Magellan, Ferdinand

(port.: Magalhães, Fernão de; span.: Magallanes, Hernando de);
* 1480(?, Oporto) - † 1521.

Entdecker der nach ihm benannten Meeresstraße zwischen Atlantik und Pazifik, Führer der ersten Weltumseglung. Magellan entstammte einer normannischen Familie, die sich im 13. Jahrhundert in Portugal niedergelassen hatte und deren Kleinadel anerkannt war; er war der Sohn von Rui de Magalhães und Alda de Mesquita. Zunächst als Page von Königin Leonore in Lissabon angestellt, kam er 1505 nach Indien, wo er unter anderem an der Schlacht von Diu im Jahre 1509 teilnahm. 1506 war er in Mocambique am Aufbau eines Forts beteiligt gewesen. 1511 erreichte er mit der Flotte von Diogo Lopes de Sequeira die Malayische Halbinsel. In Malacca stationiert, warnte er seinen Kommandeur vor Angriffen der Malayen und rettete Francisco Serrão das Leben (siehe Antonio de Abreu). Serrão sandte später wertvolle Informationen über die Molukken an Magellan. 1512 nahm er an einer Fahrt zur Insel Banda teil, von wo man mit Gewürzen reich beladen nach Malacca zurückkehrte. Im selben Jahr kehrte er nach Lissabon zurück und nahm in der Folge an einem Feldzug gegen die marokkanische Festung Azamor teil, wo er sich eine Verletzung zuzog, die ihn Zeit seines Lebens hinken ließ. Die Anfrage bei König Manuel nach höherer Entlohnung sowie andere Unstimmigkeiten in Zusammenhang mit der Schlacht bei Azamor, die eine weitere Unterstützung vom portugiesischen Hof reduzierten, veranlaßten Magellan, seine Dienste andernorts zur Verfügung zu stellen.

1517 ging er nach Spanien, wo er mit Ruy Faleiro zusammentraf. Beide gingen an den Hof von Valladolid und boten sich König Karl I (später Kaiser Karl V.) an. Magellans Plan, im äußersten Süden eine Ostwest-Passage zu suchen, gründete sich auf Gespräche mit Ruy Faleiro und auf Phantasiekarten und -globen, die solch eine Durchfahrt ohne nähere Kenntnis einzeichneten. Die spanischen Interessen, die Gewürzinseln (Molukken) auf dem Spanien durch den Vertrag von Tordessillas zugeteilten Weg über den Atlantik zu erreichen, war so stark, daß die Krone im März 1518 fünf Schiffe für Magellan ausrüsten ließ, mit denen er 1519 in See stechen konnte: Magellans Flagschiff "Tinidad", "San Antonio" (Kapitän Juan de Cartagena), "Concepción" (Kapitän Gaspar de Quesada), "Victoria" (Kapitän Luis de Mendoza) und "Santiago" (Kapitän João Serrão). Die spanische Dominanz in der Mannschaft veranlaßte Faleiro, nicht mitzureisen.
Vorher, im Jahre 1517 heiratete er noch Beatriz Barbosa, Tochter eine hohen Beamten in Sevilla, mit der den einen Sohn Rodrigo hatte. Die Vorbereitungen für die Reise wurden durch Sabotageakte der Portugiesen begeleitet. Von San Lucar de Barrameda (Start: 20.9. 1519) aus wurde im Januar 1520 die La-Plata-Mündung erreicht, jene tiefe Bucht, in der Magellan offenbar eine Durchfahrt nach Westen zu finden hoffte. Daß dies mißlang, schürte Mißstimmungen vor allem unter den Spaniern, die sich dem Portugiesen nicht unterordnen wollten. Neben spanischen Mannschaften und Offizieren - mit denen er bald Streit bekam - hatte Magellan Italiener wie seinen Chronisten Francisco Antonio Pigafetta an Bord sowie 30 Portugiesen. Es kam zu Meutereien und Todesurteilen, ehe Magellan im Oktober 1520 bei Cabo de las Virgines die Einfahrt in die Magellan-Straße erreichte. Eines der Schiffe hatte die unübersichtlichen Felspassagen genutzt, um gegen den Befehl Spaniens zurückzukehren. Ein weiteres war gescheitert.


Am 28. November 1520 fuhr Magellan in die Südsee ein. Aufgrund des güstigen Wetters und der ruhigen See nannte er den Ozean "mar pacifico" . Am 24. Januar 1521 wurde Puka Puka im Puamotu-Archipel gesichtet. Erst 99 Tage später am 6. März konnte er in Guam (Marianen) erstmals wieder frisches Wasser und Lebensmittel an Bord nehmen. Auf der 110 Tage währenden Westfahrt hatte Magellan das Unglück, auf nur wenige Inseln und auf feindselige oder "diebische" Eingeborene zu stoßen (was den Namen "Islas de Landrones" oder "Diebesinseln" für die Marianen-Inselgruppe anregte), so daß die Expedition aufs äußerste erschöpft war, als im März 1521 die Philippinen erreicht wurden. Bei einem Blick auf die Reiseroute durch den Pazifik wird die Tragik deutlich. Magellan fuhr haarscharf an einer Vielzahl von Inseln vorbei, die ihn und seine Mannschaft mit frischem Wasser und Nahrungsmittel hätte versorgen können. Seine Route umschiffte in großem Bogen die zentralpolynesischen Inseln. Beim Versuch, in einem Eingeborenenkampf Frieden zu stiften, fiel Magellan am 27. April 1521 auf der Insel Matan (Maktan, Philippinen), und Juan Sebastian del Cano führte das einzige verbliebene Schiff, die "Victoria", 1522 nach Spanien zurück, wo es am 7. September 1522 in desolatem lecken Zustand aber mit Gewürzen von den Molukken beladen, eintraf.

Die bekannteste Beschreibung dieser denkwürdigen Reise stammt von Francisco Antonio Pigafetta; sie war wie das berühmte Buch des Marco Polo in französischer Sprache abgefaßt. Ein Logbuch, das der Steuermann Francisco Albo aus Axio bei Rodas zuerst auf "Trinidad" und dann auf der "Victoria" geführt hatte, erschien 1837, herausgegeben von Navarrete in einer großen Sammlung mit anderen Dokumenten zur Entdeckungsgeschichte.

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