Hausa-Online-Lehrbuch 2002 © Franz Stoiber
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Fragebildung II/ Zentrale Fragebildungsseite

Es gibt eine Fragebildungsseite, die sich vorwiegend mit den Partikeln beschäftigen wird. Fragebildung IV
Hier werden Ja/Nein-Fragen behandelt.

Fragen sind grundsätzlich von zweierlei Art:

  1. Direkte Fragen
  2. Indirekte Fragen

Im ersten Teil werden wir die direkten Fragen besichtigen.

Die direkten Fragen lassen sich wieder unterteilen in zwei Fragesatztypen:

  1. Ja/Nein-Frage (Fragesatz ohne Fragewort)
  2. Fragesatz mit Fragewort

Diese beiden Typen unterscheiden sich nicht nur syntaktisch sondern auch tonologisch.

vgl: Wolff, Referenzgrammatik (511): Unterscheidet zwischen Satzfrage und Wortfrage. Die Satzfrage ist unsere Ja/Nein-Frage: sie erfordert kein Fragewort. Die Wortfrage dagegen entspricht der Frage mit einleitendem Fragewort.

Die Syntax wird hier unmittelbar angeschlossen, die Satzintonation dazu findet sich in den entsprechenden Seiten, auf die verwiesen wird.

Die Ja/Nein Fragen

Ja/Nein Fragen können gebildet werden:

  1. OHNE Veränderung der Reihenfolge der Wörter
  2. Mit Veränderung der Reihenfolge der Wörter

Wie bei allen Satztypen des Hausaa, sind zwei Bereiche zu berücksichtigen:

die Syntaxdie Satzintonation
dh die Wortstellung im Fragesatzdie Tonebenen im Fragesatz

 

Wir behandeln auf dieser Seite die Syntax der Ja/Nein Fragen

 

OHNE Veränderung der Reihenfolge

Die einfachsten Fragen sind Fragen, die nur eine Antwort zulassen. Sie werden als Ja/Nein-Fragen, wie schon in der Sektion bezüglich àkwai, beschrieben, bezeichnet.

Die Bildung der Fragen nach dem Muster von àkwai können wir gleich verwenden um die Syntax der Ja/Nein-Fragen zu behandeln.
Wie leicht zu sehen ist, ist zwischen Existenzsatz und Fragesatz kein syntaktischer Unterschied:

ExistenzsatzFragesatz
Àkwai hanyàà.Es gibt einen Weg.Àkwai hanyàà?Gibt es einen Weg?
Baabù hanyàà.Es gibt keinen Weg.Baabù hanyàà?Gibt es keinen Weg?

Dies ist das generelle Muster der Ja/Nein-Fragen im Hausa: Sie erhalten die Wortordnung des Existenzsatzes oder des Aussagesatzes, der ihnen zu grunde liegt. Der Charakter als Fragesatz wird durch eine charakteristische Satzintonation erzeugt. Dies wird auf der entsprechenden Seite behandelt.


Syntaktisches - Veränderungen der Reihenfolge der Wörter

! Zusätzlich zur Intonation können aber auch syntaktische Mittel verwendet werden, um Fragen zu formulieren. Diese sind Morpheme bzw. Wörter, die entweder an den Anfang des Satzes oder an dessen Ende gestellt werden.

  1. Ein Element wird am Ende des Satzes angefügt, um ihn als Fragesatz auszuweisen. Zugleich wird auf diesen Satz auch die Anhebung der Ebenen angewendet.
  2. Ein Element wird vorangestellt. Auch hier werden tonale Veränderungen wie Anhebung der Ebenen verwendet.

zu A: Ein Element wird am Ende des Satzes angefügt

  1. An der satzfinalen Position können verschiedene Morpheme vorkommen. Diese Morpheme sind oft schon aus anderen Verwendungen bekannt. Werden sie als Fragemorpheme verwendet, dann verändert sich ihre Bedeutung, zumeist verlieren sie Bedeutungsnuancen. Dies zu beachten ist wichtig, um Konfusion mit der "normalen" Bedeutung zu vermeiden:
    baa  koo fa ko ba ...

  2. baa

    Es wird die Fragesatzintonation, dh.: Ebenen Anhebung, verwendet. Das sonst kurze "ba" wird im Fragesatz gelängt zu "baa". Verwendet wird "baa" um ein "nicht, nicht wahr?" auszudrücken, dass Zweifel mitteilt, während die Antwort positiv erwartet wird.

    Daten zu "ba" aus: Newman: The Hausa Language (499): Because of the addition of the q-morpheme, ba necessarily appears with a long final vowel and, for many speakers, also a falling tone ...

    bâaSun taashì baa?Sie sind aufgebrochen, nicht?
    baaKaa zoo baa?Du bist gekommen, nicht wahr?

    aus Kraft, Syntax 3.1.2.4.C: You-have come have-you?

    baaKànde tanàà gidaa baa?Sie ist im/zu Haus, nicht wahr?

     
  3. im negativen Fragesatz

    Bâ tritt inFragesätzen auf, die negiert sind, vgl:

    "Ihr gingt nicht ins Kino, nicht wahr?"

    Dieses "bâ" ist morphologisch gesehen die Verbindung der Negation mit der Frageintonation, daher fallend.
    ! Kraft gibt in seinen Beispielen jedoch den fallenden Ton nicht an.
    Link zur Syntax-Seite , wo die Satzpositionen, wie Ch.Kraft sie beschrieben hat, dargestellt werden. Diese Seitenfolge ist noch in Arbeit!

    baBà za kì yi, ke, ko sau d'aya ba?Sie sind aufgebrochen, nicht?

    Not will you do-(it), you, even time one not? (i.e. -aren't you even going to do it once?). Kraft, Syntax 3.1.2.4.C

    ba... har yànzu bà kù tashì ba?... bis jetzt seid ihr nicht aufgebrochen, nicht wahr?

    ... until now not you-have left have-you? (i.e. -haven't you left yet?). Kraft, Syntax 3.1.2.4.C

    ba... bà kà ga nakà nân ba?... du siehst das Deine hier nicht, nicht wahr?

    ... (do)n't you see yours here not? Kraft, Syntax 3.1.2.4.C

    bà tà zoo bâ?Kam sie nicht?

    Did she not come? (with L tone of q-morpheme). Newman, Hausa (498).


     
  4. koo

    Es wird die Fragesatzintonation verwendet, siehe oben. Verwendet wird "koo" dann, wenn eine eher zustimmende Antwort erwartet wird.

    Aus Kraft, Syntax stammen die ersten beiden Beispiele in der folgenden Tabelle. In diesem Werk wird "koo" mit huh? am Satzende wiedergegeben.

    Im Deutschen entspricht dies am ehesten einem satzfinalen "oder?".

    koo... kà rik'à samù kai kad'ai, koo?

    Kraft Syntax (3.1.2.4.C)

    ... dass nur du alleine es immer bekommst, oder?

    ... that-you regularly get-it you alone, huh?

    kooZaa kà tàfi, koo?

    Kraft Syntax (3.1.2.4.C)

    Du wirst (ab)reisen, oder?

    Will you leave, huh?

    kooZâi zoo wurinm¨ koo?Er wird zu euch kommen, oder?

     
  5. Ein nur in Fragen vorkommendes Element ist der Partikel "fà". Die Frage mit fà ist streng kontextbezogen, dh. sie bezieht sich (fast) immer auf einen Satz, der ihr unmittelbar vorangeht. Manchmal kann dieser Satz allerdings auch wegfallen, die Situation bildet dann den "Kontext". Die Struktur des Satzes/der Sätze mit fà ist folgende:

    [[Satz1] [Satz2 = (NPmit Bezug auf Satz 1 + fà)]]
    Mit Bezug auf Satz 1 bedeutet, dass eine der NPs des Satzes1 ersetzt wird.
    "fà" repräsentiert das Gerüst, in die die NP eingesetzt wird. Es handelt sich um eine Ellipse.

    Daher ist dieser Partikel nicht ausschliesslich auf Ja/Nein-Fragen beschränkt. Aus: Kraft Charles H., A Study of Hausa Syntax, Hartford, 1963. Die Frageintonation bleibt erhalten, jedoch wird die Endung des Partikels fà nicht verändert. Nach Newman op.cit.(500). Im Deutschen entspricht dem fà am ehesten eine Konstruktion mit
     
    und + NP nach einem Satz.

    Beispiel: "Ich möchte nach Kano reisen, und du?"

    Sowohl im Hausa als auch im Deutschen wird im ersten Satz eine Behauptung aufgestellt, die eine Aussage darstellt, diese wird dann im zweiten Satz für die Bildung einer Frage herangezogen.

    Inàà sôn tàfiyàr Kanòò - kai fà?Ich möchte nach Kano reisen - und du?
    Zaamù faarà aikìì - kuu fà?Wir werden mit der Arbeit beginnen - und ihr?
    Àmma, in kaa yi barcii fà? Aus Kraft, SyntaxWenn du schlafen gehst, was dann?

     
  6. koo bàà hakà bâ?
    Ist ein Fragepartikel, der ausdrückt, dass die/der SprecherIn eine positive Antwort erwartet. Dieser Fragepartikel kann am ehesten mit einem nachgestellten "oder?", "oder nicht?" bzw. "nicht wahr?" verglichen werden, die in manchen Dialekten und Idiolekten des Deutschen vorkommen.

    Kaa zoo dàgà Kanòò, koo bàà hakà bâ?Du bist aus Kano gekommen, oder nicht?
    gòòbe zaa kà gyaarà mootàR ., koo bàà hakà bâ?
    Aus Newman, Hausa (500)
    Wirst du morgen das Auto reparieren oder nicht?

Zu B. Ein Element wird vorangestellt