| Wolfdieter Bihl - Projekte |
|---|
Mitarbeiter: Mag. Dr. Georg Lehner (Email: georg.lehner@univie.ac.at
), Mag. Dr. Monika Lehner (Email: monika.lehner@univie.ac.at
)
Kurzbezeichnung: Österreich-Ungarn und die Yihetuan-Bewegung (1900/01)
Ziel dieses Projekts ist die Untersuchung der vielfältigen Dimensionen der Beteiligung Österreich-Ungarns an der internationalen Intervention zur Unterdrückung der Yihetuan-Bewegung (sog."Boxeraufstand", 1900/01).
Im Vordergrund der Untersuchung steht die möglichst umfassende Erschließung und Auswertung der im Österreichischen Staatsarchiv (Abteilungen Haus-, Hof- und Staatsarchiv sowie Kriegsarchiv) verwahrten Akenbestände über die Teilnahme Österreich-Ungarns an der Aktion der Mächte in China. Als Ergänzung des durch die österreichischen Quellen vermittelten Bildes über die Ereignisse und der daraus hervorgehenden Haltung der Monarchie zu diesen Ereignissen ist die Heranziehung von Aktenpublikationen zur Außenpolitik einzelner Länder zur Objektivierung des in den österreichischen Akten gezeichneten Bildes vorgesehen. Der sogenannte "Boxer-Aufstand" wurde im Sommer 1900 von den Zeitungen zum Hauptthema ihrer (außerpolitischen) Berichterstattung gemacht. Die Untersuchung und Auswertung der Tageszeitungen für die Zeit der Belagerung und Befreiung der Gesandtschaften bezweckt nicht, die Ereignisse in China zu rekonstruieren (was angesichts der Fülle an Literatur auch nicht zu rechtfertigen wäre); sie dient vielmehr dazu, die zeitgenössische Einschätzung der internationalen Intervention zur Unterdrückung der Yihetuan vor Augen zu führen und faßbar zu machen.
Die an diesen Quellen festgemachten Fragestellungen gehen weit über die militärische Seite der Ereignisse im Sommer 1900 hinaus. Neben den bislang weitgehend unberücksichtigten inneren Aspekten des österreichischen Engagements (Ausgestaltung der Vertretungsbehörden in China, Motive für die Beteiligung an der Intervention, Haltung der politischen Gruppen und Nationalitäten gegenüber der Teilnahme an der Intervention in China; allfäIlige Perspektiven für die Position der Habsburgermonarchie in Ostasien nach dem Ende der Intervention) soll auch die Stellung der Monarchie im "Konzert der Mächte" berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang wird untersucht, wie die anderen an der Intervention teilnehmenden Mächte in den österreichischen Quellen beurteilt werden. Die Untersuchung inkludiert selbstredend die Einschätzung der inneren chinesischen Verhältnisse (Zentralregierung, hohe Beamte, Charakter der Yihetuan-Bewegung, etc.) im Spiegel der österreichischen Quellen.
Die bisherigen Arbeiten, die sich mit Österreich-Ungarns Teilnahme an der internationalen Intervention zur Unterdrückung der Yihetuan-Bewegung beschäftigen und auf Quellen österreichischer Archive basieren, berücksichtigten in erster Linie das Engagement der k.u.k. Kriegsmarine im Verlaufe der Unterdrückung der Yihetuan-Bewegung und orientieren sich dabei vor allem an "dem" Werk zum Thema aus österreichischer Sicht: Theodor Ritter von WINTERHALDERs "Kämpfe in China. Die Wirren und die Betheiligung von Österreich-Ungarns Seemacht an ihrer Niederwerfung in den Jahren 1900-1901 (Wien 1902)". Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Werk unterblieb bisher, erscheint jedoch nach Stichproben dringend geboten.
Bei Winterhalder - der die Belagerung des Gesandtschaftsviertels in Beijing als ranghöchster k.u.k. Offizier überlebt hatte - war der Schwerpunkt auf maritim-militärischem Gebiet logisch und gerechtfertigt. Auch durch die vorhandene Literatur zieht sich dieser marinebezogene Standpunkt wie ein roter Faden. Der personelle und materielle Aufwand Österreich-Ungarns für die militärischen Operationen war im Vergleich zu dem anderer Mächte jedoch sehr gering. Anders liegt der Fall während der Phase der Friedensverhandlungen der Mächte mit China (Herbst 1900 - Sommer 1901), an denen der Gesandte Österreich-Ungarns als Gleichberechtigter teilnahm. Dieser Aspekt wird im Rahmen dieses Forschungsprojekts erstmals ausführlich untersucht.
Schon in der ersten Phase der Untersuchungen konnten Erkenntnisse gewonnen werden, die zu einer neuen Beurteilung der Rolle Österreich-Ungams im Rahmen der internationalen Intervention zur Unterdrückung der Yihetuan-Bewegung führen werden.
Der Anteil Österreich-Ungarns an der internationalen Intervention zur Unterdrückung der aufständischen Bewegung, der bei oberflächlicher Betrachtung gering erscheint, wird im Rahmen des Projekts auf breiter Basis in seinen vielfältigen Dimensionen aufgerollt.
Mitarbeiter: Mag. Dr. Georg Lehner (Email: georg.lehner@univie.ac.at
), Mag. Dr. Monika Lehner (Email: monika.lehner@univie.ac.at
)
Projektleitung: Univ.-Prof. Dr. Wolfdieter Bihl
Kurzbezeichnung: Österreich-Ungarn im weltpolitischen Kontext 1894-1905
Der zeitliche Rahmen des Projekts wird durch zwei bewaffnete Konflikte determiniert, die als Wendepunkte in den asiatisch-europäischen Beziehungen zu bezeichnen sind: Der (I.) Chinesisch-Japanische Krieg 1894/95 machte deutlich, daß China die Rolle der "Supermacht" in Ostasien verloren hatte - der Russisch-Japanische Krieg (1904/05) zeigte, daß Japan als die neue Großmacht in Ostasien bereit und in der Lage war, es mit einer der traditionellen europäischen Großmächte aufzunehmen.
Die veränderte Situation forderte von den europäischen Mächten eine neue außenpolitische Ausrichtung und stellte speziell Österreich-Ungarn, das wie keine andere der "traditionellen" Großmächte auf Europa fixiert war, vor besondere Herausforderungen. Die Grenzen in Europa waren vorerst gezogen, in Mittel- und Südamerika waren im 19. Jahrhundert souveräne Staatsgefüge entstanden und in Afrika ging die Aufteilung der Einflusssphären unter den Mächten ihren Abschluss entgegen.
Die Teilnahme am "imperialistischen Wettlauf" stand jedoch für Österreich-Ungarn nicht im Vordergrund. Proponenten kolonialer Projekte konnten sich in den leitenden Kreisen der österreichisch-ungarischen Politik nicht jenes Gehör verschaffen, das zu einer Umsetzung ihrer Pläne hätte führen können - und dennoch erreichte die Beschäftigung der k.u.k. Diplomatie mit dem außereuropäischen Raum in dem Jahrzehnt zwischen 1894/95 und 1904/05 ein vorher nicht gekanntes Ausmaß.
Im dem Maße, in dem sich das politische Interesse der an überseeischer Expansion interessierten europäischen Mächte zwischen 1895 und 1905 Ostasien zuwandte, verfolgte auch die österreichisch-ungarische Diplomatie diese Entwicklungen - wenn auch zumeist unter dem Blickwinkel möglicher Rückwirkungen etwaiger "weltpolitischer Turbulenzen" auf das machtpolitische Gleichgewicht der sich in zunehmenden Maße definitiver gestaltenden europäischen Bündnissysteme.
Eben diese Beobachtungen (und damit einhergehend die Rezeption und Beurteilung) der Aktivitäten der anderen europäischen Mächte durch und in Österreich-Ungarn sind Gegenstand des Forschungsprojektes.
Die Berichterstattung der k.u.k. Vertreter im Ausland, Denkschriften unterschiedlichster Provenienz sowie die Protokolle der parlamentarischen Vertretungskörper beider Reichshälften werden speziell im Hinblick darauf untersucht, ob aus den Ereignissen in Übersee ernsthafte Rückwirkungen auf die machtpolitische Konstellation in Europa befürchtet wurden, beziehungsweise ob (und gegebenenfalls welche) Strategien die österreichisch-ungarische Außenpolitik dafür entwickelte. Damit verbunden ist die Frage, wie die österreichisch-ungarische Diplomatie die über Europa hinausgreifenden Aktivitäten der anderen Mächte beurteilte und somit in den "europäischen" Kontext einordnete.
Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Untersuchung der Eigendefinitionen der Stellung Österreich-Ungarns in der Welt. Es geht dabei nicht um eine Darstellung der "behördengeschichtlichen Entwicklung" der diplomatischen und/oder konsularischen Vertretungen Österreich-Ungarns im Ausland, es geht um die Erforschung der Rahmenbedingungen der Außenpolitik, der dieser zugrundeliegenden Ideen und der diese konkret bestimmenden Faktoren.
Wolfdieter Bihl -
Forschung