Margareth Lanzinger, Gunda Barth-Scalmani, Ellinor Forster u. Gertrude Langer-Ostrawsky, Aushandeln von Ehe (Archiv 3) | Drucken |

Margareth Lanzinger, Gunda Barth-Scalmani, Ellinor Forster, Gertrude Langer-Ostrawsky:
Aushandeln von Ehe. Heiratsverträge der Neuzeit im europäischen Vergleich
(L'HOMME Archiv, Band 3)

Böhlau: Köln/Weimar/Wien 2010, 530 S., EUR 59,90 bzw. 61,60 [A], ISBN 978-3-412-20218-7

Buchpräsentationen: 
2. Dezember 2010, 18 Uhr, Universität Innsbruck
Einladung (PDF)
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3. Dezember 2010, 18 Uhr, Stadtarchiv Bozen
Einladung (PDF)
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31. März 2011, 18 Uhr, Universität Wien
Einladung (PDF)
mehr Informationen im Salon 21

ImageDie Ehe war in der Geschichte der Neuzeit ein zentrales Ordnungsmodell und zugleich eine Institution von großer ökonomischer Relevanz. Geld und Güter flossen aus diesem Anlass zwischen den Generationen, zwischen Braut und Bräutigam oder wurden in Aussicht gestellt. Vermögenstransfers waren in der Forschung bislang hauptsächlich unter den Aspekten des Erbrechts und der Erbpraxis Thema. Doch stellte das Ehegüterrecht eine mindestens ebenso wichtige Grundlage dar. Denn das Verfügen über das eingebrachte und während der Ehe erwirtschaftete Vermögen sowie die Ansprüche von Witwen und Witwern variierten beträchtlich, nicht zuletzt je nachdem, ob Gütertrennung oder Gütergemeinschaft vorherrschte.
Entsprechend unterschiedlich gestalteten sich die Inhalte von Heiratsverträgen. Vier Detailstudien analysieren das darin dokumentierte Aushandeln von Ehe in vergleichender Perspektive. Die Ergebnisse werden einleitend und abschließend in den Kontext europäischer Rechtsräume gestellt.

Inhaltsverzeichnis (pdf)

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Pressestimmen:

Interview mit der Autorin Margareth Lanzinger, Radio Südtirol, 2.12.2010

Interview mit der Autorin Margareth Lanzinger, RAI Sender Bozen, Sendung „Frühstücksradio“, 3.12.2010

CM, Buchpräsentation im Bürgersaal. Ehe, Recht und Familie im Lauf der Jahrhunderte, auf: www.innsbruckinformiert.at, 03.12.2010.

Radio Ö1, "Dimensionen", 1.4.2011: Interview von Redakteurin Sabrina Adlbrecht mit der Autorin Margareth Lanzinger; weitere Informationen unter der Sendungsankündigung (Ö1)


"… Eheverträge dokumentieren - in unterschiedlicher Relation zu den jeweiligen rechtlichen Rahmenbedingungen - die materiellen und immateriellen Güter, die Frauen und Männer in eine Ehe einbrachten, bestimmten die Verfügungsgewalt über diese während und nach der Ehe und regelten Erbgänge und damit die Versorgung des überlebenden Ehepartners sowie der Nachkommen. … Die unterschiedlichen Rechtstraditionen und Regelungskreise, die wiederum nach Ort, Zeit und Stand der Betroffenen sehr verschieden sein konnten, machen es nicht leicht, Entwicklungslinien herauszuarbeiten, und vor allem der wünschenswerte Vergleich ist unter den vielen unterschiedlichen Vorzeichen nicht immer zu ziehen. Eine erste Schneise schlägt Margareth Lanzinger in ihrem einleitenden Beitrag zu Heiratsverträgen in europäischen Rechtsräumen, indem sie den Forschungsstand referiert, das Thema umreißt und den Aufbau des Sammelbandes erläutert. Mit Gütertrennung und Gütergemeinschaft bestanden in Europa zwei unterschiedliche Systeme, nach denen materielle und immaterielle Ressourcen anlässlich einer Eheschließung transferiert und zugeordnet wurden. … Die vier nun folgenden Beiträge des Sammelbandes stellen jeweils zunächst die Vermögenstransfers anlässlich der Eheschließung vor, analysieren dann die Regelungen für die Zeit während der Ehe und legen schließlich die erbrechtlichen Bestimmungen für die Zeit nach dem Tod eines oder beider Eheleute dar. … Die allen Beiträgen beigefügten Transkriptionen von Heiratsverträgen und mit diesen in Verbindung stehenden Dokumenten vermitteln einen Zugang zu diesen bisher selten publizierten Quellen. … Der im Titel des Bandes angesprochene europäische Vergleich wird in den „Variationen des Themas: Mitgiftsysteme“ am Ende des Bandes von Margareth Lanzinger gezogen, die aufgrund ihrer profunden Kenntnis der Forschung insbesondere das italienische Dotalsystem als Vergleichsmaßstab erläutert. Die Beiträge stellen die komplexe Materie der Heiratsverträge quellennah und vielfach in mikrohistorischer Perspektive erhellend dar, sie beleuchten Handlungsfelder und -spielräume von Frauen und Männern. Wo möglich, erfolgt der Blick auf übergeordnete Entwicklungslinien, etwa darauf, ob und wie sich die starke Position des Ehepaares gegenüber der Elterngeneration und den Verwandten in Europa entwickelt hat – eine Entwicklung, die gelegentlich zu den zentralen Elementen der westlichen Modernisierungsgeschichte gerechnet wird. Um zu stärker generalisierbaren Aussagen zu gelangen, wird es notwendig sein, weitere europäische Regionen ebenso intensiv zu beforschen und vielleicht auch in größerem Umfang quantitative Analysen durchzuführen."
Anke Hufschmidt (Kassel), Rezension, in: L'Homme. Z. F. G., 22, 1 (2011), 166-169.


"... Dieser Band liefert mit den Detailstudien nicht nur einen Reichtum an Quellen, sondern fügt diese in ein Netz theoretischer Überlegungen zur Normierung, aber auch zur Praxis von Ehe ein und ist damit sowohl für Historiker_innen als auch für Menschen, die sich mit historischen und gegenwärtigen Aushandlungen von Beziehungsmodellen aus einer feministischen Perspektive beschäftigen, eine langersehnte Quelle wissenschaftlicher Forschung."
Elena Barta,"Die Braut (...) verheurathet ihre Lieb und Treu" (pdf), in: unique. Zeitung der Öh Uni Wien, 6/2011, 15.


"... diese Verträge, welche nicht nur die HEirat, sondern auch Regelungen für die Ehe sowie Vorkehrungen für den Tod eines Ehepartners umfassen, kommen ohne 'Spektakuläres' aus, weil sie nicht einem Gerichtsprozess entspringen, also außerstreitig sind. Gleichwohl liegen genau in diesem 'Unspektakulären' Erkenntnisse verborgen, die Einsichten ins Ehegüterrecht Österreichs am Ausgang des 18. und Beginn des 19. Jh.s bieten und so zugleich Rückschlüsse auf die gelebten und in Heiratskontrakten fest gemachten Geschlechterverhältnisse erlauben. ...
Um die geltenden und praktizierenden Ehegüterrechte deutlich zu machen, werden in vier Detailstudien zahlreiche Heiratsverträge ausgewertet, indem sie intensiv nach Aufbau, Sprache, Bestimmungen und Kontext befragt werden. Alle vier Beiträge bieten nicht nur in den beschreibenden Passagen viel Quellenmaterial, sie werden überdies ergänzt durch Abschriften von Heiratsverträgen, die gut 90 Seite des Bandes einnehmen. ...
Schlussendlich macht diese verdienstvolle Sammlung von Quellen und Studien, die zudem durch Glossar und Register erschlossen wird, mit ihren Erkenntnissen und Fragen deutlich, dass das Ehegüterrecht um 1800 mit all seinen Unterschiedlichkeiten und Möglichkeiten durchaus spektakulärer ist als sein Ruf."
Nicole Grochowina, Rezension, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 59, 2 (2011), 138-140.


"... In vier exemplarischen Untersuchungen wird nach dem Einfluss gefragt, den Frauen auf die Disposition ihres eigenen Vermögens nehmen konnten. ... Diese Detailstudien belegen, dass an der Wende vom 18. zum 19. Jh. die Bedeutung der Herkunftsfamilie abnahm und die Eheschließenden selbst ihren Güterstand regelten. Der Band zeigt von seiner Leitfrage her eindrucksvoll, wie rechtliche Chancen genutzt wurden. Er könnte Forschungen anregen, dem Stellenwert von Eheverträgen in Konfliktfällen nachzugeben, die vor Zivilgerichten landeten."
Dirk Blasius, Rezension, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 98, 3 (2011), 380-381.


"Ein durchaus bekanntes und überaus relevantes rechtliches Instrument, das Aushandeln von Heiratsverträgen, wird mit diesem Band sowohl detaillierten Mikrostudien als auch einem gewissen europäischen Vergleich unterzogen. ... hilfreiches Glossar ... benutzerfreundliches Sachregister."
Heiner Lück, Rezension, in: Archiv für Reformationsgeschichte, Beiheft Literaturbericht Jg. 40 (2011), 110.


"Der umfangreiche Sammelband 'Aushandeln von Ehe' behandelt äußerst fundiert und vor allem quellennah die bisher in der Forschung – neben dem recht umfassend betrachteten Erbrecht bzw. der Erbpraxis – erst in jüngster Zeit in den Fokus gerückte Thematik des Ehegüterrechts." ... lesen Sie hier die gesamte Rezension online
Michael Kasper, Rezension, in: H-Soz-u-Kult, 18.1.2012.


"Ein insgesamt nützliches und wichtiges Buch ..."
Wilhelm Brauneder, Literaturberichte, in: Zeitschrift für Neuere Rechtsgeschichte, 34, 1/2 (2012), 148-149.

 

„Mit ‚Aushandeln von Ehe‘ ist den Autorinnen ein Werk gelungen, das höchsten methodischen Ansprüchen genügt und als ein Meilenstein in der Forschung zu Ehe, Familie und Verwandtschaftssystemen zu würdigen ist. Seine Stärke ist der Vergleich“.
Dorothee Rippmann, Rezension, in: MIÖG 121 (2013), 207-208.

 

„Mit den umfangreichen Forschungsbeiträgen, die den editierten Heiratsverträgen vorangehen, sowie dem umfangreichen Resümee und einem eigenen Kapitel zum Verhältnis der Heiratsverträge zum Mitgiftsystem ist dieser Band viel mehr als eine Quellenedition … Es wäre dem Band und seinen Autorinnen zu wünschen, dass sie einen wichtigen Impuls für die weitere Erforschung der kulturellen Prägungen und Abhängigkeiten von Rechtspraktiken des Besitztransfers geben und auch zu einer Stärkung einer europäisch vergleichenden Perspektive beitragen.“
Inken Schmidt-Voges, Rezension, in: Zeitschrift für Historische Forschung 1/2013, 117-119.