Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Hochzeit
Definition:
Zeremonie der Eheschließung, die öffentlich und vor Zeugen den Übergang zu bzw. den Beginn einer ehelichen Beziehung anzeigt. Die wichtigste Funktion der Hochzeitszeremonie besteht in der Kennzeichnung der Rechtmäßigkeit der Ehe, welche ihrerseits die Voraussetzung für die Geburtsrechte der in der Ehe gezeugten Nachkommen bildet.
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Anmerkungen:
Die Hochzeit beschränkt sich oft nicht auf eine kurze, abgeschlossene Zeremonie, sondern erstreckt sich über einen längeren Zeitraum, sodaß man von einer gradualistischen Annäherung an die Ehe sprechen kann (s.u. Bsp. Nuer).

Die Hochzeit ist einer von vielen rites de passage in der Verwandtschaftskarriere von Braut und Bräutigam und muß in diesem umfassenderen Kontext analysiert werden: Zum Beispiel wird in Südasien ein Mädchen durch ein Pubertätsritual zur Frau, durch die Hochzeit zur Ehefrau, durch ein Geburtsritual zur Mutter und durch das Begräbnis des Gatten zur Witwe.

Hochzeiten sind oft mit einem (rituellen) Austausch von Gütern und Diensten verbunden (Brautgabe, Mitgift, Bräutigamsgabe), wobei diese in vielen Fällen die wichtigsten ökonomischen Transaktionen im Leben eines Individuums bilden.

Die Elaboriertheit des Hochzeitsrituals steht in engem Zusammenhang mit der Gründung eines ehelichen fund (Fonds?): "Where marriage establishes a conjugal fund (as in dowry systems) the wedding ceremonial will be more elaborate than when it does not ." [Jack Goody 1976:9]

Anderen Theorien zufolge sollen Scheidungen umso schwieriger sein je elaborierter das Heiratszeremonial ist (Ehestabilität) [Barnard/Good 1984:108, 112-118, 131, 146].

Beispiel:
Bei den Nuern verteilen sich die Verlobung (LARCIENG), die eigentliche Hochzeit (NGUT) und der Vollzug der Ehe (MUT) über mehrere Wochen, und selbst dann ist die Angelegenheit solange noch nicht wirklich beendet, bis die Ehefrau ein Kind geboren und entwöhnt hat [Evans-Pritchard 1951:59, 72]

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97