Historisches Bewußtsein in der Analytischen Philosophie (gem. mit Kurt R. Fischer, 1986)

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Analytische Philosophen haben im allgemeinen kein historisches Bewußtsein hinsichtlich ihrer eigenen Disziplin, oder doch so gut wie keines.[1] Die Analytische Philosophie ist ein ahistorisches Unterfangen. Was analytische Philosophen überhaupt auf dem Gebiet der Philosophiegeschichte für notwendig halten - es handelt sich nicht um allzu viel -, hat Gregor Sebba "doctrinal analysis" genannt, worunter er "the study of philosophical concepts, propositions, doctrines and systems, to determine their precise meaning, structure, and internal validity" versteht.[2] Es kann zwar eine Menge an historischer Arbeit notwendig sein, um eine solche "doctrinal analysis" vorzubereiten, wie etwa: "text criticism, historical study of the language used, contemporary and earlier literature on the subject, and so forth". Jedoch bleibt, bei aller historischen Arbeit, die Zugangsweise zur Geschichte der Philosophie, wie sie unter analytischen Philosophen weit verbreitet ist, solange unhistorisch, als die die Vergangenheit der Philosophie als etwas Zeitloses, Nicht-Geschichtliches behandelt. Mit Sebbas Worten: "Historical analysis by contrast, treats the same material as historical fact, as an object in time to which its precise position in the flux of change is essential and constitutive."[3] Es scheint uns, und auf diesen Punkt hat Sebba mit seiner Unterscheidung treffend hingewiesen, daß die Frage, ob und bis zu welchem Grad in der Geschichtsschreibung der Philosophie "historisches Bewußtsein" wirksam ist, weniger dadurch beantwortet werden kann, daß man darauf verweist, was von heutigen Autoren (z.B. Philosophiehistorikern) behandelt wird, als vielmehr dadurch, daß die Art und Weise, das Wie der Behandlung der Vergangenheit der Philosophie untersucht wird.

Insgesamt können bei der Geschichtsschreibung der Philosophie mehrere Typen unterschieden werden, indem wir darauf achten, wie der spezifische Gegenstand, die angemessene Darstellungsform bzw. die verfolgten Zwecke dieser historiographischen Disziplin aufgefaßt werden. Entsprechend der unterschiedlichen Bestimmung des Gegenstandsbereiches finden sich in der Geschichte der Disziplin zumindest folgende Typen: Doxographie, Bibliographie, Biographie, Problemgeschichte und Institutionengeschichte.
Gemäß der Form der Darstellung sind die chronologische, entwicklungsmäßige, kanonische und die systematische Darstellung zu unterscheiden.
Gemäß den angestrebten Zielen philosophiehistorischer Arbeit sind die Zwecke der Traditionsbildung, der Forschungspolitik und der Wertorientierung neben dem meist als einzigem genannten heuristischen Zweck anzuführen.[4]

Es kann hier nicht auf Einzelheiten, Entstehungsgeschichte usw. der genannten Typen von Philosophiehistorie näher eingegangen werden, doch sind wir der Auffassung, daß die in der Analytischen Philosophie vorherrschende Tendenz der Philosophiehistorie ihr Ideal in einer systematisch darstellenden Problemgeschichte sieht, die ausschließlich zu heuristischen Zwecken betrieben und betrachtet wird. Eine solche Orientierung kann wertvolle Beiträge für die systematische Diskussion philosophischer Fragen liefern. Damit ist jedoch zugleich eine methodologische Eingrenzung des Gegenstandes gegeben, die zu Beschränkungen führt, wie sie nicht wünschenswert erscheinen. Einerseits werden aufgrund dieser Orientierung gewisse Traditionen philosophischen Denkens aus dem Gegenstandsbereich ausgeschlossen, welche durchaus wichtig sind für das Verständnis der Vorgeschichte gegenwärtiger Philosophie, oder aber Fragen thematisieren, die in der Analytischen Philosophie zu Unrecht wenig Beachtung gefunden haben. Diese erstere Beschränkung betrifft also die Selektion des Wichtigen aus der Philosophiegeschichte, die nicht ausschließlich in Hinblick auf heuristische Funktionen relativ zu gegenwärtig diskutierten systematischen Fragen getroffen werden sollte. Eine zweite Beschränkung betrifft den Bereich der Hypothesen oder Erklärungsvorschläge für das vorhandene historische Material. Solche Hypothesen sollten nicht nur - im Sinn einer Rekonstruktion von Argumenten - unter systematisch-philosophischen Gesichtspunkten formuliert werden, sondern auch Ergebnisse anderer historiographischer Disziplinen einbeziehen. Erst dann wären neben systematischen Erklärungen philosophiehistorischer Materialien auch genetische Erklärungen möglich. Diese letzteren mögen für die systematische Diskussion philosophischer Fragen nicht von augenscheinlichem Wert sein. Sie gewinnen aber an Bedeutung, wenn wir die Funktion von Philosophiehistorie nicht lediglich in der Heuristik ansetzen, sondern auch ein Wissen um institutionelle Bedingungen philosophischen Denkens oder eine allgemeine Wertorientierung zu deren legitimen Zielen rechnen.

Schon seit mehr als zwei Jahrzehnten, also lange bevor Richard Rorty, J.B. Schneewind und Quentin Skinner unter dem Titel Philosophy in History eine Reihe von "essays on the historiography of philosophy" herausgaben, wurde die Ahistorizität der Analytischen Philosophie von zwei Autoren angemerkt und historisch erklärt.[5] Beide machten die Haltung gegenüber der Geschichte der Philosophie zum entscheidenden Merkmal der Analytischen Philosophie bzw. der Moderne insgesamt, als deren wesentlichen Teil sie die Analytische Philosophie betrachten. Stanley Cavell sieht "the essential fact of ... the modern ... in the relation between the present practice of an enterprise and the history of that enterprise, in the fact that this relation has become problematic"[6]. Und Carl Schorskes Buch Wien - Geist und Gesellschaft im Fin-de-Siècle beginnt mit folgenden Sätzen[7]:

Das Europa des 20. Jahrhunderts hat auf den meisten Gebieten geistiger Tätigkeit stolz seine Unabhängigkeit vom Vergangenen verkündet ... Moderne Architektur, moderne Musik, moderne Philosophie, moderne Wissenschaft - sie alle bestimmen sich selbst nicht aus dem Vergangenen, auch kaum gegen das Vergangene, sondern unabhängig von ihm. Das moderne Bewußtsein verhält sich der Geschichte gegenüber immer gleichgültiger, denn Geschichte, verstanden als Überlieferung, aus welcher es sich unablässig speisen könnte, ist ihm nutzlos geworden.

Den meisten Vertretern der analytischen Methode in der Philosophie erschien die Ausbildung eines historischen Bewußtseins im besten Falle als irrelevant. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit der Philosophie galt als Spielwiese für zweitrangige Philosophen, die nur solchen empfohlen werden konnte, die zwar einerseits in der Fachphilosophie bleiben wollten, andererseits aber weder schöpferisch auf dem Gebiet der mathematischen Logik waren, noch auch besondere Begabungen für, um mit Arthur Danto zu sprechen, "analytische Lexikographie" aufzuweisen hatten[8].

Zwei sehr bemerkenswerte Ausnahmen sind zu dieser allgemeinen Beschreibung zu nennen: Otto Neurath und der sogenannte "Linke Flügel" des Wiener Kreises einerseits, Ludwig Wittgenstein andererseits. Erstere bilden eine Ausnahme durch ihre Nähe zur marxistischen Theorie und Praxis und durch ihr Interesse für diese. Sicherlich ist das starke historische Bewußtsein dieser Gruppe um Otto Neurath nicht auf spezifisch analytische Motivationen oder Argumente zurückzuführen - doch ist nicht ganz unbestritten, daß sie überhaupt als analytische Philosophen einzustufen ist[9]. Wittgenstein hingegen ist ohne Zweifel ein analytischer Philosoph, der von kaum einem anderen, wenn überhaupt, an Bedeutung übertroffen wird. Als einer der großen Erneuerer in der Geschichte der Philosophie verwirft Wittgenstein, "characteristically", wie Cavell schreibt, die Geschichte seines Gegenstandes; aber, so fährt Cavell fort,

in the later Wittgenstein ... the repudiation of the past has a transformed significance as though containing the consciousness that history will not go away, except through a perfect acknowldgement of it (in particular, our acknowledgment that it is not past)[10].

Dies ist, wie Cavell ausführt, auch der Sinn des Bemühens, "die Wörter von ihrer metaphysischen wieder auf ihre alltägliche Verwendung" zurückzuführen.

In ihrer Gesamtheit betrachtet aber haben sich analytische Philosophen mit der Geschichte der Philosophie höchstens auf eine unhistorische Weise befaßt, in recht selbstgefälliger Art Zensuren verteilend, dumme Fehler anderer korrigierend, überflüssige Beifügungen ebenso wie Lücken in den Argumenten der Denker der Vergangenheit anmerkend. Dies gilt mehr oder minder für die englischen Philosophen in Cambridge, insbesondere für Bertrand Russell, aber auch für die Logischen Positivisten des Wiener Kreises, und es gilt allgemein für diejenigen, die diese Traditionen in Großbritannien und den Vereinigten Staaten weiterführten, seien sie nun Vertreter einer Philosophie der "normalen" oder der "idealen Sprachen". Ein vollständiges und genaues Erfassen eines Problems schien die vorrangige, wenn nicht die einzige Aufgabe zu sein. Manche dachten, solches Problembewußtsein sei identisch mit der Lösung und Auflösung des Problems; das Ziel der Philosophie sei tatsächlich auch schon erreicht, wenn ein Problem wirklich verstanden wäre. Diese Aufmerksamkeit für das Detail jedoch, gewiß ein wichtiger Faktor dieses Unternehmens, wird aufgegeben, sobald es sich um Gegenstände der Vergangenheit und besonders wenn es sich um unser Bewußtsein von ihnen handelt.

Es erscheint beinahe unmöglich, Philosophie zu betreiben, ohne klassische Texte zu studieren - zumindest gilt dies für den gewöhnlichen Philosophen, der innerhalb einer Schule oder Tradition denkt und nicht, wie Wittgenstein, selbst eine Tradition, ja, Traditionen begründet: den Logischen Atomismus, den Logischen Positivismus und die Sprachanalyse. Jedoch entstellt und trivialisiert die Darstellung der Philosophiegeschichte, wie wir sie aus der Tradition der Analytischen Philosophie kennen, diese Vergangenheit häufig in einer typischen Weise[11]. Entstellung und Trivialisierung der Vergangenheit kann schon dadurch entstehen, daß "philosophische Probleme" in abstrakter Weise zusammengestellt werden, wie etwa ,die Probleme`: der "Außenwelt", des "Fremdpsychischen", der "Willensfreiheit" usw., oder auch durch die Art, wie ein Denker der Vergangenheit durch einen gegenwärtigen Vertreter der Analytischen Philosophie behandelt wird. Arthur Danto beispielsweise will Nietzsche helfen, wenn er Nietzsche as Philosopher in seiner Original Study behandelt[12]. Nietzsche bekommt hier immerhin einiges Lob für etliche seiner Einsichten. Und doch ist der Eindruck schwer zu vermeiden, daß Nietzsche, wenn er doch wenigstens eine moderne Lehrveranstaltung zur "Einführung in die Philosophie" oder zur "Logik" besucht hätte, viel erfolgreicher gewesen wäre.

Natürlich haben uns Nietzsche, Hegel und Schelling, aber auch Marx und Kierkegaard Texte hinterlassen, die für einen in analytischer Methode geschulten und analytisch orientierten Leser spröder sind als jene mehr oder weniger großen Bruchstücke aus der klassischen Philosophie, deren Kenntnis von den Studenten zumindest in Großbritannien und den USA verlangt wird: Platon und Aristoteles, die englischen Empiristen und die kontinental-europäischen Rationalisten, und dazupassende Abschnitte aus der Ersten Kritik. Das Modell für die unhistorische Behandlung vergangener Philosophen hat Bertrand Russell mit seinem Buch über Leibniz gesetzt.[13] Russell mißversteht und verurteilt. Er hält Leibniz für einen Betrüger, der die Wahrheit, daß kein Gott ist, verschweigen und die Öffentlichkeit mit einer Lüge befriedigen hat wollen, nämlich, es sei ein Gott. Nietzsches Bedeutung sieht Russell in erster Linie in der Ethik, doch kritisiert er hier die "Vorstellung der totalen Gleichgültigkeit gegenüber den Leiden der Vielen im Interesse nur weniger"[14]. Es kommt Russell nicht in den Sinn, daß Leibniz in der genannten Frage vielleicht unentschieden war, und auch nicht, daß seine Interpretation Nietzsches mit dessen eigenen Reflexionen über das Mitleid verglichen werden sollte.[15]

Russells Mißverstehen und seine Verurteilungen sind jedoch Teil eines bedeutenden schöpferischen Neubeginns in der Philosophie, und auch Teil des nun begonnenen Analytischen Philosophierens. Dantos Nietzsche-Interpretation aber ist übler als Russells Mißverständnisse, denn er trivialisiert einen wichtigen und profunden Denker des letzten Jahrhunderts, in dessen Werk auch die Charakterisierung desjenigen Zeitalters bereits enthalten ist, von dem die Analytische Philosophie einen wesentlichen Bestandteil bildet.[16]

Mißverstehen und Fehleinschätzungen wirken sich auch im Verständnis und der aus diesem folgenden Beurteilung eines großen Teils der Gegenwartsphilosophie aus. Große Teile dieser sind historisch mit der Vergangenheit verknüpft, oder sie stammen aus ihr, haben diese Vergangenheit in sich aufgenommen oder sind in der Reaktion auf sie entstanden.

Eine Trivialisierung oder Fehleinschätzung dieser Vergangenheit verhindert die nötige Offenheit gegenüber anderen gegenwärtigen Formen der Philosophie und verunmöglicht wirkliches Verstehen und echte Diskussion. Wenn es heute wichtig erscheint, zu einem Verständnis der eigenen Vergangenheit und derjenigen anderer Traditionen zu kommen, so gewinnt die Herausbildung eines historischen Bewußtseins in der Philosophie größte Bedeutung. Und dies scheint uns der Fall zu sein.[17]

In diesem Jahrhundert ist innerhalb der Analytischen Philosophie viel schöpferische Arbeit geleistet worden, vielleicht in einer notwendigen Isolierung. Aber heute gibt es keine These, keine Behauptung, kein inhaltliches Thema der Analytischen Philosophie mehr, das nicht sogar innerhalb ihrer selbst in Frage gestellt worden wäre. Und selbst wenn wir geneigt sein mögen, dies gerade als dem Ideal einer wissenschaftlichen Philosophie entsprechend zu sehen, sollten wir angesichts dieses Sachverhalts doch einmal nachdenklich werden und unsere Ursprünge untersuchen, indem wir die Analytische mit anderen Richtungen der Philosophie vergleichen.

Die Alternative zur Herausbildung eines historischen Bewußtseins scheint ein Eklektizismus zu sein, wobei die sogenannten ,Werkzeuge der Analyse` verwendet werden, um Problemstellungen aus der gegenwärtigen und der traditionellen Philosophie zu lösen, die der Analytischen Philosophie als Fragestellungen fremd sind. Als Beispiel dafür mag Guido Küngs Buch über Ontologie und logistische Analyse der Sprache. Eine Untersuchung zur zeitgenössischen Universaliendiskussion dienen[18]. In diesem Buch versucht Küng, die logischen Techniken, die aus der Analytischen Philosophie stammen, für die Lösung von Problemen einzusetzen, die aus der philosophischen Tradition stammen, die damit sozusagen den Inhalt der Philosophie liefert. Man hat als Leser das Gefühl, daß Küng von einem traditionellen metaphysischen Hintergrund her argumentiert, daß er die Konzeption einer metaphysischen Wirklichkeit vertritt, die in der Analytischen Philosophie gänzlich fehlt. Es finden sich hier Beispiele für Kritik, in denen sich die philosophische Basis zeigt, auf der diese Kritik vorgebracht wird, und diese Basis hat keinen Bezug zur Analyse. Solche kritische Einwände, die ohne einen metaphysischen Hintergrund sinn- und bedeutungslos wären, sind etwa:

Russells ontologische Konzepte werden von Küng als defizient erachtet, weil Russell "ganz von dem andersartigen Gedanken in Anspruch genommen" sei, "ein sprachliches System auf einer minimalen Basis zu konstruieren"[19]. In ähnlicher Weise verfährt Küng mit Quine, wenn er sagt, daß dieser "damit, daß er das Sinnvollsein der Prädikatszeichen auf die Aussagen und schließlich pragmatisch auf das ganze System hinausschiebt", nichts gewinne, "sondern dem Problem nur ausweicht. Er bleibt ja schließlich auch in bezug auf das System als Ganzes die Erklärung schuldig und sagt nicht, worin nun dessen Sinnvollsein bestehe, d.h. wie es auf die Wirklichkeit angewendet zu werden verlange."[20]

Trotz solcher Beispiele müssen wir uns aber doch fragen, ob die Analytische Philosophie wirklich unhistorisch ist, ob nicht vielmehr innerhalb der Analytischen Philosophie selbst eine historische und historiographische Tradition sich entwickelt hat. Sehen wir uns etwa das Inhaltsverzeichnis eines amerikanischen Lehrbuchs über Contemporary Philosophy and Its Origins an, so finden wir im Kapitel 5 unter der Überschrift "Analysis" folgende Autoren behandelt: Eubulides, Platon, Aristoteles, Roscellinus, Wilhelm von Champeaux und Abaelard, Locke, Berkeley und Hume, Kant, Russell, Moore und Wittgenstein.21 Neben derartigen Hinweisen sind auch Argumente vorgebracht worden, etwa von Dario Antiseri in einem Aufsatz, der zur Gänze diesem Thema gewidmet ist, die gegen die verbreitete Ansicht sprechen, die Analytische Philosophie sei etwas ganz Unhistorisches, etwas Neues, der Beginn einer Tradition, aber nicht die Fortsetzung traditionellen Denkens.[22] Antiseris hauptsächliche Einwände gegen diese bei Anhängern und Gegnern der Analytischen Philosophie gleichermaßen vorzufindende Auffassung, daß nämlich "linguistische Philosophie eine Philosophie sei, die keinerlei Bewußtsein von der Geschichte hat, ohne jede Tradition ist"[23] sind folgende:
1. Die Mitglieder des Wiener Kreises ebenso wie Vertreter der späteren analytischen Bewegung haben wiederholt auf ihre Verbindung zu einer bestimmten Tradition des philosophischen Denkens hingewiesen, und
2. aufgrund ihrer Zielsetzungen sei es unwahrscheinlich, daß die Analytische Philosophie die Anregungen aus der traditionellen Philosophie ignorieren oder außer Betracht lassen sollte, obwohl diese Anregungen manchmal durchaus verborgen wirksam sind. Dieses Interesse führt häufig zu neuen Bemühungen in Form von Textausgaben, Kommentaren, zu einer neuen Lektüre alter Texte durch Vertreter der Analytischen Philosophie oder durch Gelehrte, die in den analytischen Techniken, welche die moderne Logik und Linguistik zur Verfügung stellt, geübt sind. Daher seien neue Formen und Traditionen entwickelt worden, welche die Historiographie in einer charakteristischen Weise beeinflussen.

Jedoch ist keiner der beiden Einwände Antiseris gegen die allgemein akzeptierte Meinung, daß die Analytische Philosophie etwas ganz Neuartiges ist, überzeugend. Da es nicht nur eine Frage der Untersuchung vergangener Philosophie als solcher ist, was ein gegenwärtiges Unternehmen als "historisch" oder auch als "ahistorisch" ausweist, sondern vielmehr die Art und Weise, wie das Vergangene behandelt wird, treffen Antiseris Einwände nicht. Es wäre vielmehr zu fragen, welche Arten von Erklärungen, also von Hypothesen, Gesetzmäßigkeiten usw. für die historiographische Disziplin, die sich mit der Geschichte der Philosophie befaßt, für möglich gehalten und dementsprechend zu bewähren gesucht werden. Erst, wenn genetische Erklärungen für das Gegebensein bestimmter philosophischer Fragestellungen oder Richtungen unter bestimmten historischen Bedingungen zumindest angezielt werden, kann von einem historischen Bewußtsein der Philosophie gegenüber ihrer eigenen Vergangenheit gesprochen werden. Die von C. G. Hempel im allgemeinen für die Methodologie der Geschichtswissenschaft angesprochene Möglichkeit genetischer Erklärungen mit Hilfe probabilistischer Gesetze sollte hier ebenso in Betracht gezogen werden wie der Begriff der spezifischen Gesetzmäßigkeiten, wie er in der marxistischen Wissenschaftstheorie entwickelt wurde und etwa in dem Konzept einer "non source-based-knowledge" von J. Topolski zum Ausdruck kommt.[24]

Weder der bloße Sachverhalt, daß überhaupt vergangenes Philosophieren zum Gegenstand gemacht wird, noch die Behauptung, daß jemand die philosophischen Fragen reflektiere, die von einem "Vorläufer" aufgeworfen worden seien, garantieren, daß ein solcher "Vorläufer" in "historischer" Weise betrachtet wird. Die entscheidende Frage scheint also zu sein, was ein spezifisch historischer Zugang zur vergangenen Philosophie sei.

Diese Frage steht hinter der Kritik, die Michael Ayers in seinem Beitrag zu dem Sammelband, den er gemeinsam mit Jonathan Ree und Adam Westoby herausgegeben hat, gegen die Analytische Philosophie hinsichtlich ihrer Behandlung der Vergangenheit vorträgt[25]. Ayers bezweifelt keineswegs, daß analytische Philosophen Traktate früherer Philosophen oder Argumentationen aus antiken und mittelalterlichen Texten herausgegeben, kommentiert und diskutiert haben. Aber dies alles geschieht, laut Ayers, in einseitiger und typischerweise unhistorischer bzw. ahistorischer Weise. Die hauptsächlichen Ziele dieser Bearbeitung der Vergangenheit werden in einer "Rekonstruktion" von Argumenten und in der Aufdeckung dessen, was ein Autor "wirklich gemeint hat", gesehen.

Nach Ayers` Auffassung wäre eine Interpretation, die alle wichtigen Faktoren berücksichtigt, welche zum Entstehen und zum Verstehen eines Textes beitragen, notwendig, um zu erfassen, was "wirklich gemeint ist", und dies wäre auch die eigentliche Aufgabe des Historikers der Philosophie. Das Bemühen hingegen, wie es in der Analytischen Philosophie gefordert werde, Argumente zu rekonstruieren, verhindere jedoch die Erfüllung dieses Ziels.

So schreibt Ayers von einem "loss", den die Analytische Philosophie verursache. Sein Beispielsfall ist die Leibnizdarstellung durch Russell. In seinem Buch stellt Russell fest, daß er nicht an Fragen über "the influence of the times and of other philosophers" auf Leibniz interessiert sei, denn
1. solche Fragen würden "for their answer a considerable knowledge of the prevailing education, of the public to whom it was necessary to appeal, and of the scientific and political events of the period in question" erfordern: eine Art von Wissen, wie wir vermuten dürfen, die bei Philosophiehistorikern nicht vorgefunden wird. Aber
2. selbst wenn ein Philosoph oder Historiker, oder ein anderes Mitglied der akademischen Gemeinschaft derartiges Wissen besäße, so würde diese Tatsache doch wenig bei der Erforschung vergangener Philosophie nützen. Wir dürfen annehmen, daß in Russells Augen die Beschreibung der Einflüsse, unter denen sich das Denken herausgebildet hat, also die genetische Beschreibung philosophischer Systeme nicht als angemessene Behandlung erscheint. Im Gegenteil: Russell betont, daß "perhaps the most important of the historical questions" die Frage sei nach "the actual views of the philosopher who is to be investigated"[26].

Also müssen diese Ansichten rekonstruiert werden. Russells Forderung kann jedoch in einem weiten und in einem engen Sinn gelesen werden, je nachdem, ob wir ein Wissen um äußere Bedingungen einschließen oder nicht. Solche äußeren Bedingungen bilden jene Faktoren, die bewirken oder nahelegen, daß ein Denker so denkt, wie er denkt, unabhängig davon, ob er sie selbst kennt oder nicht. Wenn wir die Wendung von "the actual views of the philosopher" in einem weiten Sinn interpretieren, so muß eine Menge an Informationen eingeschlossen sein, die wir nur aus historischen - außerphilosophischen - Quellen gewinnen. Solche Informationen sind nicht explizit in den Schriften eines Autors enthalten, sie bilden auch nicht einen Teil dessen, was von einem philosophischen Autor oder von seinem Publikum für seine "Philosophie" erachtet worden wäre. Es handelt sich u.a. um Informationen über die Struktur seiner Sprache, über das ihm oder seinen Zeitgenossen verfügbare Wissen um Natursachverhalte, über Meinungen und Glaubensvorstellungen seiner Gesellschaft, sozialen Schicht oder der Kultur bzw. Subkultur, welcher er angehört, usw.

Ayers jedoch scheint die Wendung von "the actual views of the philosopher", die nach Russells Meinung vom Philosophiehistoriker zu rekonstruieren sind, in einem engeren Sinn zu verstehen. Entsprechend dieser Interpretation sollten lediglich "philosophical doctrines" oder dasjenige, was Historiker der Philosophie für solche Doktrinen erklären, "rekonstruiert" werden. Und dies scheint auch Russells eigenem Verständnis der genannten Wendung zu entsprechen. Russell sieht die Aufgabe des Philosophiehistorikers darin, "an organized account of doctrine" zu liefern, "removing impurities unimportant to their author and lastly ... philosophical evaluation of the result"[27].

Bertrand Russell war berechtigt, einen derart ausschließlich problemgeschichtlichen Zugang zur Philosophiegeschichte zu fordern. Er ist darin mit Platon zu vergleichen, der ebenfalls die Art und Weise, in der er sich - argumentativ, aber auch aus der literarischen Form des Dialogs ersichtlich - mit seinen zeitgenössischen und mit früheren Gegnern auseinandersetzte, aufgrund einer methodologisch-erkenntnistheoretischen Position rechtfertigen konnte.

Russell war sicherlich der Begründer und Initiator der philosophischen Kultur, die wir als Analytische Philosophie bezeichnen. Die Erinnerung Herbert Feigls an sein Zusammentreffen mit Russell 1953 in Paris mag diesen Punkt illustrieren: "Ayer ... and I introduced ourselves to Russell. I said, ,In a manner of speaking we are your intellectual grandsons.` In characteristic manner Russell instantly asked, ,And who is your father?` ,We have three of them`, I replied. ,Schlick, Carnap, and Wittgenstein`"[28]. Diese Großvaterrolle hat Russell tatsächlich gespielt, selbst wenn er sich ausdrücklich von den beiden späteren Hauptströmungen distanziert hat, nämlich dem Logischen Positivismus und der Sprachanalyse.[29] Solange die methodologischen Grundannahmen dieser philosophischen Kultur eindeutig und unwiderlegt erschienen, mußte auch ihre Haltung gegenüber der traditionellen Philosophie plausibel erscheinen.

Nun aber hat sich die argumentative Situation der Analytischen Philosophie heute im Vergleich zur Situation Russells verändert. Es gibt keine überzeugenden Gründe mehr, der Geschichte der Philosophie gegenüber eine Haltung einzunehmen, die von einem Gefühl der Überlegenheit geprägt, von der Überzeugung getragen ist, daß es sich beim eigenen Unterfangen um einen echten Neubeginn, um den ersten wirklichen Beginn der Philosophie als eine legitime Tätigkeit handle, und daß damit jener Vorgeschichte der Philosophie, die weniger eine Geschichte des Wissens gewesen war, wie die Philosophen stets vorgegeben hatten, als vielmehr eine Geschichte von prätentiösen Versuchen, sinnlose Sprachstücke zur Superwissenschaft zu stilisieren, endgültig ein Ende gesetzt sei. Dies war eine verbreitete Ansicht über die Geschichte der Philosophie unter analytischen Philosophen.

Zuerst sei Russell angeführt, der seine Lowell Lectures in Boston 1914 mit der Feststellung eröffnet: "Die Philosophie hat zu allen Zeiten mehr versprochen und weniger gehalten als irgendein anderer Wissenszweig."[30] Und in der Vorrede zur Veröffentlichung dieser Vorlesungen macht er deren bescheidenes, aber verläßliches Programm deutlich: "Die folgenden Vorlesungen stellen einen Versuch dar, Eigenart, Vermögen und Nichtvermögen der logisch-analytischen Methode in der Philosophie an der Hand von Beispielen darzulegen."[31] Die entscheidende Entdeckung, die die gesamte Philosophie aufgrund der Entwicklung der mathematischen Logik von Grund auf ändert, ist deren Konsequenz für die "logische Grammatik".

Die unbewußte Überzeugung, daß alle Urteilssätze die Subjekt-Prädikat-Form haben müßten, mit anderen Worten, daß jede Tatsache darin bestünde, daß ein Ding eine Eigenschaft hat - diese Überzeugung hat die meisten Philosophen unfähig gemacht, der Welt der Wissenschaft und des täglichen Lebens irgendwie gerecht zu werden.[32]

Daß diese Welt zuerst vor jeder von den Philosophen des (vor allem: Deutschen) Idealismus konstruierten Welt besteht, ist die Grundlage von Russells (und Moores) Revolte in der Philosophie, und damit des Beginns der neuen Philosophie. Russell schreibt über sich und Moore:

He took the lead in the rebellion, and I followed with a sense of emancipation. Bradley argued that everything common sense believes is mere appearance; we reverted to the opposite extreme, and thought that everything is real, that common sense, uninfluenced by philosophy and theology, supposes real. With a sense of escaping from prison, we allowed ourselves to think that grass is green, that the sun and the stars would exist if no one was aware of them, and also that there is a pluralistic timeless world of Platonic ideas.[33]

Moritz Schlick kündigt "Die Wende der Philosophie" - so heißt sein Aufsatz, der die erste Ausgabe von "Erkenntnis" eröffnet - an, und diese Wende wird, wie bei Russell, auch von Schlick in einer "Einsicht in das Wesen des Logischen selber" gesehen.[34] Schlicks Kollegen und Schüler stimmen überzeugt zu. Der Geist der Überzeugung, in dem die neue Bewegung antritt, um die legitime philosophische Tätigkeit endlich zu beginnen und die angebliche Philosophie endgültig zu beenden, läßt sich aus vielen Texten dieser Zeit lesen. Otto Neuraths Auffassung kann hier für viele stehen. In Wissenschaftliche Weltauffassung. Der Wiener Kreis lesen wir:

Von der wissenschaftlichen Weltauffassung wird die metaphysische Philosophie abgelehnt. Wie sind aber die Irrwege der Metaphysik zu erklären? Diese Frage kann von verschiedenen Gesichtspunkten aus gestellt werden: in psychologischer, in soziologischer und in logischer Hinsicht. Die Untersuchungen in psychologischer Richtung befinden sich noch im Anfangsstadium; Ansätze zu tiefergreifender Erklärung liegen vielleicht in Untersuchungen der Freudschen Psychoanalyse vor. Ebenso steht es mit soziologischen Untersuchungen; erwähnt sei die Theorie vom "ideologischen Überbau". Hier ist noch offenes Feld für lohnende weitere Forschung. Weiter gediehen ist die Klarlegung des logischen Ursprungs der metaphysischen Irrwege, besonders durch die Arbeiten von Russell und Wittgenstein.35

Im späteren Verlauf der philosophischen Diskussion aber mußten die anscheinend so sicheren Fundamente der wissenschaftlichen Philosophie nach und nach alle aufgegeben werden, und dies müßte auch das Verhältnis der analytischen Philosophen zur traditionellen Philosophie ändern.

Arthur Danto bringt in seinem Beitrag zum vorliegenden Band ein ähnlich dilemmatisches Verhältnis noch schärfer zum Ausdruck. Er lobt und kritisiert die Analytische Philosophie in einem Atemzug, wenn er schreibt: "Trotz des Versagens ihrer Therapien ist die analytische Philosophie institutionell erfolgreich. Gegen ihren Patienten hat sie vielleicht verloren, aber über ihre Rivalen hat sie den Sieg davongetragen ..." Und weiter: "Was analysieren analytische Philosophen und vor allem, warum möchten sie es analysieren? Es ist überraschend schwierig, eine Antwort zu bekommen ..."[36]

Wir möchten lediglich zwei der entscheidenden Revisionen erwähnen, die die heutige Situation der Analytischen Philosophie von den selbstbewußten Anfängen dieser Bewegung unterscheiden. Es handelt sich um zwei Unterscheidungen, deren Akzeptieren verpflichtend war, deren Vernachlässigung gleichbedeutend war mit einer Einstufung als Dummkopf oder als Faschist oder als beides. Es handelt sich um das Sinnkriterium und um die Einteilung von Sätzen in jene, die Wissen vermitteln und andere, bei denen dies nicht er Fall ist. Die ersteren wurden noch einmal unterschieden in synthetische, empirische und in analytische Urteile, wobei die ersteren sich auf die Welt bezogen, letztere auf die Sprache.

Wir brauchen bloß auf die Geschichte der letztgenannten Unterscheidung zu verweisen und auf den Umstand, daß sie von Quine in das Reich der Fiktionen verwiesen worden ist, wobei Quine selbst wiederum lediglich ein Wortführer eines allgemeineren pragmatistischen Klimas ist.[37]

Als zweites Beispiel haben wir das Sinnkriterium angesprochen. Dieses Kriterium wurde innerhalb der Analytischen Philosophie selbst aufgegeben, deren wichtigstes konstruktives Werkzeug und destruktive Waffe es war. Es war konstruktiv in der Rekonstruktion von wissenschaftlichen Theorien, in der Analytischen Wissenschaftstheorie, es war destruktiv in bezug auf die Metaphysik. Natürlich gab es Angriffe von außen gegen dieses Kriterium, das unter anderem ja ermöglichen sollte, zwischen wertvollen und wertlosen, wissenschaftlichen und unsinnigen Projekten von vornherein zu unterscheiden, aber solche äußere Kritik war nicht ernstzunehmen, blieb Anlaß zum Spott. Aufgrund der Diskussion innerhalb der Analytischen Philosophie selbst aber ist das Sinnkriterium aufgegeben worden.

Vor nicht allzu langer Zeit hat der bekannte Wissenschaftstheoretiker C.G. Hempel, der ja auch für seine Skizze der tragischen Geschichte des Sinnkriteriums bekannt ist[38], bei einem Vortrag in Wien aus der Not eine Tugend zu machen versucht. Er begrüßte die Tatsache, daß im Lauf der Entwicklung der wissenschaftlichen Philosophie viele Ideen revidiert oder sogar aufgegeben worden sind, und sieht darin geradezu ein Indiz für die Wissenschaftlichkeit dieser Philosophie:

In einer wissenschaftlich orientierten Philosophie ebenso wie in der empirischen Wissenschaft selbst ist der Weg des Fortschritts mit den Bruchstücken abgeänderter oder gänzlich verworfener Ideen gepflastert: und dies entspricht genau dem Ideal einer ,wissenschaftlichen Philosophie` im Sinne des Wiener Kreises.[39]

Es entsteht hier aber doch das Problem: Haben nicht alle Ideen sich verändert, sind nicht alle Grundbegriffe von innerhalb der Analytischen Philosophie selbst in Frage gestellt worden? Und waren dies nicht Ideen und Grundbegriffe, auf den die Ansprüche beruhten, welche diese philosophische Tradition an sich und an andere stellte? Sind, wenn dies sich so verhält, nicht aus den Anforderungen Prätentionen geworden, wenn sie mit solch einem Überlegenheitsbewußtsein gegenüber anderen Richtungen auftreten? Wie Arthur Danto schreibt: "Es ist überraschend schwierig, eine Antwort zu bekommen."

Wenn einmal jeder einzelne Punkt in einer philosophischen Tradition umstritten ist, so erhebt sich doch wohl, trotz der Rede vom Ideal einer "wissenschaftlichen Philosophie" die Frage, wodurch dann noch die arrogante Überzeugung hervorgebracht wird, Analytische oder "wissenschaftliche" Philosophie sei die einzige echte und ehrliche philosophische Richtung, alle anderen hingegen gründeten auf Verwirrung oder übler Absicht und seien moralisch oder politisch zumindest bedenklich? Es gibt keine guten oder gültigen Argumente für eine Behandlungsweise der Geschichte der Philosophie mehr, wie wir sie unter analytischen Philosophen zum überwiegenden Teil bis in die jüngste Zeit antreffen.

Der rekonstruktive Zugang läßt nicht nur frühere Philosophien aus dem Blick geraten, er hat überdies den Nachteil, den Zugang zur zeitgenössischen, nichtanalytischen Philosophie zu verbauen. Wir versuchen beispielsweise nicht, die Texte des späten Husserl zu verstehen, indem wir den historischen Verlauf der Entwicklung der Philosophie verfolgen. Wir versuchen vielmehr, die Phänomenologie dadurch zu erfassen, daß wir ihre Problemstellungen - wie analytische Philosophen sie sehen - mit Hilfe analytischen Instrumentariums zu lösen suchen. In der frühen Geschichte der analytischen Bewegung wurden solche Autoren wie Hegel und Schelling, Kierkegaard und Marx aus dem Kreis der ernstzunehmenden Denker ausgeschieden, Denker, die die Quelle eines großen Teils des gegenwärtigen Denkens bilden.

Es ist vor diesem Hintergrund verständlich, bleibt aber doch bedauerlich, wenn Wolfgang Stegmüller zur Begründung seiner Auswahlgesichtspunkte folgende Stellungnahme abgibt: Er habe sich entschlossen, die Darstellung moderner Entwicklungen des Marxismus nicht in seine Hauptströmungen der Gegenwartsphilosophie aufzunehmen.

Vor die Wahl gestellt, entweder ein merkwürdiges Stück Gegenwartstheologie oder einige philosophisch interessante Aspekte der immer faszinierender werdenden Gegenwartswissenschaft einzubeziehen, habe ich mich für die zweite Alternative entschieden.

Ein philosophischer und ein moralischer Grund seien dafür ausschlaggebend gewesen: Erstens seien

verschiedene empirische Wissenschaften in ein Stadium eingetreten ..., in welchem sie daran gehen, Fragen wie die nach dem Aufbau des Universums, nach den grundlegenden Gesetzen der Wirklichkeit und nach der Entstehung des Lebens zu beantworten. Diese Fragen bilden die ältesten philosophischen Probleme.

Dies der philosophische Grund für die Wahl. Der moralische Grund ist in unserem Zusammenhang aufschlußreicher, weil er den Optimismus der analytischen Philosophen der ersten Generation noch spiegelt: Der Philosoph sei heute mitverantwortlich für das Überleben der Menschheit, und sein Beitrag hierfür bestehe in der Bekämpfung der "semantische(n) Verschmutzung der geistigen Umwelt des Menschen, des einzigen redenden und systematisch Symbole benutzenden Wesens"[40]. Es scheint uns bedauerlich, daß Stegmüller in diesem Zusammenhang nicht eine Ausführung seiner Idee, die Strukturen und Gesetzmäßigkeiten im "Prozeß der philosophischen Differenzierung" aufzuschlüsseln, in Erwägung gezogen hat.[41]

Wenn wir den Gegenstand der Philosophiegeschichtsschreibung überdies nicht mehr auf das philosophische Denken der europäischen Tradition(en) einzuschränken geneigt sind, sondern die unterschiedlichen Kulturen der Menschheitsgeschichte auch hinsichtlich der darin entwickelten philosophischen Denkformen befragen, so geraten wir mit einem ausschließlich systematischen und rekonstruktiv vorgehenden Interesse an der Problemgeschichte der Philosophie bald an deutliche Grenzen. Bei der Darstellung asiatischer Philosophien erscheint diese Zugangsweise entweder als überflüssig oder als irreführend. Hier dürften sich eher solche Modelle anbieten wie eine Institutionengeschichte der Philosophie, wofür es in der marxistischen Tradition gute Beispiele gibt, oder auch Untersuchungen über kulturdominante Paradigmata bzw. Stile des Argumentierens und des Forschens.[42]

Zusammenfassend wollen wir festhalten: Es gibt keine guten Gründe mehr, weder aus dem gesicherten Thesenbestand der Analytischen Philosophie, noch aus dem Interesse, das historisches Wissen um die Philosophie überhaupt beanspruchen kann, welche eine ausschließlich problem-rekonstruierende Zugangsweise zur Geschichte der Philosophie rechtfertigen könnten. Eine weniger einseitige Untersuchung der Geschichte der Philosophie, welche dieses Unternehmen nicht nur nach seinen wirklichen oder vorgeblichen Ergebnissen, sondern auch nach seinen Bedingungen hin untersucht und zu klären sucht, würde auch für das Selbstverständnis der gegenwärtigen Philosophie fruchtbar sein.


Anmerkungen:

[*] Zuerst in: (L. Nagl u. R. Heinrich, Hg.) Wo steht die Analytische Philosophie heute? Wien: Oldenbourg 1986, S. 171-189

[1]Der Terminus "historisches Bewußtsein" wird zuerst von Wilhelm Dilthey systematisch eingeführt und verwendet. Er sieht (1867) dessen Herausbildung bei Lessing: "Auf dem teleologischen oder ideellen Grunde von Leibniz erschienen die geschichtlichen Erscheinungen als notwendige Stufen einer Entwicklung, deren Ziel Aufklärung und Vollkommenheit ist." Vgl. den Artikel "Bewußtsein, geschichtliches bzw. historisches", in: Historisches Wörterbuch der Philosophie (Hg. J. Ritter), Bd. 1, Darmstadt 1971, Sp. 897-98.

[2]Gregor Sebba, What is "History of Philosophy?", in: Journal of the History of Philosophy, vol. VIII/3 (1970, S. 252. Sebba unterscheidet "doctrinal analysis" von vergangener Philosophie von "philosophizing" insofern, als erstere "within the given material" bleibt, "and does not aim at solving the philosophical questions at stake" (ebd.). Eine ähnliche Unterscheidung schlägt Richard Rorty in seinem Beitrag "The historiography of philosophy: four genres" vor; in: Philosophy in History (Anm. 5), S. 49ff.

[3]Sebba (Anm. 2), S. 252

[4]Zur Unterscheidung der Typen vgl. Franz Wimmer, Philosophiehistorie als historische Wissenschaft, in: E. Morscher (u.a., Hg.), Philosophie als Wissenschaft, Bad Reichenhall 1981, S. 173-182. Zu Fragen der Funktion vgl. E. Lange und H. Barth, Methodologische Fragen der Geschicthe der Philosophie, in: Deutsche Zeitschrift für Philosophie 27, 9 (1979), S. 1049-58, sowie den Band: Loren Graham (u.a., Hg.), Functions and Uses of Disciplinary Histories, Dordrecht 1983 (Sociology of the Sciences, VII).

[5]Cambridge 1984.

[6]Vgl. das Foreword in Must We Mean What We Say?, New York 1969, S. XIX.

[7]Frankfurt a. M. 1982, S. IX. Vgl. auch Kurt R. Fischer, Rezension von Carl E. Schorske, Wien - Geist und Gesellschaft im Fin-de-Siècle, in: Mitteilungen der Instituts für Wissenschaft und Kunst, 2/1983, S. 45-47. [Kommentar 1996: Vgl. dazu folgende kleine Geschichte aus dem Jahr 1994: "Professor Haitsch hält den Griechisch-Lehrstuhl an der Universität Regensburg. Er gilt als einer der führenden Graecisten Deutschlands, vor allem als Plato-Spezialist.
Er hat eine frappierend selbstironisch-distanzierte Art, über sein Fach zu sprechen. "Wie Altphilologen fragen uns", erklärt er, "wie kommt Plato denn zu seinen verhältnismäßig unplausiblen Thesen? Wir bemühen uns, die Voraussetzungen zu verstehen, die den, um es überspitzt zu sagen, Unsinn plausibel machen. Die Philosophen fragen sich immer: Ist das denn so nun richtig?"
In zwei Jahren geht Professor Haitsch in den Ruhestand. Im vergangenen Wintersemester hielt er zum ersten Mal ein seit Jahren geplantes Hauptseminar gemeinsam mit Franz von Kutschera ab. Kutschera ist Dozent in Regensburg und ein führender Vertreter der analytischen Philosophie in Deutschland. Haitsch beschreibt die Veranstaltung als "fast ein Happening", und er spricht den englischen Begriff wie ein ganz aktuelles Modewort aus. Zwar ist auch Kutschera Humanist, Absolvent des Münchner Maxgymnasiums. Doch bei ihm können Studenten ihr Philosophiestudium abschließen, ohne je ein Wort Griechisch gehört zu haben. Er hält es für wichtiger, sich mit formaler Logik zu beschäftigen und fließend Englisch zu sprechen, denn "alles Wesentliche in unserem Fach kommt aus dem Englischen". Ernst Haitsch erinnert sich an seine Zeit in Göttingen, als "sich niemand in die Philosophie gewagt hätte, der kein Griechisch konnte". ...
Haben Plato, haben die alten Sprachen hier überhaupt noch einen Platz?
"Was wäre das für eine Gesellschaft, in der sie keinen Platz haben?" kontert der analytische Philosoph. "Aber braucht man denn Plato noch?"
"Irgendwie ist es eben doch interessant", sagt Kutschera. "Man entdeckt ja immer etwas Neues. Aber brauchen? Eigentlich natürlich nicht." (Zit. nach: Luyken, Reiner: "Abstieg vom Olymp". In: Die ZEIT, Dossier, Hamburg (1994 03 11) S. 19.]

[8]Vgl. A. Dantos Beitrag zu diesem Band. [Kommentar 1996: Gemeint ist: Arthur Danto: "Analytische Philosophie", in: (L. Nagl u. R. Heinrich, Hg.) Wo steht die Analytische Philosophie heute? Wien: Oldenbourg 1986, S. 37-57.]

[9]Vgl. Marx Wartofsky, Positivism and Politics. The Vienna Circle as a Social Movement, in: Schlick und Neurath, Grazer Philosophische Studien, Rudolf Haller (Hg.), Bd. 16/17, 1982, S. 79-101, und Friedrich Stadler, Otto Neurath - Moritz Schlick. Zum philosphischen und weltanschaulich-politischen Antagonismus im Wiener Kreis, ebd., S. 451-463. Siehe auch Kurt R. Fischer, Analytische Philosophie und Marxismus: Der Fall Otto Neurath, in: Arbeiterbildung in der Zwischenkriegszeit. Otto Neurath - Gerd Arntz, Friedrich Stadler (Hg.), Wien-München 1982, S 88-93. [Kommentar 1996: Vgl. ferner Carnap, Rudolf, Hans Hahn und Otto Neurath: "Wissenschaftliche Weltauffassung - Der Wiener Kreis (1929)". In: Fischer, Kurt Rudolf: (Hg.): Das goldene Zeitalter der Österreichischen Philosophie. Ein Lesebuch. Wien: WUV Universitätsverlag (1995) S. 125-172; Nemeth, Elisabeth: Otto Neurath und der Wiener Kreis. Frankfurt/M.: Campus (1981); Neurath, Otto: "Die Einheitswissenschaft und ihre Enzyklopädie (1937)". In: Fischer, Kurt Rudolf: (Hg.): Das goldene Zeitalter der Österreichischen Philosophie. Ein Lesebuch, Wien: WUV Universitätsverlag (1995) S. 205-216; Stadler, Friedrich: "Aspects of the Social Background and Position of the Vienna Circle at the University of Vienna". In: Uebel, Thomas E.: (Hg.): Rediscovering the Forgotten Vienna Circle. Kluwers Academic Publishers (1991) S. 51-77; ders: "Otto Neurath: Encyclopedist, Adult Educationalist and School Reformer". In: Uebel, Thomas E.: (Hg.): Rediscovering the Forgotten Vienna Circle. Kluwer Academic Publishers (1991) S. 255-264; ders: "Otto Neurath - Moritz Schlick: on the Philosophical and Political Antagonisms in the Vienna Circle". In: Uebel, Thomas E.: (Hg.): Rediscovering the Forgotten Vienna Circle. Kluwer Academic Publishers (1991) S. 159-168.]

[10]Wie Anm. 6, S. XIX.

[11]Vgl. Lorenz Krügers Kritik der "problem history", die er mit Recht als in der Analytischen Philosophie vorherrschend sieht, und die er gleichzeitig als "seriously incomplete" bezeichnet. In: Why do we study the history of philosophy?, in: R. Rorty (u.a., Hg.), Philosophy in History (Anm. 5), S. 88ff. Für eine breitere Information über die historischen Formen und Paradigmen der Geschichtsschreibung der Philosophie siehe Lucien Braun, Histoire de l`histoire de la philosophie, Paris 1973 (eine deutsche Übersetzung durch Franz M. Wimmer wird bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft in Darmstadt erscheinen), sowie G. Santinello (Hg.), Storia delle Storie Generali della Filosofia, Bd. 1, 2 Brrescia 1981, 1979. [Kommentar 1996: Vgl. jetzt dazu: Braun, Lucien: "Geschichte der Philosophiegeschichte". Schneider, Ulrich Johannes: (Hg.), Wimmer, Franz Martin (Übers.) Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft (1990); Longo, Mario: "Ermeneutica e storia della filosofia". In: Santinello, Giovanni und Gregorio Piaia: (Hg.): L'età hegeliana I; Padova: Antenore (1995) S. 183-348.; (= Storia delle storie generali della filosofia, Bd. IV/1); Micheli, Giuseppe: "Filosofia e storiografia: la svolta kantiana". In: Santinello, Giovanni: (Hg.): Il secondo illuminismo e l'età kantiana II; Padova: Antenore (1988) S. 879-957.; (= Storia delle storie generali della filosofia, Bd. III/2); Piaia, Gregorio: "Storia della filosofia e "histoire de l'esprit humain" in Francia tra enciclopedia e rivoluzione". In: Santinello, Giovanni: (Hg.): Il secondo illuminismo e l'età kantiana I; Padova: Antenore (1988) S. 3-268.; (= Storia delle storie generali della filosofia, Bd. III/1); Santinello, Giovanni: "Il kantismo nell'opera storiografica di J.G. Buhle". In: Santinello, Giovanni: (Hg.): Il secondo illuminismo e l'età kantiana II; Padova: Antenore (1988) S. 959-1019.; (= Storia delle storie generali della filosofia, Bd. III/2); --: (Hg.): Il secondo illuminismo a l'età Kantiana; Padova: Antenore (1988) ; (= Storia delle Storie Generali della Filosofia, Bd. 3/1, 3/2); --: "Storia della filosofia e dialettica: Hegel". In: Santinello, Giovanni und Gregorio Piaia: (Hg.): L'età hegeliana I; Padova: Antenore (1995) S. 413-509.; (= Storia delle storie generali della filosofia, Bd. IV/1)]

[12]New York 1965. Siehe auch Kurt R. Fischers Besprechung dieses Buches in The Journal of Philosophy, Sept. 21, 1967, S. 564-569.

[13]London 1900.

[14]Bertrand Russell, Denker des Abendlandes, Stuttgart 1970, S. 259.

[15]Siehe z.B. Jenseits von Gut und Böse, SS 225: "Unser Mitleiden ist ein höheres, feinsichtigeres Mitleiden - ..."

[16]Siehe Kurt Rudolf Fischer, Is Nietzsche a Philosopher?, in: Bucknell Review, Winter 1970, S. 117-130, sowie ders.: Nietzsche und der Wiener Kreis, in: Schlick und Neurath - ein Symposion, Rudolf Haller (Hg.), Amsterdam 1982, S. 255-269.

[17]Um Heidegger zu verstehen, muß man die Fragestellungen und Thesen der Phänomenologie kennen.

[18]Wien 1963.

[19]Ebd., S. 37. Siehe auch Kurt Rudolf Fischers Rezension von Küngs Buch, in: Foundations of Language, 3 (1967), S. 195-200.

[20]Ebd., S. 132

21Sheldon P. Peterfreund und Theodore C. Denise (Hg.), Princeton, N.J., 1967, S. IX.

[22]"A proposito dei nuovi aspetti della filosofia della storia della filosofia: epistemologia, ermeneutica", in: Archivio di filosofia, 1974, S. 249-82.

[23]Ebd., S. 249: "...bisogna riprendere in considerazione la fin troppo logora opinione secondo la quale la filosofia del linguaggio, nella sua tensione, o meglio passione, teoretica, sia una filosofia completamente priva di consapevolezza storica..."

[24]Vgl. C.G. Hempel, Wissenschaftliche und historische Erklärungen, in: Hans Albert (Hg.), Theorie und Realität, Tübingen 1972; Jerzy Topolski, Methodology of History, Dordrecht 1976.

[25]Michael Ayers, Analytical Philosophy and the History of Philosophy, in: J. Ree (u.a., Hg.), Philosophy and Its Past, Hassocks, Sussex 1978, S. 41-66.

[26]A Critical Exposition of Leibniz` Philosophy, London 1900, S. XI f.

[27]Philosophy and Its Past (Anm. 25), S. 43.

[28]Herbert Feigl, The Wiener Kreis in America, in: Fleming and Bailyn (Hg.), The Intellectual Migration, Europe and America 1930-1960, Cambridge, Mass. 1971, S. 659.

[29]Vgl. Bertrand Russell, Logical Positivism, Polemic (1946), sowie: Logical Positivism, in Revue Internationale de Philosophie IV (1950), ferner: The Cult of "Common Usage", in: British Journal of the Philosophy of Science, III (1953)

[30]Unser Wissen von der Außenwelt, Leipzig (1926), S. 1.

[31]Ebd., S. V.

[32]Ebd., S. 58.

[33]The Philosophy of Bertrand Russell, P.A. Schilpp (Hg.), Evanston 1944, S. 12.

[34]In: Moritz Schlick, Gesammelte Aufsätze 1926-1936, hg. von Friedrich Waismann, Wien 1938, S. 31-40, hier S. 34. [Kommentar 1996: Wieder abgedruckt in: Kurt R. Fischer (Hg.): Das goldene Zeitalter der Österreichischen Philosophie. Ein Lesebuch. Wien: WUV 1995, S. 173-180]

35In: Rudolf Haller, Heiner Rutte (Hg.), Otto Neurath: Gesammelte philosophische und methodologische Schriften, Band 1, Wien 1981, S. 306. Vgl. etwa auch A.J. Ayer, Sprache, Wahrheit und Logik, Stuttgart 1970, S. 41: "Die herkömmlichen Dispute der Philosophen sind zumeist gleichermaßen ungerechtfertigt wie unfruchtbar. Der sicherste Weg, sie zu beenden, besteht in der unzweifelhaften Feststellung dessen, was Zweck und Methode einer philosophischen Untersuchung sein sollte. Das ist nun keineswegs eine so schwierige Aufgabe ..."

[36]Analytische Philosophie, in diesem Band. [Kommentar 1996: Gemeint ist: Arthur Danto: "Analytische Philosophie", in: (L. Nagl u. R. Heinrich, Hg.) Wo steht die Analytische Philosophie heute? Wien: Oldenbourg 1986, S. 37-57.]

[37]Vgl. bes. Willard Van Orman Quine, Zwei Dogmen des Empirismus, in: J. Sinnreich (Hg.), Zur Philosophie der idealen Sprache, München 1972, S. 167-194; Morton G. White, The Analytic and the Synthetic: An Untenable Dualism, zuerst in: John Dewey: Philosopher of Science and Freedom, New York, 1950; vgl. auch Rudolf Carnap, Empirismus, Semantik und Ontologie, in: Michael Sukale (Hg.), Moderne Sprachphilosophie, Hamburg 1976.

[38]Siehe Carl Gustav Hempel, Probleme und Modifikationen des empiristischen Sinnkriteriums, in: J. Sinnreich (Hg.) (vgl. Anm. 37), S. 104-125; ders.: Der Begriff der kognitiven Signifikanz: eine erneute Betrachtung, ebd., S. 126-144.

[39]Der Wiener Kreis und die Metamorphosen seines Empirismus, in: Das geistige Leben Wiens in der Zwischenkriegszeit, hg. von Norbert Leser, Wien 1981, S. 215.

[40]Stuttgart 1975, Bd. 2, S. IXf.

[41]Stuttgart 1978, Bd. 1, S. XXXVIIIff.

[42]Dazu vgl. Johann Galtung, Struktur, Kultur und intellektueller Stil, in: Leviathan, Zeitschrift für Sozialwissenschaft 11, 1983, S. 303-338; Shigeru Nakayama, Academic and Scientific Traditions in China, Japan, and the West, Tokyo 1984; Franz M. Wimmer, Vergleichende Philosophiegeschichte als Postulat und Realität, in: CONCEPTUS XVII, Wien 1983, Nr. 42, S. 93-101; ders.: Sowjetische Philosophiehistorie - ein Beispiel für marxistische Geschichtsauffassung, in: P. Lüftenegger (Hg.), Philosophie und Gesellschaft, Wien 1984, S. 79-93.