Fremdsprachenwachstum (Susanna Buttaroni)


Der erste Teil des Buches beschäftigt sich vor allem mit den Grundlagen der Linguistik ... la Chomsky, ist sehr kurz und vielleicht auch übersichtlich aufgebaut. Jedoch nur für diejenigen Personen, die sich bereits mit der Grammtiktheorie auskennen!

Im zweiten Teil gibt es kurze Beispiele und Anweisungen zur Didaktik des Fremdsprachenwachstums. Die Methodik wird kurz beschrieben. Wir wollen hier einige Anmerkungen und Exzerpte präsentieren:

Fremdsprachenwachstum ist eine Methode, die ähnlich dem TPR, sehr deutlich auf Verstehen und Hören beruht. Ein Unterschied ist, dass Fremdsprachenwachstum stärker auf kognitive Bereiche stützt, wenn im Buch dies auch nicht ausdrücklich vermerkt ist. Im folgenden die allgemeinen didaktischen Prinzipien und Erläuterungen zu einzelnen Begriffen.
Wichtig ist der Begriff authentich, damit werden Sequenzen bezeichnet, die "wirklichen" Kommunikationssituationen entsprechen, die Texte verbleiben ebenfalls authentisch, d.h. sie werden nicht vereinfacht und an ein zu erwartendes Sprecherinnenniveau angepasst.
Die Liste unten entspricht weitgehend den Daten auf (199)

Wahrnehmen und Verstehen

(204) Ausgangspunkt des Sprachenlernens ist das Wahrnehmen/Hören und Verstehen einer Sprache. Dies geschieht nicht passiv, sondern es handelt sich um aktive, wenn auch unbewusste Prozesse. Die Sprecherinnen bilden/rekonstruieren die Zielsprache intern. Die menschliche Sprachfähigkeit bildet Hypothesen über die Zielsprache, zugleich werden diese Hypothesen auch überprüft. Dazu ist vor allem ein unverfälschter Input wichtig. Ist der Input verfälscht, etwa im Zuge einer progressiven Aufarbeitung, kann es u.U. zu Verständnissproblemen kommen, da das Überprüfen gestört ist. Die Progression verhindert oft auch interessante Texte (etwa: Der Genitiv muss geübt werden, er ist jetzt dran, wie kann ich dies wohl interessant machen?).

Die Hörmaterialien

Im Fremsprachenwachstum wird Hören und Lesen vorrangig geübt. Wichtigster Bereich ist Hören. Dazu braucht es Hörtexte, diese sollen folgende Charakteristika haben:

Hör-Aktivitäten

Drei Aktivitäten werden für Hören, sinngemäss dann auch für Lesen, vorgeschlagen. Jede Aktivität wird mit einem Ablaufplan präsentiert.

  1. Authentisches Hören
  2. Lingua-Puzzle
  3. Analytisches Hören

Authentisches Hören

(209) Länge des Bandes etwa 3-4 Minuten. Dauer der Aktivität: etwa 45 Minuten. Der Informationsaustausch sollte jeweils nicht länger als 3 Minuten dauern.
Die Aktivität ist sehr intensiv, sie soll auch sehr konzentriert durchgeführt werden.
Die Sprecherinnen werden vor allem eine lexikalische Bereicherung feststellen, weitere Wirkungen werden eher unbewusst sein. Vor allem das wiederholte Hören wird die phonologische Komponente schulen, was auf die Fähigkeit Wörter, Wortgrenzen, wahrzunehmen rückwirkt.
Hier der Ablauf:

  1. Hineinhören
    Hörtext wird ein- bis zweimal abgespielt. Keine Kommentare seitens der Lehrerin. Einleitung sollte nur die Einladung sein, möglichst aufmerksam zuzuhören.
  2. Informationsaustausch
    Die Sprecherinnen tauschen sich aus, auch wenn es nur ganz wenig sein sollte. Der Austausch sollte in Paaren, Nachbarinnen, von statten gehen. Die Sprache ist vorerst die Muttersprache (oder eine andere gemeinsame Spr.), sollte jedoch sobald wie möglich durch die Zielsprache ersetzt werden.
  3. Identifikationshören
    Hörtext wird ein- bis zweimal abgespielt. Die Sprecherinnen sollen Wörter, Wortgruppen identifizieren. Sie können sich einige (3-5) Elemente notieren/merken und dann nach ihrer Bedeutung fragen.
  4. Informationsaustausch, Paare werden u.U. neu zusammengesetzt. Die gesuchten Elemente werden erfragt, neue Informationen werden ausgetauscht.
  5. Gemeinsames lebendes Wörerbuch
    Die Paare geben ihre ungeklärten Wörter bekannt. Die Lehrerin fragt die Runde, ob das Wort gefundent wurde. Erst dann wird die Bedeutung durch die Zielsprache, Gesten oder Muttersprache erklärt.
  6. Anhören
    Hörtext wird ein- bis zweimal abgespielt.
  7. Informationsaustausch
    Paare bilden sich neu, Informationen werden getauscht.
  8. Anhören
    Der Text wird noch einmal angehört.
  9. Informationsaustausch
    Paare bilden sich neu, Informationen werden getauscht.
  10. Anhören
    Abschliessendes Anhören des Textes.

Erläuterungen und Bemerkungen:
Zu Beginn dieser Aktivitäten ist eine Einführung unerlässlich. Der Ablauf wird erklärt. Wichtig ist darauf hinzuweisen, dass es nicht um das GANZ Verstehen des Textes handelt. Vielmehr wird dies ein Rohbau sein, auf dem die weitere Arbeit aufbaut.
Die Texte werden wahrscheinlich als zu schwer empfunden. Dies beruht darauf, dass die Sprecherinnen erwarten abgeprüft zu werden. Erst nachdem sie mehrmals die Erfahrung gemacht haben, dass dem nicht so ist, können sie sich entspannen. Vor allem die legitimierte Austauschsituation entspannt die Sprecherinnen, sie lernen freier zu sprechen. Sie gewinnen mehr Lust am Lernen.
Vorbereitung auf das Authentische Hören, im Sinne von Vokabeltraining, Grammatiktraining, soll und braucht nicht stattfinden. Ein Text kann dann zwar schneller verstanden werden, wird aber dann auch schneller fad. Auch der Eingriff durch die Unterrichtsperson ist nicht zielführend, denn das, was erfragt, erörtert wird, bekommt automatisch einen höheren Stellenwert. Eigene Wege werden dadurch u.U. entwertet und die Motivation sinkt entsprechend. Vergleiche sind durch den Informationsaustausch sowieso gegeben. Die Unterrichtsperson hat als Aufgaben: Die Auswahl des Hörtextes, das Betätigen des Kassettenrekorders und die Beantwortung der lexikalischen Fragen, sowie die zügige Durchführung der Aktivität.

Für die Sprecherinnen ergibt sich eine abwechslungsreiche Situation, sie hören intensiv den Text und können sich dann beraten. Vor allem die Arbeit in Kleingruppen bzw. Paaren erlaubt es Informationen leichter zu geben. Vor allem dann wenn es sich um Information handelt, über deren Richtigkeit frau/man sich nicht sicher ist. Darüberhinaus kann sich ein Multiplikationseffekt ergeben, wenn sich die Paare austauschen und ihre Informationen kombinieren. Nicht zu unterschätzen ist die emotionale und persönliche, wie auch intellektuelle Anteilnahme an den jeweiligen Partnerinnen.




Lingua-Puzzle

mE ausgehend von der Annahme, dass erstens die Zeit, die für den Erwerb der Zielsprache aufgewendet werden kann, kurz ist, und zweitens, dass bestimmte Spracherwerbsmöglichkeiten der Sprecherinnen u.U. eingerostet sind, werden zwei Lernstrukturen eingeführt, die es erlauben, die Sprecherinnen für bestimmte Elemente zu sensibilisieren, sie auf diese zu konzentrieren.
Wie weit dies in den traditionellen Unterricht gehört? mEnd
Jedenfalls sind die Sprecherinnen durchaus auch kognitiver Fähigkeiten mächtig, das Detailorientierte Verstehen nutzt diese Fähigkeiten. Die beiden folgenden Aktivitäten sind Beispiele für Datailorientiertes Verstehen.

Das Lingua-Puzzle im Detail (216) :
Ausgangspunkt ist der Hörtext aus dem Authentischen Hören. Wahrscheinlich wurde dieser bereits zumindest teilweise verstanden. Es ist beim Authentischen Hören nicht das Ziel, den Hörtext vollends und Phrase für Phrase zu verstehen. Erst jetzt im Lingua-Puzzle soll dieser Zustand erreicht werden und dazu wird die Aufmerksamkeit der Sprecherinnen auf die grammatischen Aspekte der Zielsprache gelenkt. Im einzelnen handelt es sich dabei um die Bereiche: Syntax, Lexikon, Morphologie, Phonologie, Semantik und Pragmatik.

VorbereitungEin Textstück von ca 15 - 30 Sekunden, das bereits Authentisch Gehört wurde, wird ausgewählt.
Intensives HörenDieses wird mehrmals abgespielt: 5-10 Mal.
AnweisungVersucht das, was ihr verstehen könnt zu notieren.
In bestimmten Fällen mE???mEnd kann eine beschränkte Anzahl von Wörtern vorgegeben werden.
 Nach wenigen Durchgängen wird das Notizblatt der Sprecherinnen wie ein Puzzle aussehen:
Morgen..............wird..............Nigeria.
Flughafen.................Kano...............fährt.
............Freunde haben........ gehört!.............
...............Ahamad..............Mero............ging.
InformationsaustauschDie Sprecherinnen vergleichen und ergänzen ihre Puzzles. Wenn möglich soll dies in Paaren geschehen.
Intensives HörenText wird wieder mehrmals gehört und durch die Sprecherinnen ergänzt.
InformationsaustauschPaare werden verändert. Die Notizen ausgetauscht und ergänzt.
Das Puzzle wird nun schon recht vollständig sein, doch bleiben immer noch Lücken. Hier wird durch die gemeinsame Arbeit die aufkommende Kompetenz gefordert. Dort wo akustische Wahrnehmung aufhört, muss die sprachliche, grammatische Kompetenz einsetzen - typisch die Frage: Was passt hier hinein?
Intensives HörenWieder der Text. Die Hypothesen, die vorhin gebildet wurden, können überprüft werden.
InformationsaustauschPaare werden zusammengelegt, neue Gruppen gebildet.
Dieser Ablauf soll solange durchgeführt werden, bis die Sprecherinnen das Gefühl haben 90-100% des Textes verstanden zu haben. Die Puzzle Arbeit wird ca 45 Minuten dauern.
Klären von offenen FragenEtwa 10 - 20 Minuten. Zwei Wege:
  1. einzelne ungeklärte Passagen werden diktiert und mit Alternativen an die Tafel geschrieben; dann kann durch weiteres Hören versucht werden diese Passagen gemeinsam zu klären.
  2. Austeilen des ganzen Textes und besprechen etwaiger Fragen im Plenum
MemorierenText wird in Paararbeit memoriert.

Eine Variante des schriftlichen Puzzels ist das mündliche Puzzle. Dabei wird die Textpassage mündlich rekonstruiert, der Ablauf ist derselbe wie oben, doch wird der Text kürzer sein müssen. Auch sollten die im Text vorkommenden Äusserungen wie Sätze und Teilsätze kurz sein.
Der Text wird angehört, dann werden die Äusserungen einzeln analysiert und rekonstruiert. Schliesslich folgt wieder die Phase des Memorierens. Dabei ist wichtig, dass nur das memoriert wird, was verstanden worden ist. Endlich wird die rekonstruierte Passage aufgeschrieben.
Die Technik ist effektiv bei der Verarbeitung von Alltagdialogen (Grüssen) durch Anfängerinnen. Fortgeschrittene können vor allem die schellere Verarbetiung und Artikulation üben.




Analytisches Hören

(219) Das Analytische Hören richtet sich vor allem an die kognitiven Bereiche des Spracherwerbs. In dieser Aktivität sollen die Sprecherinnen bestimmte Muster suchen und erkennen. Dies soll gerade diese Muster im Gedächtnis der Sprecherinnen festigen und auch die akustische Wahrnehmung elastischer zu machen.
Dieses Muster bleibt in einem authentischen Text integriert, dies stellt sicher, dass sich die zu suchenden Muster in einem Kontext von natürlicher Komplexität befinden.
Der Suchvorgang entspricht der Aufforderung: Suche X!
Entsprechend der Klassen von Erscheinungen, die in der Sprachwissenschaft untersucht werden können, können nun auch die Fragen gestellt werden. Diese Klassen sind: Lexikon, Morphologie, Syntax, Phonologie, Tonologie, Prosodie, Logische Form, Zeitwahrnehumung u. Quantitäts-, sowie Kommunikationsabsicht und Semantik. Sie sind in der untenstehenden Tabelle übersichtlich zusammengefasst:

KlasseErläuterung
Aufmerksamkeit soll gelenkt werden auf ...
Suche X!
Beispiele
LexikonWortart, syntaktische UmgebungVerben mit Präpositionalobjekt, mit Dativ, Genitivkonstruktion, ...
Semantiksemantische FelderSuche Nomina die bezeichnen (Lebewesen, Fahrzeuge, ...)
Verben einer bestimmten Kategorie (Bewegungsverben, ...)
Adjektiva, Adverbia, Richtungsangaben, ...
MorphologieWort(teile), die syntaktische oder semantische Erfordernisse erfüllen (Tempus/Aspekt, Aktiv/Passiv, WortzusammensetzungenGenitivkonstruktionen, Verb-Akkusativ Konstruktionen, Verb-Soziativ Konstrutionen, Komposita (verbal, nominal), denominale Adverbien, ...
SyntaxSatztypen, Bewegungen in Sätzen, FokusSätze in denen die Reihenfolge der Wörter anders ist; Relativkonstruktionen, Sätze, die mit dem finiten Verb beginnen, Fragen, Befehle, ...
Phonologielautliche Veränderungen, Wortgrenzen, Assimilationen, DissimilationenLautkombinationen, die an Wortanfängen, -enden vorkommen, enge Lautverbindungen, Implosiva, ...
Hier ist es u.U. notwendig, die zu suchenden Elemente zu transkribieren.
TonologieTonverlauf in Wörtern, in SätzenBeobachtungen zum Tonverlauf, Veränderung der Töne in Zusammenhang mit syntaktischen Gegebenheiten: Verben mit Objekten (Hausa).
Satzmelodie Unterschied zwischen Frage und Aussagesatz, ...
ProsodieAkzent und BetonungHauptakzent von Wort bzw. Satz soll gesucht werden, Bedeutungsunterschiede zwischen verschieden Betonten Wörtern, ...
Logische FormNegationen, Quantoren, PronominaSucht Reflexiva und die Bezugswörter, Negationen, ...
ZeitwahrnehmungKonstruktion der Zeitwahrnehmung, TAMDauer, Zeitpunkt, Vergangenheit, Zukunft, ... können gesucht werden. (Sucht Passagen, die den Zeitpunkt von Ereignissen fixieren (222)
QuantitätAngabe von QuantitätenPassagen, die Quantitäg angeben oder Variation in der Quantität vergleichen
Kommunikationsabsichtunterschiedliche kommunikative Ausformungen von ÄusserungenVorwurf, Frage, Respekt, Haltung

Diese Beispiele werden in die konkrete Unterrichtseinheit eingebaut, wie folgt. Der Text, der Analytisch Gehört werden soll, ist ein Hörtext, der bereits Authentisch Gehört wurde. Das Suchobjekt soll in diesem Text 10-20 Mal vorkommen. Die Sprecherinnen haben die Aufgabe diesen Text Analytisch zu Hören und die zu suchenden Elemente zu identifizieren.

  1. Zielgerichtete Hörphasen - die Sprecherinnen hören den Text mehrmals an; sie sind bereits instruiert, bestimmte Elemente zu suchen.
  2. Informationsaustausch - Erster Vergleich der Ergebnisse, Paararbeit
  3. Klären von offenen Fragen - in Kleingruppen oder Plenum; es können die Ergebnisse auch durch die Lehrerin verteilt werden
  4. Abschliessendes Hören

Wie oft der Text in den einzelnen Hörphasen angehört werden soll, wie lange die Übung insgesamt dauert, ist nicht klar vorherzusagen. Wichtig ist, dass alles deutlich gehört und identifiziert werden soll und dass es sich auch bei dem Abschliessenden Hören nicht um eine Prüfung handelt. Die Situation soll möglichst entspannt sein. Was nicht gehört wurde, das kann oft auch durch das Kundtun des Ergebnisses nicht besser verstanden werden. Hier sollte noch ein Durchgang konzipiert werden. mE andererseits ist auch damit zu rechnen, dass die Sprecherinnen vielleicht später die Elemente, die sie nicht sofort mitbekommen haben, erkennen werden. Geduld ist auch bei ihnen anzusprechen mEnd
Im Unterricht ist die Rolle der Lehrerin zurückhaltend und vor allem organisierend.
Für die Sprecherinnen ist auch diese Aktivität vor allem dem aufmerksamen Zuhören gewidmet. Es wird angenommen dass, diese Aktivität die Textpassagen lückenlos zu rekonstruieren und weiters, dass diese Rekonstruktion das System mE die Grammatik mEnd der Zielsprache zu erkennen erlaubt.
Paar und Gruppenarbeit ist wichtig, die Erkenntnisse sollen schliesslich allen zu gute kommen und der Gegenstand Grammatik wird seine Schrecken verlieren.




Lesen und Verstehen

Lesen unterscheidet sich in vieler Hinsicht vom Hören und Sprechen. (226) Wichtigste Erkenntnis ist, dass Lesen eine durchaus aktive Tätigkeit darstellt. Vor allem bietet Lesen für den Unterricht den Vorteil authentische u.U. komplexe Texte heranziehen zu können. Die Auswirkungen im Unterricht können sein:

Allgemein kann gesagt werden, dass sich die schriftliche Arbeit sozusagen verarbeitungsfreundlicher gibt, denn etwa der Zeitfaktor ist nicht so drängend, der Text bleibt erhalten. Aber auch Unterscheidungen in Satz, Wort, ... sind leichter, da bereits vorgegeben. Gleichlautende (homophone) Elemente, die aber durchaus unterschiedlich geschrieben werden können, sind leichter identifizierbar.

Leseaktivitäten

Der Ablauf und die Arten der Aktivitäten beim Lesen ähneln denen beim Hören.


Authentisches Lesen

Die Texte sollen authentisch sein, natürliche Komplexität aufweisen und eine Länge von ca 200 Wörtern aufweisen. Die Leseaktivitäten sollen etwa 20 - 40 Minuten dauern. Jedoch sollen die Sprecherinnen am Ende der Aktiviät das Gefühl haben, den Text verstanden zu haben.
Themen sind variabel, sollten jedoch möglichst den Interessen der Sprecherinnen entgegenkommen. Dabei sind Vorgespräche oder etwa ein Fragebogen hilfreich.
Der untenstehende Ablauf soll eher strikt eingehalten werden, dies trifft vor allem auf die Perioden des Individuellen Lesens zu. Dies dient dazu das globale Verstehen zu fördern. Der Text soll in den ersten Schritten vor allem als ganzes verstanden werden, dann erst folgen analytische Phasen, bzw das Analytische Lesen.
Der Text soll leise gelesen werden, es handelt sich nicht um eine Ausspracheübung. Lautes Lesen stört den Leseprozess, wir lesen in der Muttersprache auch nicht laut. Erst wenn der Text global verstanden ist, bringen grammatikalische Überlegungen etwas. mE ist dies mit Vorsicht zu geniessen, denn es kann ja durchaus auch der Fall eintreten, dass sich eine Textstelle erst dann eschliesst, wenn alle grammatikalischen Möglichkeiten bedacht worden sind. mEnd
Lexikalische Erklärungen sollen auch während der Leseaktivitäten in der Zielsprache bzw mimisch gegeben werden.

Individuelles LesenDer Text soll innerhalb 3-4 Minuten mindestens 2 Mal ganz und zügig durchgelesen werden.
InformationsaustauschGruppen, Paare. Informationen werden ausgestauscht. Sprach ist am Anfang Muttersprache, dann zunehmend Zielsprache . Dauer ca 2 Minuten.
Individuelles LesenText wird wieder gelesen, dabei können die Sprecherinnen einige Wörter unterstreichen, deren Bedeutung sie erfragen möchten.
InformationsaustauschWieder in Gruppenarbeit, Gruppen neu zusammensetzen. Vor allem die unterstrichenen Wörter sollen geklärt werden.
Individuelles Lesen3-4 Minuten, Text wird gelesen, neue Wörter können unterstrichen werden.
InformationsaustauschWieder in Gruppenarbeit, Gruppen neu zusammensetzen. Vor allem die unterstrichenen Wörter sollen geklärt werden.
Individuelles LesenAbschliessendes Lesen, es soll wieder der ganze Text gelesen werden.

Analytisches Lesen

Ein Text, der bereits beim Authentischen Lesen vorgekommen ist, kann analytisch gelesen werden. Wieder ist die Aufgabe Suche/finde X.
Die Analytischen Aktivitäten sollten immer in einer eng anschliessenden Unterrichtseinheit gemacht werden. Die sprachlichen Kenntnisse sollen in dieser Phase stabilisiert werden (234), das Hauptaugenmerk liegt auf der Festigung der unterschiedlichen Module der Sprache. Im wesentlichen entspricht diese Übung dem Analytischen Hören, wichtig wäre jedoch eine Erweiterung um Orthographie, die ja erst im geschrieben Text wichtig wird!

Zielgerichtes LesenSprecherinnen suchen den Text nach dem gegebenen Muster ab
InformationsaustauschGruppenarbeit
Zielgerichtes LesenIndividuelle Suchen
InformationsaustauschGruppenarbeit, Gruppen permutieren
AbschlussKlären offener Fragen, Gruppen, Plenum

Sprechen

Ab wann Sprechen?

Sprachproduktion kann durchaus später erfolgen, als es zumeist propagiert wird. Die Sprecherinnen sollen sich zuerst in der Sprache, die sie lernen, heimisch fühlen, sie sollen den Klang, den Ton ins Ohr kriegen können. Nur was verstanden worden ist, kann auch ausgesprochen werden. (vgl [TPR Einleitung].

Fehler in der Sprachverwendung

Zur Debatte, wie Fehler im DaF behandelt werden sollen: Korrektur (237) ist in vielen Fällen eher kontraproduktiv. Sowohl während der Wortmeldung als auch nach der Meldung wird die Korrektur von den Sprecherinnen nicht sehr positiv aufgefasst, bzw verarbeitet. Dies ist allerdings bis zu einem gewissen Grad Kulturabhängig. Im Bereich des freien Sprechens ist also Korrektur nur mit grosser Vorsicht anzuwenden. Generell kann gesagt werden, dass Korrekturen sich erübrigen, die einzige "richtige" Korrektur der Sprachgebrauch darstellt. Dies gilt nun sowohl für Fehler, die sich auf Bereiche beziehen, die noch nicht oder noch nicht ausrechend im Gedächtnis fixiert sind; als auch auf Fehler, die durch die Situation des Sprechens selbst induziert werden. Solche Fehle beruhen häufig auf Stress und Anspannung, die Sprecherinnen können häufig noch während des aktuellen Redebeitrages ihre Fehler korrigieren. Jedenfalls aber nach dem Sprechakt. Viele Fehler beruhen auch darauf, dass das Erlernen der Sprache Regelmässigkeiten folgt, die durch Auswendiglernen nicht aufgehoben werden können. Sprecherinnen können vielleicht nach einiger Unterweisung ein Paradigma richtig hersagen, es u.U. auch in einigen Sätzen richtig anwenden, doch ist dieses Wissen noch keineswegs zu einem Können geworden. Folgerichtigerweise ist es in der nächsten Kommunikationssituation nicht mehr vorhanden und der Fehler wiederholt sich; damit wiederholt sich aber auch die Frustration und damit verliert eine Sprechsituation an Spontanität und Freiheit.
Ein zusätzliches Problem ist die Infantilisierung, die dadurch auftritt, dass die Sprecherinnen in einer unzureichend gekonnten Sprache reden sollen. mE kann hier durch eine Vorbereitung, die alledings dem natürlichen Sprechen entgegengesetzt zu sein scheint, abgeholfen werden. "Scheint" desshalbt, weil Menschen durchaus ihre Redebeiträge, nicht nur in der fremden Sprache, planen. Etwa vor einem wichtigen Termin, Interview, Arztbesuch - Gelegenheiten, wo es auf sprachliche Kompetenz besonders ankommt. Es muss dann allerdings durchaus nicht so sein, dass dieser "geprobte" Text dann wörtlich angewendet wird. Die Sprecherinnen können sich in der Materie ausdrücken und den Text relativ frei variieren.

Wie Reden?

Reden soll in freier und entspannter Atmosphäre geschehen. Theoretisch ist ein Kontakt zu muttersprachlicen Personen der beste Ausgangspunkt; auch hier ist wieder eine Anmerkung zu kulturspezifität nötig, denn es kann durchaus auch passieren, dass sich Muttersprachler/innen aufgrund kulturspezifischer Haltungen für bestimmte Interaktionsarten unaufgeschlossen zeigen. Dies muss jedenfalls bei Auftreten abgeklärt werden.
Wie aber kann ein Gespräch zustande kommen? Zwei Techniken werden erörtert.

  1. Das themenbezogenes Gespräch
    Ein Gruppengespräch soll entstehen. Die Themen sollen von den Sprecherinnen ausgewählt werden. Doch können Vorschläge durch Lehrpersonen hilfreich sein. mE ist vielleicht hier ein Ansatzpunkt für LdL? mEnd
    Wahrscheinlich werden nicht alle mitreden. Diese Hemmung ist nicht leicht taktvoll zu überwinden. Es könnte eine Liste angelegt werden, oder eine Diskussionsteilnehmerin wird durch eine Leiterin aufgefordert zu sprechen. Interessant ist eine Form des Rollenspiels, bei dem die Diskussion aufgeteilt wird in verschiedene Rollen, die die Sprecherinnen dann einnehmen.
  2. Das Rollenspiel
    Szenarios können durchgespielt werden. Dabei kann es durchaus sich auch um "einfache" Umgebungen handeln (Postamt, Bahnhof, ...).
    Gesprächsauslöser sind ebenfalls eine Technik der Redeinitierung. Eine Situation wird kurz angerissen, die Sprecherinnen entwickeln sie frei weiter.
    Verstecktes Drehbuch
    SituationsanweisungEine Situation wird dargestellt. Es ist eine Dialogsituation. Die Sprecherinnen machen sich gemeinsam an die Arbeit um die Redebeiträge und die Inhalte der Situation zu erforschen.
    Freie ImprovisationDie Sprecherinnen haben ca 15 Minuten Zeit, die Situation dramatisch zu realisieren
    Freiwillige VorführungDie Sprecherinnen können ihre Realisation öffentlich, dem Plenum, vorführen



Schriftliche Arbeiten

Freie Schriftliche Arbeiten sollten denselben Prinzipien gehorchen, wie es beim Sprechen erläutert wurde. Themen könnten vorgeschlagen werden. Die Form können Aufsätze, Briefe, Artikel, Tagebucheinträge, ... sein.
mE sind schriftliche Arbeiten sehr geeignet den Sprecherinnen zu zeigen, wie sie sich in einer Sprache ausdrücken können. (Können nicht im Sinne von Mangel!) Sie sehen auch, wo sie lexikalisches Material benötigen etc.




Formorientierte Aktiviäten

Formorientierte Aktivitäten sind vor allem auf den Bereich Grammatik konzentriert. Der freie Gestaltung wird aber auch hier viel Platz eingeräumt. Formorientiertes Arbeiten kann sowohl mündlich als auch schriftlich geschehen.

Die Gesprächsrekonstruktion

(246) Das Ziel ist, die Sprecherinnen einen Authentischen Dialog rekonstruieren zu lassen. D.h. der Dialog, der Text ist den Sprecherinnen grundsätzlich bekannt. Der Zeitaufwand für einen Dialog von 6-8 Äusserungen ist mit ca. 45 Minuten zu berechnen. Es handelt sich also um eine sehr intensive Beschäftigung mit einem relativ kurzen Text.

Vom linguistischen Standpunkt aus, ist es eine Aktivität, die vor allem den Monitor aktiviert. Vgl [www.kontrastivlinguistik.de] beschreibt ganz kurz, was mit Monitor gemeint ist.
Die Sprecherinnen sollen jedenfalls, darum der Hinweise auf eine mögliche Dauer, genug Zeit zur Verfügung haben. Sie sollen aber auch frei sein, sich mit dem Text ungehindert zu beschäftigen. Dies ist nun u.U. dadurch erreicht, dass sie den Text bereits kennen und er nichts unbearbeitetes enthält bzw. nicht kontroversiell ist. Zu guter letzt, ist es für eine Rekonstruktion wichtig, dass die Sprecherinnen die relevanten Regeln der Zielsprache bereits kennen. Das wird wahrscheinlich der schwierigste Punkt werden. Vor allem deshalb weil es nicht vorhersehbar ist, welche Rekonstruktionsvorschläge kommen.
Die Beschreibung (der Text ist früher schon durchgenommen worden. Rekonstruiert werden soll nur ein kurzer Text):

Beschreibung der SituationDie Lehrerin beschreibt die Situaton, denn die Sprecherinnen sollen sich ja an diese Erinnern. Sprache ist die Zielsprache, Gestik, Mimik, Skizzen. Die Arbeit soll Paarweise durchgeführt werden, denn es sollen ja Dialoge rekonstruiert werden.
Beschreibung der Äusserung und erste RekonstruktionNachdem die Situation und die erstse Äusserung beschrieben worden ist, folgt die Rekonstruktion der Äusserung. Die Vorschläge werden korrigiert, gemeinsam; siehe auch unten
Memorierung der ersten ÄusserungSobald die Äusserung korrekt rekonstruiert wurde, wird sie von den Sprecherinnen memoriert.
Beschreibung des nächsten Äusserungspaares
Memorierung
Beschreibung und Memorierung bis zum Ende
Schriftlich FixierungDie Gruppe diktiert den Dialog, der auf die Tafel geschrieben wird. Hier können weitere Fehler diskutiert werden. Die endgültige Version wird verbindlich aufgeschrieben.

Bei der Rekonstruktion können folgende Fälle auftreten:

  1. Die Rekonstruktion trifft auf Anhieb zu.
    Die Lehrerin überprüft (nicht: prüft), ob der Satz von allen verstanden worden ist.
    Die Sprecherinnen äussern sich bei jedem Vorschlag und geben bekannt, ob sie mit ihm einverstanden sind.
    Die Kriterien sind: Grammatische Korrektheit, Pragmatische/Situative Korrektheit
  2. Der Satz ist grammtisch richtig, doch pragmatisch nicht adäquat.(Anrede falsch, semantische/pragmatische Fehler (Das Baby säuft die Milch/die Kuh isst das Heu, etc)
    Hier sollen vor allem die Sprecherinnen diskutieren, ob und was nicht richtig ist. Die Lehrerin stellt nur fest, dass der Satz nicht 100%ig passt. Können die Sprecherinnen den Satz nicht richtig stellen, erfolgt eine weitere Erklärung durch die Lehrerin.
  3. Der Satz ist richtig, doch er ist im Dialog nicht enthalten. Dieser Vorschlag ist durchaus positiv zu bewerten, doch soll, nach einer Erörterung und vor allem Klarstellung, dass alle den Satz verstanden haben, nochmals nachgefragt werden. Der im Text enthaltene Satz soll gefunden werden.
  4. Die Sätze sind inadäquat. Hier wird an den einzelnen Passagen gearbeitet, bis schliesslich der richtige Satz entsteht. Die Unterrichtssprache sollte die Zielsprache sein, doch kann es im Fremdsprachenunterricht erhebliche Schwierigkeiten geben, den Sprecherinnen grammtikalische Elemente in der Zielsprache zu erklären.

Memorierungsphasen: Jede der obigen Rekonstruktionen soll, sobald sie erreicht wurde, von allen laut nachgesprochen werden.

Anmerkungen:Die Unterrichtenden müssen eine sehr gut Kenntnis der Zielsprache haben. Vor allem auch der Bereich der Grammatik ist für diese Übungen ausschlaggebend, grosse Sicherheit bei grammatischen Fragen ist wichtig. Es genügt nicht "Muttersprachlerin" zu sein, dies ist keine Qualifikation.
Die Lehrerin muss ständig auf die Kenntnisse der Sprecherinnen eingehen. Sie muss abschätzen, was gerade wichtig ist. Es ist diese Aktivität, wo am ehesten direktiv und erklärend auf die Sprecherinnen eingegangen wird.
Die Sprecherinnen sollen im Halbkreis sitzen, im Übrigen auch im anderen Unterricht ist dies empfehlenswert.
Paararbeit ist wichtig, die Sprecherinnen sollen keine Soloauftritte absolvieren müssen.
Auch die soziale Kompetenz ist bei dieser Übung von allen gefordert. Es ist nicht leicht seine Vorschläge verbessert (und zwar auch von Mitschülerinnen) zu sehen.
Die Arbeit ist eine mündliche Arbeit. Wer schreibt kann nicht sprechen.

Sprechübung

Die ist eine einfache Variationsübung. Ein Satz wird in den verschiedenen Bereichen variiert: Lexikon: Einsetzen von ähnlichen Elementen an denselben Platz, Pragmatik: Situation verändern (vertrauter Dialog geg. förmlicher D., Partner verändern etc.), Morphologie etc.
Dauer etwa 10 - 20 Minuten.

Variationselemente sammelnListe mit den Elementen wird verteilt, ergänzt
DemonstrationLehrerin zeigt die Übung mit einer Sprecherin vor.
Üben zu zweitLehrerin bleibt im Hintergrund, Paare üben gemeinsam

Formorientierte Schriftliche Arbeiten

Hier bietet sich (256) vor allem die Form des Lückentextes an. Alle Module der Linguistik können in Form von Lückentexten bearbeitet werden.
Eine Möglichkeit die Textualität von Texte zu bearbeiten ist, den Text zu "zerschnippseln" und dann wieder zusammensetzen zu lassen.

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