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Der Erste Weltkrieg in Nachlässen von Frauen Nr. 122: Feldpost von Christl und Leopold Wolf, 18. und. 26. Jänner 1918, von einem unbekannten Ort nach Wien

Christine Wolf (geb. Lang, geb. 1891) und Leopold Wolf (geb. 1891) waren seit Frühsommer 1917 verheiratet. Im Winter 1918 erwarteten sie ihr erstes Kind. Sie stammten aus gutbürgerlichen Wiener Zusammenhängen, die Eltern von Christine Wolf führten ein Hutgeschäft, Leopold Wolf war im Zivilleben Architekt. Als Soldat hatte der 27-Jährige inzwischen den Rang eines Oberleutnants bei der Artillerie inne. Als „Autooffizier“ war er hier für den Fuhrpark zuständig. In den Briefen von Jänner 1918 wurden dabei (nicht näher erklärte) Konflikte angedeutet, in die Leopold Wolf verwickelt gewesen sein dürfte. Er nahm auch auf die Jännerstreik-Bewegung Bezug, gleichzeitig wurden Geld-, Lebens- und Genussmittel-Sendungen abgewickelt, okkulte Praktiken angesprochen oder die Frage diskutiert, ob eine Frau sich öfter fotografieren lassen solle als ein Mann.

18.1.18.
Mein allerliebstes Weibi!
Soeben ist der Zugführer L. gekommen und hat mir Dein großes Packerl, Deinen lieben Brief und von Papa das Rauchzeug [Tabakwaren] gebracht.
Ich finde nicht gleich die Worte, wie ich Euch für all das […] danken soll und möchte Euch wenigstens zum Teil alle meine Gedanken niederschreiben können. Mühsam und unter Entbehrungen für Euch abgesparte Sachen sind das, die mir Eure Liebe zu mir mehr beweisen können als Worte. Heutzutag ist es schon so, denn ich weiß gar gut, wie teuer abgespart die Dinge sind.
Gerade kommen auch Deine beiden Bilder vom Semmering [mondänes Erholungsgebiet in den Bergen in der Nähe von Wien, wo Christl Wolf einen Urlaub verbracht hatte]. Ach, Weibi, das närrische Wort „Sehnsucht“ kommt mir wieder recht drängend ins Hirn. Ich fühle es jetzt doppelt schwer, wie der Krieg mit allem Zwang und aller Unfreiheit auf mir lastet, wo ich noch so recht in der Angelegenheit mit dem O.M.  drin bin. [Konflikt in der Brigade, in den der Schreiber offenbar verwickelt war]
Ich höre auch zu meiner größten Überraschung, was sich in Wien alles tut, oder besser gesagt, was sich alles nicht tut. [Wie auch in Deutschland breitete sich in Österreich-Ungarn seit 3. bzw. 14. Jänner 1918 eine Streikbewegung aus, an der sich hier um 700.000 Arbeiter/innen beteiligten.] Und wenn man bedenkt, was für eine Ungeheuerlichkeit hier geschehen ist, (ich meine meinen Fall!) wie man hier das Material schindet, und wie man einen gewissenhaften Offizier, der noch echt österreichisch denkt und handelt, wie man einen Menschen behandelt, der in den Kriegsjahren die beste Zeit seines Lebens verbracht hat, da möchte man gern vergessen, daß man auch ein guter Soldat ist, und mit den Wiener Arbeitern rufen: Genug! Ich halte mit! Es ist wirklich kaum glaublich, wie es heute, nach 4 Jahren Krieg noch Leute geben kann, denen Existenz und Stellung eines Offiziers nichts ist, die leichtsinnig und gewissenlos ihre Macht gebrauchen, um dem Niederen den „Herren zu zeigen“. Dieses Wort ist gefallen. Und was darauf folgte, weißt Du ja, nur war die Absicht die, den „Herren zu zeigen“, die Folge aber wird für mich eine Genugtuung sein.
Die Angelegenheit mit der Brigade ist bereits zu derartigem Weiterungen gelangt, ehe ich auch nur ein einziges mal Gelegenheit hatte über die Ursachen Aufklärung zu geben. Auch bei meinem Einfinden dort, wurden keinerlei Vorstellungen zur Kenntnis genommen, nicht einmal solche technischer Natur, die zu beurteilen man dort gar nicht in der Lage ist. Ja, es wurde alles in einer Weise behandelt, daß man lachen würde, wäre es nicht so todernst: Es kamen Befehle, wie etwa, wenn ich einer Lokomotive das Purzelbaumschlagen anbefehlen wollte.
Zur Ausführung ist natürlich ein Offizier da, und wenn dieser Befehl nicht zur Durchführung gelangt, heißt es, er macht passive Resistenz.

26. I. 18.
Liebstes Weibi!
Schämst Du Dich nicht, Du Fratz, solche Narreleien mitzumachen, wie dieses Tischerlrücken? Na, ich denke, Du schämst Dich wohl! Wenn ich nach Hause komme, werde ich Dir das zeigen, wie man das macht. Jemandem so reinzufallen!
Ich sammle ja schon seit Monaten Kraft um Kräfte, und da wirst Du sehen, wie ich Dir mit dem kleinen Finger unseren Speiszimmertisch rücke, daß man glaubt ein Schnellzug saust vorüber. Die Antworten wären ja ganz gediegen, aber ich möchte nur wissen, wie das Tischerl z.B. „Bub mit schwarzen Haaren“ sagt? Oder „Nacht vom 14-15 März“. [Christl Wolf war zu der Zeit schwanger. Vermutlich hatte sie das Orakel nach dem Geschlecht des ungeborenen Kindes und den Geburtstermin befragt.] Das ist doch nur der Einbildung der P.T. Wei Damen anheimgestellt, also Schwindel.
Was mit der gerichtlichen Untersuchung ist, weißt Du bereits, seither ist absolut nichts Neues in der Sache. Die Division, bei deren Gericht das war, ist bereits seit 21. weg, also ist die Angelegenheit jedenfalls der jetzigen Div. übergeben worden. Übrigens war heute der Oberst G. wieder bei mir, der es sich gelegentlich einer Inspizierung hier nicht entgehen lassen wollte, „seinen Freund Wolf“ aufzusuchen. In aller Eile wurde eine Jause improvisiert, mir kam es vor, als hätte der Franz irgendjemand Daumenschrauben angelegt oder gemeine Drohungen gesagt, sonst hätte er nie und nimmer einen Tee mit Rum und Zucker und – Sardinen aufgetrieben. Und was für Sardinen! Das waren direkt […]ochsen in Öl. Dazu gebackte Brötchen, Marmelade – no, was, was will man noch mehr. Von Papa’s guten Zigarren hab ich ihm auch eine gegeben, no, da war er ja ganz zerflossen in Wonne. Er erkundigte sich natürlich über den Stand meiner Sache, und ich sagte ihm, daß ich offiziell zu keinem Ergebnis gekommen bin, und schon froh wäre, wenn ich etwas wüßte. Von mir ging er zum Divisionär, (Tarockpartie) der übrigens jetzt den Korpskomdten vertritt und ich bin überzeugt, er wird ihn schon auf das Thema gebracht haben.
Du möchtest nun gern ein Bild haben, von denen, die am Beobachtungsstand gemacht wurden? Ja, siehtst Du, liebstes Mausi, in der Beziehung kenne ich kein Entgegenkommen. Da mußt Du dich zuerst mit einigen Bildern einfinden, dann bekommst Du bei Gelegenheit eins von mir, wenn nichts dazwischen kommt und wenn … Übrigens schickt sich das gar nicht für einen Mann, wenn er sich so oft fotografieren läßt, was sich wieder für ein Weibi gehört. Und für so ein hübsches Weibi wie Du bist überhaupt! Also ich freue mich schon auf die nächsten 5 Bilder von Dir, und werde mich jedenfalls wahrscheinlich eventuell womöglich vielleicht gelegentlich in Zukunft revanchieren.
Der Name L. ist mir schon bekannt, nur hatte ich natürlich nicht Gelegenheit mit dem Homo zu reden. Ein Hauptmann L. ist in Trient Autogruppenkommandant. Also kann Mama auch recht haben. Den Hptm. kenne ich sehr gut.
Wie ich Dir bereits im letzten Brief mitteilte sind zugleich mit diesem K 100.- abgegangen, die wirst Du ja am 27. o. 28. d. M. schon haben. An die Liquidatur ist nochmals ein Schreiben von hier abgegangen, d.h. an den liqu. Rechnungsführer der Gruppe Generalmajor von L. Wien III. Fasangasse 32. welcher schon seit 16. Oktober mich bei der Kriegslilquidatur als im Felde stehen dazu melden hatte.
Vielleicht gehst Du um den l. n. M. herum wieder hin, und sollte noch nichts dort sein, so mache die Herren auf obigen liquidierenden Rechnungsführer aufmerksam, dessen Schuld jedenfalls die Versäumnis ist. Momentan gibts wieder eine Heidenarbeit in der Werkstätte, fast jeder Wagen hat eine andere Krankheit.
In der letzten Zeit sind aber auch die Straßen ganz elendig, an einigen Stellen liegt noch die ganze hohe Eisdecke, dazwischen sind Löcher, in den sich das Schneewasser sammelt. Wird nun in so ein Loch hineingefahren – der Wagen fällt geradezu hinein, – so wird die Straße an der Stelle noch mehr ausgeschlagen und auf die Art leidet das Werkel halt ungemein. Momentan hab ich 7 Wagen in Rep. und 4 fahren noch (!!).
Zu diesem Brief hab ich mir den Deinen als Faulenzer [Löschpapier] genommen, und so kann ich leider nicht mehr schreiben, denn meinen engen Faulenzer von sonst immer find ich momentan nicht. Es grüßt und küßt Dich innigst Dein fleißiger Mann.
Der Urlauber ist noch nicht fort, mir scheint, er kriegt keinen Urlaub, weil schon zu viele fort sind.

Sammlung Frauennachlässe NL 14 I
Nächster Eintrag aus der Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf im Frühling/Sommer 2018.
Voriger Eintrag aus der Korrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf am 3. Jänner 2017

Die Verwendung der Namen der Schreiber/innen und ihrer Familien folgt den vertraglichen Vereinbarungen der Sammlung Frauennachlässe mit den Übergeber/innen. In den Dokumenten genannte Namen dritter Personen werden aus Datenschutzgründen anonymisiert.

  • Zur Feldpostkorrespondenz von Christine Lang und Leopold Wolf siehe auch: Christa Hämmerle: Schau, daß Du fort kommst! Feldpostbriefe eines Ehepaares. In: Christa Hämmerle: Heimat/Front. Geschlechtergeschichte/n des Ersten Weltkriegs in Österreich-Ungarn, Wien/Köln/Weimar, S 55-83.

Zitation dieses Beitrages: Der Erste Weltkrieg in Selbstzeugnissen – Auszüge aus Beständen der Sammlung Frauennachlässe Nr. 122, Briefe von Leopold an Christine Wolf, Datum, SFN NL 14 I, unter: URL

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