| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 2008 |
|---|
![]() |
Ort: Universität Wien - Institut für Geschichte, HS 45 Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr |
Wenn Sie per Mail eingeladen werden wollen, mailen Sie bitte an folgende Adresse:
veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at
2. April: Stefan ZAHLMANN (Konstanz) - Gastprofessor für „Theorie
und Geschichte von Medienkulturen“ in diesem Semester
„Kultur statt Blut. Die Neuerfindung des Deutschtums in den USA am Vorabend
des Ersten Weltkriegs“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: "Die
deutsche Einwanderung in die USA war mit dem Beginn des 20. Jahrhunderts aus
der Sicht der Deutsch-Amerikaner nahezu zum Erliegen gekommen. Angesichts einer
weitgehenden Integration deutscher Migranten in die amerikanische Gesellschaft
und wachsender Einwandererzahlen aus Süd- und Osteuropa fühlten sich
viele Vertreter längst ansässiger deutscher Einwandererfamilien herausgefordert,
das Deutschtum in den USA neu zu beleben. Der Vortrag lenkt die Aufmerksamkeit
auf das deutsche Vereinswesen in den USA, das als Ort der Bewahrung und Stärkung
deutscher Kultur galt. Hier sollte die deutsche Sprache als eigentliche Basis
des Volkstums gefeiert und gepflegt werden. Österreicher, Schweizer, Niederländer,
Rußlanddeutsche und andere deutschsprachige Bevölkerungsgruppen sollten
aus Sicht vieler Vereine den "deutschen" Amerikanern zugeschlagen
werden. Der Vortrag skizziert Aufstieg und Fall des deutschen Vereinswesens
bis 1917."
Zur Person: Privatdozent Dr. Stefan Zahlmann studierte Neuere
Geschichte, Mittlere Geschichte, Pädagogik sowie Deutsche Literaturwissenschaft
und BWL in Münster. Promotion zu deutsch-deutschen Konfliktkulturen, Habilitation
zu Erinnerung an gesellschaftliche Teilung und Wiedervereinigung (USA nach 1865
im Vergleich mit Deutschland nach 1989). Sein aktuelles Forschungsprojekt zu
"Krieg und Integration" wird ab Juli 2008 an der Universität
Konstanz im Rahmen des Exzellenzclusters 16 „Kulturelle Grundlagen von
Integration“ gefördert.
9. April: Peter RAUSCHER
(Wien) - Gastprofessor für „Österreichische Geschichte“
in diesem Semester
"Feindbilder: Die zweite Wiener Türkenbelagerung als österreichischer
Lieu de mémoire (1783-1983)"
Moderation: Martina Fuchs
Abstract: Jubiläen,
besonders von Schlachten waren und sind Teil nationaler Identität. Ein
bekanntes Beispiel ist der „Sedanstag“ im deutschen Kaiserreich,
der dem Gedächtnis an die Schlacht vom 2. September 1870 gewidmet war.
Nicht nur Siege, auch – häufig als tragisch und schicksalhaft interpretierte
– Niederlagen wie die Schlacht von Mohács oder die Schlacht am
Weißen Berg sind ins kollektive Gedächtnis eingeschrieben und dienen
nicht selten als Epochengrenzen nationaler Geschichtsschreibung. Für die
Habsburgermonarchie, besonders aber für ihr österreichisches Kernland
wurde die zweiten „Türkenbelagerung“ der Residenzstadt Wien
von 1683 im 19. und 20. Jahrhundert zu einem wichtigen Ereignis des kollektiven
Geschichtsbildes und entsprechend medial in Szene gesetzt. Denkmäler wurden
errichtet, Gedenktafeln angebracht, Festschriften publiziert und in den Museen
wurden Objekte der Belagerungen wie Waffen, Kleidungsstücke oder Zelte
ausgestellt. Zentrale Fragen des Vortrags sind, wann und von wem im 19. und
20. Jahrhundert auf die Belagerungen Wiens Bezug genommen wurde, welches Geschichtsbild
mit welchen Mitteln vermittelt werden sollte und welche Bedeutung diese Inszenierung
von Geschichte im aktuellen politischen Diskurs der Habsburgermonarchie hatte.
Zur Person:
Peter Rauscher, geb. 1970 in Nürnberg, Studium der Geschichte und Deutschen
Philologie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Tübingen,
Passau und Wien. Seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für
Geschichte der Universität Wien, am Institut für jüdische Geschichte
Österreichs und am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Habsburgermonarchie und des Heiligen
Römischen Reichs, Finanz- und Verwaltungsgeschichte, Jüdische Geschichte
in der Neuzeit und Wirtschaftsgeschichte. Jüngste Publikation: Räume
und Wege. Jüdische Geschichte im Alten Reich 1300-1800 (= Colloquia Augustana,
Bd. 25), Berlin 2007, hg. in Kooperation
mit Rolf Kießling, Stefan Rohrbacher und Barbara Staudinger.
16. April: Ulrike KRAMPL (Paris) – in Kooperation mit dem IEFN
„Zwischen Geheimnis und Öffentlichkeit. Magie im Paris des 18. Jahrhunderts“
Moderation: Susanne Hehenberger
Abstract: Magie
und Zauberei werden in Frankreich 1682 per königlichem Edikt von Giftmischerei
getrennt, 1791 fallen sie unter das neu geschaffene Delikt der Betrügerei.
Dazwischen liegt die Zeit der „falschen Hexer und Hexen/faux sorciers“
der neu organisierten Pariser Polizei, die ihre magischen Dienste in der Stadt
diskret feilbieten. In dieser epistemologischen Übergangszeit bezeichnen
sie ein zunehmend marginales Phänomen, anhand dessen jedoch grundlegende,
soziale und politische Grenzziehungen in der städtischen Alltagspraxis
mit ausformuliert werden. In diesem Sinne werden die „Geheimnisse“
der Magie zu einem produktiven Störfaktor des Wandels der absolutistischen
Öffentlichkeit im Zuge des 18. Jahrhunderts.
Zur Person:
Mag. Dr. Ulrike Krampl studierte Geschichte und Romanistik in Wien und Paris
8; Dissertation (EHESS, Paris, 2004) mit dem Titel „‘Sous prétexte
de magie’. Les faux sorciers de la police de Paris au XVIIIe siècle
entre croyances et escroquerie“; seit 2005 Maître de conférences
für Geschichte der frühen Neuzeit an der Universität François-Rabelais
Tours ; historisch-anthropologische und geschlechtergeschichtliche Forschungen
zu Glauben, Magie, Alltagspraktiken und städtischem Raum des französischen
17. und 18. Jahrhunderts.
23. April: Martin HAIDINGER (Wien) – Vorstellung seines Buches
„Von der Guillotine zur Giftspritze. Fakten, Fälle, Fehlurteile.
Die Geschichte der Todesstrafe“ (Ecowin -Verlag, Salzburg 2007)
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Was sich
jahrhundertslang vor staunendem, geiferndem oder erschüttertem Publikum
abspielte, geschieht heute meist hinter hohen Gefängnismauern und mit Giftspritze:
eine Hinrichtung. Macht es das besser? So oder so entscheidet der Staat über
das Leben von Menschen. Nicht erst seit Saddam Husseins Tod durch den Strang
ist die Diskussion über die Rechtmäßigkeit der Todesstrafe wieder
losgebrochen. Die Todesstrafe ist das letzte staatliche Argument im Ringen um
Sühne für Kapitalverbrechen, und zugleich das am öftesten missbrauchte
Instrument politischer Willkür. In den USA brach 2007 eine neue Debatte
um die Todesstrafe los - allerdings nicht über ihre Abschaffung in allen
Bundesstaaten , sondern um die "beste" Hinrichtungsmethode. Überraschende
Einschätzungen zur Zukunft der Hinrichtungspraxis in muslimischen Ländern
liefert das Buch von Martin Haidinger ebenso, wie eine detaillierte Analyse
zur Genese der Schreckensherrschaft der Französischen Revolution. Gezeigt
wird auch der Funktionswandel der Hinrichtung, über die Jahrhunderte :
Das öffentliche Theater, das düstere Fest der Strafe wird vom Schauspiel
, das am Ende eines Verbrechens steht, zum Akt des Verfahrens oder der Verwaltung.
Das moderne Leben, durchzogen von Vorschriften und Bürokratie aller Art,
bricht sich Bahn. Ein Buch über die älteste Bestrafung der Welt, die
trotzdem gegenwärtig ist.
Zur Person: Mag.
Martin Haidinger, geboren 1969 in Wien, Historiker, Wissenschaftsjournalist
im ORF (Radio Österreich1), Politikjournalist für Radiosender, Zeitungen
und Magazine in Österreich und Deutschland. Lehrbeauftragter an der Karl-Franzens-Universität
Graz (Medienkundlicher Lehrgang) und an der Katholischen Medienakademie in Wien.
Zahlreiche Buchveröffentlichungen (Sachbücher und Romane).
30. April: Präsentation von Heft 1/2008 der „Wiener Zeitschrift
zur Geschichte der Neuzeit (WZGN)“
„Totale Institutionen – ein nutzbares Konzept für Historiker?“
Moderation und Einführung: Martin Scheutz
Abstract: Der amerikanische
Soziologe Erving Goffman (1922–1982) legte Ende der 1950er/Beginn der
1960er Jahre mit seinem Beitrag über „Asyle“ und der Popularisierung
des Begriffs der „Totalen Institutionen“ einen Klassiker der Soziologie
vor. Unter dem Begriff „Totale Institutionen“ versteht man unterschiedliche
Formen abgeschlossener Gesellschaften wie beispielsweise Gefängnisse, Gefangenenlager,
Hochseeschiffe, Klöster oder Krankenhäuser. Die Anwendbarkeit von
Goffmans Konzept auf historische Fragestellungen soll in der heutigen Veranstaltung
kritisch überprüft werden. – Inhalt des Heftes: Maria Heidegger,
Die Landes-Nervenheilanstalt Hall in Tirol (1834 bis 1955) als totale Institution;
Florian Benjamin Part, Das Versorgungshaus Mauerbach im 19. Jahrhundert; Hannes
Leidinger/Verena Moritz, Aspekte des „totalen Lagers“ - Kriegsgefangenschaft
in der Donaumonarchie 1914–1915.
Zu den Personen: Maria
Heidegger, Dr., Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Geschichte
und Ethnologie der Universität Innsbruck seit Dezember 2005; Forschungsschwerpunkte:
Frauen- und Geschlechtergeschichte, Medizin- und Psychiatriegeschichte, Kriminalitäts-
und Konfliktgeschichte (Frühe Neuzeit und 19. Jahrhundert). Hannes Leidinger,
Dr., zahlreiche Forschungsprojekte zur österreichischen und osteuropäischen
sowie zur Kultur- und Regionalgeschichte; Forschungsassistent am Institut für
Geschichte der Universität Wien im Rahmen eines Projektes zum Thema „Suizid“.
Verena Moritz, Dr., zahlreiche Forschungsprojekte zur österreichischen
und russischen Geschichte, ab Juni 2008 Projektleiterin im Österreichischen
Staatsarchiv zum Thema „Österreichisch-sowjetische Beziehungen 1918-1938“;
Benjamin Part, Dr., Gymnasiallehrer in Wien, Dissertation über das Versorgungshaus
Mauerbach im 19. Jahrhundert.
7. Mai: Katja WÜSTENBECKER (Wien/Jena)
"Zwischen allen Stühlen": Deutsch-Amerikaner im Ersten Weltkrieg"
Moderation: Birgitta Bader-Zaar
Abstract: Im Ersten
Weltkrieg sah man in den Vereinigten Staaten von Amerika von staatlicher und
gesellschaftlicher Seite die größte Gefahr für die Sicherheit
des Landes in der hohen Anzahl der Deutschstämmigen. Sie stellten etwa
9 Prozent der Gesamtbevölkerung, doch in manchen Regionen machten sie nahezu
die Hälfte der Bewohner aus. Viele Amerikaner fanden es äußerst
beunruhigend, von so vielen potentiellen Feinden umgeben zu sein. Der Vortrag
erläutert (auch mit Hilfe von Abbildungen), wie sich während der langen
amerikanischen Neutralitätsphase die Spannungen zwischen Deutsch-Amerikanern
und ihrer Umwelt aufbauten, die sich schließlich nach dem Kriegseintritt
der USA in einem heftig aufflammenden Hass auf alles Deutsche entluden.
Zur Person:
Studium der Geschichte und Anglistik in Heidelberg, Ohio/USA und Marburg; wissenschaftliche
Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Neuere Geschichte in Marburg; Promotion
2004 mit einer Arbeit über Deutsch-Amerikaner im Ersten Weltkrieg, die
2005 den Promotionspreis der Universität Marburg erhielt; 2005-08 Dozentin
an der Friedrich-Schiller-Universität Jena; seit 2007 Dozentin an der Universität
Wien und an der Webster University, Vienna.
14. Mai: Christopher F. LAFERL (Salzburg) – in Kooperation mit
dem IEFN
„Relevanz und Zukunft eines Jahrhundertunternehmens. Zur Arbeit an der
Edition der Familienkorrespondenz Ferdinands I.“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Seit dem
Beginn des 20. Jahrhunderts wird an der Edition der Familienkorrespondenz Ferdinands
I. gearbeitet, und trotz dieses langen Zeitraums sind bisher erst vier Bände
erschienen, die den Zeitraum von Ferdinands Geburt bis 1534 abdecken. Derzeit
wird die Arbeit an der Edition im Rahmen eines vom FWF geförderten Forschungsprojektes
an der Universität Salzburg fortgeführt. Dafür wurde ein Großteil
der Bestände bis 1564 erfasst; die Herausgabe der Jahrgänge 1535 und
1536 ist in Vorbereitung. Im Rahmen des Vortrags soll nach der Zukunft des Editionsunternehmens
und seiner Relevanz für die Forschung gefragt werden.
Zur Person:
Univ.-Prof. Mag. Dr. Christopher Laferl studierte Romanistik und Geschichte
an der Universität Wien (Diplom 1989, Doktorat 1996); 1989–1992 Ausbildungskurs
am Institut für Österreichische Geschichtsforschung; 2002 Habil. f.
Roman. Literaturwissenschaft; 2004 Professur für Iberoromanistik an der
Universität Salzburg. - Publikationen: Anspruch auf das Wort. Geschlecht,
Wissen und Schreiben im 17. Jahrhundert (mit B. Wagner); Die Kultur der Spanier
in Österreich unter Ferdinand I. 1522-1564; Die Korrespondenz Ferdinands
I. Familienkorrespondenz. Bd. 4: 1533 und 1534 (mit Christina Lutter).
21. Mai: Martina KALLER-DIETRICH
„Ivan Illich. Irrer oder Idealist?“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Wieso
sollten wir uns mit Ivan Illichs radikalem Schaffen noch beschäftigen?
Jeder Mensch hat doch heute das Recht, geradezu die Pflicht, in der globalisierten
Welt als geschulter, motorisierter, gesundheitsversorgter, informierter Weltenbürger
des globalen Dorfes zu leben. Illich hätte das für das Ende gehalten.
– Aber warum? Seine Biographie zeigt Spuren für sein öffentliches
Zweifeln und seine stete Verweigerung. Geboren 1926 in Wien, musste er während
der Naziherrschaft fliehen. Als junger Mann hielt er sich vorübergehend
in Rom und in Salzburg auf. Schließlich landete er als priest educator
in New York. Danach folgten zwei Jahrzehnte in Puerto Rico und Mexiko, wo er
von 1961 bis 1976 das berühmte CIDOC, das Center for Intercultural Documentation
leitete. Die 1960er Jahre bescherten auch Lateinamerika den gesellschaftlichen
Aufbruch, sogar in der Katholischen Kirche, von der sich Illich aber abwandte.
In den 1970ern polemisierte er gegen Schulen, Spitäler, das Automobil,
die Entwicklungshilfe und wurde damit weltberühmt. Als er 2002 in Bremen
starb, kannten ihn nur mehr Wenige. Deshalb die dringende Frage: Kann die Beschäftigung
mit Illichs Werk auch heute noch jenen „schöpferischen Schock“
auslösen, von dem die Zeitgenossen schwärmten?
Zur Person: Martina
Kaller-Dietrich ist ao. Professorin am Institut für Geschichte der Universität
Wien. Sie forscht und lehrt zu Global- und Lateinamerikageschichte, zur Geschichte
von Ernährung und zu wissenschaftstheoretischen Konsequenzen einer interdisziplinären
Lateinamerikanistik. Sie ist Leiterin des Universitätslehrgangs für
Höhere Lateinamerika-Studien (Master of Latin-American Studies) an der
Universität Wien und Mitbegründerin des Globalgeschichteschwerpunkts
der Studienrichtung Geschichte. Ihr neuestes Buch ist eine Biographie: Ivan
Illich (1926-2002). Sein Leben, sein Denken. Wien, Bibliothek der Provinz 2008.
28. Mai: Fatima HARRAK (Rabat) - Gastprofessorin für „Neuere
Geschichte mit dem Schwerpunkt islamische Kultur“
"The History and Significance of the new Moroccan Family Code".
Moderation: N.N.
Abstract: Family
Law serves as a powerful symbol in Muslim modern societies, for its codification
- which is a social construction - raises fundamental questions about participation
in political life and representation of Islam in the public sphere. This communication
will examine the various attempts at reforming the Moroccan Code of Personal
Status (mudawwanat al ahwal al shakhsiyya) between 1957, the date of its elaboration,
and 2004, when the new Family Code was voted by Parliament.
Zur Person: Ph.D. in History from SOAS, University of London.
Research Professor of History and former Director of the Institute of African
Studies, University Mohammed V, Rabat. Themes of interest: Islamic Reform Movements,
Women and Islam, History of Islamic Religious Institutions. Regional focus:
North and West Africa. Period of interest: late modern era.
4. Juni: Petr MATA (Wien)
„Das Landhaus frequentieren. Landstände und Landtage in den österreichischen
und böhmischen Ländern
im 17. und 18. Jahrhundert“
Moderation: Wolfgang Schmale
Abstract: Im allgemeinen
gelten die Stände in den böhmischen und österreichischen Ländern
der Habsburgermonarchie nach der Unterdrückung der protestantischen Oppositionsbewegung
in den 1620er Jahren als gelähmt und zum Verfall verurteilt. Im gleichen
Atemzug wird eine nivellierende Auswirkung der Gegenreformation und der –
seit zwei Jahrzehnten intensiv erforschten – habsburgischen Hofkultur
auf die ständischen Organisationsformen vorausgesetzt. Dabei wird gerne
übersehen, dass der absolute Großteil des Adels nicht im höfischen
Zentrum sondern in den Ländern lebte, in den landständischen oder
landständisch geprägten Verwaltungsstrukturen Betätigung und
Versorgung fand und daraus Prestige wie auch zahlreiche soziale und materielle
Vorteile schöpfte. Selbst wenn die dualistische Betrachtungsweise, welche
die Stände über den Widerstand gegenüber dem Landesherrn definiert
und kooperative Aspekte ausblendet, seit einigen Jahren kritisch hinterfragt
wird, wurde doch die Frage nach der Bedeutung der landständischen Organisationsformen
im 17. und 18. Jahrhundert für den böhmischen und österreichischen
Adel bisher selten gestellt. Im Vortrag wird die scheinbar banale Frage nach
der Teilnahme an ständischen Zusammenkünften vergleichend erörtert
und der Nachweis wird geführt, dass sich in den einzelnen Territorien der
Habsburgermonarchie nach der Gegenreformation erheblich unterschiedliche Modi
der ständischen Partizipation behaupteten. Einige Erklärungsansätze,
warum in Innerösterreich nicht selten mehr als Hundert, in den böhmischen
Ländern dagegen höchstens wenige Dutzend Mitglieder der Stände
bei Landtagen erschienen, werden zur Diskussion gestellt.
Zur Person:
Studium der Geschichte an der Karls-Universität in Prag, Magister 1997,
Promotion 2005, 2002-2005 Koordinator des tschechisch-deutschen Graduiertenkollegs
Lebenswelten und Kommunikationsstrukturen in der mitteleuropäischen Gesellschaft
vom 16. bis 19. Jahrhundert (Prag-Saarbrücken), seit 2006 Lise-Meitner-Stipendiat
am Institut für Geschichte.
11. Juni: Gernot HEISS (Wien)
„Von den letzten Kuenringern und den ersten Fakultätssitzungen. Einige
Bemerkungen zu 35 Jahren an der Universität Wien“
Informationen zum Vortrag folgen im März!
18. Juni: Michael BOHR (Graz) – in Kooperation mit dem IEFN
„Barockes Mobiliar in österreichischen Klöstern – die
Kirchenmöbel im Stift Göttweig“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Noch immer
sind der Erforschung des österreichischen Barockmobiliars sehr enge Grenzen
gesetzt, denn es fehlt ein Katalog mit Vergleichsstücken, deren Provenienz
und Entstehungszeit zweifelsfrei geklärt ist. Wie auch jetzt wieder überraschende
Forschungsergebnisse in den Beiträgen der jüngsten „Barockberichte“
belegen, ist eine überzeugende Einordnung barocker Möbel – sakraler
wie profaner - nur mit Hilfe schriftlicher, sich auf identifizierbare Stücke
beziehender Quellen möglich. Solche Möbel sind vor allem in Sakralbauten,
dort sogar häufig in situ erhalten.
Auf dem heutigen Staatsgebiet Österreichs befinden sich noch über
90, mit bedeutendem barockem Mobiliar ausgestattete Klosterkirchen, 23 davon
gehören zu Klosteranlagen der Benediktiner und Zisterzienser. Diese Kirchen
habe ich als Ausgangspunkt der Studie gewählt, um meiner Arbeit einen überschaubaren
Rahmen zu geben. Im Vortrag wird die Einrichtung der Kirche des Benediktinerstiftes
Göttweig vorgestellt, die mit Unterstützung von Gregor Lechner OSB
aus Göttweig und Franz Wagner aus Salzburg seit einiger Zeit im Mittelpunkt
meines wissenschaftlichen Interesses steht.
Zur Person:
Dr. Michael Bohr studierte 1981 bis 1992 Kunstgeschichte, Geschichte und Philologie
in Mainz und Florenz. Dissertation über Florentiner Kabinettschränke.
1993–2007 Stipendien des Kunsthistorischen Instituts in Florenz. Studien
zum Mäzenatentum Großherzog Cosimos III. (1642–1723), Papst
Alexanders VII. Chigi (1599–1667) und seines Neffen Flavio (1631–1693).
Danach verschiedene Tätigkeiten u. a. für die Kunstsammlungen des
Regierenden Fürsten von Liechtenstein, das Castello del Buonconsiglio in
Trient und das Landesmuseum Joanneum in Graz. 2008 Beginn einer Studie zur Ausstattung
österreichischer Klöster. Das am i.e.f.n. angesiedelte Projekt wird
vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) finanziert.
25. Juni: Die Präsidentschafts- und Kongresswahlen in den USA im
November:
„Elections 2008“ (in englischer Sprache)
Informationen zum Referenten und zum Vortrag folgen.
___________________________________
5. März: Michael WÖGERBAUER
(Prag/Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Vernakularisierung – ein alternatives Konzept zur Beschreibung
habsburgischer Literaturgeschichte(n)?“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Ein Fach
„Neuere Habsburgische Literaturgeschichte“ wird an keiner Universität
unterrichtet. Stattdessen wurde ab dem 19. Jahrhundert für Mitteleuropa
eine Vielzahl isolationistischer nationalsprachlicher Literaturgeschichten geschrieben:
In vielen Fällen als isoliertes „nationales (Wieder)Erwachen“
oder – im Falle der deutschsprachigen Literatur – als integriertes
Großkonzept einer deutschen Nationalliteratur.
Vor allem am Beispiel Böhmen soll im Vortrag der Möglichkeit nachgegangen
werden, in Umkehrung dieser teleologischen Narrative eine evolutionäre
Ausdifferenzierung vernakularer Hochkulturen im 18. Jahrhundert zu konzipieren.
Als Grundlage dient der theoretische und praktische Einstellung zum Vernakularen
(Volkstümlichen, Einheimischen) als Medium und Stoff dessen, was als „Hochkultur“
gelten konnte.
Zur Person:
Mag. Dr. Michael Wögerbauer studierte Germanistik und Philosophie in Salzburg
und Wien, und war danach als Universitätslektor in Pilsen, Prag und Paris.
Derzeit ist er an der Akademie der Wissenschaften der Tschechischen Republik
tätig. Seine Dissertation zur „Ausdifferenzierung des Sozialsystems
Literatur in Prag 1760–1820“ soll 2008 in Wiesbaden erscheinen.
Falls Sie in Zukunft keine
Zusendungen von "Geschichte am Mittwoch" erhalten wollen, bitten wir
Sie, ein Email mit dem Betreff "Abmeldung" an veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at
Organisation und Planung:
Thomas Fröschl
Weitere Veranstaltungen
Vorträge der vergangenen Semester
Institut
für Geschichte