Interaktives Online-Glossar: Ehe, Heirat und Familie
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Asymmetrische Allianzgesellschaft
Definition:
Ein Sozialsystem, in welchem die durch den indirekten Frauentausch produzierten und reproduzierten dauerhaften Beziehungen zwischen Abstammungsgruppen (i.e. das asymmetrische Allianzsystem) das wichtigste Strukturprinzip und die Grundlage für den bedeutendsten Integrationsmechanismus sind. Dabei macht das System der Heiratsbeziehungen nur einen Teil des sozio-kulturellen Systems aus.
Untergeordnete Begriffe:
Zum übergeordneten Begriff
Anmerkungen:
Die auf dem idealen Heiratsmodus (MBD-Heirat) basierenden dauerhaften Affinalbeziehungen zwischen Verwandtschaftsgruppen sind mit
  1. einem zeremoniellem Austausch von Gütern und Diensten,
  2. Unterschieden hinsichtlich des rituellen und religiös-magischen Status (v.a. höherstehende Brautgeber versus inferiore Brautnehmer) und
  3. einer bestimmten symbolischen Struktur (sozio-kosmischer Dualismus etc.) verbunden [LUkas 1990].
Alternative: Sozialsystem, in welchem die durch indirekten Frauentausch produzierten und reproduzierten dauerhaften Beziehungen zwischen unilinearen Deszendenzgruppen/Verwandtschaftsgruppen das wichtigste Strukturprinzip und die Grundlage des sozialen Integrationsmechanismus sind. Die Heiratsbeziehungen (Netze der Heiratsallianzen/Konnubia) repräsentieren nur einen Teil des sozialen Systems.

Vorkommen: Asien, insbesondere im festländischen und insularen Südostasien.

Asymmetrische Allianzgesellschaften wurden zuerst von niederländischen Ethnologen [van Wouden 1935] und später vor allem von den Vertretern der Allianztheorie wie Claude Lévi-Strauss 1949, Leach 1951, 1954, 1961, Needham 1957 untersucht.

Die begriffliche Unterscheidung zwischen asymmetrischem Allianzsystem und asymmetrischer Allianzgesellschaft wurde von Lukas [1990:557f] vorgeschlagen. Asymmetrische Allianzgesellschaften wurden zuerst von niederländischen Ethnologen (van Wouden 1935) und später vor allem von den Vertretern der Allianztheorie wie Claude Lévi- Strauss (1949), Leach (1951, 1954), Needham (1957, 1958), Lukas (1990) untersucht.

Literatur:

  © Lukas, Schindler, Stockinger 1993-11/10/97