Behaim, Martin

* 1459 (Nürnberg) - † 1506 (Lissabon).

Deutscher Kaufmann und Reisender aus alter Nürnberger Patrizierfamilie. Er vollendete 1492 den ersten Erdglobus. Dieser "Erdapfel" wird vielfach in seiner Bedeutung mit Gutenbergs ersten gedruckten Büchern verglichen. Als er in jungen Jahren über Mecheln und Antwerpen nach Lissabon kam, brachte er als Bewohner eines Binnenlandes seinem Gastland etwas mit, was für eine Seefahrernation von hohem Wert war, nämlich die Ephemeriden des Regiomontan und die Kenntnis von dessen Meßinstrumenten. Er ist schon allein deshalb unter die Pioniere des Entdeckungszeitalters zu reihen - nicht nur wegen seiner Teilnahme an Forschungsreisen, die ihn bis an die Westküste Südafrikas führten. Sein "Erdapfel" entstand während eines längeren Aufenthaltes in seiner Vaterstadt Nürnberg, wohin er wegen einer Erbschaftsregelung 1491 zurückgekehrt war. Vollendet wurde seine Werk im Jahr der Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus.

Sein Globus hat einen Durchmesser von 51 cm. Er besteht aus Pappe, die mit einer Gipsschicht überzogen wurde. Die Kugelbeklebung, bestehend aus zweimal zwölf Segmenten und Polkappen aus Pergament, wurde von Jörg Glockendon d.Ä. bemalt. Die Kugel ruht mit Hilfe einer Mittelstütze und vier Streben auf einem dreifüßigen Gestell. Auf dem Globus ist die Alte Welt zum Teil noch in ptolemäischer Sicht zu erkennen. Modern dargestellt ist der Verlauf der Westküste Afrikas bis zur Südspitze des Erdteils. Wie es dann in östlicher Richtung weitergeht, wußte man 1492 noch nicht. Der weite Landvorsprung nach Osten war eine irrige Vermutung. Die Umrisse von Vorderasien und Indien zeigen noch deutlich ptolemäische Züge, besonders charakteristisch ist der Persische Meerbusen und die Ausbildung des Südteils von Indien als Insel (siehe Bild).
Der Behaim-"Erdapfel" befindet sich heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

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