Resolution gegen die Abschaffung des gebührenfreien Universitätszugangs

Beschlossen von der Institutskonferenz des Instituts für Geschichte der Universität Wien am 4. Oktober 2000

Die Institutskonferenz des Instituts für Geschichte lehnt die Einführung von Studiengebühren in jeglicher Form ab und unterstützt die Protestaktionen der Studierenden!
Die vom Ministerrat beschlossenen Studiengebühren folgen keinen bildungspolitischen, sondern ausschließlich budgetpolitischen Überlegungen. Im Namen der "sozialen Treffsicherheit" wird das gesamte universitäre System in Mißkredit gebracht, zumal immer wieder auf eine angeblich mangelnde Leistungsbereitschaft der Hochschullehrenden wie der Studierenden angespielt wird.
Studiengebühren widersprechen dem gesellschaftlich etablierten Grundkonsens der Bildungsfreiheit. Sie sind auch aus demokratischen Überlegungen abzulehnen. Demokratie erfordert die Mitbestimmung aller Bürgerinnen und Bürger und damit die bestmögliche Bildung aller EinwohnerInnen.
Um dem Anti-Bildungstrend politisch dezidiert entgegenzuwirken brauchen unsere Universitäten keine Studiengebühren, sondern geeignete Stipendien- und Forschungsförderungsprogramme. Nur so kann die Qualität der Ausbildung gesichert werden. Unbelegte und diffamierende Zahlenspiele über Studierende schaden dem Ansehen dieser Gruppe in der Öffentlichkeit. Sie sind sicher kein Mittel, um das erklärte Ziel, eine Erhöhung der AkademikerInnenquote, zu erreichen.

Die Einführung von Studiengebühren ist auch aus volkswirtschaftlichen Gründen abzulehnen. In ihrer Studie zum gebührenfreien Hochschulzugang und dessen Alternativen widerlegen Univ.Prof. Dr. Richard Sturn und Dr. Gerhard Wohlfahrt den Mythos, daß gebührenfreie Universitäten eine Umverteilung von Arm auf Reich bzw. Nicht-AkademikerInnen auf AkademikerInnen mit sich bringen. Durch das progressive Einkommenssteuersystem bzw. durch den Entfall des steuerlichen "Glättungsvorteils" für AkademikerInnen werden die Universitäten vor allem von den Besserverdienenden finanziert. Die Schlechterverdienenden profitieren von der Gebührenfreiheit des Hochschulzugangs.

Die Öffnung und Demokratisierung der österreichischen Universitäten ist zwar in Ansätzen gelungen, aber längst noch nicht abgeschlossen. Trotz der marginalen Förderung von StudentInnen durch Stipendien (13% StipendienempfängerInnen stehen nach ÖSTAT mehr als 60% erwerbstätige Studierende gegenüber) ermöglichte ein gebührenfreier Universitätszugang seit den siebziger Jahren die Partizipation von Kindern aus "bildungsfernen" Familien (z.B. ArbeiterInnenfamilien) an postsekundärer Bildung. Die Einführung von Studiengebühren bedeutet gerade für einkommens- und bildungsferne Schichten eine massive Benachteiligung auf einem Arbeitsmarkt, der verstärkt höhere formale Qualifikationen fordert.

Wie der Statistik Österreich (ÖSTAT) zu entnehmen ist, gibt es einen signifikanten Zusammenhang zwischen Erhöhung des Frauenanteils unter den Studierenden und der Abschaffung der "Studientaxen" per Wintersemester 1972/73. So wie die Abschaffung der Studiengebühren maßgeblich zur Erhöhung des Frauenanteils bei den Studierenden beigetragen hat, so wird die Einführung von Studiengebühren den gegenteiligen Effekt zeitigen. Durch die Erschwerung des Hochschulzuganges für Kinder aus einkommensschwächeren Familien ist bei mehreren Kindern mit einer Bevorzugung der männlichen Geschwister zu rechnen.

Aus all den genannten Überlegungen protestiert die Institutskonferenz für Geschichte gegen die Einführung von Studiengebühren und unterstützt die Protestmaßnahmen der Studenten und Studentinnen. Statt willkürlicher und autoritärer Maßnahmen muß ein langfristiges bildungspolitisches Modell erarbeitete werden, in dessen Rahmen Probleme im Bildungssystem unter Einbeziehung aller Mitglieder der Universitäten diskutiert werden.