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Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 117: Briefe einer Freundin an Anna Kozdera, 29. Oktober und 14. November 1917, aus Bohumin/Oderberg nach Wien

Anna Kozdera (geb. 1895) war gemeinsam mit ihrer Familie von Böhmen nach Wien migriert. Die Mutter arbeitete hier als Hausangestellte, der Vater als Kutscher. Anna Kozdera selbst war Näherin, v.a. stellte sie Herrenhemden her. Aus ihrer Jugendkorrespondenz sind nur die folgenden zwei Schreiben erhalten, die sie 1917 von der Schwester ihrer Freundin Annyken W. erhalten hat. Bertl W. berichtet auf den schwarz umrandeten Briefbögen, dass Annyken an der Ruhr verstorben war und schildert ihre letzten Lebenstage. Gleichzeitig wird die Organistation der kurz zuvor abgehaltenen Hochzeit beschrieben. Die Schreiberin dürfte ihrerseits als Hausangestellte gearbeitet haben.

Oderberg 29.10.1917.
Liebwertes Fräulein!
Vorallen bitte ich um Verzeihung wenn ich unbekannter Weise Sie Liebes Fräulein mit dem Zeilen Belästige. Eine tieftraurige Nachricht, die Ihnen fast unglaublich, vorkommen wird muß ich Ihnen mittheilen, und zwar das unsre inniggeliebte Schwester die tückische Krankheit erfaßt hat und an der Ruhr den 27.10.1917 gestorben ist.
8 Tage nach der Hochzeit erkrankte Sie, machten alle Hausmittel doch Gott sollte Sie haben und ließ kein Mittel helfen. Dann als Sie schon so schwach war mußte Sie in einen Krankenwagen überführt werden ins Spital wo wir Sie nicht sehn und sprechen durften. Ich fuhr einige male zu Ihr mit vielen Bitten gelang es mir zu erfahren welch Fenster es ist. Dort sah ich Sie, ertes mal konnte Sie kaum Wort vor Schwäche, Schmerz, und Bein hervorbringen, Sie brach zusammen, als Sie die Pflegerin aufstellte, wie ein Kind welches nicht laufen kann. Zweitesmal trug ich Blumen, Wein, Kognak hin da bar Sie selbst, so herzlich, man möge mich zu Ihr laßen. Doch wie grausam, Sie ließen mich nicht zu meiner treuen Schwesterl. Fräulein, wenn Sie es wißen möchten was das Schiksal für eine Lücke gerißen hat, von der Familie fehlte keines, gerade Sie die einzig gute, nie hatte ich einen Wortwechsel mit Ihr, gerade Sie mußte uns geraubt werden. Es ist ein Jammer und elend so hinauszutragen und nicht mahl zu wißen und zu erfahren welch Ihr letzter Wunsch war.
Wir mußten das Schicksal tragen. Doch welch Jammer den jungen Eheman anzusehn mit welch inniger Liebe hingen Sie eins ans andre wo eins von andern einen Wunsch erfuhr oder merkte so fort wurde er erfühlt. So plötzlich und so schnell ein so gesundes Fraun Zimmer wie unsre Anny war hinsichten, zu sehn und keine, Hilfe, leisten es ist bitter. Hoffe liebes Fräulein das Sie meine Zeilen antreffen und verbleibe Sie Herzlichst Grüßend Ihre Bertl W.
Herzlichste Grüße und besten Dank von meinem Mutterl

14.11.1917
Liebes Fräulein!
Herzlichen Dank für die theilnahme unsers Schweren Schicksals. Eine Schwesterliche Einladung und solte solte ich mal nach Wien kommen was nicht ausgeschloßen ist, so werde ich die freundliche Einladung beanspruchen. Liebes Fräulein Sie wollten nacheers über mein gutes Schwesterl, welches jetz zum erstenmal unter der Schneebedeckten Erde schläft hören. Mit Sehnsucht rief Sie mich von Lemberg [Lwiw in der östlichen Ukraine] zu Ihrer Hochzeit wo ich auch sofort kamm dann wurde es verschoben einige Monate armes Annerl konnte es nicht erwarten. Sie ließ sich schon das Hochzeitskleid und all die Lieben Sachen machen und sparte die Lebensmittel, zählte auf wer alles dabei sein soll. Von Euch allen liebes Fräulein sprach Sie vill; wir zwei waren sehr intiem hatten nie ein Geheimniß vor einander.
Am 29.9. endlich kam der lang von Ihr ersehnte Tag, es war viel Arbeit da sehr viel Gäste waren. Annyken war zu überlustig alle meinten so eine schöne lebenslustige Braut haben Sie noch nie gesehn. Es waren auch 4 Freundinnen vielmehr Arbeitskoleginnen gwesen hatten Musik, es wurde getanzt, gelacht und gescherzt bis um 1 Uhr nachts. Sie war so übermütig als ahnte Ihr schon damals.
Wir begleiteten die Freuleins nach Hause wohnten als ziehmlich weit aus wärts. Es war eine wunderschöne Nacht. Sie bekamen so einen herrlichen grünen Strauch der sehr gepflegt von uns wird. Es ist jetz sehr fad, den Sie sang so schön und lachte viel es fält mir sehr, wenn ich von Dienste kam bat ich Sie Anniken sing ein bischen.
[Seitlich geschrieben mit Bleistift] Verzeihn Sie schlechte Schrift schreib während dem Dienst.
Sie tat mir den Gefalln.
Wir schliefen in einem Bett und hatten einander sehr lieb.
Einmal hören Sie Fräulein lagen wir Mutterl ging ins Kino um 8 Uhr ins Bett wo wußten vor Übermut nicht wohin. Wir laßen dan jede ein Buch, zündeten uns eine ganze winzig kleine Öllampe an, plötzlich verlöschte Sie, wir erschracken beide und so geschah es einigemale. Wir lachten darüber, das machte uns Spaß, dann stelte Anni sich die Lampe auf die Brust und löschte wieder aus erfaßte mich so ein Graun, und bat Anny nicht mehr anzünden.
Herzliche Grüße von meiner Mutter und mir
Ihre Bertl

Sammlung Frauennachlässe NL 34
Kein weiterer Eintrag aus dem Nachlass von Anna Kozdera.
Sie war ab 1931 mit dem Hutmacher Viktor Podpera verheiratet. Voriger Eintrag aus dem Nachlass der Familie von Viktor Podpera am 5. September 2017

Die Verwendung der Namen der Schreiber/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachlässe mit den Übergeber/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgründen anonymisiert.

Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 117, Feldpostschreiben an Viktor Podpera, Datum, SFN NL 34, unter: URL

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