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Bemerkung zu den unvertauschbaren Lauten Merkmale im Vergleich Test als Übung homogene und heterogene Oppositionen Das System der Laute Privat, graduell und äquipollent Äquipollenz Beispiel zu den Schallgegensätzen Zu Vokalischen Eigenschaften Silbische Nasale


Unvertauschbare Laute

Bei den unvertauschbaren Lauten, muss zwischen zwei Fällen unterschieden werden:

  1. Es gibt Laute, die gemeinsame Schalleigenschaften besitzen. Die sind die /ch/ Laute, die in der Datei Trubetzkoy.html angesprochen wurden. Es handelt sich um Artikulationsvarianten in dem Sinne, als sie etwas gemeinsam haben, eben die Eigenschaft dorsaler Spirant. Diese gemeinsame Eigenschaft hebt die Artikulationsvarianten gemeinsam von den übrigen Lauten des System ab.
  2. Es gibt aber auch Laute, die ebenfalls unvertauschbar sind, die aber NICHTS gemeinsam, besonders keine Schalleigenschaften, haben. Diese können dann doch distinktive Oppositionen bilden. Es ist ihnen nur schwerer auf die Spur zu kommen. Trubetzkoy nennt diese Oppositionen indirekt distinktiv.

Indirekt Distinktive Oppositionen

Sie sind nur über eine Kette von Minimalpaaren nachweisbar. Bleiben wir bei dem angegebenen Paar /h/ und /ng/. /h/ nur vor Vokalen (ausser [aber nicht] unbetontem /e/ und /i/; /ng/ vor Konsonanten und unbetonen /e/ und /i/.
Weiters kommt /h/ nur im Anlaut, Wort oder Silbe, vor (nach Marte Philipp, Phonologie des Deutschen, Kohlhammer, 1974, 37ff). Paralell dazu kommt /ng/ im Anlaut nicht vor sondern im Inlaut und im Auslaut. Es handelt sich also deutlich um zwei Laute, die unvertauschbar sind.

Sie haben auch keine Schalleigenschaften gemeinsam. Abgesehen von der Eigenschaft Konsonant zu sein, doch dies ist einerseits bei /h/ nicht ganz so eindeutig, und andererseits zu umfassend.

Um eine distinktive jedoch indirekte Opposition aufstellen zu können brauchen wir Wörter, in denen der "dritte" Laut an vergleichbarer Position vorkommt.

hackenpackenwir stellen /h/ mit einem anderen Laut /p/ in eine Umgebung. Es handelt sich um ein Minimalpaar
RingeRippeebenso mit /ng/
Der Laut /p/ kommt nun immer dort vor, wo /h/ oder /ng/ vorkommen und bildet mit ihnen jeweils ein Minimalpaar. Er ist eine Brücke, die es erlaubt die indireke Opposition von /h/ und /ng/ zu sehen.
heuteLeutewir stellen /h/ mit einem anderen Laut /l/ in eine Umgebung. Es handelt sich um ein Minimalpaar
fangefalleebenso mit /ng/
Wieder haben wir vier Minimalpaare gebildet, ein Laut, /l/, dient uns als Brücke.

Dimensionaliät

Merkmale im Vergleich

Es scheinen die Merkmale, die Trubetzkoy verwendet, ein wenig von den international verwendenten abzuweichen. T. gibt für /k/ an

TrubetzkoyLadefoged
vollständige Verschlussbildung
im Gegensatz zu /ch/
Plosiv
Absperrung des Zuganges zum Nasenraum
im Gegensatz zu /ng/
-nasal
Spannung der Zungenmusulatur bei gleichzeitiger Erschlaffung der Muskulatur des Kehlkopfes
im Gegensatzzu /g/
dem scheint -stimmhaft zu entsprechen
Beteiligung des Zungenrückens
im Gegensatz zu /t/, /p/
+ velar

Das nächstverwandte Phonem muss nun dasjenige sein, das minimal abweicht. Es müssen also die zu untersuchenden Phoneme aufgetragen werden und das nächste gesucht werden.

Dann wird untersucht, ob es bei zwei od. mehreren Phonemen eine Vergleichsgrundlage gibt. Eigenschaften, die ihnen gemeinsam sind. So kann die Untersuchung beginnen, die als Ergebnis das phonologische System der Sprache ergibt.

Ein Test, als Übung

Gegeben seien Lexeme, die Minimalpaare darstellen. Untersucht werden soll jeweils das erste Phonem. Es sollen die Oppositionstypen eruiert werden, wohlgemerkt nur in dieser Menge von Lauten.

talTaltVerschlusslautalveolarnicht nasalstimmlos
malMalmVerschlusslautvelarnicht nasalstimmlos
salSaalsFrikativalveolarnicht nasalstimmlos
zalZahlz/tsVerschlusslautpalatalnicht nasalstimmlos

Die Verhandlungsbasis ist:

  1. bezüglich der Merkmale [nicht nasal] + [stimmlos] bilden alle Laute gemeinsam eine mehrdimensionale Opposition.
  2. Die [Verschlusslaute] + [nicht nasal] + s[stimmlos] bilden gemeinsam eine mehrdimensionale Opposition. Also /t/, /m/ und /ts/
  3. Hinsichtlich [aveolar] + [nicht nasal] + [stimmlos] bilden /s/ und /t/ eine eindimensionale Opposition.

Die Vokale /o/ und /e/ bilden was?
egeschlossenmittelvorne
ogeschlossenmittelhinten
Hinsichtlich der Vergleichsgrundlage [geschlossen] + [mittel] sind /e/ und /o/ im Korpus der deutschen Vokale mehrdimensional in Opposition, denn auch die Vokale /ɘ/, /ɵ/, /ɤ/ und / befinden sich auf dieser Ebene. Es wäre also möglich, dass frau/man diese Vokale als Übergänge auffasst, so dass es von /e/ zu /o/ eine kontinuierliche Entwicklung gibt.
Dabei stehen /e/ zu /ø/ hinsichtlich der Merkmale [geschlossen] + [vorne] + [mittel] + [+rund/-rund] in einer eindimensionalen Opposition, denn kein anderer Vokal weist dieses Merkmalsschema auf. Das trifft auch, mit den entsprechenden Merkmalen, auch auf die Teilkette /ø/ und /ɵ/, und dann die folgenden Teilketten zu.
Wenn diese Betrachtungsweise möglich ist, dann kann von einer homogenen mehrdimensionalen Opposition gesprochen werden.
Ist dies nicht möglich, dann ist die Opposition eine heterogene.

Der Unterschied zwischen heterogen und homogen liegt vor allem darin, ob es innerhalb einer Lautkategorie einen geschlossenen Pfad von dem einen Laut zum anderen gibt. Im Beispiel (62) ist ein Weg von /χ/ zu /η/, dieser Weg geht über die /k/ - /g/ Schiene. Schaut frau/man sich das in einer Konsonantenkarte an, dann wird sichtbar, dass wir innerhalb der "Velarität" bleiben. Zwischen /t/ und /p/ dagegen gibt es einen kategorialen Sprung, also ist diese Opposition eine heterogene.
Versuchen wir den Beweis:
tplosivKonsonantAlveoDental
pplosivKonsonantBilabial

Über die Merkmale [plosiv] und [Konsonant] wären die beiden mehrdimensional definiert, denn diese Merkmale teilen sie mit vielen Konsonanten.
Gibt es eine Kette eindimensionaler Oppositionen, die /t/ mit /p/ verbinden? Nein, denn /t/ steht als "Zahnlaut" (Duden) und [stimmlos] nur mit der Menge {th, ss, sch} in Zusammenhang, /p andererseits steht in seiner Kategorie als [bilabial] + [stimmlos] völlig alleine, es gibt daher keine Verbindung zwischen ihnen.

Welche eindimensionalen Oppositionen lassen sich aus dem Duden ableiten?
Es darf die Vergleichsgrundlage nur zwei Elementen gemeinsam sein!
Bei der Bildung der Vergleichsgrundlage kommt es vorerst auf die Artikulationstelle an. Laute, die unter einer Artikulationsstelle sich befinden, sind kategorial ähnlich, sie können eindimensionale Oppositionen jeweils untereinander bilden.
Die Artikulationsart ist demgegenüber sekundär.
Diese Schlüsse sind gerechtfertigt, weil vor allem das Phonem /h/, das im D. der einzige Kehlkopflaut (Duden) ist, alleine in seiner Kategorie zu finden ist.
Es handelt sich bei eindimensionalen Oppositionen um minimal differierende Laute in enger kategorialer Umgebung.

  1. /b/ und /m/ beide sind [bilabial] + [stimmhaft] dies ist die Vergleichsgrundlage, sie differieren im Merkmal [+/- nasal]
  2. /p/ und /b/ beide sind [bilabial] + [plosiv]; sie differieren bei [+/-stimmhaft]
  3. /t/ und /d/ beide sind [dental] + [plosiv]; sie differieren bei [+/-stimmhaft]
  4. /k/ und /g/ beide sind [velar] + [plosiv]; sie differieren bei [+/-stimmhaft]
  5. /d/ und /n/ in der d-Reihe stellt sich die Frage, ob es zulässig ist die Reihe hinunter jeweils eben ein Merkmal als differierendes und die restlichen als Vergleichsgrundlage anzunehmen. Anzunehmen ist im Lichte der obigen Begriffsbestimmungen: Ja(/Nein! wäre nicht gerechtfertigt, denn ihre Vergleichsgrundlage ist ident, die Artikulationsstelle), denn sie stellen stimmhafte Zahlaute (Duden) dar. Ich finde aber, dass sie zueinander doch in jeweils einem bestimmten Verhältnis stehen!?
  6. /sch/ und /ch/ unterscheiden sich nur durch die Artikulationsstelle
  7. /l/ hier weis ich nicht einzuordnen, denn /l/ in Verbingung mit den übrigen Lauten der d-Reihe bildet zumindest Oppositionen, das wären dann ca. 6
  8. /r/ ist die gleiche Überlegung wie bei /l/ und dann natürlich auch /h/

Hier macht nun auch die Unterscheidung in homogen und heterogen Sinn, denn homogene Ketten werden sich nur bezüglich der Artikulationsstelle finden.

Das System der Laute

Vorgangsweise aus Trubetzkoy (64)

  1. Wir schreiben die mehrdimensionalen homogenen Oppositionen in Spalten nebeneinander.
  2. Diejenigen Elemente, die auch in Proportionen vorkommen notieren wir in Zeilen.
  3. Die Zeilen und die Spalten werden kombiniert, wobei sich Schnittstellen ergeben.

Ausführung 2

Die deutschen Konsonanten

Aus Marthe Phillip, Phonologie des Deutschen (44), die folgende Tabelle wurde nach den obigen Gesichtspunkten leicht modifiziert). Zum Phonem /j/ ist zu sagen, dass dieses nach Trubetzkoy in der deutschen Bühnensprache nicht existiert. Hier wurde es in die vorläufige Tabelle aufgenommen, ebenso wie die Liquidäe /r/ und /l/, die in der Resultierenden Tabelle nicht vorkommen.
 labialdentalpalatalvelaruvularglottal 
plosiv +stimmbd g  Reihen proportional zueinander
plosiv -stimmpt k  
nasalmn ɳ  
frikativ +stimmvz(j)   v, z, f, s und pf, ts sind proportional
frikativ -stimmfsʃX  
affriziertpfts     
lateral (l)     
vibrant    (R)  
1mehrdimensional homogenmehrdimensional homogen4mehrdimensional homogen67 


Die obige Tabelle haben wir nach den Artikulationsstellen und dann nach der Artikulationsart geordnet. Dann haben wir untersucht, welche Reihen proportinal sind. Dies kann sowohl in der vertikalen als auch in der horizontalen Richtung betrachtet werden. Die Ordnung nach den Artikulationsstellen hat uns bereits mit der wichtigen Information nach den homogenen mehrdimensionalen Verhältnissen versorgt. Die Proportionalität der Teilreihen wird ebenfalls bereits aus der obigen Tabelle ersichtlich. Wir brauchen schliesslich "nur" auf die Artikulationsstellen, bzw deren Notation verzichten und die "reinen" Verhältnisse notieren. Es ergibt sich ein Bild eines Teils der deutschen Phonologie, bzw dessen Systems. Es steht offensichtlich in engem Zusammenhang mit dem phonetischen, ist aber trotzdem ein eigenständiges System, das den Lautwerten einen Systemwert zuweist.

    vz
  xfsʃ
ptkpfts 
bdg   
mnɳ   

Duden Experiment

Die Konsonanten nach dem Duden (32) sollen untersucht werden. Es handelt sich aber nicht um die deutschen Konsonanten, sondern um Konsonatnen allgemein. Die Ergebnisse stimmen demnach nicht mit Trubetzkoy überein. Es ist auch ncoht nicht gekllärt, wie /j/ etc behandelt werden solln.

Mehrdimensionale homogene Oppositionen. Nach dem Duden (32), jedoch ohne die Unterschiede bezüglich der Stimmhaftigkeit, finden sich folgende:

ptk
bdg
mnɳ
 rch
 l 
 s 
 z 

Nun die Proportionen:

ptk   
tdg   
mnɳ   
 fs!ch
 wzj

/l/, /r/ und /h/ sind offensichtlich nicht proportional und /h/ ist zusätzlich noch isoliert.

Die Kombination der beiden Tabellen ergibt einen Schnittpunkt in der t-Spalte und noch einen in der k-Spalte, der ü:ber die anderen Schnittpunkte heraus in die zweite Tabelle ragt. Das /s/ und das /ch/ verbinden die Tabellen.

ptk
bdg
mnɳ
 schf!ch
 z wj
 l   
 r   

Die Ausführung dürfte stimmen, jedoch sind im Duden andere, dh nicht die deutschen Konsonanten angeführt. Das Experiment für Deutsch muss mit den deutschen Konsonanten ebenfalls gemacht werden. Diese finden sich in Marthe Philipp, Phonologie des Deutschen (44).



Privat, graduell und äquipollent

Die Bestimmung einer Opposition in dieser Hinsicht ist zwar von jeweiligen Standpunkt abhängig, doch nicht willkürlich.

Es sind Struktur und Funktionieren des Phonemsystems, die Faktoren, die die Einteilung nach den obigen Kriterien ermöglichen.

Kommen in einer Sprache zwei Phoneme mit einem Merkmal vor, dass sich graduell ändern kann, dann ist ihre Opposition trotzdem privat!, denn sie unterscheiden sich eben nur durch das Vorhanden/Nichtvorhandensein dieses Merkmals. vgl.: /u/ und /o/ als einzige Phoneme dieses Öffnungsgrades, dann ist zwar theoretisch eine Abstufung möglich, jedoch eben in dieser Sprache phonologisch irrelevant. Anders dagegen in einer Sprache, die neben /u/ und /o/ noch /ɔ/ zeigt. Hier ist die Opposition eine graduelle!

So wird auch die Opposition /t/ - /d/, die als private gedeutet wurde, zu einer graduellen, wenn sich im Phoneminventar der Sprache weitere dentale Verschlusslaute zeigen, DIE in dem graduellen Merkmal sich unterscheiden. Also etwa gespannter (oder stimmloser) als /t/, oder ungespannter (oder stimmhafter) als /d/ wären

Äquipollenz ist definiert als logisch gleichberechtigte Opposition. Deren Glieder sind weder als zwei Stufen noch als Verneinung/Bejahung eines Merkmals/Eigenschaft anzusehen.
Dazu: Natürlich werden sie einige Eigenschaften teilen, doch können diese eben nicht wirklich in Gegensatz gebracht werden. Dies trifft zu auf /t/ und /p/ im Deutschen. Beides sind Konsonanten, sie sind stimmlos und Verschlusslaute. Die Eigenschaft des Ortes der Bildung ist jedoch nicht in ein Schema +/- zu bringen:
 labialdental
t0 labial+ dental
p+ labial0 dental

Wie aus der Tabelle ersichtlich, ist das jeweils gegenteilige Merkmal einfach irrelevant. Diese Art von Opposition ist die häufigste in den untersuchten Sprachen.

 

Funktionieren (69) ist definiert als Menge der zugelassenen Phonemkombionationen einer Sprache, sowie die Regelung der phonologischen Gültigkeit der einzelnen Oppositionen. (Letzteres erscheint zirkulär.)

Der Begriff des Funktionierens ist wichtig, denn es entscheidet (68) das Funktionieren des Phonemsystems etwa darüber, welches Glied einer privaten Opposition das merkmallose/merkmalhafte ist.

Identifizieren wir Funktionieren mit phonologischen Prozessen, dann können wir etwa die Auslautverärtung im Deutschen als Beispiel nehmen.
Sie stellt eine Aufhebungsstellung (70) dar, dies ist wiederum definiert als das verlieren der spezifischen Merkmale durch einen Partner. Im Auslaut des Deutschen verlieren die [+stimmhaften] Konsonanten, /d/, die Stimme. Das /d/ wird also zu einem /d/-[+stimmhaft], was wiederum eher einem /t/ entspricht.
Als Merkmal ist also [+stimmhaft] festzuhalten.
Dies wird nun in die Oppositionsuntersuchung übernommen und es kann festgestellt werden, dass die Opposition /d/ : /t/ eine private ist, deren kennzeichnendes Merkmal [+/- stimmhaft] ist. Damit ist der merkmallose Partner das /t/. Die Merkmalskombination [+/- gespannt] verliert in dieser Schlusskette an Bedeutung.

Zur Bestimmung des merkmallosen Gliedes einer Opposition (75) gibt es einige weitere Hinweise.
Zuerst im Falle einer innerlichen Wahl des Archiphonemvertreters (Fall 3): hier ist das merkmallose Glied, dasjenige was in der Aufhebungsstellung übrig bleibt.
Im Falle 4, beide Glieder einer Opposition kommen als Archiphoneme vor, ist das merkmallose Glied definiert als dasjenige, das in der Stellung vorkommt, die die höchste Differenzierung erfordert. Illustriert wird dies an den Phonemen /scharfes s/ geg. /weiches s/ im Deutschen. /scharfes s/ kommt im Auslaut vor, /weiches s/ im Anlaut. Für das Deutsche gilt nun, dass die beiden Positionen sich hinsichtlich der Anzahl erlaubter Phoneme unterscheiden. Im Anlaut sind 36 Phoneme erlaubt, im Auslaut dagegen nur 18. Der Auslaut ist also die Stellung, in der die Phoneme am stärksten differniert sein müssen. Phoneme, die hier vorkommen sind in Bezug auf die Oppositone, die merkmallosen Glieder.
Es kann auch vorkommen, dass eine Aufhebung eines benachbarten Oppositionspaares Aufschluss über das merkmallose Glied gibt. Eine Art von Parallellismus zwischen den Nachbarn sozusagen. (75) in Bezug auf die Oppositon, die merkmallosen Glieder.
Es kann auch vorkommen, dass eine Aufhebung eines benachbarten Oppositionspaares Aufschluss über das merkmallose Glied gibt. Eine Art von Parallellismus zwischen den Nachbarn sozusagen. (75)

Beispiel zu den Schallgegensätzen

ad Koordinaten: Ein Laut hat bestimmte Eigenschaften: zu diesen gehören der Produktionsort und die Produktionsart, die ihrerseits wieder feiner spezifiziert werden. z.B.:

Dies wären drei Koordinaten. Sie sind jedoch von unterschiedlicher Wertigkeit insoferne sie Elemente enger oder weniger eng miteinander "verbinden". In der obigen Anordnung ist es die zweite Koordinate, die die Laute am engsten bindet, die letzte Koordinate: +Verschluss diejenigie, die die verwandten Laute am differenziert. Ändere ich sie, erhalte ich andere Laute:


(85) Nicht alle Koordinaten/Eigenschaften müssen in einem System verwirklicht werden. So ist im Deutschen das /d/ eine Lenis in der Op. zu /t/, dental in der Op. zu /b/ und nichtnasal in der Op. zu n. Hier sind alle drei Koordinaten auch erfüllt.
Das französische /o/ hat eine bestimmte Öffnungsgradeigenschaft in Relation zum /u/ (dos - doux), eine Lokalisierungseigenschaft in Relation zu /ö/ (dos - deux), sowie eine Resonanzeigenschaft in Relation zu /õ/.
Dagegen weist das deutsche /o/ die Resonanzeigenschaft nicht auf, denn es gibt keine Op. zu einem deutschen õ

Zu Vokalischen Eigenschaften

Ein Vokal in einer Sprache wäre gar nicht EIN Vokal, vielmehr müsste zu ihm obligatorisch ein ZWEITER treten: der Nullvokal plus erlaubte Konsonantenverbindungen. Dies ist notwendig, weil sich der einzige ausgesprochene Vokal sonst in keiner distinktiven Opposition fände.

Wie entscheide ich welches Vokalssystem vorliegt?

  1. Phoneme identifizieren, siehe dazu die Regeln in Trubetzkoy.html
    ich habe nun die Phoneme, beispielsweise: /a/, /o/, /e/, /u/ und /i/ des Shona und ich habe ein zweites System /a/, /e/, /o/ und /i/ des Tonkawa (Texas)
  2. Klassifizierung der Phoneme indem ich sie durch die Merkmale Öffnungsgrad und Eigenton beschreibe:
    Shona: /a/ maximal offen,
    Shona
    VokalÖff.Eigenton
    amaximal-rund, +vorne, (+tief)
    omittel+rund, -vorne,
    emittel-rund, +vorne
    uminimal+rund, -vorne
    iminimal-rund, +vorne
    Hinsichtlich der Eigentoneigenschaft bilden sich zwei Klassen:
    1. [+rund, -vorne]
    2. [-rund, +vorne]
    Hinsichtlich des Öffnungsgrades ergeben sich drei Stufen. In den beiden bisher identifizierten Klassen sind die Stufen mittel und minimal vertreten. Die Stufe maximal gilt ausschliesslich für den Vokal /a/, der zugleich auch keiner der Klassen zugeordnet ist. /a/ ist von der Eigentoneigenschaft her der Klasse 2 zuzuordnen steht jedoch durch die Eigenschaft Öffnungsgrad (+tief) ausserhalb der Klassen. Daher handelt es sich beim Shona um ein dreistufiges 2-klassiges Dreiecksystem.

    Tonkawa
    VokalÖff.Eigenton
    amaximal-rund, +vorne
    emittel-rund, +vorne
    omittel+rund, -vorne
    iminimal-rund +vorne
    In diesem System sind die "objektiven" Merkmale, dh die tatsächlichen Produktionsmerkmale nur Hinweise auf die Orte, an die die Vokale des Tonkawa systematisch zu stellen sind!
    Warum? Ich könnte ja annehmen, dass es zwei Eigentonklassen gibt: eine mit /a/, /e/ und /i/. Die andere nur mit /o/, die dann zur ersten in Opposition steht. Dann wäre das einzige klassen-distinktive Eigentonmerkmal [+/- rund], für die o-Klasse hätten die Öffnungsgrade nur kombinatorische Varianten als Ergebnis, während für die a/e/i-Klasse dies sehr wohl distinktiv wäre.
    Von einem sehr systematischen Standpunkt aus könnte ich aber sagen: das Verhältnis von /e/ zu /a/ ist dem Verhältnis /i/ zu /o/ irgend wie ähnlich, denn /i/ und /e/ sind jeweils weiter vorne als die Gegenspieler /o/ und /a/. Dann hätte ich zwei Klassen mit vorne: /i/ und /e/, sowie hinten: /a/ und /o/. Dies reduziert meine Stufen auf zwei, maximal und minimal für /a/ und /e/ sowie /i/ und /o/. Ich hätte systematisch eine sehr hohe Auflösung der Vokale erreicht. Was T.(98) als Lösung anbietet.

Silbische Nasale, Überlegung

Der silbische Vokal mancher Sprachen, zitiert wird das Ibo, wird als m/n/ng transkribiert. Dieses Graphem entspricht demjenigen für die Konsonanten /m/, /n/ und /ng/ mE hier Lucida einbauen mEnd.

Dies kann zu Verwechslungen führen den haben die m/n/ng etwa die Eigenschaft, dass sie Ton tragen, der sonst eben nur von Vokalen getragen wird, so liegt der Verdacht nahe, dass es sich um einen silbischen Nasal handelt. Als weitere Hilfe kann untersucht werden, ob in der untersuchten Sprache Konsonantenverbindungen überhaupt erlaubt sind. Ist dies generell nicht oder nur sehr eingeschränkt der Fall, dann ist dies auch ein Indiz für die Deutung dieses Nasals als silbischen Nasal.

In den obigen Fällen kann von einem unbestimmten Nasalvokal gesprochen werden.

In Sprachen, die weder einen unnasalierten unbestimmten Vokal, noch nasalierte Vokale kennen, aber dennoch einen silbischen Nasal aufweisen, muss dieser als unbestimmter Vokal aufgefasst werden, dessen Nasalierung eine phonologisch irrelevante Eigenschaft ist, dieser wäre dann der eigentliche unbestimmte Vokal.

Interessant, und von T. nicht gelöst ist das Problem, wo in Sprachen sowohl das ganze Vokalsystem der Nasalierung unterliegen kann als auch ein silbischer Nasal auftritt. Wird dieser dann den Vokalen zugeordnet, dann hätten solche Sprachen mehr nasalierte als unnasalierte Vokale, was T. als »allem, was wir von der Nasalierungskorrelation wissen widersprechend« auffasst. (112)