Trubetzkoy, Grundzüge der Phonologie

Inhalt

Regeln zur Phonembestimmung
Monophonematische Wertung
Polyphonematische Wertung
Logische Einteilung der Oppositionen
Einteilung der distinktiven Schallgegensätze
Vokalische Eigenschaften
Lokalisierungs-Eigenschaften
Lineare Systeme
Öffnungsgrad-Eigenschaften
Resonanz-Eigenschaften

Im folgenden kommen die wichtigsten Definitionen und Beispiele aus Trubetzkoys Grundzüge der Phonologie.

Phoneme sind phonologische Einheiten, die sich vom Standpunkt der untersuchten Sprache aus, nicht noch weiter zerlegen lassen. Sie sind die Unterscheidungsmerkmale der Wortgestalten

Die Unterscheidung der Wortgestalten gibt bereits einen Hinweis, wie Phoneme beschaffen sein müssen. Denn (35) weiter ist ein Phonem "die Gesamtheit der phonologisch relevanten Eigenschaften eines Lautgebildes." Ein Phonem kann aber durch "mehrere verschiedene Sprachlaute realisiert werden." So das deutsche /g/, das als phonologisch relevante Eigenschaften aufweist: vollständiger Verschluss zwischen Zungenrücken und Gaumen, Hebung des Gaumensegels, Entspannung der Zungenmuskel und unbehauchte Sprengung des Verschlusses; alle anderen etwa vorkommenden Ausspracheelemente, wo etwa der Verschluss gebildet wird, das Verhalten der Lippen während des Verschlusses ist aus phonologischer Sicht unwichtig. Sie stellen Varianten dar.

Ermittelt werden die phonolgischen Einheiten durch die Untersuchung, ob sie vertauscht/ausgetauscht werden können. Der Grundbegriff ist Opposition. Oppositionen gibt es unterschiedliche:

Oppositionen

distinktivindistinktiv
können Wörter unterscheidenkönnen Wörter nicht unterscheiden
Rose : Riese"R"-Laute im Deutschen

Laute können vertauschbar sein oder auch nicht. So kommen die "ch"-Laute in zwei Varianten vor: "ich" geg. "ach". "ch" ist einerseits palatal andererseits velar realisiert. Unvertauschbare Laute bilden keine distinktive Opposition, weil sie nicht in derselben Umgebung vorkommen können.

Frau/man kann sagen, dass es sich bei den vertauschbaren Lauten um Artikulationsvarianten handelt. Artikulationsvarianten kommen in derselben Umgebung vor und sind nicht-distinktiv.

Vertauschbare Laute können Oppositionen bilden oder nicht. So ist die Tonhöhen im Deutschen vertauschbar aber nicht distinktiv. Dagegen sind "r" und "l" Laute ebenfalls vertauschbar aber auch distinktiv: "Rand" geg. "Land".

Können zwei Laute nicht vertauscht werden und besitzen sie keine gemeinsamen Schalleigenschaften durch die sie sich von den anderen Lauten des Systems unterscheiden, dann stehen sie doch in Opposition: indirekt-distinktive Opposition.
Es handelt sich nicht um Artikulationsvarianten, die Laute sind verschieden. Sie kommen in unterschiedlichen Umgebungen vor. Sie können aber zu anderen Lauten in distinktiver Opposition stehen. DAS ist es, was sie von den Artikulationsvarianten unterscheidet.
Der jeweilige "ch"-Laut in "ich" geg. "ach" hat ein Phonem /ch/ als Matrix, keiner der beiden Laute steht mit einem anderen Phonem in Opposition, diese Oppositonen geht nur das Phonem /ch/ ein.
Dagegen die Laute /h/ und /ng/, ebenfalls im Deutschen: sie kommen in unterschiedlichen Umgebungen vor und sind nicht austauschbar. /h/ vor Vokalen ausser /e/ und /i/, /ng/ vor Konsonanten und unbetontem /e/ und /i/. Die Umgebungen schliessen einander aus. Jedoch sind die Laute /h/ und /ng/ zu anderen Lauten in Opposition, etwa zum Laut /p/ in hacken - packen und Ringe - Rippe. Frau/man braucht also nicht nur eine Oppositon sondern immer mind. zwei, dann stehen die in Frage stehenden Laute in der indirekt-distinktiven Opposition.

Regeln für die Bestimmung der Phoneme

Die untenstehenden Texte sind teilweise Zitate aus op.zit. Beispiele werden in TruBeispiele.hmtl gesammelt.

  1. Phoneme und Varianten (41):
    1. Regel: Wenn zwei Laute derselben Sprache genau in derselben lautlichen Umgebung vorkommen und miteinander vertauscht werden dürfen, ohne dabei einen Unterschied in der intellektuellen Wortbedeutung hervorzurufen, so sind diese zwei Laute nur fakulative phonetische Varianten eines einzigen Phonems.
    2. Regel: Wenn zwei Laute genau in derselben Lautstellung vorkommen und nicht miteinander vertauscht werden können, ohne das sich dabei die Bedeutung der Wörter verändern oder das Wort unkenntlich werden würde, so sind diese zwei Laute phonetische Realisationen zweier verschiedener Phoneme.
      Solche Wörter werden in der mod. Literatur als Minimalpaar bezeichnet.
    3. Regel: Wenn zwei akustisch bzw. artikulatorisch miteinander verwandte Laute einer Sprache niemals in derselben Lautumgebung vorkommen, so werden sie als kombinatorische Varianten (Artikulationsvarianten) desselben Phonems gewertet.
      Verwandtschaft kann definiert werden, als Grad der Teilhabe an gemeinsamen distinktiven Merkmalen. So teilen /b/ und /p/ die Merkmale [+labial, +Verschluss], sie unterscheiden sich im Merkmal [+/- stimmhaft]. Sie sind eng verwandt. Frau/man könnte /b/ und /p/ als labiale Verschlusslaute benennen. Von diesem Ausgangspunkt besteht zu /d/ und /t/ ein relativ geringes Verwandschaftsverhältnis, da sie sich im Merkmal [labial] unterscheiden.
      Betrachtet frau/man dies vom Standpunkt der Stimmhaftigkeit zeigt sich, dass/b/ und /d/ als stimmhafte Verschlusslaute wieder verwandt sind, wie es auch /p/ und /t/ als stimmlose Verschlusslaute sind. Frau/man sieht also, dass Verwandtschaft ein relativer Terminus ist, der sehr stark vom System abhängig ist.
      Über die Verwandschaft der Laute können drei Fälle kombinatorischer Varianten unterschieden werden.
      1. Es gibt eine Reihe von Lauten, die in einer Umgebung vorkommen und ein Laut der in derselben nicht vorkommen darf. Dann entscheidet die Verwandtschaft, bzw. deren Grad, zu welchem dieser Laute ein Artikulationsvariantenverhältnis besteht.
        Koreanisch: /s/ und /r/ kommen im Auslaut nicht vor, /l/ nur im Auslaut. /r/ und /l/ sind als Liquid und Intermittierend eher verwandt, so können sie als kombinatorische Variante eines Phonems gedeutet werden.
      2. Gleiches gilt für zwei Reihen von Lauten, zwischen entsprechenden Lauten der ersten und der zweiten Reihe wird über den Grad der Verwandtschaft das Verhältnis (kombinatorisch oder nicht) entschieden.
        Japanisch: /ts/ und /f/ nur vor /u/, /h/ und /t/ nicht vor /u/. /h/ und /f/ sind stimmlose Spiranten, /ts/ und /t/ stimmlose Dentale. Diese Verwandtschaftsverhältnisse entscheiden über die Zuordnung.
      3. Wenn in zwei Umgebungen zwei Laute ausschliesslich vorkommen und sie nicht im Verhältnis der indirekt-distinktiven Opposition stehen, dann sind sie kombinatorische Varianten.
        Japanisch: /g/ und /ng/ sind kombinatorische Varianten, weil sie in verschiedenen Umgebungen vorkommen und beides stimmhafte Gutturale sind.
    4. Regel: Zwei Laute, die der Regel 3 entsprechen, sind keine kombinatorischen Varianten, wenn sie als Lautverbindungen beider, an einer Position in einem Wort vorkommen können, an der auch einer der Laute allein vorkommen darf.
      Vgl.: englisches [r] und [ɘ] [r] darf nur prävokal erscheinen, [ɘ] dagegen nicht vor Vokalen. Beide Laute haben aber eine gewisse Ähnlichkeit, die vor allem in einer eher unklaren Artikulation besteht. Es wäre also denkbar beide als Artikulationsvarianten zu sehen. Dies wird verhindert dadurch, dass sie eben nebeneinander vorkommen können wie in "profession" [prɘfešn]

Einzelphonem und Phonemverbindung (50)

Sechs Regeln helfen bei der Einordnung von Phonemen in monophonematische oder polyphonematische Phänomene. Dabei ist gemeint, dass es "Lautverbindungen" geben kann, die so aussehen, sich so anhouml;&ren, als kömen sie durch die Verbindung zweier Phoneme zustande, in "Wirklichkeit" jedoch nur ein Phonem darstellen. Fraglich ist also wieso eine solche Deutung überhaupt entstehen kann. Die Vermutung kommt, dass diese Deutung durch den Sprachvergleich, also "von aussen" kommt.

  1. Eine Lautverbindung kann nur dann als Einzelphonem gewertet werden, wenn sie nicht auf zwei Silben aufgeteilt werden kann.
    Beispiel im D: /ei/ und /au/, wie ist es mit [pf] und [ts]?
  2. Eine Lautverbindung kann nur dann als Einzelphonem gewertet werden, wenn sie Resultat einer einheitlichen Bewegung der Artikulationsorgane ist. Die Richtung der Artikulationsbewegung muss einhellig sein. So kann die Lautfolge a - u zu [au] und dann zu /au/ werden, doch die Folge a-u-a kann nicht so gedeutet werden, denn das zweite A kehrt die Richtung des u um. Bei au und ei handelt es sich um Bewegungsdiphtonge, sie entstehen quasi natürlich aus der Artikulationsbewegung und können als monophonematisch gewertet werden. Die Richtung, die die Entstehung von einzelphonematischen Lautverbindungen begünstigt ist stets, die des Abbaues der Artikulation. Auf dem Rückweg in die Ausgangslage wird eine zweite Artikulation erzeugt. So z.B. vom Verschluss zu einer Verengung /pf/, nicht jedoch umgekehrt: s + t.
  3. Dauer: eine Lautverbindung kann nur dann als monophonematisch gewertet werden, wenn sie nicht länger dauert als die übrigen Lautverbindungen. Dabei ist natürlich darauf Rücksicht zu nehmen, dass in den einzelnen Sprache lange geg. kurze Phoneme auftreten können. Die Lautverbindung darf nicht länger dauern als ein kurzes Phonem. (?)
  4. Eine Lautverbindung ist dann monophonematisch zu bewerten, wenn sie an einer Stelle vorkommen kann, in der sonst ebenfalls nur einzelne Phoneme vorkommen dürfen.
    Beispiel D: im Anlaut sind Verbindungen Konsonant + l erlaubt (klar, Kloss, fliegen). Die "dreikonsonantigen" Verbindungen wie "pflaume", "spiegel" sind in diesem Licht als zweikonsonantig zu werten, dabei werden /pf/ und /sp/ zu monophonematischen Lauten.
  5. (handschriftliche Ergänzung (53)): Eine Lautverbindung die den Regeln 1-3 genügt ist dann als monophonematisch zu bewerten, wenn sie im Lautsystem der Sprache Parallellen hat. So kann eben die monophonematsiche Wertung des deutschen /pf/ ... gestützt werden.
    Die Implosvia des Hausa stellen ebenfalls ein systematisches Phänomen dar, sie sprengen den Rahmen des Phoneminventars nicht.
  6. Eine Lautverbindung muss als monophonematisch gedeutet werden, wenn ein Bestandteil der Lautverbindung nicht als kombinatorische Variante gedeutet werden kann.
    Beispiel: Serbokroat. und Bulgarisch, beide kennen einen Laut [r], der mit einem Gleitvokal zusammen auftritt. Da im Serbischen ein Gleitvokal an anderen Stellen nicht auftritt, ist hier [r + Gleitvokal] als ein Phonem zu werten, im Bulg. kann ein Gleitvokal auch an anderer Stelle auftreten, hier sind wohl zwei unterschiedliche Phoneme anzunehmen.

Zusätzlich noch eine Regel von Martinet: Eine Affrikate ist monophonematischen wenn die Kommutation oder die Weglassprobe für eines der beiden Segmente nicht erlaubt ist. Siehe /ts/ und /pf/:

Zug /tsu:k/Trug /tru:k/t ist nicht kommutiert, s mit r kommutiert.
Pfeil /pfael/Preis /praes/p ist nicht kommutiert, f mit r kommutiert.

Der deutsche Laut [tsch] ist eine Konsonantenverbindung und kein Einzellaut, denn jeder Teillaut kann kommutiert werden: /kitsch/, /kirsch/, zwitschern, Witwe.

Polyphonematische Wertung (55)

Fast immer handelt es sich darum, dass eine Phonemverbindung, die aus Vokal + Konsonant besteht ausgedrückt wird durch

  1. einen Konsonanten, also wird die Verbindung V+K/K+V durch K ausgedrückt. Dies ist dann möglich wenn der Vokal in anderen Lautstellungen einen besonders geringen Grad von Schallfülle aufweist. Kurze und unbetonte enge oder unbestimmte Vokale.
  2. einen Vokal. Dies kann dann geschehen wenn der "zugehörige" Konsonant mit besonders grosser Schallfülle und sehr offen ausgesprochen wird. Der benachbarte Vokal wird oft ein Liquid, Nasal oder w bzw. j sein.

Die 7. Regel: Wenn zwischen einem Einzellaut und einer existierenden Phonemverbindung, die den obigen Voraussetzungen entspricht ein kombinatorisches Variantenverhältnis besteht, so wird der Einzellaut als polyphonematisch gewertet. Drei Fälle sind zu unterscheiden:

  1. Der Einzellaut kommt nur in Stellungen vor, in der die betreffende Lautverbindung nicht vorkommen darf.
    Vgl. D: l, m, n kommen silbisch nur in unbetonten Silben oder im Auslaut vor, die Werte schwa+l,+m,+n dagegen in unbetonten Silben vor Vokal.
  2. Kommt ein Laut A nur in einer Lautverbindung Ab oder bA vor, in welcher er eine kombinatorische Variante eines Phonems gilt UND ausserdem noch in einer anderen Stellung, in der diese Lautverbindung nicht erlaubt ist, dann wird er als eine Realisation der entsprechenden Phonemverbindung gewertet.
  3. Sind in einer Sprache Konsonantenverbindungen überhaupt oder in bestimmten Stellungen verboten, werden häfig die engen Vokale fakultativ unterdrückt, was zu einer scheinbaren Konsonantenverbindung führt. Es sind dann diejenigen Konsonanten als polyphonematisch zu Werten, die an der ersteren Stelle stehen.
    Vgl. aus dem Japanischen: desu das als des gesprochen wird. Das Japanische verbietet Konsonanten im Auslaut, gleichwohl wird bei schnellem Sprechen das /u/ verschluckt.

Logische Einteilung der distinktiven Oppositionen (59)

Wenn es gelungen ist die Phoneme einer Sprache zu identifizieren, dann muss noch der phonologische Gehalt jedes der Phoneme bestimmt werden.

Ein Phonem besteht aus einer Menge von Merkmalen, jedoch ist nicht jedes Merkmal in der zu untersuchenden Sprache relevant, phonologisch relevant. Als Beispiel dient T. das deutsche Phonem /k/: sicherlich hat es eine velare Komponente, es ist ein velarer Verschlusslaut. Für das Deutsche allerdings ist dies nicht genug denn das /k/ wird in bestimmten Stellungen palatal ausgesprochen. Es hat eine palatiale kombinatorische Variante vor /i/ etwa /ki/ im Gegensatz zur Lautfolge /ka/.
/k/ ist ein dorsaler Laut, dh es wird mit dem Zungenrücken gebildet, dieses Merkmal teilt es jedoch mit /ch/ und /g/.
/k/ ist nicht nasal. die Abgrenzung zu /g/ gelingt uns, wenn wir die Spannung der Zunge berücksichtigen, das /k/ ist gespannt, das /g/ ist nicht gespannt. Spannung der Zunge bedeutet eine grössere Muskelanspannung, die Zunge wölbt sich nach oben, die Kehlkopfmuskulatur erschlafft.
Überlegungen zu Entsprechungen der Merkmale und ein Verweis auf Ladefogeds Seite.

Die phonologisch relevanten Merkmale des deutschen /k/ sind:

  1. vollständiger Verschluss
  2. nicht-nasal
  3. gespannt
  4. dorsal

Ein Vergleich mit anderen Phonemen des Deutschen zeigt, dass diese Merkmale notwendig sind um das /k/ von anderen zu unterscheiden:

Verschlusst, p, tz, pf, d, b, m, ng
nicht-nasalg, t, d, b, p, b
gespanntp, t, ss, f
dorsalg, ch, ng

Einteilung der Oppositionen (60)

Bemerkung zu Oppositionen: das Phoneminventar einer Sprache darf nicht aufgefasst werden als die Summe aller Beschreibungen der Phoneme, vielmehr ist es nur ein Korrelat des Systems der phonologischen Oppositionen. Nicht die Phoneme, bzw deren Beschreibung, sondern die distinktiven Oppositionen spielen die Hauptrolle. Sie sind es, die dem Phonem den relevanten, definierbaren phonologischen Gehalt erst geben.

Eine Opposition setzt nicht nur solche Eigenschaften voraus, die die Teilnehmer unterscheiden, sondern auch solche, die ihnen gemeinsam sind. Sie stellen die Basis dar, auf der die Opposition sich entwickeln kann.

Es gibt nun verschiedene Möglichkeite Oppositionen zu identifizieren:

A. Nach ihrer Beziehung zum Phoneminventar

Eine Opposition kann als eine Einheit aufgefasst werden, diese Einheit steht in einer bestimmten Beziehung zu den übrigen Oppositionen.

Verschiedene Überlegungen finden sich in [Ueberlegung.html]

Die eindimensionale Opposition liegt dann vor, wenn sich eine Opposition nur auf zwei Glieder des Systems beschränkt. Sie teilen die Vergleichsgrundlage, und zwar im System nur diese beiden Elemente.
Mehrdimensional ist sie dann, wenn sich die Vergleichsgrundlage auf mehr als zwei Elemente erstreckt.
Beispiele sind:

  1. Eindimensional sind D: "rot" und "Rat" keine andere Realisation von "r-Vokal-t" ist lexikalisiert (*rit, *rut, *ret)
    Phonologie: /t/ und /d/, sie sind die einzigen dentalen Verschlusslaute, die einen "starken" Verschluss aufweisen.
  2. Mehrdimensional sind D: "Haus", "Maus", "Laus" und "raus (!)", die Vergleichsbasis -"aus" wird von zumindest 4 Elementen des lexikalischen Systems geteilt.
    Phonologie: /b/, /d/ und /g/ ist mehrdimensional weil der "schwache" Verschluss, ihnen allen gemeinsam ist.

Es gibt Phoneme, die an keiner eindimensionalen Opposition teilhaben. Jedes Phonem muss an zumindest einer mehrdimensionalen Opposition teilhaben.

Homogene und heterogene mehrdimensionale Oppositionen. Oppositionen sind homogen, wenn sie aus einer Kette eindimensionaler Oppositionen aufgebaut werden können.
/u/-/e/ sind im D. in einer mehrdimensionalen Opposition, weil, was sie gemeinsam haben, sie mit allen anderen Vokalen teilen (das Vokal-sein). Es ist aber möglich von /u/ zu /e/ eine Kette eindimensionaler Oppositionen aufzubauen die, von /u/ ausgehende letzlich zu /e/ (und umgekehrt) führt.(62)

Geradlinige und ungeradlinige mehrdimensionale homogene Oppositionen. Geradlinig sind solche, wo Anfangs- und Endpunkt nur durch eine einzige Kette verbunden sind (D: ch-k-g-ng). Ungeradlinige Oppositionen verfügen über mehrere Wege, im obigen Beispiel /u/ - /e/ sind mehrere Wege möglich.

Proportionale und isolierte Oppositionen. Proportional bedeutet, dass das Verhältnis zwischen den Gliedern einer Kette dem Verhältnis zumindest einer anderen Kette entspricht. D: /b/ - /p/ und /d/ - /t/ und /g/ - /k/.
Isoliert ist eine Opposition, wenn es keine korrespondierende Kette in der Sprache gibt. D: /p/ : /sch/ ist isoliert. (63)

Wie auch bei der Bestimmung heterogener etc. Oppositionen ist auch bei der Untersuchung proportionaler Oppositionen der kategoriale Ansatz wichtig. Siehe in der "Überlegung".

Aus der Kombination von homogenen, mehrdimensionalen Oppositionen mit den proportionalen Oppositionen lässt sich ein System der Phoneme der untersuchten Sprache erstellen.

B. Nach der Beziehung zwischen den Oppositionsgliedern (66)

Die Beziehungen, die einzelne Oppositionsglieder zueinander haben, zeigt das Funktionieren eines beliebigen Oppositionssystems. Neben der Phonologie finden sich ähnliche Einteilungen auch in der Semantik.

  1. Privativ. Oppositionen, in denen ein Partner als merkmallos bezeichnet werden kann, sind privative Oppositionen. Dies trifft z.B. zu auf die Paare, die sich durch das Merkmal [stimmhaft] unterscheiden. Dasjenige Phonem, das [+stimmhaft] ist, kann als merkmaltragend gesehen werden, dasjenige, das dieses Merkmal nicht hat wäre merkmallos.
  2. Graduell. Hier handelt es sich um Abstufungen eines indiskreten Merkmals. Vgl.: Öffnungsgrade von Vokalen. Zeigt eines der Oppositionsglieder eine extreme Ausprägung, dann kann dies als das extreme Glied bezeichnet werden, das andere ist dann das mittlere Glied. (67)
  3. Äquipolent. Phoneme, die sich weder als Abstufungen von Merkmalen, noch bezüglich des Vorhandenseins eines Merkmals in Opposition bringen lassen, stehen in einer gleichberechtigten Opposition, einer äquvipolenten Opposition. Z.B. deutsch /p/-/t/ oder /f/-/k/.

Obwohl nur jeweils eine Opposition "für sich" betrachtet wird, sind die jeweiligen Oppositionen doch nicht vom Phonemsystem, bzw. dessen Funktionieren, unabhängig. (68) vgl: [Ueberlegung.html], wo wir einige Gedanken dazu darbringen.

Die Überlegung, dass der Status einer gegebenen Opposition vor allem auch vom jeweiligen System abhängig ist, ist allgemein gültig. Es können Oppositionen logisch graduell etc. sein, d.h. noch nicht, dass sie in dem untersuchten System dies ebenso sind. Trubetzkoy (69) unterscheidet daher zwischen logisch und faktisch graduell etc.

C. Einteilung hinsichtlich der distinktiven Gültigkeit (69)

In einer Sprache können Phoneme, bzw. deren Oppositionen in bestimmten Situationen u.U. aufgehoben werden. Die Oppositione verliert ihre distinktive Kraft. Daher:

Können Oppositionen in einer Sprache ständig gelten, oder aber sie können nicht ständig gelten.

Oppositionen, die aufhebbar sind, werden von den SprachteilnehmerInnen häfig als irgendwie "schwächer" beurteilt.

  • Wird eine Op. aufgehoben, dann verliert ein Partner seine OppositionsMerkmale.
  • Es bleiben nur die gemeinsamen Merkmale übrig.
  • Diese sind die ursprüngliche Vergleichsbasis.
  • Der unveränderte Partner ist das Archiphonem.
  • ständige Oppositionen
    AufhebungsstellungRelevanzstellung
    Opposition ist ungültiggültig
    es handelt sich um eindimensionale Ops.
    aber nicht alle eindimesionalen Ops. sind aufhebbar.
    Relevanzstellung
    • Nicht jede Art von Op. ist aufhebbar.

    Ein Archiphonem ist die Gesamtheit der distinktiven Eigenschaften zweier Phoneme ((Jakobson TCLP II 8n f) zitiert nach Trubetzkoy (71)).

    Typen von Archiphonemen /A/

    1. /A/ ist mit keinem der Partner ident
      1. /A/ ist nicht ident aber zumindest mit beiden irgendwie verwandt. Vgl.: bairisch-österreichisch, hier ist der Gegensatz gespannt - ungespannt im Anlaut aufgehoben, es erscheint ein "halbgespannter/ungespannter" Laut: "dann" - "Tanne" ergibt "D/Tann" und "D/Tanne".
      2. /A/ ist mit beiden verwandt erhält aber noch eigene spezifische Züge. Diese sind oft an die Umgebung angepasst, bzw. kommen von einem Nachbarphonem.
    2. /A/ ist mit einem der Partner ident.
      1. Wahl von /A/ richtet sich nach der Umgebung. /A/ wird derjenige Partner, der dem Nachbarphonem am nächsten ist. Assimilation. Also etwa wenn nach/vor einem stimmlosen Konsonanten wieder nur ein stimmloser Konsonant auftritt. (72)
      2. Wahl von /A/ ist innerlich, unabhängig von der Umgebung.
        Die Opposition ist privativ. Einer der Partner ist Vertreter von /A/, damit ist dieser Partner der merkmalslose Partner in dieser Opposition. ... jenes Oppositionsglied, welches in den Aufhebungsstellungen auftritt, gilt als das merkmallose.
        Die Opposition ist graduell. In der Aufhebungsstellung tritt das extreme Glied auf. (Bei Tonsprachen scheint dies u.U. der Tiefton zu sein???)
    3. Beide Oppositionsglieder kommen als /A/ vor.

    Korrelationen (77)

    Eine Korrelationpaar ist definiert als: zwei Phoneme, die zueinander in einem logisch privativen proportionalen eindimensionalen Oppositionsverhältnis stehen.
    Phoneme, die Partner in einem Korrelationspaar sind werden paarig genannt, solche, die an keinem Korrelationspaar teilhaben unpaarig.

    Ein Korrelationsmerkmal ist ein Merkmal, durch das Korrelationspaare verbunden werden.
    So ist [+/- stimmhaft] ein Korrelationsmerkmal, der Paare /t/-/d/, /b/-/p/ etc.

    Eine Korrelation ist die Menge aller Korrelationspaare, die durch dasselbe Korrelationsmerkmal verbunden sind.
    Es können einige Korrelationsarten unterschieden werden:

    Verwandschaftsklassen (77) ergeben sich dadurch, dass die Korrelationen zueinander in bestimmten Beziehungen stehen.

    Korrelationsbündel (78)

    Ein Phonem kann nun an mehreren Korrelationen teilnehmen. (78) Beispiel aus dem Altindischen. Die Korrelationsmerkmale sind [+/-stimme] und [+/-aspiriert]:

     [-aspiriert][+aspiriert]
    [-stimme]/p//ph/
    [+stimme]/b/bh

    Es entsteht ein Korrelationbündel, das aus vier Elementen besteht. Je nachdem an wievielen Korrelationen die Mitglieder teilnehmen, können auch Merkmalsbündel mit anderer "Mächtigkeit" entstehen.

    Phonologische Relevanz erhalten diese Merkmalsbündel dadurch, dass sie an phonologischen Prozessen teilnehmen. Sie können aufgehoben werden, und es kann an ihre Stelle ein Archiphonem treten. (79)

    Einteilung der distinktiven Schallgegensätze (82)

    Unterschieden werden kann zwischen wortunterscheidenden und satzunterscheidenen Schallgegensätzen. Für die Phonologie ist die Untersuchung der wortunterscheidenden Schallgegensätze ausschlaggebend.
    Was wäre ein Beispiel zu satzunterscheidenden Schallgegensätzen? Die Bedeutung des Satzes ändert sich mit unterschiedlichen Phonemen. Könnte das auf die Satzintonation zutreffen?

    Die relevanten Schallgengensätze beziehen sich immer nur auf ein System.
    Folgende Eigenschaften werden untersucht:

    konsonantischÜberwindungsart-EigenschaftHerstellung und Überwindung eines Hindernisses
    vokalischÖffnungsgrad-EigenschaftSchallfüllegrad, Sättigungsgrad
    vokalisch/konsonantischLokalisierungs-EigenschaftProduktionsort, Klangfarben-, Eigentoneingeschaften
    vokalisch/konsonantischResonanz-Eigenschaftmittönender Nebenraum

    Wie aus der Tabelle ersichtlich sind für sowohl die konsonantische als auch die vokalische Produktionsart jeweils drei Koordinaten möglich. Jede Eigenschaft, die zur Beschreibung eines Phonems herangezogen wird, muss zu einer der drei Koordinaten gehören. Es müssen allerdings nicht alle Koordinaten in einem gegebenen System distinktiv sein. Vgl [Beispiel in Überlegung.html].

    Schallgegensätze treten aber auch im prosodischen Bereich auf. Hier handelt es sich um
    Differenzierungseigenschaften, die sich auf die rhythmisch-meldoische Differnzierung der prosodischen Einheiten beziehen, und die Anschlusseigenschaften, die sich auf die Reihenfolgen, die Anschlüsse, beziehen.

    Vokalische Eigenschaften (86)

    mE die distinktiven Schalleigenschaften müssen noch kontrolliert werden mEnd

    An (82) distinktiven Schalleigenschaften werden von Trubetzkoy vokalische, konsonantische und prosodische aufgezählt.

    Vokalische Schalleigenschaften

    Auch hier sind wiederum drei Eigenschaften erwähnt:

    1. Öffnungsgrad/Schallfüllegrad: es handelt sich bei diesen beiden Eigenschaften um korrelierte Eigenschaften. Öffnungsgrad bedeutet Öffnung des Mundes, was häfig mit der Senkung des Unterkiefers einhergeht. Dies hat häfig auch eine grössere Schallfülle mit sich.
    2. Lokalisierung ist bezogen auf die Stellung der Zunge (vorne - hinten). Dabei entstehen bestimmte Klangfarben: bei vorderer Stellung werden die tieferen Töne unterdrückt, bei hinterer Stellung die tieferen. So kann auch von Klangfarbeneigenschaften oder Eigentoneigenschaften gesprochen werden.
    3. Resonanz

    Vokalsysteme: Sprachen mit nur einem Vokalphonem scheint es nicht zu geben. Die bekannten Sprachen besitzen stets mehrere Vokale, die sich in ein System einordnen lassen.

    Folgende Möglichkeiten werden beschrieben (87)

     Öffnungsgrad/SchallfülleLokalisierung/Eigenton
    lineares Systemjanein
    viereck Systemjaja
    dreieck Systemjaja. Nur der maximal offene Vokal: nein

    Im folgenden werden einige Systeme beispielhaft beschrieben.

    Lokalisierungseigenschaften

    Spielen in den linearen Systemen keine Rolle. In ihnen werden die vokalischen Phoneme nur nach der Schallfülle unterschieden. So kann ist es im (87) Adyghischen, wo es eine "lineare" Reihe von drei Vokalen gibt, die in unterschiedlichen Umgebungen durchaus anders realisiert werden. Sie haben folgende Eigenschaften:

    ÖffungsgradVokalUmgebungsbedingte Varianten
    maximal eng/ə/
    1. nach runden Gutturalen: u
    2. nach Labialen und runden Sibilanten: ü
    3. nach unrunden Hintervelaren: ə
    4. nach Palatalen als i
    5. sonst als ə
    mitteloffen/e/
    1. nach runden Gutturalen: o
    2. nach runden Sibilanten und zwischen Labialen: ö
    3. nach Laryngalen und unrunden Hintervelaren: a
    4. sonst e oder ë
    maximal-offen/a/
    1. zwischen Labialen: leicht gerundet
    2. zwischen Palatalen als ä
    3. sonst als langes a realisiert

    In allen anderen Systemen spielen die Eigentongegensätze eine Rolle. Es gibt zwei Eigentongegensätze:

    LippenbeteiligungZungenstellung
    +/- rundvordere/hintere Vokale

    Diese Eigenschaften können jeweils alleine oder kombiniert auftreten. Tatsächlich tun sie das auch und es ergeben sich acht Klassen. In den einzelnen Systemen kommen von diesen Klassen jedoch nur maximal vier zugleich vor.

    1. gerundet
    2. ungerundet
    3. vordere
    4. hintere
    5. gerundet + vordere
    6. gerundet + hintere
    7. ungerundet + vordere
    8. ungerundet + hintere

    Da nur maximal vier Klassen vorkommen können ergibt das drei Möglichkeiten. Zweiklassige, dreiklassige und vierklassige Systeme. Unten werden einige Muster beschrieben.

     

     DreiecksystemVierecksystem
    2-Kl. Im Dreiecksystem steht ein Vokal extra, während die übrigen zwei Klassen bilden, die häufig äquipollent zueinander sind. Extra bedeutet, dass er in keine Opposition zu den restlichen Vokalen zu bringen ist. Z.B. Latein:
     a 
    o e
    u i
    /a/ ist ein hinterer-unrunder Vokal, da die übrigen hinteren Vokale /o/ und /u/ rund sind, passt /a/ nicht zu ihnen. /a/ passt aber auch nicht zu den ungerundeten Vokalen /e/ zund /i/. Die beiden Klassen rund-hinten und unrund-vorne bilden einen Gegensatz maximal-dunkel zu maximal-hell.
    Wie auch bei den Vierecksystemen sind zumeist zwei distinktive Merkmale wirksam, jedoch gibt es Sprachen, die auch nur einem Merkmal die Aufmerksamkeit schenken. (91)
    Wichtig sind zumeist Lippenbeteiligung oder Zungenstellung. Ausgangspunkt der Untersuchung sind die maximal-offenen Vokale (a oder ähnliche). Ist bei diesen der Gegensatz vorne-hinten, dann gilt dies auch für das System, ist der Gegensatz rund-unrund dann ist dieser Gegensatz ausschlaggebend.
    Montenegrinischpoln.Dialekt (Pɫaza)
    aæå(gerundet)a
    oeoe
    uiu'
    (Mittelding zwischen u und o)
    y
      ui
    3-Kl. In den dreiklassigen Systemen (93) tritt zu den beiden äusseren Klassen noch eine mittlere Eigentonklasse. Diese ist zumeist durch gerundete vordere Vokale ä, ö und ü repräsentiert. Es kann aber auch die ungerundet hintere Reihe diese Rolle einnehmen.
    Diese mittlere Reihe kann zu einer der äusseren Reihen in besondere Beziehungen treten, die hauptsächlich in der Aufhebung von Oppositionen besteht.
    Dies ist jedoch nicht das Verhalten der Mehrheit der Vokalsysteme der Sprachen. Typische Vertreter sind das Deutsche, Franösische, Schwedische.
    4-Kl.Sie kommen seltener als die 3-klassigen Systeme vor, in ihnen haben auch die maximal offnene Vokale Oppositionspartner (das gilt auch für die 3-kl.). Vor allem scheint sich dieses System in den Turksprachen zu finden, die die Vokalharmonie konsquent durchführen (95).

    Öffnungsgradeigenschaften

    Auch als Schallfüllegradeigenschaften bezeichnet.

    Öffnungsgradeigenschaften kommen in jedem Vokalsystem vor, allerdings ist es möglich, dass es Teilsysteme gibt, in denen der Öffnungsgrad keine distinktive Kraft hat. (98)

    Öffnungsgrade lassen sich in bestimmten Abstufungen erkennen und folglich in Stufen systematisieren. Diese Stufen kombinieren mit den Eigentonklassen zu Systemen mit einer Klassen- u. Stufenzahl.
    Es gibt prinzipiell den Gegensatz maximale geg. minimale Öffnung. Etwa im Persischen (zweiklassigen und zweistufigen Modell).

    StufeVokal
    maximala
    minimalu, i

    Dreistufige Systeme sind die häufigsten, beispielsweise Neugriechisch, Japanisch, Lamba, Shona, Zulu, Ganda, Chichewa.

    StufeVokal
    maximala
    mittelo, e
    minimalu, i

    Einige Eigenschaften

    Die Schallfüllestufen in Kombination mit den Eigentonklassen weisen betimmte allgemeine Eigenschaften auf (102).

    1. Die maximal-dunkle und die maximal-helle Eigentonklasse hat immer gleich viele Schallfüllestufen. Dies ist immer so in Vierecksystemen, in Dreiecksystemen kommt hier noch der Vokal mit der maximalen Schallfüllestufe hinzu, der extra steht.
    2. Aufhebung von öffnungsgradeigenschaften (Schallfülle) erfolgt in Vierecksystemen gleichzeitig in den entsprechende Eigentonklassen.
    3. Aufhebung dieser Eigenschaften in den Dreiecksystemen kann entweder ebenfalls gleichsinnig erfolgen. Es kann aber auch vorkommen, dass nur eine der Eigentonklassen aufgehoben wird, dann entsteht ein viereckiges Teilsystem.
    4. In dreiklassigen Vokalsystemen darf die mittlere Eigentonklasse nicht mehr Vokale umfassen als jede der ässeren Klassen.
    5. Zumeist ist die Anzahl der mittleren Vokalphoneme der dreiklassigen Systeme allerdings geringer als diejenige der ässeren.
      In diesem Falle (weniger Schallfüllestufen der mittleren Klasse) sind es vor allem diejenigen der grösseren Schallfülle, die fehlen. (103)
      Es bleibt u.U. nur ein mittlerer Vokal über, der wird dann in der minimalsten Schallfüllestufe realisiert.

    Unbestimmter Vokal (105). Viele Sprachen weisen einen Vokal auf der ungerundet ist und der hinsichtlich der Schallfülle nicht einordenbar ist. Es ist damit nicht ein etwaiger minimal-offener Vokal einer mittleren Eigentonklasse eines dreiklassigen Systems gemeint.
    Dieser unbestimmte Vokal ist dadurch charakterisiert, dass er zu keinem anderen Vokal in einem eindimensionalen Oppositionsverhältnis steht. (Ausnahmsweise kann das, wie etwa im Bulgarischen allerdings doch vorkommen, wo dieser Vokal zu /a/ in ein Oppositonsverhältnis tritt.)
    Ein Beispiel ist der Vokal im englischen, etwa im Wort "bird".

    Diphtonge

    Diphtonge können monophonematisch oder mehrphonematisch vorkommen.
    Monophonematisch sind Diphtonge, die entstehen, wenn sich die Artikulationsorgane während der Artikulation des Vokals/Diphtongs bewegen. Es handelt sich also um dynamische Erscheinungen.
    Mehrphonematisch sind solche, deren Entstehung auf die enge Abfolge zweier, oder mehrerer, Vokale zurückgeht. Zwei, oder mehr, Vokle treten gemeinsam auf.

    Die Veränderung der Artikulation bei den Diphtongen kann in zwei Richtungen gehen: der beim Beginn der Artikulation vorhandene Öffnungsgrad kann weiter vergrössert oder verkleinert werden.

    Es handelt sich um Laute mit einem beweglichen Öffnungsgrad (normale Vokale haben dagegen einen stabilen Öffnungsgrad).

    Vergrösserung des Öffnungsgrades oder «die abnehmende Verengung des Vokals T(107)», führt zu Lauten wie oa und ea im Dakorumänischen.

    Resonanzeigenschaften (110)

    Neben den beiden Eigenschaften der Schallfülle und des Eigentones, die recht eng miteinander zusammenhängen, können noch andere Eigenschaften identifiziert werden. Die wichtigste, weil häfigste, dieser Eigenschaften ist die Nasalierung. Diese wird von T. unter die Resonanzeigenschaften gezählt.

    Resonanzeigenschaften sind »distinktive Gegensätze zwischen reinen und irgendwie unreinen Vokalen«

    Nasalierung kann nun das ganze oder auch nur Teile des Vokalsystems einer Sprache erfassen.

    In einer Sprache ist die Zahl der nasalierten Vokale nie grösser als die Anzahl der Vokale überhaupt (112).

    Silbische Nasale: manche Sprachen besitzen nur einen Nasalvokal. Dieser steht der Klasse der unnasalierten Vokale gegenüber, daher sind für ihn selbst die Schallfülle und Eigentoneigenschaften irrelevant, da sie ihn ja nur zu anderen nasalierten Vokalen in Gegensatz bringen könnten. Seine Aktualisierung wird nur von der konsonantischen Umgebung bestimmt. »dieser unbestimmte Nasalvokal ist nichts anderes als ein silbischer Nasal, dessen Artikulation sich an die des folgenden Konsonanten angleicht«. Eine Sprache mit einem solchen Vokal ist z.B. das Ibo.