Abb.1
Abb.2
Abb.3
Abb.4
Abb.5
Abb.6
Abb.7
Abb.8
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Nach dem unerwarteten
Tode Kaiser Maximilian I. (1519) stellte der Entschluss seines Enkels
Karl, die Nachfolge im Kaisertum anzustreben, dessen Räte und
Vertreter in den burgundischen Niederlanden und im Reich vor die Aufgabe,
die Kandidatur zu betreiben. Karl, Herzog von Burgund seit 1515 und
König in Spanien seit 1516, hatte bis zu diesem Zeitpunkt zu
den Deutschen keine Beziehungen aufgebaut und war im Reich weitgehend
unbekannt. Die Aufgabe, ihn den Deutschen als legitimen Nachfolger
seines beliebten Großvaters nahe zu bringen, fiel der habsburgischen
Partei mit Zentrum im burgundischen Hof unter Anteilnahme der Statthalterin
Margarete, der Tante des Bewerbers, und der Regierung der österreichischen
Erblande zu. An ihrer Bewältigung beteiligten sich außerdem
reichspatriotische Gruppen. Eines der Mittel waren druckgrafische
Bildnisse und Flugschriften mit Bildern. Bildnisse, zwischen 1518
und 1521 auf dem Markt, waren unter anderem die Radierungen des Augsburgers
Daniel Hopfer (Abb. 1) und des Nürnbergers Hieronymus Hopfer
(Abb. 2) sowie das Straßburger Holzschnittbildnis von Hans Baldung
Grien (Abb.
3). Die beiden Hopfer und Baldung Grien lassen sich den reichspatriotischen
Gruppen zuordnen. Stellvertretend für ihre Produkte wird der
Holzschnitt von Baldung Grien vorgestellt. Von der habsburgischen
Partei wurde propagandistisch ein anderes Holzschnittbild eingesetzt,
das in fünf Drucken überliefert und das als Bildnistypus
in weiteren zeitgenössischen Kopien verwandt worden ist .
Auf den Abbildungen 4 – 8 wird der junge Fürst mit leicht
geneigtem Kopf nach links blickend als Halbfigur stehend hinter einer
mit einem unterschiedlich großen Teppich bedeckten Brüstung
gezeigt, auf dem seine Hände ruhen. Die Brüstung befindet
sich auf den Abbildungen 4, 5, 7, 8 zwischen zwei Säulen, auf
deren Kapitelle entweder ein glatter Fenstersturz (Abb. 4, 7, 8) oder
ein reliefierter Rundbogen aufsitzen (Abb. 5)
. Die Einrahmung des
Jünglings lässt sich als ein Fenster deuten. Der Teppich
zeigt ein Granatapfelmuster. Als Kopfbedeckung trägt Karl ein
Barett mit Agraffe. Über einer pelzbesetzten Schaube aus Brokat
mit Granatapfelmuster hängt die Collane des Ordens vom Goldenen
Vlies. In seiner rechten Hand hält er einen Granatapfel. Das
Bild des Fürsten ist in allen Schnitten weitgehend gleich und
lässt sich dem Repräsentationstypus zuordnen. Unterschiedlich
sind Teile der weiteren Holzschnittgestaltung.
In dem ersten Holzschnitt (Abb. 4) ist Karl als Jüngling mit
schönen, jugendlich-weichen Gesichtszügen von zwei pseudokorinthischen
Säulen eingerahmt, deren Kapitelle durch einen geraden Abschluss
verbunden sind. Die Säulenbasen zeigen an flachen Sockeln linksseitig
ein reitendes nacktes Kinderpaar, rechtsseitig einen Reiter, nackend
galoppierend und eine Peitsche schwingend. Die Bedeutung beider symbolischer
Szenen konnte bisher nicht gedeutet werden. An den unteren, kannelierten
Säulenschäften stehen Putten, von denen die linke eine Schale
mit brennendem Inhalt auf einer Stange trägt, die rechte ein
Blasinstrument spielt. Sie verweisen auf den Ruhm des Königs.
Wichtig ist die Inschrift 'Karolus Rex Hispanie’, eingebracht
unter dem Fenstersturz. Zu beiden Seiten des Teppichs enthält
ein sechszeiliger typografischer Text Karls Titulaturen, beginnend
mit 'Karolus vo(n) gottes genade(n) Künig in Hispanie’,
abschließend mit dem Titel eines Herrn zu Mecheln. Für
den Text wurden Typen der Augsburger Verleger Grimm und Wirsung verwendet,
womit der Druckort der Holzschnitte in den Abbildungen 4 und 5 geklärt
ist.
Auch der zweite Holzschnitt (Abb. 7), zweiter Zustand des ersten Holzschnittes,
datiert 1518, schließt mit dem geraden Türsturz ab. Oberhalb
der Abdeckung der Nische schweben verzierte Füllhörner,
aus deren Öffnungen Granatäpfel quellen. Jeweils in ihrer
Mitte sind die Füllhörner von einem Ring umgürtet,
an denen ein Joch bzw. ein Pfeilbündel hängen – die
Symbole der spanischen Großeltern. Das Joch war das Emblem des
Königs Ferdinand von Aragon, das Pfeilbündel das Emblem
der Königin Isabel von Kastilien-León . Unterhalb der
Granatäpfel schwebt, gewissermassen stehend über dem Türsturz,
ein einköpfiger nimbierter Adler, vor dem sich ein von einer
Krone überwölbter Wappenschild befindet. Er enthält
neben den Wappen der spanischen Länder auch die von Sizilien,
von Österreich und von Burgund sowie die bourbonischen Lilien.
Der einköpfige Adler ist der Adler des Johannes. Er gehörte
wie das Pfeilbündel zu den Emblemen der spanischen Großmutter,
verweist also nicht auf die römische Königswürde. Zwischen
den Säulenkapitellen befindet sich oberhalb des Kopfes von Karl
abermals die Inschrift 'Karolus Rex Hispanie‘. Von der Brüstung
ragt ein Teil des Teppichs in den das Blatt abschließenden zehnzeiligen
typografische Text hinein. Auch er beginnt mit 'Karolus vo(n) gottes
genade(n) Künig in Hispanie’ und fährt dann fort 'ein
gewaltiger her un(d) küng vo(n) VIII künig reich zu Castilia...’
Die umfangreiche Titelaufführung schließt: „Item
dise gebildnus ist gemacht nach seiner gestalt 1518“ –
eine Aussage, die anzuzweifeln ist angesichts des individueller Züge
entbehrenden Porträts. Dagegen belegt die Kenntnis der Embleme
der spanischen Großeltern, dass der Schöpfer dieses Holzschnittes
mit dem dynastisch-politischen Umfeld Karls vertraut gewesen ist oder
gemacht worden war.
Der Holzschnitt auf der achten Abbildung, emblematisch zu datieren
auf 1519, hat das Mittelfeld der ersten zwei beibehalten, weicht jedoch
im oberen und unteren Teil von diesen ab. Über dem Türsturz
befindet sich auf einem Wappenschild ein Adler mit dem österreichische
Wappen auf seiner Brust. Über dem Wappenschild flattert ein doppelt
so großer Adler, vor dessen Brust eine Bügelkrone schwebt.
Umschlossen wird der Wappenschild von der Collane des Ordens vom Goldenen
Vlies. Zu beiden Seiten des Wappenschildes halten je ein Wappenlöwe
jeweils ein Wappen, ein spanisches mit Einschluss der französischen
Lilien und ein zweites mit den Emblemen anderer Herrschaftsbereiche.
Weitere sechs Herrschaftswappen finden sich am unteren Bildrand zu
beiden Seiten des Teppichs. Die Wappenlöwen halten in ihrer jeweils
äußeren Tatze eine Standarte mit den Emblemen der spanischen
Großeltern Karls: Joch und Pfeilbündel. Als Zeichner kann
Hans Sebald Beham infrage kommen.
Auf dem Holzschnitt in Abbildung 5, zu datieren 1519, zeigt innerhalb
des bekannten Säulenrahmens das Brustbild des Fürsten härtere
Gesichtszügen, ein stärker vorstehendes Kinn und einen leicht
geöffneten Mund. In diesem Bildnis leuchtet eine gewisse Porträthaftigkeit
auf. Die Kapitelle tragen einen reliefierten architektonischen Rundbogen.
Hinter dem Fensterbogen werden Teile einer ornamental verzierten Wand
sichtbar. In der Rundung hängen an Granatäpfeln abermals
das Joch Ferdinands von Aragon und das Pfeilbündel Isabels von
Kastilien. Zwischen den Granatäpfeln befindet sich ein Wappenschild,
überwölbt von Krone und nimbiertem Adler des Johannes .
Die Wappen beziehen sich auf die Kronen von Kastilien und León,
Sizilien und Jerusalem, von Österreich und Burgund. Zwischen
dem Wappenschild und dem Kopf sind Karls Embleme eingebracht - die
zwei Säulen des Herkules ohne Bekrönung und seine Devise
'PLVS OVLTRE‘ in der verdeutschen Form 'Noch weiter‘.
Hatte der Bildbetrachter auf den ersten drei Abbildungen gegen die
Brüstung gesehen, blickt er hier auf sie. Unterhalb der Brüstung
führt der achtzeilige xylographische Text Karls Titulatur auf,
beginnend mit der Formulierung 'C Von gottes‘ genaden wir Karoll
Roemischer Künig zu Hispanien...“ Aus der Titulatur ist
zu folgern, dass das Blatt nach der Frankfurter Wahl von 1519 auf
den Markt gelangt ist. Geschnitten wurde es bei Jost de Negker in
Augsburg.
Der letzte dieser Holzschnitte (Abb. 6) weist weder eine Umrandung
noch eine Textbeigabe auf. Karls Gesichtszüge ähneln denen
des vierten Holzschnittes. Am oberen Rand des Blattes findet sich
die Inschrift 'Karolus Rex Hispanie‘, darunter die Jahreszahl
1519. Oberhalb des Kopfes schließt die Devise 'Noch weiter‘
die beiden ungekrönten Säulen des Herakles ein. Zwischen
der Jahreszahl und der Devise halten zwei aufrecht stehende Tiere
(geflügelte Löwen mit Greifenköpfen?) ein Wappen mit
dem nimbierten doppelköpfigen kaiserlichen Adler, überwölbt
von einer geschlossenen Krone, der Kaiserkrone, und umrahmt von der
Collane des Ordens vom Goldenen Vlies. Über den Wappenschildern
zur rechten und linken Seite der Mittelgruppe schweben offene Kronen,
die Wappen verweisen auf die Titulatur Karls. An den Wappen hängen
die Embleme seiner spanischen Großeltern. Die Inschrift 'Karolus
Rex Hispanie’ steht im Widerspruch zu Reichsadler und Kaiserkrone.
Dem Datum zufolge entstand der Holzschnitt im Wahljahr, der Bildgehalt
lässt offen, ob vor oder nach der Wahl. Er könnte noch vor
den entscheidenden Tagen zu Frankfurt gefertigt worden sein –
ein Ausdruck der Hoffnung auf ihren erfolgreichen Ausgang.
Der bzw. die Auftraggeber dieser Holzschnitte ließen sich nicht
ermitteln. Da alle Blätter zunächst den Eindruck vermitteln,
sie seien im Dienste der habsburgischen Wahlpropaganda entstanden,
ist ihr zentraler Gehalt mit hoher Wahrscheinlichkeit von Räten
aus dem Umfeld des Kaisers oder sogar von Maximilian selbst entwickelt
worden. Die Kanzlei am Hofe seiner Tochter, der burgundischen Statthalterin,
hätte mit ziemlicher Sicherheit unter dem Einfluss von Margarete
Porträthaftigkeit für Karl angestrebt. Ihr Hof verfügte
über Bildnisse, die den Auftraggebern offensichtlich nicht zur
Verfügung standen. Sie mussten daher auf ein zutreffendes Bildnis
verzichten. Bei den Emblemen erscheint auffällig, dass im ersten
Holzschnitt außer dem Verweis auf den Orden vom Goldenen Vlies
und dem Granatapfel keine speziellen Sinnbilder, im zweiten und dritten
nur spanische und erst auf den letzten zwei Holzschnitten neben den
spanischen auch Karls eigene Embleme eingebracht worden sind –
die Säulen des Herakles und sein Wahlspruch 'PLVS OVLTRE‘
in der verdeutschen Form 'Noch weiter’.
Den Bildnistyp 'Repräsentationsbild’ werden die Auftraggeber
vorgegeben haben. Ob dessen konkrete Umsetzung auch ihr Werk war,
lässt sich nicht sagen. Heusinger hat zutreffend erkannt, dass
der junge König in einem Fenster erscheint und sich damit öffentlich
zeigt – eine neue Bildnisform, die er als Huldigungstyp bezeichnet.
Sie schreibt Heusinger dem Zeichner zu. Die Festlegung des zentralen
Bildgehaltes hätte an einem anderen Ort vorgenommen werden können
als am Ort von dessen künstlerischer Umsetzung. Dieser Fall scheint
nicht vorzuliegen. Da der Holzschnitt in Abbildung 5 bei Jost de Negker
zu Augsburg gefertigt wurde, lässt sich zusammen mit anderen
Indizien folgern, dass die früheren Drucke ebenfalls in der Reichsstadt
entstanden sind. Zu diesen Anzeichen gehört auch, dass hier 1518
ein Reichstag zusammengetreten und die Fugger ansässig waren,
deren Haupt Jakob der Reiche 1519 zentraler Kreditgeber für die
Kosten des Wahlkampfes wurde.
Der Schöpfer eines politisch so wichtigen Repräsentationsbildes
bedurfte einer offiziösen Vorlage. Sie könnte auf dem Augsburger
Reichstag von 1518 entwickelt worden sein. Politisch als wichtig wurde
offenkundig erachtet, dass Karl als legitimer dynastischer Erbe seines
Großvaters in Erscheinung trat. In Augsburg bemühte sich
der Kaiser, die Wahl seines Enkels zu sichern. In diesem Zusammenhang
könnte das Blatt in Abbildung 4 angefertigt worden sein, möglicherweise
schon vor 1518. Der alternde Kaiser kann angestrebt haben, dass die
Deutschen seinen Enkel Karl kennen lernten bevor dieser offiziell
als Thronkandidat auftreten würde. Darauf deutet hin, dass im
ersten Blatt das spanische Königtum nicht so nachdrücklich
herausgestrichen wurde wie bei den späteren Drucken über
die Embleme der anderen Großeltern. Dieser Verzicht beruhte
nicht auf emblematischer Unkenntnis, sondern auf einem propagandistischen
Kalkül des deutschen Großvaters oder seiner Berater hinsichtlich
des beabsichtigten Wirkungsfeldes des Blattes.
Hinter dem Holzschnitt von 1518 (Abb. 7) kann ebenfalls noch Maximilian
im Kontext seiner Bemühungen auf dem Reichstag gestanden haben.
Wenn hier der 'Rex Hispanie‘ als ein 'gewaltiger Herr und König‘
qualifiziert wurde, sehe ich darin einen Ausdruck maximilianäischen
Herrschaftsbewußtseins. In den Augen der späteren habsburgischen
Wahlkampfleitung könnte die angesprochene Machtfülle allerdings
als eher abschreckend eingestuft, als die Gefahr bergend bewertet
worden sein, dass die Deutschen vor der Wahl zurückschrecken
würden. Dafür zeugen indirekt die Bedenken und Ratschläge
der Tante Margarete an ihren Neffen zur Kandidatur. Im Interesse der
Wahlsicherung wäre nach dem Tode des alten Kaisers im Umfeld
vor der Frankfurter Wahl vermutlich ein Holzschnitt ohne die machtheischenden
Titulatur des Bewerbers propagandistisch zweckmäßiger erschienen
- etwa ein Blatt wie in Abbildung 6. Über eine einfache Bezeichnung
als Rex Hispanie in Verbindung mit einer schlichten Aufzählung
der Titulaturen des Kandidaten bzw. die Darstellung seiner Herrschaftsbereiche
über Wappen ließ sich besser vermitteln, dass Karl zwar
König war, sein spanisches Königreich aber im Gegensatz
zu dem seines französischen Konkurrenten Franz I. räumlich
nicht direkt an das Römische Reich deutscher Nation grenzte und
daher für die Reichsstände weniger gefahrenträchtig
erscheinen musste. Die verschiedenen Grafikfolgen entsprachen somit
einem im politischem Kalkül verschiedener Machtzentren bedingten
Wandel in der habsburgischen Propaganda, als Drucke verwirklicht durch
Werkstätten, die reichspolitisch habsburgisch gesinnt waren,
aber zugleich hierbei ihre wirtschaftliches Interessen gut aufgehoben
wussten. Dass sich verschiedene Zeichner, Formschneider, Drucker und
Verleger des gleichen Themas bemächtigt haben könnten und
es in Anpassung an eine gemeinsame Vorgabe in ihr jeweiliges Blatt
umsetzten, war in Augsburg technisch möglich. Auch verfolgte
jede Werkstatt ihre geschäftlichen Belange, und dass hieß,
an nachgefragter Grafik zu verdienen, denn - grafische Blätter
wurden verkauft.
Als nach dem Tode Maximilians Holzschnittbildnisse des verstorbenen
Kaisers von Albrecht Dürer und Hans Weiditz vorgelegt wurden,
dürften Bezüge zwischen diesen Bildern und denen von Karl
in den Augsburger Blättern für die zeitgenössischen
Bildbetrachtern unübersehbar gewesen sein. Für die Beziehungen
zwischen dem jungem Thronbewerber und seinem kaiserlichen Großvater
stand besonders Maximilians persönliches Symbol, der Granatapfel
mit seiner mehrschichtigen Bedeutung , zwei- und mehrfach auf den
Holzschnitten zu Karl ins Bild gesetzt. Dass die Frucht zugleich heraldisches
Zeichen für Granada war, erscheint im deutschen Kontext zweitrangig
im Vergleich zum Verweis auf den Großvater. Über die Granatäpfel
auf den Bildnissen legitimierte der Kaiser den Enkel dynastisch als
Spross seiner Familie und damit als natürlichen und rechtmäßigen
Nachfolger im Amt des Kaisers. Diesen Holzschnitten war gemeinsam,
dass alle Bildnisse, die im Zusammenhang mit der Kaiserwahl standen,
zwar Karls dynastischen Anspruch verfochten, aber nur indirekt im
achten Holzschnitt und erst im sechsten direkt ein sichtbares Bekenntnis
zum Kaisertum bekundeten.
Unabhängig von den Augsburger Drucken erschien das Holzschnittbildnis
von Hans Baldung Grien (Abb. 3), mit dem sich ausführlicher zuletzt
Heusinger befasst hat . Entstanden 1519, ist es mehrfach als Titelblatt
und in Druckwerken überliefert, entstand jedoch ursprünglich
als eigenständiges Bildnis. Bei leichter Drehung des Körpers
nach rechts wendet Karl seinen Kopf noch etwas weiter nach rechts,
blickt aber aus seinen Augenwinkeln nach links vorne und scheint Blickkontakt
zum Bildbetrachter zu suchen. Das leicht vorstehende spitze Kinn ist
etwas gesenkt, der Mund ist geöffnet, damit besteht eine angedeutete
porträthafte Ähnlichkeit mit dem Dargestellten. Gekleidet
als Erzherzog, befindet sich vor der Brust Karls das österreichische
Wappenschild, auf dem die linke Hand haltend aufliegt. Hinterfangen
ist das Wappen von dem Tiroler Adler. Mit dieser Darstellung des Jünglings
als eines Deutschen aus dem Hause Österreich wurde Sympathiewerbung
betrieben. Wenn Karl als habsburgischer Erzherzog und nicht als spanischer
König ins Bild gebracht wird, wurde damit verbildlicht, dass
er ein deutscher Fürst und 'das edel Plut’ ist, als das
er besungen wurde.
Erst in Verbindung mit einschlägigen Flugschriften gewann das
Bildnis seine politisch-reichspatriotische Aussage. Propagandistisch
genutzt wurde das Holzschnittbildnis von Verlegern in Strassburg in
Flugschriften mit reichspolitisch eindeutigen Stellungnahmen zugunsten
des 1519 zum römischen König gewählten Habsburgers.
Die Flugschriften enthielten Texte, die sich teilweise aus einer Zusammenarbeit
mit der Kanzlei Karls ergeben haben müssen, wie die deutsche
Übersetzung der Wahlkapitulation oder die offiziöse Mitteilung
über Karls Wahl zu Frankfurt. In anderen Flugschriften wurden
die Ansprüche König Franz I. von Frankreich auf die römische
Königswürde zurückgewiesen, die Kaiserwürde Karls
als ein deutscher Sieg über die Ansprüche des Franzosen
bejubelt. Für diese Druckschriften war der Holzschnitt des Hans
Baldung Grien in seiner einprägsamen knappen, zugleich aber menschlich
ansprechenden Form der wohl beste bildliche Einsatz zugunsten Karls
seitens der reichspolitisch habsburgisch ausgerichteten Gruppen. Hierauf
beruht auch seine Bedeutung als historische Quelle für die Nachwelt.
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