Hausa-Online-Lehrbuch 2002 © Franz Stoiber
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Das Gewicht der Silbe

Hier wollen wir einige Überlegungen zur Silbenstruktur des Hausa vorstellen.

Das Excerpt ist aus SAL, 1972/3/3, Newman, Paul, Syllable weight as a phonological variable (301). Hausa beginnt bei (311)

Silben können nach zwei Kriterien sortiert werden: Einerseits in offene und geschlossene Silben. Offene Silben enden in einem Vokal und geschlossene Silben in einem Konsonanten.
Andererseits können sie aber auch nach ihrem Gewicht analysiert werden in leichte Silben: solche die zwei Elemente haben, zumeist cv (nach Newmans Schreibweise bedeutet c ein Konsonant und v einen Vokal, wohingegen C und V auch mehrere Konsonanten oder Vokale bedeuten können).
Und in schwere Silben, das sind solche, die entweder cvv oder cvc als Struktur haben. vv können auch Diphtonge sein.
Diese Unterscheidung geht zurück auf Klingenheben (1927/28: Die Silbenauslautgesetze des Hausa, Zeitschrif für Eingeborenen-Sprachen 18 (272)).

Die Anzahl der phonlogischen Elemente in einer Silbe ist im Hausa mit max. 3 gegeben. Dies konstituiert die schwere Silbe, die leichte Silbe hat 2 Elemente. Silben, die mehr als 3 Elemente zu erwarten haben reduzieren ihre Elementanzahl. So wird auch *kain-sa ... kan-sa, riigaar ruwaa ... riiigar suwaa.

Illustrationen:

ANSQ (Abstract Nouns of Sensory Quality, Parsons (1955)).Diese Nomina stellen eine eigene Gruppe im Hausa dar, da sie sowohl im Tonmuster, das immer [hoch-hoch] ist, als auch in ihrer Silbenstruktur einheitlich sind.
Silbenstruktur: hier findet sich in der ersten Silbe immer eine schwere Silbe, die entweder cvv oder cvc entspricht.

zaafiizaa-fiiHitze
tsaamiitsaa-midas Saure
zurfiizur-fiiTiefe
ganciigan-ciiastringent taste (zusammenziehender Geschmack)

Notiz hier kommt die praktische Aufteilung der Silben und eine Interpretation der Pluralbildung nach Newman.
Die Bildung des Plurals funktioniert nach Newman in mind. zwei Schritten:

  1. Vorbereitung des Pluralstammes
  2. Affixierung (des jeweiligen Pluralaffixes)

Er illustriert dies an den Pluralklassen -aaCe [hoch-tief-hoch] und uNaa [hoch-tief] tieftonig ist dabei nur die letzte Silbe.

Die Regel, die er herleitet ist, dass die entsprechenden Pluralstämme eine schwere erste Silbe brauchen, erst nachdem diese erzeugt wurde kann die Endung angefügt werden und dann erst die Tonstruktur.

Beispiele -ààCee

Beispiele für -aaCee, deren Singulare zweisilbige Nomina mit der Tonstruktur [hoch-hoch] sind, sind:

Erste Silbe ist schwer mit cvc. Der Konsonant in der Endung ist der Konsonant, der auf die schwere Silbe folgt. Oder das -aa der Endung schiebt den Konsonanten vom Stamm weg.
kaskookask-kasààkeeSchale
jirgiijirg-jirààgeeFahrmittel
Auch phonologische/historische Veränderungen spiegel sich in der Produktion des Pluralstammes wieder:
juujiijibj-jibààjee+++
taushiitafsh-tafààshee+++
Wenn die erste Silbe leicht ist, dann muss der darauf folgende Konsonant verdoppelt werden:
kafaakaff-kafààfeeLoch
wuriiwurr-wurààfeeOrt
Ist der Singular in der Form cvv-c gegeben, wird der Konsonant der Endung -aaCee zu -aayee. Das /y/ hat keine besondere Funktion, es ist einfach ein "buffer" (Newman)
kiifiikiif-kiifààCee ... kiifààyeeFisch
suunaasuun-suunààyeeNamen
Diphtonge entsprechen der Struktur cvv oder cvc, d.h. der zweite Vokal des Diphtongs kann entweder als Konsonant oder als Vokal interpretiertA werden.
b'aureeb'aur--u- wird als Vokal interpretiert, daher bleibt es an seiner Stelle ... b'aurààyeeFeigenbaum
k'waureek'wawr--u- wird als Konsonant interpretiert, dieser wird im Stamm realisiert als w ... k'wawrààyeeBedeutung unbekannt +++ (nicht bei Newamn, Bargery, Abraham, Stoiber, Awde, Newman & Newman)
Kommen N als Endung der ersten Silbe vor, dann verhalten sie sich ebenfalls wie Vokale. So entspricht die Struktur cvN ... cvv, vgl:
kiifiikiif-kiifààyeeFisch
mit
bangoobang-bangààyeeMauer
guntuugunt-guntààyeeKurzer (Mensch)

Beispiele -uNàà

Der Plural -uNàà stammt hauptsächlich von zweisilbigen Nomnia der Tonstruktur [hoch-tief] und [tief-hoch]. Er nimmt die Formen -unàà, -ukàà oder -uwàà an. Die Schreibart N bezieht sich auf alle diese Formen. Die Tonstruktur diese Plurals ist [hoch --- tief] nur die letzten beiden àà sind tieftonig.

Die Regeln:

  1. Die vorkommenden Konsonanten der Endungsfamilie n, k und w werden wie folgt zusammengefasst:
    1. n in der einen Gruppe
    2. k und w in der anderen Gruppe, gennant K
  2. Wenn der plural-stammfinale Konsonant n, r oder y (manchmal auch f) ist
    dann muss n durch K ersetzt werden.
  3. Leichte Silben erfordern ebenfalls eine Wahl von K und zwar dann wenn sie im Pluralstamm ein l, t, s oder k' zeigen.
  4. In allen anderen Fällen bleibt die Endung -unàà.
  5. Die Wahl zwischen k und w richtet sich nach dem Silbengewicht:
    1. Ist die Anfangssilbe schwer dann wird K als /k/ realisiert.
    2. Ist die Anfangssilbe aber leicht, dann wird K als /w/ realisiert. Es können hier allerdings auch Plurale in /k/ vorkommen.
  6. Vorkommende Reduplizierungen können ebenfalls mit den Begriffen des Pluralstammes und der schweren/leichten Silbe geklärt werden.
    1. Ist der Pluralstamm schwer, dann wird nichts redupliziert.
    2. Ist der Pluralstamm leicht, dann wird der Konsonant redupliziert.
      1. Diese reduplizierten Pluralstämme weisen häufig noch eine besondere Form auf, denn die verdoppelten Konsonanten werden durch eine Lautfolge der Form -uC- getrennt, wobei C der Konsonant der Endung ist.

Die Beispiele mit den Regelnummern:

d'aakììRegel 4d'aakunààZimmer
rùmbuuRegel 4rumbunààHütte
kàreekommt von *kàrnee, daher Regel 2, Regel 5karnukààHund
bàkaaRegel 4, Regel 6bbakkunààBogen
rààgooRegel 4raagunààBock

Beispiele mit Reduplikation:

bàkaaAnfangsilbe leicht, jedoch nicht entsprechend Regel 3. Endung nach Regel 4 (-unàà). Verdopplung des Konsonanten: bakk- . Einschub von un ... bakun-bakunkunààBogen
tàbooRegel 4, Regel 6b1tabumbunàà (n assimiliert)Narbe
gàriiRegel 2, Regel 5b, Regel 6b1garuuruwàà (uu das zweite -u- assimiliert von w)Stadt