Der einzelne in der Kultur Gedanken zu Canetti (1990)

[*]

Präludium

Die vermutete Mordserie, die im Frühjahr 1989 die öffentliche Diskussion in Österreich weitgehend bestimmte, sollte nicht ganz unvorhersehbar gewesen sein.

"Der Überlebende weiß von vielen Toten"

In den Reaktionen auf die ersten Nachrichten darüber sind die sprachlichen Reaktionen am auffälligsten. Sie waren von dreierlei Art, zwei davon für den Augenblick da und nötig, eine auf längere Verwendung, auf das Schaffen und Erhalten einer Figur ausgerichtet.
Die zwei ersten: kühl und hitzig.
Kühl und reduziert erschien zunächst in einem schwer glaubbaren Ausmaß die Umgangssprache der Handelnden. Es war die Rede von ruhigstellen, von Mundpflege, auch von Sterbehilfe. Gemeint waren damit Handlungen von Menschen, denen andere Menschen zur Pflege anvertraut waren und die jene anderen (gegen oder ohne deren Willen) zu Tode brachten. Von der Unterkühlung der beiden ersten Ausdrücke abgesehen, lag also noch eine Verkehrung des Wortes Hilfe im dritten Fall vor - gegen jemandes Willen kann man ihm nicht helfen, zumindest nicht in einem endgültigen, letalen Sinn.

Hitzig und ebenfalls reduziert war die Sprache der unmittelbaren Reaktion. Bei den (vermuteten) Akteurinnen handelte es sich um Bestien, Todesengel, ihr Handeln war unfaßbar. Die Bestie ist schlimmer als ein Tier, es handelt sich um ein Raubtier und wahrscheinlich um ein hintertückisch schlagendes. Damit ist ein instinktgeleitetes Verhalten angesprochen, die Handelnden sind eigentlich keine Menschen mehr; daß es sich um Bestien handelt, hat somit wiederum auch etwas Beruhigendes an sich. Menschen sind das nicht mehr, die Normalität hat damit nichts zu tun. Der Todesengel ist uns früher auch sonst schon begegnet, es gab diese Art von Akteuren in Auschwitz und Buchenwald. Er kommt und geht, man weiß nicht von wo und wohin. Er schlägt zu nach einem ehernen Gesetz, das wir nicht kennen. Daß er und sein Verhalten unfaßbar ist, liegt nahe: die Regeln dieses Verhaltens können nicht begreifbar sein, weil sie es nicht sein dürfen. Dabei lagen Regel und Wirklichkeit nicht so weit auseinander, daß wir nicht um die gegenwärtige Möglichkeit dieser Regel hätten wissen können. Canetti hat dies schon in seinen Ausführungen über das Ende der Klagereligionen beschrieben.

Die beiden ersten Reaktionen der Sprechenden sind nach nicht allzu langer Zeit wieder außer Gebrauch gekommen, von Aktuellerem abgelöst. Auch das Unfaßbare ist nach drei Monaten nur noch so gegenwärtig wie die Spur eines Schiffes im Meer.

Die dritte Reaktionsweise war für längere Verwendung geeignet und vorgesehen, sie war vom Streben nach Objektivierung und Distanznahme gekennzeichnet. Wörter wie System, Strukturen und Supervision vermitteln eine gewisse Sicherheit, die Geborgenheit der Verwaltung. Auch hier aber fand stets Abgrenzung, Ausgrenzung statt: nicht von den Bestien , denn der Abstand zu diesen lag auf der Hand, wohl aber von der Bevölkerung mußten die Experten sich absondern, um die wichtigen Fragen zu diskutieren. Das ging so weit, daß ein medizinischer Experte, als er im Fernsehen forderte, die Frage der Sterbehilfe zu diskutieren, klarstellen konnte, dies habe unter den Betroffenen zu geschehen, also nicht in der Öffentlichkeit. Da vom Umgang mit dem Sterben schlechthin alle betroffen sind, hätte die Entgegensetzung in jeder anderen Logik als derjenigen absurd geklungen, die den Experten als obersten Träger der kollektiven Autorität ansieht.

Was im Zusammenhang mit diesen Ereignissen in unserer Sprache und in den kollektiven Reaktionen darauf offensichtlich wurde, zeigte zugleich, warum in unserer Gesellschaft das Ereignis nicht unvorhersehbar war, und auch, wie die Reaktionen im wesentlichen darauf hinauslaufen, die Hierarchie der Autoritäten wieder herzustellen.

Konsens

Canetti schreibt:

"Die Macht der großen Klagereligionen geht ihrem Ende zu. Sie sind von der Vermehrung überwuchert und allmählich erstickt worden. In der modernen Produktion hat der alte Gehalt der Vermehrungsmeute eine so ungeheuerliche Steigerung erfahren, daß alle anderen Gehalte unseres Lebens daneben schwinden. Die Produktion spielt sich hier, in diesem irdischen Leben, ab. Ihre Rapidität und ihre unübersehbare Vielfalt erlaubt keinen Augenblick des Stillstandes und der Überlegung. Die furchtbarsten Kriege haben sie nicht erdrückt. In allen feindlichen Lagern, wie immer diese beschaffen sein mögen, ist sie gleichermaßen wirksam.

Wenn es einen Glauben gibt, dem die lebenskräftigen Völker der Erde eins ums andere verfallen, so ist es der Glaube an die Produktion, den modernen Furor der Vermehrung." [1]

Wenn dies der Grundkonsens der gegenwärtigen Gesellschaften ist, und alles spricht für Canettis These, so ist es klar, daß eine solche Gesellschaft Gebote und Verbote hat, die auf diesem Konsens fußen. Der einzelne in einer Produktionskultur steht unter Normen, die nicht immer argumentierbar sind, was zwar nicht zu einer orwell'schen Neusprache führen muß (insofern es sich dabei immer noch um etwas Geplantes, Kalkuliertes, auch Verordnetes handelte), wohl aber zu einer Doppelsprache, in der nicht gesagt wird, wovon die Rede ist.

Dem einzelnen in einer Produktionskultur ist es verboten, nutzlos zu sein. Es ist daher auch verboten, alt zu sein. Hingegen ist es geboten, lange zu leben und rüstig zu bleiben, aktiv und konsumtiv. Die Doppelsprache , in der von Senioren gesprochen werden kann, wenn alte Menschen gemeint sind, macht es auch möglich, den Schrecken vor der Ansässigkeit (am alten Ort) durch möglichst häufige und möglichst distante Transportation zu überwinden, und dies dann Reisen zu nennen. Nutzlos wäre, um an Canettis Beschreibung anzuschließen, was einen Augenblick des Stillstands kennt.

Es ist verboten, behindert zu sein. Schon das Wort behindert wird in aller Regel anders verstanden: als behindernd. Wen es betrifft, der weiß darum. Natürlich ist es geboten, Verbesserungen zu schaffen, solange sie nützen. Das ist trivial, beinahe tautologisch. Daß es nicht trivial, nicht zwingend, nicht einmal immer ratsam war unter der Herrschaft der Klagereligionen , zeigt den Abstand, der uns von ihrem Konsens trennt. Der Fall, von dem ich eingangs gesprochen habe, sollte daher nicht ganz unvorhersehbar gewesen sein: er betraf den Grundkonsens unserer Gesellschaft, und der besteht, auch gegen anderslautende Humanitätserklärungen, ganz und gar nicht unbezweifelbarerweise darin, daß

- eine nutzlose Existenz Sinn oder Anspruch auf Achtung hat oder daß

- unheilbares Leiden eine Form des Lebens ist.

Der Grundkonsens steht dem eher entgegen, aber das ist nicht das Zentrale: es berühren uns diese Fragen nicht wirklich. Sie sind exotisierbar wie die Lebensformen, die da und dort gepflegt werden, nicht weil sie den Ernst des Lebens darstellen, aus dem sie einst entstanden sind, sondern weil sie den notwendigen Unernst des Lebens kalkulierbar, archivierbar, konsumierbar machen. Gelegentlich heben sich die Minderheitenverhältnisse auf und es werden die einen zu den Exoten der anderen. Aber das geschieht nicht dann, wenn es sich um wirkliches Anderssein handelt, sondern dort, wo der Grundkonsens beide Gruppen umspannt. Der Glaube an den Wert des Uraniums ist globaler verbreitet, als jemals eine durch Missionare verbreitete Glaubensbotschaft es war. Die Botschaft der Klagereligion war dem einzelnen auch ein Mittel, um das Leben zu ertragen. Die Produktion hingegen ist das Ziel.

Welches Maß hat der einzelne in einer solchen Kultur, wie Canetti sie beschreibt?

Gibt es einen einzelnen in dieser Kultur, der das Maß darstellt, oder zumindest einen, der aufrichtig glauben kann, es zu haben? Wenn die Sozialwissenschaften nicht Normen und Wertungen begründen, sondern nur deren Wirksamkeit im Handeln beschreiben können, so fragt sich, was für den einzelnen in dieser Kultur unfaßbar ist. Es wäre immerhin möglich, daß das Verbotene nur von zweierlei Art ist: einerseits etwas, das nicht geäußert werden darf, in Wirklichkeit aber stets vorausgesetzt bleibt, wenn der Grundkonsens verfolgt wird - etwa in dem Sinn, wie Mandeville in der frühen Zeit des Kapitalismus es formuliert hat - , oder andererseits dessen offfene Verachtung. In beiden Fällen kann das Handeln sich nicht auf Wissen(schaft) stützen.

Platonisches Interludium

Sokrates diskutiert mit einem Ausländer, Menon aus Larissa, die Frage, ob Tugend gelehrt und gelernt werden könne, nachdem sie es aufgegeben haben, zu klären, was Tugend ist.

Als wirkliches Wissen, wie sie es in der Geometrie vorfinden, sehen die beiden die Tugend nicht an; nur widerstrebend aber gibt Menon schließlich zu, es sei vielleicht möglich, daß sie in gar keiner Weise gelernt werden könne. Eine Reihe mißratener Söhne großer Politiker zieht Sokrates als Beleg dafür heran, daß selbst die Praktiker staatsmännischer Tugend keine Lehrer auf diesem Gebiet seien. Woher ist dann etwas zu erhoffen?

Nur von den Göttern, resigniert Sokrates-Platon: "Nicht durch Erkenntnis, sondern durch richtige Meinung verwalten die staatskundigen Männer die Staaten, ohne, was wahre Einsicht betrifft, besser daran zu sein als die Orakelsprecher und Weissager." [2]

Wer sind, in unserer Gesellschaft, die Götter, und was sind ihre Orakelsprüche? Wer sind die Überlebenden, von denen Canetti sagt, sie wüßten von vielen Toten?

Kampf der Sonderangebote

"Jedes Land zeigt sich heute dazu geneigt, seine Produktion noch mehr als seine Menschen zu schützen." [3]

Ist der Schluß aus all den Machtmeuten der angeblichen einzelnen, in den Diktaturen, den Klagereligionen, den Ideologien oder Philosophien - nichts weiter als die illusionslose Produktion und Reproduktion zugunsten von mehr Produktion und mit Hilfe einer kalkulierbaren Dosis von Exotisierung von Raum und Zeit? Prosa endlich anstatt Epos?

Wer überlebt hier?
Anders: wie und was wollen wir oder können wir überleben?

Der Bürgerkrieg im Gebiet des Amazonaswaldes war 1989 stärker als in den Jahren davor. Das Frühjahr ist die Zeit der Brandrodungen. Chico Mendez hatte sich dagegen gestellt, wollte im Wald leben und überleben wie seit langem. Das Sammeln des Kautschuksaftes ist traditionelle, aber nicht unerläßliche Produktionsform. Vergangenen Dezember wurde er erschossen, andere seither. Nicht immer spielt sich der Kampf auf diese Weise ab, die bäuerlichen Gesellschaften in Mitteleuropa sind langsamer ausgestorben. Der Unterschied ist gering, das Ergebnis wahrscheinlich endgültig.

Der Überlebende in einer Welt, in der die Produktion und sonst nichts wirklich zählt, kann sich auch nur an seiner Verfügung über diese messen. Der Kampf findet aber nicht mehr zwischen denen statt, die Canetti Helden nennt. Er findet statt zwischen Dingen oder Verhältnissen: die vorgefertigten Bedürfnisse, die vorgegebenen Pflichten, vorfabrizierten Befriedigungen entsprechen Dingen. Und erst mit ihrer Hilfe ist der Mensch. Das ist nicht neu, es hat zu keiner Zeit, von der wir wissen, den natürlichen Menschen gegeben, der Mensch war immer und überall kultürlich. Das Neue an der Situation im Produktionszeitalter ist lediglich die Serienfertigung von Bedürfnissen, Pflichten, Befriedigungen und auch Vergehen. Darum hat die Sünde wie die Heiligkeit keine Entsprechung mehr. Man übersetze Manipulationstraktate wie die Exerzitien des Ignatius von Loyola in die Sprache der Psychologie, und das wird ganz gut gehen - bis zu dem Punkt, wo es sich um Schritte handelt, die Augustinus in intimum intimi ire genannt hat. Dort geht es nicht mehr - zumindest dann nicht, wenn Askese etwas anderes ist als ein Entfettungsverfahren und Visionen der Sache, dem Inhalt nach sich von dem unterscheiden, was eine Saftkur hervorrufen kann.

Eines hatten die alten Klagereligionen nie angegriffen: den einzelnen. Als Adressat von Seligkeit und Verdammung spielt sich seine wesentliche Geschichte zwar immer anderswo ab (was Marx kritisiert), aber sie war doch auch immer seine sehr eigene Geschichte (was Feuerbach sieht).

Demgegenüber sind wir heute imstande, uns von außen zu sehen, in der Rolle, der Funktion, die wir sind. Religionen wie Helden waren dazu nicht imstande. Das verändert die Natur der Machtverhältnisse zwischen Menschen ebenso wie die Phrase, in der Macht sich ausdrückt: Verkündigung, Befehl, Werbung.

Die Phrase der Macht unter den Bedingungen der Produktion als höchstem Wert ist die Werbung. Eine Handvoll Agenturen kann die Wünschgewohnheiten einer ganzen Region verändern. Rituale haben sich eingespielt, die an die Rituale der Religionen erinnern: sich wiederholende messages zu stets gleichen Zeiten oder als alles unterbrechende Fixpunkte inmitten anderer Bildgeschichten. Wiederholend wie Litaneien oder meditative Gesänge, rhythmisch im Tagesgeschehen, im Lauf der Woche und des Jahres. Das produziert Lebenshilfe.

Der Überlebende im Zweikampf (Canettis Held ) hatte es mit einigen oder mit einem Gegner zu tun. Der Überlebende im Produktions- und Konsumkampf sieht sich einer Hydra der Bedürfnisse gegenüber, wobei die Werbung ihm den Weg weist. Es ist ein stets vorläufiger Weg zu einem stets vorläufigen Ziel, der Hydra wachsen die Köpfe bekanntlich schneller nach, als man sie abschlagen kann. Er muß sich mit ungekannten, stets neuen, anonymen, und doch stets auch vertrauten Gegnern befassen: mit dem, was noch nicht ist, aber werden kann. Die Zahl und Art der virtuellen Bedürfnisse ist unendlich. Sie sind die wahre Wirklichkeit, die doch stets nur Möglichkeit bleibt, Versprechen: das Versprechen der Steigerung von Erleben, Vorstellen, Erinnern, Kommunikation. Dabei ist fraglich, welchem Individuum diese Bedürfnisse entspringen oder ob es diese Einheit des einzelnen im Verhältnis des Beworbenseins noch gibt. Gemeinsam ist den Bedürfnissen, daß sie einen aktiven, potenten Rezipienten voraussetzen oder schaffen, daß sie die Ewigkeit in der Zeit, die Unendlichkeit der Varietät und der Qualität darstellen.

Das ist mehr und anderes, als was wir Wachstum bei Naturwesen nennen. Manche Tiere bekommen, wenn ihre Art gefährdet ist, mehr Junge (so heißt es von den Füchsen). Das Wachstum der Produktion und Reproduktion hat andere Gründe, es ist kultürlich und nicht natürlich.

Dem einzelnen steht das Angebot der Produktion gegenüber, es wird zum Sonderangebot. Der Überlebende überlebt, weil er das Sonderangebot ergreift, das im Grunde jedes beworbene Produkt darstellt. Auch die canetti'schen Klagereligionen hatten ein Angebot gemacht: das der eigenen, unaustauschbaren Existenz. Deren Nachfolge in der Produktionssteigerung hat die Auswechselbarkeit der Dinge, Weltgegenden, Menschheitskulturen, Lebensformen angetreten: in der Wahl zwischen Angeboten entsteht der einzelne in der Produktionskultur. Die Ethnie, der jemand in der Produktionskultur angehört, ist eine Wahlethnie eher denn eine Herkunftsethnie. Doch wer wählt und nach welchem Maß?

In dieser Situation verliert die ideologisch-politische Gruppe ihre Fähigkeit, eine Alternative zu einem pluralistischen Warten auf Sonderangebote zu sein. Die Erben der Klage- und Sinnreligionen finden sich mit angebotenen Möglichkeiten ab, und das trifft auch noch auf die Religionsangebote zu.

Ein Zeichen dafür ist, daß Utopia innerhalb der Grenzen des Systems liegt. Dieses selbst ist offen, hat daher notwendigerweise seine Aussteiger und Alternativen, doch bleiben sie im Rahmen des Produktions- und Werbungsrituals marginal. Dabei stehen Mittel zur Verfügung, die jeweilige eigene Saga neu entstehen zu lassen: im privaten Archiv, den konservierten und dokumentierten Erinnerungen und Fantasien, zu deren Erstellung und Verwaltung massenweise Hilfsmittel zur Verfügung stehen, von deren Perfektion und Leistung sich die Helden keine Vorstellung hatten machen können, man denke nur an eine Videokamera, eine Dia-Sammlung oder an eine private Computer-Datenbank. Dies ist, so aufwendig der Betrieb auch ist, doch nur Teil einer allgemeinen Kultur der Öffentlichkeit und der Sagenbildung. Nicht mehr national-großbürgerliche Höhenflüge ermöglicht die Saga unserer Zeit, sie hat andere Funktionen. Als Anklage ersetzt sie das moralische Argument, was eigentümlich ist, da gleichzeitig die Wertneutralität des Dokuments kaum bezweifelt wird. Als Prothese ersetzt sie die eigene Identität im (zeitweisen) Ausweg aus der Existenzform des Beworbenseins. Das moralische Argument ist auf eine Feststellung beschränkt, auf die Feststellung einer Bedürfnisbefriedigung oder deren Verweigerung.

Waren die Zentren der archaischen Religionen illusionär, so sind die De-Zentren der modernen Welt Knoten und Inseln, nicht illusionär zwar, aber im Netzwerk von Transport und Kommunikation virtuell. Wo der einzelne steht oder lebt, ist belanglos, solange alle Stellen im Netz besetzt sind. Es scheint mir, daß Canetti in Masse und Macht das Bewußtsein eines nicht-illusionären Zentrums befördern will. Sein Weg zu diesem Ziel ist die Analyse der Geschichte und der Geschichten; also dessen, was geschieht, und dessen, was darüber gedacht und berichtet wird. Es gibt nie das eine ohne das andere. Die Geschichte, die hier von der Macht und vom Befehl be-sprochen wird, ist geeignet, die Geschichte alltäglicher Macht durchsichtiger zu machen.


[*] Zuerst in: J. Patillo-Heß, (Hg.) Tod und Verwandlung in Canettis Masse und Macht. Wien: Kunstverein Wien 1990 (= Canetti Symposion), S. 126-131

[1] Canetti, E. (1960). Masse und Macht . München: Hanser. Bd.II, 214

[2] Platon. Menon. 99b-c

[3] Canetti, E. (1960). Masse und Macht . München: Hanser, Bd.II, 216