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Archive for the 'Edition_1. Weltkrieg in Selbstzeugnissen' Category

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 91, Tagebuch von Anna H., 14. bis 31. Dezember 1916, Graz

Mittwoch, Dezember 14th, 2016

1916-12-14Ab Oktober 1916 führte die 13-jährige Anna H. (geb. 1903) ein stark patriotisch gefärbtes Tagebuch, in dem sie vor allem die aktuellen Kriegsgeschehnisse und auch deren Auswirkungen auf ihre Umgebung schilderte, die sie (vermutlich) aus der Presse übernommen hat. Im Dezember 1916 beschäftigte sie sich entsprechend mit der „Friedensnote“ der „Mittelmächte“. Insgesamt schilderte die Schülerin aus Graz einen starken Friedens-Wunsch in ihrem ganzen Umfeld. Für die bevorstehenden Weihnachten formulierte sie kriegsbedingte Einschränkungen. In welchem Ausmaß diese ihre gutbürgerlich situierte Familie direkt betroffen haben, bleibt unklar. Beschrieben wurden auch verschiedene Benefizveranstaltungen für Soldaten.

14. Dezember 6 h ab.
Noch ist keine Antwort auf die Friedensnote [Friedensangebot vom 12. Dezember 1916] des Vierrerbundes [„Mittelmächte“ Deutschland, Österreich-Ungarn, Osmanisches Reich und Bulgarien] gekommen. England u. Italien sind vorläufig, wie sie t zu den Völkern sagen, nicht für den Frieden bereit. Rußl. und Frankreich sind augenblicklich geneigt, aber England trachtet, sie gegen d. Frieden zu stimmen. Vorläufig kann man nichts sagen, aber der Papst [Benedikt XV] erklärt sich bereit, einzuwirken. Die Schriften, welche d. Vierbund den feindlichen Staaten schickte, hat überall tiefen Eindruck gemacht. Alles würdigt unseren jungen Monarchen [Kaiser Karl I.] u. seine Verbündeten. (…)
Jetzt kommt die schöne Weihnachtszeit! Wie traurig wir[d] es jetzt bei so vielen, ach, so vielen Familien sein! Alles ist jetzt so teuer, nichts bekommt man mehr zu kaufen. Das dritte Weihnachtsfest im Kriegsjahre. Ach! Wird heuer der Friedensfürst, unser Erlöser, Gott und Heiland den Frieden bringen? (auch) Ein Ende machen dem schrecklichen Weltkriege? Ach, möge es doch sein! Wir müssen hoffen, auf Gott vertraun und beten! Ja, beten müssen wir, beten und Gott bestürmen mit Bitten um den Frieden. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 90: ‚Müttertagebuch‘ von Maria E. für ihren 1914 geborenen Sohn „Nusserl“, 10. bis 31. Dezember 1916, Steiermark

Samstag, Dezember 10th, 2016

NL 174 Handschrift Maria EDie ausgebildete Lehrerin und Klavierlehrerin Maria E. (geb. 1890) war seit 1913 mit einem Juristen verheiratet. Er war seit Anfang 1915 zum Kriegsdienst eingezogen. Im Herbst 1913 wurde ihr ältester Sohn Adolf geboren, im August 1914 Heribert, genannt „Nusserl“, 1915 die kleine Hedwig. Für 1917 wurde ein viertes Kind erwartet. Maria E. hat für jedes ein ‚Müttertagebuch‘ geführt. In dem Buch für „Nusserl“ beschrieb die Steirerin 1916 auch die zeitgenössischen Weihnachtsgeschenke: der 2,5-jährige erhielt einen Satz Zinnsoldaten, die er von seinem wenig älteren Bruder offenbar bereits kannte.

10. Dezember [1916]
Zum Jubel der Kleinen kommt Papa zurück. „Papa da! Papa da!“ freut sich Nusserl.
Nun sind die Kinder wieder mehr im Zimmer und ich habe sie viel um mich. Leider bin ich jetzt so nervös, oft fühle ich Schwindel und Üblichkeiten, worunter die lebhaften Kleinen leiden. Nussi zeigt viel Herz, wenn Mama Weh, weh hat. – Manchmal spiele ich Klavier und singe auch hin und wieder. Da kommt er gleich her und will beides selber versuchen und freut sich über seine „Dissonanzen“.

Heiliger Abend: Wieder ist jubelnde Kinderfreude um mich. Weihnachten strahlt aus allen Augen, die lichten Gewänder leuchten neben der Krippe, die Heribert sehr lieb hat. – Unser zweiter bekommt eine Schachtel Zinnsoldaten und eine Trompete. Nun hat er selber seine geliebten Soldaten, denen er ununterbrochen Musik macht, mit denen er redet und befiehlt, bis seine Augen müde sind und süßer Schlummer dem Spiel ein Ende bereitet.

31. Dezember: Heribert beschließt das Jahr mit einer sehr unruhigen Nacht. Wahrscheinlich hat die „Oßmama“ zuviel gute Pappa [Süßigkeiten oder Süßspeisen] hergegeben. (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 89: Tagebuch von Bernhardine Alma, 21. bis 29. November 1916, Wien

Montag, November 21st, 2016

1916 11 22Die 21jährige Wienerin Bernhardine Alma (geb. 1895) ging keiner Erwerbsarbeit nach. Sie war in die Führung des gutbürgerlichen Familienhaushalts eingebunden, seit 1915 war sie zudem stark im unbezahlten Kriegshilfsdienst engagiert. Von 1908 bis 1979 führte sie ihr Tagebuch, das schließlich 47 Bänden umfasste, die geschätzt 25.000 Einträge enthalten. Im Spätherbst 1916 war darin auch der Tod von Kaiser Franz Joseph I. am 21. November 1916 ein Thema. Den Eintrag am nächsten Tag, als sie davon erfahren haben dürfte, hat Bernhardine Alma als ein Gedicht gestaltet, das auch ihre insgesamt ambivalente Haltung zum Krieg ausdrückt.

21./ XI. abends Dienstag
Gott erbarme sich meiner! – Heute zahlte ich die Kohlen am Nordbahnhof; es ging tadellos. Vom R.K. [Roten Kreuz, wo sie an mehreren Tagen in der Woche Schreibarbeiten im Kriegshilfsdienst versah] war ich in der O. F. Trafik [Tabakwarenhandlung von „Onkel Franz“, wo sie zumeist Tabak und Zigaretten kaufe, die sie dann an Soldaten verteilte, die sie in Krankenhäusern besuchte]. Am Weg begleitete ich den P., der sehr nett grüßte, aber wir redeten nichts, weil Mariusl [der 14jährige Bruder der Schreiberin] mit mir ging wahrscheinlich. – – Im R.K. war es öd. (…)

22./XI. abends.
Und wie des Reiches Herrlichkeit – Rings hat erregt der Feinde Neid – Da hast du alles geprüft und erwogen – Und zuletzt noch das Schwert für uns gezogen … Du hast Für uns geschlagen den blutigen Krieg – Und hast uns geführt von Sieg zu Sieg. – Und nun du so viel für uns getan – Wie ein Fürst für sein Reich nur irgend kann – Da mußstest Du wohl zu Gott Vater gehen, für uns den Frieden zu erflehen?!

23./XI. abends. Donnerstag.
Mir tut es um den alten, lieben Kaiser mehr leid als ich dachte. Man kann’s wirklich nicht recht glauben, daß er wirklich tot ist. Es ist, als hätte er gar nicht sterben dürfen. Dabei ist mir der Carl I [Karl I., Nachfolger von Franz Joseph I.] sehr wenig sympathisch und die dazugehörige Zita [Ehefrau von Karl I.] direkt unsympathisch. – – Im R.K. gestern war erst der Dr L., dann der Hr H. sehr nett. Die Minna hat mir wieder Klee gegeben [?]. – Heute Vormittag war ich in der St. E. G. [vermutlich eine bestimmte Kirche], kam aber noch zeitlich genug zurück, um in der Küche zu helfen etz. – (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 88: Tagebuch von Anna H., 21. November bis 2. Dezember 1916, Graz

Montag, November 21st, 2016

1916-11-21Anna H. (geb. 1903) war 13 Jahre alt, als sie im Herbst 1916 begann, ein Tagebuch zu führen. Sie beschrieb darin zum Großteil und zumeist ausführlich Entwicklungen an den Fronten, die sie (vermutlich) aus Zeitungen übernommen hat. Im November 1916 schilderte sie nun ebenso detaillreich die Ereignisse nach dem Tod von Kaiser Franz Joseph I., worüber sie (wahrscheinlich) wiederum aus den Medien informiert war. Ihr soziales Umfeld war gutbürgerlich situiert, die Eltern führten einen Gasthof in der steirischen Landeshauptstadt Graz, Anna H. besuchte eine klösterliche Privatschule.

21. November.
In der Walachei [historische Region Rumäniens] kämpfen die verbündeten Truppen. Die schlugen die Rumänen bei Targujiu [Târgu Jiu] unter Verlusten zurük. Gesamtbeute in der Walachei ist: 19.527 Gefangene, 26 Geschütze, 17 Munitionswagen und 72 Maschinengewehre. Es sind also an allen Fronten (manch) kleinere od. größere Erfolge zu verzeichnen. Hoffentlich kommt bald der langersehnte Friede mit dem vollständigem Sieg. Wir müssen nur auf Gott vertraun.

22. November.
Ach! Jetzt haben wir unseren guten, edlen KAISER + FRANZ JOSEF I. verloren. Und zwar hat er am 21. November 1916 im Schloß Schönbrunn um 9h abends sein tatkräftiges Leben beendet. 86 Jahre hat er hier gelebt. Mit 18 Jahren hat er den Thron bestiegen und 68 Jahre hatte er den Thron Österreichs inne. Kaiser Franz Josef war geboren am 18. August 1840 zu Schloß Schönbrunn b. Wien. Sein Namenstag fiel auf d. 4. Oktober. Am 2. […] Dezember 1848 bestieg er in Olmütz [Olomouc] den Thron. In schwerer Kriegszeit bestieg er den Thron, in noch schwerer Kriegszeit starb er. (…)

(…)

30. November.
Der Kaiser Karl I. [Erzherzog Carl Franz Joseph Ludwig Hubert Georg Otto Maria von Österreich, als Karl I., Nachfolger von Franz Joseph I.] hat folgenden Armee und Flottenbefehl erlassen: Ich will, daß mein erstgeborener, Mir durch Gottes Gnade geschenkter Sohn [Otto, geb. 1912] von nun an Meiner braven heldenmütigen Wehrmacht angehört, und nenne ihn zum Oberstinhaber Meines Infanterie-Regiments No17, welches von nun an den Namen „Kronprinz“ zu führen hat. So ist also der kleine 4jährige Franz Josef Otto schon Oberstinhaber eines Infanterieregiments. Außerdem hat d. Kaiser d. Erzh. Friedrich [Herzog von Teschen und Feldmarschall], den Oberkommandanten aller militärischen Armeen, das Großkreuz d. Maria Theresienordens /./. Auch ist Freiherr von Conrad [vermutlich: Franz Conrad von Hötzendorf] zum Feldmarschall ernannt worden.

21. Dezember
Gestern, am 30. OKTOBER ist Kaiser Franz Josef zu Grabe getragen worden. Ein[e] gar traurige Sache. Alle Schüler hatten frei, und eine Ansprache wurde gehalten und (In der Marienkirch[e] war gestern Tra) feierliche Trauermessen wurden gelesen. In der Marienkirche war (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 87, Briefe von Marie Zohner an den Verlobten, 25. und 28. Oktober 1916, Hohenau an der March (Cáhnov) in Niederösterreich an einen unbestimmten Ort an der Ostfront

Dienstag, Oktober 25th, 2016

nl148_zohner_buendel_klein01Marie Zohners (geb. 1894) Eltern waren „Häusler“ in Lomnice (Lobnig) in Mähren, sie war zur Arbeit als Dienstmagd bei einer hochadeligen Forstverwaltung nach Hohenau an der March (Cáhnov) im nördlichen Weinviertel gekommen. Hier hat sie den Metallgießer Anton (Toni) Swatschina (geb. 1892) kennen gelernt, aus ihrer gemeinsamen Korrespondenz sind 21 Briefe von 1916 bis 1918 erhalten. Anlässlich der Verlobung des Bruders ihres Freundes Anton Swatschina beschrieb die 22jährige im Oktober 1916 die Situation von unverheirateten Müttern in ihrer Umgebung. Das zweite bestimmende Thema in der Zeit ist der plötzliche Tod eines gemeinsamen Bekannten. Dazwischen schildert sie weiters ihre Arbeiten in der bäuerlichen Umgebung.

25./X. [1916]
Liebster Toni!
Besten Dank für erhaltenen Brief vom 20. Freut mich, daß du wieder soweit hergestellt bist. Wünschte es auch schon lange. Habe eben gestern erfahren, daß Fritz P. so krank sein soll. Haben ihm dieser Tage versehen lassen [vermutlich: mit christlichen Sakramenten]. Seit Sonntag liegt er. Was ihm eigentlich fehlt weiß ich noch nicht, habe nur gehört, daß er sich verkühlt hat vom Zug. Die Resie [die junge Ehefrau des Kranken] fahrt immer um den Doktor nach St. Johann. Es kommt halt oft schnell etwas über einen Menschen. Möchte schon wissen, ob es ihm schon besser geht.
Bin ganz erstaunt, da Du mir schreibst von Deinem Bruder Fritz, daß er heiraten will, da er in jetziger Zeit ganz dagegen war, sagte immer, bis nach dem Krieg. Wie ich letztesmal oben war, meinte er zwar, doch ich dachte, daß es nur Spaß wäre. Also hat er sich doch besonnen. Freilich, ist es ja doch besser so wie Du schreibst. Da war auch vorige Woche die Fanny bei uns Holz zahlen. Habe mir Ihr gesprochen, habe mich aber so gestellt, als ob ich von allen nichts wüßte. So erzählte sie mir, daß sie einen Buben hat, aber nicht – Mit Fritz geht sie schon lange nicht mehr. Über ein Jahr kennt sie schon wieder den J. Fritz hat nie gesagt so oder so. So hat sie dann Schluß gemacht. Jetzt geht sie wieder mit dem Kind nach Wien, dort hat sie ein Kabinett und Ihre Schwester bleibt bei dem Kind. Dann (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 86: Feldpost von Christl Lang und Leopold Wolf, 13. bis 23. Oktober 1916, Wien und ein unbekannter Ort an der Front an der italienischen Riviera

Donnerstag, Oktober 13th, 2016

1916 10 13Der Architekt Leopold Wolf (geb. 1891) war im Oktober 1916 nach seinem Urlaub in Wien an die Front in Italien zurückgekehrt, wo er als Leutnant in einer Mörserbatterie stationiert war. Seine Verlobten Christl Lang (geb. 1891) beschrieb in ihren ausführlichen Briefen das Reden über einen „Sonderfrieden mit Russland“, das Attentat auf Karl Graf Stürgkh und Hungersnöte, gab aber an, selbst gut versorgt zu sein. Sie schilderte ihre Arbeiten im Haushalt und im Geschäft der Eltern, die Freizeitbeschäftigungen und die Kontakte mit ihrer und der Familie des Verlobten wobei sie von kleine Kindern berichtete, die patriotische Lieder vorführten. Sie erkundigt sich detailliert nach den Tätigkeiten des Verlobten bei Kampfhandlungen und und nach Gegebenheiten in der Kompanie, beschrieb ihre Strategien, die Trennung auszuhalten und erinnerte an gemeinsame Erlebnisse. Ein in dieser Korrespondenz ständig präsentes Thema ist der Erhalt von bzw. das Warten auf Poststücke.

Feldpostkorrespondenzkarte, Leopold Wolf an Christl Lang

13.10.16.
Liebste Christl!
Heute habe ich das erstemal ordentlich schlafen können; nachdem ich schon seit der Abfahrt nicht recht aus den Kleidern kam war mir das natürlich eine besondere Wohltat. Mit Wasser ists hier ein besonderes Gefrett [Schwierigkeit]. Wir bekommen zwar genügend Sauerwasser und auch Wein aber die Mannschaft kriegts nur knapp bemessen. Wie das sein wird mit dem Wäsche waschen weiß ich noch nicht. „Ansonsten“ ists herrlich hier. Die Katzelmacher [Italiener/innen] machen sich zwar manchmal recht unangenehm bemerkbar, aber hoffentlich bleibts so und wird nicht ärger. Geschlafen habe ich einmal in einer Doline [Bodensenke in Karstgebieten], sonst heute in einem Dorf rückwärts. Man kann ganz gut noch draußen kampieren. Tagsüber ist es so warm, daß ich froh bin die Sommerbluse zu haben, die hellen Mondnächte sind etwas kühl. Auch heute schlafe ich draußen, weil ich Batteriedienst habe. Von nun an haben wir geregelten Dienst, so daß wir jeden zweiten Tag frei sind. Da werde ich einmal ins Meer baden gehen, vor allem aber einmal einen langen Brief schmieden. Viele herzliche Grüße und tausend Küsse Dein
Poldi.
Handküsse zu Hause.

Briefe von Christl Lang an Leopold Wolf

Wien, 18. Okt. 1916.
Liebster Poldi!
Habe heute Deine Karte vom 15. ds. erhalten, ich freute mich schon so auf einen Brief, einstweilen sinds wieder nur ein paar Zeilen; immerhin danke ich Dir herzlichst für die Karte, woraus ich erseh, daß es Dir erträglich geht, was mich wieder sehr beruhigt. Seit Samstag machte ich mir allerlei Gedanken ich hatte einen so merkwürdigen Traum, einen Spiegel hab ich auch zerbrochen, am Sonntag nämlich. Du wirst mich abergläubisches Ding gewiß auslachen, aber es ist schon so.
Es scheint eine Menge Post in Verlust zu geraten, 1. diesen Brief, durch einen Inft. Lt. befördert, habe ich nie erhalten, leider, Deine Fp. N. habe ich erst am 16. ds. früh erfahren und habe sofort die 2 für Dich bereit gelegenen Briefe auf die Post gebracht. Heute wirst Du sie ja schon haben.
Auch wir hatten herrliche Herbsttage und daß es dort unten angesichts des blauen Meeres erst recht schön sein muß, begreif ich gern. Also ein galizischer Winter wirds auf keinen Fall, nun schon ein Übel weniger, wenn nur alles Anders auch darnach gestimmt wäre, daß (mehr …)

Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 85, Tagebuch von Anna H., 7. bis 15. Oktober 1916, Graz

Freitag, Oktober 7th, 2016

1916-10-07Anna H. (geb. 1903) wuchs in gut situierten Verhältnissen in Graz auf, wo die Eltern einen Gasthof führten. 1916 besuchte sie eine private Klosterschule. Das von ihr in der Sammlung Frauennachlässe als Kopie vorliegende Tagebuch umfasst den Zeitraum von Oktober 1916 bis November 1917. Die ersten Einträge der 13jährigen enthalten detaillierte Wiedergaben von Preis-Entwicklungen, Lebensmittel-Rationierungen der Geld-Entwertung sowie patriotisch gefärbte Nacherzählungen von Front-Verläufen. Dazu berichtete Anna H. auch von Demonstrationen in der steirischen Hauptstadt, deren Teilnehmer/innen sie als „Weiber“ und „ehrlose Buben“ bezeichnete sowie von Ausgangssperren. Es ist zu vermuten, dass sie zum Führen dieser Aufzeichnungen in der Schule motiviert wurde oder dass sie (teilweise) auch im Rahmen des Unterrichts verfasst worden sind.

Graz, Prankergasse 40.
Mein Tagebuch
angefangen
im Oktober 1916.

7. Oktober
Es besteht jetzt eine sogroße Lebensmittelteuerung, so daß man kaum weiß, waß man kaufen soll. So z.B. kosten
1 Ei 30 h
1 l Liter Milch 40 bis 46h
1 l Wein 160 bis 240 K
1 l Most 60 h
1 l Öl 14 K
1 kg Zucker 1 K 4 h
1 kg Schmalz 8 bis 12 K
1 Laib Brot 40 h nur 700 g oder 80 h (1.400 g)
1 kg Butter 10 K
1 kg Rindfleisch 8 K
1 kg Kalbsfleisch
1 kg Schweinefleisch 9 K
1 kg Kaffee 12 K
1 l Bier 1 K 12 h
Außerdem bekommt man es sehr schwer. Man muß stundenlang stehen und warten und bekommt zum Schluße garnichts.
Wir haben jetzt Brot-, Zucker-, Kaffee- und Fettkarten. Brot muß jede Partei selbst holen, und zw. bei einem bestimmten Bäckern. Für eine Person kommt im Tage nur um 10h Brot (225g). Für eine Person kommt im Monat 1 1/4 kg Zucker, 3/16 kg Kaffee und 12 dag Fett.

8. Oktober
Im September waren die großen Überschwemmungen der Mur und Drau. Gründe sind Wolkenbruch in Obersteiermark und Weststeiermark. Die Mur überschwemmte die Gegend zwischen Gösting [nördlicher Bezirk von Graz] und Stübing [Ortschaft ca. 20 km nördlich von Graz], Leibnitzerfeld [südlich von Graz]. Die Straßen standen teilweise metertief unter Wasser. Der Kukerutz [steirischer Begriff für Mais] schaute nur mit den obersten Teilen aus dem Wasser. Kürbisse schwammen auf dem Wasser. Aus Oberstein [?] kamen Kälber und Wild heruntergeschwommen. (mehr …)