Artikel zu Ethnologie und Geschichte Ozeaniens

Über die Erweiterung des
Horizonts des Europäers von der frühen Antike bis zu den Entdeckungen in Ozeanien im 18. Jahrhundert

von

Florian Thaddäus Bayer

INHALTSVERZEICHNIS

1. Vorwort.
2. Die frühantike Entdeckungsperiode
3. Zu Forschung und Wissen der Griechen und Römer
4. Abschließende Worte zur Antike
5. Das philosophische Weltbild
5.1. Das Weltbild im Mittelalter
5.2. Der Weltbildwandel der frühen Neuzeit
6. Der spanisch - portugiesische Wettlauf
7. Die Erschließung des ozeanischen Raumes
7.1.. Die Spanier im Pazifik
7.2.. Die Reisen de Mendanas und de Quiros
8. Abel Janszoon Tasman
9. Die Entdeckungen des Captain James Cook
9.1. Von der ersten Reise: 1768 - 1771
9.2. Die zweite Reise: 1772 - 1775
9.3. Cooks letzte Reise: 1776 - 1780
10. Quellenverzeichnis

1. Vorwort

Diese Arbeit stellt den Versuch einer Darstellung des Horizontewandels des Europäers von der frühen Antike über das klassische Altertum bis in die frühe Neuzeit dar. Dies nicht nur im reinen geographischen Sinne, sondern auch unter Berücksichtigung eines auf Grund gesellschafts - politischer Veränderungen sich ständig wandelnden philosophischen Weltbildes. Zum anderen soll mit dieser Arbeit versucht werden, mit besonderer Gewichtung auf den ozeanischen Raum, den Weg der Erschließung der Welt durch den Abendländer in all seinen auf Unwissenheit basierenden Fährnissen, darzustellen. Hierbei soll speziell auf die ersten Kontakte zwischen Europäern und Indigenen Ozeaniens eingegangen werden, welche sich meist durch beiderseitiges Bemühen, diese neue Situation zur allgemeinen Zufriedenheit zu lösen, auszeichneten. Zuletzt wird in dieser Arbeit auf jenen mythisch - sagenhaften Motivationsgrund zur Erforschung fremder Gestade näher eingegangen, der mit Versinken des ersten „globalen" Wissens im frühen Altertum, in den Köpfen der Menschen zu geistern begann, die Frage nach der Existenz der Terra Australis, des antipodischen Südkontinents.

2. Die frühantike Entdeckungsperiode

Die Entdeckungsleistungen der frühen Kulturen sind immer sehr vorsichtig beurteilt worden, und wie die Geschichte zeigt, wurden sie eher unter- als überschätzt. Vor allem die archäologischen Ergebnisse der Forschung der letzten Jahre trugen dazu bei, daß wir heute wissen, daß sich neben den Ägyptern und Phöniziern auch die Kreter und die Karer, ein Volk aus dem südwestlichen Kleinasien, mit einigem Erfolg als Seefahrer versucht hatten, sowie die Einwohner von Tartessos in Südspanien im Atlantikverkehr. Nach dem Niedergang der kretischen Kultur um 1500 v.Chr. gelangte der Seehandel mehr und mehr in phönizische Hände. Diese weiteten ihren Handel aus und legten immer weitere Distanzen zu neuen Lagerstätten zurück. Schon in der zweiten Hälfte des 2.Jahrtausends hatten die Phönizier die Küsten des Mittelmeeres erforscht und die Straße von Gibraltar überschritten, es kann sogar angenommen werden, daß sie zu diesem Zeitpunkt, Lixus im heutigen Marokko und Gades, das heutige Cadiz, waren eben gegründet worden, bereits die Zinnlagerstätten des Nordens, nämlich die Bretagne und Südengland erreicht hatten. Für die Phönizier bestand die Welt nicht nur aus dem Mittelmeer und einem schmalen Landstreifen rundherum, sie reichte noch ein gutes Stück weiter. Die Frage ist nur, wie weit? Das und das Weltbild der Ägypter, unter deren politischer Oberhoheit Phönizien lange stand, hier vor allem der Umstand, daß das Wissen der Zeit in einer Art Geheimbundwesen hierarchisch nach Stand geschützt war, müssen bei der Erforschung der geographischen Kenntnisse der damaligen Zeit berücksichtigt werden.

Um 1000 v.Chr. fuhren die Phönizier nach Ophir. König Salomo, so berichtet die Bibel, rüstete mit Hilfe der benachbarten Phönizier eine Flotte aus, die aus dem Lande Ophir für damalige Verhältnisse märchenhafte Schätze mitbrachte, vierhundertzwanzig Zentner Gold, daneben Sandelholz und Edelgestein. Den Berichten kann außerdem entnommen werden, daß die mitgebrachten Güter nicht unbedingt in ehrlichem Handel erworben worden waren, so erreichte wenig später die legendäre Königin von Saba die Residenz Salomos, wohl um dem ungeordneten Austausch von Waren der beiden Länder ein Ende zu bereiten. Die Kontakte hielten noch länger an, alle drei Jahre fuhren phönizische Schiffe in Richtung Arabien aus, dann aber brachen die Handelsbeziehungen ab, das Land Ophir entschwand aus den Augen der Zeitgenossen, doch geisterte es seither in allen Erdbeschreibungen herum und stellte bis ins 17.Jahrhundert ein lockendes Ziel für viele Entdeckungsfahrten dar.

Genauere Kenntnis als von Ophir haben wir vom Land Punt, in das die ägyptischen Pharaonen ihre Schiffe - wiederum mit phönizischer Besatzung - entsandt hatten. Bekannt sind sowohl die Schiffe, besonders deren Bauart, mit denen diese schwierigen Fahrten unternommen worden waren, als auch die von dort mitgebrachten Güter, vor allem Weihrauch, Affen und Sklaven. Die erste Kunde einer solchen Unternehmung stammt aus der Fünften Dynastie, bekannter ist wohl die Flotte, die von Königin Hatschepsut, ca. um 1500 v.Chr. ausgesandt worden war, um ebenfalls mit reichen Gütern aus jenem Land zurückzukommen , das die Geschichtsgeographen irgendwo zwischen Somalia und Zimbabwe zu finden hoffen. Herodot berichtet von einer im Auftrage des Pharao Necho um 600 durchgeführten Umseglung Afrikas. Der Pharao beauftragte eine phönizische Flotte, vom Roten Meer aus nach Osten und Süden zu segeln und dann um Afrika herum in den Atlantik und durch die Meerenge von Gibraltar ins Mittelmeer zurück zu fahren. Die Reise dauerte drei Jahre, wobei die Seefahrer jeweils solange fuhren, wie sie auf Grund ihrer Vorräte gelangen konnten und dann an Land gingen, säten und auf die neue Ernte warteten. Herodot hatte die Erzählung selbst nie geglaubt, ganz besonders wegen einer Mitteilung, die ihm ganz unverständlich erscheinen mußte: Bei der Umseglung Afrikas, also bei der Ost- Westrichtung, hätten die Phönizier die Sonne zur rechten Hand gehabt, also im Norden, während sie doch immer im Süden stehe.

Der einzige Fall eines offiziellen Reiseberichtes ist uns vom Karthager Hanno erhalten, der um 500 v.Chr. zu den Kamerunbergen gesegelt war. Hanno ist offenbar bis Sierra Leone vorgedrungen. Er erzählt, daß er Menschen gejagt habe, die mit Haaren bedeckt waren und keine Sprache hatten, auch sah er Feuer im Landesinneren, wahrscheinlich die damals tätigen Vulkane Kameruns. Seine Hauptaufgabe konnte Hanno allerdings nicht erfüllen, nämlich mit den Bewohnern in einen Handelsaustausch zu treten, der für die Handelsstadt Karthago neue Rohstoffmärkte erschlossen hätte. So blieb auch diese Fahrt ohne Auswirkungen auf das Erdbild seiner Zeit.

Als bestes Beispiel dafür, wie geschützt das Wissen der Zeit war und durch mangelnde Kommunikation und gezielten Datenschutz selektiert wurde, ist die Weltkarte des Anaximander aus Milet von 600 v.Chr. anzugeben. Er sieht die Welt als eine Scheibe mit geteilter Ökumene, umgeben vom Weltmeer und einem weiteren Festlandring. Zu dieser Zeit lagen die Reisen der Ägypter ins Land Punt schon lange zurück.

Neben jenen durch historische Quellen belegten Entdeckungen muß von den archäologisch erarbeiteten gesprochen werden, wonach angenommen werden kann, daß die Phönizier von den Kanarischen - Inseln den Rohstoff Purpur geholt hatten, die Azoren ansteuerten und das wahrscheinlich von Amerika aus (Westströmung), und, Funde aus Brasilien und Nordamerika eröffnen die Möglichkeit, ebenso den amerikanischen Kontinent gekannt und besucht hatten, Vermutungen, die nicht erst heute, sondern schon in der frühen Neuzeit, nämlich 1544 vom Astrologen Caldano und zwei Jahrhunderte später vom Göttinger Professor August Ludwig Schmölzer und dem Wiener Karl Michaeler, aufgestellt worden waren. Interessant sind auch Funde von ägyptischen Münzen aus dem 3.Jahrhundert v.Chr. an verschiedensten Orten Australiens.

In diesem Zusammenhang gibt die Odyssee Homers das größte Rätsel auf, doch scheint sich immer mehr zu bestätigen, daß es sich dabei um eine aus dem phönikischen entnommene Seefahrergeschichte wahren Kerns handelt, die in das griechische Weltbild gepaßt worden war. Folgt man den Orts- und Routenangaben der Odyssee, so ergibt sich eine komplette Weltumseglung, die in groben Zügen von Tunesien über Nordeuropa nach Nordamerika, dann rund um Südamerika durch den Pazifik nach Indien und schließlich durch das Rote Meer zurück ins Mittelmeer geführt hatte.

Als durch den Aufstieg Assyriens und Karthagos der phönikische Handel im 8.Jahrhundert allmählich zusammenbrach, verschwand auch deren Wissen von der Geographie der Erde, die Zinnrouten wurden aufgegeben, es blieben die Geschichten von Seeungeheuern, die hinter den Säulen des Melkart, der Straße von Gibraltar lauerten, der psychologische Effekt führte dazu, daß der Atlantik lange Zeit als unbefahrbar galt und gemieden wurde. Die Seeungeheuer erwiesen sich als äußerst zählebig, denn noch im 18.Jahrhundert wurden Seekarten damit ausgeschmückt.

3. Zu Forschung und Wissen der Griechen

Seit der Mitte des 8.Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung bahnten die Griechen Handelsbeziehungen mit Afrika an und gründeten Kolonien in Nordafrika. Die Gesänge Homers verraten über jenen Erdteil noch sehr verworrene Vorstellungen, wenngleich Ägypten und das südlich davon gelegene Land der „dunkelfarbigen Äthiopier" nicht unbekannt waren. Maßgeblich ist aber die Afrikakenntnis der Griechen mit dem Namen Herodot verbunden, welcher auf seinen ausgedehnten Reisen Ägypten bis Assuan, die Cyrenaika und die Syrtenländer bis Karthago besuchte. Herodot verfaßte die erste zusammenhängende Darstellung des Erdteils, die natürlich einige Mängel aufweist. Zwar schienen ihm die Gebiete Ägyptens und die nordafrikanische Küste recht vertraut gewesen zu sein, je weiter er aber in seinen Beschreibungen südwärts stieß, vermischte sich immer mehr Richtiges mit Falschem und so kam es unter anderem zum ersten Mal zu der Vermutung um einen Zusammenhang zwischen Niger und Nil, die bis ins 19. Jhdt. die folgenreichen Verwirrungen über die Stromverhältnisse Nordafrikas nachsichziehen sollte.

Der Vorsteher der berühmten Bibliothek von Alexandria, Eratosthenes, beschrieb den krümmungsreichen Lauf des Nil, hatte Kunde von seinem Nebenfluß Astaboras, dem heutigen Atbara, und wußte, daß der Blaue Nil aus dem schon den Ägyptern bekannten Coloesee (Tanasee) in Äthiopien kommt. Der Grieche Hipparchos hielt im Großen und Ganzen an den Ansichten seines Vorgängers fest, dachte sich aber Afrika in den Süden viel weiter ausgedehnt und mit Asien jenseits des Indischen Ozeans zusammenhängend.

Eine neue Ära der Geographie beginnt mit dem Schaffen von Strabo aus Amaseia im 1.Jhdt. n.Chr., der nicht nur eine verhältnismäßig genaue Schilderung der europäischen Länder, ihrer Flüsse und Seen, hinterlassen hat, sondern auch detaillierte Auskunft über Teile Afrikas gibt. Sein Wissen hat er teilweise selbst auf seinen zwei Reisen in Nordafrika, wobei ihn die eine bis an die Grenzen Äthiopiens führte, gesammelt, vieles versuchte er durch Berichte von Einheimischen vor Ort zu ergänzen, um ein neues, erweitertes Gesamtbild des Kontinents zu zeichnen:

Was die Problemstellung der Nilquellen betrifft, so meint Strabo, daß sie in einer trockenen, unbewohnbaren Gegend liegen müssen, enthält sich aber weiterer Ausführungen und führt lediglich die Ansichten einiger Personen zu diesem Thema an, welche den Ursprung des Nil nicht weit von den äußersten Grenzen Mauretaniens suchen.

Als Geograph unter den Römern ragt vor allen Pomponius Mela aus Tingentera (1.Jhdt.n.Chr.) hervor, der im ersten Buch seines Werkes „De situ orbis" eine Beschreibung Afrikas gab: Im Norden begrenzt Afrika das libysche Meer, im Osten der Nil, im Süden das äthiopische, im Westen das atlantische Meer. Es ist länger als breit(seine größte Breite hat es längs des Nil), aber doch kürzer als Europa. Die Frage, ob Afrika umschiffbar sei , oder sich gegen Süden als unermeßlicher Kontinent hinziehe, hielt der Geograph für erledigt durch die von Hanno und Eudoxos wirklich bewerkstelligte Umschiffung. Mela nahm nach der von Aristoteles aufgestellten Behauptung an, daß auch die südliche Hemisphäre einen uns unbekannten Kontinent enthalte und von Antichthonen bewohnt werde. Auf diesem südlichen Kontinent entspringe der Nil, fließe dann unter dem Ozean hin und komme erst wieder in unserem Kontinent zum Vorschein. Äußerst wertvoll sind Mela´s Nachrichten über den Westen Afrikas, wo er vieles genauer beschreibt als Strabo und andere seiner Vorgänger.

Im 2. Jhdt.n.Chr. war die mit dem ägyptischen und vorderasiatischen Gesichtskreis begonnene Verschmelzung der Menschheit des Raumes zwischen Atlantischem Ozean, dem Indus und Oxus zur Tatsache geworden, und es wurden darüber hinausgehende Erkundungen gesammelt, die alle ihren Niederschlag in der Erdkarte des Claudius Ptolemaeus (150 n.Chr.) fanden. Sie stellt den Gipfelpunkt des geographischen Wissens der Antike dar und berücksichtigt auch die Ergebnisse römischer Welterkundung im europäischen Binnenraum.

Der hellenisierte Ägypter Ptolemaeus war in erster Linie Nutznießer einer langen Reihe griechischer Geographen, Mathematiker und Astronomen, von denen viele in seiner Heimatstadt Alexandria gelebt und gewirkt hatten. Sein Ruhm gründet sich auf zwei Werke: die Geographia und die Astronomia.

Der zweite Teil der Geographia ist eine Sammlung von Landkarten, bestehend aus einer Weltkarte und Teilgebietskarten. Erstere zeigt außer dem Mittelmeer die Kontinente Europa, Asien und Afrika. Südafrika ist mit dem Land der Sinae verbunden, der Indische Ozean wird so zum Binnenmeer, im Osten und Süden von Festland umgeben, von Terra Incognita.

4. Abschließende Worte zur Antike

Die Erkenntnisse über die Geographie der Erde in der Antike gerieten mit dem Untergang des weströmischen Reiches in den Wirren der Völkerwanderungszeit für das Abendland verloren. Was von der Kenntnis fremder Gebiete übrigblieb, war unklar und verzerrt, mit abergläubischen und phantasievollen Vorstellungen durchsetzt, die willig geglaubt wurden.

Selbst die gesicherten Erkenntnisse der Griechen über die Kugelgestalt der Erde gingen in den kommenden Jahrhunderten des politischen und geistigen Niedergangs verloren. Für die Christen des Mittelalters galt nur das Weltbild der Bibel und so wurde die Erde wieder flache Scheibe, umflossen vom Weltmeer, mit dem Paradies in der Mitte, so wie es die zahlreichen Weltkarten des Mittelalters zeigen. Die Schriften der großen Griechen gerieten in Vergessenheit und erhielten sich an zwei Orten am reinsten, in der arabischen Welt und in dem von der Völkerwanderung verschont gebliebenen Irland. Von Irland aus sollten auch die ersten entscheidenden europäischen Entdeckungen des Mittelalters gemacht werden, als 795 n.Chr. irische Mönche auf die Insel Island gelangten.

5. Das philosophische Weltbild:

5.1. Das Weltbild im Mittelalter

Das Weltbild des Mittelalters stellte sich als in sich geschlossen und überschaubar dar, es war Teil des göttlichen Heilsplanes und der allgemeinen Harmonie. Auch der geographische Raum war Teil dieser Harmonie und wurde symbolisch, religiös und mythologisch verstanden. Seine Bedeutung lag nicht in exakter Topographie, sondern in Symbolhaftigkeit, mit Hilfe derer die Welt in ihrer Unerfaßbarkeit erklärt hatte werden sollen. Die Theologie stellte die höchste Verallgemeinerung der sozialen Praxis des Menschen des Mittelalters dar und lieferte im allgemeingültigen Zeichensystem, in dessen Termini die Mitglieder der feudalen Gesellschaft sich und ihre Welt wiedererkannten sowie ihre Begründung und Erklärung fanden. Das Gesagte bedeutet ferner, daß sich die mittelalterliche Weltanschauung durch eine Einheitlichkeit auszeichnete, aus der ihre spezifische Undifferenziertheit und die Ungegliedertheit ihrer einzelnen Sphären resultiert. In einem kleinen Teilchen war gleichzeitig auch das Ganze enthalten. So bildete auch der Mikrokosmos der damals bekannten Welt eine Art Duplikat des gesamten, teilweise noch unbekannten Erdballs. Diese Auffassung des Raumes fand sich auch in den Weltkarten wieder, deren Ziel es eher war, die Heilsgeschichte von der Schöpfung bis zum jüngsten Tag zu veranschaulichen, wie es den Ökumenekarten am besten zu entnehmen ist. Diese Karten waren stets dreigeteilt (Afrika, Europa, Asien), Orte und Länder wurden nicht nach ihrer realen Größe, sondern nach ihrer religiösen Bedeutung dargestellt. Die Karten waren nach Osten hin gerichtet, da dort der Sitz des Lichtes ist und Christus ostwärts in den Himmel fuhr, Jerusalem stand stets im Mittelpunkt und Pälästina wurde übergroß gezeichnet.

5.2. Der Weltbildwandel der frühen Neuzeit

Die europäische Gesellschaft des ausgehenden Mittelalters, am Übergang zur Neuzeit, war keinesfalls von Stabilität und Homogenität geprägt, sondern durch tiefgreifende Umwandlungen verunsichert. In erster Linie stellte der Wandel der Herrschaftssysteme von Feudal- zu absoluten, herrscherorientierten Systemen einen groben Einschnitt im gesellschaftlichen Leben dar, die Inquisition als Reaktion auf eine innerkirchliche Krise, deren Ursprung in der Erweiterung des Horizonts der Menschen dieser Zeit lag, brachte in vielen Teilen Europas Schrecken und Gewalt mit sich, eine sich nach und nach etablierende neue Medizin, verdrängte etablierte Heiltraditionen und schloß sich in diesem Sinne dem gewaltsamen Vorgehen der Kirche gegen die Gesellschaft an, was bis zur physischen Vernichtung von Menschen führte. Als Fazit kann gesagt werden, die radikalen Änderungen in Verbindung mit steigenden Ängsten bestärkten die Menschen in ihren Wünschen nach einer anderen, vor allem besseren Welt. Hier wurzelte, zusammen mit Missionierungsgedanken und ökonomischen Interessen, der Mythos der Ferne, der Traum vom Land der unbegrenzten Möglichkeiten entstand als positives Gegenbild zu einer zwanghaft, autoritären Welt.

Die Renaissance brachte durch die Entwicklungen des Humanismus den Aufbau eines neuen wissenschaftlichen Weltbildes, eine Schicht von Praktikern bildete sich aus, erstmals wurden seit der Antike wieder entscheidende Fortschritte in Mathematik und Mechanik gemacht, es kam zu einer Profanisierung der Wissenschaft an deren Entwicklungsende die kopernikanische Wende stand, also die Annahme und Ausarbeitung des heliozentrischen Weltbildes. Nach wie vor und dies sollte sich auch mit dem Zeitalter der Aufklärung nicht ändern, geisterte aber die Vorstellung der Terra Australis, des unbekannten Südlandes in den Köpfen der Menschen herum.

Immanuel Kant traf den Zeitgeist der Aufklärung am treffendsten: „Habe Mut, Dich Deines Geistes zu bedienen !", die Aufklärung, die Revolution des Geistes richtete sich gegen die jahrhundertealte, erstarrte Orthodoxie einer Kultur, verfolgte eine Verbesserung der individuellen Situation der Menschen, gerechtere Gesetze, gemäßigtere Regierungen, Religionsfreiheit und Gedankenfreiheit. Mit Voltaires „Essai sur les moeurs et l´esprit des nations" wurde eine neue Form der geschichtsphilosophischen oder kulturgeschichtlichen Betrachtungsweise eingeführt, die Forderung nach Kosmopolitismus wurde aufgestellt und damit das zweite große Entdeckungszeitalter der Menschheitsgeschichte eingeleitet, in dessen Mittelpunkt die Wissenschaft und Forschung stehen sollte. Der Schwerpunkt der Entdeckungsreisen, deren berühmteste Agitatoren Leute wie Louis de Bougainville, Samuel Wallis, James Cook, Johann und Georg Forster, etc. waren, lag auf dem pazifischen Raum, die Binnenräume Amerikas, Afrikas, Asiens und Australiens blieben hingegen weiterhin unerforscht.

6. Der spanisch - portugiesische Wettlauf

Mit der stetigen Erweiterung der Einflußgebiete durch Spanier und Portugiesen kam es nun zu Problemen im Abstecken der Interessensphären und schon 1479 schlossen die beiden Seemächte den Vertrag von Alcacovas, um im gegenseitigen Einvernehmen die neuen Gebiete für sich zu erschließen. Schon damals zeigten sich die zwei unterschiedlichen Wege, die hierbei gegangen werden sollten. Versuchten die Portugiesen, den vielversprechenden Markt, in direkter Konfrontation mit dem arabischen Seehandel, in der Umsegelung Afrikas zu finden, so setzten die Spanier ihre Segel in Richtung Westen, um den noch unerforschten, vage vermuteten Seeweg nach Indien zu finden. Diese beiden unterschiedlichen Ansätze fanden im Vertrag von Tordesillas 1494 endgültig ihre Besiegelung, wo mit päpstlichem Segen die Aufteilung der nichtchristlichen Welt in eine spanische und portugiesische Einflußsphäre vorgenommen wurde.

In diesem vordergründigen Ziel war den Portugiesen vorerst mehr Glück beschieden. 1498 konnte Vasco da Gama mit arabischer Navigationshilfe erstmals, vorbei am Kap der Guten Hoffnung, über den Indischen Ozean nach Indien gelangen, bis etwa 1505 war der Handelskrieg in den Indischen Gewässern für die Portugiesen und gegen die Araber entschieden, die europäischen Seefahrer errichteten ein Vizekönigreich in Indien und sicherten den Seeweg dorthin mit befestigten Handelsstützpunkten entlang der gesamten ostafrikanischen Küste, sowie auf der Insel Sokotra(1508) und in Maskat(1508).

1511 eroberten die Portugiesen Malakka, im selben Jahr kamen Serráo und Abreu an die Gestade der Gewürzinseln, den Molukken. Die Bildung von Niederlassungen in Sumatra(1514), Ceylon(1514) und Kanton(1517) sicherten auch die Kontrolle im indonesischen Raum.

Der Weg Spaniens hingegen war durch die sensationelle Wiederentdeckung Amerikas gekennzeichnet. Die Entdeckungen der spanischen Seefahrer und Conquistadores nahmen mit den vier Fahrten des Christoph Kolumbus ihren Lauf, im Jahre 1492, im selben Jahr fiel die letzte moslemische Festung Spaniens, Granada, entdeckte er die Inseln San Salvador, Kuba und Haiti(Espánola), von 1493-96 die Kleinen Antillen, Puerto Rico und Jamaica, ehe sich nun weitere Persönlichkeiten ins Buch der Entdecker einzuschreiben begannen, wie etwa Amerigo Vespucci (Venezuela, Kolumbien; 1499-1500), Pinzon (Amazonasmündung; 1500), Solis (La Plata; 1516), etc. ehe, wie unten beschrieben, im Jahre 1521 auch den Spaniern der Weg zu den Molukken - allerdings über Westen - gelingen sollte.

7. Die Erschließung des ozeanischen Raumes

Die Entdeckung und Erschließung des Pazifiks unterscheidet sich insofern von allen anderen Unternehmungen des frühen kolonialen Zeitalters, als daß hier erstmals - zumindest äußerlich - das materielle Interesse, im Gegensatz zum wissenschaftlichen, eine deutlich untergeordnete Rolle gespielt hatte. Die enormen Distanzen gestatteten für längere Zeit nur sehr kurzfristige Kontakte mit dem pazifischen Raum. Dennoch beeinflußten gerade diese Reisen einige wissenschaftliche Disziplinen, insbesondere die Naturwissenschaften, in einem nicht unwesentlichen Ausmaß. Zudem wurden die Pazifikfahrer des 18.Jahrhunderts mit Nachdruck dazu angehalten, friedliche Kontakte mit den Fremdvölkern zu unterhalten, worin sich u.a. unzweifelhaft ein gewandeltes Verhältnis des Europäers zu Vertretern von Fremdkulturen widerspiegelt. Dies zeigte sich auch im direkten Kontakt von Autochthonen des pazifischen Raumes mit Europäern in Europa, wo sie, durch Rousseaus „homme naturel" angeregt, als edle Wilde eine Sonderstellung einnahmen. Hatten vor allem die Afrikaner unter den wertenden Vergleichen zum Idealtypus oftmals zu leiden, so galt der Südseeinsulaner als Mensch, der dem europäischen, ja sogar antiken Ideal von Schönheit am nächsten kam, dennoch - und daran änderten auch Besuche wie die von Aoutourou(1769) oder Omai(1775) nichts - blieben sie exotische Kuriosa und von Gelehrten zum Gegenstand von recht begrenzten Studien gemacht, Fremde für die Europäer.

Als allgemeine Beweggründe für diese Entdeckungsreisen waren der Wille, sich endlich genaue Kenntnisse über den Pazifik zu verschaffen, der Glaube, daß sich am südlichen Erdball eine unbekannte Landmasse, die Terra Australis befinden müsse und zuletzt die fixe Idee der Existenz eines Goldlandes ob nun El Dorado oder Ophir genannt. Unterstützt wurde die Idee des großen unbekannten Kontinentes im Süden der Erdkugel mit der weit verbreiteten Annahme, daß große Inseln, wie sie durch Indonesien, Neu Guinea schon bekannt waren, nur neben großen Landmassen (Australkontinent) befänden. Als Motivationsgründe für diese Reisen können der Drang der Menschen nach persönlichem Prestige, die Suche der europäischen Staaten nach Reichtum und die Mission der Kirche genannt werden.

7.1. Die Spanier im Pazifik

Im gleichen Ausmaß, wie die Portugiesen vom Osten aus nach den Molukken strebten, versuchten die Spanier ihren Weg zu den wertvollen Gewürzinseln über Westen zu finden. Bis zur Mitte des 16.Jahrhunderts durfte der Pazifik ohne weiteres als „Spanisches Meer" bezeichnet werden, da mit der Entdeckung des Ozeans durch Vasco Nunez de Balboa (1513) und der ersten Durchquerung durch Ferdinand Magellan (1520-1521) eine geordnete Erschließung des Erdteiles durch die Spanier begonnen hatte und ihre gezielte Ausführung fand, wobei wichtige Posten, so etwa auf den Phillipinen und den Inseln Mikronesiens von den Spaniern errichtet wurden.

Man fuhr im 16. und 17.Jahrhundert durch den Stillen Ozean auf den durch die Spanier festgelegten Segelrouten - entweder von Feuerland aus an der chilenischen Küste eine Strecke nordwärts und dann mit nordwestlichem Kurs über die Marianen zu den Philippinen, wie dies - ohne daß er große Entdeckungen in der Inselwelt des Stillen Ozeans erzielen konnte - Magellan getan hatte. Oder man strebte an der neuweltlichen Küste nordwärts bis nach Südkalifornien und von da an mit Hilfe der Passate über den Stillen Ozean in den Osten des Malaiischen Archipels. Die wichtigen Inselgruppen lagen zumeist außerhalb dieser Segelrouten. Daher kam es, daß in den weiten Wasserflächen nennenswerte Entdeckungen bis in die Mitte des 18.Jahrhunderts nicht erzielt wurden. Man wußte noch nichts über die Lage und Größe der zahlreichen Inselgruppen und damit über die Verteilung von Land und Wasser.

7.2. Die Reisen de Mendanas und de Quiros

Die erste Reise von Alvaro de Mendanas und Pedro Fernandez de Quiros (1567-1569) brachte die Entdeckung der Salomonen, aber keine Reichtümer. Weder konnte ein Missionierungsversuch gestartet werden, da die Inseln einfach zu weit von jeglichen spanischen Stützpunkten entfernt lagen, noch wurde der gesuchte Australkontinent gefunden. Von den ersten Kontakten der Spanier mit den Einheimischen auf dieser Reise sind uns Aufzeichnungen erhalten geblieben. Schon während der Passage an den Elice - Inseln unternahm de Mendana den Versuch der Kontaktaufnahme mit herannahenden Booten, doch verscheuchten wohl dessen Forderungen nach Proviant, vor allem aber nach Wasser, die Inselbewohner, so daß der Kurs Richtung Westen fortgesetzt werden mußte. Mit dem Erreichen von Santa Isabel auf den Salomonen kam es dann aber zwangsläufig zur Kontaktaufnahme zwischen Spaniern und Melanesiern. Schon beim Einfahren in die Sternenbucht wurden die Schiffe de Mendanas von Auslegerbooten, dessen Schönheit und Geschwindigkeit allgemeine Bewunderung fanden, begleitet. Die darin sitzenden Menschen waren mit Pfeil und Bogen, sowie Speeren bewaffnet. Nach dem Ankern wurden in einer Zeremonie die Namen ausgetauscht, der Stammeschef Bilebarna sicherte nach Anfragen de Mendanas sogleich auch eine ausreichende Nahrungsmittelversorgung für die Spanier zu. Es blieb jedoch bei einem Lippenbekenntnis von Seiten Bilebarnas, die Spanier ließen sich im Zuge ihrer Bestrebungen nun immer mehr in inselinterne Belange verstricken, die den Aufenthalt nicht unbedingt zu einem erfolgreichen Ende führten. Zu erwähnen ist hierbei aber der wohl erste Kontakt von Europäern mit kannibalistischen Zeremonien, die von den Schiffsbesatzungen mit Entsetzen und Grauen, so de Mendana, aufgenommen worden waren.

Die zweite Reise (1595-1596) brachte die Entdeckung der Marquesas und Santa Cruz - Inseln, doch wurden die vorher entdeckten Salomonen verfehlt. Auch sonst stand diese Reise nicht unbedingt unter einem guten Stern. Versuche der Kolonisation und Mission schlugen fehl, die Gründung eines Handelsstützpunktes wurde vorgenommen, doch fand de Mendana den Tod. Erst der dritten Reise (1605-1606) war etwas mehr Glück beschieden. Quiros entdeckte mehrere Inseln des Tuamotu-Atolls, lief als zweiter Seefahrer nach Magellan die Karolinen an und passierte später Rakahanga in den nördlichen Cook-Inseln, ehe er die Neuen Hebriden entdeckte, von denen er glaubte, es handle sich dabei um den gesuchten Südkontinent. Es wurde eine Kolonie gegründet und erstmals nahm ein christlicher Orden seine Tätigkeit in Ozeanien auf. Die gesamte Reise stellte Quiros von vornherein unter folgende Richtlinien: „Christliche, politische und militärische Disziplin, freundliche liebevolle Behandlung der unterstellten Leute ohne Gewalt und mit Methoden, die seine Gefolgschaft zufrieden und fest in ihrer Liebe, Treue und Zuverlässigkeit halten sollten." Fluchen und Lästern war streng verboten, Spielkarten wurden über Bord geworfen, dafür wurde aber auf den Schiffen Unterricht in Lesen und Schreiben erteilt. Den `Eingeborenen´ in den neu zu entdeckenden Ländern aber sollten die Spanier wie Eltern den Kindern entgegentreten, offen und ehrlich, aber auch vorsichtig und aufmerksam. Dennoch brachte die Unternehmung nicht die für Quiros gewünschten Erfolge. Die auf der zweiten Reise entdeckten Inseln von Santa Cruz bestärkten ihn in der Annahme, es müsse der gesuchte Südkontinent in unmittelbarer Nähe zu finden sein. In erster Linie aber waren es die oberflächlich getätigten Messungen während der gesamten Seereise, als auch das unbeständige Wetter vor Ort, daß sein Streben nicht zum Erfolg führte. Quiros kehrte nach Spanien zurück, sein Teilerfolg, viele sprachen von einem Mißerfolg, veranlaßte das Spanische Königshaus, eine weitere Suche nach dem Südland, das Quiros Austr(i)alia del Espiritu Santo, Indias Australes, oder ähnlich nannte, zu überdenken. Der ehrgeizige Fantast Quiros litt außerdem unter dem Umstand, daß er, so wie Magellan, Portugiese war und daher in seinem Tun zusätzlicher Prüfung ausgesetzt war. Aus eigenen Mitteln stellte Quiros noch eine Expedition auf die Beine, um das sagenhafte Südland zu finden, doch kam er nicht weiter als nach Panama, wo er unerwartet 1614 verstarb.

Hinzu kam, daß die wohl wichtigste Erkenntnis der dritten Reise dem Kommandanten des Begleitschiffes zugeschrieben werden muß, der im Gegensatz zu Quiros, seine Reise 1606 Richtung Nordnordwest fortsetzte. Luis Vaez de Torres erreichte die Küste Neu Guineas, wo er der Südküste entlang nach Westen segelte, die spätere Cape York - Halbinsel umfuhr, um schließlich den Inselcharakter Neu Guineas zu erkennen, die Torres-Straße war geboren.

Diese für die Entdeckungsgeschichte der Europäer einerseits und für die Seefahrer der damaligen Zeit andererseits so wichtige Erkenntnis blieb ein von den Spaniern wohl gehütetes Geheimnis, beinahe zwei Jahrhunderte lang wußten nur die Spanier davon, während Holländer, Briten und Franzosen immer noch an eine Verbindung zwischen Neu Guinea und der Terra Australis, dem späteren Australien, glaubten. Erst als die Unterlagen und Aufzeichnungen Torres´ 1762 bei der Eroberung von Manila durch die Engländer in die Hände von Alexander Dalrymple fielen, erlangte auch der Rest der Welt Kenntnis davon.

8. Abel Janszoon Tasman

Als zweiten großen Entdecker in Ozeanien gilt es Abel Janzsoon Tasmans zu nennen. Er hatte sich durch unzählige Fahrten im indonesischen Raum Wissen und Können im Befahren der Seewege, insbesondere in der Navigation erworben und galt als einer der erfahrensten und routiniertesten Seefahrer seiner Zeit. Tasman wurde um 1603 im kleinen Ort Lutjegast geboren und trat nach zwei Ehen in den Dienst der Ostindischen Handelsgesellschaft, wo er sich bis zum Jahre 1639 als Experte in seinem Metier etabliert hatte.

Das Ziel seiner ersten Reise (1642-1643) war es, einen kürzeren Seeweg zum Goldland Chile zu finden, daneben spielte wieder einmal der Drang nach der Lokalisierung des legendären Südlandes eine treibende Rolle. Über den Fortgang seiner großen Reise ist uns einige Information aus einem Tagebuch mit dem Titel „Journal van de Reis naar het onbekende Zuidland 1642" erhalten, das möglicherweise von Tasman selbst geführt worden war, auf jeden Fall aber interessante Handzeichnungen enthält, von denen einige im Anhang angeführt sind. Die von ihm entdeckten Inseln stellen eine Reihe klingender Namen dar: 1642 entdeckte er das nach ihm benannte Tasmanien, das zuerst zu Ehren des Auftraggebers `Antonius van Diemensland´ genannt wurde. Der erste Landgang auf Tasmanien war von einigen Schwierigkeiten begleitet, eine wilde Küste mit vorgelagerten Riffen sowie ungünstige Windverhältnisse ließen eine Landung vor dem 1.Dezember nicht zu. Letztendlich ging man in der heutigen Blackman´s Bay vor Anker, die Holländer befanden sich in einem spärlich mit Gras bedeckten Buschland, die rauhe Küste fand in einem kargen Inneren ihre Fortsetzung. Vergeblich suchten sie nach Vertretern der indigenen Bevölkerung, doch fanden sie Spuren, die sie glauben ließen, die Tasmanier seien von außergewöhnlich großer Statur. In mehreren Bäumen waren Stufen eingehakt , deren Abstände bis zu eineinhalb Meter betrugen.

Von Van Diemens - Land aus hielt Tasman Kurs nach Osten und kreuzte im Jänner des Jahres 1643 vor Neuseeland auf. Er glaubte, sich an der Südspitze des gesuchten Südlandes zu befinden. Es kam zu einem Zusammenstoß mit den ureinwohnenden Maoris, bei dem vier Matrosen ihr Leben ließen. Das Tagebuch beschreibt die Maoris als Menschen normaler Größe, mit braun - gelblichem Teint, schwarzem aufgestecktem Haar und weißem Federschmuck. Ihre Stimmen klangen hart und rauh und sie spielten ein Instrument, dessen Klänge denen einer Trompete ähnelten. Ihre Kanus glichen den heutigen Katamaranen, waren also zwei Einzelboote, die durch Planken ihre Verbindung und dadurch Stabilität auf dem Wasser fanden. Auf Grund der Vorfälle nannte die Expedition diese am Nordende der Südinsel gelegene Bucht „Mörderbucht", bei der Weiterfahrt nach Norden verpaßte Tasman die Cookstraße, konnte daher nicht eruieren, daß Neuseeland aus zwei Teilen besteht 1643 erreichte er Tonga, wo es auf Grund der Freundlichkeit der Menschen möglich war, auf längeren Landgängen genaue ethnographische Beobachtungen zu machen. Auf Fidschi, die Expedition wähnte sich auf schon bekannten Inseln, konnte kein Ankergrund gefunden werden, auch wurde die Größe dieses Eilandes nicht realisiert, denn man hielt die unzählig gesichteten Landstriche von Vanua Levu für mehrere Inseln. Tasman ließ weiter in Richtung der Inselgruppe vor Neu Irland steuern, im März desselben Jahres erreichte er Neu Irland, das er für Neu Guinea hielt, von wo er in die holländischen Häfen Javas zurückkehrte.

Abel Janszoon Tasman hatte auf dieser Reise erstmals den neuen Kontinent Australien umfahren, wenn er auch in Richtung Osten weit ausholte und daher viele Fragen unbeantwortet lassen mußte. Er bewies, daß der fabelhafte Südkontinent, wenn er überhaupt existierte, südlich sich höchstens bis zur Breite des neu entdeckten Tasmaniens erstrecken konnte und sollte es außerdem einen noch südlicheren Polarkontinent geben, dieser in keiner Verbindung mit Australien stand. Mit der Kenntnisnahme Neuseelands entdeckte er - abgesehen von Antarktika - die letzte große Landmasse der Erde.

1644 wurde Abel Tasman erneut ausgesandt, um festzustellen, ob Neu Guinea mit dem vermeintlichen Südland zusammenhinge. Tasman erkannte die Torres-Straße nicht, stellte auch keine intensiveren Forschungen an und fuhr - wie viele Seeleute vor ihm - in den Golf von Carpentaria ein, dessen Land sich als öd und unrentabel zeigte. Abermals gelang es ihm nicht die fruchtbare Ostküste Australiens zu erreichen, das ganze Gebiet war damit für die Interessen der Ostindischen Handelsgesellschaft bedeutungslos geworden und Holland stellte seine Erkundungsfahrten endgültig ein.

9. Die Entdeckungen des Captain James Cook

James Cook, einem hervorragenden britischen Marineoffizier wurde 1768 das Kommando der Endeavour übertragen. Der Vierzigjährige, der auf Grund seiner Fähigkeiten in der Navigation hohes Ansehen genoß, sollte einerseits auf Tahiti den Durchgang der Venus durch die Sonne beobachten und andererseits den nach wie vor gesuchten Südkontinent finden.

Natürlich gab es daneben noch weitere brennende Fragen, die nach wie vor im Raum standen und die zu klären, wohl auch Cook im Sinn hatte: Hing das von Tasman entdeckte Van Diemens - Land mit Neu Holland, also Australien zusammen. Hing letzterer Erdteil wiederum mit Neu Guinea zusammen, oder stimmte die Behauptung des Torres, er sei südlich der Insel hindurchgesegelt ?

Und zuletzt, in welchem Verhältnis stand der Südkontinent zu Espiritu Santo, der Entdeckung Quiros ? Zwar war die Klärung dieser letzten Frage bereits durch die Fahrt Bougainvilles erfolgt, doch konnte Cook dies noch nicht wissen.

9.1. Von der ersten Reise: 1768 - 1771

Cooks erste Reise brachte ihn vorerst über Rio de Janeiro und Kap Horn nach Tahiti, wo die Beobachtung des Durchgangs der Venus durch die Sonne auftragsgemäß durchgeführt wurde.

Vorgewarnt durch die Beobachtungen von Samuel Wallis, befahl Cook mit der Ankunft auf Tahiti strikte Handelsregeln, um einer Eskalation des Eisenhandels zwischen Schiffscrew und Inselbewohnern vorzubeugen. Die Beziehung zwischen Besucher und Gastgeber gestaltete sich im allgemeinen auch sehr freundlich, ja sogar vertraulich und intim und abgesehen von mehreren „Diebstählen" und einer Schießerei hielten sich auch die negativen Zwischenfälle in Grenzen. Die viel gerühmte sexuelle Freizügigkeit auf Tahiti gestaltete sich aber nicht direkt - wie oft erzählt und überliefert - als rein gesellschaftlicher Akt der Gastfreundschaft. Jede Liaison hatte ihren Preis, der in einer Form der Reziprozität zu zahlen war und mit Fortdauer des Aufenthaltes stiegen die Vorstellungen und Erwartungen der tahitischen Damen gehörig an. Am 13. Juli verließ die Endeavour die Matavai Bucht, an Bord befanden sich auch die Tahitianer Tupaia und sein Diener Taiata, die sich im Fortlauf der Reise einerseits als gute Führer in der Inselwelt um Tahiti auszeichneten und andererseits in Neuseeland eine wichtige Rolle als Übersetzer einnahmen. Cook segelte nach Huahine, Tahaa und Raiatea, überall wurden Landgänge durchgeführt und dabei die Inseln, Cook nannte sie - wohl eher auf Grund der dort verlebten Freundlichkeit und Wärme, als wegen der Royal Society in London - Society - Inseln, für die britische Krone formal in Besitz genommen. Dann setzte er die Fahrt nach Süden fort, wandte am 40 ° südlicher Breite sein Schiff wiederum nach Nordwesten und segelte in dieser Richtung bis etwa 165° westlicher Länge, von wo aus er Kurs auf Neuseeland nahm.

Am 6. Oktober kreuzte die Endeavour vor der Nordinsel Neuseelands auf, im Queen Charlotte Sound verbrachte man drei Wochen, um neue Kräfte zu sammeln, beziehungsweise das Schiff zu überholen und knüpfte dabei erste Kontakte mit den Maoris. Die dabei gemachten Eindrücke waren in erster Linie von Beobachtungen der Kopfjagd und des Kannibalismus geprägt, man schätzte die Maoris - beeindruckt durch ihre befestigten Dörfer - als kriegerische Menschen ein, doch war es der Übersetzungstätigkeit der tahitischen Mitreisenden zu verdanken, daß der Kontakt auf einer korrekt - freundlichen Ebene verlief.

Cook beschrieb die Maoris als ein „kräftiges, starkknochiges, schön gebautes, lebhaftes Volk", besonders beeindruckt zeigte er sich vom Körperschmuck der Männer. Es erstaunte ihn, daß die Tätowierungen im Gesicht, meist Figuren aus präzise gesetzten Spiralmustern, dermaßen exakt ausgeführt waren, daß zwischen beiden Gesichtshälften kein Unterschied zu finden war. Zum Kannibalismus bemerkte Cook in seinem Tagebuch: „Es ist schwer zu berichten, was uns allenthalben gesagt wurde, daß sie ihre im Kampf getöteten Feinde fressen, woran kein Zweifel ist. Tupaia, der gegen diese Sitte gewaltigen Abscheu hegt, hat oft mit ihnen dagegen geeifert, aber sie haben sie ebenso hartnäckig stets verteidigt und wollten nie zugeben, daß es unrecht sei."

Am 1. April 1770 verließ Cook die Gestade Neuseelands und hielt Kurs in Richtung Westen, wo er knapp 20 Tage später vor der ostaustralischen Küste aufkreuzte.

Im Sommer wurde die Fahrt nordwärts entlang der Küste fortgesetzt, im August 1770 erreichte die Endeavour Kap York und damit die Nordspitze Australiens. Cook fand die Passage zwischen dem neuen Kontinent und Neu Guinea und wurde somit der erste Seefahrer seit Torres, der - 163 Jahre später - wieder die nach letzterem benannte Straße befuhr. Ein notwendiger Zwischenstopp in Batavia führte zu den dort üblichen, auf Grund des schlechten Klimas auftretenden Krankheiten, zumeist Ruhr, die einen Großteil der Mannschaft befielen, so daß bei Erreichen der englischen Küste im Juli 1771 von den ursprünglich 94 Besatzungsmitgliedern nur mehr 41 am Leben waren.

9.2. Die zweite Reise: 1772 - 1775

Der Wettlauf um die Reichtümer Ozeaniens war nun voll entbrannt. Die Holländer bauten im indonesischen Raum ihre Machtbasis aus, die Spanier versuchten, sich auf ihre alten Vorrechte stützend, die Besitzungen auf den Philippinen zu halten und gleichzeitig die pazifische Verbindung nach Süd- und Mittelamerika sicherzustellen und die erfolgreichen Südseefahrten einiger französischer Kapitäne, allen voran Bougainville, bekundeten mit Nachdruck das steigende Interesse Frankreichs am ozeanischen Raum. So rüstete man in England sehr bald nach Cooks Rückkehr zu einem erneuten Aufbruch in die südliche Hemisphäre, denn neben der nun erforderlichen Wahrung der nationalen Interessen Englands in diesem Raum war die Suche nach dem verborgenen Südkontinent noch nicht zur Gänze aufgegeben.

Im Frühling 1772 stach Cook zum zweiten Mal in Richtung Ozeanien in See. Man hielt vorerst Kurs auf Madeira und St.Jago, wo noch einmal die Frischvorräte mit Zwiebeln, Früchten, Frischwasser, Schweinen und Ziegen aufgestockt wurden, dann hieß es vorbei am Kap der Guten Hoffnung geradewegs nach Süden. Am 10. Dezember trafen die beiden Schiffe, Adventure und Resolution, auf einer Breite von 50° 40´ zum ersten Mal auf Treibeis, mehrere Tage lang segelte Cook entlang dieses Eisfeldes, um eine Öffnung nach Süden zu finden, doch war ihm dabei kein Erfolg beschieden. Dennoch unternahm er mehrere Anläufe in Richtung Südpol, Kälte, Eis, Stürme und dichter Nebel machten dies zu einem schwierigen Unterfangen, das am 17.Jänner 1773 zum Teil seine Belohnung fand, als nachweislich zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit der südliche Polarkreis überschritten wurde. Cook befand sich damit nur mehr 120 km vom tatsächlichen antarktischen Festland entfernt.

Während der darauf folgenden Suche nach den Inseln, die einst von Kerguelen gesichtet worden waren, verloren sich die beiden Schiffe und so suchte einerseits Cook seinen Weg nach Neuseeland durch die arktischen Gewässer, wo er am 25. April im Dusky Sound einlief, andererseits strebte Cooks zweiter Kapitän Furneaux das Van Diemens - Land an, um vor Ort die Festlandfrage zu prüfen. Wohl fand er die Meeresstraße zwischen Australien und der Insel, deutete sie jedoch als größere Bucht und hielt mit dieser Überzeugung zum Treffpunkt nach Neuseeland.

Cook rastete an die sieben Wochen im Dusky Sound, die Kontakte zu den Maoris gestalteten sich kurz und oberflächlich, da dieser Landstrich nur spärlich besiedelt schien und so kam es lediglich mit einer Maori - Familie durch den Austausch einiger Geschenke zu einer freundlichen Beziehung.

Am 4. Juni durchfuhr Cook die Meeresstraße zwischen den beiden Teilen Neuseelands und nahm Kurs nach Osten. Er wollte die Winterszeit nützen, um zwischen 40. und 50. Breitengrad nach dem Südkontinent zu suchen, spätestens aber auf der Höhe Tahitis Richtung Norden schwenken. Erfolglos fuhr er am 26.August, nachdem Tekokoto, Marutea und Motunga als Neuentdeckungen in den Seekarten verzeichnet werden konnten, in der Matavai - Bucht in Tahiti ein. Die Besatzung wurde herzlich empfangen, doch waren die Möglichkeiten der Neuversorgung auf Grund eines kürzlich zu Ende gegangenen Krieges nicht ausreichend, so daß die Fahrt am 1. September nach Huahine und Raiatea fortgesetzt wurde. Auf dem Rückweg nach Neuseeland entdeckte Cook die Inselgruppe um Manuae - Auoto, welche nun den Namen Cook - Inseln trägt, zurück im Queen Charlotte Sound hatte sich Cook bereits die Pläne für seine nächste Tour zurechtgelegt:

In einer weiteren Winterfahrt sollte tief in den Süden vorgestoßen werden und letzte Zweifel - nun vielmehr an der Nichtexistenz des Südlandes - ausgeräumt werden.

Die Reise dauerte elf Monate, zweimal wurde der Versuch unternommen den Südpol anzusteuern, wobei letzterer Versuch am 30. Jänner 1774 bis auf 71°10´ Breite geführt hatte und nach 103 Tagen ohne Landsicht erreichte das Schiff schließlich die Osterinseln.

Die Fahrt fand am 16. März ihre Fortsetzung, über die Marquesas, wo Cook in derselben Bucht wie einst de Mendana ankern ließ, erreichte er wieder einmal die Matavai - Bucht, wo ihn unverhoffter Weise ein großes Schauspiel erwartete. 160 große Doppelkanus und viele kleinerer Art, besetzt mit über 7500 Mann, rüsteten sich zum Kampf gegen das aufständische Moorea(Eimeo). So war nun also zum zweiten Mal der Zeitpunkt des Besuches von Tahiti nicht gut gewählt, Cook segelte abermals nach Huahine und beschloß dort, den Entdeckungen von de Quiros auf den Grund zu gehen.

Das Schiff hielt Kurs nach Westen, passierte am 16. Juni die unbevölkerte Palmerston - Insel, wenig später Niue, das wegen der wehrhaften Haltung seiner Inwohner Savage - Island getauft wurde, erreichte am 17. Juni Tasmans Rotterdam, also Tonga und ging schließlich am 3. Juli 1774 auf einer kleinen zu Fidschi gehörenden Insel vor Anker, wo es zum ersten, wenn auch kurzen Landgang von Europäern auf Fidschi kam.

Als nächstes erreichte Cook mit seinem Schiff die Neuen Hebriden, Bougainvilles Maewo, vom 17. Juli bis 31. August segelte er um die ganze Inselkette, wobei er zumeist auch Landgänge einschob. Die Kontakte zu den Einheimischen gestalteten sich eher schwierig, Mißtrauen führte immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen, die all zu oft in Schießereien endeten und nur selten kam es zu einem freundlichen Kennenlernen zwischen Inselbewohnern und Europäern.

Noch einmal sollte es auf dieser Reise zu einer entscheidenden Entdeckung kommen. Als Cook mit dem abermaligen Ziel Neuseeland von Espiritu Santo nach Süden steuerte, sichtete er am 4. September ein Land, dessen Lage in keiner ihm bekannten Überlieferung oder Tradition erwähnt war, Neu Kaledonien. Die dortigen Bewohner zeigten sich sehr scheu, arm und ob der seltsamen Menschen überaus erstaunt. Die Männer trugen keine Kleidung, lediglich Peniskalebassen, die Frauen fielen - so Georg Forster - dadurch auf, daß sie in unschuldiger Freude die Seeleute beiseiteführten und dann plötzlich verschwanden. Auf der ganzen Insel gab es keine Tiere, was dazu führte, daß ein von der Besatzung zurückgelassener Knochen die Neu - Kaledonier vermuten ließ, Cooks Leute wären Menschenfresser.

Nun beschloß Cook die Rückreise nach England. Noch einmal ging man im Queen Charlotte Sound an Land, dabei erfuhr er von einem Zwischenfall zwischen Furneaux´ Leuten und den Maoris, der auf beiden Seiten einige Menschenleben gekostet hatte, neu ausgerüstet nahm man dann Kurs nach Osten und erreichte im Winter 1775 sicher die Britischen Inseln.

Die zweite Reise brachte den Europäern einige wichtige Erkenntnisse. Nach den von Cook gelieferten Daten war es nun noch unwahrscheinlicher, einen nutzbaren Südkontinent zu entdecken, wenn es einen gab, so lag er unter einer dicken Eisschicht und seine mögliche Ausdehnung nach Norden war durch diese Expedition bereits stark limitiert. De Quiros Terra Austrialis wurde nun endlich geographisch festgelegt und vermessen und zuletzt Neu Kaledonien entdeckt, dazu durch fleißiges Arbeiten aller Wissenschafter an Bord das Wissen um den ozeanischen Raum abermals vergrößert.

9.3. Cooks letzte Reise 1776 - 1780

Als Gründe füt Cooks dritte Reise gab man die Prüfung und Bestätigung einiger kürzlich gemachter Entdeckungen, vor allem die von Marion du Fresne und Kerguelen an, weiters die Notwendigkeit der Rücküberführung Omais nach Tahiti, sowie die Erforschung des Polarmeeres vom Pazifik aus, um eine eventuelle direkte Route von England in den pazifischen Ozean zu finden.

1776 setzte Captain James Cook erneut die Segel, schon zu Weihnachten erreichte er die Kerguelen, die er ohne von den Franzosen entdeckt zu werden umsegelte und kartographierte, am 26. Jänner 1777 ließ er vor Van Diemens - Land ankern, doch veranlaßte ihn die gescheiterte Kontaktaufnahme mit den Tasmaniern, der Tahitianer Omai hatte die schüchternen Annäherungsversuche der Einheimischen durch Schreckschüsse vereitelt, seine Reise nach Neuseeland, Queen Charlotte Sound fortzusetzen.

Auf dem weitern Weg nach Tahiti wurden Mangaia, Atiu und Takutea in den südlichen Cook - Inseln entdeckt und schließlich am 10 Juni 1777 Tongatapu erreicht, wo die Mannschaft einen Monat lang ausspannen konnte. Der Aufenthalt gestaltete sich als eine für beide Seiten fruchtbringende Zeit, Feste verschiedener Art, gespickt mit Tanz und Ringkämpfen, die die Tonganer aus Höflichkeit des Gastgebers stets zu verlieren pflegten, erfüllte die Tage, auffallend zeigte sich aber die ungewohnte Härte mit der Cook den üblichen „Diebstählen" begegnete. Prügel und Peitschenhiebe standen an der Tagesordnung, außerdem ließ er den gefaßten Tätern zur Strafe die Haare scheren, was Cooks Offiziere mit Unverständnis quitierten, fürchteten sie doch, dadurch einen Wandel der freundlichen Haltung der Tonganer zu provozieren.

Nun endlich gab Cook den Befehl zum Aufbruch nach Tahiti und das, obwohl er von den naheliegenden Inselkomplexen Fidschis und Samoas gehört hatte, sein vorgegebener Zeitplan schien ihm wichtiger, daher lautete der Befehl `Kurs auf die Gesellschaftsinseln´. Auch dort zeigte sich des Kapitäns neue Seite. Dem Dieb eines Sextanten ließ er die Ohren abschneiden und auf Grund eines Ziegendiebstahls in Eimeo mußten auf seinen Befehl mehrere Häuser und Kanus niedergebrannt werden.

Einem seiner Hauptaufträge folgend befahl Cook am 8. Dezember die Weiterfahrt nach Nova Albion, 16 Tage später, am 24. Dezember entdeckte er die deshalb so getauften Christmas - Inseln und am 18. Jänner 1778 tauchten am Horizont hohe Berge auf, die Landmassen der Inseln Oahu, Kauai und Niihau. Cook befand sich in den Gewässern Hawaiis, die Kenntnisnahme dieser Inseln sollte zu seiner letzten großen Entdeckung werden.

Nach einem kurzen Halt auf den Inseln, wo vor allem mit Erstaunen die Kultur- und Sprachverwandtschaft von Tahiti und Hawaii festgestellt worden war, hielt man Kurs in Richtung Kalifornien und dann weiter über die Aleuten in die Bering -Straße, doch wurde dort vergeblich eine Passage nach Osten, beziehungsweise nach Nordosten gefunden. Der nahende Winter forderte die Beendigung dieser Bemühungen und Cook befahl, wieder die Hawaii - Inseln anzusteuern, die man am 19.November 1778 erreichte.

Entlang der Insel Maui gelangten die beiden Schiffe zur größten Insel der Gruppe, Hawaii. Dort ging man 17.Jänner 1779 in der Karakakooa - Bucht vor Anker. Schon am Vortag waren die Schiffe von unzähligen Kanus, die vollgefüllt mit Erzeugnissen des Landes waren, belagert worden und darin befanden sich freundliche Menschen, die ihre friedliche Absicht schon allein durch das Nichttragen von Waffen manifestierten. Mit Fortlauf des Aufenthaltes stellten sich aber auch hier die gewohnten Diebereien ein, was nach und nach etwas Spannung in den Kontakt beider Parteien brachte. Auch war es schon zu einigen Schlägereien gekommen, doch wäre das ohne Folgen geblieben, denn beide Schiffe gingen am 4. Februar wieder in See, um die Küste genauer zu erforschen und einen neuen Hafen aufzusuchen. Ein Sturm richtete jedoch Beschädigungen auf der Resolution an, sodaß sich Cook genötigt sah, noch einmal in die Karakakooa - Bay einzulaufen.

In der Klärung der Frage, was letztendes zu Captain Cooks Tod geführt hatte, entwickelten sich im wissenschaftlichen Diskurs der letzten Jahre zwei grundsätzliche Ansätze heraus, die hier genauer zu behandeln, den Rahmen und die Zielsetzung der Arbeit sprengen würde.

Festzuhalten ist auf jeden Fall, daß der Zufall während des fast einmonatigen Aufenthaltes verschiedene Ereignisse aneinandergereiht hatte, deren Auswirkungen das anfangs gute Klima zwischen Schiffsbesatzung und Hawaiianern nach und nach zerstört hatte. Die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Parteien wurden bis Mitte Februar immer heftiger und gewalttätiger, bei einem Schlichtungsversuch eines solchen Anlaßfalles fand Captain James Cook letztlich am 14. Februar 1779 den Tod.

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Autor: © 1997 F.Bayer
Weiterführende Fragen an den Autor bitte an die Redaktion der OSPG richten.

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