Gerhard Rühm, das fenster (Anfang)

 

der fensterrahmen das fenster das fen­sterkreuz die scheiben des fensters eins zwei drei vier scheiben in vier fensterflü­geln zwei unteren und zwei oberen im ganzen vier und vier dahinter macht acht fensterflügel flügel flieg hinaus in die luft die frische luft draussen die luft kann nicht klopfen sonst würde sie es vielleicht tun die frische luft die luft die im allgemeinen gebraucht wird nach der man verlangt glaube ich liebe du liebst wir lieben sie die luft da wir ohne sie nicht zu atmen ver­möchten erstickten was der aufhebung unserer vorsichtig ausgedrückt physi­schen existenz gleichkäme das weiss ich das weiss ich genau ich kann es be­schwören nahezu immerzu es sei denn und diese möglichkeit soll nicht ausser acht gelassen werden der körper mit sei­nen funktionen kurz unser organismus wäre auf völlig andere bedingungen hin­sichtlich des atmungsprozesses einge­stellt oder ausgestellt hinausgestellt hin­aus ausserhalb des fensters ausserhalb der luft aber mit solchen unfruchtbaren er­wägungen wollen wir nicht länger zeit ver­lieren die zeit drängt die luft drückt sie ist schwer die luft nicht zu glauben wie schwer die luft ist wie sehr sie drückt drücken wird bedrückt hat in dem augen­blick als sie und damit ist eine frau ge­meint die frau von der wir jetzt sprechen wollen den blick erhob und durch das halbdunkel des zimmers auf das fenster genau gesagt durch dessen scheiben starrte ja genau das tat sie möge es unge­wöhnlich erscheinen oder nicht sie starr­te jedenfalls auf das fenster genauer ge­sagt durch zwei der scheiben etwas matt vielleicht aber doch mit einer gewissen ungewissen erregung einer erregung de­rer sie sich allerdings noch nicht bewusst war in dem augenblick als sie aufstand und die ersten schritte machte über den knarrenden fussboden sie kannte dieses unangenehme geräusch das ihr in der sonst herrschenden stille um ein vielfa­ches verstärkt erschien als es tatsächlich war wir stossen immer wieder auf die rela­tivität aller erscheinungen sie konnte die­ses ihr unangenehme geräusch das sie fast schmerzte trotz aller bedachtsamkeit ihrer zehen nicht vermeiden ja es schmerz­te sie schon die erwartung des geräu­sches bevor sie noch den schritt machte es würde kommen dieses geräusch sie hörte es schon im voraus dieses unange­nehme knarren des fussbodens sie kann­te es dieses geräusch es musste kommen bei jedem schritt auf diesem fussboden bei jedem schritt muss es kommen und es kommt todsicher kommt es dieses knar­ren sobald man nur einen schritt macht auf diesem fussboden trotz aller Bedacht­samkeit ihrer zehen konnte sie dieses sie schmerzende geräusch nicht vermeiden und trat schliesslich nachdem sie im schat­ten der tapezierten wand deren bereits verbleichende muster in dem eben wäh­renden licht noch fahler wirkten welcher wohl nur scheinbaren veränderung sie das heisst ihr Bewusstsein indessen kei­nerlei beachtung schenkte ja von den tape­ten an sich keine kenntnis nahm hatte sie dieselben doch täglich um sich war sozu­sagen von allen seiten nord ost süd west also von im ganzen vier seiten die sich in sogenannten ecken vereinigten von ihnen umschlossen sie hätte auf eine überra­schende diesbezügliche anfrage nicht ein­mal die grösse und form ihrer muster wenn man sie so bezeichnen darf näher beschreiben können einen augenblick ich möchte fast sagen zögernd innegehalten