Walter Pohl - Projekte

Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa (Wittgenstein-Projekt)

Die Verleihung des Wittgensteinpreises 2004 an Walter Pohl gibt die Möglichkeit, in der fünfjährigen Laufzeit des Projektes, das Anfang 2005 begann, die Forschungen zum Thema "Ethnische Identitäten im frühmittelalterlichen Europa" zu intensivieren. Das Preisgeld erlaubt den Aufbau eines Wittgenstein-Teams, das aus angestellten Mitarbeitern, Doktoranden, Diplomanden und freien Mitarbeitern (Werkverträge) besteht, und zwar sowohl anm Institut für Mittelalterforschung der Österreichischen Akademie der Wissenschaften als auch an der Universität Wien/Institut für Geschichte bzw. für Österreichische Geschichtsforschung.. Das Wiener Team wird verstärkt durch ausländische Projektmitarbeiter und Gäste, die zeitlich flexibel eingebunden werden können. Darüber hinaus wird Wien Zentrum eines internationalen Netzwerkes, das mit den Mitteln des Wittgenstein-Preises ausgebaut und verstärkt werden kann. Eine intensive Zusammenarbeit besteht vor allem mit den Frühmittelalter-Forschungszentren in Utrecht, Cambridge, Leeds, Paris (Sorbonne-Paris I), Venedig, Los Angeles (UCLA) und Paderborn, aber auch mit weiteren Universitäten und Forschungsinstituten.
Im Frühmittelalter entstanden nicht nur viele Völker, die sich später zu modernen Nationen entwickelten und bis heute die politische Landkarte prägen. Zugleich entstanden neue Vorstellungen von der Rolle der Völker. Ein Hauptziel des Wittgenstein-Projektes ist es, besser zu verstehen, wie ethnische Identitäten in Europa zur Grundlage politischer Macht und individueller Selbstwahrnehmung wurden. Dazu wurde zunächst ein ausführlicher Projektplan erarbeitet (www.oeaw.ac.at/gema/wittg_pro/wittg_pro.htm). Mehrere Teilprojekte haben bereits begonnen (siehe unten). Ein Forschungsseminar im WS 05/06 und ein Forschungspraktikum im SS 06 hatten das Ziel, fortgeschrittene Studenten an die Aufgabenstellung des Projektes heranzuführen. Großen Wert wurde auch auf eine Vermittlung der Fragestellungen und Ergebnisse an eine interessierte Öffentlichkeit gelegt.

Teilprojekt: Ethnische Prozesse des frühen Mittelalters
Das Mittelalter bietet einzigartige Möglichkeiten, langfristige ethnische Prozesse auf Grund beträchtlicher schriftlicher und materieller Quellen zu untersuchen und damit zum Verständnis ethnischer Probleme überhaupt beizutragen. Ein Ziel des Wittgenstein-Projektes ist eine grundlegende Monographie über ethnische Identitäten im ersten Jahrtausend n. Chr. Dazu kommen methodisch orientierte Aufsätzen und Vorträge Grundlagen erarbeitet; erschienen sind in letzter Zeit unter anderem:
* Aux origines d'une Europe ethnique: Identités en transformation entre antiquité et moyen âge, in: Annales: Histoire, Sciences sociales 60/1 (2005) 183-208.
* Justinian and the barbarian kingdoms, in: The Age of Justinian, ed. Michael Maas (Cambridge 2005) 448-76.
* Geschichte und Identität im Langobardenreich, in: Die Langobarden - Herrschaft und Identität, ed. Walter Pohl/Peter Erhart (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 8, Wien 2005) 555-66.
* Frontiers and ethnic identities: some final considerations, in: Borders, Barriers and Ethnogenesis. Frontiers in Late Antiquity and the Middle Ages, ed. Florin Curta (Turnhout 2005) 255-65.
* Pocatki Slowian - Kilka spotrzezen historycznych [Slavic origins - some historical observations], in: Nie-Slowianie o poczatkach Slowian [Non-Slavs about origins of the Slavs] (Warszawa 2006) 11-25.
* Staat und Herrschaft im Frühmittelalter: Überlegungen zum Forschungsstand, in: Staat im Frühen Mittelalter, ed. Stuart Airlie/Helmut Reimitz/Walter Pohl (Forschungen zur Geschichte des Mittelalters 11, Wien 2006) 9-38.


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