Liebe in Paarkorrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts (FWF-Projekt, 2010-2013) | Print |

Projektleitung: Christa Hämmerle (Universität Wien) in Kooperation mit Ingrid Bauer (Universität Salzburg)
Projektdauer: Mai 2010 bis Oktober 2013

Mitarbeiterinnen: Barbara Asen (Universität Salzburg), Ines Rebhan-Glück (Universität Wien), Nina Verheyen (Universität zu Köln), Brigitte Semanek (Universität Wien, seit Jan. 2012)

Pressestimmen: siehe unten

Projektbeschreibung:
Das Projekt ist mit seinen Fragestellungen, methodischen und theoretischen Prämissen an der Schnittfläche von Geschlechtergeschichte, Geschichte der Liebe und Geschichte des privaten Schreibens positioniert. Im Zentrum stehen Paarbeziehungen, Geschlechterpositionen und Liebe im 19. und 20. Jahrhundert - untersucht auf der Basis brieflicher Kommunikation zwischen Frauen und Männern. Gekoppelt an geschlechtergeschichtliche Zäsuren und mit dem Konzept der romantischen Liebe, sowie dem bürgerlichen Ehe- und Liebesmodell als Bezugspunkt, sollen im historischen Längsschnitt, der die 1870er bis 1970er Jahre umfasst, Wandel und Kontinuitäten untersucht werden. Geographisch liegt der Schwerpunkt auf Österreich.
Diesem Forschungsvorhaben liegen populare Paarkorrespondenzen bzw. Liebesbriefen zugrunde, wobei hier auf zahlreiche unveröffentlichte Quellenbestände zurückgegriffen werden kann. Neben dem umfangreichen Material, das in der Sammlung Frauennachlässe in Wien bereit liegt, werden punktuell weitere Archivbestände requiriert und - um Lücken zu füllen - gezielte Aufrufe zur Quellenbeschaffung lanciert.

ImageDie situative Quelle Brief wird methodisch reflektiert und unter Bezugnahme auf Strategien der qualitativen Inhaltsanalyse sowie auf Ansätze diskursanalytischer Textanalyse befragt: nach Formen der Herstellung und Gestaltung von Beziehungen durch das Medium Brief, nach Prozessen der Reproduktion, Modifikation und Neuinterpretation von gesellschaftlichen Beziehungs-, Liebes- und Geschlechterkonzepten, nach möglichen Machtverhältnissen und Hierarchien, die sich im Zusammenhang mit den Geschlechterverhältnissen in den Briefen ausdrücken, nach Mechanismen der genderbezogenen Selbstvergewisserung und -konstruktion in Interaktion mit dem Gegenüber, sowie nach Spielräumen der BriefeschreiberInnen im Spannungsfeld von Diskurs und Erfahrung.

Ziel ist es, die zur Analyse herangezogenen Selbstzeugnisse sowohl in Form eines Überblicks im historischen Längsschnitt wie auch - bei signifikanten Beispielen - als Fallstudien zu erschließen. Die milieuspezifische Differenzierung des Quellenmaterials bildet dabei ebenso eine Grundlage wie die konsequente Kontextualisierung, samt Einbeziehung historisch-gesellschaftlicher - politischer wie biographischer - Rahmenbedingungen.

Möglichkeiten nationaler und internationaler Vernetzung ergeben sich unter anderem im Rahmen der besonders im angloamerikanischen Raum rege - und aus Genderperspektive - betriebenen Brief- und Selbstzeugnisforschung sowie einer sich in den letzten Jahren zunehmend etablierenden Geschichte der Emotionen - wobei gerade die Frage nach der Bedeutung von Liebe und Emotionen für das Verhältnis der Geschlechter als Forschungsdesiderat gesehen werden kann. (FWF-Kurzprojektbeschreibung)


Veranstaltungen zum Projekt:
Workshop: "(Über) Liebe schreiben." Historische Analysen zum Verhandeln von Geschlechterbeziehungen und -positionen in Paarkorrespondenzen des 19. und 20. Jahrhunderts
Zeit: Freitag, 10. Februar 2012, 11–17 Uhr
Ort: Max-Planck-Institut für Bildungsforschung (Forschungsbereich "Geschichte der Gefühle"), Seminarraum 111, Lentzeallee 94, 14195 Berlin
Programm

L'HOMME-Tagung 2012: Romantische Liebe? Zur Geschichte und Wirkmacht eines Konzepts
Zeit: Freitag, 15. Juni 2012, 14 bis 19 Uhr
Ort: Lesesaal der Fachbibliothek Geschichtswissenschaft, Institut für Geschichte (2. Stock), Universität Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1, 1010 Wien
Weitere Informationen auf der L'Homme-Website

Das L'HOMME-Heft "Romantische Liebe" (24. Jg., Heft 1/2013), hg. von Ingrid Bauer und Christa Hämmerle, mit aus Tagungsbeiträgen entstandenen Aufsätzen ist im Juni 2013 erschienen.

Medienberichte:

Ulrike Moser, Sendungsbewusst. Seit ein paar Jahren gewinnen Liebesbriefe auch in der Forschung an Bedeutung, in: Profil Wissen 1/März 2013, S. 18-25

Franziska Bauer, "Liebe schwarz auf weiß", Interview mit Christa Hämmerle und Ingrid Bauer, in: Paradigmata. Zeitschrift für Menschen und Diskurse 8/2012, Wien, S. 9-13

Radiosendung "Liebe schreiben. Paarkorrespondenzen im 19. und 20. Jahrhundert", Gestaltung: Martina Nußbaumer; Ö1, Sendereihe: Dimensionen, Zeit: 29. August 2012 - Informationen zur Sendung

Interview mit Ingrid Bauer zum Projekt in: UniTV - Das Salzburger Unifernsehen, Sendung: "PlugIn - Das UniMagazin" (23. Ausgabe, Juni 2011) (Länge: 04:39 min.) 

Gespräch mit Ingrid Bauer zum Projekt "(Über) Liebe schreiben", Radiosender: Radiofabrik. Freier Sender Salzburg; Sendereihe: Tandaradio, 20.02.2011 - Sendung zum Nachhören (MP3, Minute 4.10 bis 11.50)

Raimund Lang, Gefühlvolle Zeilen (pdf), in: Die Furche, 05.01.2011

Interview mit Christa Hämmerle über das Projekt "(Über) Liebe schreiben", Radio Kölncampus, 13.12.2010 - Sendung zum Nachhören (MP3)

Gabriele Pfeifer: Mein süßes, liebstes Herz (pdf), in: Salzburger Nachrichten, 11.12.2010

Veronika Schmidt, Liebe in Zeiten der Briefe, in: Die Presse, 28.11.2010

Liebesbriefe aus alter Zeit (pdf), in: Kurier, 22.11.2010

"Liebesbriefe im 19. Jahrhundert bis zur sexuellen Revolution", in: derStandard.at, 10.11.2010

Daniela Hermetinger, Liebe geschrieben, in: Forschungsnewsletter der Universität Wien, 52/November 2010 und in "dieUniversitaet-online", 10.11.2010

"Mein süßes, liebstes Herz": Forschungsprojekt über Briefe zu Lebens- und Liebesgeschichten - Presseaussendung der Universität Wien, 10.11.2010