| Geschichte am Mittwoch - vergangene Semester |
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- SS 2007 - WS 2006/07- SS 2006 - WS 2005/06-SS 2005- WS 2004/05
- SS 2004- WS 2003/04- SS 2003 - WS 2002/03 - SS 2002 - WS 2001/02 - SS 2001 - WS 2000/01
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 2007/08 |
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10. Oktober: Anton TANTNER
(Wien)
Buchpräsentation: „Ordnung der Häuser, Beschreibung der Seelen.
Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie - oder: Wer
ist die Nummer 1?“
Kommentar: Wolfgang Pircher
Moderation: Edith Saurer
Abstract: Anlass dieser Folge von
„Geschichte am Mittwoch“ ist das Erscheinen des Buchs „Ordnung
der Häuser, Beschreibung der Seelen. Hausnummerierung und Seelenkonskription
in der Habsburgermonarchie“ im Rahmen der am Institut für Geschichte
herausgegebenen Reihe „Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit“.
Im Zentrum des Bands steht die Einführung der Hausnummerierung und „Seelenkonskription“
– das heißt einer Volkszählung – in den westlichen Provinzen
der Habsburgermonarchie in den Jahren 1770-1772; monatelang durchstreiften damals
Beamte und Militärs die Dörfer, Märkte und Städte, zogen
von Haus zu Haus, befragten die darin wohnenden Subjekte und trugen ihre Angaben
in Tabellen ein, was nicht ohne Probleme vor sich ging.
Am Beginn der Präsentation geht der Autor auf die Vorgeschichte dieser
Aktion ein, behandelt die bereits im 17. Jahrhundert einsetzenden so genannten
„Judenkonskriptionen“, die Erfassung der Protestanten und Protestantinnen
im Zuge der Gegenreformation sowie die „policeylichen“ Hausbeschreibungen
zum Zwecke der Bekämpfung der Bettlerinnen und Bettler. Anschließend
kommentiert Wolfgang Pircher das Buch. Abgeschlossen wird die Veranstaltung
mit einer Präsentation von Aufnahmen jener historischer Hausnummern, die
die Nummer 1 verpasst bekamen. Denn merke: „Alle gleichen Cäsar,
keiner möchte in Rom der zweite sein.“ (Louis-Sébastien Mercier)
Zur Person: Anton Tantner, geb. 1970, Mitarbeiter des FWF-Projekts „Europäische
Adressbüros in der Frühen Neuzeit“, Homepage mit „Galerie
der Hausnummern“ und Publikation: Tantner, Anton: Ordnung der Häuser,
Beschreibung der Seelen. Hausnummerierung und Seelenkonskription in der Habsburgermonarchie.
(=Wiener Schriften zur Geschichte der Neuzeit; 4). Innsbruck/Wien/Bozen: Studienverlag,
2007.
Publikationsverzeichnis: http://tantner.net; Weblog: http://adresscomptoir.twoday.net
17. Oktober: Paulus RAINER
(Wien) - in Kooperation mit dem IEFN
„Der kaiserliche Schatz bei den Kapuzinern. Die Stiftung der Kaiserin
Anna (1585–1618)“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Neben der kaiserlichen
Geistlichen Schatzkammer in der Hofburg bestand in Wien seit 1626 ein zweiter
kaiserlicher Sakralschatz, der im Unterschied zu ersterem vor allem von den
weiblichen Mitgliedern der Kaiserhauses bestiftet wurde. Seinen Ursprung hatte
dieser in einer Stiftung der Kaiserin Anna (1585-1618), die in ihrem Testament
neben der Erbauung des Kapuzinerklosters am Neuen Markt auch die Überbringung
ihrer umfangreichen und bedeutenden Sammlung kostbar gefasster Reliquien und
liturgischer Geräte in dieses Kloster verfügte. Heute bildet dieser
Bestand mit knapp 400 Objekten einen wichtigen Teil der Geistlichen Schatzkammer
und ist so Teil der Sammlungen des Kunsthistorischen Museums. Dieser Vortrag
will Ergebnisse eines aktuellen Forschungsprojektes des KHM präsentieren
und einen Einblick in eine laufende Dissertation (Fachbereich Kunstgeschichte)
zu eben diesem Schatzbestand liefern.
Zur Person: 1994–1999 Diplomstudium Kunstgeschichte in Innsbruck und Wien;
seit 2006 Dissertationsstudium Kunstgeschichte in Wien; seit 1997 wissenschaftlicher
Mitarbeiter im Museumsbereich (MAK Wien, Apic Cremona, KHM Wien); seit 2004
im Kunsthistorischen Museum Wien, derzeit Mitarbeiter am Forschungsprojekt „Der
kaiserliche Schatz bei den Kapuzinern. Forschungen zur kunst- und kulturhistorischen
Bedeutung“ (Finanzierung: Jubiläumsfonds der ÖNB)
24. Oktober: Georg GRÜNBERG
(Wien) - Gastprofessor am IfG für „Zeitgeschichte Lateinamerikas“
in diesem Semester
„Fließende Identitäten und Einforderung von Anerkennung: indianische
Hochschüler in Lateinamerika“
Moderation: Martina Kaller-Dietrich
Abstract: Die Frage nach der Identität
wird entscheidend wichtig, wenn die Sicherheit einer selbstverständlichen
Zugehörigkeit schwindet und eine Neukonstruktion notwendig macht, die Grundlage
für Selbstsicherheit bieten soll. Dies ist in erhöhtem Maß relevant,
wenn es sich um junge Menschen handelt, die aus einer Situation der Diskriminierung
herauswachsen und Zugang zum Ort der Eliten schlechthin gewinnen: an die Universität.
Dann wird der Kampf um Anerkennung, mitten in fließenden Identitäten,
zum wichtigsten Motiv, Wissenschaft zu betreiben, um gleichzeitig dem Bedürfnis
nach Selbstbestätigung, historischer Anerkennung und der Teilhabe am globalen
Wissen nachzukommen.
Erfahrungen des Vortragenden mit indianischen Studenten an Universitäten
in Guatemala, Nikaragua und Brasilien und mit dem Modell einer interkulturellen
Lehre und Forschung bilden die Grundlage für diese Reflexion.
Zur Person: geb. 1943 in Wien, Studium der Ethnologie in Wien und Sao Paulo,
Univ. Assistent an der Universität Bern, Gastprofessor an der FLACSO, Guatemala
2000 – 2002, Professor an der URACCAN, Nicaragua, 2002 – 2006, Lektor
an der Universität Wien, Konsulent für Entwicklungszusammenarbeit
und Mitarbeiter am österreichischen Lateinamerikainstitut.
7. November: Johan SCHIMANSKI
(Tromsø) und Ulrike SPRING (Wien)
„Die Quarneroli am Nordpol.” Österreichisch-ungarische Identitäten
und arktische Fähigkeiten
Moderation: Marianne Klemun
Abstract: Die österreichisch-ungarische
Nordpolexpedition von 1872-1874 war ein Medienevent, das zum Ausgangspunkt für
einen umfassenden Medienkomplex wurde. Dieser artikuliert sich über eine
Kette von Repräsentationen, die aus Remedialisierungen und Rekontextualisierungen
besteht, in denen kontinuierlich und bis in die Gegenwart Aspekte der Expedition
neu verhandelt und interpretiert werden. Die Expedition wurde über Narrativen
erzählt, die weniger von den tatsächlichen Erlebnissen in der Arktis
als vom politischen Tagesgeschehen in der Monarchie bzw. der Nachkriegszeit
geprägt waren. Ein Beispiel: Fähigkeiten, die die Mannschaft zum Überleben
in der Arktis benötigte, wurden in den Zeitungen von 1874 zum Symbol für
die kulturelle Überlebensfähigkeit der Monarchie. In den letzten Jahrzehnten
hingegen werden die kulturellen Identitäten der Expeditionsmitglieder zunehmend
zur Bekräftigung nationalistischer Ideologien eingesetzt. Unser Ausgangspunkt
ist folglich, dass Diskurse über die Arktis als eine Projektionsfläche
für zentrale Topoi in der europäischen Kultur, z.B. Kultur versus
Natur, oder Identitäten (Klasse, Ethnie, Geschlecht, Nation etc.) fungieren.
In diesem Vortrag zeigen wir dies am Beispiel der Matrosen der Expedition, die
aus dem Gebiet des heutigen Kroatien sowie aus Triest kamen. Unser Fokus liegt
auf den verschiedenen Identitäten, die ihnen in der Rezeption bis in die
Gegenwart zugeschrieben wurden.
Zu den Personen: Johan Schimanski, seit 1998 Associate Professor in Allgemeiner
Literaturwissenschaft an der Universität Tromsø. Dr.art. 1997 an
der Universität Oslo mit einer Arbeit über Genre und Nationalismus
in walisischsprachiger Literatur. Seit 2005 Co-Leiter des Forschungsprojektes
„Arktische Diskurse” sowie der Arbeitsgruppe für Grenzpoetik
an der Universität Tromsø. Gastprofessor in Grenzstudien an der
Universität Glamorgan/Morgannwg (2006). Forschungsschwerpunkte: Postkolonialismus,
Grenzen in der Literatur, Science Fiction, Diskursanalyse. Etliche Publikationen,
zuletzt: Crossing and Reading. Notes Towards a Theory and a Method (Nordlit
Nr. 19, 2006); Border Poetics De-Limited (hg. gem. mit Stephen Wolfe, 2007).
Ulrike Spring, zur Zeit Kuratorin am Wien Museum. Dr.phil. 2000 am Institut
für Geschichte der Universität Wien zum Thema Sprache und Nationalismus
in Norwegen und Irland um 1900. Forschungsaufenthalte an den Universitäten
Oslo, Dublin, Lancaster, IFK Wien. Mitarbeit in internationalen Forschungsprojekten.
Gastforscherin im Projekt ”Arktische Diskurse” an der Universität
Tromsø (2007). Forschungsschwerpunkte: Identität, Tourismus, Mobilität,
Nationalismus. Etliche Publikationen, zuletzt: The Linear City. Touring Vienna
in the Nineteenth Century (in: Mobile Technologies of the City, Hg. Mimi Sheller
& John Urry, 2006); Im Wirtshaus. Eine Geschichte der Wiener Geselligkeit
(hg. gem. mit Wolfgang Kos und Wolfgang Freitag, 2007).
14. November: Daniela BEYER
(Wolfenbüttel/Wien) - in Kooperation mit dem IEFN
„Hoch, schwer und gehaim Sachen“? Zum Verhältnis zwischen Geheimen
Rat und Reichshofrat in der Regierungszeit Ferdinands I. (1526–1564)
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Nach dem Tod Kaiser Maximilians
I. 1519 fand eine Umstrukturierung der obersten Verwaltungsinstitutionen statt.
Die 1526/27 gefundene Lösung blieb in ihren Grundzügen bis in die
Regierungszeit Maria Theresias erhalten. Zu diesen Verwaltungsinstitutionen
gehörte neben dem Hofrat auch ein Geheimer Rat, die sowohl für das
Reich als auch für die erbländischen Angelegenheiten zuständig
waren. Die Hofordnungen der Jahre 1527 und 1537 und die Hofratsordnung von 1541
legen Zeugnis davon ab, wie der Behördenaufbau in etwa strukturiert war.
Diesen Texten lässt sich auf den ersten Blick keine präzise Kompetenzverteilung
zwischen Hofrat und Geheimen Rat entnehmen. Betrachtet man den Aufbau der genannten
Hofordnungen jedoch genauer, fällt auf, dass der Geheime Rat in der Hofordnung
von 1537, anders als im Hofordnung von 1527, nicht mehr erwähnt wird. Die
Ordnungen würden dann den beiden Gremien durchaus nicht dieselben Geschäfte
zuweisen, so dass nach wie vor von einem Vorrang des Geheimen Rates in politischen
Angelegenheiten und einer Kompetenzabgrenzung zwischen Geheimen Rat und Hofrat
auszugehen wäre. Die Überlieferung im Archiv des Reichshofrates im
Haus-, Hof- und Staatsarchivs bietet eine Möglichkeit, dieser Frage nachzugehen.
In der Reihe der reichshofrätlichen Resolutionsprotokolle haben sich nicht
nur Protokolle aus den Sitzungen des Reichshofrates erhalten, sondern auch einige
wenige Bände zu der Arbeit des Kaiserlichen Geheimen Rates. Der direkte
Vergleich dieser Aufzeichnungen für ein Stichjahr – das Jahr 1560
– kann dazu beitragen, die Frage nach der Kompetenzabgrenzung zwischen
Geheimen Rat und Reichshofrat König bzw. Kaiser Ferdinands I. zu beantworten.
Zur Person: Jus-Studium in Göttingen, Beschäftigung mit der Geheimen
Rat Ferdinands I. im Rahmen ihrer Dissertation (in Vorbereitung). Nach Beendigung
des Referendariats in Lüneburg (Juni 2007) in Wien Mitarbeiterin von Eva
Ortlieb im Projekt über „Die Formierung des Hofrates unter Karl V.
und Ferdinand I“ (Leitung: Univ.-Prof. Dr. Werner Ogris).
21. November: John BOYER
(Chicago)
„Private Research Universities and the Development of Higher Education
in America: The University of Chicago Since 1892“
Moderation: Margarete Grandner
Abstract :The
emergence of modern, privately endowed research universities is one of the most
distinctive features of the history of higher education in the United States
after the American Civil War. One of the basic structural tensions embedded
within all of the large U.S, research universities is the relationship between
undergraduate education and doctoral-level research and teaching. The history
of the University of Chicago, founded in 1890-92 by John D. Rockefeller, offers
a fascinating example of the ways by which one university has sought to negotiate
these tensions over the last century by constructing a unique program of general
education on the collegiate level. This lecture will discuss several facets
of the early history of the University of Chicago--its organizational structure,
the cultural ethos and professional backgrounds of the early faculty, and its
dependence on the philanthropy of the Rockefeller family--and then explore how
the structure of undergraduate education that was developed at the University
of Chicago in the 1930s has influenced and shaped the larger intellectual culture
and the competitive institutional position of the University as a whole in the
later twentieth century.
Zur Person: John Boyer: Geb.in
Chicago 1945, Doktoratsstudien (Ph.D. 1975) und wissenschaftliche Laufbahn an
der University of Chicago, gegenwärtig Martin A. Ryerson Distinguished
Service Professor of History, and Dean of the College, University of Chicago.
Zählt zu den bedeutendsten Spezialisten der österreichischen Geschichte
in den USA. Bücher (Ausw.): Political Radicalism in Late Imperial Vienna:
Origins of the Christian Social Movement 1848-1897, 1981; Culture and Political
Crisis in Vienna: Christian Socialism in Power, 1897-1918, 1995; mehrere Monographien
zur Geschichte der University of Chicago.
28. November: Gerald STOURZH
(Wien)
Buchpräsentation: „From Vienna to Chicago and Back
Essays on Intellectual History and Political Thought in Europe and America”
John Boyer (Dean of the College, and Professor of Modern History, The University
of Chicago): „Introducing Gerald Stourzh’s ‘From Vienna to
Chicago and Back’“
Gerald Stourzh: „Was ich mit diesem Buch bezweckte“
Moderation: Thomas Fröschl
Zum Buch: Das hier präsentierte
Buch, im Sommer 2007 in Chicago erschienen, enthält 14 Essays in englischer
Sprache, die der Verfasser im Zeitraum von 53 Jahren – zwischen 1953 und
2006 – veröffentlicht hat. Alle Essays mit einer Ausnahme wurden
in englischer Sprache geschrieben. Die Essays sind nicht chronologisch, sondern
thematisch in vier Sektionen gegliedert: Anglo-American History; Austrian History,
Imperial and Republican; The Tocquevillian Moment; On the Human Condition. Diesen
Essays ist eine autobiographische Einführung vorangestellt, „Traces
of an Intellectual Journey“, die den intellektuellen Werdegang des Verfassers,
Persönlichkeiten, die ihn als Autoren oder als Lehrer beeinflusst und beeindruckt
haben, die Bedeutung der in Chicago verbrachten Jahre und einen Überblick
über die Hauptthemen seines wissenschaftlichen Werkes zu skizzieren versucht.
Zu den Personen: Gerald Stourzh, geb. in Wien 1929, Studien an den Universitäten
Wien, Clermont-Ferrand, Birmingham und Chicago. In den Fünfzigerjahren
Research Associate an der University of Chicago, 1962 Habilitation in Neuerer
Geschichte in Wien, 1964-1969 Professor für Neuere Geschichte mit bes.
Berücksichtigung Nordamerikas an der Freien Universität Berlin, 1969-1997
Professor für Geschichte der Neuzeit an der Universität Wien; Forschungsaufenthalte
1967/68 in Princeton, 1976 in Cambridge; seit 1997 emeritiert. Bücher (Auswahl):
Benjamin Franklin and American Foreign Policy, 1954; Alexander Hamilton and
the Idea of Republican Government, 1970; Die Gleichberechtigung der Nationalitäten
in der Verfassung und Verwaltung Österreichs1848-1918, 1985; Wege zur Grundrechtsdemokratie,
1989; Um Einheit und Freiheit: Staatsvertrag, Neutralität und das Ende
der Ost-West-Besetzung Österreichs 1945-1955, 1998 (erg. Neuaufl. 2005).
John Boyer, geb. in Chicago 1945, Doktoratsstudien (Ph.D. 1975) und wissenschaftliche
Laufbahn an der University of Chicago, gegenwärtig Martin A. Ryerson Distinguished
Service Professor of History, and Dean of the College, University of Chicago.
Zählt zu den bedeutendsten Spezialisten der österreichischen Geschichte
in den USA. Bücher (Auswahl): Political Radicalism in Late Imperial Vienna:
Origins of the Christian Social Movement 1848-1897, 1981; Culture and Political
Crisis in Vienna: Christian Socialism in Power, 1897-1918, 1995; mehrere Monographien
zur Geschichte der University of Chicago.
5. Dezember: Josef KÖSTLBAUER
(Wien)
„Das Harvard Seminar on Atlantic History – Geschichte und Bedeutung
eines wissenschaftlichen Forums“
Kommentar: Thomas Fröschl
Moderation: Birgitta Bader-Zaar
Abstract: Das Atlantic History Seminar
wurde 1995 von Bernard Bailyn, dem „spiritus rector“ der Atlantischen
Geschichte in den USA, ins Leben gerufen. Es ist findet seither alljährlich
statt und bietet einer kleinen Gruppe junger WissenschafterInnen internationaler
Herkunft die Möglichkeit, sich über verschiedene inhaltliche Zugänge
oder Aspekte atlantischer Geschichte auszutauschen. Erklärtes Ziel des
Seminars ist die Schaffung einer Gemeinschaft von „atlantischen Historikern“
und damit letztlich auch die Etablierung dieses Forschungsgebiets innerhalb
der scientific community. Das ist in den vergangenen zwölf Jahren sehr
erfolgreich gelungen – wie eine stetig wachsende Zahl von Publikationen
und der zunehmend internationale Charakter der involvierten Historikergemeinschaft
zeigt. Anlass genug, dieses Beispiel eines nachhaltig wirksamen intellektuellen
Forums vorzustellen und bei dieser Gelegenheit das Konzept der Atlantic History
zu erläutern und seinen Einfluss auf die gegenwärtige Geschichtsschreibung
– nicht nur in den USA – näher zu beleuchten.
Zur Person: Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaft
an der Universität Wien. Forschungsstipendien in New Orleans und Berlin.
Mitarbeit an verschiedenen Projekten am Institut für Geschichte in Wien.
Arbeitet an einer Dissertation über den Vergleich imperialer Grenzgebiete
im spanischen und britischen Kolonialreich.
12. Dezember: Oswald BAUER
(Augsburg) - in Kooperation mit dem IEFN
„Die Georg Fuggerischen Erben und die Fuggerzeitungen (1568–1605):
Frühneuzeitliche Nachrichtensammlungen als Mittel zum Zweck oder Freizeitbeschäftigung?“
Moderation: Herwig Weigl
Abstract: Octavian S. Fugger (1549–1600)
und Philipp E. Fugger (1546–1618), die Georg Fuggerischen Erben, haben
über 30 Jahre lang Nachrichten gesammelt und jahrgangsweise zu Bänden
binden lassen, die sog. Fuggerzeitungen. Doch ist trotz einiger Forschung weder
geklärt, welche Inhalte die Nachrichten der Fuggerzeitungen haben, noch
zu welchem Zweck die Nachrichten gesammelt wurden. Diese Fragen sollen auf der
Grundlage neuester Forschung diskutiert und (teilweise) beantwortet werden.
Zur Person: 1998–2005 Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft
und Geschichte an der Universität Wien. Abschluss des Studiums mit einer
Arbeit über „Pasquille in den Fuggerzeitungen“, anschließend
Bakkalaureat Publizistik zum Thema „Europäische Öffentlichkeit“.
Seit Oktober 2005 Doktorand im Graduiertenkolleg „Wissensfelder der Neuzeit“
am Institut für Europäische Kulturgeschichte (Augsburg, Deutschland).
9. Jänner: Philipp BLOM
(Wien)
„Schwindel-Jahre. Das Erleben der sozialen Veränderung und die frühe
Moderne in Europa 1900-1914“
Moderation: Thomas Angerer
Abstract: Zu keiner Zeit in der europäischen
Geschichte haben sich Gesellschaft, Wissenshorizonte und Wirtschaft radikaler
und rasanter verändert als in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg. Innerhalb
von wenig mehr als einem Jahrzehnt schufen Urbanisierung und Industrialisierung
neue Lebensformen und ein neues Lebensbewusstsein in Europa und den USA, das
sich in einem Gefühl der extremen Beschleunigung aller Lebensbereiche ausdrückte.
Wissenschaftliche Neuerungen, die Faszination mit Geschwindigkeit und die erste
Welle der feministischen Agitation prägen diese Epoche und hinterließen
deutliche Spuren in der Kunst der Avantgarde und im politischen Denken, vom
grenzenlosen Optimismus bis hin zur Verweigerung der Moderne und der Revolte
der Irrationalität in Kunst und Politik.
Zur Person: Dr. Philipp Blom ist freier Historiker und Schriftsteller. Nach
Studien der Philosophie, Judaistik und modernen Geschichte in Wien und Oxford
lebte und arbeitete er in London und Paris, bevor er sich erneut in Wien niederließ.
Sein letztes historisches Werk ist „Das vernünftige Ungeheuer“
(Frankfurt, 2004), eine Geschichte der Encyclopédie von Diderot und d’Alembert.
16. Jänner: Marcel SCHUMACHER
(Köln) - in Kooperation mit dem IEFN
„Von Wien nach Paris. Paris als Reiseziel habsburgischer Architekten nach
1715“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Als Johann Bernhard Fischer
von Erlach seinen Sohn 1719 in Pariser Baubüros studieren lässt, bietet
sich zum ersten Mal einem Baumeister des Kaiserhofes die Möglichkeit, die
Residenzen des stärksten Konkurrenten unter den europäischen Souveränen
aus der Nähe zu begutachten. Ludwig XIV. war 1715 nach dem Ende des Spanischen
Erbfolgekrieges verstorben und damit die Pariser Hofkunst vorübergehend
entpolitisiert. Zwischen 1715 und 1728 reisen daher zahlreiche Baumeister der
Fürstenhöfe des Römischen Reiches Deutscher Nation in die französische
Hauptstadt. Viele studieren im Umkreis des premier architecte du roi, Robert
du Cotte, entdecken aber auch die jungen Ornamentzeichner wie Jules-Marie Oppenord.
In diesem Zeitraum verschränken sich die klassizistische Tradition der
bâtiments du roi und die Entstehung einer neuen ornamentalen Raumkunst.
Joseph Emanuel Fischer von Erlach konnte während seiner Studienjahre in
Rom, Paris und London die Europäischen Bautraditionen miteinander vergleichen;
wie weit registrierte er die sich in Paris ankündigenden Veränderungen?
Da über seinen Parisaufenthalt wenig überliefert ist, sollen im Vortrag
die Studienzeichnungen des Architekten Anselm Franz Ritter zu Groenesteyn aus
Mainz ermöglichen, vielleicht einen anderen Blickpunkt auf das Werk des
Wiener Baumeisters zu erlangen. Ein Ausblick auf den Studienaufenthalt des Brünner
Architekten Franz Anton Grimm zwanzig Jahre später wird deutlich werden
lassen, wie selektiv Pariser Architekturmoden in Wien wahrgenommen wurden.
Zur Person: Studium der Architektur, Kunstgeschichte, Philosophie und Germanistik
in Aachen, Berlin, Rom und Basel; 2003 Magisterarbeit über ein Italienskizzenbuch
des französischen Bildhauers Jean Dedieu, seitdem Dissertation bei Andreas
Beyer (Basel) über „Paris – Knotenpunkt kulturellen Transfers.
Die Entstehung des Kunstmetropole aus dem Blick reisender Architekten zwischen
1660 und 1730“; Stipendiat der Studienstiftung; 2004/05 Forschungsaufenthalt
in Paris.
23. Jänner: Martin KNOLL
(Regensburg)
„Schreiben und Schweigen über Natur. Vom umweltgeschichtlichen Quellenwert
historisch-topographischer Literatur der Frühen Neuzeit“
Moderation: Verena Winiwarter
Abstract: Historisch-topographische
Literatur erfreute sich in der Frühen Neuzeit großer Popularität.
Ihre Gattungsgeschichte in dieser Zeit ist eng verwoben mit Übergangs-
und Formationsprozessen, deren Bedeutung in der verfassungsgeschichtlichen,
aber auch in der kunst-, wissenschafts- und umwelthistorischen Forschung betont
wird. Man denke an die Entwicklung frühmoderner Staatlichkeit oder aber
die viel beschworene ‚scientific revolution’ des 16. und 17. Jahrhunderts
und nicht zuletzt an den engen, oft genug personalen Zusammenhang zwischen der
sich methodisch formierenden Geographie und Kartographie auf der einen sowie
der Landschaftskunst auf der anderen Seite.
Der Vortrag nimmt seinen Ausgangspunkt bei Werken der bayerischen Landesbeschreibung
(Merian, Ertl, Wening). Meist stehen menschliche Siedlungen im Mittelpunkt der
Texte und Illustrationen solcher historisch-topographischer Werke: Städte,
Schlösser, Klöster etc. Informationen über die natürliche
Umwelt werden dem Leser vorwiegend in Bezug auf diese Siedlungen und die dortigen
Lebensbedingungen vermittelt. Daraus abzuleiten ist die Frage nach der Konzeptualisierung
des Verhältnisses Gesellschaft – natürliche Umwelt. Im Vortrag
wird der umwelthistorische Quellenwert der historisch-topographischen Literatur
diskutiert. Dabei kommt u. a. die rhetorische Abhängigkeit der Thematisierung
oder Nicht-Thematisierung naturaler Faktoren von den jeweiligen Darstellungsinteressen
zur Sprache. Auch ein möglicher diachroner Wandel des Stellenwerts von
Informationen zur natürlichen Umwelt gegenüber historisch-dynastischen
Wissensbeständen ist zu diskutieren. Gewinnen naturwissenschaftlich-statistische
Aspekte gegenüber diesen kulturell-traditionalen Motiven an Bedeutung und
wie ist dies – aus umwelthistorischer Perspektive und mit Blick auf die
umwelthistorische Analyse der Quellengattung – bewerten?
Zur Person: Studium der Geschichte und Germanistik an der Universität Regensburg,
Magisterexamen 1997, Staatsexamen für das gymnasiale Lehramt 1998, Promotion
2003 mit einer Arbeit über die landesherrliche Jagd Kurbayerns im 18. Jahrhundert.
2001-2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Neuere Geschichte
der Universität Regensburg, 2004-2007 Wissenschaftlicher Assistent ebendort.
Seit 1. Oktober 2007 Wissenschaftlicher Assistent am Lehrstuhl für Neuere
Geschichte/Schwerpunkt Stadt- und Umweltgeschichte der Technischen Universität
Darmstadt. Laufendes Habilitationsprojekt: „Studien zum Bild von Territorium,
Siedlung und Umwelt in der historisch-topographischen Literatur der Frühen
Neuzeit.“ Zusammen mit Verena Winiwarter Autor des Studienbuchs „Umweltgeschichte.
Eine Einführung“ (2007). http://www.iff.ac.at/umweltgeschichte/home.php
30. Jänner: Annabelle
BÖTTCHER (Wien/Berlin) – Gastprofessorin am IfG für
„Begegnung islamisch geprägter Kulturen in Europa“ in diesem
Semester
„Die Schia in Deutschland und Österreich“
Moderation: Marlene Kurz
Abstract: Durch die politischen Entwicklungen
im Libanon, im Irak und im Iran ist der schiitische Islam ins Blickpunkt des
öffentlichen Interesses gerückt. Obgleich Schiiten unter den weltweit
1,2 Mrd. Muslimen nur etwa 10-15% darstellen, beunruhigt das erstarkende schiitische
Selbstbewusstsein im Nahen und Mittleren Osten sowohl die Mehrheit sunnitischer
Muslime als auch Nichtmuslime.
In Deutschland und Österreich gibt es grob geschätzt etwa 5% Schiiten
vor allem libanesischer, irakischer, iranischer und afghanischer Herkunft sowie
eine Reihe von Konvertiten. Die meisten schiitischen Muslime haben sich aus
politischen oder ökonomischen Gründen im deutschsprachigen Raum niedergelassen
und hegen häufig starke Anbindungen an ihr Herkunftsland und ihre jeweilige
religiöse Autorität. Daher ist schiitischer Islam ethnisch und national
stark fraktioniert.
In diesem Vortrag sollen vor allem auf die historische Entwicklung und die strukturellen
Eigenheiten des schiitischen Islam in Deutschland und Österreichs eingegangen
werden.
Zur Person: Studium der Islamwissenschaften, Politikwissenschaften, Jura und
Semitistik an den Universitäten Toulouse, München, Freiburg i.Br.
und Damaskus. Magister 1993, Promotion 1998, Habilitation 2006. Forschungs-
und Lehrtätigkeiten am Institut Français d’Etudes Arabes de
Damas (Damaskus), Université Saint Joseph (Beirut), Orient-Institut (Beirut),
Sorbonne (Paris), Harvard University (Cambridge, MA) und Freie Universität
(FU) Berlin. Seit 2006 Privatdozentin am Institut für Islamwissenschaft
der FU-Berlin sowie Consultant von internationalen Organisationen.
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 07 |
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7. März: Daniel BERTSCH
(Münster/Westfalen)
„Der österreichische Diplomat Anton Prokesch von Osten (1795-1876)
und der Islam“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Anton Prokesch von Osten
versuchte vorurteilslos die vielfältige Kultur des Osmanischen Reiches
zu verstehen. Von seinen diplomatischen Posten in Athen und Konstantinopel aus
vermittelte er ein Bild des Orients, das gängigen Ansichten der Zeit widersprach.
Es war ihm ein Anliegen, darüber zu schreiben, dass der Mensch des Orients
kein Barbar, sondern hoher kultureller Errungenschaften fähig sei und dass
der Osmane keiner Bevormundung eines fortschrittsgläubigen Europa bedürfe.
Durch die Beschäftigung mit den Religionen des östlichen Mittelmeerraums
gewann Prokesch-Osten Einsichten in die Funktion der osmanischen Gesellschaft.
Sein Verständnis des Islam sicherte ihm konkurrenzloses Vertrauen an der
Hohen Pforte. Während in Europa nach dem Krimkrieg ein von Fanatismus und
Barbarei gekennzeichnetes Feindbild „des Mohammedaners“ verbreitet
und zur Rechtfertigung imperialistischer Politik funktionalisiert wurde, hielt
Prokesch-Osten dem Westen ein Gegenbild von sozialer Gesittung und Toleranz
entgegen. Wie sich seine Anschauungen vom Islam entwickelten und wie die Wahrnehmung
der islamischen Welt im Europa des 19. Jahrhunderts aussah, möchte der
Vortragende vorstellen.
Zur Person: Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Byzantinistik, Völkerkunde
und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms - Universität Münster,
an der Universität Ioannina (Griechenland) und an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule der Franziskaner und Kapuziner in Münster. Magisterexamen 1997,
Promotion 2002 mit einer Arbeit über Anton Prokesch von Osten. DAAD-Stipendiat
in Wien und in Graz. Seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für
Byzantinistik der Westfälischen Wilhelms - Universität Münster.
14. März: Karin ZELENY
(Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Giorgiones "Drei Philosophen’: eine philologische Entschlüsselung“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Giorgiones Gemälde
mit den drei Philosophen gilt als eines der rätselhaftesten der Renaissance.
Ihre Kleidung ist auffällig: Der Sitzende lässt sich durch sein Gewand
als Grieche oder Christ einordnen. Der zweite trägt einen Turban –
ein Moslem? Der dritte ist durch gelbe Kleidung als Jude gekennzeichnet. Die
bisherige Sicht der Wissenschaft ist gespalten: Wollte Giorgione auf den Dialog
mit dem Islam und dem Judentum anspielen? Oder sind drei konkrete antike Philosophen
abgebildet? Aber welche? Mit Hilfe von antiker und humanistischer Literatur
lässt sich das Rätsel schlüssig lösen.
Zur Person: Studium der Klassischen Philologie, Mittel- und Neulatein in Wien,
Diplomarbeit (im Rahmen der ÖAW-Kommission für antike Literatur):
Die Göttin Hekate in den Historiae deorum gentilium des Lilius Gregorius
Gyraldus, unter bes. Berücksichtigung der Rezeption Hekates in humanistischen
Handbüchern und Kommentaren des 16. Jh.; Dissertation: Itali Modi –
Akzentrhythmen in der lateinischen Dichtung der augusteischen Zeit. Lektorin
im Kunsthistorischen Museum.
21. März: Martin GIERL
(Göttingen - dzt. Gastprofessor am Institut für Geschichte in Wien)
„Wissenschaftsprojektemacherei, Computer und der Staat: Sprats Royal Society,
Swifts Lagadian Academy und Leibniz’ Königlich-Preußische Sozietät“
Moderation: Edith Saurer
Abstract: Um 1700 waren die Wissenschaften
auf dem Weg. Es ist die Zeit der „wissenschaftlichen Revolution“
hin zur „experimentellen Philosophie“ und zum empirischen Wissen.
Die Wissenschaften sollten praktisch werden, hieß es. Es war die Zeit
der Akademien, eine Zeit unglaublicher Projektemacherei – und vieles davon
ist Realität geworden und Grundlage unserer Lebenswelt. Der Vortrag skizziert
mit Sprat, Swift und Leibniz frühaufklärerische Vorstellungen von
Wissensorganisation und ihren praktischen Hintersinn im Utopischen, in den Akademien
und für den Staat. Man entblöde sich nicht, die Sonne wieder aus den
Gurken ziehen zu wollen, schrieb Swift. Alles beruht auf Null und Ein, antwortete
Leibniz darauf.
Martin Gierl – zur Person: „Zunächst habe ich mich für
den Zusammenhang von Geschichte und Dissens interessiert, dafür wie Konflikte
kommuniziert werden und wie dabei Gruppen, Identitäten und Verhaltensmuster
entstehen. Daraus ist meine Dissertation Pietismus und Aufklärung. Theologische
Polemik und die Kommunikationsreform der Wissenschaft am Ende des 17. Jahrhunderts’
entstanden. Dann habe ich mich für den Zusammenhang von Geschichte und
Konsens interessiert, dafür wie Pläne, Planung, Zustimmung und Geltung
entstehen, wie Geschichte als Institutionalisierungsprozess funktioniert. Hieraus
ist die Habilitation Geschichte und Organisation. Institutionalisierung als
Kommunikationsprozess am Beispiel der Wissenschaftsakademien um 1900’
entstanden. Ich habe am Max Planck Institut für Geschichte, Göttingen,
am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, am European
University Institute, Florenz, an der Clark Library, Los Angeles, an der Universität
Göttingen sowie an der FU-Berlin gearbeitet.“
28. März: Árpád
von KLIMÓ (Berlin - dzt. Gastprofessor am Institut für Geschichte
in Wien)
“Die Habsburgermonarchie und die Nationale Meistererzählung. Österreichische,
slowakische, tschechische und ungarische historiographische Identitätskonstruktionen
in vergleichender und beziehungsgeschichtlicher Perspektive“
Moderation: Gernot Heiss
Abstract: Seit dem 19. Jahrhundert
entstanden in Europa miteinander konkurrierende oder sich anderweitig aufeinander
beziehende nationale historische Meistererzählungen. Vor allem im intellektuellen
Umfeld der Nationalbewegungen verfestigten sich solche narrative Grundstrukturen,
die als abgehobene Metaebene der konkreten Texte über Geschichte zu verstehen
sind. Sie bezogen sich auf ältere, dynastische oder adlig-ständische
Muster ebenso wie sie auch Ideen der Französischen Revolution oder der
Romantik aufnahmen. Die vier innerhalb der Habsburgermonarchie sich entwickelnden
nationalen Meistererzählungen, die sich auf die österreichische, slowakische,
tschechische und ungarische Geschichte bezogen, standen in einem sehr engen
wechselseitigen, teilweise geradezu komplementären Verhältnis zueinander.
Im Vortrag werde ich dieses Beziehungsgeflecht im Bezug auf einige den Meistererzählungen
eigene Identitätskonstruktionen und Exklusionen analysieren.
Zur Person: geb. 1964 in Heidelberg, 1995 Promotion im Rahmen des Berliner Graduiertenkollegs
"Gesellschaftsvergleich in ethnologischer, historischer und soziologischer
Perspektive", 1996-1999 Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung
und des Collegium Budapest, 2001. Habilitation Freie Universität Berlin,
1999-2003 Wiss. Mitarbeiter
Humboldt-Universität Berlin, 2004 Visting Professor International University
Bremen, seit 2004 Projektmitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung
Potsdam. Veröffentlichungen: "Ungarn seit 1945" (Göttingen
2006), "Rausch und Diktatur" (Hg.
zus. mit Malte Rolf, Frankfurt/M. 2006), "Nation, Konfession, Geschichte.
Zur nationalen Geschichtskultur Ungarns im europäischen Kontext (1860-1948)"
(München 2003), "Staat und Klientel. Administrative Eliten in Preußen
und Italien (1860-1918) (Vierow 1998).
18. April: Marko DEISINGER (Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Giuseppe Tricarico, Kapellmeister der Kaiserin Eleonora II. Leben und
Werk (1623–1697)“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Mit der Publikation mehrerer
um 1650 in Rom gedruckter Werke trat der aus Gallipoli (Apulien) stammende Komponist
Giuseppe Tricarico ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Ende 1654 ging er
zusammen mit Kardinal G. B. Spada, dessen Kapellmeister er war, von Rom nach
Ferrara. Dort übernahm Tricarico den Kapellmeisterposten in der Accademia
dello Spirito Santo, blieb aber gleichzeitig im Dienst des Kardinals, der für
drei Jahre das Amt des päpstlichen Legaten in der Stadt ausübte. Im
August 1657 wurde Tricarico an den Wiener Kaiserhof berufen, um die neu gegründete
Hofkapelle der Kaiserin-Witwe Eleonora II. zu leiten. In seiner fünfjährigen
Amtszeit schrieb er Kirchenmusik, Sepolcri, Oratorien, weltliche Kantaten und
Opern. Einige seiner Werke sind Kaiser Leopold I. gewidmet, dessen Liebe zur
Musik die Kaiserin mit musikalischen Unterhaltungen unterstützte. Ende
1662 legte Tricarico sein Amt nieder und trat die Heimreise nach Gallipoli an.
Zur Person: Studium der Geschichte in Klagenfurt und der Musikwissenschaft in
Wien, Promotion 2004, Titel der Dissertation: Giuseppe Tricarico, Maestro di
Cappella della Maestà dell’Imperatrice. Eine Untersuchung zu Leben
und Werk des Komponisten in Wien (1657–1662) mit besonderer Berücksichtigung
der „Opere a cappella“. 2005–2007 Forschungsstipendien des
Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur am Historischen
Institut beim Österreichischen Kulturforum in Rom, Thema: Giuseppe Tricarico
(1623–1697).
25. April: Sonia HORN (Wien)
„Continuum Medicum. Ein virtuelles Archiv für die Geschichte
des Gesundheitswesens in Mitteleuropa.“
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Im Rahmen von zahlreichen Initiativen wird in verschiedenen Kulturinstitutionen – etwa in regionalen Museen – auf das Alltagsleben der Bevölkerung Bezug genommen. Der Umgang mit Gesundheit und Krankheit ist dabei ein wichtiges und interessantes, allerdings auch sehr komplexes Thema. Vielfach finden sich in kleinen Archiven und Museen schriftliche und dingliche Quellen – etwa Testamente, Gerichtsakten, Kauf- oder Heiratsverträge –, die jedoch kaum zugänglich sind. Diese ergänzen die in größeren Archiven vorhandenen seriellen Quellen und verbinden in Listen genannte Menschen mit tatsächlichen Schicksalen. Im Internet können diese verstreuten Quellen zusammengeführt und aufbereitet werden, sodass sich eine Informationsplattform ergibt, die für verschiedenste Fragestellungen genützt werden kann. Der heutige Grenzraum zwischen der Tschechischen Republik, Österreich und Ungarn war in der Geschichte ein in vielfacher Hinsicht zusammenhängender, aber auch getrennter Bereich mit hoher Migration. Dies ist auch der Grund dafür, dass Quellen zur Alltagsgeschichte den Archiven und Museen in verschiedenen Staaten zu finden sind, was deren Benützung jedoch erschwert. Ziel des Projektes Continuum Medicum ist es, Quellen, die den alltäglichen Umgang mit Gesundheit und Krankheit veranschaulichen, im virtuellen Raum zusammen zu führen, zu erschließen und mit Erklärungen zu versehen, um diese für verschiedene Zielgruppen zugängig zu machen. Partner im Projekt „Continuum Medicum“ sind die Abteilung für kulturelles Erbe der Medizinischen Universität Wien, das Archiv der Karlsuniversität Prag und die Erzabtei Pannonhalma.
Zur Person: Studium der Medizin an der Universität Wien (Dr. med.), Studium der Geschichte an der Universität Wien (Mag. phil., Dr. phil.). 1983-1989 studentische Mitarbeiterin in tumordiagnostischen und mikrobiologischen Projekten der 2. Chirurgischen und der 1. Medizinischen Universitätsklinik Wien, 1989-1995 drittmittelfinanzierte Assistentin am Institut für Geschichte der Universität Wien, anschließend Turnusärztin, 2002-2004 Gastprofessorin am Lehrstuhl für mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der ELTE Budapest, 2003-2006 Herta Firnberg Stipendiatin am Institut für Geschichte der Medizin der medizinischen Universität Wien, 2004 Habilitation im Fach „Geschichte der Medizin“ (ao. Univ.-Prof.); 2004, 2005 und 2006 Visiting Scholar Department for History and Philosophy of Science, Univ. Cambridge. Seit Oktober 2006 Kulturgüterbeauftragte der medizinischen Universität Wien und Leiterin der Abteilung für kulturelles Erbe.
Im Anschluss lädt das Team von "Continuum medicum," zu einem Glas Wein aus den Kellereien der Erzabtei Pannonhalma ein.
2. Mai: Heide DIENST (Wien)
Moderation: Edith Saurer
Achtung: Geändertes Thema!
„Sic igitur iste Heinricus
dictus, Joch sam mier Got’ factus est primus dux Austrie“.
Zum Transfer bayerischer Errungenschaften nach (Nieder-)Österreich um die
Mitte des 12. Jahrhunderts und zur historiographischen und politischen Verarbeitung
der Ereignisse vom September 1156 in Österreich bis zur Gegenwart.
Manches von dem, was der bayerische Herzog Heinrich (1141-1156) in seinem Herzogtum und in dessen Hauptstadt Regensburg kennen und schätzen gelernt hatte, verpflanzte er in das kleine neue Herzogtum, wie etwa Münzprägung, Stiftung eines Klosters für „Schotten“mönche und Anlage einer Burg im Areal des alten Römerlagers Vindobona, wichtige Elemente für die allmähliche Stadt- und Residenzwerdung von Wien. Anhand von Bild- und Textbeispielen werden diese Tatsachen veranschaulicht werden. Das zweite Hauptaugenmerk ist auf die historiographische Verarbeitung und ideologischen Besetzung der Vorgänge von 1156 gerichtet, Vorgänge, deren Wahrnehmung und interpretatorische Vereinnahmung für aktuelles Selbstverständnis und für aktuelle Ideologien in Österreich durch Jahrhunderte durch das Privilegium maius bzw. den Maius-Komplex geprägt war und zum Teil heute noch ist. Einzelne Aspekte dieses umfangreichen Fragenkomplexes werden in Quellenanlysen in dem Vortrag zur Sprache kommen.
9. Mai: Benjamin SCHELLER
(Berlin)
„Wo einstmals die Judayca war“. Räume und Identitäten
konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im spätmittelalterlichen Süditalien.
Moderation: Dana Cerman-Stefanova
Abstract: Um das Jahr 1292 kam es
auf dem süditalienischen Festland zu einem Ereignis, das einen Einschnitt
in der Geschichte Europas bedeutete, dennoch aber auf keiner Zeittafel zur europäischen
Geschichte zu finden ist: zur ersten Massenkonversion von Juden zum Christentum.
Der Vortrag fragt nach den Konsequenzen dieser Massenkonversion für Räume
und Identitäten der Konvertiten und ihrer Nachkommen und nach den Wechselbeziehungen
zwischen Räumen und Identitäten. Dabei geht es vor allem um die Frage,
inwiefern räumliche Ordnungen und ihr Wandel die Inklusion der Konvertiten
und ihrer Nachkommen in bzw. ihre Exklusion aus der christlichen Gesellschaft
auf der einen Seite widerspiegelten, auf der anderen Seite aber auch produzierten.
Zur Person: Studium der mittleren und neueren Geschichte, der Soziologie und
Politologie an den Universitäten Frankfurt am Main, an der Freien Universität
und an der Humboldt-Universität Berlin 1990-1995. Promotion im Fach Mittelalterliche
Geschichte 2002 mit einer Arbeit zum Thema: „Memoria an der Zeitenwende.
Die Stiftungen Jakob Fuggers des Reichen vor und während der Reformation
(ca. 1505 bis 1555)“ (erschienen 2004). Seit 2002 wissenschaftlicher Assistent
am Lehrstuhl Mittelalter I (Prof. Borgolte) am Institut für Geschichtswissenschaften
der Humboldt-Universität Berlin. Derzeit Gastwissenschaftler als Fedor-Lynen
Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung am Centro Interdipartimentale
di Studi Ebraici, Università degli Studi di Pisa. Gegenwärtiges
Forschungsprojekt: „Zwischen Inklusion und Exklusion: Konvertierte Juden
und ihre Nachkommen im Königreich Neapel des späten Mittelalters (1292
bis 1514)”
16. Mai: Studierende des
Forschungsseminars an der Universität Wien / Institut für Geschichte
(Wien) –
in Kooperation mit dem IEFN
„Der Wiener Hof im Spiegel der Zeremonialprotokolle“
Moderation: Irmgard Pangerln, Martin Scheutz und Thomas Winkelbauer
Abstract: Das Leben am Wiener Kaiserhof
ist in vielen Bereichen erstaunlich schlecht erforscht, sodass etwa nicht klar
ist, wie man bei Hof im 17. und 18. Jahrhundert Weihnachten feierte, wie Geburtstage
begangen wurden oder wie man die Feste der (alten und neuen) Landesheiligen
sowie der länderübergreifenden „Staatsheiligen“ (Joseph
von Nazareth, Johannes von Nepomuk) beging. Auf der Grundlage der seit 1652
geführten und im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Zeremonialprotokolle,
in denen der protokollarische Ablauf bei Hof schriftlich und mitunter sogar
bildlich festgehalten wurde, wird diesen und anderen Fragen exemplarisch nachgespürt.
Im Mittelpunkt eines aus einem Forschungsseminar an der Universität Wien
hervorgegangenen Bandes der Reihe „Forschungen und Beiträge zur Wiener
Stadtgeschichte“, der beim Jour fixe präsentiert wird, stehen unter
anderem die folgenden Themen: höfische Kommunikation und Repräsentation;
die Öffentlichkeit des Hofes und das Zeremoniell bei Prozessionen, Schautafeln,
Kirchgängen usw.; die differenzierte Beteiligung der einzelnen Hofämter;
die Kommunikation von Hof und Untertanen; die Zeichenhaftigkeit des höfischen
Handelns; etc. In einem umfangreichen Quellenanhang werden erstmals die Instruktionen
für die Inhaber verschiedener Hofämter (vom Obersthofmeister abwärts)
sowie mehrere Ordnungen (Kammerzutrittsordnungen, Hofklagsordnungen/Hoftrauerordnungen)
etc. ediert und damit der internationalen Hofforschung zugänglich gemacht.
Zu den Personen: Johanna Atzmannstorfer, Studium: Geschichte (Diplom); Adam
Christian, Studium: Geschichte (Diplom); Philipp Dittinger, Studium: Geschichte
(Diplom); Ruth Frötschel, Studium: Geschichte (Diplom); Michaela Kneidinger,
Studium: Geschichte (Diplomstudium) und Slawistik (Tschechisch); Hansdieter
Körbl, Studium: Geschichte (abgeschlossenes Diplom), derzeit Doktoratsstudium,
abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften; Irene Kubiska, Studium: Geschichte
(Diplom) und Romanistik (Spanisch, mit Erasmus-Semester in Spanien); Ines Lang,
Studium: Geschichte (Diplom); Stefan Seitschek, Studium: Geschichte, klassische
Archäologie, Alte Geschichte/Romanistik (Spanisch); Karin Schneider, Studium:
Geschichte (abgeschlossenes Diplom), Ausbildungslehrgang am Institut für
Österreichische Geschichtsforschung, abgeschlossene Dissertation, interimistische
Leiterin des Archivs Tulln; Christina Schmücker, Studium: Mittlere und
Neuere Geschichte, Erziehungswissenschaft, Historische Hilfswissenschaften und
Archivkunde (Gastsemester in Wien im Rahmen des Sokrates-Austausches aus Bonn);
Anna-Katharina Stacher-Gfall, Studium: Germanistik und Geschichte; Roland Starch,
Studium: Geschichte (Diplom); Bettina Weisskopf, Studium: Geschichte und Sozialkunde/Geographie
und Wirtschaftskunde, Geschichte (Diplom); Dagmar Weltin, Studium: Geschichte
(Diplom); Astrid Wielach, Studium: Geschichte (Diplom), Bakkalaureat Hungarologie;
Jakob Wührer, Studium: Geschichte (Diplom), Magisterstudium „Geschichtsforschung,
Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft, Geschichtsforschung“
23. Mai: Gerhard DREKONJA
(Wien)
"Raus mit den großen alten weißen Männern - oder wer darf
wie über die Dritte Welt schreiben?"
Moderation: Edith Saurer
Abstract: Der Vortragende verwendet
die Kontroverse um die (indianisch-guatemaltekische) Nobelpreisträgerin
Rigoberta Menchú, um über die neuesten Entwicklungen in der Lateinamerika-
und Dritte-Welt-Forschung zu referieren, wo eine junge Generation eine radikale
Kritik an der kanonisierten Wissenschaftlichkeit der metropolitanen Führungsuniversitäten
vorbringt. Da der Vortragende selber zu den "alten weißen Männern"
gehört, flicht er seinen eigenen - mäandernden - Weg, auf der Basis
einer langen intellektuellen Vagabondage in Lateinamerika, mit ein.
Zur Person: Gerhard Drekonja, geboren 1939 in Kornat im Lesachtal in Kärnten,
Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an der Universität
Wien, der Cornell-Universität (als Fulbright Stipendiat) und dem Institut
für Höhere Studien. In den 1960er, 1970er und teilweise 1980er Jahren
verschiedene Tätigkeiten in und über Lateinamerika, als Korrespondent,
Entwicklungsexperte, Risk-Analyst und Forscher. Professor an der Universidad
de los Andes in Bogotá, Gastprofessor an der Florida International University,
"Research Associate" der University of Pittsburgh. Co-Direktor des
Ludwig Boltzmann - Instituts für Lateinamerika-Forschung. Seit 1990 Ordinarius
für "Außereuropäische Geschichte" an der Universität
Wien. Zuletzt erschien sein editorischer Text "Havanna: Vergangenheit,
Gegenwart, Zukunft" (LIT Verlag März 2007).
Im Anschluss an den Vortrag von Herrn Prof. Gerhard Drekonja (ca. 19:45 Uhr) lädt das Insitut für Geschichte zu einem kleinen Empfang im Institut für Geschichte im 2. Stock ein.
30. Mai: Camilla PRELLER
(Wien)
“Mapuche-Indianer vs. Benetton – Die Debatte um das Museo Leleque
in Patagonien“
Moderation: Gerhard Drekonja
Abstract: Seit etlichen Jahren steht
die Renaissance der Indigenen Lateinamerikas, die inzwischen auch Argentinien
erreicht hat, im Brennpunkt des allgemeinen Interesses der Südamerikaforschung.
Auch die Mapuche im patagonischen Süden besinnen sich (wieder) auf ihre
Identität, was konsequenterweise zu Reibepunkten zwischen den Kulturen
führt. Im Zentrum meiner Analyse steht die mehrschichtige, konfliktive
Beziehung zwischen den Mapuche und der italienischen Firma Benetton. Die „Estancia
Leleque“, der Großgrundbesitz des inzwischen transnationalen Konzerns,
befindet sich auf ehemaligem Mapucheland, das die Indigenen – medienwirksam
inszeniert – zurückzuerhalten versuchen. Besonders konfliktär
ist die Institution des Museo Leleque auf der gleichnamigen Estancia, eine Art
Kristallisationspunkt der unterschiedlichen Ideologien und Selbstverständnisse.
Denn unter dem Titel „Patagonia – its history“ interpretiert
Benetton die Geschichte der Region und spannt den Bogen von den frühen
indigenen Wurzeln zur Ära der patagonischen Pioniergesellschaft im frühen
20. Jh.; allerdings aus seiner Perspektive. Wie stellt das Museum die Mapuche
dar? Was wird erzählt und was nicht? Inwiefern wird das Museum von den
Mapuche und von Vertretern der alternativen Geschichtsschreibung Argentiniens
kritisiert? All dies sind Fragen, denen ich in meinem Vortrag Kontur und Interpretation
angedeihen lassen werde.
Zur Person: Studium an der Universität Köln von 2001 bis 2004 (Regionalwissenschaften
für Lateinamerika); Auslandssemester in Perugia (“Lingua e cultura
italiana“) und Salamanca, 2004 Studienwechsel nach Wien (Internationale
Entwicklung); im Herbst 2006 eine zweimonatige Forschungsreise nach Patagonien
zum Thema „Mapuche vs. Benetton – Identitäten, Territorialitäten
und Konflikte in Chubut, Argentinien“; Studienabschluss voraussichtlich
2007.
6. Juni: Martin STEFANIK
(Bratislava)
„Kriminalität im mittelalterlichen Pressburg“
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Eine interessante Quelle
für die Erforschung der „Unterwelt“ im späten Mittelalter
bietet das sog. „Aechtbuch“ aus den Jahren 1435–1519. Das
älteste Gerichtsbuch der Stadt Bratislava/Preßburg enthält insgesamt
49 Gerichtsfälle, wovon 48 Straffälle sind. Da es meistens um Mehrfachtäter
ging, beinhalten diese Gerichtsfälle 238 Straftaten verschiedenster Art:
von Raubmord bis zu Ehebruch und Blutschande, Brandstiftung oder Falschspiel.
Am häufigsten (154 mal) sind Raubüberfälle und Diebereien vertreten.
Man kann auch die Anfangsformen organisierter Kriminalität beobachten.
In zahlreichen Fällen ist es möglich, das weitere Schicksal der weggenommenen
Gegenstände zu verfolgen.
Zur Person: Studium des Archivwesens und der Geschichte. 1998 Magister-Abschluss,
2000 Rigorosum, 2003 Doktorats-Abschluss. Seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter
im Historischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Lehrtätigkeit:
2001/2002 an der Philosophischen Fakultät der Komenius-Universität
Bratislava; 2004/2005 Gastdozent für Slowakische Geschichte an der Albert-Ludwigs
Universität Freiburg/Breisgau.
13. Juni: Matteo Burioni
(Basel) - in Kooperation mit dem IEFN
„Vasaris ‚rinascite’: Wiedergeburt der Kunst und Bändigung
des Bildes?“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Im Vortrag soll die Breite
des Renaissance-Begriffes bei Vasari ausgelotet werden: denn „rinascita“
ist keineswegs nur ein historiographischer Terminus, er wird auch mit theologischen
Untertönen „risuscitare", mit anthropologisch-naturwissenschaftlichen
Anklängen „vivacità“, „vita“ und er ist
zudem mit dem memoria- und fama-Gedanken verknüpft. Die Vorstellungen von
„Wiedergeburt“ sind also vielfach und in die frühneuzeitlichen
Konzepte von Leben, Nachleben, Wiedergeburt und Wiederauferstehung eingebettet.
Hier soll angesetzt und gefragt werden, ob Vasari eine konstitutive „Nachträglichkeit“
der Bilder thematisiert (etwa in dem Sinne von Warburgs Nachleben oder Didi-Hubermans
„Anachronismus“) oder ob er diese „Nachträglichkeit“
nur durch eine Historisierung „gezähmt“ hat (dies ist die These
von Didi-Huberman).
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte und Soziologie in Frankfurt am Main
und Pisa; 2003–2005 Doktorandenstipendium am Kunsthistorischen Institut
in Florenz (Max-Planck-Institut); Promotion 2005 mit einer Arbeit über
die Künstlerbiographie der Renaissance; seit Oktober 2005 wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der Universität Basel im Nationalen Forschungsschwerpunkt
Bildkritik.
20. Juni: Pieter M. Judson
(Swarthmore College)
“Ort der Nationsbildung oder der bitteren Enttäuschung? Die Sprachgrenze
um 1900”
Moderation: Margarete Grandner
Abstract: In the decades before 1914,
nationalists in Imperial Austria labored to transform linguistically mixed rural
regions into politically charged language frontiers. They hoped to remake local
populations into polarized peoples, and their villages into settings for the
kind of political conflict that dominated institutions in the rest of Imperial
Austria. But nationalists were often bitterly frustrated by bilingual villagers
who preferred cultural mixing and who remained stubbornly indifferent to nationalism
well into the 20th century. Using examples from several rural regions, including
the Böhmerwald and Südsteiermark, I trace the nationalist struggle
to consolidate the loyalty of local populations behind nationalist causes. Whether
German, Czech, or Slovene, the nationalists faced unexpected difficulties in
their attempt to make nationalism relevant to local populations, and to bind
people permanently to one national community. I examine several strategies developed
by nationalist activists, from the founding of minority language schools to
the importation of colonists from other regions, from projects to modernize
rural economies to the creation of local tourism industries. Nevertheless, by
1914, I argue that nationalists had largely failed in their project to nationalize
local populations.
Zur Person: Dr. Pieter M. Judson is Professor of History at Swarthmore College
(Philadelphia), Editor of the „Austrian History Yearbook“, and author
of „Guardians of the Nation: Activists on the Language Frontiers of Imperial
Austria“ (2006). He received his Ph.D. from Columbia University in 1987.
He has written books and articles on 19th-century liberalism, on the history
of gender, on the rise of tourism, and on nationalism and anti-Semitism in the
period 1880-1945. His 1996 book „Exclusive Revolutionaries: Liberal Politics,
Social Experience, and National Identity in the Austrian Empire 1848-1914“
won prizes from the American Historical Association and the Austrian Cultural
Forum. His book „Wien brennt! Die Revolution 1848 und ihr liberales Erbe“
(1998) commemorated the 150th anniversary of the Revolutions of 1848 in Austria.
Judson is also the co-editor with Marsha Rozenblit of the book „Constructing
Nationalities in East Central Europe“ (2004). Judson has twice received
Fulbright Fellowships to Vienna, and in 2000 he was a fellow at Vienna’s
Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK). He has also received
fellowships from the German Marshall Foundation and the American Academy in
Berlin. He serves on the editorial boards of the journals „Central European
History“ and „Contemporary Austrian Studies“ and as an advisor
to the „Österreichischer Wissenschaftsfonds“.
27. Juni: Christian HOLTORF
(Berlin) – in Zusammenarbeit mit der ÖAW / Institut für Mittelalterforschung
„Die Beschleunigung der ‚Ströme’: Warum rauschen Telegrafenkabel
unter Wasser?“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Die ersten telegrafischen
Unterseekabel führten im Vergleich zu Landdrähten zu einem unerwarteten
Effekt: Sorgsam telegrafierte Signalströme kamen beim Empfänger als
Kauderwelsch an. Um das Rauschen der Kommunikation zu beseitigen, war ein neues
physikalisches Verständnis von Elektrizität erforderlich, das nicht
mehr von der Kontinuität der Stromleitung ausging, sondern auf der feldtheoretischen
Regulation ihrer Geschwindigkeit beruhte. Die Beseitigung des telegrafischen
Rauschens zeigt modellhaft, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts Technologien
entwickelt wurden, die Kontrolle über die auf vielen Feldern spürbaren
Beschleunigungsprozesse gewinnen sollten. Die neuen Techniken wurden durch den
Wandel von sprachlichen Zuschreibungen unterstützt: Während der Verlegung
der ersten transatlantischen Telegrafenkabel ist ein Übergang von einem
mit Metaphern des Blutkreislaufs verbundenen Nachrichtenverkehr zur temporeichen
Informationsübermittlung analog zu Nervenbahnen zu erkennen. Der Vortrag
fragt, was die Elektrophysik des Atlantikkabels zur Beschleunigung der Gesellschaft
beigetragen hat und ob der Nachrichtenstrom zuerst an der falschen Körpermetapher
gescheitert ist.
Zur Person: Christian Holtorf, geboren 1968. Studium der Geschichte, Philosophie
und Psychologie in Marburg und Berlin. Seit 2000 Wissenschaftlicher Referent
am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Promovierte am Kulturwissenschaftlichen
Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin über das erste transatlantische
Telegrafenkabel. Letzte Veröffentlichungen: (Hg. mit Claus Pias): Escape!
Computerspiele als Kulturtechnik, Köln/Weimar 2006 (in Vorbereitung); Die
Modernisierung des nordatlantischen Raumes: Cyrus Field, Taliaferro Shaffner
und das submarine Telegraphennetz von 1858, in: A. Geppert, U. Jensen, J. Weinhold
(Hrsg.): Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert,
Bielefeld 2005.
7. März: Daniel BERTSCH
(Münster/Westfalen)
„Der österreichische Diplomat Anton Prokesch von Osten (1795-1876)
und der Islam“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Anton Prokesch von Osten
versuchte vorurteilslos die vielfältige Kultur des Osmanischen Reiches
zu verstehen. Von seinen diplomatischen Posten in Athen und Konstantinopel aus
vermittelte er ein Bild des Orients, das gängigen Ansichten der Zeit widersprach.
Es war ihm ein Anliegen, darüber zu schreiben, dass der Mensch des Orients
kein Barbar, sondern hoher kultureller Errungenschaften fähig sei und dass
der Osmane keiner Bevormundung eines fortschrittsgläubigen Europa bedürfe.
Durch die Beschäftigung mit den Religionen des östlichen Mittelmeerraums
gewann Prokesch-Osten Einsichten in die Funktion der osmanischen Gesellschaft.
Sein Verständnis des Islam sicherte ihm konkurrenzloses Vertrauen an der
Hohen Pforte. Während in Europa nach dem Krimkrieg ein von Fanatismus und
Barbarei gekennzeichnetes Feindbild „des Mohammedaners“ verbreitet
und zur Rechtfertigung imperialistischer Politik funktionalisiert wurde, hielt
Prokesch-Osten dem Westen ein Gegenbild von sozialer Gesittung und Toleranz
entgegen. Wie sich seine Anschauungen vom Islam entwickelten und wie die Wahrnehmung
der islamischen Welt im Europa des 19. Jahrhunderts aussah, möchte der
Vortragende vorstellen.
Zur Person: Studium der Neueren und Neuesten Geschichte, Byzantinistik, Völkerkunde
und Philosophie an der Westfälischen Wilhelms - Universität Münster,
an der Universität Ioannina (Griechenland) und an der Philosophisch-Theologischen
Hochschule der Franziskaner und Kapuziner in Münster. Magisterexamen 1997,
Promotion 2002 mit einer Arbeit über Anton Prokesch von Osten. DAAD-Stipendiat
in Wien und in Graz. Seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für
Byzantinistik der Westfälischen Wilhelms - Universität Münster.
14. März: Karin ZELENY
(Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Giorgiones "Drei Philosophen’: eine philologische Entschlüsselung“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Giorgiones Gemälde
mit den drei Philosophen gilt als eines der rätselhaftesten der Renaissance.
Ihre Kleidung ist auffällig: Der Sitzende lässt sich durch sein Gewand
als Grieche oder Christ einordnen. Der zweite trägt einen Turban –
ein Moslem? Der dritte ist durch gelbe Kleidung als Jude gekennzeichnet. Die
bisherige Sicht der Wissenschaft ist gespalten: Wollte Giorgione auf den Dialog
mit dem Islam und dem Judentum anspielen? Oder sind drei konkrete antike Philosophen
abgebildet? Aber welche? Mit Hilfe von antiker und humanistischer Literatur
lässt sich das Rätsel schlüssig lösen.
Zur Person: Studium der Klassischen Philologie, Mittel- und Neulatein in Wien,
Diplomarbeit (im Rahmen der ÖAW-Kommission für antike Literatur):
Die Göttin Hekate in den Historiae deorum gentilium des Lilius Gregorius
Gyraldus, unter bes. Berücksichtigung der Rezeption Hekates in humanistischen
Handbüchern und Kommentaren des 16. Jh.; Dissertation: Itali Modi –
Akzentrhythmen in der lateinischen Dichtung der augusteischen Zeit. Lektorin
im Kunsthistorischen Museum.
21. März: Martin GIERL
(Göttingen - dzt. Gastprofessor am Institut für Geschichte in Wien)
„Wissenschaftsprojektemacherei, Computer und der Staat: Sprats Royal Society,
Swifts Lagadian Academy und Leibniz’ Königlich-Preußische Sozietät“
Moderation: Edith Saurer
Abstract: Um 1700 waren die Wissenschaften
auf dem Weg. Es ist die Zeit der „wissenschaftlichen Revolution“
hin zur „experimentellen Philosophie“ und zum empirischen Wissen.
Die Wissenschaften sollten praktisch werden, hieß es. Es war die Zeit
der Akademien, eine Zeit unglaublicher Projektemacherei – und vieles davon
ist Realität geworden und Grundlage unserer Lebenswelt. Der Vortrag skizziert
mit Sprat, Swift und Leibniz frühaufklärerische Vorstellungen von
Wissensorganisation und ihren praktischen Hintersinn im Utopischen, in den Akademien
und für den Staat. Man entblöde sich nicht, die Sonne wieder aus den
Gurken ziehen zu wollen, schrieb Swift. Alles beruht auf Null und Ein, antwortete
Leibniz darauf.
Martin Gierl – zur Person: „Zunächst habe ich mich für
den Zusammenhang von Geschichte und Dissens interessiert, dafür wie Konflikte
kommuniziert werden und wie dabei Gruppen, Identitäten und Verhaltensmuster
entstehen. Daraus ist meine Dissertation Pietismus und Aufklärung. Theologische
Polemik und die Kommunikationsreform der Wissenschaft am Ende des 17. Jahrhunderts’
entstanden. Dann habe ich mich für den Zusammenhang von Geschichte und
Konsens interessiert, dafür wie Pläne, Planung, Zustimmung und Geltung
entstehen, wie Geschichte als Institutionalisierungsprozess funktioniert. Hieraus
ist die Habilitation Geschichte und Organisation. Institutionalisierung als
Kommunikationsprozess am Beispiel der Wissenschaftsakademien um 1900’
entstanden. Ich habe am Max Planck Institut für Geschichte, Göttingen,
am Max Planck Institut für Wissenschaftsgeschichte, Berlin, am European
University Institute, Florenz, an der Clark Library, Los Angeles, an der Universität
Göttingen sowie an der FU-Berlin gearbeitet.“
28. März: Árpád
von KLIMÓ (Berlin - dzt. Gastprofessor am Institut für Geschichte
in Wien)
“Die Habsburgermonarchie und die Nationale Meistererzählung. Österreichische,
slowakische, tschechische und ungarische historiographische Identitätskonstruktionen
in vergleichender und beziehungsgeschichtlicher Perspektive“
Moderation: Gernot Heiss
Abstract: Seit dem 19. Jahrhundert
entstanden in Europa miteinander konkurrierende oder sich anderweitig aufeinander
beziehende nationale historische Meistererzählungen. Vor allem im intellektuellen
Umfeld der Nationalbewegungen verfestigten sich solche narrative Grundstrukturen,
die als abgehobene Metaebene der konkreten Texte über Geschichte zu verstehen
sind. Sie bezogen sich auf ältere, dynastische oder adlig-ständische
Muster ebenso wie sie auch Ideen der Französischen Revolution oder der
Romantik aufnahmen. Die vier innerhalb der Habsburgermonarchie sich entwickelnden
nationalen Meistererzählungen, die sich auf die österreichische, slowakische,
tschechische und ungarische Geschichte bezogen, standen in einem sehr engen
wechselseitigen, teilweise geradezu komplementären Verhältnis zueinander.
Im Vortrag werde ich dieses Beziehungsgeflecht im Bezug auf einige den Meistererzählungen
eigene Identitätskonstruktionen und Exklusionen analysieren.
Zur Person: geb. 1964 in Heidelberg, 1995 Promotion im Rahmen des Berliner Graduiertenkollegs
"Gesellschaftsvergleich in ethnologischer, historischer und soziologischer
Perspektive", 1996-1999 Stipendiat der Alexander-von-Humboldt-Stiftung
und des Collegium Budapest, 2001. Habilitation Freie Universität Berlin,
1999-2003 Wiss. Mitarbeiter
Humboldt-Universität Berlin, 2004 Visting Professor International University
Bremen, seit 2004 Projektmitarbeiter am Zentrum für Zeithistorische Forschung
Potsdam. Veröffentlichungen: "Ungarn seit 1945" (Göttingen
2006), "Rausch und Diktatur" (Hg.
zus. mit Malte Rolf, Frankfurt/M. 2006), "Nation, Konfession, Geschichte.
Zur nationalen Geschichtskultur Ungarns im europäischen Kontext (1860-1948)"
(München 2003), "Staat und Klientel. Administrative Eliten in Preußen
und Italien (1860-1918) (Vierow 1998).
18. April: Marko DEISINGER (Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Giuseppe Tricarico, Kapellmeister der Kaiserin Eleonora II. Leben und
Werk (1623–1697)“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Mit der Publikation mehrerer
um 1650 in Rom gedruckter Werke trat der aus Gallipoli (Apulien) stammende Komponist
Giuseppe Tricarico ins Rampenlicht der Öffentlichkeit. Ende 1654 ging er
zusammen mit Kardinal G. B. Spada, dessen Kapellmeister er war, von Rom nach
Ferrara. Dort übernahm Tricarico den Kapellmeisterposten in der Accademia
dello Spirito Santo, blieb aber gleichzeitig im Dienst des Kardinals, der für
drei Jahre das Amt des päpstlichen Legaten in der Stadt ausübte. Im
August 1657 wurde Tricarico an den Wiener Kaiserhof berufen, um die neu gegründete
Hofkapelle der Kaiserin-Witwe Eleonora II. zu leiten. In seiner fünfjährigen
Amtszeit schrieb er Kirchenmusik, Sepolcri, Oratorien, weltliche Kantaten und
Opern. Einige seiner Werke sind Kaiser Leopold I. gewidmet, dessen Liebe zur
Musik die Kaiserin mit musikalischen Unterhaltungen unterstützte. Ende
1662 legte Tricarico sein Amt nieder und trat die Heimreise nach Gallipoli an.
Zur Person: Studium der Geschichte in Klagenfurt und der Musikwissenschaft in
Wien, Promotion 2004, Titel der Dissertation: Giuseppe Tricarico, Maestro di
Cappella della Maestà dell’Imperatrice. Eine Untersuchung zu Leben
und Werk des Komponisten in Wien (1657–1662) mit besonderer Berücksichtigung
der „Opere a cappella“. 2005–2007 Forschungsstipendien des
Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur am Historischen
Institut beim Österreichischen Kulturforum in Rom, Thema: Giuseppe Tricarico
(1623–1697).
25. April: Sonia HORN (Wien)
„Continuum Medicum. Ein virtuelles Archiv für die Geschichte
des Gesundheitswesens in Mitteleuropa.“
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Im Rahmen von zahlreichen Initiativen wird in verschiedenen Kulturinstitutionen – etwa in regionalen Museen – auf das Alltagsleben der Bevölkerung Bezug genommen. Der Umgang mit Gesundheit und Krankheit ist dabei ein wichtiges und interessantes, allerdings auch sehr komplexes Thema. Vielfach finden sich in kleinen Archiven und Museen schriftliche und dingliche Quellen – etwa Testamente, Gerichtsakten, Kauf- oder Heiratsverträge –, die jedoch kaum zugänglich sind. Diese ergänzen die in größeren Archiven vorhandenen seriellen Quellen und verbinden in Listen genannte Menschen mit tatsächlichen Schicksalen. Im Internet können diese verstreuten Quellen zusammengeführt und aufbereitet werden, sodass sich eine Informationsplattform ergibt, die für verschiedenste Fragestellungen genützt werden kann. Der heutige Grenzraum zwischen der Tschechischen Republik, Österreich und Ungarn war in der Geschichte ein in vielfacher Hinsicht zusammenhängender, aber auch getrennter Bereich mit hoher Migration. Dies ist auch der Grund dafür, dass Quellen zur Alltagsgeschichte den Archiven und Museen in verschiedenen Staaten zu finden sind, was deren Benützung jedoch erschwert. Ziel des Projektes Continuum Medicum ist es, Quellen, die den alltäglichen Umgang mit Gesundheit und Krankheit veranschaulichen, im virtuellen Raum zusammen zu führen, zu erschließen und mit Erklärungen zu versehen, um diese für verschiedene Zielgruppen zugängig zu machen. Partner im Projekt „Continuum Medicum“ sind die Abteilung für kulturelles Erbe der Medizinischen Universität Wien, das Archiv der Karlsuniversität Prag und die Erzabtei Pannonhalma.
Zur Person: Studium der Medizin an der Universität Wien (Dr. med.), Studium der Geschichte an der Universität Wien (Mag. phil., Dr. phil.). 1983-1989 studentische Mitarbeiterin in tumordiagnostischen und mikrobiologischen Projekten der 2. Chirurgischen und der 1. Medizinischen Universitätsklinik Wien, 1989-1995 drittmittelfinanzierte Assistentin am Institut für Geschichte der Universität Wien, anschließend Turnusärztin, 2002-2004 Gastprofessorin am Lehrstuhl für mittelalterliche und frühneuzeitliche Geschichte der ELTE Budapest, 2003-2006 Herta Firnberg Stipendiatin am Institut für Geschichte der Medizin der medizinischen Universität Wien, 2004 Habilitation im Fach „Geschichte der Medizin“ (ao. Univ.-Prof.); 2004, 2005 und 2006 Visiting Scholar Department for History and Philosophy of Science, Univ. Cambridge. Seit Oktober 2006 Kulturgüterbeauftragte der medizinischen Universität Wien und Leiterin der Abteilung für kulturelles Erbe.
Im Anschluss lädt das Team von "Continuum medicum," zu einem Glas Wein aus den Kellereien der Erzabtei Pannonhalma ein.
2. Mai: Heide DIENST (Wien)
Moderation: Edith Saurer
Achtung: Geändertes Thema!
„Sic igitur iste Heinricus
dictus, Joch sam mier Got’ factus est primus dux Austrie“.
Zum Transfer bayerischer Errungenschaften nach (Nieder-)Österreich um die
Mitte des 12. Jahrhunderts und zur historiographischen und politischen Verarbeitung
der Ereignisse vom September 1156 in Österreich bis zur Gegenwart.
Manches von dem, was der bayerische Herzog Heinrich (1141-1156) in seinem Herzogtum und in dessen Hauptstadt Regensburg kennen und schätzen gelernt hatte, verpflanzte er in das kleine neue Herzogtum, wie etwa Münzprägung, Stiftung eines Klosters für „Schotten“mönche und Anlage einer Burg im Areal des alten Römerlagers Vindobona, wichtige Elemente für die allmähliche Stadt- und Residenzwerdung von Wien. Anhand von Bild- und Textbeispielen werden diese Tatsachen veranschaulicht werden. Das zweite Hauptaugenmerk ist auf die historiographische Verarbeitung und ideologischen Besetzung der Vorgänge von 1156 gerichtet, Vorgänge, deren Wahrnehmung und interpretatorische Vereinnahmung für aktuelles Selbstverständnis und für aktuelle Ideologien in Österreich durch Jahrhunderte durch das Privilegium maius bzw. den Maius-Komplex geprägt war und zum Teil heute noch ist. Einzelne Aspekte dieses umfangreichen Fragenkomplexes werden in Quellenanlysen in dem Vortrag zur Sprache kommen.
9. Mai: Benjamin SCHELLER
(Berlin)
„Wo einstmals die Judayca war“. Räume und Identitäten
konvertierter Juden und ihrer Nachkommen im spätmittelalterlichen Süditalien.
Moderation: Dana Cerman-Stefanova
Abstract: Um das Jahr 1292 kam es
auf dem süditalienischen Festland zu einem Ereignis, das einen Einschnitt
in der Geschichte Europas bedeutete, dennoch aber auf keiner Zeittafel zur europäischen
Geschichte zu finden ist: zur ersten Massenkonversion von Juden zum Christentum.
Der Vortrag fragt nach den Konsequenzen dieser Massenkonversion für Räume
und Identitäten der Konvertiten und ihrer Nachkommen und nach den Wechselbeziehungen
zwischen Räumen und Identitäten. Dabei geht es vor allem um die Frage,
inwiefern räumliche Ordnungen und ihr Wandel die Inklusion der Konvertiten
und ihrer Nachkommen in bzw. ihre Exklusion aus der christlichen Gesellschaft
auf der einen Seite widerspiegelten, auf der anderen Seite aber auch produzierten.
Zur Person: Studium der mittleren und neueren Geschichte, der Soziologie und
Politologie an den Universitäten Frankfurt am Main, an der Freien Universität
und an der Humboldt-Universität Berlin 1990-1995. Promotion im Fach Mittelalterliche
Geschichte 2002 mit einer Arbeit zum Thema: „Memoria an der Zeitenwende.
Die Stiftungen Jakob Fuggers des Reichen vor und während der Reformation
(ca. 1505 bis 1555)“ (erschienen 2004). Seit 2002 wissenschaftlicher Assistent
am Lehrstuhl Mittelalter I (Prof. Borgolte) am Institut für Geschichtswissenschaften
der Humboldt-Universität Berlin. Derzeit Gastwissenschaftler als Fedor-Lynen
Stipendiat der Alexander von Humboldt Stiftung am Centro Interdipartimentale
di Studi Ebraici, Università degli Studi di Pisa. Gegenwärtiges
Forschungsprojekt: „Zwischen Inklusion und Exklusion: Konvertierte Juden
und ihre Nachkommen im Königreich Neapel des späten Mittelalters (1292
bis 1514)”
16. Mai: Studierende des
Forschungsseminars an der Universität Wien / Institut für Geschichte
(Wien) –
in Kooperation mit dem IEFN
„Der Wiener Hof im Spiegel der Zeremonialprotokolle“
Moderation: Irmgard Pangerln, Martin Scheutz und Thomas Winkelbauer
Abstract: Das Leben am Wiener Kaiserhof
ist in vielen Bereichen erstaunlich schlecht erforscht, sodass etwa nicht klar
ist, wie man bei Hof im 17. und 18. Jahrhundert Weihnachten feierte, wie Geburtstage
begangen wurden oder wie man die Feste der (alten und neuen) Landesheiligen
sowie der länderübergreifenden „Staatsheiligen“ (Joseph
von Nazareth, Johannes von Nepomuk) beging. Auf der Grundlage der seit 1652
geführten und im Wiener Haus-, Hof- und Staatsarchiv aufbewahrten Zeremonialprotokolle,
in denen der protokollarische Ablauf bei Hof schriftlich und mitunter sogar
bildlich festgehalten wurde, wird diesen und anderen Fragen exemplarisch nachgespürt.
Im Mittelpunkt eines aus einem Forschungsseminar an der Universität Wien
hervorgegangenen Bandes der Reihe „Forschungen und Beiträge zur Wiener
Stadtgeschichte“, der beim Jour fixe präsentiert wird, stehen unter
anderem die folgenden Themen: höfische Kommunikation und Repräsentation;
die Öffentlichkeit des Hofes und das Zeremoniell bei Prozessionen, Schautafeln,
Kirchgängen usw.; die differenzierte Beteiligung der einzelnen Hofämter;
die Kommunikation von Hof und Untertanen; die Zeichenhaftigkeit des höfischen
Handelns; etc. In einem umfangreichen Quellenanhang werden erstmals die Instruktionen
für die Inhaber verschiedener Hofämter (vom Obersthofmeister abwärts)
sowie mehrere Ordnungen (Kammerzutrittsordnungen, Hofklagsordnungen/Hoftrauerordnungen)
etc. ediert und damit der internationalen Hofforschung zugänglich gemacht.
Zu den Personen: Johanna Atzmannstorfer, Studium: Geschichte (Diplom); Adam
Christian, Studium: Geschichte (Diplom); Philipp Dittinger, Studium: Geschichte
(Diplom); Ruth Frötschel, Studium: Geschichte (Diplom); Michaela Kneidinger,
Studium: Geschichte (Diplomstudium) und Slawistik (Tschechisch); Hansdieter
Körbl, Studium: Geschichte (abgeschlossenes Diplom), derzeit Doktoratsstudium,
abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften; Irene Kubiska, Studium: Geschichte
(Diplom) und Romanistik (Spanisch, mit Erasmus-Semester in Spanien); Ines Lang,
Studium: Geschichte (Diplom); Stefan Seitschek, Studium: Geschichte, klassische
Archäologie, Alte Geschichte/Romanistik (Spanisch); Karin Schneider, Studium:
Geschichte (abgeschlossenes Diplom), Ausbildungslehrgang am Institut für
Österreichische Geschichtsforschung, abgeschlossene Dissertation, interimistische
Leiterin des Archivs Tulln; Christina Schmücker, Studium: Mittlere und
Neuere Geschichte, Erziehungswissenschaft, Historische Hilfswissenschaften und
Archivkunde (Gastsemester in Wien im Rahmen des Sokrates-Austausches aus Bonn);
Anna-Katharina Stacher-Gfall, Studium: Germanistik und Geschichte; Roland Starch,
Studium: Geschichte (Diplom); Bettina Weisskopf, Studium: Geschichte und Sozialkunde/Geographie
und Wirtschaftskunde, Geschichte (Diplom); Dagmar Weltin, Studium: Geschichte
(Diplom); Astrid Wielach, Studium: Geschichte (Diplom), Bakkalaureat Hungarologie;
Jakob Wührer, Studium: Geschichte (Diplom), Magisterstudium „Geschichtsforschung,
Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft, Geschichtsforschung“
23. Mai: Gerhard DREKONJA
(Wien)
"Raus mit den großen alten weißen Männern - oder wer darf
wie über die Dritte Welt schreiben?"
Moderation: Edith Saurer
Abstract: Der Vortragende verwendet
die Kontroverse um die (indianisch-guatemaltekische) Nobelpreisträgerin
Rigoberta Menchú, um über die neuesten Entwicklungen in der Lateinamerika-
und Dritte-Welt-Forschung zu referieren, wo eine junge Generation eine radikale
Kritik an der kanonisierten Wissenschaftlichkeit der metropolitanen Führungsuniversitäten
vorbringt. Da der Vortragende selber zu den "alten weißen Männern"
gehört, flicht er seinen eigenen - mäandernden - Weg, auf der Basis
einer langen intellektuellen Vagabondage in Lateinamerika, mit ein.
Zur Person: Gerhard Drekonja, geboren 1939 in Kornat im Lesachtal in Kärnten,
Studium der Geschichte, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an der Universität
Wien, der Cornell-Universität (als Fulbright Stipendiat) und dem Institut
für Höhere Studien. In den 1960er, 1970er und teilweise 1980er Jahren
verschiedene Tätigkeiten in und über Lateinamerika, als Korrespondent,
Entwicklungsexperte, Risk-Analyst und Forscher. Professor an der Universidad
de los Andes in Bogotá, Gastprofessor an der Florida International University,
"Research Associate" der University of Pittsburgh. Co-Direktor des
Ludwig Boltzmann - Instituts für Lateinamerika-Forschung. Seit 1990 Ordinarius
für "Außereuropäische Geschichte" an der Universität
Wien. Zuletzt erschien sein editorischer Text "Havanna: Vergangenheit,
Gegenwart, Zukunft" (LIT Verlag März 2007).
Im Anschluss an den Vortrag von Herrn Prof. Gerhard Drekonja (ca. 19:45 Uhr) lädt das Insitut für Geschichte zu einem kleinen Empfang im Institut für Geschichte im 2. Stock ein.
30. Mai: Camilla PRELLER
(Wien)
“Mapuche-Indianer vs. Benetton – Die Debatte um das Museo Leleque
in Patagonien“
Moderation: Gerhard Drekonja
Abstract: Seit etlichen Jahren steht
die Renaissance der Indigenen Lateinamerikas, die inzwischen auch Argentinien
erreicht hat, im Brennpunkt des allgemeinen Interesses der Südamerikaforschung.
Auch die Mapuche im patagonischen Süden besinnen sich (wieder) auf ihre
Identität, was konsequenterweise zu Reibepunkten zwischen den Kulturen
führt. Im Zentrum meiner Analyse steht die mehrschichtige, konfliktive
Beziehung zwischen den Mapuche und der italienischen Firma Benetton. Die „Estancia
Leleque“, der Großgrundbesitz des inzwischen transnationalen Konzerns,
befindet sich auf ehemaligem Mapucheland, das die Indigenen – medienwirksam
inszeniert – zurückzuerhalten versuchen. Besonders konfliktär
ist die Institution des Museo Leleque auf der gleichnamigen Estancia, eine Art
Kristallisationspunkt der unterschiedlichen Ideologien und Selbstverständnisse.
Denn unter dem Titel „Patagonia – its history“ interpretiert
Benetton die Geschichte der Region und spannt den Bogen von den frühen
indigenen Wurzeln zur Ära der patagonischen Pioniergesellschaft im frühen
20. Jh.; allerdings aus seiner Perspektive. Wie stellt das Museum die Mapuche
dar? Was wird erzählt und was nicht? Inwiefern wird das Museum von den
Mapuche und von Vertretern der alternativen Geschichtsschreibung Argentiniens
kritisiert? All dies sind Fragen, denen ich in meinem Vortrag Kontur und Interpretation
angedeihen lassen werde.
Zur Person: Studium an der Universität Köln von 2001 bis 2004 (Regionalwissenschaften
für Lateinamerika); Auslandssemester in Perugia (“Lingua e cultura
italiana“) und Salamanca, 2004 Studienwechsel nach Wien (Internationale
Entwicklung); im Herbst 2006 eine zweimonatige Forschungsreise nach Patagonien
zum Thema „Mapuche vs. Benetton – Identitäten, Territorialitäten
und Konflikte in Chubut, Argentinien“; Studienabschluss voraussichtlich
2007.
6. Juni: Martin STEFANIK
(Bratislava)
„Kriminalität im mittelalterlichen Pressburg“
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Eine interessante Quelle
für die Erforschung der „Unterwelt“ im späten Mittelalter
bietet das sog. „Aechtbuch“ aus den Jahren 1435–1519. Das
älteste Gerichtsbuch der Stadt Bratislava/Preßburg enthält insgesamt
49 Gerichtsfälle, wovon 48 Straffälle sind. Da es meistens um Mehrfachtäter
ging, beinhalten diese Gerichtsfälle 238 Straftaten verschiedenster Art:
von Raubmord bis zu Ehebruch und Blutschande, Brandstiftung oder Falschspiel.
Am häufigsten (154 mal) sind Raubüberfälle und Diebereien vertreten.
Man kann auch die Anfangsformen organisierter Kriminalität beobachten.
In zahlreichen Fällen ist es möglich, das weitere Schicksal der weggenommenen
Gegenstände zu verfolgen.
Zur Person: Studium des Archivwesens und der Geschichte. 1998 Magister-Abschluss,
2000 Rigorosum, 2003 Doktorats-Abschluss. Seit 1998 wissenschaftlicher Mitarbeiter
im Historischen Institut der Slowakischen Akademie der Wissenschaften. Lehrtätigkeit:
2001/2002 an der Philosophischen Fakultät der Komenius-Universität
Bratislava; 2004/2005 Gastdozent für Slowakische Geschichte an der Albert-Ludwigs
Universität Freiburg/Breisgau.
13. Juni: Matteo Burioni
(Basel) - in Kooperation mit dem IEFN
„Vasaris ‚rinascite’: Wiedergeburt der Kunst und Bändigung
des Bildes?“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Im Vortrag soll die Breite
des Renaissance-Begriffes bei Vasari ausgelotet werden: denn „rinascita“
ist keineswegs nur ein historiographischer Terminus, er wird auch mit theologischen
Untertönen „risuscitare", mit anthropologisch-naturwissenschaftlichen
Anklängen „vivacità“, „vita“ und er ist
zudem mit dem memoria- und fama-Gedanken verknüpft. Die Vorstellungen von
„Wiedergeburt“ sind also vielfach und in die frühneuzeitlichen
Konzepte von Leben, Nachleben, Wiedergeburt und Wiederauferstehung eingebettet.
Hier soll angesetzt und gefragt werden, ob Vasari eine konstitutive „Nachträglichkeit“
der Bilder thematisiert (etwa in dem Sinne von Warburgs Nachleben oder Didi-Hubermans
„Anachronismus“) oder ob er diese „Nachträglichkeit“
nur durch eine Historisierung „gezähmt“ hat (dies ist die These
von Didi-Huberman).
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte und Soziologie in Frankfurt am Main
und Pisa; 2003–2005 Doktorandenstipendium am Kunsthistorischen Institut
in Florenz (Max-Planck-Institut); Promotion 2005 mit einer Arbeit über
die Künstlerbiographie der Renaissance; seit Oktober 2005 wissenschaftlicher
Mitarbeiter an der Universität Basel im Nationalen Forschungsschwerpunkt
Bildkritik.
20. Juni: Pieter M. Judson
(Swarthmore College)
“Ort der Nationsbildung oder der bitteren Enttäuschung? Die Sprachgrenze
um 1900”
Moderation: Margarete Grandner
Abstract: In the decades before 1914,
nationalists in Imperial Austria labored to transform linguistically mixed rural
regions into politically charged language frontiers. They hoped to remake local
populations into polarized peoples, and their villages into settings for the
kind of political conflict that dominated institutions in the rest of Imperial
Austria. But nationalists were often bitterly frustrated by bilingual villagers
who preferred cultural mixing and who remained stubbornly indifferent to nationalism
well into the 20th century. Using examples from several rural regions, including
the Böhmerwald and Südsteiermark, I trace the nationalist struggle
to consolidate the loyalty of local populations behind nationalist causes. Whether
German, Czech, or Slovene, the nationalists faced unexpected difficulties in
their attempt to make nationalism relevant to local populations, and to bind
people permanently to one national community. I examine several strategies developed
by nationalist activists, from the founding of minority language schools to
the importation of colonists from other regions, from projects to modernize
rural economies to the creation of local tourism industries. Nevertheless, by
1914, I argue that nationalists had largely failed in their project to nationalize
local populations.
Zur Person: Dr. Pieter M. Judson is Professor of History at Swarthmore College
(Philadelphia), Editor of the „Austrian History Yearbook“, and author
of „Guardians of the Nation: Activists on the Language Frontiers of Imperial
Austria“ (2006). He received his Ph.D. from Columbia University in 1987.
He has written books and articles on 19th-century liberalism, on the history
of gender, on the rise of tourism, and on nationalism and anti-Semitism in the
period 1880-1945. His 1996 book „Exclusive Revolutionaries: Liberal Politics,
Social Experience, and National Identity in the Austrian Empire 1848-1914“
won prizes from the American Historical Association and the Austrian Cultural
Forum. His book „Wien brennt! Die Revolution 1848 und ihr liberales Erbe“
(1998) commemorated the 150th anniversary of the Revolutions of 1848 in Austria.
Judson is also the co-editor with Marsha Rozenblit of the book „Constructing
Nationalities in East Central Europe“ (2004). Judson has twice received
Fulbright Fellowships to Vienna, and in 2000 he was a fellow at Vienna’s
Internationales Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK). He has also received
fellowships from the German Marshall Foundation and the American Academy in
Berlin. He serves on the editorial boards of the journals „Central European
History“ and „Contemporary Austrian Studies“ and as an advisor
to the „Österreichischer Wissenschaftsfonds“.
27. Juni: Christian HOLTORF
(Berlin) – in Zusammenarbeit mit der ÖAW / Institut für Mittelalterforschung
„Die Beschleunigung der ‚Ströme’: Warum rauschen Telegrafenkabel
unter Wasser?“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Die ersten telegrafischen
Unterseekabel führten im Vergleich zu Landdrähten zu einem unerwarteten
Effekt: Sorgsam telegrafierte Signalströme kamen beim Empfänger als
Kauderwelsch an. Um das Rauschen der Kommunikation zu beseitigen, war ein neues
physikalisches Verständnis von Elektrizität erforderlich, das nicht
mehr von der Kontinuität der Stromleitung ausging, sondern auf der feldtheoretischen
Regulation ihrer Geschwindigkeit beruhte. Die Beseitigung des telegrafischen
Rauschens zeigt modellhaft, wie in der Mitte des 19. Jahrhunderts Technologien
entwickelt wurden, die Kontrolle über die auf vielen Feldern spürbaren
Beschleunigungsprozesse gewinnen sollten. Die neuen Techniken wurden durch den
Wandel von sprachlichen Zuschreibungen unterstützt: Während der Verlegung
der ersten transatlantischen Telegrafenkabel ist ein Übergang von einem
mit Metaphern des Blutkreislaufs verbundenen Nachrichtenverkehr zur temporeichen
Informationsübermittlung analog zu Nervenbahnen zu erkennen. Der Vortrag
fragt, was die Elektrophysik des Atlantikkabels zur Beschleunigung der Gesellschaft
beigetragen hat und ob der Nachrichtenstrom zuerst an der falschen Körpermetapher
gescheitert ist.
Zur Person: Christian Holtorf, geboren 1968. Studium der Geschichte, Philosophie
und Psychologie in Marburg und Berlin. Seit 2000 Wissenschaftlicher Referent
am Deutschen Hygiene-Museum Dresden. Promovierte am Kulturwissenschaftlichen
Seminar der Humboldt-Universität zu Berlin über das erste transatlantische
Telegrafenkabel. Letzte Veröffentlichungen: (Hg. mit Claus Pias): Escape!
Computerspiele als Kulturtechnik, Köln/Weimar 2006 (in Vorbereitung); Die
Modernisierung des nordatlantischen Raumes: Cyrus Field, Taliaferro Shaffner
und das submarine Telegraphennetz von 1858, in: A. Geppert, U. Jensen, J. Weinhold
(Hrsg.): Ortsgespräche. Raum und Kommunikation im 19. und 20. Jahrhundert,
Bielefeld 2005.
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 06/07 |
|---|
„da […] über die Beerdigung derer vorsetzlichen Selbstmörder
die Consistoria cognosciren wollen“. Normen und Praxis bei Suizidfällen
im frühneuzeitlichen Kursachsen
Moderation: Susanne Hehenberger
Zur Person: Studium Geschichte und Gemeinschaftskunde für das höhere
Lehramt an Gymnasien an der Technischen Universität Dresden 1999 bis 2005;
Juli 2005 Erstes Staatsexamen/ Thema der Staatsexamensarbeit: „Das Leid
der Frommen und die Verzweiflung der Sünder. Suizid und Suizidversuche
in Kursachsen 1547–1756“. Seit September 2005 tätig als wissenschaftliche
Hilfskraft am Lehrstuhl für Geschichte der Frühen Neuzeit der TU-Dresden
18. Oktober: Markus VÖLKEL
(Rostock)
„Das Netzwerk der Retrospektive.
Vorschau auf eine künftige Globalgeschichte der Historiographie.“
Moderation: Wolfgang Schmale
Abstract: Immer noch besteht das
'Gedächtnis der Menschheit' in der Regel aus 'Texten'. Das, was davon noch
mündlich ist, wächst unaufhaltsam in die Textform hinein. Es scheint
nunmehr an der Zeit zu sein, die historiographischen Texte alle Regionen und
Zeitschichten zu registrieren und in ihrem Zusammenhang, ihren gemeinsamen Konstitutions-
und Rezeptionsformen darzustellen. Da 'Geschichtsschreibung' als eine Zone zwischen
'Literatur' und 'Wissenschaft' anzusehen ist, kann eine globale Geschichte der
Geschichtsschreibung nicht darauf verzichten, ihren Gegenstand in den Kontext
von Literatur- und Wissenschaftsgeschichte einzubetten. So entsteht allmählich
ein globales, für den Vergleich geeignetes Feld in dem künftig ein
zunehmend vorurteilsfreier Dialog der historischen Kulturen und 'Gedächtnisse'
möglich sein wird.
Zur Person: Jahrgang 1953; Studium der Geschichte, Philosophie und Anglistik
in Tübingen 1973/75; Studium der Geschichte und Philosophie in München
1975/83; Promotion im Fach Neuere Geschichte 1983 bei Prof. Hans Schmidt und
Arno Seifert mit einer Arbeit über die "Historische Skepsis"
(Pyrrhonismus) in Deutschland; 1984/5 Arbeit am Stadtarchiv Augsburg (Ausstellung
"Elias Holl"); 1985/90 wiss. Assistent und DFG-Habilstipendiat am
Deutschen Historischen Institut in Rom; 1991 Habilitation über "Römische
Kardinalsfamilien des 17. Jahrhunderts" in Augsburg (Prof. W. Reinhard);
1991/94 Lehrstuhlvertretungen an der LMU in München; 1992/3 Forschungsstipendiat
in Wolfenbüttel; 1994 Berufung auf die Professur für "Europäische
Geistesgeschichte und historische Methodologie" an der Universität
Rostock. – Forschungsschwerpunkte: Europäische Historiographiegeschichte
der Neuzeit (16.-19. Jh.); italienische und westeuropäische Sozial- und
Kulturgeschichte; Europäische Hofkultur; Geschichte und Praktiken der Gelehrsamkeit
(res publica literaria). – Arbeitsbereiche: Europäische Geistesgeschichte
und Historische Methodologie. Die Europäische Geistesgeschichte befasst
sich mit dem Entstehen, der Entwicklung und dem Verschwinden von Ideen, Theorien,
individueller wie kollektiver Leitvorstellungen (Repräsentationen wie Diskurse)
in Europa seit dem Mittelalter und entwickelt ihren Gegenstand im heutigen kulturhistorischen
Paradigma. Sie zeigt, wie eine bestimmte Form des Denkens und Empfindens konkretes
Handeln beeinflusst hat und umgekehrt von ihm geprägt wurde. Die Historische
Methodologie kann als Wissenschaftslehre vor allem der Geschichtsforschung gelten;
sie untersucht, kritisiert und systematisiert die Theorie und Praxis des Faches
und sorgt damit sowohl für die Eingliederung der Geschichtswissenschaft
in die allgemeine Wissenschaftstheorie als auch für die Festigung ihrer
besonderen Methoden.
25. Oktober: Wolfgang BURGDORF
(München)
„Ein Weltbild verliert seine Welt.
Der Untergang des Alten Reiches und die Generation 1806“
Moderation: Wolfgang Schmale
Abstract: Der Vortrag bietet eine
gänzlich neue Interpretation eines bekannt geglaubten Sachverhalts. Anders
als bislang behauptet, ist das Alte Reich 1806 keineswegs „sang- und klanglos“
untergegangen, sondern mit vernehmlichem Getöse, begleitet von den Klagen
der Zeitgenossen in allen Teilen Deutschlands. Zudem zeigt der Vortrag, wie
Restriktionen der Kommunikation und die Schrecken eines neuen Krieges die Klagen
über den Untergang des Reiches erst erstickten und dann in weite Ferne
rückten. Ferner geht es um die Tabuisierung des Reichsendes in der ersten
Hälfte des 19. Jahrhunderts und die gleichzeitigen Versuche der Kompensation
und Sublimierung des Reichsverlustes.
Zur Person: Wolfgang Burgdorf studierte Geschichte, Sozialwissenschaften, Philosophie
und Pädagogik in Bochum; 1995 Promotion im Fach Geschichte. Nach dem Studium
1991 zunächst Assistent für Mittelalterliche Geschichte in Hamburg;
1992-93 Stipendiat des Instituts für Europäische Geschichte in Mainz;
danach Assistent für Neuere Geschichte in Bochum seit 1996 wissenschaftlicher
Mitarbeiter am Historischen Seminar der Universität München. 2005
Habilitation in München und seitdem Privatdozent. Publikationen hauptsächlich
zur Verfassungsgeschichte des Alten Reiches, zur Aufklärungs- und Akademiegeschichte,
zur Frage des nationalen und des europäischen Bewusstseins seit dem Beginn
der Neuzeit, zum Untergang der Reichskirche, zur Wahrnehmung verschiedener Völker
seit dem Spätmittelalter, zu den Beziehungen Europas und der Türkei.
Letzte Monographie: „Chimäre Europa“ Antieuropäische Diskurse
in Deutschland (1648-1999), Bochum 1999. Zudem liefert Wolfgang Burgdorf regelmäßig
Beiträge für den Rundfunk und für das Feuilleton, z. B. für
Die Zeit oder die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Letztere sind vielfach nachgedruckt
und in andere Sprachen übersetzt.
8. November: Verena MORITZ
und Hannes LEIDINGER
"Momente, die die Welt verändern". Zur Bedeutung des Ereignisses
in der Geschichte.
Podiumsdiskussion mit Gerhard Jagschitz, Erich Klein, Hannes Leidinger, Else
Rieger und Karl Vocelka mit Präsentation der Buchneuerscheinung "Die
Nacht des Kirpitschnikow" (Wien 2006)
Moderation: Martina Fuchs
Abstract: Die Veranstaltung beginnt
mit einer kurzen Lesung aus der Titelgeschichte
des Buches. Es liest Mag. Else Rieger, Autorin und Lektorin des Deuticke-Verlages
und Mitarbeiterin des bm:bwk. An die ausgewählten Textpassagen knüpfen
sich einige Fragen zur Ereignisgeschichte. Dazu hält der Buchautor Dr.
Hannes Leidinger ein Impulsreferat, wo es um das Verhältnis zwischen "Struktur"
und "Ereignis" geht sowie um die Bedeutung einer "kurzen Dauer"
aus gesellschaftlicher und wissenschaftsgeschichtlicher Perspektive. Mit der
Frage, welche Zugänge zur Problematik des Augenblicks in der Geschichte
gefunden werden können, wie Ereignisse definiert oder analysiert werden
(semantisches bzw. Medienereignis, Bruch, Kontinuität bzw. kontrafaktische
Überlegungen, Aspekte der historischen Biographik, "Ereignistypen",
"Faktizität" des Ereignisses, Sinnzusammenhänge und Handlungsabläufe,
"kurze Dauer", "Hauptereignisse" und "historische Zeitschichten")
leitet Leidinger zu einer Podiumsdiskussion über. An der Diskussion beteiligt
sich auch Univ. Prof. Dr. Karl Vocelka, der das "Ereignis" aus kultur-
bzw. mentalitätengeschichtlichem Blickwinkel sowie aus der Sicht längerfristiger
Entwicklungen seit der Frühen Neuzeit betrachtet und dabei nicht zuletzt
auf die Leitgedanken der sogenannten "Annales"-Schule eingeht. Wie
sich die "Knotenstruktur" der Geschichte im zeithistorischen Kontext
ausnimmt, welche "Hauptereignisse" des 20. Jahrhunderts ins Auge zu
fassen sind, wird Univ. Prof. Dr. Gerhard Jagschitz behandeln. Schließlich
nimmt Dr. Erich Klein an der Diskussion teil. Klein, Journalist, Buchautor und
Übersetzer hat sich u.a. in einer Radio-Rezension ausführlich mit
der "Nacht des Kirpitschnikow" befasst.
Zu den Personen: Verena Moritz und Hannes Leidinger, beide geb. 1969, Historiker,
Mitarbeit an mehreren wissenschaftlichen Projekten zur Entwicklung Mittel- und
Osteuropas
im 20. Jahrhundert, zahlreiche Publikationen zur Geschichte Russlands und Österreichs,
der Habsburgermonarchie und der Kommunistischen Internationale.
15. November: Elisabeth ZINGERLE
(Graz) – in Kooperation mit dem IEFN
„Die Edition des Schriftverkehrs der Grazer Nuntiatur 1599–1602“
Moderation: Andrea Sommer-Mathis
Abstract: Eine Nuntiatur in Graz?
Sie bestand von 1580–1622 in der innerösterreichischen Hauptstadt
und war als ständige Vertretung des Papstes vor Ort mit kirchlichen aber
auch militärischen und politischen Aufgaben betraut. Die insgesamt sechs
Grazer Nuntien standen im regelmäßigen schriftlichen Kontakt zum
päpstlichen Staatssekretariat. Eben dieser Schriftverkehr, bestehend aus
Weisungen und Berichten – angereichert mit ergänzenden Schriftstücken
– stellt eine vielfältige Quelle dar, die detaillierte Einblicke
in die grundlegenden politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen und soziokulturellen
Fragen der Zeit auf regionalem und lokalem Niveau vermittelt. Die in Arbeit
befindliche Volltextedition befasst sich mit vier Jahren der Nuntiatur Girolamo
Portias, der als Nuntius von 1592–1607 ungewöhnlich lange in Graz
residierte und die „heiße“ Phase der innerösterreichischen
Gegenreformation als Beobachter, aber auch als aktiv Beteiligter miterlebte.
Zur Person: Studium der Geschichte/Sozialkunde und Deutschen Philologie in Graz,
Sponsion 2001; 2001–2003 Lehrtätigkeit am Privaten Gymnasium der
Ursulinen in Graz; 2003–2006 insgesamt 22 Monate Stipendiatin am Historischen
Institut beim Österreichischen Kulturforum in Rom für die Arbeit an
der Edition des Schriftverkehrs der Grazer Nuntiatur 1599–1607; seit 1.
Juni 2006 Projektmitarbeiterin an der Historischen Kommission der ÖAW (gefördert
durch den Jubiläumsfonds der Österreichischen Nationalbank)
22. November: Max Paul FRIEDMAN
(Florida State University)
„The Function of Anti-Americanism in Transatlantic Relations during the
Vietnam War“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Successive U.S. administrations
tried and failed to elicit substantial European support for the American military
effort in Vietnam. Instead, European responses ranged from tepid official statements
of support to open resistance. This dissent, manifested privately and publicly
by Europeans in official and unofficial contexts, was characterized by U.S.
officials as anti-Americanism: an irrational stance rooted in age-old prejudice
and hostility to America and American values. Was anti-Americanism the source
of opposition to the war in Vietnam? This paper analyzes European records, including
declassified documents, to try to understand the perspective of those who criticized
American policies. Rather than prejudices and the classic anti-American tropes
one encounters in literature and propaganda of the far right and far left throughout
the twentieth century, these records indicate sober assessments of politico-military
conditions and an acute sense of the historical experience of colonialism. Anti-Americanism
appears to have served an important function in transatlantic relations, not
as a generator of opposition to U.S. policies, but as a distorting concept that
led U.S. officials to falsely ascribe conflicting opinions to irrationality,
preventing them from listening to critiques from their NATO allies and weighing
them on their own terms. This study has important implications for similar divergences
over international affairs in the twenty-first century.
Zur Person: Max Paul Friedman is Associate Professor of History at Florida State
University. In recent years he has been an Alexander von Humboldt Fellow and
a Jürgen Heideking-Fritz Thyssen Fellow at the Universität Köln.
A practitioner of international history, he has done archival research in France,
Germany, Great Britain, Italy, Switzerland, Argentina, Brazil, Colombia, Costa
Rica, Ecuador, Guatemala, Mexico, and the United States. His first book, Nazis
and Good Neighbors: The United States Campaign against the Germans of Latin
America in World War II (Cambridge University Press, 2003), won the Herbert
Hoover Book Prize in U.S. History and the A.B. Thomas Book Prize in Latin American
Studies, and a chapter won the Amos Simpson Prize in European History. He is
writing a book about anti-Americanism and U.S. foreign policy.
29. November: Angelika SCHASER
(Hamburg)
„Jede Seele ist wie ein Gefangener, der selber sein Schloss sprengen muss“.
Zu den Um- und Aufbrüchen in den autobiographischen Texten Elisabeth Gnauck-Kühnes
(Vortrag im Rahmen der Forschungsplattform "Neuverortung der Frauen- und
Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext: Vernetzung
- Ressourcen - Projekte")
Moderation: Edith Saurer
Ausgehend von den neueren religions-
und konfessionsgeschichtlichen Arbeiten, die durch die provokante These Olaf
Blaschkes vom langen 19. Jahrhundert als dem „zweiten konfessionellen
Zeitalter“ nochmals Auftrieb erhalten haben, ist davon auszugehen, dass
auch im säkularisierten Zeitalter die religiöse Einstellung, der Glaube
und die Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft einen größeren
Stellenwert für das Individuum besaßen, als ihnen in der modernen
Sozialgeschichtsschreibung bislang zugestanden wurde. Welche Bedeutung religiöse
Konversionen für das Personkonzept von Konvertiten haben konnten, soll
am Beispiel der bekannten Frauenrechtlerin und Sozialreformerin Elisabeth Gnauck-Kühne
(1850-1917) untersucht werden.
Angelika Schaser, seit 2001 Professorin für Neuere Geschichte an der Universität
Hamburg und seit 2004 Projektleiterin in der DFG-Forschergruppe 530 „Selbstzeugnisse
in transkultureller Perspektive". Ihre Forschungsschwerpunkte liegen zur
Zeit im Bereich der Frauen- und Geschlechtergeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.
Bei den Konversionen im säkularisierten Zeitalter handelt es sich um ein
neues Projekt.
Publikationen u. a.: Helene Lange und Gertrud Bäumer. Eine politische Lebensgemeinschaft
(= L´Homme Schriften, Bd. 6), Köln, Weimar 2000; Käte Hamburger.
Zur Aktualität einer Klassikerin. Hg. zusammen mit Johanna Bossinade (=
Querelles, Bd. 8), Göttingen 2003; Erinnerungskartelle Zur Konstruktion
von Autobiographien nach 1945, Hg., Bochum 2003; Frauenbewegung in Deutschland
1848-1933, Darmstadt 2006.
6. Dezember: Herbert KLEINLERCHER
(Wien)
„Europäische Monarchie-Projekte in der Neuen Welt, 1807 – 1867“
Kommentar: Thomas Fröschl
Moderation: Birgitta Bader-Zaar
Abstract: Die Emanzipation der spanischen
und portugiesischen Kolonien in der Neuen Welt betraf nicht nur ihre europäischen
Mutterländer sondern berührte auch die Interessen der führenden
europäischen Mächte. In der „Südamerikanischen Frage“
engagierten sich nach dem Ende der napoleonischen Kriege neben Großbritannien
vor allem die Mitglieder der Heiligen Allianz, Russland, Frankreich, Österreich
und Preußen, die, in Verfolgung des „Legitimitätsprinzips“,
zunächst vehement für die Aufrechterhaltung des Kolonialstatus eintraten.
Dabei spielte nicht nur die Politik der Wiederherstellung/Aufrechterhaltung
des Gleichgewichts der europäischen Mächte eine maßgebliche
Rolle sondern auch die Befürchtung, dass die republikanische Verfassungsform
der Vereinigten Staaten, die sie sich in der Neuen Welt durchzusetzen begann,
das Ende der europäischen Monarchien bedeuten könnte. Mit den Monarchie-Projekten
in Lateinamerika verfolgten die europäischen Monarchien das Ziel die gebietsmäßige
Ausdehnung der Vereinigten Staaten und die Ausbreitung des republikanisch-demokratischen
Systems durch einen „cordon sanitaire“ konstitutioneller Monarchien
zu verhindern. Während des Kampfes zur Erreichung der Unabhängigkeit
ging die Initiative zur Errichtung von Monarchien in vielen Fällen auch
von der kreolischen Elite aus, die glaubte, mit der monarchischen Regierungsform
und dem Prestige, das einem Monarchen von der Bevölkerung entgegen gebracht
wurde, die bestehende Anarchie überwinden zu können.
Zur Person: 1962 Abschluss des Studiums an der Hochschule für Welthandel
in Wien. Berufstätigkeit als Mitarbeiter eines internationalen Konzerns.
Nach dem Ende der Berufstätigkeit Studium der Geschichte und Philosophie
an der Universität Wien. Diplomarbeit zum Thema „Die Habsburgermonarchie
und die Vereinigten Staaten, 1815-1861“.
13. Dezember: Alfred WEISS
(Salzburg) – in Kooperation mit dem IEFN
„Josephinismus in Salzburg? Das Beispiel der kirchlichen Reformtätigkeit“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Obwohl der Begriff Josephinismus
nicht bloß auf die staatskirchlichen Reformen der theresianisch-josephinischen
Regierungszeit eingeengt werden soll, erscheint es sinnvoll, die Frage nach
einem derartigen Modell im Erzstift Salzburg gerade anhand der planmäßig
durchgeführten Erneuerung im religiös-kirchlichen Bereich zu stellen.
In Salzburg regierte seit März 1772 der in Wien geborene Fürsterzbischof
Hieronymus Graf Colloredo, der dank des Einflusses Maria Theresias bereits 1761
zum Bischof von Gurk ernannt worden war. Trotz seiner Verbundenheit zu und zugleich
Abhängigkeit von Österreich gelang es ihm, einen eigenen Regierungsstil
zu entwerfen.
Zur Person: Studium der Geschichte und Sozialkunde, Philosophie, Pädagogik
und Psychologie (Lehramt) in Salzburg, Doktorat 1993, Assistenzprofessor am
Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft der Universität Salzburg
seit 2001, Forschungsschwerpunkte: Österreich in der Frühen Neuzeit,
Geschichte der Armut und der Kriminalität, Regionalgeschichte.
10. Jänner: Sandra EDER
(Baltimore/Wien)
„The Birth of Gender. „Hermaphroditen“ Forschung am Johns
Hopkins Spital in den frühen 1950er Jahren und die Entstehung des Genderbegriffs.“
Moderation: Andrea Griesebner
Abstract: Um 1955 prägte ein
Team von ÄrztInnen, EndokrinologInnen und PsychologInnen an der Klinik
für pädiatrische Endokrinologie des Johns Hopkins Spitals (Baltimore,
USA) erstmals den Begriff „Gender Role.“ Im Zuge ihrer Arbeit mit
Kindern mit ambivalenten Geschlechtsmerkmalen bzw. „Hermaphroditen“
kamen sie zu dem Schluss, dass das Geschlecht, in dem die Kinder jeweils erzogen
werden sollten, unabhängig von hormonellen und genetischen Faktoren gewählt
werden konnte. Die „Gender Role“ ihrer PatientInnen war letztlich
nicht von biologischen Faktoren abhängig. Diese Neukonzeption von Geschlecht
wurde jedoch nicht vorrangig vom Interesse an der biologischen Differenz von
Männern und Frauen vorangetrieben, sondern von den großen Fragen
der zeitgenössischen Psychologie und Biomedizin. Eine genauere Analyse
der Arbeiten von Dr. John Money, Leiter des psychologischen Teams zeigt, dass
Schlüsselthemen wie die Beziehung von Körper und Geist, die Forschungsausrichtung
nachhaltig beeinflussten. „Hermaphroditen“, die einen großen
Gegensatz zwischen körperlichem Geschlecht und „Gender Role“
zeigten, schienen ideal für die Erforschung der Beziehung von Körper
und Geist. Zusätzlich wurde die Forschung von den klinischen Notwendigkeiten
(Diagnose, Behandlung) und dem tagtäglichen Umgang mit PatientInnen nachhaltig
beeinflusst. Die Entstehung des Genderbegriffs muss daher im Kontext mit diesen
theoretischen und praktischen Herausforderungen verstanden werden.
Zur Person: Sandra Eder, Mag.a Phil. am Institut für Geschichte der Universität
Wien und MA in American Studies an der Columbia University (New York), wo sie
als Fulbright Stipendiatin war. Zur Zeit Ph.D. Candidate am Institut für
Medizingeschichte der Johns Hopkins University, Baltimore, USA, und Forte Stipendiatin.
Lehraufträge in Wien und Baltimore; Forschung zur Sexualitäten- und
Geschlechtergeschichte, speziell zu Sexualität und Geschlechtsdifferenz
in der amerikanischen Biomedizin.
17. Jänner: Martin KRUMMHOLZ
(Prag) – in Kooperation mit dem IEFN
„Kavaliersreisen und Mäzenatentum der Grafen Gallas“
Moderation: Friedrich Polleross
Abstract: Der Aufstieg der zuvor
ziemlich unbedeutenden Trienter Adelsfamilie Gallas hängt eng mit den gesellschaftlichen
und historischen Gegebenheiten der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts zusammen.
Die Vermögensgewinne des Generals Mathias Gallas wuchsen direkt proportional
zu dessen steiler Militärkarriere – beide auf Kosten Albrechts von
Wallenstein. Die in Böhmen ansässigen Nachkommen des Generals verkauften
die alten Trienter Besitztümer und vermehrten den neuen böhmischen
Grundbesitz systematisch, sodass dieser seinerzeit zu den größten
adeligen Dominien Böhmens gehörte. Der Vortrag wird vor allem den
Kavaliersreisen der drei böhmischen Generationen der Grafen Gallas gewidmet
sein. Die erste betrifft die zwei Söhne des General Mathias Gallas –
Franz Ferdinand (1635–1697) und Anton Pankraz (1638–1695, Reise
1657/59), die zweite den künftigen kaiserlichen Diplomaten Johann Wenzl
Gallas (1669–1719, Reise 1688/91) und die dritte den letzten männlichen
Angehörigen der Familie, den Grafen Philipp Joseph 1703–1757, Reise
1722/23). Der Vortrag stellt ein Kapitel meines Dissertationsprojektes „Die
Grafen Gallas. Barock-Kavaliere und Mäzene (1630–1757)“ dar,
in dem die unterschiedlichen Karrieretypen der einzelnen Personen und die Residenzstruktur
der Gallaschen Familie analysiert werden sollen.
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte an der Karlsuniversität in Prag
sowie an den Universitäten in Florenz und Wien; 2005 Rigorosum (PhD.),
Univerzita Karlova, seither Postgradual-Studium der Kunstgeschichte. Berufliche
Tätigkeiten u. a. im Archiv der Hauptstadt Prag sowie im Institut für
Kunstgeschichte der Akademie der Wissenschaften. Dissertation: Die Grafen Gallas
als Kavaliere und Kunstmäzene. Publikationen (Auswahl): Kalvárie
ivota a díla Vilíma Amorta, in: Umení 2004, 372–381;
Wachovy plány a puvodní dispozice Clam-Gallasova paláce,
in: Zprávy památkové péce 2005, 344–351; Obrazová
sbírka Jana Václava Gallase, in: Umení 2005, 273–285.
24. Jänner: Raffaella
SARTI (Università degli Studi di Urbino)
Käthe-Leichter-Gastprofessorin am Institut für Geschichte
Moderation: Edith Saurer
Der echte Diener. Zur Geschichte
des häuslichen Dienstes in Europa ab 17. Jahrhundert
1697 wurde in der italienischen Stadt Bologna eine Bruderschaft von Dienstboten
gegründet. Bald agierte sie wie eine Zunft, die alle Dienstboten der Stadt
in der Öffentlichkeit vertrat. Obwohl ihr nur relativ wenige Diener angehörten,
legte sie fest, wer als Diener galt. Während die Bruderschaft im 18. Jh.
im Hinblick auf Mitgliederzahlen und auf ihre Rolle in Bologna zunahm, erfuhr
sie im 19. Jh. allmählich einen Niedergang, der am Ende des 19. Jh. zu
ihrem Verschwinden führte. Die Gründe für ihren Niedergang lagen
darin, dass die Bruderschaft an einem „altmodischen“ Konzept des
Dieners festhielt. Beispielsweise wurden weibliche Dienstboten nie als Mitglieder
angenommen – eine Entscheidung, die in der Epoche der Verweiblichung des
häuslichen Personals unvermeidbar negative Konsequenzen haben sollte. In
dem Vortrag wird die Geschichte der Bruderschaft von Bologna als Zugang zu einer
vergleichenden Geschichte des häuslichen Dienstes in Europa behandelt.
Besondere Aufmerksamkeit wird sich dabei auf jenen Prozess richten, der das
Dienen zu einer typisch weiblichen Arbeit werden ließ. Es wird auch ein
Blick auf die Entwicklung im 20. Jh. geworfen.
Zur Person: Studium in Bologna, Turin und Florenz; 1998-2000 Marie Curie Fellow
in Paris und danach membre associé am Centre des Recherches Historiques
in Paris; ab 2001 Forscherin an der Universität Urbino. Publikationen:
Vita di casa. Abitare, mangiare e vestire nell'Europa moderna (Roma-Bari, Laterza,
1999), übersetzt in verschiedenen Sprachen, unter denen English: Europe
at Home. Family and Material Culture 1500-1800 (New Haven-London, Yale University
Press, 2002); Patrie e Appartenenze, hg. von M. Palazzi, R. Sarti u. S. Soldani
(Genesis. Rivista della Società Italiana delle Storiche, I, 2002/1);
Servizio domestico, migrazioni e identità di genere in Italia dall'Ottocento
a oggi, hg. von J. Andall u. R. Sarti (Polis. Ricerche e studi su società
e politica in Italia, XVIII, 2004/1); Proceedings of the Servant Project, hg.
von S. Pasleau u. I. Schopp, mit R. Sarti (Liège, Éditions de
l'Université de Liège, 2006); Nubili e celibi tra scelta e costrizione
(secc. XVI-XIX), hg. von M. Lanzinger u. R. Sarti, (Udine, Forum, 2006, im Druck).
31. Jänner: Nicolas
ROBIN (Jena)
„Zur Theoretisierung der wissenschaftlichen Kommunikation in der Botanik
um 1800“
Moderation: Marianne Klemun
Abstract: Die Entstehung der Botanik
als wissenschaftliches Fach mit Akteuren, Zielstellungen und Werken geht auf
die Zeit um 1800 zurück. Ihren theoretischen Ursprung fand die Botanik
in der Lehre der Materia medica sowie in den ersten Schritten der biologischen
Empirie. Ihre soziologische Struktur stützte sich auf die intellektuellen
Strömungen der Aufklärung und der République des Lettres. Amateure,
Dilettanten und Fachbotaniker konnten sich in einer europäischen Austauschkultur
entfalten, in der ein reger Transfer von Wissen, Erfahrung und Material stattfand.
Aufgrund dessen gehen wir davon aus, dass in der Zeit um 1800 die Kommunikation
der Hauptkatalysator des Entstehungsprozesses der botanischen Theorien war und
gleichzeitig die fachliche Positionierung der botanischen Praxis in der europäischen
institutionellen Wissenschaftslandschaft vorantrieb. Ich möchte im Folgenden
die Räume des Wissens und der botanischen Kommunikation von den botanischen
Gärten bis hin zu den exotischen Naturlandschaften beschreiben. Indem ich
auf den Begriff der wissenschaftlichen Kommunikationsverdichtung und die Idee
einer Wahrnehmungskultur zurückgreife, versuche ich darüber hinaus
ein dynamisches Bild der Wissenschaft zu zeichnen.
Zur Person: geb. 1977, 1999 Mag., Biologe der Université de Paris VI,
2000 Dipl. Museologe des Museum National d’Histoire Naturelle Paris, 2000-2003
Doktorand im Fach Geschichte an der École des Hautes Études en
Sciences Sociales Paris, 2003 Promotion mit einer Dissertation über die
Geschichte der botanischen Netzwerke um 1800, Biographie des Naturforschers
J.-B. Mougeot (1776-1858). Seit 2004 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller
Universität Jena und Autor mehrerer Aufsätze über die Geschichte
der Botanik um 1800.
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 06 |
|---|
„Ein kaiserlicher Haushalt“
Moderation: Karl Vocelka
Zur Person: Studium an den
Universitäten Marburg/Lahn und Wien: Volkskunde, Kunstgeschichte und Pädagogik;
1993 Mag. phil.; Diplomarbeit (Volkskunde): Glasveredlung zwischen Tradition
und Innovation. 1997–1999 Projektmitarbeit: Studien zu den Festen an den
Habsburgerhöfen der Frühen Neuzeit; 1995–2003 freier Mitarbeiter
in den Museen des Mobiliendepots Wien, seit 2003 Mitarbeiter in der wissenschaftlichen
Leitung des Mobiliendepots.
15. März: René
TEBEL (Wien)
„Zum Quellenwert von Schiffsdarstellungen auf Karten aus dem Mittelalter
und der Frühen Neuzeit“
Moderation: Herwig Weigl
Abstract: Schiffsdarstellungen bilden einen auffälligen Bestandteil der
nicht-geographischen bildlichen Ausgestaltung alter Karten. Ihr dekorativer
Charakter und die zahlreichen stereotypen Abbildungen auf Karten des 17. Jahrhunderts
verdecken dabei, dass Schiffsdarstellungen in der europäischen Kartographie
des Mittelalters und der Frühen Neuzeit als Teil der Karteninformation
fungierten. Sie boten dem Kartenautor die Möglichkeit, sein Publikum mit
allgemein bekannten maritimen Sachverhalten oder sogar mit vertiefenden Informationen
zu versorgen. Eine Kernfrage dieses Vortrages wird es sein, festzustellen, inwieweit
nun der Kartenautor die Information auf den angesprochenen Kundenkreis ausrichtete
und welche Möglichkeiten der Auswertung sich hieraus für Historiker
und Historikerinnen ergeben.
Zur Person: René
Tebel ist Univ. Ass. am Institut für Geschichte der Universität
Wien.
29. März: Alessandro
CATALANO und Katrin KELLER
„Die Tagzettel des Kardinals Ernst Adalbert von Harrach (1598-1667). Dimensionen
und Schwerpunkte eines Forschungsprojektes“
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Kardinal Ernst Adalbert
von Harrach (1598-1667), Sohn eines bedeutenden Wiener Hoffunktionärs und
über 40 Jahre Erzbischof von Prag, war ein Mann mit ausgeprägtem Informationshunger
und eben solchem Mitteilungsbedürfnis. Seine geradezu unstillbare Neugier
auf die neuesten Meldungen aus der römischen Kurie, von den Kriegschauplätzen
seiner Zeit und aus den Gerüchteküchen des Wiener Hofes ebenso wie
auf Meldungen von Geburt, Hochzeit und Tod in der adligen Gesellschaft in Wien
und Prag ließen ihn zu einem dankbaren Abonnenten zahlreicher Zeitungen
und zu einem der wohl produktivsten Briefeschreiber seiner Generation werden.
Seine Position im Zentrum eines ausgedehnten Korrespondenznetzes war untrennbar
verbunden mit der Produktion und Versendung eigener „Tagzettel“
in italienischer und deutscher Sprache, in denen er Mitteilungen über seinen
Tagesablauf mit Informationen aus den verschiedensten Bereichen von Politik,
Militär, Kunst und adliger Gesellschaft kompilierte und seinen Korrespondenten
und Korrespondentinnen in Rom, Prag, Wien und anderswo zugänglich machte.
Seit Juli 2005 befasst sich ein Forschungsprojekt am Institut für Geschichte
der Universität Wien mit dieser einzigartigen Quelle; der Vortrag wird
inhaltliche Schwerpunkte und Funktionen der Tagzettel sowie die Ziele des Forschungsvorhabens
genauer beschreiben.
Zu den Personen: Alessandro
Catalano, Slawist und Historiker, 2002 Promotion in Rom, seit 2003 Mitherausgeber
der Internet-Zeitschrift eSamizdat, Forschungsschwerpunkte: Geschichte Böhmens,
Kulturtransfer (Italiener in Mitteleuropa), Adel in der Frühen Neuzeit
jüngste Publikationen: Sole rosso su Praga. La letteratura ceca tra socialismo
e underground (1945-1959). Un’interpretazione (Rom 2004); La Boemia e
la riconquista delle coscienze. Ernst Adalbert von Harrach e la Controriforma
in Europa centrale (1620-1667) (Rom 2005).
Katrin Keller, Historikerin, Dozentin am Institut für Geschichte, Forschungsschwerpunkte:
Adel und Hof in der Frühen Neuzeit, Frauen der höfischen Gesellschaft,
Geschichte Sachsens jüngste Publikationen: Hofdamen. Amtsträgerinnen
im Wiener Hofstaat des 17. Jahrhunderts (Wien 2005); Katrin Keller / Martin
Scheutz / Harald Tersch (Hg.), Einmal Weimar - Wien und retour. Johann Sebastian
Müller und sein Wienbericht aus dem Jahr 1660 (Veröffentlichungen
des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung 42, Wien-München
2005)
5. April: Renate SCHREIBER
(Wien) – in Kooperation mit dem IEFN
„Erzherzog Leopold Wilhelm. Eine biographische Annäherung“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: 1665 erschien die erste
– und bisher einzige – Biographie zu Erzherzog Leopold Wilhelm (1614–1662),
verfasst wurde sie vom Jesuiten Nicolo Avancini. Dieses hagiographische Werk
prägt bis heute die Beurteilung der Person Leopold Wilhelms. Erzherzog
Leopold Wilhelm wurde von seinem Vater, Kaiser Ferdinand II., bereits als Kind
zum (mehrfachen) Bischof eingesetzt. Zweimal übertrug ihm sein Bruder,
Kaiser Ferdinand III., im Dreißigjährigen Krieg den Oberbefehl über
die kaiserlichen Truppen. Neun Jahre übernahm er im Auftrag des spanischen
Königs Philipp IV. die Statthalterschaft in den Spanischen Niederlanden.
In dieser Zeit trug er in Brüssel eine der bemerkenswertesten Kunstsammlungen
zusammen, die sich – zum großen Teil bis heute – im Kunsthistorischen
Museum in Wien befindet. Nach dem Tod seines Bruders stand er – kurzfristig
– als dessen Nachfolger zur Debatte. Wie fasste er seine geistlichen Ämter
auf? Wie erfolgreich war seine militärische Laufbahn? Besaß er innerhalb
der Familie Habsburg politischen Einfluss? Nach intensiven Recherchen in verschiedenen
Archiven habe ich versucht, anhand zahlreicher Briefe und anderer Quellen, eine
aktuelle Sicht auf den Erzherzog, dem nahezu unbekannten Mitglied des Kaiserhauses,
zu ermöglichen.
Zur Person: Studium der Geschichte
und Theaterwissenschaft an der Universität Wien (Sponsion 1998, Promotion
2001). Publikation: „ein galeria nach meinem humor“ – Erzherzog
Leopold Wilhelm, Wien 2004 (Schriftenreihe des Kunsthistorischen Museums 8).
“Die Informationstheorie im Spannungsfeld zwischen Natur- und Geisteswissenschaften
nach dem Zweiten Weltkrieg“
Moderation: Mitchell ASH (Institut für Geschichte)
Kommentar: Albert MUELLER (Institut für Zeitgeschichte)
Abstract: Während die Kluft zwischen Natur- und Geisteswissenschaften trotz
aller Rufe nach Interdisziplinarität heute immer breiter wird, hatte der
Zweite Weltkrieg eine Konstellation geschaffen, in der eine junge wissenschaftliche
Theorie eine Annäherung der "two cultures" begünstigte:
die Informationstheorie. Sie belebte die alte Idee von der Einheit des Wissens
wieder. Ihre Ursprünge liegen in den 1920er Jahren und in drei wissenschaftlichen
Bereichen: der Physik, der Statistik und der Telekommunikation. Der Krieg wirkte
als Katalysator, denn er verband Personen, Interessen und Fördermittel.
Geisteswissenschaften wie die Psychologie oder die Linguistik spielten bei der
Entwicklung der Informationstheorie zu dieser Zeit eine wichtige Rolle. Philosophische
Bewegungen wie der Strukturalismus waren von diesem Kontext sehr geprägt.
Um ein einheitliches „Weltbild" zu formen, fehlte es aber an einer
Institutionalisierung. Seit den Siebzigerjahren gibt es Bestrebungen, den kybernetischen
Ansatz weiterzuführen, wobei die wissenschaftliche Legitimation dieser
Arbeiten umstritten ist. Für den Wissenschaftshistoriker stellt sich die
Frage, was der Prüfstein für die Wissenschaftlichkeit dieser Arbeiten
sein könne und ob er überhaupt berufen ist, Urteile über wissenschaftliche
Arbeiten zu fällen.
Zur Person: geb. 1970, 1993
Dipl.-Ing. der Ecole Centrale de Lyon,1995-1998 Doktorand im Fach Geschichte
an der Universität Lyon 2 und am Centre-Marc-Bloch (Berlin). 1998 Promotion
an der Universität Lyon 2 mit einer Dissertation über die Geschichte
der Kybernetik. 1999-2000 Post-Doc am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte
(Berlin) in der Abteilung von Hans-Jörg Rheinberger, dort Forschungen über
die Geschichte von Visualisierungstechniken in der Biologie am Beispiel der
Proteinfaltung. Seit 2000 Dozent (maître de conférences) am IUFM
in Paris und seit 2001 Forscher am Centre Cavaillès (Ecole Normale Supérieure,
Paris). - Autor eines Buchs und von über 20 Aufsätzen (abrufbar unter
http://jerome-segal.de).
3. Mai: Arno STROHMEYER (Bonn/Gastprofessor
am IfG im SS 2006)
„Die Konstruktion des Anderen: Fremdwahrnehmungen von Diplomaten in Europa
im 16. und 17 Jahrhundert“
Moderation: Alfred Kohler
Abstract: Die rasche Veränderung
der Welt, die Globalisierung, der weltumspannende Massentourismus und transnationale
Migrationsbewegungen führen gegenwärtig zu einer Inflation an Fremdwahrnehmungen.
Diese sind allerdings kein Spezifikum unserer Zeit, denn es handelt sich um
eine Grunderfahrung menschlicher Existenz. Mit der Frage, wie die Menschen in
der Frühen Neuzeit Fremdheit erlebten, beschäftigt sich die Forschung
schon seit längerer Zeit. Sie blickt dabei besonders auf Reiseberichte,
Emigrationswellen und die Perzeption der Neuen Welt. Kaum Aufmerksamkeit schenkte
sie jedoch Diplomaten, obwohl diese zu dem sehr kleinen Teil der Bevölkerung
zählten, der aufgrund seiner großen geographischen Mobilität
tiefgehende kulturelle Brüche zu bewältigen hatten.
Zur Person: Studium der Geschichte
und Ethnologie an der Universität Wien; 1992 Promotion 1992, anschließend
Mitarbeiter in verschiedenen Forschungsprojekten (seit 1996 in Deutschland),
und 2003 Habilitation an der Universität Bonn. Lehraufträge an den
Universitäten Bonn, Halle a. d. Saale, Leipzig und Wien. – Forschungsschwerpunkte:
Politische Kultur, Internationale Beziehungen und Diplomatiegeschichte des 16.-19.
Jahrhunderts mit den Raumbezügen Habsburgermonarchie, Heiliges Römisches
Reich, Ostmitteleuropa und Europa.
10. Mai: Frank BECKER (Münster/Gastprofessor
am IfG im SS 2006)
„Der 'Vorgeschobene Posten’ als 'Verlorener Posten’? William
Howard Russell und die britische Berichterstattung vom Krimkrieg“
Abstract: Mit dem Krimkrieg beginnt
ein neues Zeitalter der Kriegsberichterstattung. Viele Zeitungen entsenden eigene
Korrespondenten auf den Kriegsschauplatz, die sich dort relativ frei bewegen
können. Eine Zensur ihrer Reportagen findet kaum statt. Die Printmedien
bringen ausführliche Berichte, die gefällig erzählt sein dürfen.
William Howard Russell ist der bekannteste Pionier dieser Form der Kriegsberichterstattung
gewesen. Seine Arbeit und ihr Resonanzraum, die britische Öffentlichkeit,
stehen folglich im Mittelpunkt des Vortrags. Dabei soll erstens herausgearbeitet
werden, welchen Wahrheitsbegriff die Berichterstattung aus dem Krimkrieg besaß
und welche Techniken der Abbildung von Realität sie entwickelte. Zweitens
geht es um die Frage, inwiefern sich die neuen Formen der öffentlichen
Darstellung und Thematisierung des militärischen Konflikts in eine neue
Deutungskultur des Krieges einfügten, die dem Aspekt der „nationalen
Identifikation“ größeren Raum verschaffte. Im Krimkrieg entwickelten
sich die strukturellen Voraussetzungen für eine solche „nationale
Identifikation“, die zwar hier noch keine dominierende Rolle spielten,
aber auf die mediale Inszenierung der Nationalkriege der Folgezeit voraus wiesen.
Dabei kam auch der Bildberichterstattung durch Einblattdrucke und Illustrierte
Zeitschriften eine große Bedeutung zu.
Zur Person: Studium der Geschichte, Germanistik, Philosophie und Pädagogik
in Münster. Promotion in einem Graduiertenkolleg zur Historischen Konfliktforschung
1992. 1993/94 Postdoktoranden-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Seit 1995 Wissenschaftlicher Assistent und Mitarbeiter am Historischen Seminar
der Universität Münster. Habilitation 1998. Seither Forschungsprojekte
zur Kolonialgeschichte (Deutsche Forschungsgemeinschaft) und zur Geschichte
von Körperkultur und Sport im 20. Jahrhundert (Krupp Stiftung). Lehrstuhlvertretungen
in Münster (2004) und Trier (2005).
17. Mai: Guido HINTERKEUSER
(Berlin) – in Kooperation mit dem IEFN
„Der deutsche 'Reichsstil’ um 1700 – nur eine kunsthistorische
Erfindung?“
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: In seinem berühmten
Aufsatz von 1938 „Die politische Bedeutung des deutschen Barocks (Der
„Reichstil“)“ konkretisiert Hans Sedlmayr den noch jungen
Begriff, indem er ihn mit der politischen Situation in Wien zwischen 1680 und
1705 verknüpft, die er durch ein erstarkendes Reichsbewusstsein gekennzeichnet
sieht. Seine eindrücklichste Gestalt habe der Reichsstil in Fischer von
Erlachs Entwurf für Schönbrunn gefunden. Die heutige Kunstgeschichte
hat Sedlmayrs Theorie „als Wunschbild der 1930er Jahre“(Hellmut
Lorenz) abgetan. Doch womöglich ist dieses Diktum nicht weniger zeitbedingt
als Sedlmayrs Erklärungsmodell.
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte,
Geschichte und Italianistik in Köln, Bonn, Florenz und Berlin. 2002 Promotion
an der Berliner Humboldt-Universität mit einer Arbeit zum Thema „Andreas
Schlüter und das Berliner Schloss“. 1998–2003 tätig in
diversen Schlösserstiftungen. Seit 2004 Mitarbeit bei der Erstellung der
Rekonstruktionspläne für den geplanten Wiederaufbau des Berliner Schlosses.
Seit 2005 Lehrauftrag an der Berliner Humboldt-Universität.
24. Mai: Michael HOCHEDLINGER
und Anton TANTNER (Wien)
„Von den Klagen des Volcks. Die Habsburgermonarchie am Vorabend der josephinischen
Reformen“
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: In den Jahren 1770/72 bereisen
die Offiziere des Mitregenten Josephs II. die westlichen Gebiete der Habsburgermonarchie;
sie sind ursprünglich damit beauftragt, eine Volkszählung –
die so genannte Seelenkonskription – sowie eine Hausnummerierung durchzuführen,
doch schon bald werden ihre Aufgabengebiete erweitert: Sie sollen die Klagen
des Volcks notieren, Berichte verfassen über die soziale und wirtschaftliche
Lage in den einzelnen Ländern. Faszinierende Dokumente sind es, die dabei
entstehen und die geradezu als Ausgangspunkt der josephinischen Reformen betrachtet
werden können. Michael Hochedlinger und Anton Tantner haben diese so genannten
„Politischen Anmerkungen“ ediert und werden auf dieser Grundlage
einen Einblick in die inneren Verhältnisse der Habsburgermonarchie zur
Zeit Maria Theresias und Josephs II. liefern. Edition zum Vortrag: Hochedlinger,
Michael/Tantner, Anton (Hg.): „der größte Teil der Untertanen
lebt elend und mühselig“. Die Berichte des Hofkriegsrates zur sozialen
und wirtschaftlichen Lage der Habsburgermonarchie 1770–1771. (=Mitteilungen
des Österreichischen Staatsarchivs; Sonderband 8). Wien/Innsbruck/Bozen:
Studienverlag, 2005
Zu den Personen: Michael Hochedlinger,
geb. 1967, 1995-1999 Referatsleiter in der Forschungsabteilung des Heeresgeschichtlichen
Museums, seit 1999 Bestandsgruppenleiter im Österreichischen Staatsarchiv,
2002 Gastprofessor University of St. Andrews, Schottland.
Anton Tantner, geb. 1970 in Wien, im SS 2006 IFK-Auslandsstipendiat in Paris;
Homepage mit „Galerie der Hausnummern“ und Publikationsverzeichnis:
http://tantner.net; Weblog: http://adresscomptoir.twoday.net
31. Mai: Teresa FRISCH-SOTO
(Wien)
„Geschichte des Widerstandes in Lateinamerika im Lichte der neuen Regierungen
Südamerikas“.
Moderation: Alfred Kohler
Abstract: Der Widerstand in Lateinamerika
hat eine über 500jähriger Geschichte. Von den zahlreiche Rebellionen
gegen die spanische Krone im XVI, XVII und XVIII Jahrhundert, über die
Unabhängigkeitskriege im XIX, bis zu den Guerillas des XX Jahrhunderts,
versuchten die Völker Lateinamerikas gegen das Joch des Imperialismus zu
kämpfen. Im Zuge des Demokratisierungsprozesses ab den 70er Jahren und
nicht zuletzt wegen der Niederlage des meist bewaffneten Widerstandes, wurden
Regierungen gewählt, welche auf institutionellem Wege die Forderungen nach
sozialer Gerechtigkeit und Souveränität realisieren wollen. Manche
Versuche, wie der von Salvador Allende in Chile, wurden blutig beendet, andere
Länder wurden durch wirtschaftliche Sanktionen, Isolierung und politische
Einmischung in der Enge getrieben. Nun scheint der Trend nach linkspopulistischen
und sozialistisch gesinnten Regierungen in Südamerika als der Ausbruch
einer neuen Epoche am Kontinent, in der wieder versucht wird, im Rahmen des
Kampfes gegen den Neoliberalismus und die Globalisierung; ein besseres Leben
für die Mehrheiten zu schaffen. So in Argentinien, Brasilien, Bolivien,
Chile, Venezuela und Uruguay.
Zur Person: Teresa
Frisch-Soto, wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin am Institut für
Geschichte der Universität Wien, Studium der Soziologie und Fächer
Kombinationen an der Universidad Nacional Mayor de San Marcos sowie auf der
Akademie der Angewandte Kunst in Lima, Peru. Studium der Geschichte in Wien.
Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Wissenschaft und Kunst
in Wien, beauftrag mit der Aufbau einer Dokumentationsstelle für Frauenforschung.
1998 Lektorin am Institut für Zeitgeschichte der Karl-Franzens- Universität
Graz. Arbeitsschwerpunkt ist die Geschichte Lateinamerikas des 19. und 20. Jahrhunderts,
insbesondere die Ideengeschichte des Kontinents. Zahlreiche Publikationen über
das Thema.
7. Juni: Alexandra COOK (Hong
Kong)
„Die Herbarien von Jean-Jacques Rousseau: ein Philosoph wirbt für
die Botanik“
Moderation: Marianne Klemun
Abstract: Während seines Exils
in der Schweiz (1763-65) fing der Genfer Philosoph an, die Botanik zu lernen,
und zwar nach dem Muster des schwedischen Naturwissenschaftlers Carl von Linné
(1707-1778). Als einer der bekanntesten Philosophen des 18. Jahrhunderts erregte
diese Begeisterung Rousseaus für die Botanik großes Aufsehen unter
den Zeitgenossen; seine Verehrer bevorzugten Pflanzenstudien, nur um sich dem
großen Mann anzunähren.
Rousseau bezeichnete sein Botanisieren als lässig und „paresseux“,
aber diese Beschreibung stimmte nicht ganz. Der Botanik widmete Rousseau viel
Zeit und Mühe, und er hinterließ mehrere einmalige Herbarien, davon
sind noch einige in Montmorency, Chaalis, Paris und Zürich vorhanden. Diese
Herbarien wurden sorgfältig und liebevoll angefertigt, sie wurden als eine
Art Werbung für die Botanik den Freunden des Philosophen, wie etwa Lamoignon
de Malesherbes und Julie Willading-Boy de la Tour, geschenkt. Rousseau beschäftigte
sich mit dieser mühevollen Arbeit, weil er erstens glaubte, dass die Botanik
vernachlässigt wurde, und zweitens, dass diese Wissenschaft einen moralischen
Wert im dekadenten Zeitalter besäße. Er fand ein wichtiges Vorbild
in Linné, der 1751 in seinem Werk Philosophia Botanica die Meinung äußerte,
ein Herbarium sei besser als irgendein Bild und jedem Botaniker notwendig.
Zur Person: Dr. phil. Alexandra
Cook (Jahrgang 1960) studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Philosophie
an Wellesley College, der Universität von Virginia und der Cornell Universität.
2000 Veröffentlichung einer kritischen Übersetzung der botanischen
Schriften Rousseaus ins Englische (The Collected Writings of Rousseau, Bd. 8,
völlig neu nach Prüfung mehrerer Quellen bearbeitet). Sie hat auch
mehrere wissenschaftlichen Artikel über Rousseaus Beziehung zur Botanik
veröffentlicht; zur Zeit ist ein Buch über die botanische Tätigkeit
des Genfer Philosophen (Jean-Jacques Rousseau als Botaniker) in Vorbereitung,
die erste vollständige Untersuchung dieses Themas seit dem Werk von Albert
Jansen (1885). Derzeit ist sie als Assistant Professor an der Universität
von Hong Kong tätig.
14. Juni: Gerhard AMMERER
und Alfred Stefan WEISS (Salzburg)
„Strafe, Disziplin und Besserung. Österreichische Zucht- und Arbeitshäuser
von 1750 bis 1850“ (Buchpräsentation)
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Im Anschluss an die Forschungen
von Hannes Stekl aus den 1970er Jahren und unter Berücksichtigung der neuen
Forschungsaspekte der Kriminalitätsgeschichte haben wir in den letzten
Jahren gemeinsam mit Elke Hammer-Luza, Helmut Beneder und Martin Scheutz an
einem Projekt über die österreichischen Zucht- und Arbeitshäuser
gearbeitet, wobei wir neben einem Überblick über die Entwicklung der
einzelnen, sehr unterschiedlichen Institutionen vor allem zwei Aspekte besonders
untersucht haben: Zum einen den Alltag der Zuchthausinsassen (Arbeit, religiöse
Übungen, Speisepläne, Kleidung, Hygiene, Strafen, Belohnungen etc.),
zum anderen den um 1800 geführten Gefängnisdiskurs und dessen Auswirkungen
in der Praxis (Gesetze und deren Umsetzung, Neuerungen).
Unser Vortrag gliedert sich in drei Teile: Buchvorstellung (Gerhard Ammerer),
das Wiener Zucht-, Arbeits- und Strafhaus (Martin Scheutz), Quellen zur österreichischen
Zuchthausgeschichte (Alfred Stefan Weiß).
Zu den Personen: Gerhard Ammerer,
geb. 1956 in Salzburg, Studium der Geschichte und Sozialkunde, Germanistik und
der Rechtswissenschaften, Promotion zum Dr. jur. et Dr. phil. und Anstellung
als Universitätsassistent 1985, Habilitation für das Fach Österreichische
Geschichte 2000, Ernennung zum ao. Univ.-Prof. 2001, Forschungsschwerpunkte:
Österreichische Geschichte der Frühen Neuzeit, Kriminalitätsgeschichte,
Geschichte der Minderheiten, regionale Wirtschaftsgeschichte.
Alfred Stefan Weiß, geb. 1964 in Schwanenstadt (OÖ.), Studium der
Geschichte und Sozialkunde, Philosophie, Pädagogik und Psychologie in Salzburg,
Doktorat 1993, Assistenzprofessor am Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft
seit 2001, Forschungsschwerpunkte: Österreich in der Frühen Neuzeit,
Geschichte der Armut und der Kriminalität, Regionalgeschichte.
21. Juni: Brigitte RATH (Wien)
– in Kooperation mit dem IEFN
“Das Lobbüchlein der Weiber“
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Der Text, der zwischen
1573-1588 in Köln von einer anonymen Autorin in der Tradition der "Querelle
des femmes" verfasst wurde, blieb bisher völlig unbeachtet. Die im
Text besprochenen Themen werden analysiert und im Kontext anderer Texte interpretiert.
Zur Person: Studium der Geschichte und Soziologie in Graz und Wien, zahlreiche
Publikationen zur Frauen- und Geschlechtergeschichte zu den Themen: Prostitution,
Alltagsgeschichte von Ordensfrauen im Spätmittelalter, Kriminalität
in der Frühen Neuzeit.
28. Juni: Anna L. STAUDACHER
(Wien)
“Die jüdischen Konvertiten in Wien 1748-1914: Der Übertritt
zum Christentum“
Moderation: Gerald Stourzh
Abstract: Etwa 14.000 Juden mögen in Wien im Zeitraum 1748 bis 1914 die Taufe angenommen haben - keine Zwangstaufen, jedoch unter massivem gesellschaftlichen und politischen Druck. Bis zum Jahr 1868 - den Interkonfessionellen Gesetzen - kam die Taufe einem Einbürgerungsverfahren gleich - Juden galten als Fremde. Mit der Taufe waren staatsbürgerliche Rechte, vor allem Rechtssicherheit verbunden. Von der Jahrhundertwende bis hin zum 1. Weltkrieg war ein jüdischer Namen existenzgefährdend - ein Recht auf Namensänderung hatten nach dem Hofkanzleidekret vom 5. Juni 1826 nur Konvertiten: Jüdische Eltern stellten Namensänderungsgesuche für ihre Kinder, nach mehrmaliger Abweisung traten sie selbst und ihre Kinder über: Nicht zur römisch-katholischen Kirche sondern zum Protestantismus. Der Übertritt zur katholischen Kirche war mit einer ehrenrührigen Abschwörungsformel verbunden, welche jene Religionsgemeinschaft diffamierte, der man zuvor angehört hatte, was in gleicher Weise Protestanten, Muslime und Juden betraf. In der Annahme der protestantischen Taufe kam zudem - ohne jedwede Abschwörungsformel - auch die Zuordnung zum deutschen Kulturkreis zum Ausdruck. - Zu diesen 14.000 kommen noch etwa 3000 zwangsgetaufte Kinder - Kinder aus jüdischen Unterschichten, die zur Aufnahme ins Wiener Findelhaus bis zum Februar des Jahre 1868 getauft wurden, zumeist uneheliche Kinder jüdischer Dienstboten, getauft im Wiener Gebärhaus, in den Pfarren der Inneren Stadt und der Vororte Wiens, von wo sie in das Wiener Findelhaus gebracht wurden. Es waren keine ausgesetzten Kinder, vielmehr mussten sie ins Findelhaus abgegeben, da ihre Mütter sogleich nach der Niederkunft wieder in den Dienst zu treten hatten. Zur Person: Studium der Geschichte in Wien, der Politologie und Romanistik in Lausanne und Genf, Mitglied des Institutes für Österreichische Geschichtsforschung, seit 1989 Lektorin am Institut für Geschichte an der Univ. Wien, Projektleiterin einiger Projekte des Fonds zur wissenschaftlichen Forschung zur Geschichte der Juden in Österreich-Ungarn (Datenbank und Biographische Sammlung). Seit 1996 an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften - für die Austrian Jewish Biography dem Institut Österreichisches Biographisches Lexikon zugeordnet. Venia Legendi 2000 mit der Habilitationsschrift: Wegen jüdischer Religion - Findelhaus. Zwangstaufen in Wien 1816-1868. Autorin der Konvertitenreihe im Verlag Peter Lang, bisher erschienen: Wegen jüdischer Religion Findelhaus (2001), Jüdische Konvertiten in Wien 1782 - 1868 (2002), Jüdisch-protestantische Konvertiten in Wien (2004) - in Vorbereitung steht die vierte Folge - Jüdische Konvertiten in Wien. Der Übertritt zur katholischen Kirche 1868 - 1908 (1914) in Wien. - Weitere Publikationen: http://homepage.univie.ac.at/Anna.Staudacher
Falls Sie in Zukunft keine
Zusendungen von "Geschichte am Mittwoch" erhalten wollen, bitten wir
Sie, ein Email mit dem Betreff "Abmeldung" an veranstaltungen.geschichte@univie.ac.at
Organisation und Planung:
Thomas Fröschl
Weitere Veranstaltungen
Vorträge der vergangenen Semester
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5. Oktober 2005 – Alexander
HECHT (Wien)
Zur Person: geboren 1974 in Wien, Studium der Geschichte und Romanistik (Französisch
und Italienisch) an der Universität Wien, Sponsion 1998, Master of Advanced
Studies nach Abschluss des Ausbildungskurses am Institut für Österreichische
Geschichtsforschung 1998, Promotion 2005 mit einer Arbeit über die audiovisuelle
Quellenkunde; seit Juni 1998 Mitarbeiter der Abteilung „Dokumentation und Archive“
des ORF, Dokumentar, Redakteur und Projektmanager für internationale Projekte;
seit 2003 Lektor für Mediengeschichte an der Universität Wien
Abstract: Die mittelalterlichen
„Alkoholdiskurse“ widerspiegeln geschlechtsspezifische Wertvorstellungen und
Rollenzuschreibungen. Sie liefern insbesondere theologisch und sozial begründete
Argumentationsketten gegen das weibliche Trinken. Der von Kirche und Gesellschaft
geforderte weibliche Tugendkatalog legt großen Wert auf Mäßigkeit beim Essen
und Trinken. Die mittelalterlichen Hausbücher thematisieren „Frau und Alkohol“
in drei Bereichen: als theologisch-moralischen Diskurs, als medizinisch-diätetische
Ratschläge; als lebensweltlich-praktische Hinweise für die Konservierung von
Wein (Hauswirtschaft).
Zur Person: Studium der Geschichte (Mittelalters und Neuzeit), der Lat. Philologie,
der Ur- und Frühgeschichte in Basel. 1982–1989 wissenschaftliche Assistentin.
1986 Promotion bei Prof. F. Graus (Basler Handwerkszünfte im Spätmittelalter).
1999 Habilitation bei Prof. R. C. Schwinges in Bern (Die Dinge im Schnittpunkt
sozialer Beziehungsnetze, 14.–16. Jh.). Privatdozentin in Bern. Lehraufträge
und Lehrstuhlvertretungen in Bern, Zürich, Freiburg (CH), Luzern.
Zu den Personen: Martina
Kaller-Dietrich, ao.Univ.Prof. Dr., Professorin für neuere Geschichte an
der Universität Wien, Forschungsschwerpunkte Globalgeschichte, Ernährungsgeschichte,
Lateinamerika im 19. und 20. Jahrhundert, Entwicklungstheorien, Projektkoordination
der Lerneinheit Politik/Geschichte von LASON David Mayer, Mag.; Studium Geschichte
und Internationale Entwicklung in Wien; Assistent in Ausbildung am Institut
für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universtität Wien, Mitarbeit am Projekt
LASON; Übersetzer von Immanuel Wallersteins „Modern World System III“; Forschungsschwerpunkte
Geschichte sozialer Bewegungen (insbes. Lateinamerikas); Ursula
Prutsch, Mag. Dr., Gastprofessorin für Neuere Geschichte an der Universität
Wien, Mitarbeit an der Lerneinheit Politik/Geschichte von LASON, Forschungsschwerpunkte:
Geschichte Lateinamerikas 19. und 20. Jahrhundert, Beziehungen USA - Lateinamerika,
Migration, Kulturtransfers Barbara Reisner: Mag., Studium der Ethnologie, Kultur-
und Sozialanthropologie, seit 2001 am Lateinamerika-Institut beschäftigt, hier
u.a. Projektmitarbeiterin bei „Lateinamerika-Studien Online“ (LASON) und „ÖKU
Online“ (Ökonomie, Kultur, Umwelt).
9. November 2005 – Sigrid
WADAUER (Salzburg)
Zur Person: Dr. Phil., Studium der Geschichte in Wien. Forschungsarbeiten zu
Autobiographik und Mobilität im Handwerk, Berufsverboten und Entlassungen im
Nationalsozialismus, Erwerbsarbeit und Mobilität im Österreich der Zwischenkriegszeit.
Seit 2004 Hertha Firnberg-Stelle am Fachbereich Geschichts- und Politikwissenschaft
der Universität Salzburg. Publikationen: Die Tour der Gesellen. Handwerk und
Biographie vom 18. und bis zum 20. Jahrhundert. Frankfurt a. M., New York 2005.
Zur Person: Hubert Weitensfelder, geb 1959 in Dornbirn, Studium in Innsbruck
und Graz, in den 1990er Jahren freischaffender Historiker, Univ.Doz. am Institut
für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, betreut den Sammlungsbereich
„Handwerkliche und industrielle Produktionstechnik“ am Technischen Museum Wien.
Forschungsschwerpunkte der letzten Jahre: Regional- und Technikgeschichte im
18. bis 20. Jahrhundert (Vorarlberg, Quecksilberbergbau, österreichische Erfinder).
23. November 2005 – Petra
GENTZ-WERNER (Berlin)
Moderation: Mitchell Ash
Zur Person: Petra Werner, Privatdozentin an der TU Berlin, Mitarbeit in der
Alexander-von-Humboldt-Forschungsgruppe der Berlin-Brandenburgischen Akademie
der Wissenschaften in Berlin (frühere Preußische Akademie); Studium der Biochemie
in Leipzig, Promotion zur Metabolismusforschung von Fungiziden; Habilitation
1990 zur Sauerstoffatmungstheorie Otto H. Warburgs (Nobelpreis 1931). Nach 1990
Arbeit im Forschungsbereich „Wissenschaftliche Neuvorhaben“ der Max-Planck-Gesellschaft,
ab 1994 an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften; zahlreiche
Arbeiten zu A. v. Humboldt; mehrfache Vortrags- und Forschungsaufenthalte in
den USA, Australien, Estland und Japan; Spezialgebiete: Wissenschaftsgeschichte
des 19. und 20. Jahrhunderts. Publikationen (Auswahl): Ein Genie irrt seltener/Otto
Heinrich Warburg- ein Lebensbild in Dokumenten. Weinheim/Berlin 1991, 397 S.;
Die Gründung der Königlichen Biologischen Anstalt auf Helgoland und ihre Geschichte
bis 1945. Helgoländer Meeresuntersuchungen, Vol. 47 (Suppl.) (1993) 182 S.;
Otto Warburg und das Problem der Sauerstoffaktivierung, Marburg 1996, 387 S.;
Vitamine als Mythos/ Dokumente zur Geschichte der Vitaminforschung Berlin 1998,
346 S.; Der Heiler. Tuberkuloseforscher Friedrich Franz Lothar Friedmann. Berlin
2000, ca. 300 S. ; Himmel und Erde. Alexander von Humboldt und sein Kosmos.
2004.
Hausarbeit, Frauenbewegung und die Konflikte um die Zukunft der Moderne zu Beginn
des 20. Jahrhunderts
Moderation: Edith Saurer
Die Auseinandersetzung mit dem Problem
der Hausarbeit und der Haushaltsreform stellte für die verschiedenen Strömungen
der sozialdemokratischen wie bürgerlichen Frauenbewegung zu Beginn des
20. Jahrhunderts keineswegs einen der ‚großen’ Bereiche der
Aktivitäten und Diskurse dar. Dennoch lassen sich gerade anhand der Analyse
dieser Auseinandersetzung, und ihrer Leerstellen, zentrale Dimensionen der Selbstverortung
der Frauenbewegung in den Konflikten um die Zukunft der modernen Gesellschaft
herausarbeiten. Im Problemfeld Hausarbeit verbanden sich Fragen der ungleichen
geschlechtspezifischen Arbeitsteilung auf das innigste mit Fragen der gesellschaftlichen
Teilung der Arbeit in bezahlte und unbezahlte, kommodifizierte und nicht (unmittelbar)
kommodifizierte, erwerbs- und versorgungsorientierte Tätigkeiten und deren
ungleicher Beziehung zueinander. Einig waren sich alle Flügel der Frauenbewegung
in der Wahrnehmung der zeitgenössischen Lage der Frauen als Gefangene in
einem Zwischenland geschlechtspezifisch unvollständiger oder verzögerter
Modernisierung, und in der Wahrnehmung dieser Modernisierung als unvermeidlich
oder erstrebenswert. Zutiefst uneinig waren sich die Protagonistinnen darin,
welchen Beitrag die 'nachholende Modernisierung’ der Frauen zur (Um-)Gestaltung
dieser Moderne leisten sollten. Dies hing zentral mit den Unterschieden in der
Bewertung des Beitrags der versorgungsorientierten Tätigkeiten zur Gestaltung
dieser Moderne und mit den Visionen über deren Zukunft im Rahmen dieser
Moderne zusammen.
Susan Zimmermann ist Professor
of History an der Central European University (Budapest), am Department of History
sowie am Department of Gender Studies, und Gastprofessorin für Österreichische
Geschichte an der Universität Wien, wo sie seit vielen Jahren auch im Modul
Globalgeschichte bzw. im Bereich der Theorien der Geschichte und der Ringvorlesungen
Außereuropäische Geschichte unterrichtet. Ihre Interessen liegen
in der vergleichenden politischen und Sozialgeschichte der Habsburgermonarchie
mit den Schwerpunkten soziale Politik und politische Bewegungen, und in der
Geschichte transnationaler Beziehungen und Arbeitsteilungen mit dem Schwerpunkt
Internationalismen im 19. und 20. Jahrhundert. In jüngster Zeit ist erschienen:
The Challenge of Multinational Empire for the International Women’s Movement:
The Case of the Habsburg Monarchy, in: Journal of Women’s History 17 (2005)
2.
Zur Person: Studium der Geschichte und Germanistik. Lektorin am Institut für
Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien. Mitarbeiterin in Forschungsprojekten
zur Sozial- und Alltagsgeschichte in Spätmittelalter und früher Neuzeit. Langjähriger
Arbeitsschwerpunkt: Computergestützte Methoden in den Geschichtswissenschaften.
Seit 2001 am Institut für Realienkunde des Mittelalters und der frühen Neuzeit
in Krems tätig.
Zur Person: Verena Ofner, Mag. phil., Studieum der Germanistik und Geschichte
an der Universität Wien (1997-2004), Diplomarbeit zum Thema „Die historischen
Romane Robert Neumanns. Eine Analyse“. Seit 2004 Lehrtätigkeit in den Fächern
Deutsch und Geschichte am BG/BRG Hollabrunn und am BG/BRG Stockerau.
11. Jänner 2006 – Andreas
KAPLONY (Zürich/ Wien)
Zur Person: geb. 1960, 1986-1990 Assistent am Historischen Seminar Zürich, Abt.
Alte Geschichte. 1990-1995 Assistent am Institut für Islamwissenschaft Bern.
1994 Promotion in Allg. Geschichte/Arabischer Sprache und Literatur über muslimisch-byzantinische
Diplomatie in den Jahren 639-750. 1995-1998 Stipendiat des Schweizerischen Nationalfonds,
2 Jahre Forschungsaufenthalt in Jerusalem. 2001 Habilitation in Islamwissenschaft
über den Haram (Tempelberg) von Jerusalem (324-1099). 2001 Forschungsstipendiat
der Gerda Henkel-Stiftung und Leiter des E-Learning-Projektes „Arabic Papyrolog
School“ (www.ori.unizh.ch/aps). Seit 2004 Ass.Prof. für Islamwissenschaft am
Orientalischen Seminar Zürich. Forschungsschwerpunkte: arabische Papyri, arabisch-persische
Geographie und Karthographie, Handel und Verkehr auf der Seidenstrasse.
Zur Person: Studium und Promotion (Geschichte) an der Karl-Franzens-Universität
Graz. 1999/2000 Junior Fellow am IFK in Wien, seit 2000 Wissenschaftlicher Assistent
am Institut für Geschichte der Medizin der Universität Freiburg. 2004 bis 2005
Visiting Fellow am Centre for the History of Science, Technology and Medicine,
University of Manchester. Monographie: Nervenschwäche und Krieg. Modernitätskritik
und Krisenbewältigung in der österreichischen Psychiatrie (1880-1920). Wien,
Köln, Weimar: Böhlau 2004.
Moderation: Friedrich Polleroß
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte, Klassische Archäologie und Religionswissenschaft
an den Universitäten Tübingen, Venedig und Berlin (FU). 2000 Magister Artium.
2001-2003 Doktorandenstipendiat der Bibliotheca Hertziana und Mitglied der Forschungsgruppe
"Strategien frühneuzeitlicher Repräsentation". Promotion 2004 an der
FU Berlin. Seit Juli 2004 wissenschaftlicher Assistent an der Bibliotheca Hertziana
- Max-Planck-Institut für Kunstgeschichte
Organisation und Planung:
Ursula Prutsch
Weitere Veranstaltungen
Vorträge der vergangenen Semester
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2. März - Elke SEEFRIED
(Augsburg)
„Reich“ und „Stände“. Ideen und Wirken
des deutschen politischen Exils in Österreich 1933-1938
Moderation: Gernot Heiß
Abstract: Österreich
diente zwischen 1933 und dem „Anschluss“ 1938 als Refugium für
deutsche Emigranten, die vor dem Nationalsozialismus flohen. Dem hat die geschichtswissenschaftliche
Forschung bislang wenig Beachtung geschenkt. In diesem Vortrag, der auf einer
vor kurzem abgeschlossenen Dissertation basiert, soll zum einen Österreich
als „Exilland“ verortet, also Umfang und Struktur der Emigration
sowie die Asylpolitik des „Ständestaates“ in den Blick genommen
werden. Die entscheidende Signifikanz des politischen Exils in Österreich
liegt, dies ist unübersehbar, in der überproportionalen Repräsentanz
der katholischen und konservativen Emigration, die im österreichischen
katholischen „Ständestaat“ eine gleichsam kongeniale Operationsbasis
vorfand. Diese Erkenntnis leitet zum zweiten Fokus hin: In einem ideengeschichtlichen
Ansatz werden langfristige Traditionslinien und zentrale politische Vorstellungen
des katholischen und konservativen Exils untersucht. Gruppenbiographische Längsschnittanalysen
widmen sich deshalb den politischen Ideen der Emigranten aus dem katholischen,
konservativen und konservativ-revolutionären Milieu, der Umformung dieser
Ideen durch den Aufenthalt in Österreich und dem politischen Wirken der
Emigranten im „Ständestaat“. Zwei Leitideen, die sich eng mit
dem Exilland Österreich verbanden, rücken ins Zentrum der Betrachtung:
Übernational, national oder nationalistisch aufgeladene Konzepte eines
mitteleuropäischen Reiches sowie die Idee einer „ständischen
Ordnung“ als Ergänzung oder Alternative zum demokratischen Parlamentarismus
prägten sowohl den konservativen politischen Diskurs der späten Weimarer
Republik als auch das Denken des deutschen Exils in Österreich; zugleich
vermengten sie sich mit konservativen Denkmustern der späten Ersten Republik
und des „Ständestaates“. Katholisch-konservativen Emigranten
gelang es so, in der antinationalsozialistischen publizistischen Landschaft
des „Ständestaates“ eine bedeutsame Rolle zu spielen.
Zur Person: Dr. phil, M.A., Diplom-Betriebswirtin (FH), Studium der Betriebswirtschaftslehre
an der Fachhochschule Augsburg, nach dessen Abschluss Studium der Neueren und
Neuesten Geschichte, Politikwissenschaft und Geschichte der Frühen Neuzeit
an den Universitäten Augsburg und Erlangen; 2004 Promotion an der Universität
Augsburg mit der Dissertation „‚Reich’ und ‚Stände’.
Ideen und Wirken des deutschen politischen Exils in Österreich 1933-1938“.
Lehrbeauftragte am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte (Universität
Augsburg). Seit Oktober 2004 Bearbeiterin des Briefbandes „Im politischen
Abseits (1933-1945)“ der Edition „Theodor Heuss. Stuttgarter Ausgabe“.
16. März - Christa HÄMMERLE
(Wien)
Fragile Beziehungen?
Militär’ und Zivil’ im Zeitalter der Allgemeinen Wehrpflicht
(Österreich-Ungarn, 1868 bis 1914)
Moderation: Edith Saurer
Abstract: In meinem Vortrag wird es vor allem um eine geschlechtergeschichtliche
Analyse von Naht- und Bruchstellen des Verhältnisses zwischen Militär
und Zivilbevölkerung gehen. Dieses Verhältnis blieb in Österreich-Ungarn
auch nach der Einführung der Allgemeinen Wehrpflicht und den damit einhergehenden,
im frühen 20. Jahrhundert kulminierenden gesellschaftlichen Militarisierungsprozessen,
ein äußerst konfliktreiches – nicht nur aufgrund der zunehmenden
nationalistischen Tendenzen gegen das gemeinsame k. (u.) k. Heer, das immer
häufiger auch gegen innenpolitische Unruhen und Streiks eingesetzt wurde.
Wie gestaltete sich, abgesehen davon, etwa das damalige Stellungs- und Einquartierungswesen,
woran die lokalen Gemeinden und die politischen Behörden maßgeblich
mitwirkten? Und wie verhielten sich aktiv dienende Soldaten ihren Selbstzeugnissen
und Militärgerichtsakten zufolge in ´zivilen´ Kontexten, sei
es während eines selten genug gewährten Heimaturlaubes, sei es in
den Wirtshäusern der Garnison? Welchen ´Ruf´, welches Ansehen
hatten sie, wie stand es außerhalb der Kasernen um die Akzeptanz ihres
militärisch-männlichen Habitus, wie um ihre Gewaltbereitschaft? Können
jene Männer, die ´gedient´ haben und damit innerhalb ihres
Altersjahrganges bis zum Ersten Weltkrieg eine Minderheit blieben, dennoch als
Repräsentanten einer mittels der Allgemeinen Wehrpflicht durchgesetzten
Hegemonie militarisierter Männlichkeit gelten?
Zur Person: Dozentin für Neuere Geschichte und Frauen- und Geschlechtergeschichte
am Institut für Geschichte der Universität Wien; Mitbegründerin
und Mitherausgeberin von „L´Homme. Europäische Zeitschrift
für Feministische Geschichtswissenschaft“ sowie der „´Homme
Schriften. Reihe zur Feministischen Geschichtswissenschaft“; Co-Leiterin
der „Sammlung Frauennachlässe“ am Institut für Geschichte.
U. a. zahlreiche Lehrveranstaltungen und Publikationen zu Militär, Krieg
und Geschlecht im 19. und 20. Jahrhundert; 2002/03 Durchführung eines vom
Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung in Österreich
subventionierten Forschungsprojektes zum Thema "Die allgemeine Wehrpflicht
zwischen Akzeptanz und Verweigerung: Militär und Männlichkeit/en in
der Habsburgermonarchie (1868 - 1914/18)" (P 15234).
9. März - Susanne HEHENBERGER/
Paulus RAINER/ Helmut Trnek (Wien)
„Knochenarbeit“. Der Bestand der geistlichen Schatzkammer in Wien
in wissenschaftlicher Bearbeitung (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Der Vortrag berichtet
über ein seit März 2004 im Kunsthistorischen Museum laufendes, durch
den Jubiläumsfonds der Nationalbank finanziertes Projekt, dessen Ziel es
ist, den Gesamtbestand an Reliquiaren und liturgischem Gerät in der Wiener
Geistlichen Schatzkammer wissenschaftlich aufzuarbeiten. Dabei werden Stilkritik,
Ikonographie und kunsthandwerkliche Analyse durch Fragen nach Provenienz, Gebrauch
und kultureller Bedeutung der betreffenden Objekte ergänzt. Durch eine
katalogmäßige Erfassung und disziplinübergreifende Bearbeitung
sollen so im Sinne von Grundlagenforschung die Voraussetzungen für weiterführende
historische und kunsthistorische Untersuchungen bereitgestellt werden.
Zu den Personen: Susanne Hehenberger, geb. 1974, studierte Geschichte
und Politikwissenschaft in Wien und Trier. 2001-2003 DOC-Stipendiatin der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften. 2003 promoviert. Universitätslektorin und
Mitarbeiterin am Projekt Geistliche Schatzkammer in Wien. Forschungsschwerpunkte:
Sexualitäts-, Kriminalitäts-, Kultur- und Geschlechtergeschichte in
der Frühen Neuzeit.
Paulus Rainer, geb. 1972, studierte Kunstgeschichte in Innsbruck und Wien; 1998-2004
als wissenschaftlicher Mitarbeiter im MAK - Österreichisches Museum für
angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien tätig. Mitarbeiter am Projekt
Geistliche Schatzkammer in Wien. Forschungsschwerpunkte: neuzeitliche Ornamentik,
Kunstgewerbe / angewandte Kunst.
Helmut Trnek, geb. 1942, studierte Kunstgeschichte, Klassische Archäologie
und Geschichte an der Uni Wien, Promotion 1974; 1970-76 an der Österreichischen
Galerie sowie der Bundeskunstförderung tätig. Seit 1976 Kustos an
der Sammlung für Plastik und Kunstgewerbe (heute: Kunstkammer) sowie der
Schatzkammer, 2002 Ernennung zum Direktor. Forschungsschwerpunkte: Kunst des
Mittelalters, sowie Untersuchungen zum geistesgeschichtlich fundierten Wandel
der höfischen Sammeltätigkeit anhand des habsburgischen Inventarbestands
unter besonderer Berücksichtigung der Exotica.
6. April – Ernst LANGTHALER
(Wien)
Zweierlei Agrarwende: Bäuerliche Gesellschaft in einer Gebirgs- und einer
Flachlandregion 1880-2000
Moderation: Ernst Brückmüller
Abtract: Der Vortrag behandelt
die „große Transformation“ österreichischer Agrargesellschaften
im 20. Jahrhundert im Kleinen, am Beispiel zweier natur- und sozialräumlich
unterschiedlicher Regionen in den niederösterreichischen Voralpen und im
niederösterreichischem Flach- und Hügelland. Ein mikrohistorischer
Ansatz leitet die qualitative und quantitative Interpretation mündlicher,
schriftlicher und bildlicher Quellen an. Agrargesellschaftliche Transformationen
allein durch äußere Bedingungen erklären und verstehen zu wollen,
greift zu kurz: denn die „Agrarmodernisierung“ des 20. Jahrhunderts
scheint auch durch die inneren Bedingungen regionaler Agrargesellschaften beeinflusst.
Neben den natur- und sozialräumlichen Strukturen in den Regionen haben
auch die alltäglichen Praktiken regionaler Akteure Einfluss darauf, welche
Traditionen und Innovationen vor Ort wirksam werden – und welche nicht.
Im regionalen Vergleich werden, trotz mancher Gemeinsamkeiten, zwei unterschiedliche
Wege der „Agrarwende“ im 20. Jahrhundert – die Differenzierung
zwischen ackerloser Viehwirtschaft („Hörndlbauer“) und viehloser
Ackerwirtschaft („Körndlbauer“) – erkennbar.
Zur Person: Diplom-
und Doktoratsstudium Geschichte und Fächerkombination an der Universität
Wien, Graduiertenkolleg „Historische Anthropologie“, 1999-2002 Mitarbeit
an diversen Forschungsprojekten (u.a. FWF, Historikerkommission der Republik
Österreich, Forschungsschwerpunkt „Kulturwissenschaften/Cultural
Studies“), seit 2002 Mitarbeiter am Ludwig Boltzmann Institut für
Geschichte des ländlichen Raumes, Lehrbeauftragter an der Universität
Wien und an der Universität für Bodenkultur Wien.
13. April – Birgit KLEIN
(Duisburg)
Tradition und Innovation: Jüdische Erbinnen in der Frühen Neuzeit
(in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Barbara Staudinger
Abstract: Das jüdische
Erb- und Ehegüterrecht beruht auf antiken Grundlagen, die das männliche
Geschlecht begünstigen. Im Laufe der Jahrhunderte kollidierten indes die
antiken Normen zunehmend mit der sozialen Wirklichkeit. Da die Normen aufgrund
jüdischer Rechtsprinzipien nicht verändert werden konnten, suchte
man diese durch Verträge zu unterlaufen, die den Vermögenstransfer
zwischen den Generationen und Geschlechtern den neuen Erfordernissen entsprechend
regelten. In der Transferpraxis spiegeln sich die wandlungsfähigen Vorstellungen
über Beziehungen und Rollen von Mann und Frau sowie Jung und Alt wider.
Zur Person: Dr. phil.,
Studium der Judaistik, Ev. Theologie und Klassischen Philologie in Heidelberg,
Jerusalem, Bonn, Düsseldorf und Duisburg. Wiss. Mitarbeiterin 1993-1996
am Institut für Judaistik, Berlin, 1996-1998 im Fach Jüdische Studien,
Duisburg, 1998-2001 im deutsch-israelischen DFG-Projekt "Germania Judaica
IV". 2001-2004 Lise-Meitner-Habilitationsstipendiatin des Landes Nordrhein-Westfalen
mit einem Projekt zum jüdischen Ehegüterrecht in der Vormoderne.
20. April – Walter
POHL (Wien)
Ursprungserzählungen und Gegenbilder: ‚germanisches’ und ‚archaisches’
Frühmittelalter
Moderation: Karl Brunner
Abstract: Das dunkle‘
Frühmittelalter hat in der Moderne vielerlei ideologische Bedeutungen angenommen,
denen jeweils historiographische Meistererzählungen entsprechen. Bis Mitte
des 20. Jahrhunderts wurde nach ethnischen oder staatlichen, ständischen
oder kirchlichen Ursprüngen gesucht, die Identität stifteten und in
denen die folgende Entwicklung bereits angelegt war. Heute geht es eher um die
Frage nach der Entwicklung der westlichen Zivilisation insgesamt, für die
das Frühmittelalter gleichsam den Urzustand markiert, aus dem Schriftlichkeit
und Staatlichkeit, Wirtschaftsaufschwung und Zivilisationsprozess erst langsam
hervortraten. Das frühe Mittelalter dient dabei als archaisches Gegenbild,
dessen Urtümlichkeit in den zeitgenössischen Sozial- und Kulturwissenschaften
häufig überzeichnet wird. In der Mediävistik werden verbreitet
aus ethnologischen Vergleichsbeispielen Paradigmen für ein archaisch verstandenes
Mittelalter abgeleitet. Der Vortrag wirft die methodische Frage nach dem Erkenntniswert
dieser Meistererzählung vom ‚archaischen‘ Frühmittelalter
auf.
Zur Person: Univ.Doz.Dr.
Walter Pohl ist Direktor des Instituts für Mittelalterforschung der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften und lehrt mittelalterliche Geschichte an der Universität
Wien. Er ist wirkliches Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
und Wittgenstein-Preisträger 2004. Bücher u.a.: „Die Awaren“
(1988), „Die Germanen“ (2000), „Werkstätte der Erinnerung
– Montecassino und die langobardische Vergangenheit“ (2001), „Die
Völkerwanderung“ (2002).
27. April - Georg CAVALLAR
(Wien)
Die Diskussion(en) über das Fremdenrecht in der Naturrechtstradition der
Frühen Neuzeit
Moderation: August Reinisch
Abstract: Seit Francisco de
Vitorias (1486-1546) berühmter Vorlesung De Indis über die Rechtmäßigkeit
der spanischen conquista gibt es in der Naturrechtstradition bis in das 19.
Jhdt. eine mehr oder weniger ununterbrochene Diskussion über das, was heute
als Fremdenrecht bezeichnet wird. Vitoria hatte zugunsten der Spanier nur zwei
Argumente als diskussionswürdig erachtet: erstens die - modern formuliert
- humanitäre Intervention und zweitens die rechtliche Erlaubnis, als Individuum
fremde Länder zu besuchen, mit den dortigen Einwohnern Beziehungen aufzunehmen
und sich niederzulassen (das Reise- und Gastrecht bzw. ius peregrinandi). Bereits
seine Schüler, noch mehr aber protestantische Autoren nach Vitoria setzten
sich kritisch mit diesen Argumenten auseinander; es entstand eine fruchtbare
Diskussion, die neben der Frage nach der Rechtmäßigkeit der europäischen
Expansion auch politische, kulturelle und ökonomische Aspekte mit einschloß.
Zur Person: Univ.-Doz.
Dr. Georg Cavallar unterrichtet Geschichte, Englisch, Psychologie und Philosophie
am Wiener Wasagymnasium. Habilitation über das Fremdenrecht und die Idee
einer internationalen Gemeinschaft im Natur- und Völkerrecht der Frühen
Neuzeit am Institut für Geschichte der Universität Wien 2003, Lehrauftrag
im Rahmen der Europastudien Wien.
Forschungsschwerpunkte: Kants politische Philosophie, Geschichte des Völkerrechts.
4. Mai – Patrick GEARY
(Los Angeles)
Carolingian Models of Perfection
Moderation: Karl Brunner
The only contemporary, systematic
account of the Carolingian Court is the De Ordinatione Palatii written by Hincmar
of Reims in 853, almost forty years after the death of the ruler whose court
Hincmar pretends to describe. The treatise has long been recognized as less
an accurate description of the actual organization, personnel, and functioning
of the Carolingian court (in any case, Hincmar was only eight years old when
Charlemagne died and had no personal experience of the court, although he was
deeply involved in court politics during the reigns of Louis the Pious and Charles
the Bald) than an ideologically charged imaginative evocation of an ideal court.
Thus the De Ordinatione Palatii is one of a number of Carolingian texts that,
while pretending to describe central institutions of imperial governance and
culture, are a complicated mixture of description, learned discourse, imaginative
construction, and meditation. I propose to examine in my paper how Carolingians
imagined ideal institutions by comparing this meditation on an ideal royal court
with the equally complicated "Saint-Gall Plan," a diagram for the
ideal Carolingian monastery, and the "Capitulary de villis," a fiscal
text that describes the ideal royal estate. My intention is less to separate
the "real" from the "fictional" in these very different
documents than to suggest characteristic ways that Carolingian intellectuals
within and on the periphery of court power and culture meditated on and represented
complex human institutions.
Die Wahl des Themas erfolgte auch im Hinblick auf kulturgeschichtliche Ansätze,
die in einem in diesem Jahr anlaufenden interdisziplinären und internationalen
Projekt, an dem auch Barbara Schedl und Karl Brunner mitarbeiten, zur virtuellen
Realisierung des St. Galler Klosterplanes ausprobiert werden.
Zur Person: Patrick
Geary studied medieval history and philosophy at the Université catholique
de Louvain in Belgium and received his doctorate in medieval studies from Yale
University. He has held professorships at Princeton University, the University
of Florida, the University of Notre Dame, and the University of California,
Los Angeles where he is professor of medieval history and has served as visiting
professor at the University of Vienna, the Ecole des Hautes Etudes en Sciences
Sociales, and the Central European University. His research focuses on the social
and cultural history of Western Europe in the early and central Middle Ages.
His publications include Furta Sacra: Thefts of Relics in the Central Middle
Ages Princeton, Princeton University Press, 1978. Revised edition 1991.; Aristocracy
in Provence: The Rhone Basin at the Dawn of the Carolingian Age.
University of Pennsylvania Press, Philadelphia; Anton Hiersemann Verlag, Stuttgart,
1985; Before France and Germany: The Creation and Transformation of the Merovingian
World, Oxford University Press, New York, 1988; Living with the Dead in the
Middle Ages, Ithaca, Cornell University Press, 1994. Phantoms of Remembrance:
Memory and Oblivion at the end of the first Millennium, Princeton University
Press, 1994;The Myth of Nations: The Medieval Origins of Europe. Princeton:
Princeton University Press, 2002; and with Gerd Althoff and Johannes Fried,
Medieval Concepts of the Past: Ritual, Memory, Historiography, Cambridge, Cambridge
University Press, 2002. Women at the Beginning: Origin Myths from the Amazons
to the Virgin Mary will appear with Princeton University Press in 2005.
11. Mai - Garrett SHELDON
(University of Virginia, Wise)
The Political Philosophies of the Early American Republic: Jefferson and Madison
Moderation: Georg Cavallar
Abstract: Historical scholarship
in the past 30 years in the United States has identified three primary theoretical
influences on the founding ideology of the American republic: (1) British (Lockean)
liberalism; (2) Classical Republicanism; and (3) Protestant (Calvinist) Christianity.
Two of the leading Founders of the American Revolution and republic, Thomas
Jefferson, the author of the Declaration of Independence, and James Madison,
the “Father” of the U.S. Constitution, combine these aspects of
Early American political thought in differing ways that influence subsequent
American Political Theory into the 21st century.
Zur Person: Garrett
Ward Sheldon is The John Morton Beaty Professor of Political Science at the
University of Virginia College at Wise in the USA. He is author of “The
Political Philosophy of Thomas Jefferson” (Johns Hopkins University Press
1991), “The Political Philosophy of James Madison” (Johns Hopkins
University Press 2001), “The History of Political Theory” (Peter
Lang 1988), “Religion and Politics” (Lang 1990) and editor of “Encyclopedia
of Political Thought”. He has lectured at Oxford University, Moscow University,
Princeton, Rutgers, and Regent University.
18. Mai – Daniela HACKE
(Zürich)
Sprechen über konfessionelle Differenzen. Zur politischen Kommunikation
in der Eidgenossenschaft in der Frühen Neuzeit (in Kooperation mit dem
IEFN)
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Wie wurde in der
Eidgenossenschaft des 17. Jahrhunderts konfessioneller Dissens in einen politischen
Konsens überführt? Dieser Frage geht der Vortrag anhand ausgewählter
Konflikte um die liturgische Ausstattung und Nutzung von Kirchenräumen
(die in einigen Gemeinden der Grafschaft Baden beiden Konfessionen für
ihre religiöse Praxis offen standen) und konfessionellen Polemiken nach.
Der Vortrag akzentuiert die soziale Praxis kommunikativen und verständigungsorientierten
Handelns, die sich bei den Mehrebenenkonflikten aus dem aktiv genutzten Auslegungsspielraum
des Zweiten Landfriedens von 1531 ergab.
Zur Person: Studium
in Hamburg und Bologna; 1997 Promotion in Cambridge (Prof. Peter Burke), Ehekonflikte
im Venedig der FNZ, gleichzeitig Kollegmitglied des DFG-Graduiertenkollegs:
Die Renaissance in Italien und ihre europäische Rezeption (Bonn);
1998 Postdoktorandin in dem interdisziplinären und kulturwissenschaftlich
orientierten DFG-Graduiertenkolleg "Geschlechterdifferenz & Literatur"
der Ludwig-Maximilians-Universität München; 1999-2002 Wiss. Assistentin
bei Prof. Dr. Bernd Roeck (Zürich); seit April 2002 Projekt des Schweizerischen
Nationalfonds (SNF) (Arbeitstitel): Konfession, Politik, Kultur: Konfessionskonflikte
und politisches Handeln in der Eidgenossenschaft: Die Grafschaft Baden (ca.
1580-1680)
25. Mai 2005 –Herbert
Matis / Dana Štefanová (Wien)
Adelige Wirtschaftsaktivitäten und Aufklärung. Das Beispiel der sog.
„Schwarzenberg Bank (1787-1813)“
Moderation: Andreas Resch
Abstract: Die Bedeutung der
sog. „Schwarzenberg Bank“ („k.k. Wiener oktroyierten Commerzial-,
Leih- und Wechselbank“) für die Unternehmens- und Bankengeschichte
wurde bisher kaum untersucht. Im Mittelpunkt des Vortrags steht in mikrohistorischer
Perspektive der Geschichte eines Unternehmens die Frage nach den Entscheidungsmechanismen
über die Geschäftsstrategien dieser Bankinstitution. Dies wird nicht
nur in Bezug auf Entscheidungsbefugnisse bei Bankeigentümern und Beschäftigten
untersucht, sondern auch im Hinblick auf die bevorzugte Art von Finanzgeschäften
oder die Wahl von Klienten. Ein besonderes Augenmerk wird – aufgrund der
Eigentumsstruktur der Bank - auf die Motivation der Besitzer, eine Bankinstitution
zu gründen, gerichtet.
Zur Person: Herbert Matis geboren 1941, 1965 Doktorat, Universität
Wien, seit 1972 Ordinarius an der Wirtschaftsuniversität Wien. 1997-2000
Vizepräsident des FWF und Abteilungspräsident für die Geistes-
und Sozialwissenschaften. 1994 Geschäftsführer d. Kardinal Innitzer
Studienfonds, 1985-2003 Leiter d. Ludwig Boltzmann Instituts für wirtschaftshistorische
Prozeßanalyse, seit 1998 Dozent am Internet MBA-Programm Educatis, Schweiz,
1988 Visiting Bye Fellow Robinson College, Cambr. UK, 2001 Senior Schumpeter
Fellow, Center for European Studies, Harvard University, Cambridge MA. 2002
Advisory Board Webster University, Vienna branch ab 1. 10. 2003 Vizepräsident
der Österr. Akademie der Wissenschaften, 2004 Vorstandsmitglied der Ludwig
Boltzmann Gesellschaft. 1988 korr. Mitglied d. Österr. Akademie d. Wiss.,
1995 wirkl. Mitglied der Österr. Akad. d. Wiss., corr. Fellow Royal Historical
Society, UK., ord. Mitgl. d. Academia Scientiarum et Artium Europeae.
Zur Person: Dana
Stefanova geboren 1971, Studium der Geschichte und Germanistik (Univerzita
J. E. Purkyne, Ústí nad Labem, Tschechischen Republik). 1995-1999
Doktoratsstudium in Wien am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
im Rahmen eines Bertha von Suttner –Stipendiums des Österreichischen
Akademischen Austauschdienstes (ÖAD) zum Thema: „„Erbschaftspraxis
und Handlungsspielräume der Untertanen in einer gutsherrlichen Gesellschaft.
Die Herrschaft Frýdlant in Nordböhmen, 1558-1750”. Mitarbeiterin
des FWF-Projektes "Schwarzenberg Bank, 1787-1830" (Projektleiter O.Prof.
H. Matis, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Wirtschaftsuniversität
Wien).Zahlreiche Forschungsaufenthalte im Ausland, u. a. an der University of
Cambridge. Juli 2003-September 2004 Academic Visitor am Department of Economic
History, London School of Economics and Political Science. Seit 2002 Univ.Ass.
am Institut für Geschichte der Universität Wien.
1. Juni - Stefan EMINGER (St. Pölten)
Gewerbepolitik und gewerbliche Organisationen in Österreich 1929-1938
Moderation: Karl Haas
Abstract: „Das Gewerbe“
galt im Österreich der Zwischenkriegszeit als Kernschicht der Christlichsozialen
Partei und später des diktatorischen Regimes Dollfuss-Schuschnigg. Seinen
Repräsentanten wurde vielfach pauschal eine rückwärtsgewandte,
„antimodernistische“ Ideologie unterstellt, was die Gewerbetreibenden
dann auch zu Hauptadressaten der „Ständeideologie“ des Regierungssystems
1934-1938 habe werden lassen. Neuere Forschungen zeichnen jedoch ein differenzierteres
Bild. Sie verweisen auf die Inhomogenität „des Gewerbes“ und
lenken den Blick auf die Fraktionskämpfe zwischen den verschiedenen Gewerbegruppen.
Verbandspolitik sollte stets auch als Distinktionsstrategie begriffen werden;
als permanentes Bemühen zur Schaffung oder Aufrechterhaltung eines Modells
des „richtigen Gewerbetreibenden“ mit hegemonialem Anspruch innerhalb
dieser Berufsgruppe. Neben einer Strukturierung der verschiedenen Gewerbegruppen
im Österreich der Zwischenkriegszeit wird es auch um Fragen der unterschiedlichen
Formen der Interessenvermittlung, der verschiedenen ordnungspolitischen Vorstellungen
und der politischen Wanderbewegungen im Gewerbe zur Zeit der Weltwirtschaftskrise
gehen. Das wechselvolle Verhältnis von Gewerbetreibenden zum Nationalsozialismus
vor und nach dem NS-Parteiverbot wird ebenso Thema sein wie eine Einschätzung
der vom Dollfuß-Schuschnigg-Regime groß propagierten Mittelstandspolitik.
Zur Person: Stefan Eminger,
Mag. phil., Dr. phil., geb. 1967, Diplom- und Doktoratsstudium der Geschichte
an der Univ. Wien, seit 2000 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Niederösterreichischen
Landesarchiv und im Niederösterreichischen Institut für Landeskunde
in St. Pölten, Lehraufträge am Institut für Zeitgeschichte der
Univ. Wien. Forschungsschwerpunkte: Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Ersten
Republik Österreich, Nationalsozialismus, Regionalgeschichte, Zwangsarbeit
in „Niederdonau“.
8. Juni – Birgit HITTENBERGER (Wien)
Paraguay: Das „Archivo del Terror“ und dessen Rolle in der Aufarbeitungsdebatte
über das Stroessner-Regime (1954-89)
Moderation: Teresa Frisch-Soto
Abstract: Nur drei Jahre nach
dem Sturz des letzten paraguayischen Diktators Alfredo Stroessner, der damals
die noch längste Diktatur des Kontinents innehatte, fand man das Archiv
der politischen Polizei des gestürzten Regimes, das inzwischen als „Archiv
des Schreckens“ bekannt ist. Dieses Aktenmaterial, das unter anderem Menschenrechtsverbrechen
und die Repressionsmaschinerie des Regimes dokumentiert, brachte einen neuen
Wind in die Aufarbeitungsdebatte Paraguays und löste eine heftige Diskussion
über begangene Verbrechen und deren Aufklärung aus. Inzwischen, zwölf
Jahre nach dessen Entdeckung, konnte unter anderem durch dieses Archiv, das
öffentlich zugänglich gemacht wurde, einerseits zwar Aufarbeitungsarbeit
geleistet werden, andererseits wurden aber auch viele Hoffnungen enttäuscht.
Der Vortrag gibt kurz einen Einblick über den Inhalt des „Archiv
des Schreckens“ und greift die Frage auf, welche Aufarbeitungsfunktion
es leistet bzw. nicht leistet.
Zur Person: Studium
der Geschichte und Spanisch an Universität Wien (1997-2003), insgesamt
fünfmonatiger Studienaufenthalt (Universidad Nacional de Asunción)
und Forschung für Dissertation in Paraguay (2003 und 2005), Mitarbeit an
einem Projekt des Boltzmann Instituts für Politik und zwischenmenschliche
Beziehungen (2004)
15. Juni – Gerti LANGER-OSTRAWSKY
(Wien/St. Pölten) (in Kooperation mit dem IEFN)
Von "ehelicher lieb und treu" und der "helffte des Vermögens".
Ehegüterrecht und Heiratsstrategien im Erzherzogtum Österreich unter
der Enns im 17. und 18. Jahrhundert (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Andrea Griesebner
Abstract: Der Vortrag stellt
Heiratsverträge als Quellengattung an der Schnittstelle zwischen Rechtsgeschichte
und Wirtschafts-, Sozial- und Geschlechtergeschichte dar. Es geht in der Analyse
um Rechtsnormen - Heiratspraxis - Macht und Beziehungen in der Ehe. Zentrale
Punkte dabei: Veränderungen der Rechtsnormen vom "alten Landsbrauch"
bis zu den Kodifikationen des 18. Jahrhunderts; Praxis des zentralen Arrangements
der Eheschließung; Ehefrauen und Ehemänner: Herkunft-Vermögen-Macht;
"eheliche lieb und treu" - allgemeine Verpflichtung oder Vermögens-Substitut?
Zur Person: Studium der Wirtschafts- und Sozialgeschichte (Univ. Wien),
Absolventin des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung;
Lehrbeauftragte am Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität
Wien. Seit 1983 Archivarin im NÖ Landesarchiv .Schwerpunkte Geschlechter/-Rechtsgeschichte,
NS- Euthanasie. Öffentlichkeitsarbeit. 1998 Ausstellung "spurensuche".
frauengeschichte im archiv im NÖLA; 2004 Ausstellung "Der rote Strich
des Zensors". Textbücher, Libretti und Kabarett-Texte 1850-1926 im
NÖLA.
22. Juni - Helmut REIMITZ (Wien)
Francos partes Germaniae
vel Galliae non solum potestati, sed etiam suo nomini subiugasse. Zur Vergegenwärtigung
von Raum und Konstruktion von Identität in der Karolingerzeit
Moderation: Walter Pohl
Abstract: Der Raum fränkischer
Herrschaft, seine Zentren und seine Entwicklung in der Geschichte sind in der
Historiographie der Karolingerzeit häufig recht unterschiedlich beschrieben.
Lange Zeit wurde das in der modernen Forschung als Ausdruck der Schwierigkeiten
frühmittelalterlicher Autoren gesehen, sich „richtig“ im geographischen
Raum zu orientieren und vielfach mit dem Verlust geographischer Kenntnisse,
besonders kartographischer Techniken der Raumauffassung im frühen Mittelalter,
verbunden. Doch haben neuere Arbeiten darauf aufmerksam machen können,
daß eine solche Abstraktion räumlicher Verhältnisse weder für
Antike und Spätantike noch für das frühe Mittelalter vorauszusetzen
sind. Ebenso wie die Geographie des römischen Imperiums waren auch die
darauf aufbauenden geographischen Ordnungen des frühen Mittelalters vor
allem von den jeweiligen politischen und sozialen Machtverhältnissen strukturiert.
Nach dem Untergang des römischen Reichs im Westen änderten sich daher
weniger die kognitiven Grundlagen der Raumwahrnehmung, sondern vor allem die
politischen und sozialen Relationen, die sie strukturierten. Nicht der Verlust
geographischer Kenntnisse wird durch die aus dem frühen Mittelalter überlieferten
Texte dokumentiert, sondern verschiedene und besonders in der karolingischen
Historiographie häufig konkurrierende – Versuche, eine sich ständig
wandelnde Welt zu begreifen und zu ordnen.
Zur Person: Studium
der Geschichte und Publizistik- und Kommunikationswissenschaften and der Universtität
Wien, Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
(Staatsprüfung 1998), Promotion 1999, seit 1999 wissenschaftlicher Mitarbeiter
am Insitut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften, seit dem Sommersemester 2000 Lektor am Institut für
Geschichte der Universität Wien. Grenze und Differenz im frühen Mittelalter
(hg. mit Walter Pohl), 2000; d) (Hrsgg.), The Transformation of Frontiers from
Late Antiquity to the Carolingians (Hg. mitWalter Pohl und Ian N. Wood) 2000;
The Construction of Communities in the Early Middle Ages – Texts, Resources
and Artefacts (Hg. mit R. Corradini u. M. Diesenberger) 2002.
29. Juni 2005 – Peter
HASLINGER (Wien/München)
Die Grenzen des Eigenen und des Fremden: Debatten über das nationale Territorium
in Ungarn, den böhmischen Ländern und der Tschechoslowakei 1880-1938
Moderation: Peter Urbanitsch
Abstract: Im Vortrag sollen
Territorialvorstellungen in den tschechischen und ungarischen politischen Diskursen
für die Zeit der späten Habsburgermonarchie und für die Zwischenkriegszeit
vergleichend bilanziert werden. Dabei wird nicht nur ein Überblick über
die Argumente geboten, mit denen Wissenschaft, Publizistik und Politik vor dem
Ersten Weltkrieg das historische Ungarn und die böhmische Länder als
eigennationale Territorien begriffen. Beleuchtet wird auch die Frage der sehr
unterschiedlichen Bezugnahme auf die anderssprachige Bevölkerung innerhalb
der historischen Grenzen und die geopolitische Selbstverortung innerhalb und
jenseits Österreich-Ungarns. Im Umfeld der Friedensverhandlungen 1919/20
wird dann die argumentativ-politische „Herstellung“ des eigenen
nationalstaatlichen Territoriums analysiert, vor allem am Beispiel der Argumentation
der tschechoslowakischen Delegation zur Grenzziehung gegenüber Österreich
und Ungarn. Abschließend sollen die Folgewirkungen verdeutlicht werden,
die Revolutionen, Staatengründungen und Grenzveränderungen auf die
Debatten und die Politik in Ungarn und der Tschechoslowakei nach 1920 ausübten.
Im Zentrum steht hierbei die slowakische Frage. Der tschechoslowakischen Führung
gelang es nicht, einen tschechoslowakischen nationalen Narrativ zu konzipieren
und durchzusetzen, und verschiedene publizistische Kreise wirkten sogar in Richtung
einer „Orientalisierung“ der Slowakei. In Ungarn hingegen entfaltete
sich eine rege Publizistik und eine spezifische Festkultur, welche für
die Rückgliederung der Slowakei und eine Wiederherstellung der historischen
Grenzen eintraten – mit Argumenten, die unter dem Schlagwort „Frieden
von Trianon“ zum Teil bis heute präsent geblieben sind.
Zur Person: Studium in Wien und Budapest, Sommeruniversitäten in
Prag und Debrecen, visiting scholar an der University of California Berkeley
und der Stanford University. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für
Osteuropäische Geschichte der Universität Wien (1990-1995), an der
Universität Freiburg i. Br. (1997-2001) und am Collegium Carolinum, Forschungsstelle
für die böhmischen Länder in München (seit 2001), 1996/97
Leiter der Außenstelle Budapest des Österreichischen Ost- und Südosteuropa-Instituts.
Forschungsschwerpunkte: Geschichte der Habsburgermonarchie und Ostmittel- und
Südosteuropas im 19. und 20. Jahrhundert, Nationalismus-, Regionalismus-
und Ethnizitätsforschung, Kommunikations- und Diskursgeschichte; Thema
der Habilitationsschrift: Imagined territories – Nation und Territorium
im tschechischen politischen Diskurs 1889-1938.
Organisation und Planung:
Ursula Prutsch
Weitere Veranstaltungen
Vorträge der vergangenen Semester
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 04/05 |
|---|
6. Oktober 2004 – Berthold
MOLDEN (Wien)
„Guatemala zwischen Wahrheit und Kommission: Die Erforschung der Bürgerkriegsgeschichte
als neuer Schauplatz alter Konflikte“
Berthold UNFRIED (Wien) „Historikerkommissionen und 'Wahrheitskommissionen’
seit den 1990er Jahren“
Moderation: Martina Kaller-Dietrich
Abstract: 1996 ging in Guatemala
der opferreiche innere Krieg zu Ende, seit 1999 liegen die Berichte zweier sogenannter
Wahrheitskommissionen vor, und doch gibt es weiterhin keine konsensuelle Einschätzung
dieser Periode. Wer ist nach Bürgerkriegen oder Diktaturen berufen, die
Vorgeschichte des Konfliktes zu erzählen und den Hergang der Verbrechen
zu analysieren? Dieses Problem beschäftigt seit den Erfahrungen Südafrikas,
Argentiniens und anderer Transitionsländer auch die angewandte Geschichtswissenschaft.
Angesichts der kniffligen Frage „Was ist Wahrheit?“ begibt sich
die historische Forschung auf das schlüpfrige Terrain emotionsgeladener
Nachkriegspolitik. Aus den Erkenntnissen und Analysen dieser Untersuchungen
werden Argumente im Verteilungskampf der gesellschaftlichen Neuordnung oder
gerichtlicher Initiativen gegen mutmaßliche Kriegsverbrecher. Guatemala
als Fallbeispiel eines historiographischen Grenzganges zwischen Wissenschaft
und Politik.
Zur Person: geboren 1974, studierte Geschichte an der Universität
Wien. Mitarbeiter der Österreichischen Historikerkommission. 2001-2003
DOC-Stipendiat der Akademie der Wissenschaften, mit einer Arbeit zur Geschichtsdebatte
der guatemaltekischen Nachkriegsgesellschaft. Forschungsschwerpunkt: Analyse
konkurrierender Geschichtsnarrative.
Berthold UNFRIED:
Abstract: Seit Anfang der 1990er Jahre sind Restitution und Entschädigung
von Vermögensverlusten, welche durch die nationalsozialistische Judenverfolgungspolitik
verursacht wurden, ein in der Öffentlichkeit der USA und Europas präsentes
Thema. Nachdem es sich um Sachverhalte handelt, die ein halbes Jahrhundert zurückliegen,
sind Historikerinnen und Historiker als Experten aufgerufen. Sie geben Expertisen
in Historikerkommissionen, sind als Berater von Regierungen, Organisationen,
Anwälten und Unternehmen in Restitutionsangelegenheiten tätig. Gleichzeitig
ist klar, dass das politische Fragen sind, die historisch argumentiert, aber
politisch entschieden werden. Darin besteht kein großer Unterschied zu
den sogenannten „Wahrheitskommissionen“, die ebenfalls seit den
1990er Jahren und meist nach dem Muster der südafrikanischen „Wahrheitskommission“
(1994-2003) eine eben vergangene Diktaturerfahrung bearbeiten. Diese Entwicklungen
werfen Fragen nach möglichen Gründen der Konjunktur von Historiker-
und Wahrheitskommissionen sowie zu der Rolle von HistorikerInnen und anderen
Experten zwischen dem wissenschaftlichen Ideal nach „Wahrheitserforschung“
– und nicht selten Parteinehmender -Expertise auf.
Zur Person: geb. 1960, Dozent für Sozialgeschichte am Institut
für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der Universität Wien, wissenschaftlicher
Mitarbeiter an Forschungsinstituten in Österreich, Frankreich und der Schweiz,
zuletzt Mitarbeiter der Österreichischen Historikerkommission zur Erforschung
von „Arisierungen“ und Restitution von Unternehmen. Forschungsschwerpunkte
der letzten Jahre zur Kulturgeschichte des Stalinismus, zu Praktiken institutionalisierter
Selbstthematisierung und zu sozialen Rahmen kollektiver Erinnerung; aktuell
zu Vermögensrestitution und Entschädigung im internationalen Vergleich.
13. Oktober 2004 – Peter
RAUSCHER (Wien)
„’Ganze Dörffer voll Juden in Oesterreich.’ Zur Geschichte
der niederösterreichischen Landjuden im 17. Jahrhundert“
(in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: In jüngster
Zeit rückte die Geschichte der Juden in der Frühen Neuzeit verstärkt
in das Interesse der Forschung. Dabei fand das jüdische Leben auf dem Land,
in Dörfern und Kleinstädten, zunehmende Aufmerksamkeit. Früher
als in den meisten anderen Teilen des Alten Reichs entwickelte sich in Österreich
unter der Enns in der 1. Hälfte des 17. Jhs. eine Vielzahl jüdischer
Siedlungen auf dem Land. Auf Basis der aktuellen Ergebnisse des Forschungsprojekts
„Austria Judaica“ am Institut für Geschichte der Juden in Österreich
analysiert der Vortrag die Lebensbedingungen der niederösterreichischen
Landjuden.
Zur Person: Studium der Geschichte und Germanistik in Erlangen, Tübingen,
Passau und Wien. 2001 Dr.phil.; 1999-2002 Mitarbeit am Forschungsprojekt „Die
kaiserlichen Finanzen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts“
(Universität Wien, Institut für Geschichte); seit 2002 Mitarbeit am
Forschungsprojekt „Austria Judaica“ (Institut für Geschichte
der Juden in Österreich); Lektor an der Universität Wien. Forschungen:
Heiliges Römisches Reich, Habsburgermonarchie, Finanz- und Verfassungsgeschichte,
Jüdische Geschichte in der Frühen Neuzeit.
20. Oktober 2004 – Barbara
SCHEDL (Wien)
„Das ehemalige Dominikanerinnenkloster in Tulln. Eine Selbstinszenierung
des Habsburgerkönigs Rudolf I.“
Moderation: Ralph Andraschek-Holzer
Abstract: Die Politik König
Rudolfs I. ist von Historikern und Geschichtsschreibern aller Epochen beurteilt
und gewürdigt worden. Das Wirken des Habsburgers als kunstfördernder
Mäzen, die Frage nach königlichen Bildstiftungen und seine Rolle als
Bauherr wurden bislang für das Herzogtum Österreich kaum untersucht,
obwohl es nicht wenige Baumonumente und Kunstwerke gibt, die in den ehemaligen
babenbergischen Ländern mit Rudolf I. in Verbindung zu bringen sind. Wohl
ist vieles nur mehr fragmentarisch erhalten oder gar zerstört, doch etliche
Bildquellen, Berichte von Zeitgenossen und archäologische Funde helfen,
ein Bild von der oft postulierten rudolfinischen Bescheidenheit zu vermitteln,
so dass dieser Beitrag eine Zusammenschau wagt. Ausgehend von gewichtigen Maßnahmen,
die der Habsburgerkönig zur Imagebildung seiner Dynastie in Wien setzte,
soll die - fast überdimensionale - königliche Klosterkirche in Tulln
im Mittelpunkt des Vortrages stehen. Die innovative Raumstruktur mit einer einzigartigen
Ausstattung hatte für die architekturhistorische Entwicklung in Österreich
Signalwirkung.
Zur Person: Studium der Kunstgeschichte an der Universität Wien,
1995 Promotion, von 1993-2002 Mitarbeiterin an der Österreichischen Akademie
der Wissenschaften, Universitätslektorin an der Universität Wien,
von 2001-2003 wissenschaftliche Mitarbeit an einem EU-Projekt zum Thema „Benedictine
Monastery Plan“ im Rahmen von „Kultur 2000“, seit 2003 Charlotte
Bühler – Habilitationsstipendium (FWF) über „Die ehemaligen
Frauenklöster des Mittelalters in Wien“. Forschungsschwerpunkte:
(Kloster)Architektur des Mittelalters und deren Rekonstruktion mittels neuer
Medien.
27. Oktober 2004 - Waltraud
BAYER (Wien)
„’Eine Traktorenkolonne für einen Rembrandt’:Stalins
Exporte verstaatlichter Kunstsammlungen bis 1938“
Moderation: Michael Wladika
Abstract: In der Zwischenkriegszeit
sorgten die Dutzende „Russenauktionen“ in Westeuropa und den USA
für Furore. Die sowjetische Regierung veräußerte, unter Hinweis
auf die katastrophale Hungersnot im Land, wertvollstes Kulturgut aus vormals
privaten Sammlungen, primär westliche bildende Kunst (Rembrandt, Rubens,
van Dyck, van Eyck, Velasquez, Tizian, Cranach, Burgkmair, Van Gogh, Cézanne,
Renoir), französische angewandte Kunst, Ikonen und Kultgegenstände
und Bibliotheken. Vieles stammte aus den Zarenschlössern in und um St.
Petersburg sowie aus adelig-großbürgerlichem Besitz. Gerichtsprozesse
russischer Emigranten und Beschlagnahmen von Auktionsware waren die Folge. Mit
dem Zweiten Weltkrieg gerieten die einst kontroversen Verkäufe in Vergessenheit.
Im Zuge von Perestrojka und Glasnost einerseits und der Aufarbeitung der „arisierten“
Kunst (viele Kunden der „Russenauktionen“ waren Juden, deren Bestände
u. a. in den Sammlungen Hitlers und Göring landeten) setzte international
eine gezielte fachliche Aufarbeitung ein. Die jahrzehntelang tabuisierten Verkäufe
werden vom offiziellen Russland heute zutiefst bedauert; Museen, staatliche
Stellen und private Sponsoren engagieren sich nun in der Rückführung
des nationalen Kulturguts, das namentlich in amerikanischen und westeuropäischen
Museen Eingang (Louvre, British Museum, Stiftung Gulbenkian, Getty Museum, National
Gallery of Art, Hillwood). Zuletzt geriet der Kauf der New Yorker Sammlung Forbes
(Produktion Fabergé) durch einen Moskauer Oligarchen in die Schlagzeilen.
Zur Person: Historikerin, seit 1991 Forschungsprojekte am Institut für
Geschichte, Graz, zu Themen der Kultur- und der Sozialgeschichte Russlands und
der Sowjetunion (1850-1991), von 2001-2004 Hertha-Firnberg-Stelle (FWF) zum
Thema private Kunstsammlungen in Russland und der UdSSR, Museen, inoffizieller
Kunstmarkt. Buchpublikationen: Die Moskauer Medici: Der russische Bürger
als Mäzen, 1850-1917 (Böhlau: Wien, Köln 1996); sowie, zuletzt,
als Co-Autorin und Hg., Verkaufte Kultur. Die sowjetischen Kunst- und Antiquitätenexporte,
1919-38 (Peter Lang: Frankfurt u. a. 2001)
3. November 2004 – Robert
Franz REBITSCH (Innsbruck)
„Rupert von der Pfalz – ein deutscher Fürstensohn im Dienst
der Stuarts“
Moderation: Martina Fuchs
Abstract: Ruprecht (Rupert
1619-1682), Herzog von Cumberland und Pfalzgraf bei Rhein: Prinz Rupert war
der Sohn des pfälzischen Kürfürsten Friedrich V. (der „Winterkönig“)
und der Elisabeth Stuart, einer Schwester des englischen König Karls I.
Nach der verlorenen Schlacht am Weißen Berg in Holland erzogen, musste
er einige Jahre in Linz in kaiserlicher Haft verbringen. Während des Englischen
Bürgerkrieges kämpfte er für seinen Onkel und wurde ein berühmter
Reitergeneral und Oberbefehlshaber der royalistischen Streitkräfte. Nach
der Niederlage Karls I. kehrte er auf den Kontinent zurück und übernahm
den Rest der royalistischen Flotte, die von Cromwells Navy quer durch den Atlantik
gehetzt wurde. 1659/60 war der Pfalzgraf für Kaiser Leopold I. als Kommandant
im 1. Nordischen Krieg tätig. Nach der Restauration des Königtums
1660 erhielt er im zweiten und dritten Englisch-Niederländischen Krieg
wichtige Kommandoposten und kämpfte gegen den berühmten Niederländer
de Ruyter. Aber nicht nur als Militär stach Rupert hervor, er betätigte
sich auch am englischen Überseehandel (Hudson Bay Company) und fiel als
Erfinder und Künstler auf. Als solcher wurde er in die Royal Society aufgenommen.
Der Vortrag soll die Person Ruperts und auch seine Tätigkeiten für
die Habsburger näher beleuchten.
Zur Person: Lehrbeauftragter am Institut für Geschichte: geb. 1968
in Brixlegg/Tirol; Studium der Geschichte und Philosophie/Pädagogik/Psychologie
an der Universität Innsbruck; Mag. phil. 1996; Dr. phil. 2000; Dissertation
`Tirol, Karl V. und der Fürstenaufstand von 1552" (publiziert Hamburg
2000); 1998/99: Unterrichtspraktikum. Lehrtätigkeit: Proseminar aus Geschichte
der Neuzeit. Wissenschaftliches Mitglied des Beirats der Innsbrucker Historischen
Studien, Mitglied des Arbeitskreises Militär und Gesellschaft in der frühen
Neuzeit. Theodor-Körner-Preis 2002; Projektbearbeiter an der Universität
Wien; Forschungsschwerpunkte: Konfliktgeschichte des 16. und 17. Jahrhunderts,
Biographien.
10. November 2004 – Theresia
GABRIEL (Eisenstadt)
„Die Esterhazy-Kunstkammer“ (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract: Die Esterházy-Schatzkammer
ist die einzige, noch weitestgehend als Originalensemble aus der 2. Hälfte
des 17. Jahrhunderts erhaltene Schatzkammer Europas. 1921 wurde ein Teil der
Objekte nach Budapest in das Kunstgewerbemuseum gebracht, wo er bis 1945 ausgestellt
war. Dieser Teil der Schatzkammer ist teilweise von den ungarischen Kollegen
aufgearbeitet. Was aber bis dato fehlt, ist eine Gesamtbearbeitung der Schatzkammer
von ihren Wurzeln bis in die Gegenwart. Das vollständig erhaltene räumliche
Ensemble und die umfangreichen schriftlichen Quellen ermöglichen so die
Systematik der Kunstkammer, die Intentionen des Sammlers, die Vorbildwirkung
anderer Kunstkammern zu erörtern und die Esterházy-Schatzkammer
in einen europäischen, zeithistorischen Kontext zu stellen.
Zur Person: 1993-1998 Studium der Kunstgeschichte an der Universität
Wien, 1998 Diplomarbeit „Der Stellenwert der Landschaftsmalerei in der
Esterházyschen Bildergalerie und ihr Einfluss auf die Gestaltung des
englischen Gartens unter Fürst Nikolaus II. Esterházy“; 2004
Postgraduate Lehrgang für Arts and Media am ICCM in Salzburg (Abschluss
Juni 2004); seit 2003 Geschäftsführung der Burg Forchtenstein BetriebsgesmbH
und Leiterin des gesamten Kulturbereiches der Esterházy Betriebe.
17. November 2004 - Friedrich
IDAM (Hallstatt/Wien)
„Gelenkte Entwicklung. Industriearchäologie in Hallstatt“
Moderation: Gerhard Stadler
Abstract: Die Entwicklung
der Bebauung des Marktes Hallstatt im UNESCO Welterbegebiet Hallstatt –
Dachstein/Salzkammergut bildet den inhaltlichen Schwerpunkt der Forschungsarbeit.
Da durch eine Brandkatastrophe in der Mitte des 18. Jahrhunderts die meisten
lokalen schriftlichen Quellen verloren gegangen sind, stützt sich die Arbeit
in erster Linie auf Materialien des Wiener Hof- und Finanzarchivs. Aus diesen
äußerst reichen Beständen konnte eine umfangreiche Quellenedition
vorgelegt werden, auf deren Grundlage neue und oft auch überraschende Erkenntnisse
über städtebauliche Konzeptionen und bautechnische Entwicklungen gewonnen
worden sind.
Zur Person: Totengräber in Hallstatt, Architekturstudium an der
TU Wien. Promotion 2003 am Institut für Denkmalpflege und Industriearchäologie.
Selbständige freiberufliche Tätigkeit als Bildhauer und Baukünstler.
Entwurf und Ausführung von Aufgaben in den Bereichen Innenraumgestaltung,
Gewerbe und Industrie. Mitarbeit am Forschungsprojekt Baudenkmäler der
Technik und Industrie unter der Leitung von Univ. Prof. M. Wehdorn. Lehrtätigkeit
an der HTBLA für Möbel und Innenraumgestaltung Hallstatt.
24. November 2004 – Catherine
HOREL (Paris/Wien)
“Multikulturalismus in urbaner Umwelt. Nationale und soziale Vielfalt
in den Metropolen der Habsburgermonarchie 1867-1914“
Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Der Schwerpunkt
der Ausführungen liegt bei Kulturgeschichte. Dabei werden die Gesellschaftsstruktur,
die Stadtplanung, die Stadtpolitik, Bildung und Kunst betrachtet. Es werden
die Entwicklung der Stadtgesellschaft durch Multikulturalismus (Nationalitäten
und Konfessionen, darunter die Juden), soziale Kategorien (Arbeiter, Frauen,
Kinder, Arme, Roma) und Raumverteilung in Betracht gezogen. Der komparativen
Dimension kommt eine besondere Bedeutung zu: nicht nur Metropolen wie Wien,
Budapest und Prag sind von Interesse, sondern auch Städte mittlerer Größe,
die aber eine wesentliche politische, kulturelle oder geographische Rolle spielen.
Mit Berücksichtigung der Stadtplanung ist auch der Urbanismus, sind die
sanitären Verhältnisse und die Funktion der Stadt als Repräsentation
und Trägerin der Modernität gemeint. Dazu kommt selbstverständlich
auch die Stadtpolitik in Frage: Opposition zwischen Stadt und Staat ist eine
Konstante, aber auch innerhalb der Stadt, wenn neue Gruppen oder Parteien das
Rathaus kontrollieren wollen. Städte sind Ort der Bildung und nehmen deshalb
oft eine nationale Bedeutung ein. Die Stadt ist einerseits Bastei, andererseits
Eroberungsziel.
Zur Person: Univ.Doz., Forschungsbeauftragte (erster Klasse) am Centre
National de la Recherche Scientifique und beim Centre d’Ètudes
Germaniques in Straßburg. Preisträgerin der Bronzemedaille des CNRS
für das Jahr 1999. Gastprofessorin an der katholischen Universität
Louvain-la-Neuve (Belgien) und im WS 2004/05 am Institut für Geschichte
der Universität Wien. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Habsburgermonarchie
und den Beziehungen zu Frankreich., u.a. Juifs de Hongrie 1825-1849, problèmes
d’assimilation et d’emancipation. Straßburg 1995; Histoire
de Budapest, Paris 1999; Die Restitution des jüdischen Eigentums und die
jüdische Renaissance in Mitteleuropa. Frankfurt a.M./Bern 2002.
1. Dezember 2004 –
Ute PLANERT (Tübingen)
„Der Mythos vom Befreiungskrieg: Ein historiographischer Topos in der
Kritik“
(in Kooperation mit der "Arbeitsgruppe für Frauen- und Geschlechtergeschichte")
Moderation: Christa Ehrmann-Hämmerle
ACHTUNG: ausnahmsweise Hörsaal 50
Abstract: Während der
Mythos vom „Befreiungskrieg“ gegen Napoleon in Schul- und anderen
Geschichtsbüchern noch immer überdauert, zeigt sich bei näherem
Hinsehen, dass die Erfahrungen der Mitlebenden je nach sozialer Lage, Geschlecht,
Generation, religiöser Zugehörigkeit, Region oder auch politischer
Überzeugung so sehr voneinander abwichen, dass nicht von einem gemeinsamen
‚Kriegserlebnis’ gesprochen werden kann. Traditionelle und regionale
Loyalitäten sowie religiöse Bindungen überwogen landespatriotische
oder gar nationale Einstellungen bei weitem. Kriegsbelastungen wurden so weit
als möglich abgewehrt, gleich von welcher Seite sie kamen. Der in den männlichen
Heldengedichten verherrlichte „Freiheitskampf“ von 1813-1815 erschien
vielen Menschen im deutschen Süden und Südwesten nur als Possenspiel,
dem sie nach Möglichkeit fern blieben. Der Wunsch nach einem Ende der ständigen
Kriege darf nicht mit einer verbreiteten nationalen Haltung verwechselt werden.
Erst durch das Ausblenden der vielfältigen und divergierenden Kriegserfahrungen
zugunsten einer nationalistischen Deutung, wie sie am Anfang des 19. Jahrhunderts
nur von einer bürgerlichen Minderheit vertreten wurde, konnte jener Mythos
vom Befreiungskrieg entstehen, der im Vorfeld des antifranzösischen Kriegs
von 1870/71 und vor dem ersten Weltkrieg eine so unheilvolle Rolle spielte.
Zur Person: Univ.Doz. für Neuere Geschichte an der Universität
Tübingen, Projektleiterin im dortigen Sonderforschungsbereich „Kriegserfahrungen
– Krieg und Gesellschaft in der Neuzeit“. Zahlreiche Arbeiten zur
Frauen- und Geschlechtergeschichte, Politik-, Sozial- und Kulturgeschichte vom
18. bis 20. Jh, und zur Nationalismusforschung. Habilitation 2003 über
die Erfahrungsgeschichte der Revolutions- und Napoleonischen Kriege im außerpreußischen
Raum. Publikation u.a. : Antifeminismus im Kaiserreich. Diskurs, soziale Formation
und politische Mentalität. Göttingen 1998; (Hg.): Nation, Politik
und Geschlecht. Frauenbewegungen und Nationalismus in der Moderne. Frankfurt
a.M. 2000.
15. Dezember 2004 –
Erhard CHVOJKA (Wien) ACHTUNG ABGESAGT!!!
„’Hat mich Gott en Enklein erleben lassen…’. Zur Entwicklung
der Großeltern-Enkelkind-Beziehungen in der Frühen Neuzeit“
(in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Die Beziehungen
zwischen Großeltern und Enkelkindern wurden von der Historischen Familienforschung
bisher weitgehend ausgeklammert. Bei näherer Betrachtung lässt sich
eine entscheidende Zäsur in der Qualität des Verhältnisses zwischen
den beiden Generationen während der ersten Jahrzehnte des 18. Jhs. erkennen.
Bis dahin waren alte Menschen im familialen Kontext in erster Linie als „alte
Eltern“ konnotiert, danach entwickeln sich die normativen Grundlagen der
modernen Großelternrollen im Rahmen der bürgerlichen Neukonzeption
von „Familie“. Das Thema wird anhand von Ego-Dokumenten, bildlichen
Quellen und demographischen Berechnungen beleuchtet.
Zur Person: 1984-1994 Studium der Geschichte in Wien und München;
1994 Dr. phil.; 1992 Forschungsaufenthalt an der „Cambridge Group for
the History of Population and Social structure“; Mitarbeiter und Leiter
mehrerer wissenschaftlicher Forschungsprojekte und Ausstellungen; 1995-1998
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der Universität
des Saarlandes (Saarbrücken): seit 2003 Direktor der Wiener Urania. Lehraufträge:
Universität Saarbrücken (1995-1997); Universität Salzburg (1996/7),
Universität Wien (seit 1999).
12. Jänner 2005 – Annelore
RIEKE-MÜLLER (Berlin)
„Religion zwischen Konfessionalisierung als kulturellem Fundamentalprozess
und Säkularisierung in der Frühen Neuzeit“
Moderation: Marianne Klemun
Abstract: Sozialdisziplinierung
und Konfessionalisierung in der Frühen Neuzeit sind in der Geschichtswissenschaft
seit Jahrzehnten erfolgreiche Forschungsperspektiven. Freilich haben sowohl
der etatistische als auch der kommunalistische Ansatz bisher in erster Linie
die politische Konfessionalisierung, die Kirchenzucht und die sozialnormative
Formierung und Kontrolle der Gläubigen sowie die sakrale Architektur und
Kunst im 16. und 17. Jahrhundert in den Blick genommen. Zudem fand die Vorstellung
besonderen Widerhall, der Protestantismus dieser Zeit sei auf Bücher und
auf die Schrift, der Katholizismus dagegen eher auf Bilder konzentriert gewesen.
Im Zuge der Verwissenschaftlichung des Lebens und der Aufklärung sei es
seit dem Ende des 17. Jahrhunderts zur Säkularisierung und zur Auflösung
der Konfessionskulturen gekommen. Der Vortrag beschäftigt sich mit zwei
Aspekten der Konfessionskulturen, die diese Annahmen in Frage stellen können:
erstens mit der Position Luthers zum Bildgebrauch, den Dingen und den konfessionell
begründeten Schlussfolgerungen daraus, zweitens mit der jüngst in
der angelsächsischen Forschung mehrfach vertretenen Ansicht, die moderne
(Natur)Wissenschaft des 17. Jhs sei der Ausfluss eines puritanischen Zuganges
zur natürlichen Welt.
Zur Person: Studium der Geschichte und Geographie, 2001 Habilitation
für Neuere und Neueste Geschichte, Privatdozentin an der Humboldt-Universität
Berlin. Forschungsschwerpunkte: Kulturgeschichte, Geschichte der Biologie und
ihrer Popularisierung vom 17. bis zum 19. Jh., Exotismus (Europa und die aussereuropäische
Welt).
19. Jänner 2005 – Susanne
RAU (Dresden)
„Das Kaffehaus am Markt oder Wie Getränke den öffentlichen Raum
strukturieren“ (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Was heute jeder
weiß; dass man Neuigkeiten eher am Kaffeeautomaten erfährt oder dass
wichtige Entscheidungen manchmal vor den entsprechenden Sitzungen in der Kneipe
getroffen werden, galt in gewisser Weise auch schon für die Frühe
Neuzeit. Nach Jürgen Habermas hat die historische Aufklärungsforschung
die Rolle der Kaffeehäuser bei der Entstehung einer politischen Öffentlichkeit
betont; Kaffee sei als das dem Geist der Aufklärung adäquate Getränk
betrachtet worden. Am Beispiel der Stadt Lyon soll gezeigt werden, dass diese
Charakterisierung nur zum Teil der zeitgenössischen Wahrnehmung entsprach.
Im Rückgriff auf neuere sozialwissenschaftliche Forschungen zu „Raum“
soll danach gefragt werden, wie Orte, an denen das exotische Getränk ausgeschenkt
wurde, „hergestellt“ wurden, welche Typen es gab, welche (entsprechenden)
Funktionen sie erfüllten und wie sie binnen weniger Jahrzehnte ein Stadtbild
verändern konnten.
Zur Person: Studium der Geschichte, Philosophie, Romanistik und Allgemeinen
Rhetorik in Tübingen, Reims und Hamburg, 2001 Dissertation an der Universität
Hamburg, publiziert u.d.T. „Geschichte und Konfession […]“,
Hamburg/München 2002; z. Zt. Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Sonderforschungsbereich
537 „Institutionalität und Geschichtlichkeit“ an der TU Dresden
– Projekt über „Institutionelle Ordnungsarrangements öffentlicher
Räume in der Frühen Neuzeit“ [vgl. unter Mitarbeiter www.gerd-schwerhoff.de]
.
26. Jänner 2005 – Sabine
VEITS-FALK (Salzburg)
„Pionierinnen oder Alibifrauen? Die ersten Gemeinderätinnen der Stadt
Salzburg“
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Im Salzburger Gemeinderat,
bislang ein ausschließlich der „Männerwelt“ vorbehaltenes
Terrain, waren erstmals im Dezember 1918 vier Frauen vertreten. Die ersten Mandatarinnen
waren – wie in anderen Städten auch – fast ausschließlich
in Bereichen tätig, die in das gängige Rollenbild passten, wie z.B.
Armenwesen, Erziehung, Bildung und Kultur. Der Frauenanteil von 10 Prozent zu
Beginn der Ersten Republik reduzierte sich allmählich, bis in den 1930er-Jahren
nur mehr eine Frau vertreten war und der Nationalsozialismus den jungen Frauenrechten
und bescheidenen Mitsprachemöglichkeiten von Frauen ein abruptes Ende setzte.
Anhand der Biographien von drei Gemeinderätinnen – Schuldirektorin
Alice Brandl (Sozialdemokraten), Unternehmerin Fanny Heilmayr (Großdeutsche)
und „Private“ Maria Winkler (Christlichsoziale) – wird im
Vortrag verdeutlicht werden, über welche Handlungsspielräume Frauen
in der Stadtpolitik während der Ersten Republik verfügten.
Zur Person: Mag. Dr. phil., geb. 1967, Studium der Geschichte und Anglistik/Amerikanistik;
1993–2000 Forschungsassistentin am Institut für Geschichte der Universität
Salzburg, seit 1996 Lehrbeauftragte an der Universität Salzburg, 2000–2001
Mitarbeiterin im Salzburger Museum Carolino Augusteum, seit 2001 im Archiv der
Stadt Salzburg beschäftigt; Forschungsschwerpunkte: Armutsgeschichte, Frauen-
und Geschlechtergeschichte (bes. 18. und 19. Jh.), vergleichende Regionalgeschichte.
Organisation und Planung:
Ursula Prutsch
Weitere Veranstaltungen
Vorträge der vergangenen Semester
Institut für Geschichte
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 04 |
|---|
10. März 2004 - Steffen
SIEGEL (Berlin)
“Wissen, das auf Bäumen wächst. Das Baumdiagramm als
epistemologisches Dingsymbol im 16. Jahrhundert“ (in Kooperation mit dem
IEFN)
Moderation: Anita Traninger
Abstract: Epistemologische
Ordnung braucht Metaphern. Die heute allgegenwärtige Rede vom "Netz"
oder "Netzwerk" hat dabei ältere Modelle abgelöst, die traditionell
der botanischen Semantik entlehnt waren. Ausgehend von Deleuzes und Guattaris
Kritik im Zeichen des "Rhizoms" soll die Entfaltung und visuelle Ausformulierung
der Baummetaphorik und des Baumdiagramms als die visuelle wie konzeptuelle Chiffre
des Ramismus in der 2. Hälfte des 16. Jhs. näher beleuchtet werden.
Theodor Zwingers "Theatrum humanae vitae" (1565, 1586) wird dabei
als eines der prominentesten Vertreter der ramistischen Methodik im Mittelpunkt
stehen.
Zur Person: Studium
der Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft sowie der Philosophie in Konstanz
und Lyon (Lumière). Nach Forschungsaufenthalt in London seit 2002 Promotion
am Institut für Kultur- und Kunstwissenschaft (Humboldt-Universität
Berlin; Horst Bredekamp), Arbeitstitel: "Iconographia universalis. Visuelle
Wissensordnung im 16. Jahrhundert". Weitere Forschungsschwerpunkte: diagrammatische
Repräsentation, historische Visualisierungspraxis, Alexander von Humboldt.
17. März 2004 - Gabriele HAUG-MORITZ (Graz)
„Kriege und 'neue’ Medien im Reich der Reformationszeit:
Das Beispiel des Schmalkaldischen Krieges, 1546/47“
Moderation: Alfred Kohler
Abstract: Der Schmalkaldische
Krieg, ausgefochten zwischen Kaiser Karl V. auf der einen, Kurfürst Johann
Friedrich von Sachsen sowie Landgraf Philipp von Hessen auf der anderen Seite
samt ihrem jeweiligen politischen wie militärischen Anhang, markiert gerade
in einer mediengeschichtlichen Perspektive den Höhepunkt einer ganzen Folge
militärisch ausgefochtener Interessengegensätze im Reich der Reformationszeit.
Der Vortrag wird in knappen Strichen den Krieg selbst vorstellen, um sich sodann
ausführlich den von den Kriegsparteien mittels der „neuen“
Medien des Reformationszeitalters kommunizierten Deutungen des Krieges zuzuwenden.
Dergestalt wird es nicht nur möglich sein, neue Einblicke in die seit der
Zeit um 1520 entstehende massenmediale Öffentlichkeit des Reiches zu gewinnen,
sondern auch die Bedingtheiten zu verstehen, auf denen noch die heutige Interpretation
des Krieges als des „Urtyps“ eines frühneuzeitlichen Religionskriegs
(Burkhardt) aufruht.
Zur Person: geb. 1959;
Promotion (1989) und Habilitation (1999) an der Universität Tübingen;
seit 2002 Arbeit an einem medien- und kommunikationsgeschichtlich ausgerichteten
Forschungsprojekt (Fritz-Thyssen- Stiftung) zu den Kriegen im Reich der Reformationszeit
(1542-1554); 2003 Gastprofessuren an den Universitäten Aix-Marseille und
der Graz; im Januar 2003 Ruf an die Universität Graz auf die Nachfolge
Grete Walter-Klingenstein. Forschungsschwerpunkte: frühneuzeitliche Sozial-
und Verfassungsgeschichte, Medien- und Kommunikationsgeschichte, Reformationsgeschichte.
24. März 2004 - Daryle
WILLIAMS (University of Maryland, USA)
"The Cultural Politics of Brazilian Nationhood, 1930-1964"
Moderation: Ursula Prutsch
Abstract: The talk with examine
the dynamic interplay of cultural politics (politica cultural) and political
culture (cultura política) of nation-making in modern Brazil, with special
attention to competing authoritarian, nationalist, and populist impulses of
state cultural policymaking under Getúlio Vargas (1930-1954), Juscelino
Kubitshek (1955-1960), and João Goulart (1961-1964. The talk considers
how the Brazilian state came to treat national culture a political problem,
and how, in turn, national culture—popular and erudite— became a
modality of political integration, participation, and exclusion. Firmly grounded
in established debates about the political nature of Latin American populism,
the talk engages the "cultural turn" in studies of nation and nationalism
in Latin America.
Zur Person: Daryle Williams
is Associate Professor of History at the University of Maryland, College Park.
He received his Ph.D. at Stanford University in 1995. Daryle Williams is author
of “Culture Wars in Brazil: The First Vargas Regime, 1930-1945”
(Duke University Press, 2001, winner of the American Historical Association's
John Edwin Fagg prize). He has authored several articles and book chapters on
twentieth-century Brazilian cultural history. Recent research: cultural politics
of World Heritage in Argentina, Brazil, and Paraguay, humanities computing,
and the place of blackness in nineteenth-century Brazilian fine arts. He is
currently Associate Editor of the Hispanic American Historical Review.
31. März 2004 - Workshop
„Frontier-Geschichten “
Maureen DEVINE (Klagenfurt): „…and followed they
did“: Women’s Perspectives on the Changing Frontier, und Josef
KÖSTLBAUER (Wien): "Comparative Frontier-Studies“
- Sinn und Potential einer Beschäftigung mit Räumen am Rand
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract (Devine): Starting from the basic assumptions that 1) “the
frontier” from its very beginnings has been a male-centered adventure
story, and that 2) numerous male writers - from the earliest explorers and adventurers
who kept diaries and wrote reports up to the novelists like James Fenimore Cooper
- were very conscious of myth-making possibilities concerning the frontier,
this paper first briefly reviews the research of the last three decades on the
literature of frontier women, particularly regarding the different perceptions
women had of the frontier and their specific contribution to frontier literature.
Then turning to the contributions of basically two women, Caroline Kirkland
and Eliza Farnham, who wrote extensively about their experiences on the frontier
of the 1840s and 1850s, the paper discusses three characteristic tropes in women’s
frontier writing of the mid-1800s: the “tradition of apologia” (Georgi-Findlay),
frontier as garden motif, and the perception of Natives as a doomed race. Finally,
raising the question of why the women’s perspective on the concept of
the frontier still tends to be politely ignored in spite of the fact the fact
that Anglo-European women “followed” on the frontier from earliest
colonial times, one answer suggested is that the realities of frontier life
for the vast majority of pioneers, male and female, could in no way compete
with the already established myths, and in the 19th century it was the myth
of the frontier, in the face of - and because of - its rapid demise, that was
of overriding importance.
Abstract (Köstlbauer): Seit langem gilt die "Frontier"
in der Geschichtsschreibung nicht mehr als exklusiv nordamerikanisches Phänomen.
Instrumental für diese Wandlung war ein neues Verständnis von Frontier
als Ort und Prozess der Interaktion einander fremder Kulturen sowie die starke
Betonung komparativer Ansätze in der Frontier-Forschung. Doch während
kontinuierlich erscheinende Publikationen die Faszination des Themas belegen,
bleiben zentrale Fragen unbeantwortet, wie jene nach der historiographischen
Legitimation des Frontier-Konzeptes bzw. nach der Sinnhaftigkeit seines Einsatzes
bei der Untersuchung spezifischer historischer Situationen. Der Beitrag wird
diese Punkte diskutieren und mögliche Antworten skizzieren.
Zu den Personen: Maureen
Devine is Lecturer for American literature and American studies at the Department
of English and American Studies, University of Klagenfurt (since 1975). Major
research interests and teaching interests: Ecofeminism, Woman and Nature Writing,
Native American Literature, American feminist writing of late 19th and 20th
century; African American women writers and Native American women writers. Active
in partnership programs at the University of Klagenfurt with American and Alpe-Adria
universities. Major publications: The Embodyment of American Culture, ed. with
Heinz Tschachler and Michael Draxlbauer (2003); Woman and Nature: Literary Reconceptualizations
(1992); Women in Search of Literary Space, ed. with Gudrun Grabher (1991).
Josef Köstlbauer, Mag.phil., Studium der Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaft
an der Universität Wien. Mitarbeit an verschiedenen Projekten am Institut
für Geschichte in Wien (www.pastperfect.at, Europabegriffe und Europavorstellungen
im 17. Jahrhundert http://www.univie.ac.at/igl.geschichte/europaquellen, Geschichte
Online). Arbeitet an seiner Dissertation über Metropole-Peripherie Beziehungen
und Frontier Situationen in der atlantischen Welt, 1500-1800.
14. April 2004 - Pauline
PUPPEL (Kassel)
“Frauen und Herrschaft - Juristische Diskurse und Rechtsnutzung“
(in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Josef Pauser
Abstract: In der Frühen
Neuzeit übten hochadelige Frauen legitim politische Macht aus, wenn sie
als Stellvertreterin die Regierung für den abwesenden oder kranken Fürsten
oder als Regentin für den unmündigen Thronfolger übernahmen.
Der Vortrag fokussiert auf den frühneuzeitlichen juristischen Diskurs über
vormundschaftliche Regentschaften, die die häufigste Form der Herrschaftsausübung
(hoch-)adeliger Frauen im Deutschen Reich waren. Die rechtstheoretische Auseinandersetzung
deutscher Juristen über die Legitimation des von der verwitweten Fürstin
ausgeübten Rechtsinstituts wird an Beispielen aus den Landgrafschaften
Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt vorgestellt.
Zur Person: Studium
der Geschichte, Germanistik und Romanistik in Marburg/Lahn und Paris, seit 1998
wissenschaftliche Mitarbeiterin von Prof. Dr. Heide Wunder (Kassel), 2003 Dr.
phil. ("Vormundschaftliche Regentschaften hochadeliger Frauen"); derzeit
Post-Doc an der Universität Kassel. Forschungsschwerpunkte: Verfassungs-
und Geschlechtergeschichte. Publikationen (Auswahl): Die Regentin. Vormundschaftliche
Herrschaft in Hessen 1500-1700, Frankfurt/M. 2004 (im Druck).
21. April 2004 - Martha KEIL
(Wien)
„Namhaft im Geschäft, unsichtbar in der Synagoge. Jüdische
Frauen im Spätmittelalter“
Moderation: Karl Brunner
Abstract: Jüdische Frauen
haben aufgrund mangelnder geistlicher Bildungseinrichtungen noch weit weniger
Zeugnisse hinterlassen als ihre christlichen Zeitgenossinnen. Dennoch waren
sie im öffentlichen Raum von Stadt und jüdischer Gemeinde äußerst
präsent: Je nach Schicht und Vermögensstand wurde ein Drittel bis
ein Zwanzigstel aller Darlehen von Frauen gewährt. Diese hohe Präsenz
im Geschäftsleben eröffnete den Frauen rechtliche Freiheiten auf verschiedenen
Gebieten. Ihre Bedeutung für die überlebensnotwendige Steuerleistung
wuchs derart, dass manchen sogar bislang ausschließlich Männern vorbehaltene
Gemeindeämter offen standen. - Kehrseite dieser erstaunlichen Entwicklung
war der sukzessive Ausschluss aus dem religiösen und gemeinschaftlichen
Ehrenraum schlechthin, der Synagoge. Mit der Errichtung von eigenen, architektonisch
abgetrennten „Frauenschulen“ ab Anfang des 13. Jahrhunderts vollzog
sich die endgültige Verbannung der Frauen aus dem Synagogenraum. Es stellt
sich die Frage, ob nicht die Konzepte von Separierung und Klausur, die im Zusammenhang
mit der christlichen religiösen Frauenbewegung virulent wurden, zu einem
„Wettbewerb von Frömmigkeit“ zwischen jüdischer und christlicher
Gesellschaft, Männern wie Frauen, geführt haben.
Zur Person: Dr. Martha
Keil, geb. in Wien, Studium der Geschichte und Judaistik, Promotion 1988, ist
stellvertretende Direktorin des Instituts für Geschichte der Juden in Österreich
(St. Pölten). 2002-2003 Charlotte-Bühler-Habilitationsstipendium des
FWF zu diesem Thema.
28. April 2004 - Adelheid
KRAH (München)
„Der aufständische Königssohn. Ein Beispiel aus der
Ottonenzeit“
Moderation: Georg Scheibelreiter
Abstract: Aufständische
Thronfolger gefährden im Mittelalter König und Reich. Das Charisma
der Dynastie gerät dabei häufig in eine Zerreißprobe. Die Krise
provoziert den Untergang. Ist sie beendet, beginnt die Historiographie, Personen
und Ereignisse zu retuschieren, mit traditionellen Erklärungsmustern zu
übertünchen und nach den moralisch-religiösen Vorgaben des aktuellen
Herrscherbildes zu stilisieren. Die Wahrheit ist nicht Thema der Historiographen,
wohl aber der Historiker. Wie lassen sich Ablauf und Problematik der Ereignisse
rekonstruieren? Der Fall Liudolfs von Schwaben, Sohn Kaiser Ottos I., soll Wege
und Grenzen der Quellenanalyse zeigen.
Zur Person: Dr. Adelheid
Krah ist Univ.Doz. am Institut für Geschichte der Universität Wien;
sie war zuvor am Institut für Deutsche Rechtsgeschichte sowie am Lehrstuhl
für Mittelalterliche Geschichte der Universität München; Habilitation
2002. Wichtige Publikationen: Absetzungsverfahren als Spiegelbild von Königsmacht
(1987), Die Entstehung der Potestas Regia im Westfrankenreich (2000).
5. Mai 2004 - Andrea GRIESEBNER
(Wien)
„Perspektiven der Geschlechtergeschichte"
Moderation: Karl Brunner
Abstract: „Gender History
is here to stay“ (Lynn Hunt, 1998). Hervorgegangen aus der Frauengeschichte
ist die Geschlechtergeschichte heute ein etabliertes Feld der Geschichtswissenschaften.
Ihre Vertreterinnen und Vertreter haben nicht nur erfolgreich die Fragestellungen
an die Vergangenheit erweitert, sondern sie haben wesentlich zur "Erneuerung"
der Geschichtswissenschaften beigetragen. Die wichtigsten methodologischen wie
theoretischen Debatten der letzten Jahrzehnte wurden von VertreterInnen der
Geschlechtergeschichte mitangestoßen und vorangetrieben. In meinem Vortrag
werde ich einige der mir zentral erscheinenden konzeptionellen Überlegungen
zur Geschichtsschreibung in Erinnerung rufen und davon ausgehend nach den Perspektiven
der Geschlechtergeschichte fragen.
Zur Person: Andrea
Griesebner ao. Univ.Prof. für Neuere Geschichte am Institut für
Geschichte der Universität Wien; 2002 Gastprofessorin an der Georgetown
University, Washington DC. Ihre Forschungs-, Lehr-, und Publikationsschwerpunkte
liegen an der Schnittstelle zwischen Kultur-, Rechts-, Kriminalitäts-,
Körper- und Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit sowie im Bereich
der Theorie und Methodologie der Geschichtswissenschaft. Derzeit Vorbereitung
einer Einführung in die feministische Geschichtswissenschaft.
12. Mai 2004
„Geschichte am Mittwoch“ findet in der Wiener Urania im
Rahmen der „ Science
Week 2004. zum Thema.„History goes
public“ in der Wiener Urania statt. Ort: Wiener Urania, Uraniastraße
1, 1010 Wien. Zeit: 18.00 - 19.45 Uhr
Programm: Podiumsdiskussion zum Thema "Was wozu wissen? Bildung
- gestern - heute - morgen"
Es diskutieren:
Mag. Dr. Eveline LIST (Institut für Geschichte)
Hofrat Dr. Günter SCHMID (Sir Karl-Popper-Schule Wien)
o. Univ.-Prof. Dr. Winfried STELZER (Institut für Geschichte)
ao. Univ.-Prof. Dr. Karl VOCELKA (Institut für Geschichte)
Moderation: o. Univ.-Prof. Dr. Alfred KOHLER
19. Mai 2004 - Thomas BUCHNER
(Salzburg)
“Wiener und Amsterdamer Zünfte im Vergleich (17. und 18.
Jahrhundert)“ (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Andreas Weigl
Abstract: Entgegen älterer
Forschungsansichten, die von einem "Verfall" des Handwerks nach dem
Mittelalter ausgingen, erlebte das Zunfthandwerk in der Frühen Neuzeit
einen gesamteuropäischen Aufschwung. Im Rahmen des Vortrags wird anhand
der Beispiele Wiens und Amsterdams das Zunfthandwerk zweier ökonomisch
und gesellschaftlich sehr unterschiedlichen Regionen in der Frühen Neuzeit
verglichen. Dabei wird insbesondere die Frage nach der Rolle von Zünften
im gesellschaftlichen und ökonomischen Kontext der verglichenen Städte,
aber auch für Handlungsspielräume von Handwerkern verfolgt.
Zur Person: Geb. 1974,
Dr. phil., Lektor und Forschungsassistent am Institut für Geschichte der
Universität Salzburg. Forschungsschwerpunkte: Geschichte des Handwerks
und der Zünfte im europäischen Vergleich, Geschichte der Arbeit, Traditionen
der Wirtschaftsgeschichte. Publikationen (u. a.): (mit Robert Brandt, Hg.),
Nahrung, Markt oder Gemeinnutz. Werner Sombart und das vorindustrielle Handwerk,
Bielefeld 2004.
26. Mai 2004 - Alfred Stefan
WEISS (Salzburg)
„Lebenswelt Bürgerspital. Alltag in Kärntner und Salzburger
Institutionen, 1500-1850“
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Seit mehr als drei
Jahrzehnten interessiert sich die historische Forschung vermehrt für die
Ausdrucksformen der so genannten geschlossenen Armenfürsorge und rückte
damit auch die Lebensbedingungen der jeweiligen Insassen dieser Anstalten in
den Mittelpunkt der Darstellung. Quellen wurden neu gelesen, teilweise erstmals
entdeckt, sofern diese nicht noch im Verlauf des 20. Jahrhunderts der Vernichtung
anheim fielen.
Die größten und damit wichtigsten Einrichtungen befanden sich in
den Mittelstädten Klagenfurt und Salzburg, die annähernd 100 Personen
zeitweise oder bis zum Lebensende versorgen konnten. Den wenigen Institutionen,
die in Kleinstädten und Marktorten des Untersuchungsgebiets dezidiert den
Namen Bürgerspital führten, kam aufgrund des beschränkten Platzangebots
im Rahmen der Armenverpflegung nur eingeschränkte Bedeutung zu. Der Vortrag
gliedert sich in zwei größere Teilbereiche: 1) Städtische und
ländliche Bürgerspitäler - Gründungsgeschichte und jeweilige
Bedeutung und 2) die Realität - das Leben in diesen Versorgungsanstalten.
Zur Person: Geb. 1964
in Schwanenstadt/OÖ., Studium der Geschichte und Sozialkunde, Philosophie,
Pädagogik und Psychologie in Salzburg, Doktorat 1993; Assistenzprofessor
am Institut für Geschichte der Universität Salzburg. Forschungsschwerpunkte:
Österreichische Geschichte der Frühen Neuzeit, Geschichte der Armut
und Kriminalität, Regionalgeschichte.
2. Juni 2004 - Workshop „Globalgeschichte
an der Universität Wien“
Thomas FRÖSCHL (Wien), Andrea KOMLOSY
(Wien)
Abstract: Globalgeschichte
ist ein in den letzten Jahren immer größeres Interesse auf sich ziehendes
Teilgebiet der Geschichtswissenschaft. Durch die Einrichtung eines Moduls wurde
der Globalgeschichte auch in der Lehre an der Universität Wien entsprechendes
Gewicht verschafft. Der Lehrplan zielt darauf ab, die Geschichte verschiedener
Weltregionen und der verschiedenen Bevölkerungsgruppen in diesen Weltregionen
gleichrangig zu behandeln. Die Geschichte dieser Regionen und Gruppen wird dabei
als Element und Ergebnis lokaler, regionaler, nationaler und globaler Tendenzen,
Konflikte, Akteure und Interessen begriffen, die miteinander auf vielfältige
und häufig hierarchische Weise verflochten sind. An die Stelle des gewohnten
Eurozentrismus der Geschichtswissenschaft tritt damit eine multifokale Geschichtswissenschaft
in globaler Perspektive. Das Modul vermittelt die spezifischen Methoden, Arbeitsweisen
und Theorien der Globalgeschichte und betont die interdisziplinäre Vernetzung.
Um dies zu gewährleisten, sind MitarbeiterInnen verschiedener sozial-,
geistes- und kulturwissenschaftlicher Disziplinen in die Organisation eingebunden.
Der Workshop richtet sich an Studierende und Lehrende im Umfeld des Moduls Globalgeschichte.
Nach Ende des ersten Durchlaufs geht es um Evaluierung und zukünftige Entwicklungsmöglichkeiten
des Faches.
Zu den Personen: Thomas
Fröschl, ao. Univ.-Prof. für Neuere Geschichte am Institut für
Geschichte der Universität Wien. Schwerpunkte in der Forschung und Lehre:
Geschichte der Atlantischen Welt, Brasiliens und besonders der USA. Andrea
Komlosy, ao. Univ.Prof. für Wirtschaft- und Sozialgeschichte an der
Universität Wien, Arbeitsschwerpunkte: Wirtschafts- und Sozialgeschichte
der Habsburgermonarchie und ihrer Nachfolgestaaten (18.-20. Jh.), Grenze und
Grenzregionen, Theorie und Geschichte der Weltwirtschaft. Jüngste Veröffentlichungen:
Grenze und ungleiche regionale Entwicklung. Binnenmarkt und Migration in der
Habsburgermonarchie (Promedia Wien 2003) sowie Vom Weltgeist beseelt. Globalgeschichte
1700-1850, hg. mit Margarete Grandner (Wien 2003).
9. Juni 2004 - Martin SCHEUTZ
(Wien)
Der „vermenschte Heiland“. Fußwaschungen am Wiener
Kaiserhof der Neuzeit
Moderation: Rudolf Leeb
Abstract:
Jährlich zu Gründonnerstag wurden bei Hof zwölf Männern
und Frauen von Kaiser und „Kaiserin“ die Füße gewaschen
und die Armen gespeist und neu eingekleidet. Die Herkunft dieses Rituals und
dessen spezifische Ausprägung am Wiener Kaiserhof bilden den Gegenstand
dieses Vortrages. Neben dem Ablauf soll die Herkunft der „gewaschenen
und gespeisten“ Personen und die Rezeption dieser „barmherzigen“
Geste in der Öffentlichkeit bei Zuschauern und in der Zeitungsberichterstattung
näher untersucht werden. „[D]as Allerdurchleuchtigste Ertz-Haus Oesterreich
hat nach dem heutigen Beyspiel des vermenschten Heilandes sich von unfürdenklichen
Jahren her der Armut zu Füssen gelegt“ wie das „Wiener Diarium“
1742, in einem Krisenjahr der Monarchie, zu berichten weiß. Der Kaiser
hielt dieses christomimetische und äußerst öffentlichkeitswirksame
Ritual als imperialen Gestus und als Inbegriff der „Österreichischen
Gottseeligkeit“ trotz der Ende des 18. Jahrhunderts erfolgten Einschränkung
kirchlicher Zeremonien bis zum Ende der Monarchie bei.
Zur Person: Martin
Scheutz, geb. 1967, ao. Univ.Prof. für Österreichische Geschichte
an der Universität Wien, Studium der Geschichte und Germanistik in Wien,
Ausbildungslehrgang am Institut für Österreichische Geschichtsforschung,
Habilitation für Neuere Geschichte 2001. Arbeitsgebiete: Historische Erforschung
von Kriminalität, Selbstzeugnisse, Stadtgeschichte.
16. Juni 2004 - Michaela FENSKE (Göttingen)
“Marktkultur in der Frühen Neuzeit“ (in Kooperation
mit dem IEFN)
Moderation: Martin Scheutz
Abstract: Der Vortrag stellt
Ergebnisse einer am Institut für Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie
der Universität Göttingen entstandenen Dissertation vor. Anhand des
Jahr- und Viehmarktes der Stadt Hildesheim (im heutigen Südniedersachsen)
werden Wirtschaft, Macht und Unterhaltung in den Blick genommen. Im Mittelpunkt
stehen die sozialen Praktiken von Marktbesuchern und überwachender Obrigkeit.
Sichtbar wird ein komplexes kulturelles System, in dem alle Beteiligten sich
mit den vor Ort gegebenen Gegebenheiten zu ihren jeweiligen Bedingungen aktiv
und kreativ auseinander setzten.
Zur Person: Studium
der Kulturanthropologie/Europäische Ethnologie, Mittleren und Neueren Geschichte,
Wirtschafts- und Sozialgeschichte in Göttingen und Tübingen; tätig
in universitärer Forschung und Lehre, und im Wissenschaftsmanagements;
Forschungen über politische Kultur und Wirtschaftsanthropologie der europäischen
Vormoderne. Publikationen (Auswahl): Ein Dorf in Unruhe. Waake im 18. Jahrhundert.
Bielefeld 1999 (Hannoversche Schriften zur Regional- und Lokalgeschichte 13).
23. Juni 2004 - Martina STEER
(Wien)
„Das Mendelssohnjubiläum 1929 – ambivalentes Gedenken“
Moderation: Wolfgang Schmale
Abstract: Moses Mendelssohns
herausragende Stellung innerhalb des deutschen Judentums rührt von der
Interpretation seiner Person und seines Werkes als Ursprung, Essenz und Symbol
einer jüdischen Moderne her. So kann das Gedenken an Mendelssohns Geburtstag
in den Jahren 1829, 1879 und 1929 als Indikator dafür gesehen werden, wie
das deutsche Judentum eine solche Moderne bewertete und wo es sich im Verhältnis
zur deutschen Gesellschaft sah. Das Jahr 1929 ist ein Meilenstein in der Geschichte
der Weimarer Republik. Es leitete mit der großen Wirtschaftskrise nicht
nur die letzte Phase der Weimarer Republik ein, im Jahr 1929 begann sich auch
der Übergang zu einer nationalsozialistischen Herrschaft abzuzeichnen,
mit der das postemanzipatorische Zeitalter sein Ende fand. In diesem Spannungsverhältnis
zwischen bürgerlicher Gleichberechtigung und Antisemitismus, aber auch
zwischen Liberalismus, Neo-Orthodoxie und Zionismus kristallisiert sich die
Ambivalenz dieses Mendelssohnjubiläums heraus.
Zur Person: Martina
Steer studierte Geschichte und Volkswirtschaftslehre in Berlin, Rotterdam
und München und promovierte 2002 mit einer Arbeit über die deutsch-jüdische
Schriftstellerin Bertha Badt-Strauss. Danach war sie Gastwissenschaftlerin am
Simon Dubnow Institut in Leipzig und ist seit Dezember 2003 Assistentin am Institut
für Geschichte der Universität Wien.
30. Juni 2004 - Sergius Kodera
Der Renaissance Magier zwischen Nekromantie und inkompetenter Kuppelei
Kommentar: Wolfgang Schmale
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: 1460 und 1600 entstehen in Europa zahlreiche Abhandlungen,
die (in bewusster Abhebung vom Volksglauben) Neuplatonische Magie aus der Antike
als theoretische Grundlage für praktisches Handeln propagieren, der gebildete
Magus als Erforscher und Beherrscher der Natur erlebt so eine oft beschriebene
gesellschaftliche und intellektuelle Aufwertung. Der Vortrag kritisiert die
romantisierend-überhöhte Darstellung dieser Personengruppe in der
klassischen Forschungsliteratur (z.B. Frances Yates und Ioan Couliano) und versucht
eine Beschreibung des Magus als eine in jeder Hinsicht prekäre, dezidiert
männliche Übergangsfigur.
Im Anschluss und gleichzeitiger Abgrenzung von traditionellem Liebeszauber beanspruchten
Intellektuelle wie Marsilio Ficino (1433-99), Giovanni Pico della Mirandola
(1463-94), Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim (1486-1535) oder Giambattista
della Porta (1535- 1615) für sich und ihre Kunst herausragende philosophisch-
wissenschaftliche Kompetenz in der „Vermählung von Himmel und Erde“.
Betrachtet man dieses Expertentum in Sexualmagie aus der Perspektive der Sokratischen
Hebammenkunst (Theaetetus, 149A - 150 E) werden die Renaissance Magier jedoch
rasch zu unfähigen Kupplern, die als Männer kein genuines Wissen über
diese Kunst besitzen können.
Neben dieser, der eigenen Platonischen Tradition inhärenten Kritik ist
die Rolle des Magiers auch gesellschaftlich prekär. Im Umgang mit weltlicher
und kirchlicher Gerichtsbarkeit ist er selbst stets in Gefahr als Nekromant
verurteilet zu werden, andererseits fungiert er (in der polemischen Abgrenzung
der eigenen Kunst gegen ungebildete Zauberei im Volk) als Erfüllungsgehilfe
eben dieser Institutionen.
Zur Person: Sergius
Kodera hat in Wien Philosophie und Sinologie studiert und 1994 in Philosophie
promoviert. Seither lehrt er am Institut für Philosophie der Universität
Wien als externer Lektor mit Schwerpunkt Geistesgeschichte der Renaissance.
1997 bis 1998 war er Frances Yates Fellow und Erwin Schroedinger Stipendiat
am Londoner Warburg Institute.
Neuere Veröffentlichungen:Giordano
Bruno, Der Kerzenzieher, Candelaio (Übersetzung, Einleitung und Anmerkungen)
Hamburg (Meiner) 2003 "Narcissus,
Divine Gazes and Bloody Mirrors. The Concept of Matter in Marsilio Ficino.”
In: Marsilio Ficino: his Theology, his Philosophy, his Legacy. (eds. Michael
J.B. Allen and Valery Rees) Leiden (Brill) 2002: 285-306
“Masculine/Feminine.
The Concept of Matter in Leone Ebreo's Dialoghi d' Amore.“ In: Zeitsprünge.
Forschungen zur Frühen Neuzeit 7 (2003) 481-517.
Organisation und Planung:
Thomas Fröschl
Institut für Geschichte
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 2003/04 |
|---|
08.10. – Jonas FLÖTER
(Leipzig)
„Friedrich Ferdinand von Beust (1809-1886) im Visier seiner politischen
Gegner“
Präsentation des Buches von Jonas Flöter, Beust und die Reform des
Deutschen Bundes, 1850-1866 (Böhlau: Köln-Weimar-Wien 2001) in Verbindung
mit dem Verlag.
Ferner sprechen Stefan Malfèr und Anatol Schmied-Kowarzik.
Moderation: Alfred Kohler
Im Anschluss an die Veranstaltung lädt der Böhlau Verlag zu einem
kleinen Umtrunk in die Räume des Instituts für Geschichte
Abstract: Der sächsische Außenminister Freiherr von Beust
war unter den Politikern der deutschen Mittelstaaten der engagierteste konservative
Reformer. Nach der Revolution 1848/49 trat er leidenschaftlich für die
Erhaltung und föderale Weiterentwicklung des Deutschen Bundes ein. In drei
großen Reformdenkschriften 1856, 1857 und 1861 sprach er sich für
die Errichtung einer Volksvertretung beim Deutschen Bund und die Schaffung eines
Bundesgerichts aus. Gemeinsam mit Österreich machte sich Beust für
die Reform des föderalen mitteleuropäischen Staatenbundes stark. Er
trat damit sowohl der nationalliberalen deutschen Einheitsbewegung als auch
dem Expansionsstreben Bismarcks entgegen. Allerdings gelang es nicht, ein gemeinsames
Reformprogramm der deutschen Mittelstaaten zu entwickeln. Folglich konnte der
gewaltsamen kleindeutschen Einigungspolitik Bismarcks keine staatenbündische
Alternative entgegengestellt werden.
Zur Person: geb. 1967, Studium der Geschichte, Kunstgeschichte, Kulturwissenschaft
und Journalistik (Mag. phil. 1995 Wien, Dr. phil. 2001 Leipzig). 1996-1998 Stipendiat
der Gerda Henkel Stiftung, 1999 Forschungsstipendiat am Institut für Europäische
Geschichte in Mainz; seit 2001 Projektstelle der Fritz Thyssen Stiftung, Köln,
am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e.V., Dresden.
Forschungsschwerpunkte sind die Deutsche Verfassungs-, Politik- und Diplomatiegeschichte
und die Deutsche Bildungsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts sowie die Österreichische
Politik- und Diplomatiegeschichte des 19. Jahrhunderts.
15.10. – Anita TRANINGER
(Wien)
„Tarnen und Täuschen. Improvisation, Bluff und hohles Geschwätz’
in frühneuzeitlichen Wissenschaftskulturen“ (in Kooperation
mit dem IEFN)
Moderation: Franz Eybl
Abstract: Im April 1619 kommt
René Descartes auf der Durchreise in Dordrecht mit einem älteren
Mann ins Gespräch. Dieser rühmt sich, über jede beliebige Materie
eine volle Stunde lang sprechen zu können, eine weitere über ein anderes
Thema, und so fort - zwanzig Stunden könne er am Stück deklamierend
zubringen. Descartes hält ihn für einen Schwätzer, tauscht sich
mit ihm aber über die Grundlagen dieser Fähigkeit aus: Es ist eine
bestimmte Methode, die solche Stegreifrede ermöglicht, die ars lulliana.
Der Vortrag stellt diese zwischen 1530 und 1720 viel beschriebene, ebenso bewunderte
wie attackierte Diskurstechnik vor und situiert sie in Kontexten gelehrter Tätigkeit
in der Frühen Neuzeit: der Universität, dem Hof, der Kanzel.
Zur Person: geb. 1969, Studium der Deutschen Philologie und Japanologie
(Universität Wien); 1994-1996 Mitarbeiterin am Institut für Germanistik
(Forschungsprojekt zur Ars memorativa; Leiter: Wolfgang Neuber); 1996-1997 Doktoratsstipendium
der Österr. Akademie der Wissenschaften; 1998 Promotion; seit 2000 wiss.
Mitarbeiterin und seit 2001 Geschäftsführerin des Instituts für
die Wissenschaften vom Menschen (IWM). Mitglied des wissenschaftlichen Beirats
des Instituts für die Erforschung der Frühen Neuzeit.
22.10. – Gabor AGOSTON (Washington, DC; Gastprofessor
am Institut für Geschichte der Universität Wien im Wintersemester
2003/04)
„Guns and Empire: Weapons Industry and Military Power in the Ottoman
Empire, 1500-1800“.
Moderation: Andrea Griesebner
Abstract: The lecture is a short summary of some of the results of my
Guns and Gunpowder for the Sultan to be published by Cambridge University Press.
In the “gunpowder age” the adequate and steady supply of weaponry
and military hardware was a sine qua non for states that wanted to achieve long-standing
military prominence. The aim of the book is to understand the Ottoman weapons
industry, the systems and methods by which the Sultans procured their armaments.
Based on extensive research in the Turkish archives, the book offers new insights
regarding the early success of an Islamic empire against its European adversaries
and its subsequent failure. It also challenges and qualifies many of the sweeping
statements in Eurocentric and Orientalist scholarship with regard to Ottoman
(and Islamic) military technology and military capabilities. Of these, the notion
of “Islamic conservatism,” the Ottomans’ supposed “technological
inferiority,” as well as the Empire’s alleged insufficient production
capacity and the putative Ottoman dependence on European imports, are given
special attention in the lecture.
Zur Person: Ph.D. in History in 1994 (Hungarian Academy of Sciences),
Doctor Universitatis 1986 (summa cum laude, Eötvös Loránd University,
Budapest, Hungary). Asst. Prof. of Ottoman history at Georgetown University
(Washington, DC, 1998-present); previously Associate Prof. at Eötvös
Loránd University, Budapest and at the University of Pécs, Hungary.
29.10. – Thomas FRÖSCHL (Wien)
„Gibt es eine Geschichte der Amerikas?“
Moderation: Ursula Prutsch
Abstract: Gibt es analog zu
einer europäischen Geschichte auch eine gesamtamerikanische Geschichte?
Ist es sinnvoll, diese Frage angesichts globalgeschichtlicher Herausforderungen
anzugehen? Welches sind die übergreifenden historischen Erfahrungen, die
den Nationalgeschichten der einzelnen Staaten der Neuen Welt gemeinsam sind
und einen Vergleich mit Europa zulassen? Liegen die hemisphärischen Gemeinsamkeiten
gar nur in der Kolonialgeschichte? Wie relevant ist der Gegensatz zwischen einer
angloamerikanischen und einer lateinamerikanischen Welt? Wo hat in diesem Konzept
das französisch geprägte Amerika seinen Ort? Wie kann die Vielfalt,
wie können die Pluralitäten und Gegensätzlichkeiten in allen
Teilen der Amerikas in eine mögliche Gesamtgeschichte der westlichen Hemisphäre
integriert werden? Der Vortrag wird diese und andere Fragen thematisieren und
versuchen, einige Antworten zu formulieren.
Zur Person: Thomas
Fröschl, ao. Univ.-Prof. für Neuere Geschichte am Institut für
Geschichte der Universität Wien. Schwerpunkte in der Forschung und Lehre:
Geschichte der Atlantischen Welt, Brasiliens und besonders der USA.
05.11. – Teresa FRISCH-SOTO (Wien)
“Quo vadis Argentinien? Eine historische Analyse der gegenwärtigen
Krise”
Moderation: Ursula Prutsch
Abstract: Der Vortrag analysiert
die wichtigsten Abschnitte der Geschichte Argentiniens von der Unabhängigkeitsbewegung
im ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts bis zur Konsolidierung eines nationalen
Projekts am Ende des selben Jahrhunderts. Es folgen Untersuchungen über
die Auswirkungen der Weltkriege, besonders des 2. Weltkriegs.
Am Ende steht die Betrachtung der letzten drei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts,
der Weg in den Niedergang des politischen und wirtschaftlichen Systems. In den
einzelnen Abschnitten des Vortrags werden sowohl die bestimmenden historischen
Phänomene untersucht, als auch das Versagen der politischen Eliten, welche
die gegenwärtige neokoloniale Lage des Landes verursacht haben.
Zur Person: Teresa
Frisch-Soto Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin am Institut für
Geschichte: Studium der Soziologie und Fächerkombination in Lima, Perú
und Geschichte in Wien. Arbeitsschwerpunkt: Geschichte Lateinamerikas des 19.
und 20. Jahrhunderts, insbesondere die Geschichte der geistigen Strömungen
des Kontinents.
12.11. – Wolfgang TREUE
(Duisburg-Essen)
„Sprache und interkulturelle Kommunikation auf Reisen durch das frühneuzeitliche
Europa“ (in Kooperation mit dem IEFN) Moderation: Barbara Staudinger
Abstract: Ein zentraler Gegenstand
von Reiseberichten ist die Erfahrung des Fremdseins, die je nach Route und persönlichen
Voraussetzungen früher oder später einsetzen, abrupter oder sanfter
verlaufen kann. Mit ihr beginnt die Notwendigkeit zu interkultureller Kommunikation,
auf die der Reisende mit verschiedenen Strategien reagieren kann. Aneignung
fremder Sprachen ist eine wichtige, aber nicht die einzige Möglichkeit,
drohender interkultureller "Sprachlosigkeit" zu begegnen und soll
daher im Zusammenhang mit anderen Zeichensystemen (Kleidung, Moral, Sitten etc.)
dargestellt werden. Um einen geeigneten Bezugsrahmen zu erhalten, ist es sinnvoll,
dabei auf allzu scharfe Kontraste wie Alte Welt/Neue Welt zu verzichten und
die Untersuchung im wesentlichen auf europäische Reisende in Europa zu
beschränken.
Zur Person: geb. 1963 in Bonn, Studium der Geschichte und Philosophie
in München, Aix-en-Provence und Berlin, Promotion 1994 in Trier, wissenschaftlicher
Mitarbeiter des deutsch-israelischen Forschungsprojekts Germania Judaica IV
an der Universität Düsseldorf, Lehrtätigkeit an der Universität
Duisburg-Essen; Publikationen im Bereich der jüdischen Geschichte, Medizingeschichte,
Geistes- und Mentalitätengeschichte.
19.11. - Juraj SEDIVY (Bratislava)
"Schriftkultur im mittelalterlichen Pressburger Kapitel“
Moderation: Christoph Sonnlechner
Dieser Vortrag ist Teil des workshops "Historische Forschung bei den Nachbarn:
Bratislava/Preßburg", das vom Institut für österreichische
Geschichtsforschung (IföG) veranstaltet wird.
Abstract: Das Pressburger Kapitel war während des ganzen Mittelalters
eine wahrhaft internationale kirchliche Institution. Mit dem Sitz im Grenzgebiet
des Ungarischen Königreiches war es personell und kulturell stark mit dem
Gebiet des heutigen Österreich verbunden. In einigen Perioden war auch
der Einfluss der aus dem Königreich Böhmen stammender Kanoniker zu
spüren. Die mittelalterliche Bibliothek des Kapitels war wahrscheinlich
die größte auf dem Gebiet der heutigen Slowakei, ihre Kanzlei zählte
ebenfalls zu den bedeutendsten auf dem Territorium. Besonders im Hochmittelalter
war ihre kulturelle Tätigkeit fest mit der Geschichte der Stadtgemeinde
von Pressburg verbunden und hat auf die Entfaltung der städtischen Verschriftung
einen starken Einfluss ausgeübt. Es war in das System der glaubwürdigen
Orte eingebunden, was eine relativ frühe Urkundenverschriftung unterstützte.
In den wirtschaftlich und personell günstigen Perioden wirkte eine zeitlang
auch das eigene Skriptorium.
Zur Person: Juraj Sedivy, geb. 1971 in Bratislava;
studierte Geschichte und Archivwesen an der Comenius Universität in Pressburg
(1996); Mitglied des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
(1995). Doktorat an der Comenius Universität (2002), wo er z.Zt. Assistent
am Lehrstuhl für Archivwesen und Historische Hilfswissenschaften ist. Im
Bereich des Mittelalters spezialisiert auf lateinische Paläographie und
Kodikologie; daneben Beschäftigung mit der historischen Anthropologie (Auffassung
von Fremden, Naturwahrnehmung). Er koordiniert das Projekt Latin Paleography
Network - Central and Central-East Europe. Seine Publikationstätigkeit
erstreckt sich auf die Slowakei, auf Österreich, Ungarn und die Tschechischen
Republik.
26.11. – Ralph ANDRASCHEK-HOLZER
(St. Pölten)
„Regionale Historiographiegeschichte am Beispiel klösterlicher Geschichtsforschung
in Niederösterreich, 1600-2000“
Moderation: Helmuth Grössing
Abstract: In die Erforschung
der österreichischen Historiographiegeschichte ist nach längerer Stagnation
wieder Leben gekommen. So haben etwa Arno Strohmeyer (Bonn) und der Vortragende
unabhängig voneinander das Potential des von Jörn Rüsen entwickelten
Modells einer geschichtswissenschaftlichen Matrix auszuschöpfen getrachtet:
Während Strohmeyer mit dem Rüsen-Modell auskommt, musste der Vortragende
eine Adaptierung desselben vornehmen, welche einer stärkeren Durchdringung
fachlicher Verfasstheit und lebensweltlicher Integration von Geschichtsschreibung
auf regionaler Ebene Rechnung zu tragen versucht. In diesem Vortrag werden beide
Modelle vorgestellt und die „adaptierte“ Fassung veranschaulicht;
dies geschieht anhand eines Vergleichs zwischen zwei neueren Geschichtsforschern
klösterlicher Provenienz: P. Friedrich Endl OSB (1857-1945) sowie Alphons
Zák O.Praem. (1868-1931). Beide wirkten im Anschluss an haus- bzw. ordensspezifische
Traditionen, die fortzusetzen sie bemüht waren; beide besaßen für
ihre Arbeit zentrale persönliche Bezüge v.a. zu den Orten ihres Wirkens;
beide schließlich bewiesen durch besondere Formen des Geschichte-Schreibens,
Geschichte-Erlebens, ja -Mitgestaltens ein individuell zu bemessendes integriert
sein in ihre Lebenswelt als Forscher und Geistliche.
Zur Person: Ralph Andraschek-Holzer geb. 1963 in Horn, NÖ. 1982-88
Studium der Deutschen Philologie und Kunstgeschichte (Mag., Dr., Promotion 1992),
seit 1994 an der NÖ Landesbibliothek. Wissenschaftliche Ausstellungen und
Vorträge, über 60 Publikationen zu diversen Themen der geschichtlichen
Landeskunde. Forschungsschwerpunkte: Topographische Ansichten der Frühen
Neuzeit, regionale Historiographiegeschichte und die historischen Klöster
Österreichs.
03.12. – Eveline LIST (Wien)
„Psychoanalyse und Geschichtswissenschaft“
Moderation: Birgitta Bader-Zaar
Abstract: Sigmund Freud entwickelte
die Psychoanalyse zwar an der klinischen Arbeit, hat sich aber bald auch gesellschaftlichen
Phänomenen zugewandt und in seinen kulturtheoretischen Schriften etwa über
Krieg, Gesetz, Religion, Mythen und kollektive Erinnerung nachgedacht. Neu war
die Analyse der Bindungen der Menschen an die Welt und untereinander als Entsprechung
von Innenwelt und Außenwelt auf der Grundlage der Erkenntnisse über
das mentale Funktionieren von Individuen und Kollektiven.
Wenngleich es einzelne herausragende Beispiele psychoanalytischer Geschichtsforschung
gibt, war der effektive Einfluss der Psychoanalyse vor allem ein indirekter.
Viele aktuelle historische Arbeiten wären ohne Psychoanalyse als Fragestellung
überhaupt nicht denkbar und können freilich ohne sie auch nicht erschöpfend
bearbeitet werden.
Zur Person: Eveline
List Wissenschaftliche Mitarbeiterin und Lektorin am Inst. f. Geschichte.
Studium u.a. Psychologie, Geschichte, und Volkswirtschaft. Ausbildung in Psychoanalyse
und Gruppenanalyse. Lehranalytikerin der IPA.
Forschungsschwerpunke: Psychoanalytische Geschichtsforschung und Wissenschaftsgeschichte
der Psychoanalyse.
10.12. – Irmgard WIRTZ
(Bern/Wien)
„Die Bewältigung der Affekte. Grimmelshausen und die Ethikdebatte
um 1650“ (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Die literaturwissenschaftliche
Diskussion der Affekte im 17. Jahrhundert konzentriert sich auf das stoizistischen
Modell in der Rezeption durch Lipsius, wie es in den barocken Tragödien
zur Darstellung gelangt. Die theoretische Diskussion der Affekte in Rhetoriken
und Ethiken gerät um 1650 jedoch in eine Definitionskrise, die keinen einheitlichen
Konsens darüber zulässt, was die Natur der Affekte ist und wie diese
zu gebrauchen sind. Die thomistischen und augustinischen Affektenmodelle werden
in den Rhetoriken und Ethiken des 17. Jahrhundert breit rezipiert. Deshalb wird
zu zeigen sein, wie diese die Affekte verstehen und welchen Gebrauch sie empfehlen.
Wie die neoaristotelischen Affektenkonzepte für die Poetik des Romans nach
1650 produktiv wirksam werden, kann die Lektüre von Hans Jacob Christoff
von Grimmelshausens erstem Roman zeigen.
Zur Person: Assistentin am Institut für Germanistik, Bern, Lehrbeauftragte
am Institut für Germanistik, Wien, Dissertation zu "Joseph Roths Fiktionen
des Faktischen" (1997). Forschungsschwerpunkte: Nachlass Friedrich Dürrenmatts
- Werkgenese und Interpretation; Rhetorik, Ethik und Poetik des Barockzeitalters.
Publikationen zur schweizerischen und österreichischen Literatur des 20.
Jahrhunderts (Dürrenmatt, Burger, Boesch, Kafka, Roth), zur Exilliteratur,
zum spätbarocken Roman (Beer, Grimmelshausen, Ziegler und Kliphausen).
17.12. – Wolfgang HÄUSLER
(Wien)
„Goethe-Zeit und Sanftes Gesetz. Bemerkungen zu Bildungsgeschichte
und Naturwissenschaft“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: An einem Wendepunkt seiner Lehr- und Wanderjahre angelangt,
möchte der Vortragende nicht Abschied von Forschung und Lehre nehmen, sondern
in einer "Lebensabschnittsvorlesung" über die Wechselwirkung
von Natur-Geschichte und Wissenschaftskultur sprechen. Dabei versteht sich "Goethe-Zeit"
nicht als Zitierung einer klassischen Epoche, sondern als Erschließung
eines neuen Zeithorizonts für ein genetisches Verständnis des Welt-
und Menschenbildes. Die scheinbar naiven Fragen "Wie nennt man diesen Stein?"
und "Was ist das?" erweiterten sich zu dem umfassenden naturhistorischen
Problem: "Wie ist das alles geworden?" Metamorphose und Entwicklung
wurden Leitmotive der Wissenschaft von der Geschichte der Erde und des Lebens,
die sich als Geologie, Paläontologie und Biologie formierte. Diese neue
Ordnung der Dinge im Prozess der Entdeckung der Welt und des Menschen zeichnete
sich in Stifters "Bunten Steinen" und dem Postulat des "Sanften
Gesetzes" ab. Schließlich wird zu prüfen sein, ob der Schlusssatz
des "Nachsommer" - "...und jedes selbst das wissenschaftliche
Bestreben hat nun Einfachheit Halt und Bedeutung" - noch in unserer Zeit
Anspruch auf Geltung hat.
Zur Person: Wolfgang
Häusler, geb. 1946 in St. Pölten, Studium der Geschichte und Kunstgeschichte
an der Universität Wien, Mitglied des Instituts für Österreichische
Geschichtsforschung, 1970 Promotion zum Dr. phil. sub auspiciis praesidentis
rei publicae, 1978 Habilitation, seit 1984 Ordentlicher Professor für Österreichische
Geschichte. Forschungen und Veröffentlichungen zur österreichischen
und Wiener Geschichte, namentlich des 19. Jahrhunderts, zur Landeskunde von
Niederösterreich und zum Thema des Vortrages.
Anschliessend Gespräch bei Brot und Wein
07.01. – Anna L. STAUDACHER
(Wien)
“Von Hand- und Todeszeichen.” Kreuzeln in Wiener Matriken und Protokollen,
18. und 19. Jahrhundert.
Moderation: Winfried Stelzer
Abstract: Wer nicht schreiben
konnte, setzte bis tief ins 19. Jahrhundert sein “Handzeichen” unter
offizielle Schriftstücke: Kreuzeln, selten eines allein, zumeist drei.
Diese Handzeichen hatten die Funktion einer Namensunterschrift: Von einem überwältigenden
Formenreichtum in der Größe von einem Daumennagel, wurden sie zuweilen
über Jahre konstant und flüssig gesetzt und sind bestimmten Personen
zuzuordnen. Kreuzeln als Todeszeichen setzten Schreiber in den Findelhausprotokollen
anstelle ihrer Paraphe. Diese Kreuzeln - gleichfalls von einem unglaublichen
Formenreichtum - sind bestimmten Händen (Schreibern) zuzuordnen. Diese
Kreuzeln, von ihrem Entstehungskontext gelöst, stark vergrößert
in Bilderrahmen gesetzt - Kunstwerke, deren Ursprung niemand auch nur im entferntesten
erahnen könnte.
Zur Person: Anna
L. Staudacher, Universitätsdozentin am Institut für Geschichte.
Studium der Romanistik und Geschichte in Wien und Lausanne; Mitglied des Instituts
für Österreichische Geschichtsforschung; an der Österreichischen
Akademie der Wissenschaften mit der Austrian Jewish Biography dem ÖBL zugeordnet.
Forschungsschwerpunkte: Jüdische Konvertiten in Wien 1782-1914.
14.01. – Jakob MICHELSEN (Hamburg)
„Gleichgeschlechtliche Sexualität im frühneuzeitlichen
Hamburg“ (in Kooperation mit dem IEFN)
Moderation: Susanne Hehenberger
Abstract: Der Vortrag untersucht
Lebensrealitäten, Wahrnehmungen und Verfolgungspraxis gleichgeschlechtlicher
Sexualität im Hamburg der Frühen Neuzeit. Thematisiert werden insbesondere
soziale Orte gleichgeschlechtlichen Sexes, Selbst- und Fremdwahrnehmungen der
Beteiligten, geschlechtsspezifische Unterschiede und Gemeinsamkeiten sowie die
Frage von Öffentlichkeit und Nichtöffentlichkeit obrigkeitlicher Sanktionen.
Die Befunde werden vergleichend in Beziehung gesetzt zum bisherigen Forschungsstand
zu frühneuzeitlicher Sodomie, auch außerhalb des Heiligen Römischen
Reiches deutscher Nation.
Zur Person: geb. 1964, Studium der Geschichte und Kunstgeschichte an
der Universität Hamburg. Veröffentlichungen zur Geschichte gleichgeschlechtlicher
Sexualität sowie zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte (Ostforschung,
Rassenkunde). Daneben Tätigkeiten als freier Journalist, als Korrekturleser
und bei einem Universitätsverlag. Schreibt zurzeit an einer Magisterarbeit
über gleichgeschlechtliche Sexualität im frühneuzeitlichen Hamburg.
21.01.
– Christopher F. LAFERL (Wien)
„Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft – Anmerkungen
zur Praxis an der Universität Wien“
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: Literaturwissenschaft und Geschichtswissenschaft sind seit
langer Zeit etablierte Disziplinen des universitären Lehr- und Forschungsbetriebes.
In diesem Vortrag soll der Frage nachgegangen werden, wie sehr sich diese beiden
Gebiete überschneiden, ob die Literaturwissenschaft vielleicht überhaupt
nur eine Subdisziplin der Geschichte ist wie auch die Sozial-, Wirtschafts-
oder Diplomatiegeschichte, oder ob der Zugang zur Literatur vergangener Epochen
aus einer Perspektive der Ästhetik nicht gänzlich anderer Natur ist
als jener der historischen Wissenschaften. Schließlich soll der Frage
nachgegangen werden, wie sich das Verhältnis zwischen Literatur- und Geschichtswissenschaft
an der Universität Wien in den letzten Jahren gestaltet hat.
Zur Person: Christopher F. Laferl, ao. Univ. Prof. am Institut für
Romanistik, Universität Wien, arbeitet zur spanischen und lateinamerikanischen
Literatur- und Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit und des 20. Jahrhunderts.
Neben der Romanistik studierte er Geschichte an der Universität Wien, absolvierte
den Lehrgang des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung
und publiziert zur Geschichte der Habsburger im 16. Jahrhundert. Er war Gastprofessor
an der University of Texas at Austin, der Universidade de São Paulo und
der Universidade Federal da Bahia.
28.01. – Robin ARCHER (Oxford/Wien)
”Why is there No Labor Party in the United States? The Effect of Police
and Military Repression in the Late Nineteenth Century” Kommentar:
Margarete Grandner
Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: In the early 1890s
American unions came close to establishing a labour party. Amidst the worst
depression of the 19th century, they experienced a series of major industrial
confrontations in which governments sided with employers and left them completely
defeated. But the unions ultimately decided to reject any involvement in party
politics. In subsequent years this position became firmly entrenched, and the
United States became the only industrialised country without a labour-based
political party. There are two conventional theses about the effect that state
repression had on this outcome. According to the soft repression thesis there
was so little repression in the United States that unions did not have a sufficient
incentive to engage in political action. According to the hard repression thesis
there was so much repression that unions were cowed into adopting an apolitical
stance. This talk makes use of a ‘most similar’ comparison with
Australia in order to examine which if either of these arguments in right.
Zur Person: Senior Research Fellow am Corpus Christi College, Oxford
University, z.Z. Visiting Fellow am Institut für die Wissenschaften vom
Menschen, Wien. Wichtigste Publikationen: Economic Democracy: The Politics of
Feasible Socialism (Oxford 1995). Why is there no Labor Party in the United
States? (Princeton 2004, im Druck).
Organisation und Planung:
Thomas Fröschl
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 2003 |
|---|
05.03.: Xavier VICAT: "Reisende
wider Willen: Wien in den Erinnerungen französischer Emigranten, 1792-1825".
Kommentar: Wolfgang Häusler. Moderation: Thomas Angerer
Abstract: Die Eindrücke französischer Emigranten vom Wien des
Vormärz sind vielfältig und großteils unerforscht. Unter welchen
Umständen lebten diese Menschen? Welche Haltung nahm Österreich ihnen
gegenüber ein? Wie nahmen sie die Stadt, wie die Wiener Gesellschaft wahr?
Den Unterschieden innerhalb der höheren Gesellschaft und zwischen dem französischen
und österreichischen Adel schenkt der Vortrag ein besonderes Augenmerk.
Damit kann gezeigt werden, wie stark die französische Identität im
Ancien Régime verankert ist. Das Ideal des Absolutismus bleibt aktuell,
als wäre die Zeit 1789 stehen geblieben.
Zur Person: Dr. Xavier VICAT, Germanist und Historiker, geb. in Nancy,
Promotion über Johann Peter Silbert (1788-1844) an der Sorbonne, Deutsch-
bzw. Französisch-Lektor in Straßburg, Graz, St. Petersburg, lebt
seit 15 Jahren in Wien und ist u.a. Französisch- Lektor am Institut für
Übersetzer und Dolmetscher der Universität Wien. Forschungsschwerpunkt:
Wiener Romantik und französisch-österreichische Beziehungen im 19.
und 20. Jahrhundert.
12.03.: Tom BRÜSTLE (München): "Geschlechterperformanz und Sepulkralkultur. Zur Konstruktion von Männlichkeiten in frühneuzeitlichen Leichenpredigten". (In Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Wolfgang Schmale
Abstract: Anhand einer Reihe von ausgewählten Leichenpredigten des 16. und 17. Jahrhunderts aus dem bikonfessionellen, protestantisch-katholischen Augsburg sollen verschiedene Konstruktionen von Männlichkeit eruiert werden, wobei sowohl hegemoniale als auch deviante Männlichkeitsentwürfe vor dem Hintergrund des Konfessionsstreits zur Untersuchung gelangen. Neben den eigentlichen Trauerfeiern und der späteren Nutzung als Erbauungsliteratur tritt damit ein zusätzlicher öffentlicher Raum zu den vielfältigen Möglichkeiten, geschlechtsspezifische Handlungs- und Haltungsmuster sozial wirksam durchzusetzen. Insbesondere bei katholischen Trauerreden muss der Fokus über die rhetorische Überhöhung und kunst- wie kulturhistorisch zu analysierende Ausgestaltung auf die theatrale Inszenierung hin ausgeweitet werden.
19.03.: Christoph EGGER: "Basilisken
und ägyptische Frösche. Alte und neue Theologie im bayerisch-österreichischen
Raum im 12. Jahrhundert". Moderation: Meta Niederkorn
Abstract: In der Geschichte des Mittelalters bedeutet das 12. Jahrhundert
eine Umbruchszeit, in der wesentliche Weichenstellungen für die künftige
Entwicklung Europas erfolgten. Zu diesen zählen ein oft mit dem Begriff
Scholastik beschriebener Rationalisierungsschub in allen Bereichen
des Wissens und, damit eng verbunden, die Entstehung der Universitäten.
Die Zentren dieser Entwicklung - Westeuropa und Oberitalien - zogen Menschen
aus ganz Europa an, die einen intensive Wissenstransfer gerade auch in Randbereiche
wie das Gebiet des heutigen Österreich bewirkten. In meinem Vortrag möchte
ich versuchen, diese Prozesse der Rezeption, Aneignung und Auseinandersetzung
an einigen Beispielen aus dem Bereich der Theologie zu illustrieren, Hinweise
auf beteiligte Personengruppen zu geben und nicht zuletzt auch die bei der Verfolgung
einschlägiger Fragestellungen anzuwendenen Arbeitsmethoden in ihren Möglichkeiten
und Grenzen vorzustellen.
Zur Person: Christoph
Egger, Universitätsassistent, Institut für Geschichte / Österreichische
Geschichtsforschung, 1984-1992 Studium der Geschichte in Wien, Mitarbeit an
der Edition der Register Papst Innocenz' III. Die Beschäftigung mit dem
Gegenstand des Vortrages wurde 1999-2002 im Rahmen eines APART- Stipendiums
von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften gefördert.
26.03.: Birgitta BADER -ZAAR: "Fremde und Grundrechte in den Vereinigten Staaten: Zur Bedeutung des Gleichheitsgrundsatzes im Fall chinesischer und japanischer Immigranten." Moderation: Margarete Grandner
Abstract: Die Beschäftigung mit der
Immigrationsgeschichte von Chinesen und Japanern in die Vereinigten Staaten
hat in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung genommen. Allerdings hat
sich die Forschung im rechtsgeschichtlichen Bereich hauptsächlich für
die spektakuläre Einwanderungspolitik, die auf Bundesebene 1882 mit dem
Einreiseverbot für chinesische Arbeiter (Chinese Exclusion Act) begann,
interessiert. Die alltäglichen Erfahrungen dieser Menschen mit den sie
umgebenden Normen ist dagegen selten untersucht worden. Vor dem Hintergrund
einer sich aus ökonomischen und kulturellen Differenzen entwickelnden Xenophobie
soll hier ein Überblick über die Beschränkung der Grundrechte
für diese Einwanderergruppen gegeben und der Frage nachgegangen werde,
wie von juristischer Seite mit der Anwendung des Gleichheitsgrundsatzes auf
Fremde umgegangen wurde.
Zur Person: Birgitta
Bader-Zaar ist Universitätsassistentin am Institut für Geschichte
und arbeitet derzeit an einem Forschungsprojekt über Ausländer und
Grundrechte in Österreich und im internationalen Vergleich, von der Mitte
des 18. Jahrhunderts bis 1918.
02.04.: Buchpräsentation: Margareth LANZINGER: "Das gesicherte Erbe". Schnittstellen und Bruchlinien einer Verhinderungspolitik - Innichen 18./19. Jahrhundert. Moderation: Edith Saurer
Abstract: Die Präsentation
meines Buches verfolgt einen für die Untersuchung zentralen thematischen
Strang: eine Verhinderungspolitik, die das Vorgehen der lokalen Entscheidungsträger
in zahlreichen kommunalen Belangen gekennzeichnet hat. Das ständische Bürgerrecht
regulierte den Zuzug; der politische Ehekonsens hatte rigide Heiratsbeschränkungen
zur Folge und ein faktisches Hausbautabu' war über Jahrzehnte hinweg
wirksam. Das daraus resultierende rigide soziale Klima blieb nicht ohne Konsequenzen
auf Lebensperspektiven und Gestaltungsräume von Männern und Frauen.
Deutliche Bruchlinien traten erst gegen Ende des 19. Jh. auf.
Zur Person: Margareth
Lanzinger ist Universitätsassistentin (vertretungsweise) am Institut
für Geschichte und arbeitet in den Bereichen Frauen- und Geschlechtergeschichte
sowie Historische Anthropologie. Die Themenschwerpunkte der zuletzt abgeschlossenen
Forschungsprojekte waren: Namengebung (18. bis 20. Jh.) bzw. Witwen- und Witwerschaft
im Kontext von vertraglichen Vereinbarungen (zweite Hälfte 18. Jh.).
09.04.: Hendrik ZIEGLER (Paris): "Le prince idolatre". Kritik am Herrscherbild unter Ludwigs XIV." (In Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Friedrich Polleroß
Abstract:
Gegen einzelne Darstellungen Ludwigs XIV. erhoben bereits die Zeitgenossen teilweise
heftigen Protest. Bisher fehlt eine systematische Zusammenstellung dieser das
gesamte Regnum hindurch von verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen vorgebrachten
Einwendungen gegen Herrscherbild und Herrscherkult des Sonnenkönigs. Im
Rahmen des
Vortrags soll v. a. auf das 1686 in Paris eingeweihte Standbild Ludwigs XIV.
auf der Place des Victoires eingegangen werden, das für die Herausbildung
einer öffentlich geführten Debatte über die angemessene Form
königlicher Selbstdarstellung eine zentrale Rolle
zukommt. Die Protestnoten der habsburgischen und brandenburgischen Gesandten
in ihren Auswirkungen auf die Umgestaltung des Denkmals sollen dabei im Mittelpunkt
stehen.
Zur Person: Stipendiat der Gerda-Henkel-Stiftung am Deutschen Forum für
Kunstgeschichte in Paris mit einem Habilitationsvorhaben über die "Kritik
am Herrscherbild unter Ludwig XIV."; weitere Forschungsschwerpunkte: deutsch-französischer
Kulturtransfer im 19. und frühen 20. Jh., v. a. der deutschen Rezeption
des franz. Impressionismus und des Einflusses der dt. Museologie auf das Nachbarland.
30.04.: Katrin KELLER, Alexander SPERL: "Patronage und Klientel am Wiener Hof im 17. Jahrhundert - Ergebnisse eines Forschungsprojekts." Moderation: Gernot Heiß.
Abstract: Vorgestellt werden Ergebnisse
eines Projektes, das seit mehr als zwei Jahren am Institut für Geschichte
läuft und dessen zwei Bearbeiter unterschiedliche Schwerpunkte in methodischer
wie inhaltlicher Hinsicht gesetzt haben. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist, wie
der Titel signalisiert, die Frage nach Stellenwert und sozialer Relevanz von
Patronage in der Wiener höfischen Gesellschaft während der Regierungszeiten
der Kaiser Ferdinand II. und Ferdinand III. Die Untersuchungen haben ergeben,
dass sich soziale Praktiken wie Patronage und Klientelismus im weiteren Sinn
am Wiener Hof auf drei Ebenen verfolgen lassen: 1. Auf der funktionalen, durch
die Ämterordnung und -hierarchie gestalteten Ebene, die im Kern auf den
fürstlichen Haushalt bezogen war. 2. Mit dieser eng verbunden und nur in
methodischer Hinsicht davon zu trennen die Ebene der politischen Netzwerke,
Parteien und Fraktionen, die räumlich und personell über den Hof hinausgriff.
3. Die Ebene der familialen Netzwerke, für die der Hof zum Zeitpunkt dieser
Untersuchung ein zentraler Schauplatz der Auseinandersetzung um den Erhalt und
die Steigerung ihrer materiellen und ideellen Ressourcen wurde.
Alexander Sperl stellt das Phänomen Patronage allgemein ins Zentrum und
präsentiert zwei querschnittartige Netzwerkanalysen über den Hofstaat
der Kaiser. Katrin Keller behandelt das Problemfeld Patronage und Geschlechterbeziehungen
anhand höfischer Amtsträgerinnen in den Hofstaaten der Kaiserinnen.
Zu den Personen: Katrin
Keller, seit 2001 Universitätsdozentin am Institut für Geschichte
der Universität Wien, arbeitet seit Mai 2001 im Projekt. Forschungsschwerpunkte:
Sozial- und Kulturgeschichte der höfischen Gesellschaft; Stadtgeschichte;
Geschichte Sachsens.
Alexander Sperl
arbeitet seit Herbst 2000 im Projekt Patronage und Klientelsysteme am Wiener
Hof unter Leitung von Gernot Heiss. Forschungsschwerpunkte: Vormoderne Ökonomie-
und Sozialtheorie; das Internet als kultur- und geschichtswissenschaftliches
Publikationsmedium.
07.05.: Othmar HAGENEDER: "Die
mittelalterliche Christenheit als Wertegemeinschaft". Moderation: Werner
Maleczek.
Abstract: Die mittelalterliche Christenheit bildete eine Wertegemeinschaft
auf religiöser Grundlage, in welcher der Papst eine oberste Entscheidungs-
und Lenkungsbefugnis in Anspruch nahm, die auch, den jeweiligen Interessen der
weltlichen Herrscher entsprechend, prinzipiell nicht bestritten wurde. Diese
religiös-politische Struktur kann in etwa mit der Verfassung heutiger islamischer
Staaten verglichen werden. Wenn auch die päpstliche, durch kirchliche Sanktionen
gestützte Leitungsgewalt in ihren Zielen und Wirkungen bisweilen ziemlich
problematisch blieb, so entwickelte sich doch im Rahmen dieser so verfaßten
Wertegemeinschaft ein System von Normen und Regeln, das stabilisierend wirkte
und zur allgemeinen Rechtssicherheit beitrug.
Zur Person: Othmar Hageneder wurde nach langjähriger Tätigkeit
im OÖ. Landesarchiv 1976 als o.Univ.Prof. für Geschichte des Mittelalters
und historische Hilfswissenschaften an die Univ. Innsbruck und 1980 an das Inst.
f. Geschichte / Österreichische Geschichtsforschung der Univ. Wien berufen.
Die Arbeit an der kritischen Edition der Register Papst Innocenz´ III.
(1198-1216) dominiert auch nach der Emeritierung (1995) sein verfassungsgeschichtliches
und diplomatisches uvre.
14.05.: Michael MALKIEWICZ (Salzburg): "Zum höfischen Tanz im 16. Jahrhundert. Eine Annäherung". (In Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka
Abstract: Im Referat soll anhand einiger
weniger, jedoch konkreter Beispiele aus Tanztraktaten des 15. und 16. Jahrhunderts
der Einfluss der italienischen Villen-Architektur auf den höfischen Tanz
um 1500 dargestellt werden. Dies betrifft natürlich auch die den Tanz begleitende
Musik. Einer zunehmenden Symmetrisierung im Tanz entspricht die zunehmende Hinwendung
zu symmetrischen (zumeist achttaktigen) Perioden in der Musik, wie sie in der
europäischen (klassischen) Kunstmusik aber auch in der Popularmusik vom
16. Jahrhundert an bis heute dominant sind.
Zur Person: Violinstudium ("Mozarteum"), Musikwissenschaft/Theologie/Slawistik
(Universität Salzburg); Stipendiat der Österreichischen Akademie der
Wissenschaften in Rom; 1996-2002 Forschungsassistent "Sänger-Kastraten"
(Freie Universität Berlin); ab 2002 Forschungsassistent "Ballettmusik
des 18. Jhs." (Universität Salzburg); Lehrbeauftragter an der Jagiellonen-Universität
(Krakau). Promotion über Fabritio Carosos Tanztraktat "Il Ballarino"
(Venetia 1581).
21.05.: "ANTIAMERIKANISMUS - historische
Perspektiven und aktuelle Dimensionen".
Podiumsdiskussion im Rahmen der "Science - Week" 2003.
Leitung und Moderation: Martin HAIDINGER, ORF-Radio, Wien
Impulsreferat: Thomas FRÖSCHL.
Weitere DiskutantInnen: Thomas ANGERER, Thomas FRÖSCHL,
Martina KALLER-DIETRICH, Marlene KURZ, Wolfgang SCHMALE.
ACHTUNG: Ort der Veranstaltung: Urania Wien,
Uraniastr. 1, 1010 Wien, Mittlerer Saal
Zeit: 18.15 - 19.30 Uhr
28.05.: Marlene KURZ: "Midhat
Pascha und die Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich, 1839-1876".
Moderation: Birgitta Bader-Zaar
Abstract: Die westliche Historiographie
des osmanischen 19. Jahrhunderts beruht vorwiegend auf westlichen Quellen, während
der osmanische Diskurs bisher nicht in angemessenem Maße berücksichtigt
wurde. Die Ergebnisse der bisherigen Forschungen zur Reformgeschichte des Osmanischen
Reiches,
die eine Spaltung der osmanischen Gesellschaft in nach Europa orientierte, moderne
Reformer und geistig erstarrte Konservative suggerieren, müssen sowohl
im Hinblick auf diese Quellen als auch unter
Berücksichtigung der Ergebnisse der Orientalismuskritik kritisch überprüft
werden. Als Untersuchungsgegenstand bietet sich hierfür die Biographie
des osmanischen Reformpolitikers Midhat Pascha (1822-84) an, der einen wesentlichen
Beitrag zur Neugestaltung der osmanischen
Provinzverwaltung, zur Schaffung eines osmanischen Bankenwesens und zur Gestaltung
der ersten osmanischen Verfassung von 1876 geleistet hat.
Zur Person: Marlene
Kurz, Universitätsassistentin am Institut für Geschichte, hat
in Freiburg und Heidelberg Islamwissenschaft und Indologie studiert und arbeitet
derzeit an ihrem Habilitationsprojekt
über die Geschichte der Tanzimat-Reformen im Osmanischen Reich.
04.06.: Rosemarie AULINGER, Erwein ELTZ, Silvia
SCHWEINZER-BURIAN: Vorstellung des Editionsunternehmens "Deutsche
Reichstagsakten unter Kaiser Karl V." Moderation: Alfred Kohler
Zur Buchpräsentation:
Die Edition der Deutschen Reichstagsakten, Mitte des 19. Jahrhunderts von Leopold
von Ranke angeregt, wird von der Historischen Kommission bei der Bayerischen
Akademie der Wissenschaften in München betreut. Die Akten der Reichstage
des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation werden durch vier Reihen
erschlossen: durch die Ältere Reihe (1376-1485), die Mittlere Reihe (Regierungszeit
Maximilians I.) und die Jüngere Reihe (Regierungszeit Karls V.) sowie die
Reichsversammlungen 1556-1662. Präsentiert werden die zuletzt erschienen
bzw. im Druck befindlichen Bände der Jüngeren Reihe: Bd. 10 (Regensburg
1532), Bd. 12 (Speyer 1542), Bd. 15 (Speyer 1544) und Bd. 16 (Worms 1545).
Zu den Personen: Rosemarie
Aulinger, Erwein H. Eltz und Silvia Schweinzer-Burian sind seit 1975 bzw.
1978 Mitarbeiter(innen) der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie
der Wissenschaften und mit der Edition der Deutschen Reichstagsakten unter Karl
V. befaßt.
11.06.: Albert SCHIRRMEISTER (Bielefeld): "Welche Gestalt man denen Frantzosen in gemeinem Leben und Wandel nachahmen solle - oder: Polemik als Mittel zur akademischen Etablierung". (In Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Thomas Winkelbauer
Abstract: Diese Vorlesungsankündigung
des Christian Thomasius von 1687/88 löste einen kalkulierten und seither
berühmten Streit aus. Analysiert werden die von Thomasius vorgenommenen
Traditionszuweisungen, die im Fortgang zum Gegenstand einer Kontroverse werden,
mit Blick auf Medien und Publikum des Streits. Durch die Konstruktion der honnêteté
als Ideal
für die Gelehrten denunziert Thomasius Streit und Kontroversen als Praktiken
der Pedanten und diskreditiert sie für den galanten Gelehrten. Die Kontroverse
wird durch die unterschiedlichen durch die hauptsächlichen Akteure in Anspruch
genommenen Medien dissoziiert: Die Form des Streites ist hierdurch ebenso geprägt
wie seine Folgen, die auf eine Trennung des Gelehrten vom Intellektuellen in
seiner öffentlichen Rolle hinführen.
Zur Person: Studium Germanistik/Geschichte (Freiburg/Br. und Bielefeld),
Auszeichnung mit dem Prix
Frédérique Brion; 2001/2002 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am
Zentrum zur Erforschung der Frühen Neuzeit (ZFN) an der Johann Wolfgang
Goethe-Universität, Frankfurt/Main; 2002/2003 Postdoc-Stipendiat am Graduiertenkolleg
"Sozialgeschichte von Gruppen, Schichten, Klassen und Eliten" (Universität
Bielefeld); seit Juli 2002 Fellow des ZFN und Mitherausgeber der Zeitschrift
"Zeitsprünge. Forschungen zur Frühen Neuzeit".
18.06.: GaM entfällt wegen des ganztägigen
Gedenksymposiums für Michael Weinzierl: "Bausteine auf dem Weg in
die Moderne: Radikales Denken - Säkularisierung - Revolution".
25.06.: Richard PELLS (Austin, University of Texas; Fulbright Scholar
am IfG): "From Modernism to the Movies: The Globalization of American
Culture in the 20th Century". Moderation: Thomas Fröschl
Abstract: The lecture will focus on the continuing impact of foreign,
and especially European, cultures on America. It will offer two central arguments.
First, the United States was and is as much a consumer of foreign intellectual
and artistic influences as it has been a shaper of the world's entertainment
and tastes. Yet second, it is precisely these foreign influences that have made
America's culture so popular in Europe and elsewhere. American culture has spread
throughout the world because it has always drawn on foreign styles and
ideas. Americans have then reassembled and repackaged the cultural products
they received from abroad and retransmitted them to the rest of the planet.
In effect, Americans have specialized in selling the fantasies and folklore
of other people back to them.
Biographical Information: Richard Pells is Professor of History at the
University of Texas, and currently a visiting Fulbright professor at the University
of Vienna. He is the author of Radical Visions and American
Dreams: Culture and Social Thought in the Depression Years; The Liberal Mind
in a Conservative Age: American Intellectuals in the 1940s and 1950s; and Not
Like Us: How Europeans Have Loved, Hated, and Transformed American Culture Since
World War II. Professor Pells has received fellowships from the
Rockefeller and Guggenheim Foundations, and from the Woodrow Wilson International
Center for Scholars. In addition, he has held Fulbright chairs and visiting
professorships at universities in Sao Paulo, Amsterdam,
Copenhagen, Sydney, Bonn, Berlin, Cologne.
Organisation und Planung:
Thomas Fröschl
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 2002/03 |
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Ort: Universität
Wien - Institut für Geschichte, HS 45 Zeit: Mittwoch, 18.00 c.t. - 20.00 Uhr |
30.09 .: Verabschiedung von Wolfdieter BIHL und Johannes DÖRFLINGER. Moderation: Karl Vocelka (AUSNAHMSWEISE am MONTAG, Zeit und Ort wie die regulären GaM-Veranstaltungen!!!)
02.10.: Verabschiedung von Herwig WOLFRAM. Moderation: Karl Vocelka
09.10.: „Postkoloniale Kultur-Geschichten“: Präsentation und Diskussion des Heftes 1/2002 der „Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit“, herausgegeben von Martina KALLER-DIETRICH (Wien). In Zusammenarbeit mit dem StudienVerlag Innsbruck, den „Wiener Vorlesungen“ und dem Lateinamerika-Institut Wien. Es sprechen: Martina Kaller-Dietrich, Margarete Grandner und Wolfgang Dietrich. Moderation: Thomas Angerer
16.10.: Anna OHLIDAL (Leipzig/Prag) – „Katholische und protestantische Formierung in den Prager Städten, 1580-1630“ (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Thomas Winkelbauer
23.10.: Paul HEROLD (Wien) – „Was tun mit mittelalterlichen Urkunden? – Ein Versuch über Wirkungsweisen rechtsgeschichtlicher Quellen als Text und Realie.“ Moderation: Karl Brunner
30.10.: Catalin AVRAMESCU (Bukarest/Wien) – „The Cruel Philosopher: Cannibalism in the History of Ideas“. Moderation: Wolfgang Schmale
06.11.: Buchpräsentation:
Martina FUCHS (Wien) - „Karl V. Eine populäre Figur?“ und Präsentation
der neuen Schriftenreihe „Geschichte in der Epoche Karls V.“ Moderation: Alfred
Kohler
Die Veranstaltung findet im LESESAAL der Fachbibliothek
statt, nicht im HS 45.
13.11.: Stephan STEINER (Wien) – „Gegner. Rebellion und Unterdrückung in der Herrschaft Paternion, 1733-1736“ (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka
20.11.: Sabine RUDISCHHAUSER (Wien) - „Wandel des Rechts und des kollektiven Rechtsbewußtseins: die Entstehung des Tarifvertrags aus der Sicht der ‚bürgerlichen Öffentlichkeit‘ in Deutschland und Frankreich, 1870-1919“. Kommentar und Moderation: Margarete Grandner
27.11.: Anton SCHARER (Wien) – Vorstellung des Buchprojekts: „Geschichte der Angelsachsen“. Moderation: Georg Scheibelreiter
04.12.: James C. COBB (University of Georgia, Athens; Fulbright-Gastprofessor in Wien) – „Making Sense of he American South?“. Moderation: Thomas Fröschl
11.12.: Oliver HOCHADEL (Wien) – „Der beste Draht zum Himmel. Die Einführung des Blitzableiters in Österreich am Ende des 18. Jahrhunderts" (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka
18.12.: Thomas WINKELBAUER (Wien) - „Die habsburgischen Erbländer und das Heilige Römische Reich im16. und 17. Jahrhundert“. Moderation: Thomas Fröschl
08.01.: Gabriele SORGO (Wien) - „Märtyrer, Heilige, Individuen: Religiöse und säkulare Mannhaftigkeit“. Moderation: Wolfgang Schmale
15.01.: Helga PENZ (Wien/Herzogenburg) – „Archiv und Historiographie: Der Zusammenhang zwischen Schriftproduktion, Verwahrtradition und Geschichtskonstruktion am Beispiel österreichischer Stiftsarchive und ihrer Frühneuzeit-Bestände“ (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Susanne Claudine Pils
22.01.: „Die Macht der Kategorien. Perspektiven historischer Geschlechterforschung“: Präsentation des Heftes 2/2002 der „Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit“, herausgegeben von Andrea GRIESEBNER und Christina LUTTER. In Zusammenarbeit mit dem StudienVerlag Innsbruck und den „Wiener Vorlesungen“.
29.01.: Workshop – „Geschichte Online: Internetgestützte Lehre und Online-teaching am Institut für Geschichte“. Moderation: Wolfgang Schmale
Organisation und Planung: ao.Univ.Prof.Dr. Thomas Fröschl
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im SS 2002 |
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06.03.: Kim Siebenhüner (Freiburg i.Br.) – „Vielweiberei und Vielmännerei in Italien 1600-1750“ (in Kooperation mit dem iefn). Moderation: Karl Vocelka
13.03.: Veronika Hofer (Wien) – „Theatralische Inszenierungen zum Mensch-Tier- Verhältnis im Nationalsozialismus“. Moderation: Mitchell Ash
20.03.: Georg Scheibelreiter – „Heraldik als (Hilfs-)Wissenschaft. Zur Problematik eines Einführungsbuches für Studierende.“ Moderation: Anton Scharer
10.04.: Sabine Hoedl (Wien)/Barbara Staudinger (Wien) „Juden als Randgruppe der frühneuzeitlichenGesellschaft? Überlegungen zur Stellung der Wiener Juden zwischen Hofjudentum und Ghetto“ (in Kooperation mit dem iefn). Moderation: Karl Vocelka
17.04.: zwei Diplomarbeiten: Hannes
Artens: „Privatunternehmen und staatliche Außenpolitik. Die USA imCaribbean
Basin, 1898-1917“; Gregor Sloboda: „Homosexualität als Straftatbestand.Eintransatlantischer
Rechtsvergleich USA-Europa, 1950-1995“. Moderation: Thomas Fröschl
Hinweis: Diese Veranstaltung wurde nicht abgehalten. Angesichts der dramatischen
Situation an den Universitäten hatte die Österreichische Hochschüler(innen)schaft
für den 17. April einen großen Informationstag im Zeichen des Entwurfs
zum UG 2002 angesetzt - im Auditorium Maximum des Universitätshauptgebäudes
hat es an diesem Tag um 18.oo Uhr eine große Hörer(innen)versammlung
gegeben. Um den Studierenden die Möglichkeit an der Teilnahme an dieser
Veranstaltung zu geben entfiel GAM am 17.04. aus Gründen der Solidarität
mit der ÖH. Die Veranstaltung wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.
24.04.: Workshop: „Netzwerke des
Europabewußtseins und der europäischen Integration im 19. und 20.
Jahrhundert“.
ACHTUNG ORTSWECHSEL: Der Workshop findet zur gewohnten
Zeit im Seminarraum des Benediktushauses, Freyung 6 a, 1010 Wien, 4. Stock (Lift)
statt.
Thomas Brendel (Frankfurt/Main): 19. Jahrhundert. Kommentar: Wolfgang Schmale;
Brigitte Leucht (Wien): 20. Jahrhundert. Kommentar: Thomas Angerer. Moderation:
Thomas Fröschl
Hinweis: Das Institut für Geschichte schließt sich nach einem
einstimmigen Beschluss der Institutskonferenz vom 15. April der Stellungnahme
der Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Fakultät, der Erklärung
des Vorsitzenden und des stellvertretenden Vorsitzenden des Senats der Universität
Wien, der Stellungnahme der Österrreichischen Rektorenkonferenz und der
Vorsitzenden der obersten Kollegialorgane sowie der UniversitätslehrerInnen
der Universität vollinhaltlich an. Das Institut für Geschichte unterstütze
die Protestaktionen der österreichischen Hochschülerschaft am Mittwoch,
dem 17. April und beteiligt sich am Warnstreik am Mittwoch, dem 24. April.
08.05.: Anna L. Staudacher (Wien)– „Kaspar Säulenstein – den 5ten gefunden bei der Säule in der Stadt“. Zur Namensgebung von ausgesetzten Findelkindern in Wien und Umgebung (18./19. Jahrhundert). Moderation: Peter Csendes
15.05.: Robert Schlesinger (Wien) – „Die Emotionale Revolution – Keimzelle der Moderne. Zu einem neuen Buch und einem neuen Forschungsprojekt“. Kommentar: Edith Saurer. Moderation: Thomas Angerer
22.05.: Peter Rauscher/Julia Zangerl (Wien) – „Die kaiserlichen Finanzen unter Ferdinand I. und Maximilian II., 1556/58-1576“. Ergebnisse eines Forschungsprojekts. Moderation: Friedrich Edelmayer
29.05.: Buchpräsentation: Martina Kaller-Dietrich – „Macht über Mägen. Essen machen statt Knappheit schaffen“. Moderation: Edith Saurer
05.06.: Workshop: „Das Kremser Institut für Realienkunde des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Eine interdisziplinäre Forschungseinrichtung als Partnerin der Universität.“ Vorgestellt von Karl Brunner (Krems) und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Moderation: Andrea Griesebner
12.06.: Workshop: „Lehre und Forschung zu Brasilien am Institut für Geschichte.“ Mit Beiträgen von Gerhard Drekonja, Thomas Fröschl und Ursula Prutsch. Moderation: Martina Kaller-Dietrich
| Geschichte am Mittwoch (GaM) im WS 2001/02 |
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10.10.: Susanne Akermann (Stockholm) - "Queen Christina’s Metamorphosis, her alchemical World Soul, and Fictional Gender Transformation" (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka.
17.10.: Neue Buchreihen an den Instituten für Geschichte sowie Wirtschafts- und Sozialgeschichte: "Querschnitte - Einführungstexte zur Sozial-, Wirtschafts- und Kulturgeschichte" - "Edition Weltregionen". Es sprechen Peter Feldbauer, Eduard Fuchs, Erich Landsteiner und Andrea Schnöller. Moderation: Friedrich Edelmayer und Margarete Grandner.
24.10.: Buchpräsentation des demnächst erscheinenden Bandes "Glanz und Untergang der höfischen Welt. Repräsentation, Reform und Reaktion im habsburgischen Vielvölkerstaat" von Karl Vocelka (Wien) in der von Herwig Wolfram herausgegebenen, zehnbändigen Reihe "Österreichische Geschichte". Moderation: Thomas Fröschl.
07.11.: Präsentation der "Wiener Zeitschrift zur Geschichte der Neuzeit", Heft 1: "Österreich in Europa". Veranstaltung in Zusammenarbeit mit den "Wiener Vorlesungen"und dem StudienVerlag Innsbruck.
14.11.: Buchpräsentation "Historische Klöster in Niederösterreich". Es sprechen: Ralph Andraschek-Holzer (St. Pölten/Wien) über "Niederösterreichs Klöster - Annäherung an eine vergessene Vielfalt" und Thomas Aigner (St. Pölten) über die Publikationsaktivitäten des Diözesanarchivs St. Pölten. Moderation: Alfred Kohler. - Im Anschluß an den Vortrag lädt das Diözesanarchiv St. Pölten zu einem kleinen Imbiß.
21.11.: Petr Danék (Prag) - "Musik in den böhmischen Ländern in der frühen Neuzeit" (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka.
28.11.: Militär und Geschlecht: Präsentation des Themenheftes "Soldaten" von L’Homme. Zeitschrift für feministische Geschichtswissenschaft. Moderation: Christa Hämmerle.
05.12.: Florian Mildenberger (Wien) - "Sinn und Zweck der Kastration Homosexueller im Dritten Reich". Moderation: Wolfgang Schmale.
12.12.: Jakob Krameritsch (Wien) - "66 Jahre einer Zeitenwende. Ein Web-Projekt zum 16. Jahrhundert". Moderation: Wolfgang Schmale.
19.12.: Holger Gräf (Marburg/Lahn): "Die Schrecken des Krieges - Bilder vom Kriege aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges: Jacques Callot, Matthäus Merian und Valentin Wagner" (in Kooperation mit dem IEFN). Moderation: Karl Vocelka.
09.01.: Martin Schennach (Wien) - "Überlegungen zur Tiroler Kriegsgeschichte des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit: Das ‚Landlibell‘ von 1511 als Tiroler Mythos?" Moderation: Martin Scheutz.
16.01.: Klara Löffler (Wien) - "Kritik - kritisch - kritisieren? Zur Diskussion eines Dilemmas im gesellschaftlichen Auftrag." Moderation: Marianne Klemun.
23.01.: Rainer Gries (Jena/Wien) - "‘Deinhard‘ oder ‚Rotkäppchen‘? Eine vergleichende Kulturgeschichte des Sektes in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR". Moderation: Wolfgang Schmale. - Im Anschluß an den Vortrag wird zum Sektvergleich je eine ostdeutsche und eine westdeutsche Marke gereicht werden.
30.01.: Alessandro Catalano (Rom) und Petr Mata (Prag) - "Welche historische Bedeutung kann für die heutige historische Sozialwissenschaft ein Kardinalstagebuch (Kardinal Harrach) aus dem 17. Jahrhundert haben?" - (in Kooperation mit dem IEFN und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften) Moderation: Grete Walter-Klingenstein und Karl Vocelka.
| Geschichte am Freitag SS 2001 |
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Zeit: Freitag,13-15 Uhr
Ort: Seminarraum Geschichte (Universitätshauptgebäude
Stg. VIII / 1. Stock)
09.03.: Anna L. Staudacher: "Konvertitennamen in Wien, 1748-1868"
16.03.: Anton Tantner: "Vermischung ... vermeiden". Seelenkonskription, Häusernummerierung und "Vermischung" um 1770
23.03.: Rupert Klieber, Salzburg: "Bruderschaften in der Frühen Neuzeit"
30.03.: Anton van der Lem, Leiden: "Der Aufstand in den Niederlanden: Neue geschichtswissenschaftliche Perspektiven und Zugänge"
06.04.: Gert Dressel / Nikola Langreiter: "Ist der Rand das Zentrum? Zur Identität von HistorikerInnen"
27.04.: Christoph Sonnlechner, "Umweltgeschichte. Der Zugang über Landschaft"
04.05.: Bodo von Borries, "Zum Geschichtsbewußtsein deutscher Jugendlicher im Blick auf NS-Zeit und Holocaust".
11.05.: Wojciech Iwanczak, Kielce: "Anfänge der Kartographie in Polen."
18.05.: Meta Niederkorn: "Bischof Virgil - Bischof/Erzbischof Arn - Erzbischof Adalram. Eine Zeit der Brüche oder der Kontinuität in der Geschichte Salzburgs"
08.06.: Markus Reisenleitner, Edmonton: "Los Angeles: Von Ramona-Land zur Postmoderne"
22.06.: Thomas Fröschl/Arbeitsgruppe für nordamerikanische Geschichte (AGNA) - 3. Minisymposium: Vorstellung von zwei Diplomarbeiten: Christoph Schmetterer: "Das Kaisertum Österreich und der Ausbruch des amerikanischen Bürgerkrieges, 1860/1861" und Roman Puff: "Die USA und Österreich-Ungarn zwischen 1914 und 1917".
29.06.: Klaus Vetter, Wien/Berlin:
"Deutsche Demokratische Republik, Bundesrepublik Deutschland, Österreich:
Erinnerungen und Reflexionen"
| Geschichte am Freitag WS 2000/01 |
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Zeit: Freitag, 13-15 Uhr
Ort: Seminarraum Geschichte (Universitätshauptgebäude Stg. VIII / 1.
Stock)
06.10.: Klaus Vetter: "Herrschende Eliten in gesellschaftlichen Umbrüchen: Wilhelm von Oranien und Friedrich August Ludwig von der Marwitz"
13.10.: Thomas Fröschl/Arbeitsgruppe für Nordamerikanische Geschichte (AGNA) - 2. Minisymposium: "Grenzerfahrungen - Grenzüberschreitungen". Christian Pribitzer und Josef Köstlbauer referieren über die Thematik ihrer abgeschlossenen Diplomarbeiten
20.10.: Arbeitsgruppe für Nordamerikanische Geschichte /AGNA): Buchpräsentation des Bandes 24 der "Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit: Nordamerikastudien. Historische und literaturwissenschaftliche Forschungen aus österreichischen Universitäten zu den Vereinigten Staaten und Kanada", hgg. Von Thomas Fröschl, Margarete Grandner und Birgitta Bader-Zaar
10.11.: Doris Byer: "Freiheit und Hybridität. Transkulturelle Lebensentwürfe in Essaouira/Marokko 1965-1995. Kommentar: Abderrazzak Benchaâbane, Maître de conférence, Universität Cadi Ayyad, Marrakech
17.11.: Sabine Veits-Falk : " Unterstützung oder Strafe ? Eine Analyse zweier Salzburger Gutachten zum Armenwesen im 18. Jahrhundert"
24.11.: Marianne Klemun: "Zeit- und Raumwahrnehmungen am Glockner anno 1800"
01.12.: Hanna Schissler: "Normalisierung als Projekt: Überlegungen zu den Geschlechterbeziehungen in der Bundesrepublik Deutschland in den langen fünfziger Jahren"
15.12.: Barbara Staudinger: "Topos und Vorurteil. Judenfeindschaft in Gerichtsquellen des 16. und 17. Jahrhunderts am Beispiel des Reichshofrates"
12.01.: Ursula Prutsch: "Machterhalt und Machtlegitimierung via Kulturpolitik am Beispiel der USA und Brasiliens, 1930-1945"
19.01.: Arbeitsgruppe Frauengeschichte: Gisela Bock: "Europäische
Frauengeschichte"
26.01.: Wojciech Iwanczak, Kielce/Polen: "Polnische Forschungen über
die historisch-geographische Umwelt im Mittelalter".
Institut
für Geschichte