Kurzpräsentation des IfG

Geschichte des Instituts1

1849 als "Philologisches Seminar" begründet, wurde dieses bereits 1850 zu einem "Philologisch-Historischen Seminar" erweitert, an das 1851 Albert Jäger als erster Professor für Österreichische Geschichte berufen wurde. Vor 1848 hatte längere Zeit an der Universität Wien nur eine einzige Professur für Geschichte bestanden, deren Unterricht der Universalgeschichte, der Österreichischen Staatengeschichte sowie der Diplomatik und Heraldik gewidmet war. Jäger war dann auch 1854-1869 der erste Direktor des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung und holte Theodor von Sickel 1857 als Professor nach Wien, der hier zum Mitbegründer einer modernen Diplomatik und Urkundenlehre wurde. 1872 wurde dann das "Historische Seminar" begründet. Das Fach Mittelalterliche Geschichte und historische Hilfswissenschaften wurde 1881 erstmals eingerichtet und als außerordentliche Professur mit Engelbert Mühlbacher besetzt. Herausragende Vertreter des Historischen Seminars wie Heinrich von Zeißberg (dessen Direktor 1876-1897) und Oswald Redlich legten die Grundlagen der österreichischen Landeskunde. In der Zeit zwischen 1918 und 1945 dominierte allerdings die großdeutsche Geschichtsauffassung auch das Historische Seminar, als deren prominentester, aber auch am stärksten belasteter Vertreter dann Heinrich Ritter von Srbik, 1929/30 Unterrichtsminister, es nach 1938 auch bis zum Akademiepräsidenten brachte. Das Seminar erfuhr noch zweimal eine Umbenennung; ab 1955 hieß es "Historisches Institut" und seit 1979 "Institut für Geschichte". Lagen in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg die Schwerpunkte auf der mittelalterlichen, österreichischen sowie deutschen politischen Geschichte, ferner der Geschichte West­europas und der europäischen Expansion, so erfolgte durch die Neupositionierung der Geschichtswissen­ schaften die Verankerung völlig neuer Zugänge in Forschung und Lehre, wie zunächst der Wissenschaftsgeschichte (Günter Hamann) oder der Frauen-und Geschlechtergeschichte (Edith Saurer). Auf seinen traditionellen Arbeitsfeldern bestimmte Erich Zöllners monu­mentale "Geschichte Österreichs" das Geschichtsbild von Generationen von Studierenden, bis es von neuen Ansätzen, vertreten durch Wolfgang Häusler und Karl Vocelka, abgelöst wurde. Heinrich Fichtenau, Herwig Wolfram und Karl Brunner stellten auch in der Mediä­vistik die Verbindung zur internationalen Forschung her und griffen Fragen der historischen Ethnographie und die interdisziplinäre Vernetzung mit der Archäologie und den Philologien auf, während Heinrich Appelt, Othmar Hageneder und Heinrich Lutz große Editionsunternehmen im Bereich Mittelalter und Frühe Neuzeit in Wien verankerten. Internationale Perspektiven wurden bezüglich der Menschenrechte (Gerald Stourzh) sowie der Reformationsgeschichte und des Heiligen Römischen Reiches (Heinrich Lutz, Alfred Kohler) eingebracht. Die Geschichte Nord-und Südamerikas (etwa Gerhard Drekonja) wird in Richtung Global South ausgeweitet werden. Zuletzt konnten sich in aspektorientierter und methodischer Hinsicht Historische Europaforschung, Globalgeschichte, Internationale Beziehungen, Mediengeschichte sowie E-Learning etablieren. Die Bezeichnung "Institut für Geschichte" signalisiert methodische Komplexität und inhaltliche Breite, in der innovative und für die ganze Fakultät impulsgebende Forschungsansätze ihren Anfang nahmen und nehmen. Ein prägnantes Beispiel dafür ist die Sammlung Frauennachlässe als Ausdruck neuer Zugänge der Gender-Studies sowie der Analyse von Selbstentwürfen.


Forschungs- und Lehrprofil des Instituts für Geschichte

Das Institut für Geschichte vereint Fachleute vieler verschiedener Teilgebiete der Geschichtswissenschaften. Es verfügt gemeinsam mit dem Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte über eine große eigene Fachbereichsbibliothek mit derzeit ca. 150.000 Bänden und 186 laufenden Fachzeitschriften sowie über wichtige Sammlungen (Diathek, Videothek, Frauennachlässe). Institutionell ist das Institut für Geschichte eng mit dem 1854 als Forschungsinstitut gegründeten Institut für Österreichische Geschichtsforschung (IÖG) verbunden. Dessen Mitglieder sind vor allem auf Mittelalterliche und Österreichische Geschichte spezialisiert und in der Lehre dem Institut für Geschichte zugeordnet


Forschung

Das Institut für Geschichte ist der historischen Forschung und Lehre vom Mittelalter bis zur Gegenwart in einem interdisziplinären Kontext gewidmet. Das Institut ist offen für verschiedenste konzeptuelle, methodische und inhaltliche Zugänge zur Geschichtswissenschaft. Zu den Forschungsschwerpunkten der MitarbeiterInnen zählen:

  • in räumlicher Hinsicht: Heiliges Römisches Reich; Habsburgermonarchie; Österreichische Geschichte; Europäische Geschichte; Französische Geschichte; Geschichte der Amerikas;
  • in aspektorientierter  und methodologischer Hinsicht: Frauen- und Geschlechtergeschichte; Politikgeschichte; Wissenschaftsgeschichte; Mikrogeschichte; Kulturgeschichte / Cultural Studies; Geschichte der Internationalen Beziehungen; Globalgeschichte; Mediengeschichte und e-Learing; sowie Historische Hilfswissenschaften und Quelleneditionen.

Das Profil des Instituts ergibt sich aus der Vielfalt seiner MitarbeiterInnen und deren Forschungsinteressen, die von der Lokalgeschichte bis zur Globalgeschichte reichen. Großer Wert wird auf die Lehre und die Vermittlung der Forschungsergebnisse an eine breitere Öffentlichkeit gelegt. 

Rund 200 internationale Kooperationen binden das Institut in die europäische und internationale Forschungslandschaft ein. Diese Vernetzungen kommen auch in einer Vielzahl an Workshops und Tagungen, gemeinsamen Publikationen, Vortragsreihen und Einladungen von GastprofessorInnen zum Ausdruck. Mitglieder des Instituts geben Fachzeitschriften heraus und sind Mitglied in wissenschaftlichen Beiräten und Akademien. Für ihre Forschungen erhielten sie eine Vielzahl an wissenschaftlichen Preisen und Auszeichnungen wie z.B. Ehrendoktorate anderer Universitäten.

 

Lehre

Die Mitglieder des Instituts tragen einen großen Teil der Lehre in den Forschungsfeldern, welche der Studienprogrammleitung 7 zugeordnet sind, und betreuen die Qualifikationsarbeiten vieler Studierender in den Magister-, Diplom- und Doktoratsprogrammen. Im Anschluss an den BA in Geschichte können die Studierenden zwischen acht Masterprogrammen wählen:

MA Geschichte
MA Zeitgeschichte
MA Osteuropäische Geschichte
MA Wirtschafts- und Sozialgeschichte
MA Geschichtsforschung, Historische Hilfswissenschaften und Archivwissenschaft
MA Frauen- und Geschlechtergeschichte
MA Historisch-Kulturwissenschaftliche Europaforschung
MA Globalgeschichte bzw. Globalgeschichte und Global Studies

Zusätzlich ist das Institut an zwei internationalen Masterprogrammen sowie einem interdisziplinären Masterprogramm und einem interdisziplinären Lehrgang der Universität Wien beteiligt:

Erasmus Mundus Master Programme Global Studies - a European Perspective
Matilda - European Master in Women's and Gender History
Master in History and Philosophy of Science (gemeinsam mit dem Institut für Philosophie)
Master in Latin American Studies - Interdisziplinärer Universitätslehrgang für Höhere Lateinamerika-Studien.

Das Institut ist am Doktoratsprogamm Geschichte beteiligt. Zusätzlich war vom Oktober 2006 bis Dezember 2009 das interdisziplinäre Doktoratsprogramm „Naturwissenschaften im historischen Kontext" am Institut verankert. Beteiligt waren Mitglieder von fünf Instituten, der Sprecher des interdisziplinären Doktoratsprogramms gehörte dem Institut für Geschichte an. Das Nachfolgeprogramm „Die Naturwissenschaften im historischen, philosophischen und kulturellen Kontext", seit 2010 vom Österreichischen Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung gefördert, wurde neuerlich am Institut angesiedelt.

Die Mitglieder des Instituts bieten regelmäßig Lehrveranstaltungen in anderen Sprachen an. Auch die zahlenreichen Abkommen mit verschiedenen europäischen Universitäten (z.B. Erasmusprogramme) tragen dazu bei, das Institut zu einem attraktiven Standort für Studierende aus verschiedenen Regionen und Ländern zu machen.

 

E-learning

Das Institut betreibt seit 1999 das Lern-Projekt Internetgestützte Lehre (IGL). IGL stellt eine von den Lehrenden individuell ausgestaltete Plattform dar, die einerseits Basisinformationen und Materialien zu den Lehrveranstaltungen bietet, andererseits den Ausgangspunkt für E-Learning-Anwendungen wie Fronter etc. darstellt. Mitglieder des Instituts sind maßgeblich beteiligt an „Geschichte online", „Hypertextcreator", Lehr-Lern-Portal der Historisch-kulturwissenschaftlichen Fakultät, www.pastperfect.at und anderen E-Learning-Seiten und Tools.

 

 

1) Fritz Blakolmer, Martina Fuchs, Marianne Klemun, Hubert Szemethy, Die Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät der Universität Wien und die Genese ihrer Institute. In: Hubert Szemethy, Marianne Klemun, Martina Fuchs, Fritz Blakolmer und Matthias Beitl (Hgg.), Gelehrte Objekte? - Wege zum Wissen. Aus den Sammlungen der Historisch-Kulturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, [11. April - 27. Oktober 2013] (Kataloge des Österreichischen Museums für Volkskunde 98, Wien 2013), S. 263-278, S. 269f.