9.12.2009: Workshop und Diskussion "Historische und menschenrechtliche Aspekte von Abschiebung" | Print |

Veranstaltung der "Forschungsplattform Neuverortung Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext" in Kooperation mit der "Forschungsplattform Human Rights in the European Context"

Zeit: 9. Dezember 2009
Workshop "Historische und menschenrechtliche Aspekte von Abschiebung"
9.30-17 Uhr, Universität Wien

Podiumsdiskussion "Abschiebung - unvermeidbar? Historische Perspektiven und Problemstellungen der Gegenwart"
19 Uhr, Bruno-Kreisky-Saal, Diplomatische Akademie
Favoritenstraße 15a, 1040 Wien

Abschiebungen von AsylwerberInnen werden seit Jahren nicht nur in Österreich kontroversiell diskutiert. Sie beschäftigen Politik, Medien, Justiz, Menschenrechtsorganisationen und Kirchen. In dem Workshop werden rechtshistorische, geschlechtergeschichtliche, juristische und menschenrechtliche Aspekte dieses Themas in einen interdisziplinären Zusammenhang gebracht und diskutiert. Abschiebungen sind eine traditionsreiche Praxis vormoderner Staaten, die ihre sozialen, rechtlichen und religiösen Ordnungssysteme auf diese Weise aufrechtzuerhalten versuchten. Das schwächste Glied in dieser Praxis waren Frauen und Kinder, die vor allem im Falle des Armenrechtes aus ihrem sozialen Umfeld gerissen wurden und in den Heimatort des Ehemannes bzw. des Vaters abgeschoben wurden.
In dem Workshop soll die historische Tiefe und gegenwärtige politische und menschenrechtliche Brisanz von Rechtsnormen und -praxis der Abschiebungen analysiert werden.

Das Thema "Abschiebungen" ist auch von größter menschenrechtlicher Relevanz. Durch kontinuierliche Verschärfungen des österreichischen Fremdenrechts wurde es ermöglicht, mehr und mehr Menschen in ihre Heimatländer oder sogenannte sichere Drittstaaten abzuschieben, wodurch oftmals eine Vielzahl von Rechten beeinträchtigt oder verletzt wird. Vom Recht auf Familie über die persönliche Freiheit bis zum Refoulementverbot, d.h. ein Verbot der Abschiebung, wenn der betroffenen Person im Zielland Folter oder unmenschliche Behandlung droht, reicht die Palette der berührten Rechte. Menschenrechte werden in dieser Praxis oftmals wieder zu reinen StaatsbürgerInnenrechten, die Menschen anderer Herkunftsländer vorenthalten werden.
Die menschenrechtliche Perspektive, welche an sich bereits interdisziplinär Standpunkte der Rechtswissenschaften, Soziologie, Psychologie, Politikwissenschaften, Gender Studien u.a. vereint, wird die gegenwärtigen Herausforderungen, die Abschiebungen insbesondere von Frauen mit sich bringen, aufzeigen.

TeilnehmerInnen:
Workshop
- Dr. Stephan Steiner (Historiker)
- Dr. Harald Wendelin (Historiker)
- Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Ilse Reiter-Zatloukal (Juristin)
- Univ.-Prof. Dr. Manfred Nowak (Jurist)
- Dr.in Brigitte Lueger-Schuster (Psychologin)

Podiumsdiskussion
- Ao. Univ.-Prof.in Dr.in Ilse Reiter-Zatloukal (Juristin)
- Univ.-Prof.in Dr.in Edith Saurer (Historikerin)
- Univ.-Prof. Dr. Manfred Nowak, LL.M. (Jurist)
- Günter Ecker (Menschenrechtsbeirat)
- Mag. Georg Bürstmayr (Rechtsanwalt)

Ausführliches Programm (Salon 21)

Finanzierung: Interdisziplinäres Dialogforum (IDee)