Hausa-Online-Lehrbuch 2002 © Franz Stoiber
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Phonetik

Um einige Laute des Hausa besser zu verstehen brauchen wir einige Grundlagen der Wissenschaft der Phonetik. Die Phonetik beschäftigt sich damit zu beschreiben, wie Laute produziert und rezipiert werden. Wir brauchen hier die Produktion der Laute.

Bei der Untersuchung von Lauten kann nach:

  1. Artikulationsstelle
  2. Artikulationsart

eingeteilt werden.

  1. Artikulationsstelle: Artikuliert werden kann mit
  2. Artikulationsart:

"Normalerweise" geht die Richtung des Luftstromes aus der Lunge durch den Rachenraum. Bei einigen Hausa-Lauten ist dies jedoch gerade umgekehrt: Der Luftstrom geht Richtung Lunge.
Damit daraus kein "richtiges" Einatmen wird, ist bei diesen Lauten ein "Schalter" eingebaut, der dieses Einatmen unterbricht und so den Redefluß erhalten hilft.
Dieser Schalter ist die Stimmritze (Glottis {"Hicks"}), die zugleich mit dem jeweiligen Laut verschlossen wird.

Dieser Laut ist auch im Deutschen vorhanden. Da er aber keine phonologische Qualität besitzt, ist er uns kaum bewußt.
So zeigen z.B. die Wörter "Post-amt", "Ver-ein" jeweils vor der zweiten Silbe einen verstärkten Vokaleinsatz.
Auch Wörter, die mit Vokalen beginnen, zeigen diese Erscheinung.

Im Hausa findet sich dieser Glottisverschluß vor jedem vokalisch anlautenden Wort, wird aber nicht geschrieben. Er findet sich auch innerhalb von Wörtern zwischen Vokalen, wo er dann jedoch geschrieben wird.
saa'àà Stunde

Der Kehlverschluß ist aber auch an der Produktion der folgenden Konsonanten beteiligt, die als Implosive bezeichnet werden. Bei ihnen geht der Luftstrom nach innen und wird vom Kehlverschluß gestoppt.

  1. wird wie ein /b/ mit einem gleichzeitigen /'/ ausgesprochen,
  2. B.: b'àraawòò Dieb
  3. wird wie ein /d/ mit einem gleichzeitigen /'/ artikuliert,
  4. B.: d'aakìì Hütte

Ähnlich ist es mit dem ejektiven /k'/: Hier hat allerdings der Luftstrom seine "normale" Richtung. Da aber der Glottisverschluß die Luft daran hindert, aus der Lunge auszutreten, ist eine besondere Anstrengung nötig um das /k'/-Element zu realisieren.
z.B.: k'ungìyaa Gruppe

Ein weiterer ejektiver Laut ist /ts/, das dem Deutschen /z/ wie "Zeppelin" entspricht: /z/ mit gleichzeitigem /'/:
z.B.: tsoofoo alt

Umgekehrt ist es bei dem Laut /'y/: Hier geht der Kehlverschluß, wie bei den Vokalen, dem Laut voran (palatal, Frikativ): /'/ mit einem /j/:
z.B.: 'yaa'yaa Kinder.

Das /w/ ist ein Halbvokal der zwischen deutschem /u/ und /w/ steht (bilabial).

Das Hausa hat auch noch zwei unterschiedliche /r/-Laute, die jedoch an anderer Stelle behandelt werden.

Keine phonologische Unterscheidung trifft das Hausa zwischen /f/ und /h/.
Das /f/ ist ein (bilabialer) Laut, wodurch eine gewisse Ähnlichkeit zum "stimmhaften" /h/ (glottal) entsteht.
In vielen Dialekten des Hausa wird demgemäß auch statt des /f/ ein /h/ gesprochen.
z.B.: laafiyàà = laahiyàà Gesundheit