Hausa-Online-Lehrbuch 2002 © Franz Stoiber
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Töne I

Das Hausa ist eine Tonsprache. Im Wir bezeichen im vorliegenden Werk drei unterschiedlicheTonale Erscheinungen: der Hochton (wird nicht bezeichnet), der Tiefton (`) und der fallende Ton (^).
Töne im linguistischen Sinne sind nur die beiden ersten: Tiefton und Hochton. Der fallende Ton ist eine Zusammenziehung aufeinanderfolgender Töne: Hochton + Tiefton. Was möglicherweise durch den Ausfall eines tontragenden Elements bedingt wurde, während der Ton erhalten blieb.
Diese Töne werden verwendet um Bedeutungsunterschiede und grammatikalische Funktionen zu bezeichnen. Sie können daher analog den Phonemen als Toneme bezeichnet werden. Vgl.: Zu den Bezeichnungen in der Linguistik

cikiiinnencikììInneres, Magen, Bauch
yààyààwieyààyaaälterer Bruder

Ein sehr deutliches Beispiel ist:
fitooherauskommen
fitòòübersetzen (mit Fähre)
fìtooBier aus Guine-Korn

Der Unterschied in der Tonhöhe ist also verantwortlich für den Bedeutungsunterschied!

In den folgenden Seiten werden die Töne und ihre Beziehungen zu syntaktischen Einheiten behandelt. Töne und ihre Beziehungen zu den morphologischen und anderen Komponenten der Sprache sind ebenfalls wichtig und bereits eingehend untersucht. Wir werden sie in einem anderen Abschnitt des vorliegenden Werkes behandeln.

Die Tönhöhen sind nicht absolut, wie es etwa Angaben in der Musik wären, sondern es handelt sich um relative Angaben. Ein Hochton ist zwar immer ein Hochton, jedoch variiert seine absolute Höhe je nach Sprecher/in, aber auch danach wo in einem Satz der Ton vorkommt. Dies ist deshalb wichtig, weil sich die Tonhöhen nach der Position aber auch nach den vorangegangenen Tönen richtet.

Diese Erscheinungen ergeben ein Intonations-System

(Begriff intonational system. vgl.: Kraft & Kraft, Introductory Hausa, University of California Press, Berkeley Los Angeles London 1973, 30)

Dieses System bezieht sich auf ganze Äusserungen, Sätze bzw. Satzteile.
Fünf Tonstufen können unterschieden werden. Je nachdem an welcher Position im Satz ein Wort zu stehen kommt, gibt das Intonations-System an, wie die Tonhöhen des Wortes realisiert werden.

Das Hausa unterscheidet mehrere Intonations-Muster, die wichtigsten sind:

  1. Narrativ siehe unten
  2. Interrogativ
  3. Vokativ
  4. Neben diesen gibt es noch einige andere, die für

Diese fünf Ton-Stufen (Lagen oder Register 1 = niedrigste, 5 = höchste) werden wir im folgenden graphisch darstellen, die Tonhöhen des Wortes werden in der gewohnten Art dargestellt.


 

1. Narrative Satzintonation

Auch als deklarative bzw. neutrale Intonation bezeichnet.
Beispiele für die narrative Satzintonation

Der untenstehende Satz ist aus: Charles H. Kraft & Marguerite G. Kraft, Introductory Hausa, University of California Press, Berkeley Los Angeles London, 1973, p 30.

Mùtûm yaa tàfi gidan bààbansà.
5          
4   yaa       
3 m  figidan   
2        ban 
1        bàà 

Der Satz beginnt mit einer tieftonigen Silbe. Das heisst nun, dass die Intonation des Satzes in der mittleren Lage beginnt. Im Diagramm 3 . Der folgende fallende Ton, besteht aus zwei Tönen, einem Hochton und einem folgenden Tiefton. Der Hochton führt die Intonationskurve in die höchste Lage 5, der Tiefton, der eigentlich auf dem /m/ liegt, lässt die Kurve auf 3 absinken tûm. Nun beginnt das nächste Wort mit einem Hochton yaa und wir heben die Stimme in die nächsthöhere Lage 4, der folgende Tiefton bringt uns wieder zwei Lagen tiefer 2. Die nächste Silbe ist wieder hochtonig fi: Eine Lage aufwärts 3. Die beiden nächsten Silben sind hochtonig. Wir steigen nun aber nicht wieder in die Höhe sondern verbleiben auf der Stufe 3, erst die drittvorletzte Silbe bàà, die wieder tieftonig ist, sprechen wir wieder um zwei Stufen tiefer aus 1. Die nächste hochtonige Silbe wird wieder auf der Stufe 2 ausgesprochen. Das Ende des Satzes ist tieftonig und wir sprechen dies mit der tiefsten Lage 1 aus.

Aus dem obigen Beispiel und anderen Quellen lassen sich folgende Regeln extrahieren:

Narrative Satzintonation
 
  1. Beginnt ein Satz mit einer tieftonigen Silbe, dann wird diese in der Lage 3, dies ist die mittlere Tonlage ausgesprochen.
  2. Eine erste hochtonigen Silbe, wird in der Lage 5 ausgesprochen, dies ist die höchste Tonlage.
  3. Folgen mehrere hochtonige Silben vor einer tieftonigen in satzinitialer Position aufeinander, so werden alle bis auf die vorletzte in der Lage 4 ausgesprochen. Die vorletzte hochtonige Silbe, diejenige auf die der Tiefton folgt, wird in der Lage 5 realisiert. (Oft handelt es sich bei der tieftonigen Silbe um die erste Silbe eines Verbs oder um ein Subjektspronomen.) Erst diese Silbe leitet die Satzintonation ein.
  4. Jeder auf einen Hochton folgende Tiefton wird um zwei Lagen tiefer ausgesprochen.
  5. Jeder auf einen Tiefton folgende Hochton wird um eine Lage höher ausgesprochen.
  6. Folgen keine Tonunterschiede in den Silben, dann bleibt die erreichte Lage gleich. Es werden also einander folgende Tief- oder Hochtöne nicht unterschiedlich ausgesprochen.
  7. Am Satzende werden Tieftöne immer mit der Lage 5, der tiefsten Lage ausgesprochen.
  8. Hochtöne am Satzende werden dem Satzintonations-Muster entsprechend ausgesprochen. Sie fallen nicht automatisch in die tiefste Lage.
  9. Downdrift, Tonabsenkung: Die narrative Satzintonation weist eine konstante Abwärtsentwicklung vom initialen Ton, der entweder auf der Lage 3 (für den Tiefton), der Lage 4 (Hochtöne, die aufeinander folgen) oder Lage 5 (für den Hochton, dem ein Tiefton folgt) liegt - bis hin zur letzten Silbe auf. Die letzte Silbe im Satz ist stets tiefer als die erste. Dies trifft insbesondere auch zu, wenn der Satz nur aus Hochtönen besteht!
    Dieses Phänomen wird sprachwissenschaftlich Downdrift genannt.

    Vgl. Tonologische Begriffe in der
    Hausaistik, Matsushita, Shuji
    Tonologie

Aus diesen Regeln ergibt sich eine Anzahl von Satzintonationsmustern. Wir haben diese auf einer Seite systematisch zusammengestellt. Weitere Beispiele dazu finden sich auf der Seite der Beispiele für die narrative Satzintonation