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Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 107: Tagebuch von Bernhardine Alma, 17. und 18. Juli 1917, Wien

NL 09 Alma Bernhardine 1917 07 17Bernhardine Alma (geb. 1895) war in einer gutbürgerlichen Wiener Familie aufgewachsen. Sie hatte keine weiterführende Schulbildung erhalten, veröffentlichte aber u. a. Fortsetzungsromane in Zeitungen. Seit Winter 1915 war sie mehrmals in der Woche als Schreiberin im Kriegshilfsdienst aktiv. Daneben besuchte sie regelmäßig verwundete Soldaten in Wiener Spitälern. Dabei hatte sie eine engere Bekanntschaft mit Jaro G. geknüpft, mit dem sie aber seit Monaten keinen Kontakt mehr hatte. In ihren regelmäßigen und ausführlichen Tagebucheinträgen gibt sie neben persönlichen Erlebnissen wie etwa den Spannungen mit anderen Frauen im Kriegshilfsdienst auch immer wieder Hinweise auf die Versorgungssituation in Wien. Mit dem Kürzel „Kohlenostbahnhof“ vermerkte sie dabei etwa den Umstand, dass sie um Feuermaterial am Bahnhof anstehen mußte.

17. Juli 1917. abends. Dienstag.
Wie soll ich Gott danken? Womit verdiene ich diese heutige glückliche Stunde? – „Und“ sagt Schillers Thekla „kann’s nicht finden, daß ich glücklich bin!“ Nein, glücklich bin ich eigentlich nicht, aber ich hatte heute ein großes und liebes Glück – und doch keine unerwartetes. Denn ich habe darauf gewartet – monatelang – und nun ist dieser schöne Augenblick gekommen – ich habe ihn wiedergesehen [Jaro G., eine Bekanntschaft, die die Schreiberin 1916 bei ihren Besuchen von verwundeten Soldaten gemacht hat], seine liebe Stimme gehört, seine geliebte Berührung gefühlt– – – Nun nachholen: Freitag beichtete ich in der Stefanskirche beim Pater K. (er nannte mir nämlich seinen Namen!) Sonntag mit Erfolg Kohlenostbahnhof, Sonntag heilige Communion. Nachmittags war Co mit der Kleinen [Schwester Cora von St., geb. 1890, mit ihrer neugeborenen Tochter] und dem Sergiusersatz S. [Sergius von St. war der Ehemann von Cora] da, der fast so langweilig [ist] wie der Milo [?] und der Ma [Mutter] sehr, sehr zuwider war – wie die Co mit der Kleinen mitunter auch.
Gestern im R.K. [Kriegshilfsdienst im Roten Kreuz] ging ich abends zum H. hinein [vermutlich ein Vorgesetzter], ihn etwas Belangloses fragen, und die P. [vermutlich eine Kollegin] nervös machen. Der H. ließ mich nicht fort, machte mir den Hof und wir lachten zusammen über die P., die draußen herum tanzte. Heute, vorm Fortgehen, ging ich wieder hinein, mich verabschieden, weil ich mir bis zum 1. August Urlaub nehme. Ich sagte, nachdem die Frl. P. nicht da sei, heute nicht so lange zu bleiben. Er war wieder reizend, hielt meine Hand fest die ganze Zeit, tätschelte sie und wieder machte mir den Hof. –
Heute, als ich von der Steg [?] nach Hause kam, war der Jaro da. – Ich wollte erst nicht hinein, sodaß Mama mit mir hinein ging. Und dann waren wir allein. Er ist etwas abgespannt, sieht aber sonst sehr gut aus. Erst konnte ich gar nicht viel reden – ihn nicht einmal recht ansehen – er erzählte vom Feld – und dann von mir –wie er immer an mich gedacht, als er ins Feld gegangen, habe er, in der Meinung, mir gleichgültig zu sein, den Tod gesucht – er sei gerne ins Feld gegangen, da er in Wien alles verloren. – Ich wisse nicht, was er mitgemacht und gelitten hat, sonst würde ich anders über ihn denken – hätte er gewußt, daß mir sein Schreiben recht sei, hätte er zu viel geschrieben, er hätte so gerne geschrieben – er denke genau so wie damals – der Schein sei gegen ihn – aber ich werde es noch erkennen und dann sagte er noch allerhand und ich sagte endlich, daß ich Angst um ihn gehabt – darüber war er scheinbar sehr, sehr froh – wenn er das gewußt hätte! – von der Front aus hätte er sich eher schreiben getraut. –

Ich weiß gar nicht mehr alles, was er sagte, immer wieder erklärte er mir – diesmal indirekt – seine Liebe – nahm meine Hand, streichelte sie, hielt sie fest in lieber, warmer Berührung. Geküßt hat er sie nur bei der Begrüßung. Leider weiß ich nicht mehr alles, was er sagte – ich erinnere mich nur an seinen lieben, zärtlichen Ton – an die warme, große Liebe, die mir aus seiner Nähe entgegen kam. Er ist gestern abends angekommen und muß am 1. August wieder fort. Wenn er nur bald, bald wieder kommt. Morgen mehr! – Zu finster!

18. Juli 1917. ¼ 6 ungefähr
„Jede Seele hat ihren Tag“ Ich möchte in der Stefanskirche knien, wenn es dunkel ist – und Gott danken – danken und Ihn bitten, mir das Glück nicht zu nehmen – im Gegenteil – Gott ist so gut, oh möge Er Seine Gnade mir weiter schenken. – – – Ich schreibe heute Nachmittag herein, denn es drängt mich dazu – ich muß meinem Herzen freien Lauf lasse – – Wie stumpfsinnig war ich, als ich meinte, mich in den H. ordentlich verlieben zu können! Er war gestern und vorgestern reizend gegen mich, ich lasse mir gerne von ihm den Hof machen und finde ihn manchmal sehr nett – aber welcher Liebe ich fähig sein kann – fähig bin, das kann ich an ihm nicht messen – Gestern kaufte ich mir am Stefansplatz in dem großen Kirchengeschäft eine kleine Unsre liebe Frau mit dem geneigten Haupt [vermutlich ein Andachtsbild], fürs Feld. Es ist reizend und lasse ichs Sonntag oder Samstag weihen – bei uns in der Othmarkirche. Gestern gab ich die „Familie Dr. Kellermann“ in die Öst. III. Zeit. auf [vermutlich ein von der Diaristin verfasster Fortsetzungsroman]. Heute erfolgreich Kohlennordbanhof; somit sind die Kohlen glücklich erledigt. Ich dachte, was sein wird, wenn ich wieder gehe – was? – – – – […] Gothe schreibt in den Briefen an die Fr. v. Stein in einem Gedicht von den Sternen „die mein Geschick an deines angehangen“.

Als ich heute Vormittags beim Waschen von Marius [jüngerer Bruder] Hemd und zwei Deckerln war, läutete es. Ma öffnete, rief mich zum Jarerl hinein und wir waren allein. Er war diesmal nett uniformiert, sah reizend und riesig hübsch aus. – War er gestern schon lieb und zärtlich, so war er es heute noch viel mehr. – Wenn er von seiner Liebe spricht, findet er so schöne Worte wie ein Dichter – ich könnte stundenlang sitzen und seiner lieben Stimme zuhören. – Leider weiß ich wieder so vieles nicht mehr. – Er bat mich, ihm zu glauben – sonst hätte das Leben keinen Wert für ihn – denn jeder Mensch hat einen Wunsch und ohne Erfüllung dieses sei das Leben wertlos – er will nicht wieder so in die Front gehen, er will Klarheit haben, aber ich spreche nichts, da traut er sich auch nicht zu sprechen, wir leiden alle beide – ob das denn notwendig sei – Er hätte mir so viel zu sagen – ob ich ihm böse sei – ob ich denn an seiner Liebe zweifle – ich müßte wissen, daß er mich gerne hat. – In der Front hat er immer an mich gedacht, in den schrecklichen Momenten denkt man doch an das Liebste – und wenn er dann dachte, daß ich ihm so nicht glaube, könne ich mir seine Stimmung denken – dann sucht man den Tod, um zu vergessen – da man sonst nicht vergessen kann.
Jeder Mensch müsse doch neben den Eltern jemanden haben, den er gerne hätte, lieber als diese, und da hätte er gedacht, ob ich’s für ihn nicht sein wolle. – Und die letzten Zeilen für mich hat er schon geschrieben, die hat er bei sich und die bekomme ich, wenn ihm in Feld etwas geschehen sollte, dann würde ich ihm glauben. (Das hätte ich gar nicht schreiben sollen!) Er denkt und fühlt wie vor 2 Jahren – und ob ich ihm nie glauben würde – und dann sagte er noch so viel, er redete mir so lieb zu – so zärtlich – ich kann ja seinen Ton, seinen Blick, die Art seines Sprechens nicht schildern – und zweimal nahm er meine Hand trotz meines Widerstrebens, küßte und streichelte sie – das war dieselbe warme, zärtliche, leidenschaftliche Berührung wie damals. – Ich weiß es, daß er mich lieb hat – das ist keine Verliebtheit mehr, das ist die echte, große Liebe – wie ich sie zu ihm habe. –
Er fährt heute zu seinem Papa nach Mähren, kommt in 4-5 Tagen zurück und dann sofort her. Er hat mir „Das Dreimäderlhaus“ (Klavierauszug mit Text) und ein Lied „Seemannslos“ zum Andenken mitgebracht, wenn es mich nicht beleidigt – und will durchaus, daß ich mehr Klavier spiele, ihn begleite, es ihm zuliebe tu. Er war heute wieder so hübsch – warum er mich eigentlich so gerne hat? Denn wenn ich’s nicht schon längst gewußt hätte, nach dem heutigen müßte ich’s wissen. Leider weiß ich soviel nicht mehr. Aber ich weiß, daß ich ihn unsagbar gerne habe, daß ich mich schon wieder nach seine süßen Gegenwart sehne –
Ob er mir schreiben wird von Mähren? – Ihm gefällt meine Aufrichtigkeit so gut – ach, wenn ich ihm einmal aufrichtig sagen möchte, wie sehr ich ihn liebe – ich bin ihm das Liebste – ich glaube, er mir auch! In seiner Nähe könnte ich gesund und innerlich glücklich werden! – Wann er wieder kommen wird? – Ich möchte mich so gerne mit ihm verloben! Dann könnte ich ihn doch küssen so viel ich will, – nein, so viel doch nicht!
Nun muß ich aufhören. Ich könnte ja noch stundenlang fortschreiben und hätte mich doch nicht ausgeschrieben – Was schöpfts du aus dem Meere mit der Hand Und ärgerst dich, daß du nicht mehr Daraus kannst schöpfen als die Hand voll eben? Heute vor 2 Jahren küßte er mich das erste Mal. Gott ist so gut! – Er möchte eine Verlobung geben und daß dem Jarerl nur nichts geschieht! Gott möge ihn schützen und die seligste Jungfrau! D.W.g. [Dein Wille geschehe]!

Sammlung Frauennachlässe NL 09
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Die Verwendung der Namen der Schreiber/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachlässe mit den Übergeber/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgründen anonymisiert.

  • Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, “… ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!” Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und Männlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002.

Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 107, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL

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