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EU-Projekt "Workcare"
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Das EU-Projekt, laufend von Oktober 2006 bis Oktober 2009 mit dem Titel "Social quality and the changing relationships between work, care and welfare in Europe" wird von der Europäischen Kommission im 6. Rahmenprogramm ("Specific Targeted Research for Innovation Project") finanziert.
Prof. Claire Wallace (University of Aberdeen, Scotland) ist Leiterin des Gesamtprojekts, an dem folgende sieben EU-Länder beteiligt sind: Dänemark, Großbritannien, Italien, Österreich, Portugal, Polen und Ungarn.
Nähere Informationen auf der Website des Projekts

Barbara Haas, Universitätsassistentin am Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung der Wirtschaftsuniversität Wien, leitet das österreichische Projektteam, das aus den permanenten Projektmitarbeiterinnen Mag.a Margit Hartel und Mag.a Nadia Steiber besteht.

Die Tätigkeit des österreichischen Teams umfasst zwei Bereiche:


a) Quantitative Sekundäranalyse mit dem Titel: "Orientations to work and care. Secondary data analysis to map the individual orientations to work and care across the EU 25 countries. Workpackage 4" (Barbara Haas: Projektleiterin)


b) Qualitative Interviews mit Müttern und Vätern von Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren: "Qualitative interviews with households. Workpackage 5" (Rossana Trifiletti: Projektleiterin).


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Die quantitative Sekundäranalyse fokussiert primär den zentralen Stellenwert von Werthaltungen und Einstellungen zu Beruf und unbezahlter Arbeit (Betreuung, Hausarbeit) in allen EU-25-Ländern. Analysiert werden die Parallelen und Diskrepanzen zwischen institutionellen, strukturellen Rahmenbedingungen (Sozial-, Wirtschafts- und Familienpolitik, ökonomische Bedingungen, infrastrukturelle Voraussetzungen), den sozio-kulturellen Werthaltungen und der gelebten Praxis. Als Datenbasis dienen offizielle Statistiken (EUROSTAT, OECD) sowie vorhandene aktuelle Umfrageergebnisse: European Values Studies, World Values Studies, Quality of Life Survey, International Social Survey Programme, Eurobarometer for Time-Use and European Social Survey. Partnerländer dieses Arbeitsprogramms sind Portugal (Prof. A. Torres) und Polen (Prof. R. Siemienska).

Ad b)
Neben der Leitung des quantitativen Teils zu Einstellungen und Werthaltungen ist das österreichische Team auch an der Durchführung qualitativer Interviews beteiligt. Anhand eines gemeinsamen Leitfadens werden in den am Projekt beteiligten Partnerländern (Dänemark, Großbritannien, Italien, Österreich, Polen, Portugal und Ungarn) offene, problemzentrierte Interviews durchgeführt. Die ländervergleichende Analyse qualitativer Interviewergebnisse stellt dabei nicht nur eine inhaltliche, sondern auch eine methodische Herausforderung dar.  Die zentralen Fragestellungen lauten: Wie hängen Einstellungen und Werthaltungen zur Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit mit den praktizierten Erwerbsmustern zusammen? Worin unterscheiden sich die Lebensphasen (je nach Alter der Kinder)? Welches Gleichgewicht herrscht zwischen Aktivitäten innerhalb und außerhalb der bezahlten Arbeit? Gibt es Arbeits- und Betreuungskonflikte? Worin unterscheiden sich die ausgewählten EU-Staaten?

Zusammenfassend: Die Beteiligung an diesem work-care-Projekt stellt insofern eine inhaltliche Herausforderung dar, als eine dynamische Lebensverlaufsperspektive fokussiert und im Unterschied zu bisherigen Ansätzen die Organisation von Erwerbsarbeit und Betreuungsarbeit aus einer gesamteuropäischen Perspektive betrachtet werden. Das Neue daran ist insbesondere der Ländervergleich zwischen allen EU-25-Ländern.
Bisher fehlt eine umfassende sozialwissenschaftliche Betrachtung der Beziehung zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit und Betreuung in Nord-, Mittel-, Süd- und vor allem Osteuropa. Gerade die Situation in den osteuropäischen Ländern seit der Wende 1989 gilt als zu wenig erforscht und kann wesentlich zum besseren Verständnis von Wohlfahrtsstaaten beitragen.

Darüber hinaus liefert das Projekt einen Beitrag zur Methodentriangulation, indem  gesellschaftliche Trends auf einer aggregierten Makro-Ebene durch qualitative Ergebnisse aus der Mikro-Perspektive der handelnden Personen ergänzt werden. Ziel ist es ferner, einen sozialwissenschaftlichen Beitrag für politische Gestaltungsoptionen in europäischen Wohlfahrtsstaaten zu diskutieren.

Die Anwendung  einer Lebensverlaufsanalyse kann durch die Einbeziehung einer zeitlichen Verlaufsdimension  eine bedeutsame Ergänzung und Erweiterung traditioneller Erklärungen von sozialen und wirtschaftlichen Handlungsstrategien und somit von Wohlfahrtsstaaten liefern. Schließlich bietet die dynamische Lebensverlaufsperspektive einen umfassenderen Erklärungsansatz für komplexe gesellschaftspolitisch relevante Fragen: Wie sollen in Zukunft Arbeits- und Nichtarbeitszeiten zwischen den Geschlechtern und auch zwischen den Generationen verteilt werden, um die Finanzierbarkeit und nachhaltige Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten zu garantieren?

Kontakt: Barbara Haas
Institut für Soziologie und empirische Sozialforschung
Wirtschaftsuniversität Wien
Institute for Sociology and Social Research
Vienna University of Economics and Business Administration
Augasse 2-6
1090 Wien
Österreich

Barbara Haas ist Soziologin und unterrichtet an der Wirtschaftsuniversität Wien empirische Sozialwissenschaften, mit besonderem Schwerpunkt auf quantitativen Methoden. Ihre Forschungsthemen sind: Arbeitsmarkt (Flexibilisierung), Internationale Vergleiche von Wohlfahrtsstaaten, Beschäftigung im Lebenslauf, Geschlechterbeziehungen.

Aktuelle Publikation
mit Nadia Steiber, Margit Hartel u. Claire Wallace, Household employment patterns in an enlarged European Union, in: Work, Employment & Society (im Erscheinen).

Work-care balances - Is it possible to identify typologies for cross-national comparison?, in: Current Sociology, 53, 3 (2005), 487-508.