Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Endogamie
Definition:
Eine soziale Norm oder Regel innerhalb einer gegebenen Gruppe oder Kategorie zu heiraten. Die Endogamie ist eine positive Heiratsregel, indem sie die endogame Einheit, innerhalb der Ego heiraten muß, festlegt.
Verwandte Begriffe:
Zum übergeordneten Begriff
Anmerkungen:
  • Die Endogamie kann nach Dumont entweder auf der endogamen Einheit als soziozentrischer Gruppe oder auf der egozentrischen Kategorie oder auf beiden basieren. Alle Heiratsallianzsysteme sind gleichzeitig endogam und exogam, da sie einen Personenkreis definieren, innerhalb dessen eine Heirat gestattet ist, und gleichzeitig einen Personenkreis definieren, innerhalb dessen eine Heirat untersagt ist. (siehe Heiratsverbote).
  • Es ist daher unbedingt erforderlich, die unterschiedlichen Bezugspunkte von Endogamie und Exogamie (d.h. die Ebene der Lokalgruppe, der Verwandtschaftsgruppe/-kategorie, Statusgruppe, Klasse, Kaste, ethnischen oder anderen Kategorie, das Dorf etc.), zu erheben bzw. anzugeben. Naturgemäß sind die endogamen Einheiten (Ethnie, Stamm etc.), innerhalb derer geheiratet werden muß, größer als die exogamen Einheiten.
  • Moderne Studien über Heiratsallianz zeigten, daß es zweckmäßig ist, verschiedene Formen der Endogamie zu unterscheiden, und daß ferner in bestimmten Systemen Endogamie nicht einfach das Gegenteil von Exogamie, sondern ein positives, organisierendes Prinzip ist.
  • Daher sollte zwischen
    1. Endogamie in Verwandtschaftsgruppen (die Heirat mit einer bestimmten Kategorie von Verwandten - "kin group endogamy"),
    2. Allianz-Endogamie (Heirat mit Personen, die durch eine Allianz-Kategorie definiert sind -"alliance endogamy") und
    3. Lokalgruppenendogamie ("local group endogamy") unterschieden werden.
    Diese Prinzipien können entweder koinzidieren oder auch nicht; daher ist es wichtig, deren jeweilige Operationsradien und Grenzen genau zu definieren.
  • Eine wichtige Unterscheidung für die Feldforschung ist jene zwischen De facto- und De jure-Einheiten:
    Beispielsweise ist es korrekt, indische Kasten als endogam zu bezeichnen, und dies, obwohl auch die Subkasten endogam sind. De facto bilden jedoch noch kleinere Segmente dieser Subkasten, für die keine emischen Bezeichnungen existieren, die de facto endogamen Einheiten, welche als "kindred of recognition" bezeichnet werden könnten [Seymour-Smith 1987:93; Barnard/Good 1984:91-94] Regelung, die eine Person verpflichtet, ihren Ehepartner innerhalb derselben Gruppe zu suchen, der sie selbst angehört, wobei die Gruppe eine Verwandtschaftsgruppe, eine Lokalgruppe oder eine Statusgruppe sein kann [Panoff/Perrin 1982: 87].
Literatur:

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97