
Das Geschichtsstudium an der Universität Wien - Information für StudienanfängerInnen
Die Studienrichtung Geschichte an der Universität Wien bietet im österreichweiten Vergleich die größte Vielfalt an Forschungs- und Lehrbereichen. Mehr als 200 renommierte HistorikerInnen lehren in diesem Bereich. Dadurch bietet das Geschichtsstudium in Wien engagierten Studierenden die Möglichkeit, den Inhalt ihres Studiums individuell zu gestalten.
Ziel jeder Auseinandersetzung mit Geschichte ist es, Kenntnisse und Einblicke in die Lebensformen, Strukturen und Prozesse der Vergangenheit zu gewinnen. Im universitären Studium werden die Bereiche alte, mittelalterliche, neuere und Zeitgeschichte behandelt. Gleichzeitig gibt es geographische Gliederungen, wie zum Beispiel die Geschichte Außereuropas, Nordamerikas, Österreichs, Ost- , Südost- und Westeuropas. Aus den Fragen an die Geschichte ergeben sich weitere inhaltliche Aspekte, wie die Wirtschafts- und Sozialgeschichte, die Politikgeschichte, die Religionsgeschichte, die Frauen- und Geschlechtergeschichte, die Geschichte des Mediums Film und die Wissenschaftsgeschichte. Keine dieser Fragestellungen steht für sich alleine. Vielmehr sind es die aktuellen Probleme in unserem gesellschaftlichen Umfeld, die uns in die jeweilige geographische und thematische Auseinandersetzung mit der Vergangenheit führen.
Der wissenschaftliche Zugang zur Geschichte, wie er an der Universität vermittelt wird, erfordert eine Reihe von Fähigkeiten: Im Mittelpunkt der historischen Forschung stehen die Quellen der Geschichte, das sind sowohl schriftliche Dokumente und Aufzeichnungen, Bilder, mündliche Überlieferungen, aber auch Gegenstände des täglichen Gebrauchs oder Denkmäler der Erinnerungskultur. Das wesentliche am Umgang mit diesen Quellen ist, dass wir sieprinzipiell kritisch interpretieren und die darin enthaltenen Informationen miteinander verknüpfen. Das Aufgabenfeld der HistorikerInnen ist somit grundsätzlich interdisziplinär. Oft sind es aber zum Beispiel die zeitliche Distanz, die unsere Neugierde und Kritikfähigkeit provoziert, oder ideologische Ausrichtungen der Quellen und ihrer Interpretationen, die uns befremden.
Wie man damit umgehen kann, vermittelt die Auseinandersetzung mit den Methoden historischer Forschung. Sie können von der kritischen Textanalyse, über das Belegen historischer Aussagen hin zur fachkundigen Organisation der Archivarbeit oder eines Interviews mit einem Zeitzeugen reichen. Großes Augenmerk legen die HistorikerInnen auf die Darstellungsform ihrer Aussagen, weshalb eine Auseinandersetzung mit den Theorieangeboten aus geistes- und sozialwissenschaftlichen Forschungen sowie mit verschiedenen Schreibtechniken unerlässlich ist.
Das Studium der Geschichte fördert neben der Vermittlung des genannten Grundwissens das analytische Denken, die eigenständige Formulierung historischer Fragestellungen und damit die Fähigkeit, wissenschaftliche Erkenntnisse in aktuelle, politische, kulturelle, soziale oder wirtschaftliche Diskussionen einzubringen.
Das Diplomstudium der Geschichte an der Universität Wien qualifiziert AbsolventInnen in erster Linie zur geschichtswissenschaftlichen Forschung und Vermittlung. Es bezweckt auch die Vorbildung für ein breites Spektrum von Arbeits- und Berufsfeldern, wie Archiv- und Dokumentationswesen, fachspezifische Erwachsenen- und Berufsfortbildung, Ausstellungs- und Museumswesen, Medien- und Kulturarbeit, Arbeit in staatlichen und nichtstaatlichen (auch internationalen) Organisationen, Tätigkeiten im Bereich der Gleichbehandlung sowie in anderen Arbeitsgebieten, in denen geschichtswissenschaftliche Kenntnisse von Nutzen sind. Durch die Möglichkeit zu individuellen Schwerpunktsetzungen und zur Kombination mit anderen Studienangeboten befähigt das Studium der Geschichte die AbsolventInnen, auf die dynamischen Entwicklungen von Berufsfeldern zu reagieren. Dieses Studium dient außerdem der in allen Gesellschafts- und Berufsfeldern notwendigen Sensibilisierung gegenüber Strukturen und Prozessen, die Hierarchie und Ausbeutungsverhältnisse bedingen und zulassen.
Folgende Angaben beziehen sich auf die neuen Studienpläne, gültig ab WS 02/03:
Ab WS 2002/03 kann das Diplomstudium Geschichte als Einfachstudium studiert werden. Das Lehramtsstudium muß weiterhin mit einem zweiten Unterrichtsfach kombiniert werden.
Gesetzliche Studiendauer:
Das Diplomstudium dauert, einschließlich der für die Anfertigung der Diplomarbeit vorgesehenen Zeit, acht, das Lehramtsstudium "Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung" neun Semester. Beide Studien gliedern sich jeweils in zwei Studienabschnitte und werden mit dem Magisterium der Philosophie abgeschlossen.
Während das Diplomstudium eine betont wissenschaftliche Ausbildung vermittelt, liegen die Schwerpunkte des Lehramtsstudiums auf der fachdidaktischen Ausbildung und dem interdisziplinären Charakter der Geschichtswissenschaft.
DIPLOMSTUDIUM GESCHICHTE
Prüfungsfächer:
1. Studienabschnitt:
Studieneingangsphase: Einführung in das Studium der Geschichte, Ringvorlesung: Das Geschichtsstudium an der Universität Wien, Einführung in die wissenschaftliche Wissens- und Textproduktion, Lektüre historiographischer Texte
Lehrveranstaltungen aus den aspekt-, epochen- und räumlich orientierten Pflichtfächern:
Alte, Mittelalterliche, Neuere, Zeit- und Gegenwartsgeschichte; Frauen - und Geschlechtergeschichte, Kulturgeschichte, Politische Geschichte, Sozialgeschichte, Wirtschaftsgeschichte, lokale/regionale Geschichte, Österreichische, Europäische/Osteuropäische, Globale/Außereuropäische Geschichte
Lehrveranstaltungen aus den methodisch und arbeitstechnisch orientierten Fächern:
Text- und diskursanalytische Methoden in der Geschichtswissenschaft, Analyse und Interpretation bildlicher und dinglicher Quellen, Statistik und Quantifizierung in der Geschichtswissenschaft, Informatik und Medien in der Geschichtswissenschaft, Archivierung und Musealisierung, Vermittlungs- und Präsentationstechniken, Historische Hilfswissenschaften
Lehrveranstaltungen aus den wissenschaftstheoretischen Fächern:
Wissenschaftsforschung, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschafts- und Erkenntnistheorie; Theorien und Methodologien der Geschichtswissenschaft¸ Historiographiegeschichte
2. Studienabschnitt:
Forschungsseminar, Seminare, Forschungspraktikum, Exkursion, DiplomandInnenseminar
1. Studienabschnitt 50 Semesterwochenstunden, 2. Studienabschnitt 16 Semesterwochenstunden, Freie Wahlfächer 44 Semesterwochenstunden: Gesamt 110 Semesterwochenstunden
LEHRAMT GESCHICHTE, SOZIALKUNDE UND POLITISCHE BILDUNG
Zusätzlich zum Diplomstudium Pflichtfächer aus: Einführung in das Lehramtsstudium Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung, Fachdidaktik, Neue Medien in Geschichtswissenschaft und Geschichtsunterricht, Theorien und Geschichte der Geschichtsdidaktik, Politische Bildung
Genauere Informationen entnehmen Sie bitte der website des Instituts für Geschichte: http://www.univie.ac.at/Geschichte/
Die Studienrichtung Geschichte wird von folgenden Instituten betreut, in denen Sie weitere Informationen, Studieninformationsblätter und Kommentierte Vorlesungsverzeichnisse der jeweils laufenden Semester erhalten:
Institut für Alte Geschichte, Altertumskunde &Epigraphik, Universitäts-Hauptgebäude, Tel.: 4277-40502; http://www.univie.ac.at/Alte-Geschichte
Institut für Geschichte, Universitäts-Hauptgebäude, Tel.: 4277-40801; http://www.univie.ac.at/Geschichte/
Institut für Osteuropäische Geschichte, AAKH-Campus, Spitalgasse 2, Hof 3, 1090 Wien, Tel.: 4277-41101; http://www.univie.ac.at/iog
Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universitäts-Hauptgebäude, Stiege VI, Tel.: 4277-41301; http://www.univie.ac.at/Wirtschaftsgeschichte
Institut für Zeitgeschichte, AAKH-Campus, Spitalgasse 2, Hof 1, 1090 Wien, Tel.: 4277-41202; http://www.univie.ac.at/Zeitgeschichte/




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