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Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 120: Tagebuch von Bernhardine Alma, 25. Dezember 1917, Wien

NL 09 Alma Bernhardine 1917 12 25Bernhardine Alma (geb. 1895) lebte in einer gutbürgerlichen Wiener Familie. Gemeinsam mit ihrer Mutter und Dienstmädchen führte sie den Haushalt, der Vater war in leitender Position in der Donausdampfschiffgesellschaft tätig, Schwester Sigrid Alma (geb. 1891) als Fotografin, Bruder Marius  (geb. 1902) war Schüler. Schwester Cora von S. (geb. 1890) lebte nach ihrer Heirat in der Nähe. In ihrem seit 1908 regelmäßig geführten Tagebuch dokumentierte die 22-Jährige detailliert ihre Erfahrungen, Lebensumstände und Beobachtungen der Umgebung. Am Christtag 1917 beschrieb sie die erledigten Korrespondenzen, die absolvierten Besuche und Kirchgänge sowie die transferierte Geschenke. Das Festessen kommentierte sie als „gar nicht kriegsmäßig“. Neben einem Wiedersehen mit einem bestimmten jungen Mann wünschte sie sich schließlich „endlich Friede den Menschen auf Erden“.

Christtag 1917. 25./XII. 1917 abend Dienstag
Wir haben ein echtes Weihnachtswetter, so ruhige, weiße Wintertage mit solch lieben, schönen Schnee – – Ich danke Gott von Herzen – und bitte Ihn um Frieden – Frieden! Nun kurz nachholen! – Sonntag hl. Communion. Nachmittags Theater. Statt der „Schönen Helena“ war wieder die „Fledermaus“, weshalb die Marie [vermutlich das Dienstmädchen] statt der Sigrid ging. Die Operette (besonders die Musik) ist reizend, nur die Aufführung war nicht gerade auf der Höhe. Vorher war ich im St. Elisabethspital [wo sie regelmäßig verwundete Soldaten besuchte] und brachte der Schwester Karoline und der Haveria 1 Flasche Wein. Die Schwestern waren sehr nett und von der Haveria bekam ich ein herziges Heiligenbild. Diese Genügsamkeit, diese Reinheit und Kindlichkeit der Klosterfrauen ist beneidenswert. Ich hatte Weihnachts- oder Neujahrskarten der Sigrid, Sektionschef, dem H., S., Baronin T., der H. und der Elsa als Antwort auf ihren letzten Brief geschrieben und dann die an das Jarerl damals. [Bernhardine Alma hatte Jaro G. im Krankenhaus kennen gelernt. Er war im Sommer 1917 einige Male in der Familienwohnung auf Besuch gekommen, inzwischen aber wieder zum Frontdienst eingerückt.] – Gestern bekam ich einen Brief vom Fritz [?], er hat Typhus und Malaria und ist im Spital, dann den Dank der Fürstin auf mein Beileid (ihr Neffe ist gestorben), dann eine Weihnachts=Neujahrkarte von der Erna v. T. (leider muß ich antworten) – Sonntag eine Weihnachtskarte von der W. (hab keine Adresse zu antworten). Heute eine von der S. (muß antworten). [Bei den drei genannten Frauen handelt es sich vermutlich um Kolleginnen bzw. Vorgesetzte im Rot-Kreuz-Dienst.]

Gestern also war Weihnachten und nicht sehr weihnachtlich, obwohl es herzig war und wir – auch heute – gar nicht kriegsmäßig gegessen haben. Mich freute es, daß dem Pa [Vater] mein Bröselteig gar so gut geschmeckt hat, besser als der gekaufte und das von der /Oberstltin/ [?]. – Ich habe von Marius Ansichtskarten, von Sigrid (sie hat sehr viel Geld ausgegeben) am Abend vorher ein Heitdaunzweigerl [?] und gestern Ansichtskarten u. Album, 2 Karterln, viel Eibischsaft, ein reizendes Ketterl und Briefpapier bekommen. Von Großma 20 K, die weiter nicht vorkommen; von den Eltern Bleistifte, Federn, Briefpapier, Schuhe und 12 K.

Ich muß kurz schreiben, weil’s schon eilt. Es war aber sehr nett und die Eltern sind riesig lieb zu mir. – Das Weihnachten war wirklich reizend, wenngleich nicht so, wie ich’s gerne wollte! – Heute Pfarrerlbeichte [Beichte bei einem häufig besuchten Pfarrer], hl. Communion. Nachmittag Cora, Großma, Tante Kitterl! – Die Geistlichen haben so viel zu tun und sind doch teilweis so nett! – Hoffentlich ist der Krieg bald aus! Wie’s Jarerl Weihnachten verbracht hat? Wann er Urlaub bekommen wird? – Mein Gott, du bist doch so gut – oh, schenke endlich Friede den Menschen auf Erden!

Sammlung Frauennachlässe NL 09
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Die Verwendung der Namen der Schreiber/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachlässe mit den Übergeber/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgründen anonymisiert.

  • Zum Tagebuch von Bernhardine Alma im Ersten Weltkrieg siehe auch: Ulrike Seiss, “… ich will keinen Krieg oder als Krankenschwester mit!” Selbstinszenierungen, Kriegsrezeption und Männlichkeitsbilder im Tagebuch einer jungen Frau im Ersten Weltkrieg, Wien, Diplomarbeit, 2002.

Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 120, Tagebuch von Bernhardine Alma, Datum, SFN NL 09, unter: URL

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