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Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 87, Briefe von Marie Zohner an den Verlobten, 25. und 28. Oktober 1916, Hohenau an der March (Cáhnov) in Niederösterreich an einen unbestimmten Ort an der Ostfront

nl148_zohner_buendel_klein01Marie Zohners (geb. 1894) Eltern waren „Häusler“ in Lomnice (Lobnig) in Mähren, sie war zur Arbeit als Dienstmagd bei einer hochadeligen Forstverwaltung nach Hohenau an der March (Cáhnov) im nördlichen Weinviertel gekommen. Hier hat sie den Metallgießer Anton (Toni) Swatschina (geb. 1892) kennen gelernt, aus ihrer gemeinsamen Korrespondenz sind 21 Briefe von 1916 bis 1918 erhalten. Anlässlich der Verlobung des Bruders ihres Freundes Anton Swatschina beschrieb die 22jährige im Oktober 1916 die Situation von unverheirateten Müttern in ihrer Umgebung. Das zweite bestimmende Thema in der Zeit ist der plötzliche Tod eines gemeinsamen Bekannten. Dazwischen schildert sie weiters ihre Arbeiten in der bäuerlichen Umgebung.

25./X. [1916]
Liebster Toni!
Besten Dank für erhaltenen Brief vom 20. Freut mich, daß du wieder soweit hergestellt bist. Wünschte es auch schon lange. Habe eben gestern erfahren, daß Fritz P. so krank sein soll. Haben ihm dieser Tage versehen lassen [vermutlich: mit christlichen Sakramenten]. Seit Sonntag liegt er. Was ihm eigentlich fehlt weiß ich noch nicht, habe nur gehört, daß er sich verkühlt hat vom Zug. Die Resie [die junge Ehefrau des Kranken] fahrt immer um den Doktor nach St. Johann. Es kommt halt oft schnell etwas über einen Menschen. Möchte schon wissen, ob es ihm schon besser geht.
Bin ganz erstaunt, da Du mir schreibst von Deinem Bruder Fritz, daß er heiraten will, da er in jetziger Zeit ganz dagegen war, sagte immer, bis nach dem Krieg. Wie ich letztesmal oben war, meinte er zwar, doch ich dachte, daß es nur Spaß wäre. Also hat er sich doch besonnen. Freilich, ist es ja doch besser so wie Du schreibst. Da war auch vorige Woche die Fanny bei uns Holz zahlen. Habe mir Ihr gesprochen, habe mich aber so gestellt, als ob ich von allen nichts wüßte. So erzählte sie mir, daß sie einen Buben hat, aber nicht – Mit Fritz geht sie schon lange nicht mehr. Über ein Jahr kennt sie schon wieder den J. Fritz hat nie gesagt so oder so. So hat sie dann Schluß gemacht. Jetzt geht sie wieder mit dem Kind nach Wien, dort hat sie ein Kabinett und Ihre Schwester bleibt bei dem Kind. Dann hat sie mich gefragt ob Du mir noch schreibst. Gefreut hat sie sich noch, daß Deine Mutter gesagt hat. – Unsere Fanny. – Hatte nicht mehr Zeit, noch mit Ihr zu reden, da wir beim Waschen waren. Frl. Irene hat auch Pech gehabt. Sie sagt, sie hat überhaupt kein Glück mit den Männern. Der letzte hat auch schon vom Heiraten gesprochen, ja dann bekommt sie einen Brief von einem Mädel aus Schlesien. Diese schreibt Ihr in seinem Namen, da er es nicht imstande ist und keinen Mut besitzt, daß sie einen Buben hat von ihm. Sie hat Ihm sofort abgeschrieben. Er hat aber nichts mehr hören lassen. So falsch sind die Männer. Sie hat sich wieder schnell getröstet. Es weiß aber niemand davon, bitte auch Dich, nichts zu erwähnen. Sie sagt, sie wird nicht mehr heiraten, sie haßt jetzt die Männer. Nun muß ich aber aufhören mit solche Sachen. Kann auch nicht so lange schreiben bei Licht, habe mir schon die Augen verdorben, wahrscheinlich von dem vielen Nähen. TErst durch einige Wochen drückts mich in den Augen immer nur beim Licht. Schlechte Zeit haben wir auch jetzt, immer Regen u. wieder einen Tag schön. Kommen gar nicht weiter mit dem Anbau [vermutlich: vom Gemüse für das kommende Jahr]. Arbeit sehr viel.
Nun schließe ich mit herzlichen Grüssen und Küssen
Deine Liebe.

28./X. 1916
4/16
Liebster Toni!
Habe Dir schon bereits die traurige Nachricht mitgeteilt. Heute um 3 Uhr war das Begräbnis. Habe ihm auch noch das letzte Geleit gegeben. Der arme Fritz was er noch ausstehen mußte! Das Begräbnis war sehr feierlich. Mit Musik, Feuerwehr, Veteranen und eine große Menschenmenge. Hr. S. ist auch hingekommen und hat geweint. Es war auch sehr traurig erst 3 Wochen verheiratet u. muß so schnell scheiden von der Welt. Es war gerade heute vor 8 Tagen, Sonntag, hat er sich zu Mittag nur mehr so nach Hause geschlichen aus der Fabrik, so hat er sich gleich niedergelegt, weil ihm so kalt war. Montag ist er noch liegen geblieben u. Dienstag auch es war ihm weiter nicht viel.
So sinds Dienstag nachmittag beim P. [Familie des Kranken] Rüben herausnehmen gegangen. Die Resie wollte zu Hause bleiben, er aber sagte, sie soll nur mitgehen, damit sie früher fertig werden u. ist noch aufgestanden u. hat zugesperrt. Abends kommens nach Hause und finden ihm sprachlos auf. Jetzt sinds gleich zum Doktor. Er sagte, er wird nur noch 2 od. 3 Tage leben. Haben ja einige Doktoren gehabt, aber was nützte das. Mittwoch hat der Hr. P. [vermutlich der Vater des Kranken] seine Frau geholt und das Mädl. Kannst Dir denken – Er hat sich auf die Seite gedreht u. geweint, hat nicht ein Wort reden können. Gehirnhautentzündung u. Genickstarre ist dann eingetreten. Was der Arme ausgestanden hat! Dann Freitag 26. um 10 Uhr nachts ist er den Schmerzen erlegen. Es rührt aber von dem Aug’ her, habe ich gehört. Dienstag war noch eine Frau G. dort, nachmittag. Sie hat nicht gewußt, daß niemand zu Hause ist. Er hat ihr aufgesperrt und hat sie angestarrt Sie ist erschroken, da er nicht ein Wort gesprochen und hat wieder zugesperrt. Muß aber nun schließen, denn es ist genug der Traurigkeit, nichtwahr, Wollte, damit Du auch alles weißt. Wie es dem Armen ergangen ist. Dein Bruder Fritz wird Dir wahrscheinlich noch nicht geschrieben haben. Hat auch soviel geweint.
Nun sei innig geküßt
Deine Liebe.

Sammlung Frauennachlässe NL 148 I
Nächster Eintrag aus der Korrespondenz von Marie Zohner im laufe der kommenden Monate

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Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 87, Briefe von Marie Zohner an Anton Swatschina, Datum, SFN NL 148 I, unter: URL

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