Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Ehestabilität
Definition:
Bezeichnet die relative Dauerhaftigkeit und Beständigkeit ehelicher Beziehungen, die ihren statistischen Ausdruck in der Scheidungsrate und der zeitlichen Dauer der ehelichen Verbindungen findet.
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Anmerkungen:
In tribalen Gesellschaften trifft man auf eine sehr große Bandbreite der Ehestabilität. In manchen sind die Ehen stabil und dauerhaft, in anderen sind die Ehen sehr unstabil und Scheidungen häufig. Interkulturelle Vergleiche lassen den Schluß zu, daß signifikante Korrelationen zwischen der Stabilität der Ehe, den "genetrischen" (aus der physischen Mutter-bzw. Vaterschaft über die Nachkommen resultierenden) Rechten und dem Deszendenzmodus bestehen:

In

  1. patrilinearen Gesellschaften, wo die genetrischen Rechte in den Händen korporativer Deszendenzgruppen liegen, sind die Ehen stabil und von langer Dauer;
  2. unilinearen Gesellschaften, in welchen diese Rechte eher Einzelpersonen und weniger korporative Gruppen innehaben, sind die Ehen von mittlerer Dauer und Stabilität;
  3. matrilinearen Gesellschaften, wo die genetrischen Rechte nie an andere korporative Gruppen übertragen werden, wie auch in "bilateralen Gesellschaften", wo solche Rechte unwichtig sind, sind die Ehen von kurzer Dauer und instabil.
Scheidung, Trennung und Stabilität der Ehe sollten immer im Rahmen eines derart umfassenden Kontextes analysiert werden [Barnard/Good 1984:119].

Anderen Theorien zufolge korreliert eine hohe Stabilität der Ehe mit einer starken Bindung zwischen Ehegatten und Ehegattin und einer vergleichsweise schwachen Bruder-Schwester-Bindung, wobei beispielsweise in einer patrilinearen Gesellschaft die Ehefrau von der Mitgliedschaft und den Interessen ihrer Herkunftslineage weitgehend abgesondert ist, ihre Brüder daher nur eine geringere Kontrolle über sie ausüben können und sie stärker und dauerhafter in die Lineage ihres Gatten inkorporiert ist [Keesing 1975:45f, 64].

Wieder anderen zufolge korreliert die hohe Stabilität der Ehe mit der Höhe der Brautgabe. Damit im Zusammenhang steht die Tatsache, daß die Scheidung umso komplizierter wird, je elaborierter das Heiratszeremonial ist [König 1977:98f, 103], [Leach 1961:114-123].

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97