Trubetzkoy, Beispiele

Die Beispiele richten sich nach den Regeln in der Datei Trubetzkoy.html. Die Nummern unten richten sich nach der Nummer der entsprechenden Regel:

  1. [fakultative Varianten] Hierher gehören Varianten, die irgendwie von "der Sprachnorm" abweichen. Dies können soziolektale aber auch idiolektale Varianten sein oder auch Varianten, die bestimmte, auch akzeptierte, Abweichungen aufweisen, die auf eine emotionale oder andere Einstellung des/r SprecherIn hindeuten.
    NormVariante
    dt.: eioa/aa
    dialektal
    einsoas, oans, aans
    dialektal
    schönschöön!
    Längung als Einstellungsanzeiger
    so?soo?
    wie oben, mit anderer Einstellung.
    Kanalkanäu
    soziolektal altes Wienerisch
    Schwesterschwestə
    Schriftsprache/Alltagssprache
    Gnädige Fraugnöödige Frau
    stilistische Variante im Theater
    NormVariante
    Zu den fakulativen Varianten sind neben den idiolektalen Varianten auch solche zu zählen, die mit Krankheiten etc. in Verbindung auftreten.
  2. [Minimalpaare]
  3. [Artikulationsvarianten]
    1. Eine Reihe von Lauten in einer Umgebung und ein Laut in einer anderen Umgebung. Hier bietet sich das Hausa an:
      im Silbenauslaug können erscheinen:
      b,f; z,s; m,n; w,y; l,r,ρ
      diese können noch weiter reduziert werden:
      b, f, m zu w oder u
      und z, s, n, l, r zu ρ
      Die Variantenbeziehung ist oben bereits angedeutet: Aufgrund der phonetischen Verwandtschaft ist die obere bzw. die untere Zeile mit dem einen/zwei erscheinenden Laut am Silbenende verwandt, und also eine kombinatorische Variante.
    2. Im D. ist hier etwa die Auslautverhärtung zu nennen. Sie tritt an Silbengrenzen auf:
      ra:tre:der
      ra:tlagerra:deln
      Die Silbengrenze erklärt den Wechsel von d - t, es ist nicht der Vokalismius in re:der, der diesen Wechsel erklärt.
      Umlaut im Deutschen eine Variante? Hut zu Hüte, Gruss zu Grüsse: hier könnte ebenfalls die Interpretation als Allophon als gegeben erscheinen. Zwischen den jeweiligen Partnern ist zumindest semantisch noch eine ziemliche Nähe feststellbar, die jeweils zweiten Elemente sind nicht eindeutig als Plural markiert, denn es wäre ebenso auch möglich sie als Diminutivkomponenten (Hütchen, Grüsschen) anzusehen. Nun ist die Unterscheidung von /u/ und /y/ aber in anderen Wörtern durchaus distinktiv, es ist also zu schliessen, dass die Varianten oben keine phonologischen Varianten sondern lexematische Varianten sind.
      Ein weiteres Beispiel /ng/: der Laut /ng/ (nasal) ist eine Variante zur Lautfolge /n + g/. Dazu die Beispiele
      GeländeGestänge
      GebindeGemenge
      GebirgeGesänge
      Alle /ng/ zeigen sich in einer Position, die ebenso von n + d, r + g eingenommen wird. Weiters finden sich Varianten in den Wörtern:
      EnglischAnglo (ng - nng)
      Diphtongdiphtongieren (ng - nng)
      Trinangeltriangulär (ng - nng)
      jungJugend (ng - g)
      GeländeGestänge
    3. Eine andere Variantenart ist, wenn ein Laut ein einer und ein anderer Laut in einer anderen Umgebung ausschliesslich vorkommt. Dabei darf auf die Verwandtschft zwischen ihnen nicht vergessen werden! Wenn solche Laute nicht in einer indirekt distinktiven Opposition stehen dann sind sie Varianten eines Phonems.