohl der Ernährungsstatus
der Bevölkerung mit Vitamin C als gut eingestuft werden kann.
Mineralstoffe wurden weitaus seltener zugesetzt. Die wenigsten
NAL waren auf die Bedürfnisse von speziellen Zielgruppen
zugeschnitten. Die Mehrheit (rund 60%) eines aktuell befragten
Kollektivs von Erwachsenen (n=312) stand der Nährstoffanreicherung
von Lebensmitteln eher skeptisch gegenüber. Die "Unnatürlichkeit"
solcher Produkte und eine "ausreichend gesunde Ernährung"
wurden als Begründung für die ablehnende Haltung angeführt.
Als Argumente für einen Kauf wurden das "Wohlbefinden"
und etwaige "Nährstoffdefizite aufzufüllen"
genannt. Eine weitere Österreichweit durchgeführte Fragebogenerhebung
(n=1700) zeigte eine gestiegene Akzeptanz von NAL. Rund 50% des
befragten Kollektivs gaben an, solche Produkte zu kaufen. Ohne
Zweifel wird durch den Verzehr von NAL die Zufuhr an einigen Vitaminen
wirksam angehoben. Das Gesamtkollektiv (n=1700) deckte z.B. 40%
der empfohlenen Vitamin C-Zufuhr alleine durch den Konsum von
NAL. Leider erfolgt die Anreicherung meist willkürlich und
besondere Belange von etwaigen Risikogruppen, wie z. B. alte Menschen,
werden zu wenig beachtet. Bei Mikronährstoffen, bei denen
eine Anhebung der Zufuhr durchaus sinnvoll wäre (Folsäure,
Vitamin D), ist wiederum die Dosierung zu gering. Andere Nährstoffe
werden in Mengen zugesetzt, die weit über das erforderliche
Maß hinausgehen (z.B. Niacin). Jedoch besteht unter der
üblichen Anreicherungspraxis derzeit für die Allgemeinbevölkerung
durch den Konsum von NAL keine Gefahr einer Überdosierung
mit einzelnen Mikronährstoffen.
3.9
Babynahrungsprodukte
Die Untersuchungsergebnisse zeigen, dass alle Babynahrungsprodukte,
insbesondere jene aus Gemüse, sowohl eine ausreichende Menge
an Carotinoiden als auch an Retinoläquvalenten (RÄ)
bereitstellen. Manche Breie aus Karotten wiesen sogar Werte von
bis zu 4.6 mg RÄ/Glas (1 Glas = 190, 220 oder 250 g) auf,
welche die Empfehlungen (D-A-CH -Referenzwerte) für Säuglinge
im Alter zwischen 4 und 12 Monaten (0.6 mg RÄ/d) um ein Vielfaches
übersteigen. Obwohl man annimmt, dass eine hohe Zufuhr an
Carotinoiden keine gesundheitliche Gefährdung darstellt und
die Verwertung von Carotinoiden im Körper zu keiner Hypervitaminose
A führt, sollten diese Produkte nicht im Übermaß
verzehrt werden. Die Analysen ergaben ferner, dass Gemüseprodukte
hinsichtlich aller Carotinoide, mit Ausnahme von Lycopin und somit
auch hinsichtlich der Retinoläquivalente, signifikant höhere
Konzentrationen aufwiesen als die Obst- und Getreideprodukte.
Produkte auf Obst- und Getreidebasis, welche auch Proben mit Aprikosen
einschlossen, zeigten ausgeglichene Gehalte der beiden Carotinoidgruppen,
d.h. Provitamin-A und Nicht-Provitamin-A-Carotinoiden. Dies unterstreicht
die oftmals unterschätzte Bedeutung der Carotinoide aus Früchten
und befürwortet die Einbeziehung von Obstbreien in die Säuglinsernährung.
Außerdem sprechen neue Erkenntnisse, welche Carotinoiden
aus orange gefärbten Früchten eine bessere Bioverfügbarkeit
bescheinigen als denen aus Gemüse für eine vermehrte
Aufnahme von Obstprodukten.
Als Resultat sei festzuhalten, dass die untersuchten Produkte
eine sehr gute Quelle an Provitamin A-Carotinoiden darstellen
und sich in dieser Hinsicht hervorragend als Beikost und somit
als ergänzende Nahrung zur Muttermilch eignen. Auf der anderer
Seite sind sie aber auch durch den Gehalt an Nicht-Provitamin-A-Carotinoiden
befähigt, einen Beitrag zur antioxidativen Abwehr gegen freie
Radikale im Körper zu leisten.
Aufgrund der hohen Vitamin E-Gehalte und Vitamin E/Poyenfettsäure-Quotienten
von 1.9-3.4 (mg/g) sind Baby Food Produkte auch eine sehr gute
zusätzliche Vitamin E-Quelle zur Muttermilch und Formulamilch
für Säuglinge ab dem 5. Monat. Sie erhöhen die
Gesamtzufuhr an Vitamin E (von ca. 15 bis 30%) und leisten einen
wesentlichen Beitrag zur Prävention der Lipidperoxidation.
Hinsichtlich der Vitamin K Empfehlungen für Säuglinge
im Alter zwischen 4 und 12 Monaten, die bei einem Wert von 10
µg/d liegen und des niedrigen Vitamin K-Gehalts der Muttermilch
(0.5 µg/100 g), können alle Gemüseprodukte mit
einem durchschnittlichen Wert von 65 µg/100 g (1 Glas =
190, 220, 250 g) einen großen Beitrag zur Vitamin K-Versorgung
leisten. Unter Berücksichtigung der Proben mit Spinat, die
im Schnitt 700 µg Vitamin K/100 g enthalten, könnte
dieser Beitrag wesentlich erhöht werden.
Ferner können die untersuchten Babysäfte als potentielle
Quelle für viele Nährstoffe, wie wasserlösliche
Vitamine und Carotinoide betrachtet werden. Vitamin C und Carotinoide
tragen zur Vitaminversorgung bei, besitzen aber auch antioxidative
Eigenschaften, d.h. durch diese Produkte wird dem Baby ein bedeutender
Anteil antioxidativ wirksamer Substanzen zugeführt. Obwohl
Obst und Gemüse nicht zu den besten Vitamin B-Lieferanten
gehören, wurde durch diese Arbeit deutlich, dass der mögliche
Beitrag dieser Säfte zur Vitamin B1-, B2- und B6-Versorgung
der Kinder nicht unterschätzt werden sollte.
3.10
Light-Produkte
Um die Akzeptanz und den Konsum von "light"-Produkten
zu testen, wurde im Jahr 2002 in Wien, Oberösterreich, Tirol
und Südtirol eine Fragebogenuntersuchung durchgeführt.
"Light"-Produkte gewinnen in unserer Gesellschaft, wo
Übergewicht ein massives Gesundheitsproblem darstellt, immer
mehr an Bedeutung. Bereits jeder Zweite der befragten Österreicher
konsumiert "light". Zu den Hauptkonsumenten von "light"-Produkten
zählen Frauen, Adipöse und Personen mit höherem
Bildungsniveau. Gekauft werden "light"-Lebensmittel,
um das Gewicht zu halten und aus gesundheitlichen Gründen.
Die Mehrheit der Befragten sehen "light"-Produkte als
"typisches Produkt unserer Wohlstandsgesellschaft",
ein Drittel halten sie für "überflüssig"
und "teuer". Die beliebtesten "light"-Produkte
sind Milch(produkte), Käse, Fruchtsäfte und Öle.
Geschmack, Gesundheit und Preis sind die wichtigsten Auswahlkriterien
beim Einkauf von Lebensmitteln. "Light"-Produkte können
eine Gewichtsreduktion unterstützen, wenn man sie sinnvoll
einsetzt und gleichzeitig seine Ernährungsgewohnheiten hin
zu mehr Getreideprodukten, Obst und Gemüse, welche von Natur
aus "light" sind, umstellt.
3.11
Lebensmittelzusatzstoffe
Gegenwärtig sind in der EU 296 Stoffe, nach dem Prinzip einer
Positivliste, zur Verwendung zugelassen. Für viele dieser
Stoffe gelten Anwendungs- und Mengenbegrenzungen. Aus Gründen
der Gesundheitsvorsorge dürfen sie also nur bestimmten Lebensmitteln
und nur bis zu einer bestimmten Höchstmenge zugesetzt werden.
Die Höchstmenge kann mit der aus dem ADI (Acceptable Daily
Intake) -Wert berechneten Konzentration identisch sein. Sie liegt
im Allgemeinen aber viel niedriger, weil grundsätzlich nur
diejenigen Konzentration als Höchstmenge erlaubt wird, die
bei Zusatzstoffen technologisch notwendig ist, um den gewünschten
Zweck zu erreichen.
Die Bewertung der Zusatzstoffaufnahme erfolgt nach einem EU-weit
harmonisierten "Stufenkonzept". Innerhalb von 3 Stufen
wird die Aufnahme mit steigender Genauigkeit ermittelt. Lebensmittelzusatzstoffe,
bei denen die geschätzte Zufuhr in einer Stufe über
dem ADI liegt, werden in der nächsthöheren Stufe exakter
bewertet. Aus den Ergebnissen könnten, wenn notwendig, Änderungen
der rechtlichen Vorgaben abgeleitet werden.
In Österreich wurden bis dato 3 Zusatzstoffmonitorings (1996,
1998, 2002) durchgeführt. Die Ergebnisse der ersten beiden
wurden im Österreichischen Ernährungsbericht 1998 beschrieben
(für die Altersgruppen ab 6 Jahren). Dabei zeigte sich, dass
die Aufnahme der meisten Lebensmittelzusatzstoffe unterhalb der
duldbaren täglichen Aufnahme (ADI) liegt. Nach Stufe 3 wurde
der ADI lediglich bei Schwefeldioxid (SO2) und der Gruppe der
Sulfite an der 95. Perzentile (High Consumer) überschritten.
Bei weiteren 9 Zusatzstoffgruppen wurde der ADI nach Stufe 2 (entspricht
einer "worst case"-Situation) überschritten.
In der 2002 durchgeführten Studie wurde die Zusatzstoffaufnahme
speziell bei 3-6-jährigen Kindern nach Stufe 2 und wo es
möglich war nach Stufe 3 ermittelt. Insgesamt wurden 90 Additive
untersucht.
Bei 10 Lebensmittelzusatzstoffen bzw. -gruppen (dazu zählten
z.B. Farbstoffe E 110, 120, 142, 151; Sorbate E 200, 202,203;
Schwefeldioxid E 220) wurde der ADI nach Stufe 3 an der 95. Perzentile
überschritten.
Bei weiteren 14 lag die Zufuhr nach Stufe 2 an der 95. Perzentile
über dem ADI (dazu zählten z.B. Lactylate E 481-482,
div. Ester E 473-474, Ascorbate E 315-316). Letztere Risikoabschätzung
führt jedoch zu einer groben Überschätzung der
Belastung, da mit Höchstmengen gerechnet wird. Hier wären
Analysedaten oder Herstellerangaben über die tatsächlich
zu den Lebensmitteln zugesetzten Mengen wünschenswert, um
eine exaktere Berechnung der Zusatzstoffaufnahme durchführen
zu können.
Der ADI beinhaltet großzügige Sicherheitsspannen. Deshalb
ist eine gelegentliche Überschreitung eines ADI-Werts gesundheitlich
nicht bedenklich. Obschon eine über längere Zeiträume
anhaltende Aufnahme von Lebensmittelzusatzstoffen über dem
ADI unerwünscht ist.
3.12
Acrylamid in Lebensmitteln
Acrylamid
(AA) ist eine toxische Substanz, die unter anderem neurotoxische
Effekte auslöst und im Tierversuch kanzerogen ist. Zigarettenrauch
ist eine Quelle (neben vielen anderen) für die AA-Belastung,
aber auch in stark erhitzten, stärkehältigen Lebensmitteln
wurde AA nachgewiesen.
Für die chronische Toxizität hinsichtlich der Neuropathie
gilt ein NOAEL von 0,5 mg/kg KG/d. Bei Ratten wurde bei einer
Dosis von 2 mg/kg KG/d über zwei Jahre eine erhöhte
Zahl benigner und maligner Tumore festgestellt.
Acrylamid ist in hohen Konzentrationen in vivo gegenüber
somatischen Zellen und Keimzellen genotoxisch. Die FAO/WHO Consultation
ordnet Acrylamid in die Gruppe 2A der IARC-Klassifikation ein:
Potentiell Kanzerogen (= probably carcinogenic to humans).
Es wird angenommen, dass Lebensmittel einen messbaren Beitrag
zur Gesamtbelastung mit AA leisten, wobei sich verschiedene Verzehrsmuster
definieren lassen, die zu unterschiedlichen Aufnahmemengen führen.
Im Rahmen einer ersten Risikobewertung und unter Einbeziehung
veröffentlichter Untersuchungsergebnisse zur Lebensmittelbelastung
mit AA wurde vom Institut der Ernährungswissenschaften der
Universität Wien eine Studie durchgeführt, um einen
Hinweis darauf zu erhalten, wie hoch die durchschnittliche Belastung
der österreichischen Bevölkerung mit AA ist.
Je nach Bevölkerungsgruppe lag die mittlere tägliche
AA-Aufnahme über Lebensmittel in Österreich zwischen
0,15-0,65 µg/kg Körpergewicht. Die Exposition über
Lebensmittel ist in Hinblick auf die Neurotoxizität (NOAEL:
500 µg/kg KG/d) also nicht bedenklich.
Bei Kindern war aufgrund der Präferenz von Kartoffelchips,
Knabbergebäck und Pommes frites sowohl in absoluten Mengen
als auch relativ zum Körpergewicht die höchste AA-Belastung
festzustellen. Das bestätigt die Annahme, dass bestimmte
Ernährungsgewohnheiten einen Einfluss auf die Höhe der
AA-Aufnahme haben.
Letztendlich sind im Zusammenhang mit AA in Lebensmittel noch
einige offene Fragen zu klären. Bis dahin gilt es, alle vernünftigen
und realisierbaren Maßnahmen zu ergreifen, um die AA-Belastung
aus Lebensmitteln zu minimieren. Allgemeine Ernährungsempfehlungen,
sich nach den Prinzipien einer ausgewogenen Mischkost (z.B. nach
den 10 Regeln der DGE) zu ernähren, können dazu beitragen.
Zusätzlich sollten im Haushalt stärkehaltige Kartoffel-
und Getreideprodukte (z.B. Rösti, Toastbrot, etc.) nicht
zu lange und nicht zu hoch erhitzt werden. Auch auf der Ebene
der Lebensmittelproduktion ist die Lebensmittelindustrie bemüht,
die Acrylamidgehalte der im Handel befindlichen Lebensmittel zu
reduzieren.
3.13
Nitrat
Nitrat ist in Lebensmitteln und Trinkwasser fast immer vorhanden,
einerseits aus der Verwendung als Lebensmittelzusatzstoff, andererseits
jedoch auch zu einem beträchtlichen Anteil aus anderen Quellen
(Gemüse, Trinkwasser etc.). Nitrit kann u.a. durch Reduktion
von Nitrat (z.B. durch Enterobakterien) entstehen.
Die Nitratbelastung stellt ein nicht unbeträchtliches gesundheitliches
Problem dar. In diesem Zusammenhang ist vor allem die mögliche
Bildung kanzerogener Nitrosamine, die im Magen beim Zusammentreffen
von sekundären Aminen mit exogenem (von außen zugeführtem)
oder endogenem (im Organismus gebildetem) Nitrit entstehen können,
zu nennen.
Für die Ermittlung der Nitratexposition der österreichischen
Bevölkerung wurden bei Gemüse einerseits Daten aus privaten
Untersuchungen der Landwirtschaftlichen Gemeinschaft Wiener Gärtner
(LGV) und andererseits Daten der Bundesanstalt für Lebensmitteluntersuchung
und Forschung (BALUF), die anhand von in der EU-Verordnung geregelten
Probenahmekriterien ermittelt wurden, herangezogen. Nitratgehalte
in Lebensmitteln, denen Nitrat als Zusatzstoff zugesetzt werden
darf, stammen aus den Recherchen des Instituts für Ernährungswissenschaften
der Universität Wien im Rahmen des Forschungsvorhabens zur
Zusatzstoffaufnahme in Österreich. Für Trinkwasser-Nitratgehalte
existieren zwar umgangreiche österreichische Daten, für
die Expositionsermittlung wurde allerdings der geltende Richtwert
für Nitrat (<25 mg/l) verwendet, da der Beitrag verschiedener
Trinkwasserversorger für die vorliegende Arbeit nicht abschätzbar
war und die Werte hohen Schwankungen unterliegen.
Nach der Verknüpfung der Nitratgehalte in Lebensmitteln mit
den österreichischen Daten zum Lebensmittelverzehr (aus der
Österreichischen Studie zum Ernährungsstatus), konnte
die Nitrataufnahme in Österreich nach Alter und Geschlecht
getrennt errechnet werden. Für eine Risikobewertung wurden
die resultierenden Werte mit dem sog. ADIt-Wert (total acceptable
daily intake) der jeweiligen Altersgruppe, der sich durch Multiplikation
des ADIs (acceptable daily intake) von 0-5 mg/kg Körpergewicht
mit den entsprechenden mittleren Körpergewichten errechnet,
verglichen.
Die Gesamtbelastung einzelner Personengruppen mit Nitrat liegt an
der 95. Perzentile (= High Consumer) zwischen 132 und 486 mg/d (höchste
Aufnahme bei 46 bis 55-Jährigen). Bei dieser Belastung wird
der ADI zu durchschnittlich 93% erreicht, wobei in der Altersgruppe
der 25 bis 65-Jährigen der Grenzwert (ADI) um 20-30% überschritten
wird. Es zeigen sich große geschlechtsspezifische Unterschiede.
Während bei den Männern der ADI-Wert an der 95. Perzentile
zu höchstens 15% (16-25-Jährige) überschritten wird,
kommen bei der weiblichen Bevölkerung Überschreitungen
des toxikologischen Grenzwerts von 56% (46-55-Jährige) vor.
D.h. erwachsene Frauen sind hinsichtlich der Nitratbelastung als
Risikogruppe anzusehen.
Die Nitrataufnahme in Österreich liegt
in mit anderen europäischen Ländern vergleichbaren Bereichen.
Ebenso wie in anderen europäischen Ländern macht Gemüse
mit insgesamt 62% (durchschnittlich 42 mg/d) den Hauptanteil der
Nitrataufnahme aus. Gemüse enthält aber u.a. Nitrosierungsinhibitoren
(Vitamin C, E, Polyphenole etc.), die wahrscheinlich für die
Tatsache verantwortlich sind, dass in epidemiologischen Studien
nach wie vor Gemüseverzehr und Krebsrisiko negativ korrelieren.
An zweiter Stelle folgt Trinkwasser (insgesamt 25% bzw. 17 mg/d).
Hingegen ist die Nitrataufnahme aus Zusatzstoffen mit 13% (rd. 9
mg/d) geringer als allgemein befürchtet.
Die Überschreitungen des ADI-Werts der
High Consumer erscheinen derzeit nicht bedenklich, trotzdem sollte
durch verbessertes Qualitätsmanagement und Senkung der gesetzlichen
Höchstwerte in den stärksten kontaminierten Lebensmitteln
eine insgesamt geringere Exposition gewährleistet werden.
3.14
Schwermetalle
Üblicherweise werden bei der Belastung von Lebensmitteln
mit Schwermetallen die Elemente Blei (Pb), Cadmium (Cd) und Quecksilber
(Hg) behandelt. Die in den Lebensmitteln angereicherten Schwermetalle
werden von uns direkt oder indirekt über die Nahrungskette
aufgenommen und zum Teil im Organismus akkumuliert.
Da Blei und Cadmium zu den am weitesten verbreiteten Schwermetallen
zählen und als besonders toxisch gelten, wurde eine Risikoabschätzung
durchgeführt. Dazu wurden die Blei- bzw. Cadmiumgehalte einzelner
Lebensmittelgruppen (mit den aktuellsten erlaubten Höchstgehalten)
mit den österreichischen Daten zum Lebensmittelverzehr verschiedener
Bevölkerungsgruppen (aus der Österreichischen Studie
zum Ernährungsstatus) verknüpft.
Die errechnete Blei-Belastung beträgt bei den High Consumern
(= 95. Perzentile) maximal 38,5% der tolerierbaren Höchstmenge.
Laut FAO/WHO liegt der Provisional Tolerable Weekly Intake (PTWI)
für Blei für einen Menschen mit 60 kg Körpergewicht
bei 1500 µg.
Die Cadmium-Belastung liegt an der 95. Perzentile (= High Consumer)
je nach Bevölkerungsgruppe zwischen 0,19-0,73 µg/kg
Körpergewicht und Tag, wobei sich bei den 6-9-Jährigen
die höchste Belastung zeigt. Als Vergleichsbasis für
die Risikobewertung diente ein Provisionally Tolerable Daily Intake
(PTDI), der für eine bessere Vergleichbarkeit mit der täglichen
Aufnahme aus dem von JECFA 1985 postulierten toxikologischen Grenzwert
Provisionally Tolerable Weekly Intake (PTWI) von 7 µg/kg
Körpergewicht abgeleitet wurde. An der 95. Perzentile zeigt
sich eine Cadmium-Belastung, die zwischen 20% (>65-Jährigen)
und 73% (6-9-Jährige) des PTDI liegt. Als Risikogruppe hinsichtlich
der Cadmium-Belastung, die eine im Vergleich zum österreichischen
Durchschnitt bedeutend höhere Aufnahme an Cadmium aufweisen,
können 6-9-jährige Kinder genannt werden. Der toxikologische
Grenzwert von 1 µg/kg KG/d wird jedoch von keiner Bevölkerungsgruppe
– nicht einmal an der 95. Perzentile – überschritten.
Der derzeit für Cadmium geltende PTWI scheint daher zunächst
geeignet zu sein, auch Risikogruppen zu schützen.
Aufgrund der vorliegenden Ergebnisse bestehen hinsichtlich der
Schwermetallbelastung mit Cadmium und Blei durch die Nahrungsaufnahme
keine Bedenken. Jedoch können unter besonderen Verzehrsgewohnheiten
(exzessiver Konsum spezieller Lebensmittelgruppen) negative Wirkungen
durch Schwermetalle nicht mit der nötigen Sicherheit ausgeschlossen
werden. Besonders eine lang anhaltende einseitige Ernährung,
mit der Präferenz von Innereien, ungereinigten "naturbelassenen"
pflanzlichen Lebensmitteln und tierischen Fetten oder bestimmten
Fischarten, kann das Risiko in nicht näher quantifizierbarer
Weise erhöhen. |
| Kapitel
4: Bedeutung der wichtigsten Lebensmittelgruppen für die Ernährung |
4.1
Brot und Getreideprodukte
Österreich liegt mit seinem Brotverzehr
im europäischen Durchschnitt. Laut ÖSES (Österreichischen
Studie zum Ernährungsstatus) werden in Österreich durchschnittlich
119 g Brot und Gebäck - vorwiegend aus Auszugsmehlen - pro
Kopf und Tag verzehrt, was nur etwa der Hälfte der DGE-Empfehlungen
entspricht.
Eine Steigerung des Brotverzehrs (ohne zusätzlichen Verzehr
von Butter, Käse, Wurst etc. als Brotbelag), vor allem von
dunklen Brotsorten und Vollkornbrot, würde nicht nur die
Versorgungslage an zahlreichen Mikronährstoffen (B-Vitamine,
Vitamin E, Magnesium, Eisen etc.) verbessern, sondern auch die
Ballaststoffzufuhr auf ein wünschenswert höheres Niveau
anheben.
Da Brot rund 1,3 g Kochsalz pro 100 g enthält, könnte
auch die Jodversorgung in Österreich entscheidend verbessert
werden. Voraussetzung wäre jedoch eine breitere Verwendung
von jodiertem Speisesalz bei der Herstellung von Brot und Gebäck.
Aktuell durchgeführte Erhebungen zu den Verzehrsgewohnheiten
von Wiener Vorschulkindern (3-6 J.) zeigten Vorlieben für
Weißmehlprodukte. Viele der befragten Kinder gaben an, Vollkornbrot
gar nicht zu kennen. Unter den Frühstückscerealien werden
Cornflakes und nährstoffangereicherte Frühstücksflocken
bevorzugt. Haferflocken kennen die Kinder kaum bzw. werden nur
selten konsumiert.
In vielen Ländern ist die Nährstoffanreicherung von
Brot und Getreideprodukten Standard, wodurch die Versorgungslage
an vielen Vitaminen (z.B. Folsäure), Mineralstoffen (z.B.
Calcium) und Spurenelementen (z.B. Selen) verbessert wird. In
Österreich ist die Diskussion zu diesem Thema noch nicht
abgeschlossen. Bei den Anreicherungsmaßnahmen sollten jedoch
nicht Marktwirksamkeit und wirtschaftliche Aspekte, sondern vor
allem die Sinnhaftigkeit im Vordergrund stehen.
4.2
Obst und Gemüse
Die Auswertung des täglichen Gesamtobstverzehrs der österreichischen
Bevölkerung zeigt im Großen und Ganzen ein erfreuliches
Bild. Schwangere Frauen und Mittelschüler konsumieren mengenmäßig
am meisten Obst. Auch Vorschulkinder und Senioren nehmen täglich
ausreichend Obst zu sich. Ein höherer Obstverzehr wäre
allerdings bei Volksschulkindern, Jugendlichen und Erwachsenen
wünschenswert. Äpfel, Birnen und Bananen zählen
zum Lieblingsobst der Österreicher. Das meiste Kernobst und
die meisten Bananen werden von Kindern im Vorschulalter und von
Schwangeren konsumiert. Auch Senioren essen gerne Kernobst. Mittelschüler
bevorzugen Zitrusfrüchte. Sie decken fast ihren gesamten
Tagesbedarf an Vitamin C aus Obst während bei Schwangeren
der größte Teil der täglichen Vitamin C Zufuhr
aus Gemüse stammt.
Der tägliche, durchschnittlich errechnete Gemüseverzehr
des gesamten Untersuchungskollektivs ist, unabhängig von
Geschlecht und Lebensalter, unzureichend. Die höchste Gemüseaufnahme
verzeichnet die Gruppe der Schwangeren.
Fast bei allen Personengruppen, außer Mittelschüler
und Senioren, protokolliert das weibliche Kollektiv einen höheren
Obst- und Gemüsekonsum als das männliche.
Eltern als positive Vorbilder beeinflussen das Verhalten von Kindern
eher als Verbote oder Einschränkungen.
4.3
Milch und Milchprodukte
Von keiner untersuchten Bevölkerungsgruppe wurden die lebensmittelbasierten
Empfehlungen für den Verzehr von Milch und Milchprodukten
erreicht. Dennoch stammte der größte Teil des aufgenommenen
Calciums (>50%) aus dieser Lebensmittelgruppe.
Das ergaben die im Rahmen der ÖSES (Österreichische
Studie zum Ernährungsstatus) vom Institut für Ernährungswissenschaften
der Universität Wien durchgeführten Verzehrserhebungen.
Die geringste Vorliebe für Milch zeigte sich bei den 15-18-jährigen
Lehrlingen, welche lediglich 39% der empfohlenen Mengen verzehrten,
gefolgt von den 10-14-jährigen Mittelschulkindern, mit 55%.
Hingegen erreichte das Kollektiv der Senioren bezüglich des
Verzehrs von Milch und Milchprodukten über 80% der Empfehlungen.
Aufgrund der erhobenen Verzehrsdaten konnte auch die tägliche
Fettzufuhr aus Milch und Milchprodukten berechnet werden. Diese
belief sich auf rund ein Drittel des Richtwerts für die tägliche
Fettzufuhr. Ferner stammten geschätzte 6-7 Energie% der täglichen
Aufnahme an gesättigten Fettsäuren aus Milch und Milchprodukten.
Insgesamt ist eine Steigerung des Verzehrs von Milch, Käse,
Joghurt, Buttermilch etc. wünschenswert. Um dabei die Zufuhr
von Fett und gesättigten Fettsäuren nicht drastisch
zu erhöhen, sollten fettarme Produkte bevorzugt werden. Vor
dem Hintergrund der Osteoporoseprophylaxe würde sich dadurch
die Calciumversorgung verbessern lassen. Da Calcium in Österreich
ohnehin zu den Risikonährstoffen zu zählen ist, ist
der Milch und den daraus hergestellten Produkten eine herausragende
Bedeutung für die Ernährung breiter Bevölkerungsgruppen
in Österreich beizumessen.
4.4
Fleisch und Fleischprodukte
Pro Tag werden in Österreich je nach Altersgruppe durchschnittlich
zwischen 50 und 150 g Fleisch und Fleischprodukte verzehrt, die
ca. 40 g Eiweiß und 40 g Fett liefern. Diese Lebensmittelgruppe
enthält viele B-Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente.
Damit ist Fleisch mit einem mittleren Energiegehalt von ca. 180
kcal (750 kJ) pro 100 g ein Lebensmittel mit hoher Nährstoffdichte
(Fettgehalt <15%) und hat seinen Platz in einer ausgewogenen
Ernährungsweise. Bei einem gänzlichen Verzicht auf Fleisch
ist eine ausreichende Eisenversorgung bei bestimmten Bevölkerungsgruppen,
z.B. bei jungen Frauen, fraglich. Fleisch trägt auch wesentlich
zur Gesamtversorgung an Zink, Vitamin B12, Vitamin B6 und Schweinefleisch
an Vitamin B1 bei.
Diese Fakten unterstützen die Empfehlung, gelegentlich Fleisch
und Fleischprodukte (2-3 Portionen pro Woche zu 200 g) zu verzehren.
In Österreich liegt der tatsächliche Verzehr je nach
Personengruppe jedoch zwischen 200-300% über dieser lebensmittelbasierten
Empfehlung.
Lediglich bei Schwangeren und 3-6-jährigen Vorschulkindern
ergaben die vom Institut für Ernährungswissenschaften
der Universität Wien durchgeführten Verzehrserhebungen
Aufnahmemengen, die den wünschenswerten Vorgaben entsprachen.
Mit dem überhöhten Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten
steht die zu hohe Aufnahme an Fett, gesättigten Fettsäuren,
Cholesterin, Kochsalz und nicht zuletzt auch an Nahrungsenergie
in Verbindung. Demnach wäre es wünschenswert, den durchschnittlichen
Verzehr von Fleisch und Fleischprodukten in Österreich zu
reduzieren.
Sowohl für den Konsumenten als auch für die Produktion
sollte der Grundsatz "Qualität vor Quantität"
gelten. Die Qualität dieser Lebensmittelgruppe ließe
sich zusätzlich steigern, wenn für die Herstellung (z.B.
von Wurst) vermehrt jodiertes Speisesalz zum Einsatz käme.
4.5
Zucker
Der Zuckerverzehr in Österreich stagniert seit einigen Jahren
auf einem relativ hohen Niveau. Je nach Geschlechts- und Altersgruppe
liegt dieser zwischen 6 und 19% der Gesamtenergiezufuhr.
Die vom Institute of Medicine (USA) vorgeschlagene 25%-Grenze
für zugesetzten Zucker wird somit von keiner Personengruppe
überschritten. Die wesentlich strengere 10%-Grenze, wie sie
erst kürzlich in einem aktuellen WHO-Report erneut gefordert
wird, ist nicht bei allen Altergruppen realisiert. Während
fast alle Erwachsenen im Bereich dieses angenommenen Limits oder
darunter liegen, wird diese 10%-Grenze von Kindern und Jugendlichen
im Mittel überschritten. Am höchsten ist die Saccharoseaufnahme
bei den Vorschulkindern (3-6 J.) und Lehrlingen (15-18 J.). Kinder
und Jugendliche nehmen also deutlich höhere Saccharosemengen
auf als Erwachsene und ältere Menschen. Grundsätzlich
lassen sich keine ausgeprägten Geschlechtsunterschiede feststellen.
Tendenziell ist der Zuckerkonsum bei Mädchen und Frauen aber
etwas höher. Erwachsene konsumieren mit zunehmendem Alter
kontinuierlich weniger Zucker. Bei den über 75-Jährigen
ist wieder ein leichter Anstieg festzustellen, der sich bei den
hochbetagten Männern auch in einer besonders großen
Streubreite manifestiert. |
| Kapitel
5: Public Health/Gesundheitsförderung/ Prävention |
5.1
Ernährungsassoziierte Erkrankungen und Mortalität
Ernährungsassoziierte Erkrankungen mit mehr oder wenig multifaktorieller
Genese sind in Österreich eine wesentliche Ursache für
Morbidität und Mortalität. Herz-Kreislauf-Erkrankungen
und Krebserkrankungen sind für über 76% der Todesfälle
verantwortlich. Bei Frauen ist der Anteil an Herz- und Hirngefäßerkrankungen
höher als bei Männern, der Anteil an Krebserkrankungen
aber geringer. Das Risiko für Männer an Krebs zu erkranken,
ist um fast 39% höher als für Frauen. Die höchste
Mortalität bei Krebserkrankungen haben bei Männern Lungen-,
Prostata- und Darmkrebs und bei Frauen Brust-, Darm- und Lungenkrebs.
Die Todesfälle an endokrinen Störungen und Stoffwechselerkrankungen
sind zu 92% auf die Mortalität an Diabetes mellitus zurückzuführen.
Dem internationalen Trend entsprechend stieg auch in Österreich
die Prävalenz der Adipositas. 37% der ÖsterreicherInnen
sind übergewichtig und 9,1% adipös. Innerhalb Österreichs
zeigt sich ein Ost-West-Gefälle. Im Westen Österreichs
besteht eine höhere Lebenserwartung, ein niedrigeres Mortalitäsrisiko
an Herz-Kreislauf-Erkrankungen und eine geringere Adipositasprävalenz.
5.2
Koronare Herzerkrankungen
Das Zwischenprodukt des Methioninstoffwechsels, Homocystein ist
dabei, sich neben Hyperlipidämie, Hypertonie und Diabetes
als diätetisch beeinflussbarer Risikofaktor für Herz-
und Gefäßerkrankungen zu etablieren. Homocystein ist
in Österreich sowohl bei Gesunden, als auch bei Patienten
mit Herzkreislauferkrankungen untersucht worden und die Anzahl
der gefundenen Hyperhomocysteinämien lässt darauf schließen,
dass dieser Parameter auch hierzulande eine nicht zu unterschätzende
Rolle erlangen könnte. Das Ausmaß der Bedeutung kann
vor Abschluss von derzeit laufenden großen Interventionsstudien,
in denen mit Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 supplementiert
wird, noch nicht verlässlich abgeschätzt werden. Es
ist jedoch auch jetzt schon sinnvoll, bei Risikopersonen bzw.
Patienten mit Herz- und Gefäßerkrankungen Homocystein
zu untersuchen, da eine Reihe von Lebensstilfaktoren bekannt sind,
mit denen erhöhte Homocysteinspiegel gesenkt werden können.
Dazu zählen Nikotinabstinenz, regelmäßige körperliche
Aktivität und eine Ernährungsweise, die eine ausreichende
Zufuhr an Folsäure, Vitamin B12 und Vitamin B6 gewährleistet.
5.3
Ernährung bei HIV-Infektion
In Österreich werden jährlich über 1,2 Millionen
Personen auf HIV (= Human Immunodeficiency Virus) getestet. Eine
halbe Million dieser Tests werden bei Blutspendern gemacht. Je
nach Quelle werden in Österreich zwischen 9000 und 15000
(AIDS-Hilfen) HIV-Infektionen angenommen.
Bei mit dem HI-Virus infizierten Patienten besteht zu jedem Zeitpunkt
die Gefahr einer Fehl- bzw. Mangelernährung. Die Mangelernährung
und das Wasting-Syndrom1 waren bis zur Einführung der HAART
(= Highly Active Antiretroviral Therapy) bei HIV+ Patienten stark
verbreitet. Seit Einführung der HAART gibt es deutlich weniger
Patienten mit einem Body Mass Index (BMI) unter 20 kg/m².
Die meisten Patienten nehmen nach Beginn der HAART zu. Patienten,
die mit einer HAART behandelt werden, sollten unbedingt die Einnahme
von alternativen, komplementärmedizinischen Präparaten
mit dem sie betreuenden Arzt besprechen. Ausgeprägte Ernährungsprobleme
treten häufiger im fortgeschritteneren Erkrankungsstadium
auf.
5.4
Diabetes mellitus
Weltweit verzeichnet man steigende Inzidenz- und Prävalenzraten
der Glucosetoleranzstörung Diabetes mellitus. Als besonders
besorgniserregend gelten dabei die steigenden Erkrankungsraten
nicht nur in den mit zahlreichen "Wohlstandserkrankungen"
kämpfenden Industrieländern, sondern auch in den bevölkerungsreichen
Ländern der sogenannten zweiten und dritten Welt sowie unter
zunehmend jüngeren Menschen. In Österreich ist die Diabetesprävalenz
(rund 2,1%) im Vergleich zu vielen anderen Industriestaaten zwar
relativ niedrig aber dennoch im Steigen begriffen. Im Jahr 2000
wurden 47.190 Personen mit der Diagnose Diabetes stationär
in österreichischen Krankenhäusern aufgenommen. Darunter
waren 24.674 Frauen und 22.516 Männer.
Im Jahr 2001 wurden in Österreich 1.460 Verstorbene (565
Männer, 895 Frauen) mit Todesursache Diabetes mellitus registriert.
Auf 100.000 Lebende des selben Geschlechts bezogen waren dies
14,3 Männer bzw. 21,4 Frauen. Aus diesen Gründen stellt
die Erkrankung eine große Herausforderung für die Gesundheitssysteme
und alle im Bereich Public Health tätigen Organisationen
und Personen dar. Maßnahmen zur Prävention sind dabei
jenen zur Therapie vorzuziehen.
Diabetes mellitus Typ 1 ist eine vererbbare Autoimmunerkrankung,
deren Manifestation nur in geringem Ausmaß von äußeren
Faktoren beeinflusst wird. Dagegen ist die Entstehung von Diabetes
mellitus Typ 2 in großem Ausmaß von beeinflussbaren
Risikofaktoren abhängig, zu denen in erster Linie Adipositas,
Bewegungsarmut und eine ungünstige Ernährungsweise zählen.
|
| Kapitel
6: Gesundheitsförderung und Kommunikation |
6.1 Fonds Gesundes Österreich
Im Jahr 1998 hat der Fonds Gesundes Österreich begonnen,
seine Aufgaben, basierend auf dem Gesundheitsförderungsgesetz,
aufzunehmen. Als nationale Kontakt- und Fördereinrichtung
unterstützt der Fonds Gesundes Österreich seither mehr
als 450 Projekte und Maßnahmen der Gesundheitsförderung
und Primärprävention. Dabei stehen häufig Aktivitäten
im Lebensstilbereich, wie Ernährung und Bewegung im Vordergrund.
Für diese Aktivitäten werden dem Fonds Gesundes Österreich
jährlich € 7,25 Millionen aus dem Aufkommen der Umsatzsteuer
(von Bund, Ländern, Gemeinden und Städten) zur Verfügung
gestellt.
Um dem großen Problem unserer Zeit entgegen zu wirken, sind
viele Programme auf die Prävention von Übergewicht und
Adipositas gerichtet. Im Sinne der Ottawa Charta wird angestrebt,
langfristige Programme zu entwickeln, die sowohl eine Verhaltens-
als auch eine Verhältnisänderung bewirken und nachhaltig
zur Gesundheitsförderung beitragen. Dies wird sehr anschaulich
am Beispiel der "Gesunden Betriebsküche". VertreterInnen
aller Betriebsebenen werden in die Planung und Konzeption des
Projekts einbezogen, das bestehende Speisenangebot überarbeitet
und neu gestaltet; Küchenpersonal wird geschult und die MitarbeiterInnen
des Betriebes werden partizipativ in das Projektgeschehen eingebunden.
Neben der Projektförderung richtet sich der Fonds Gesundes
Österreich jährlich mit Gesundheitsbotschaften an die
Gesamtbevölkerung, in Form von Medienkampagnen. Diese sollen
motivieren, ein Umdenken in Richtung eines besseren Gesundheitsverhaltens
zu bewirken. Zur Ernährungsaufklärung und -information
wird allen Interessierten die Ernährungsbroschüre des
Fonds gratis zur Verfügung gestellt. Die 1999 eingerichtete
Ernährungs-Hotline gibt weitere Auskunft bei allgemeinen
und speziellen Fragen rund um das Thema Ernährung. Begleitende
Kampagnenaktivitäten, wie beispielsweise Aktionen in Betriebsküchen
sollen Küchenverantwortliche anregen, den Gästen fettärmere
und fleischreduzierte Speisen, mehr Gemüse und Salat anzubieten,
sodass die nötigen Strukturen geschaffen werden und die BetriebsmitarbeiterInnen
öfter zum empfehlenswerten Gericht greifen können.
6.2 Gesundheitsförderung in Österreich
Mit der "Ottawa Charta zur Gesundheitsförderung"
1986 wurde ein wichtiger Schritt mit dem Ziel, der Bevölkerung
ein Leben in maximaler Gesundheit zu ermöglichen, gesetzt.
In Österreich wurde mit der Verabschiedung des Gesundheitsförderungsgesetzes
(GfG) 1998 die rechtliche Grundlage zur Verwirklichung der Ziele
und Maßnahmen in diesem Bereich geschaffen. Der Beitritt
Wiens zum "Gesunde Städte"-Projekt 1988 war der
Beginn für zahlreiche Projekte und Initiativen zur Verbesserung
der Gesundheitssituation in der Großstadt. Eines der Projekte
im Rahmen des Gesundheitsförderungsplans für Wien, war
das "Netzwerk Ernährung", welches im Auftrag der
Gemeinde Wien vom Institut für Ernährungswissenschaften
als dreijähriges Pilotprojekt durchgeführt wurde. Mit
Hilfe verschiedener Maßnahmen, wie Newsletter, Homepage,
Workshops und Symposien, wurde versucht, wissenschaftlich fundierte
Ernährungsinformation zu verbreiten. Eine wichtige Aufgabe
des Netzwerks war dabei, bereits vorhandene Strukturen auf dem
Gebiet der Ernährungsberatung zu verbinden bzw. zu unterstützen.
In einer Erhebung des Instituts für Ernährungswissenschaften
der Universität Wien wurde das Angebot an Ernährungsinformation
im World Wide Web (Internet) untersucht. Die Websites mit ernährungsbezogener
Information nehmen ständig zu, unterliegen aber inhaltlich
keiner Kontrolle und sind daher nicht uneingeschränkt zu
empfehlen. Mit Hilfe von Suchmaschinen wurden Internetseiten zum
Schlagwort "Ernährung" gesucht. Von insgesamt 76
untersuchten österreichischen Websites wurden 61 von einer
Institution oder Organisation, 12 von einem Lebensmittel-, Pharma-
oder anderem Handelskonzern und 3 aus dem Fitnessbereich zur Verfügung
gestellt. Bei nicht einmal der Hälfte der Seiten wurde ein
Verfasser genannt, ebenso gibt es kaum Aufschluss über deren
Profession. Die Qualität der Inhalte konnte nur in 24% der
Fälle als "gut" eingestuft werden, wobei nicht
nur die Richtigkeit sondern auch die Genauigkeit der Angaben verbesserungswürdig
waren. Das Medium Internet stellt eine sehr große, allerdings
unstrukturierte und unkontrollierte Informationsquelle dar, nicht
zuletzt, da die meisten Websites von Marketing- und Medienfachleuten,
nicht aber von bzw. mit Hilfe von Ernährungswissenschaftern
erarbeitet werden.
6.3 REVOST - Reiner Ernährungs- und
Vorsorge-Studie, ein Anwendungsbeispiel aus Südösterreich
Herzinfarkt und Schlaganfall stellen die Haupttodesursache in
unserer Gesellschaft dar. Die pathologischen Prozesse beginnen
dabei schon in der Kindes- und Jugendzeit. Die Adipositas spielt
dabei eine zentrale Rolle in der Entwicklung von Risikofaktoren
wie Hyperinsulinämie, Bluthochdruck, Hyperlipidämie,
Diabetes mellitus Typ II.
Sowohl die Childhood Group der International Obesity Task Force
(IOTF) als auch die European Childhood Obesity Group (ECOG) empfehlen
den Body Mass Index als Beurteilungskriterium für Übergewicht
und Adipositas bei Kindern und Jugendlichen. Im Erwachsenenalter
erfolgt die Definition von Übergewicht und Adipositas anhand
fester Grenzwerte, bei der Beurteilung von Kindern und Jugendlichen
müssen alters- und geschlechtsspezifische Veränderungen
berücksichtigt werden.
Im Zuge der schulärztlichen Kontrolle wurden im Zeitraum
von 1995-2003 Schüler am Bundesgymnasium Rein dokumentiert.
Diese Daten von Schülern im Alter von 10-18 Jahren gelten
als Beispiel der Problematik von Übergewicht und Fehlernährung
und bestätigen den Handlungsbedarf von gesundheitsfördernden
Maßnahmen im frühen Kindes- und Jugendalter.
Die höchste Prävalenz von Übergewicht wurde bei
den 10-Jährigen, von 15,9% (männlich) und 13,2% (weiblich)
mit einem BMI >90.Perzentile festgestellt.
Auch die Prävalenz von Adipositas war in dieser Altersgruppe
am stärksten ausgeprägt. Im Gesamtkollektiv lag starkes
Übergewicht (Adipositas) aber nur bei 1-2% der Schüler
vor. Daraus erklären sich auch die allgemein im Referenzbereich
liegenden Laborparameter (Blutlipide, Harnsäure, Nüchternglukosewerte).
Ein BMI unterhalb des 10. Perzentils erfüllt das Gewichtskriterium
nach ICD-10 für die Anorexia nervosa und wurde auch im vorliegenden
Kollektiv (n=2033) beobachtet. Die höchste Prävalenz
zeigte sich bei den männlichen 16-Jährigen mit 15,2%
bzw. bei den weiblichen 15-Jährigen mit 10,9%.
6.4 Lebenmittelbasierte Richtlinien und
Empfehlungen
Lebensmittelbasierte Richtlinien sind im Gegensatz zu nährstoffbasierten
Richtlinein eine geeignete gesundheitspolitische Maßnahme
zur Verbesserung der Ernährung. Entsprechend den Vorschlägen
der Welternährungsorganisation (FAO) sollten diese Richtlinien
in verschiedenen Punkten den nationalen, regionalen, kulturellen
und sprachlichen Besonderheiten angepasst sein.
Entsprechend den Ergebnissen aus dem vorliegenen Ernährungsbericht
für Österreich werden sieben Richtlinien für eine
gesunde Ernährung formuliert:
1. Vielseitige Ernährung
2. Mehr kohlenhydrathaltige Speisen und Beilagen – weniger
Gebackenes
3. Viel Obst und Gemüse – “Nimm 5 am Tag”
4. Wenig Fett und fettreiche Lebensmittel
5. Viel Flüssigkeit - Trinken mit Verstand
6. Essen mit Genuss
7. Mit Bewegung körperlich fit bleiben
Diese lebensmittelbasierten Richtlinein für Österreich
sollten helfen, die Ernährung der Österreicherinnen
und Österreicher in Richtung einer besseren Gesundheitsvorsorge
zu verbessern. Hierdurch besteht die Chance, die Inzidenz einer
Vielzahl von ernährungsassoziierten Erkrankungen deutlich
zu reduzieren und dadurch sowohl einen Beitrag zur Reduktion der
Kosten des Gesundheitswesens als auch - und das ist vielleicht
sogar der wichtigste Effekt - einen Beitrag zu mehr Lebensqualität
zu leisten.
Auch Ernährungsrichtlinien sind, wie wissenschaftliche Erkenntnisse
im Allgemeinen, verschiedenen Entwicklungen unterworfen, so dass
sie nicht für alle Zeiten unverrückbar sind. Grundlegende
Änderungen an den hier gegebenen Richtlinien sind jedoch
auch in weiterer Zukunft nicht zu erwarten. Aufgrund der Veränderungen
in der Bevölkerungsstruktur ist jedoch in Zukunft sicherlich
davon auszugehen, dass spezifische Empfehlungen für einzelne
Bevölkerungsgruppen entwickelt und veröffentlich werden.
Dies wird eine der wichtigsten Aufgaben der Ernährungswissenschaft
für die nächsten Jahre werden.
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| Kapitel
7: Entwicklung des Lebensmittelverbrauchs in Österreich zwischen
1947 und 2001 (Anhang zu Kapitel 1) |
Mit dem Beitritt
Österreichs zur Europäischen Union wurde der statistische
Erfassungsmodus für die meisten Lebensmittel umgestellt. Daher
ist die Bewertung der Entwicklungen nur zwischen den Jahren 1947
und 1994 zuverlässig. Aussagen zu Trends in den darauf folgenden
Jahren sind nur mit großen Einschränkungen möglich.
Anstelle dessen erfolgte eine Analyse des Lebensmittelverbrauchs
in den Jahren 1983/84 bis 1993/94, die zusätzliche Information
für die Beschreibung aktueller Tendenzen im Lebensmittelverbrauch
liefert. Angaben zum Nahrungsmittelverzehr in Österreich, die
auf den Verbrauchsdaten der Ernährungs- bzw. Versorgungsbilanzen
beruhen und erfahrungsgemäß weit unter den verfügbaren
Nahrungsmittelmengen liegen, können mittels Korrekturfaktoren
abgeschätzt werden.
Brotgetreide, Kartoffeln und Trinkmilch zeigen einen in den vergangenen
50 Jahren rückläufigen Verbrauch. Das über Agrarstatistiken
ermittelte Angebot der meisten anderen Lebensmittel und Lebensmittelgruppen
ist mehr oder weniger gleichgeblieben bzw. angestiegen. Letzteres
trifft insbesondere für Fleisch und Fleischwaren, Obst/Gemüse
und Milchprodukte (außer Trinkmilch) zu, wobei die Entwicklungen
sowohl positive als auch negative ernährungsphysiologische
Aspekte mit sich bringen. Konsumerhebungen belegen, dass der österreichische
Konsument im Durchschnitt rund 13% seiner monatlichen Haushaltsausgaben
für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke ausgibt, etwas
weniger, als noch 1993/94. Die wesentlichen Ergebnisse der österreichischen
Konsumerhebung besagen, dass von einem durchschnittlichen Haushalt
pro Monat fast 10 Kilo Fleisch und Wurst, sowie ein halbes Kilo
Fisch, 12 Liter Milch, fast 26 Kilo Obst und Gemüse, 35 Eier,
fast 10 Liter an alkoholischen Getränken sowie 27 Liter alkoholfreie
Erfrischungsgetränke konsumiert werden. Eine Interpretation,
die Aufschluss über die Versorgungslage einzelner Bevölkerungsgruppen
und damit Ansatzpunkte für die Planung und Realisierung präventiver
bzw. gesundheitsfördernder Maßnahmen aufzeigt, ist nur
zusammen mit Ergebnissen zum Ernährungsstatus der österreichischen
Bevölkerung sinnvoll.
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| AUSBLICK
– Vorschläge für die Optimierung der Ernährungssituation
in Österreich |
Der Österreichische
Ernährungsbericht 2003 soll nicht nur den Ist-Zustand der Ernährungssituation
in Österreich beschreiben, sondern auch Ansatzpunkte für
eine Verbesserung der aufgezeigten Mängel liefern. Aus den
Resümees der vorangegangenen Kapitel lassen sich vorrangig
folgende Ziele für die Ernährungspolitik konkretisieren:
· Ziel – Aufgezeigte Formen der Fehlernährung
beseitigen
Auf Basis der Gesamtbevölkerung sind dies:
- die nicht dem Verbrauch anpasste hohe Energiezufuhr
- der insgesamt zu hohe Fettverzehr
- die unausgewogene Fettauswahl mit zuviel gesättigten (tierischen)
Fetten und zu wenig pflanzlichen Fetten sowie das ungünstige
n-6 : n-3-Fettsäure-Verhältnis
- die geringe Ballaststoffaufnahme
- die geringe Zufuhr an Folsäure, Jod, Calcium
Möglichkeiten der Umsetzung:
- verstärkt lebensmittelbasierte Empfehlungen formulieren/anwenden
(z.B. "5-am-Tag"-Kampagne, Ernährungskreis, Ernährungspyramide,
weniger Fett und fettreiche Lebensmittel, moderater Zuckerkonsum
etc.)
- Gezielte Nährstoffanreicherung (z.B. mit Folsäure,
Calcium) von geeigneten halbfertigen bzw. fertigen Lebensmitteln
- Optimierung der Verfügbarkeit einzelner Nährstoffe
bereits auf der Ebene der Lebensmittelverarbeitung, z.B. die lückenlose
Verwendung von Jodsalz auch in der Herstellung von Lebensmitteln
(in Bäckereien, in der Käseerzeugung und auch in der
Fleischverarbeitung) und dabei den Einsatz von Kochsalz auf das
Mindestmaß reduzieren
· Ziel – Verbesserung des Ernährungswissens
Das Ernährungswissen einiger Bevölkerungsgruppen (z.B.
Lehrlinge) zeigt gravierenden Verbesserungsbedarf. Um das Ernährungswissen
allgemein zu verbessern, empfiehlt sich die Bildung eines Netzwerks
zur Ernährungsinformation in Österreich, mit dem Ziel
die Ernährungsbotschaft fundiert, objektiv und eindeutig
zu gestalten.
· Ziel – Förderung des Gesundheitsbewusstseins
Aus den Ergebnissen zur Untersuchung des Ernährungsverhaltens
kann weiterhin ein verbesserungswürdiges Gesundheitsbewusstsein
abgeleitet werden. Die laufenden Gesundheitskampagnen (zum Teil
über den Fonds Gesundes Österreich gefördert) sollten
dazu weiter forciert werden.
· Ziel – umfassende Beschreibung
des Ernährungsstatus
Für den nächsten Ernährungsbericht sind neben den
Verzehrserhebungen auch laborchemische Untersuchungen zur Ermittlung
des Ernährungsstatus anzustreben. Dadurch wird es möglich
sein, den Ernährungszustand einzelner Bevölkerungsgruppen
in Österreich noch umfassender und treffender zu beschreiben.
Im aktuellen Bericht konnte dies aus Kostengründen nicht
realisiert werden.
· Ziel – das präventive Potential
der Ernährung hervorheben und gezielt über die Rolle
der Ernährung in der Gesundheitsförderung informieren
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| Gesamter
Bericht |
Der Österreichische
Ernährungsbericht 2003 ist gegen einen Druckkostenbeitrag von
10 Euro (zzgl. etwaiger Versandkosten) beim Institut für Ernährungswissenschaften,
Althanstr. 14, A-1090 Wien, erhältlich. |
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