Ausstellung "Fragmente aus vielen Leben", 5. Juli bis 26. Oktober 2009 | Print |


Von 5. Juli bis 26. Oktober 2009 präsentierte sich die Sammlung Frauennachlässe in der Ausstellung "Fragmente aus vielen Leben. Eine Kooperation des Frauenmuseums mit der Sammlung Frauennachlässe an der Universität Wien" im Frauenmuseum Hittisau, Vorarlberg.

Die kleine, sorgfältige Auswahl zeigt die Vielfalt und den Reichtum der seit den 1990er Jahren in der Sammlung Frauennachlässe archivierten Quellen, ergänzt um Exponate und Geschichten aus dem Bregenzerwald und aus Vorarlberg.

Zeit
05. Juli bis 26. Oktober 2009

Ort
Frauenmuseum
Platz 501, 952 Hittisau in Vorarlberg
T (0043) 05513.6209.30
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Öffnungszeiten und Eintrittspreise
www.frauenmuseum.at

Zur Ausstellung
Nachlässe, das was Menschen an Persönlichem, Individuellem hinterlassen haben, geben Einblick in private Lebensgeschichten und spiegeln gleichzeitig alltags- und sozialgeschichtliche Zusammenhänge wider.

Tatsache ist, dass Nachlässe von Frauen meist seltener als überlieferungswürdig erachtet wurden als jene von Männern. Dokumente zu weiblichen Alltags- und Lebensverhältnissen sind schwer zu finden und wurden kaum archiviert. Dieser Tatsache wirkt die „Sammlung Frauennachlässe“ am Institut für Geschichte der Universität Wien entgegen, die seit 1991 aufgebaut wird. Sie ist Teil der von Edith Saurer geleiteten Forschungsplattform „Neuverortung der Frauen- und Geschlechtergeschichte im veränderten europäischen Kontext“.

Die Sammlung Frauennachlässe dokumentiert private Selbstzeugnisse und Fotografien von Frauen und deren Umfeld. Die Nachlässe werden systematisch dokumentiert, ausgewertet, archiviert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Sie enthalten die verschiedensten Schriftstücke aus dem 19. und 20. Jahrhundert: von Tagebüchern bis hin zu Haushaltsbüchern und kalendarischen Notizen, von Korrespondenzen bis hin zu amtlichen Dokumenten, Schulheften, literarischen Manuskripten und Fotografien.

Die Geschichten vieler Dokumente spiegeln Zufälligkeiten facettenreich wider – wie im Fall einer Müllerin aus Niederösterreich, die im Laufe von drei Jahrzehnten mehrere Tagebücher verfasst hat. Mit ihren Aufzeichnungen hat die Frau begonnen, als ihr einziger Sohn 1941 in Russland vermisst wurde, zuerst im damaligen „Mahl- und Schrotbuch“, später in verschiedenen Haushaltsbüchern, deren Aufzeichnungen immer persönlicher geraten und zum Gedenkbuch für den vermissten Sohn werden. Ein anderer Nachlass besteht aus etwa dreihundert Briefen und Karten aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die umfangreiche Korrespondenz aus zwei Generationen einer Beamtenfamilie - darunter Brautbriefe und zahlreiche Briefe zwischen Eltern und Kindern in Kriegs- und Friedenszeiten - konnte aus einem Altpapiercontainer gerettet werden. Die Nachlässe von Emilie Wehle und Lilli Weber-Wehle spiegeln die Schicksale zweier jüdischer Frauen während des Nazi-Regimes wider, während der Nachlass von Mathilde Hanzel-Hübner deren Engagement in der Frauenbewegung und der Friedensarbeit dokumentiert.

Die Ausstellung „Frauennachlässe – Fragmente aus vielen Leben“ im Frauenmuseum stellt die Sammlung erstmals außerhalb des universitären Bereichs vor und ergänzt sie um diverse Exponate und Geschichten aus dem Bregenzerwald und aus Vorarlberg. So sind etwa die Aufzeichnungen einer Bregenzerwälder Bäuerin über den Einfluss des Mondes auf ihre alltäglichen Tätigkeiten oder die sich über drei Jahrzehnte erstreckenden Geburtenbücher einer Hebamme zu sehen.

Begleitend zur Ausstellung greifen die zeitgenössische Künstlerinnen Veronika Dirnhofer und Sunhild Wollwage in ihren Arbeiten zentrale Themen der Ausstellung wie das persönliche und kollektive Erinnern und Dokumentieren auf.

Die Ausstellung "Frauennachlässe l Fragemente aus vielen Leben" ist die neu adaptierte und erweiterte Präsentation der Ausstellung "In Geschichte eingeschrieben", die vom 18. Oktober 2008 bis zum 28. Februar 2009 im Foyer der Universitätsbibliothek Wien zu sehen war. Pressetext mit Downloads von "In Geschichte eingeschrieben"

Kuratorinnen
Christa Hämmerle, Li Gerhalter, Nikola Langreiter

Begleitprogramm
Zum umfangreichen Begleitprogramm siehe die Website des Frauenmuseums.

In diesem Rahmen hielt Christa Hämmerle am 18. August 2009 den Vortrag „’Abends nähte ich den Stern an meines Mannes Brust.’ Die Tagebücher von Therese Lindenberg (1938-1946).

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