Archäologisch-geophysikalische Prospektion
Mag. Dr. Wolfgang Neubauer

Die archäologisch - geophysikalische Prospektion bietet die Möglichkeit einer raschen und vergleichsweise kostengünstigen, zerstörungsfreien Vorerkundung und Dokumentation archäologischer Fundstellen. Besonders geomagnetische und geoelektrische Methoden haben sich in der Archäologie bewährt und werden von VIAS in Kooperation mit der Archeo Prospections® (Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik) seit mehreren Jahren durchgeführt. Mit speziellen Meßsystemen werden physikalische Eigenschaften des Untergrunds in einem engen Raster gemessen. Nach Umwandlung der Messdaten in digitale Bilder ist das Ergebnis bereits wenige Minuten nach Abschluss der Messungen im Feld beurteilbar. Die anschließende archäologische Interpretation der Messbilder führt zu detaillierten Plangrundlagen oder dreidimensionalen Interpretationsmodellen der im Untergrund lokalisierten archäologischen Strukturen.

Magnetogramme mittelneolithischer Kreisgrabenanlagen in Österreich. (klicken Sie auf die Bilder, um sie zu vergrößern)


Magnetogramm der dreifachen mittelneolithischen (ca. 4800- 4500 v.Chr) Kreisgrabenanlage Glaubendorf II, eines der ältesten Monumentalbauwerke Mitteleuropas. Die drei Gräben haben einen mittleren Durchmesser von 109, 90 und 71 m und sind noch 3.5 bis 4.5 m breit erhalten. Im Inneren der durch fünf Grabenunterbrechungen zugänglichen Kreisgrabenanlage stand eine blickdichte konzentrische Palisade mit 53 m Durchmesser, die Eingänge im Westen und im Osten aufweist. (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)

Widerstandskartierung

Die Widerstandskartierung beruht auf der Messung kleinräumiger Änderungen des spezifischen Bodenwiderstandes. Die Messungen erfolgen standardmässig in einem Raster von 50 cm. Die verwendeten Widerstandsmeßgeräte RM15 mit Multiplexern MPX5 erlauben Mehrfachanordnungen der Elektroden (Twin-Array). Die Meßdaten werden vom Gerät gespeichert und später auf einen Feldcomputer übertragen. Die Geoelektrik eignet sich besonders zur Kartierung von Mauern, Straßen, Steinlagen, Estrichen und wird vor allem auf römischen Fundstellen eingesetzt.

Widerstandskartierung im Bereich der Zivilstadt von Carnuntum. Deutlich sind das Strassensystem, die einzelnen insulae bis hinein in einzelne Räume zu erkennen. Der beinahe 3000 Quadratmeter umfassende Gebäudekomplex liegt am Südrand des durch die Prospektion entdeckten Forums der Zivilstadt. (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)


Widerstandskartierung einer römischen villa rustica in Altheim/Weirading, OÖ.:
Das Hauptgebäude ist durch einen Gang entlang eines rechteckigen Innenhofes mit dem Badegebäude verbunden. In einzelnen Räumen im Badegebäude sind die Reste von 
Estrichen auszumachen. In den zwei Apsiden lassen sich die gut erhaltenen Wasserbecken erkennen. (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)




Rekonstruktion der römischen villa rustica von Altheim aufgrund der Prospektion und erster Grabungsergebnisse. (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)

Geomagnetische Prospektion

Die geomagnetische Prospektion beruht auf der Messung kleinräumiger Veränderungen der Stärke des Erdmagnetfeldes. Sie wird standardmäßig in einem Raster von 50 x 12.5 cm vorgenommen, um auch kleine Anomalien (Pfostengruben) zu erfaßen. Die magnetische Prospektion ist das effizienteste Verfahren zur Erkundung von großflächigen Bodendenkmalen in homogenen Böden. Gräben oder Gruben, Herde und Öfen, Stein- und Ziegelmauern, Pfostengruben und Reste von Schwellbalkenbauten lassen sich mit diesem hochauflösenden Meßsystem mit automatischer Positionierung und Datenerfassung prospektieren.

Das verwendete Meßsystem MEP750 mit 5 Cäsiumsensoren (Meßauflösung 0.001 nT) auf einem unmagnetischen Meßwagen ist das derzeit weltweit genaueste und effizienteste im archäologischen Einsatz stehende Gerät (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern).

 

 

 

 


Die prospektierten Meßflächen werden mit modernsten digitalen Theodolithen vermessen.

 



Dreidimensionale Rekonstruktion der Gräben der dreifachen Kreisgrabenanlage Glaubendorf II, berechnet aus den magnetischen Meßdaten. (klicken Sie auf das Bild, um es zu vergrößern)