Entwurf eines Klassifikationsschemas für philosophische Positionen (1990)

[*]

Zusammenfassung:
Der vorliegende Vorschlag, philosophische Lehren ("Positionen") zu klassifizieren, sucht von traditionellen Benennungen frei zu bleiben, ob diese in Unterscheidungen einer "östlichen" von einer "westlichen", einer "kontinentalen" von einer "analytischen" Tradition gesehen werden o. ä. Ich vertrete die These, daß über philosophische Positionen in rein systematischen Begriffen gesprochen werden kann. Ein solcher Zugang scheint nützlich, wenn wir philosophische Traditionen so unvoreingenommen wie möglich diskutieren wollen. In diesem vorliegenden Formulierungsversuch der Klassifikation werden keine Beispiele gegeben. Die zur Klassifikation verwendeten Begriff sind, was den in philosophischen Theorien behandelten Gegenstandsbereich betrifft: Ontologie, Erkenntnistheorie und Moraltheorie; materielle bzw. immaterielle Entitäten, die jeweils vorausgesetzt oder behauptet werden. Aus deren Setzung bzw. Leugnung für die genannten Bereiche ergeben sich (z.B. ontologischer) Realismus, Materialismus, Idealismus oder Nihilismusn. Die logische Verträglichkeit der möglichen Kombinationen wird diskutiert.

Summary:
The following proposal of classifying philosophical doctrines ("positions") tries to be independent from traditional coinings, be they found in distinctions like Eastern vs. Western, Analytical vs. Continental philosophy etc. It is argued that there can be thought of philosophical positions in the light of purely systematic terms. Such an approach seems to be useful if we want to discuss philosophical traditions in a way which is as unbiased as possible. There are not given examples in this first formulation of the classification. The concepts used to classify are: ontology, epistemology, and moral theory as far as the subject is concerned philosophical theories are supposed to deal with; and material vs. immaterial entities which are presupposed in a philosophical doctrine. By claiming or negating such entities with respect to the different fields the positions of (e.g., ontological) realism, materialism, idealism, or nihilism are founded. Logical compatibility of the possible combinations is discussed.

Klassifikationen von philosophischen Positionen oder Traditionen sind in der Philosophiehistorie unerläßlich, sie werden aber auch sonst häufig gebraucht, um bestimmte Schulen oder Richtungen auszugrenzen bzw. andere als klassisch darzustellen; Klassifikationen dienen in diesem Bereich also nicht nur der Ökonomie der Darstellung, sondern auch der Merk- und Lernbarkeit des historischen Materials. Nun gibt es allerdings im Bereich der Klassifikationen kaum so etwas wie eine systematische Behandlung des Stoffes, wenigstens nicht, soweit umfassende Darstellungen gemeint sind. Ich will daher den Versuch unternehmen, eine solche systematische Klassifikation von philosophischen Positionen zu entwickeln. Dabei sind die allgemeinen Voraussetzungen einer korrekten Klassifikation zu beachten: es muß auf Vollständigkeit und Distinktheit der klassifizierenden Begriffe geachtet werden - was allerdings die Klassifikation leicht in die Gefahr bringt, daß ihre Anwendbarkeit wegen einer scheinbar zu großen Entfernung der klassifizierenden Begriffe von der Sprache der Philosophen von vornherein geleugnet wird.

Die vorgeschlagene Klassifikation wird daher in einer gewissen Weise überkomplett zumindest im Vergleich zu jeder besonderen philosophischen Tradition und Kultur sein. Sie muß von ihrem Anspruch her (auch solche) Positionen verzeichnen, von denen ich nicht weiß, ob (und nicht annehme, daß) sie irgendwann in der Geschichte des philosophischen Denkens vertreten worden sind oder werden. Es ist kein großer theoretischer Aufwand, solche Positionen als bloße Denkmöglichkeiten bestehen zu lassen und sich höchstens zu überlegen, warum ihr Vorkommen so unwahrscheinlich ist. Daneben aber gibt es meinem Eindruck nach eine Reihe von Positionen, die nur selten oder vorübergehend vertreten worden sind, aber auch andere, die so häufig sind, daß die Besonderheiten eines Autors durch die Klassifikation unsichtbar zu werden drohen. Doch scheint mir all das nicht gegen meinen Vorschlag zu sprechen: die individuellen Züge eines Autors oder einer Autorin kann ohnehin keine Klassifikation erfassen, sie müssen anders zur Darstellung kommen; die selten vertretenen Positionen jedoch, auf die man vielleicht erst mit Hilfe der Klassifikation stößt, bahnen unter Umständen eine im Rückblick sehr wichtige und auch folgenreiche Geschichte an.

Eine zweite Schwierigkeit bei der Anwendung der Klassifikation kann sich ferner daraus ergeben, daß ein und derselbe Autor (vielleicht sogar in einem und demselben Text) mehrere der unterschiedenen Positionen vertritt, und somit die Merkbarkeit des Dargestellten bei Anwendung dieser Klassifikation vermindert, nicht erhöht werden könnte. Dieser Eindruck trügt jedoch und verweist im Grunde auf den Vorzug eines sehr allgemeinen Klassifikationsschemas: es ist gerade nicht der Fall, daß alle -kennenswerten - Autoren, Autorinnen, Texte der Philosophie ganz konsistent sind oder irgendeiner bestimmten Interpretenschule zu irgendeiner bestimmten Zeit so erscheinen. Dies fällt, wenn gewohnte Traditions- und Kulturgrenzen in der Forschung überschritten werden, noch stärker ins Auge. Diesem Umstand Rechnung zu tragen, ist daher eher ein Vorzug, als ein Mangel der Klassifikation.

Einen weiteren Mangel könnte jemand in der Schreibweise sehen, die ich im folgenden verwenden will, weil diese zumindest teilweise formal ist. Diese Sprache ist hier jedoch bewußt gewählt. Die mir bekannten langsprachigen klassifikatorischen Benennungen sind eben zu uneindeutig oder haben bei unterschiedlichen Sprachbenutzern zu verschiedene Konnotationen, als daß ihre Verwendung zu klassifikatorischen Zwecken dienlich sein könnte. Wer überhaupt ein Schema dafür vorschlägt, ist gezwungen, Termini neu zu definieren und auszudrücken. Wenn dann einmal die innerhalb eines neuen Schemas möglichen Positionen deutlich sind, können auch wieder neue Benennungen gefunden werden, die weniger formal sind. Beispielsweise könnte jene philosophische Position, die ich "M1" nenne, in der Darstellung der Philosophie der indischen Antike als "Carvaka-Materialismus", in der Darstellung der Philosophie der griechischen Antike als "Demokrit-Materialismus" bezeichnet werden, der deutlich unterschieden wäre vom "Epikur-Materialismus", den ich am ehesten als einen Fall von "M17" ansehe. Was damit gemeint ist, wird gleich deutlich werden, für den Moment dürfte immerhin klar sein, daß eine ziemlich lange Reihe von konsistenten, aber unterschiedlichen Formen von "M" = "Materialismus" in dem vorgeschlagenen Schema unterscheidbar sind. Dasselbe wird auf "I" = "Idealismus", "R" = "Realismus" und "N" = "Nihilismus" zutreffen, womit auch schon alle Grundpositionen genannt sind, die das Schema unterscheidet.

Grob gesprochen kann man zwei Arten von Klassifikationsbegriffen in der Historiographie der Philosophie vorfinden, die jeweils entweder von Fragestellungen der Philosophie selbst ausgehen, also philosophie-immanent sind, oder diese Fragestellungen grundsätzlich transzendieren, zu ihnen in einem kontingenten Verhältnis stehen.

Zu den ersteren zähle ich z.B. die Ausdrücke: "Realismus", "Materialismus", "Idealismus", "Nihilismus" (die ich in technischer Bedeutung selbst verwenden will), aber auch "Skeptizismus", "Rationalismus", "Empirismus", "Monismus" u.ä.

Zur zweiten Gruppe gehören Ausdrücke wie: "Griechische Philosophie", "Abendländische" oder "Chinesische Philosophie", "Christliche Philosophie", "Scholastik" u.ä. Deren interpretatorischer Bezugsrahmen ist weniger als im ersten Fall die Philosophie selbst, sondern etwas, worin die Philosophie eine vielleicht wichtige, aber eben doch nur eine teilweise Rolle spielt oder eine bestimmte Art der Organisation von Forschung und Darstellung entwickelt.

Mischformen, die eigentümliche Lehren von Schultraditionen oder Schulgründern, oder auch bestimmte Wirkungszusammenhänge als klassifizierendes Merkmal annehmen, sind etwa "Platonismus", "Stoa", "Neuplatonismus", "Thomismus", "Kantianismus", "Deutscher Idealismus", "Marxismus" u.ä. Wenn dann noch der Deutlichkeit halber unterschieden wird zwischen "thomasisch" und "thomistisch" oder zwischen "marx'sch" und "marxistisch", so wird dadurch jedenfalls eines deutlich: es braucht geradezu eine Initiation, um sich in solchen Klassifikationen zurechtzufinden.

Die herkömmlichen Modi des Klassifizierens in der Philosophiehistorie, soweit sie mir bekannt sind, sind von bemerkenswerter Urwüchsigkeit und Unübersichtlichkeit.[1] Ich halte mich daher in dieser Frage nicht an Vorbilder.

Die im folgenden vorgeschlagene Klassifikation arbeitet grundsätzlich mit philosophie-immanenten Ausdrücken und Begriffen. Als unproblematisch setze ich voraus, daß bei einer Klassifikation in philosophiehistorischer Absicht Systeme von Sätzen zu klassifizieren sind, die in philosophiehistorisch relevanten Quellen vorkommen. Solche Systeme (die manchmal auch als "Standpunkte" oder "Richtungen" bezeichnet werden) nenne ich einheitlich 'Positionen'.

Philosophische Positionen werden entsprechend dem darin erkennbaren Behaupten und Anerkennen oder dem Negieren von sehr allgemeinen Thesen über 'Materielles' und 'Immaterielles' klassifiziert. Da philosophische Positionen sich auch danach unterscheiden, über welche Bereiche der Wirklichkeit sie Thesen behaupten oder negieren, nehme ich drei Bereiche als grundlegend heraus, die insofern zentral sind, als sich Thesen einer bestimmten philosophischen Position, die sich auf andere als diese drei Bereiche beziehen (z.B. auf Natur- oder Geschichtsphilosophie u.s.w.) mit Hilfe von Thesen über diese drei Bereiche jeweils begründet werden können. Diese drei Bereiche sind: 'Ontologie', 'Erkenntnistheorie' und 'Moraltheorie'[2].

Ich werde hier nicht den Versuch unternehmen, die Ausdrücke'materiell' und 'immateriell' , die zur Klassifizierung verwendet werden, zu definieren. Dies führt sicherlich zu Schwierigkeiten bei der Anwendung des vorgeschlagenen Schemas, etwa bei der Beantwortung der Frage, ob in einem gegebenen Text eine These enthalten sei, die mit Gewißheit in einer der klassifizierenden Thesen übersetzt werden kann. Im Rahmen des schematischen Entwurfs scheint es mir jedoch weder möglich noch notwendig, diese Schwierigkeit zu vermeiden (die übrigens, wenn sie zu interessanten Interpretationsfragen führt, auch fruchtbar ist): es handelt sich in erster Linie um eine philologisch-hermeneutische Frage. Das heißt: es wird zur Beantwortung der Frage, welchem Typus unseres Schemas eine bestimmte, quellenkritisch gesicherte Äußerung zuzurechnen ist, jeweils genauer Interpretationsmethoden bedürfen; diese jedoch sind bei Anwendung jedes denkbaren Klassifikationsschemas zu beachten, sie wären nur dann überflüssig, wenn die Interpreten sich jederzeit und ausschließlich nach dem jeweiligen Ausdrucksverhalten und Stil ihrer Quellen orientieren würden, was aber nur auf eine synkretistische, nicht einmal mehr eklektische Weise möglich wäre und dann nicht zu gediegenen Interpretationen führen würde.[3]

Das Schema der Klassifikation wird nun auf folgende Weise entwickelt:
Im ersten Schritt werden jeweils vier Grundtypen ontologischer, erkenntnistheoretischer oder moraltheoretischer Positionen definiert. Dies geschieht durch die Konjunktion von jeweils einer These über Materielles mit einer These über Immaterielles.[4]
Im zweiten Schritt werden die Voraussetzungen genannt, unter denen die somit gewonnenen Typen ontologischer, erkenntnistheoretischer oder moraltheoretischer Positionen miteinander kombiniert werden können, sodaß Typen logisch verträglicher philosophischer Positionen gewonnen werden, welche Thesen über alle drei Bereiche enthalten.
Im dritten Schritt folgt die Unterscheidung von logisch verträglichen und logisch unverträglichen philosophischen Positionen, wodurch die Aufzählung möglicher philosophischer Positionen ausgeführt werden kann.

1 Definition ontologischer, erkenntnistheoretischer und moraltheoretischer Grundtypen

1.1 Ontologie

Zur Definition von ontologischen Grundtypen wird die Konjunktion zweier (als wahr behaupteter bzw. vorausgesetzter, oder aber geleugneter) Thesen verwendet, in denen die Existenz oder Nichtexistenz von Materiellem oder Immateriellem ausgesagt wird.

Die erste These ('T1' ) in ontologischer Formulierung ('o' ) lautet:
df. T1o: "Mindestens ein Materielles existiert."
Die zweite These ('T2' ) in ontologischer Formulierung ('o' ) lautet:
df. T2o: "Mindestens ein Immaterielles existiert."

Beide definierten Thesen sind ihrer Form nach partikuläre Sätze, bei deren Negation sich jeweils ein Allsatz ergibt. Es ist zu beachten, daß 'materiell sein' und 'existieren' nicht synonym sein dürfen. Wäre hier eine Synonymität gegeben, so ergäbe die Negation von T2o einen analytisch wahren Satz, der nichts über Faktisches aussagen würde.

In einer ontologischen Position können entweder beide Thesen behauptet bzw. als wahr vorausgesetzt werden; oder es kann eine der beiden Thesen geleugnet werden bei Behauptung oder Anerkennung der jeweils anderen; es können auch beide geleugnet werden. Diese Möglichkeiten ergeben die folgenden Typen:

1.11 Ontologischer Realismus

Von 'ontologischem Realismus' ('Ro' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1o als auch T2o als wahr behauptet oder vorausgesetzt werden. Die Konjunktion von T1o und T2o bezeichne ich also mit Ro:
df. Ro: (T1o & T2o )

1.12 Ontologischer Materialismus

Von 'ontologischem Materialismus' ('Mo' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1o als wahr behauptet oder vorausgesetzt, T2o aber geleugnet wird. Die Konjunktion von T1o und ~T2o bezeichne ich also mit Mo:
df. Mo: (T1o & ~T2o )

1.13 Ontologischer Idealismus

Von 'ontologischem Idealismus' ('Io' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1o geleugnet, T2o aber als wahr behauptet oder vorausgesetzt, wird. Die Konjunktion von ~T1o und T2o bezeichne ich also mit Io:
df. Io: (~T1o & T2o )

1.14 Ontologischer Nihilismus

Von 'ontologischem Nihilismus' ('No' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1o, als auch T2o geleugnet wird. Die Konjunktion von ~T1o und ~T2o bezeichne ich also mit No:
df. No: (~T1o & ~T2o )

1.2 Erkenntnistheorie

Parallel zum Fall der ontologischen Positionen wird auch zur Definition erkenntnistheoretischer Typen die Konjunktion zweier (als wahr behaupteter bzw. als wahr vorausgesetzter oder aber geleugneter Thesen verwendet, in denen Erkenntnisgegebenheit über Materielles bzw. Immaterielles ausgesagt wird. Die beiden Thesen lauten:
df. T1e: "Mindestens ein Materielles ist Erkenntnisgegenstand."
df. T2e: "Mindestens ein Immaterielles ist Erkenntnisgegenstand."

Beide Thesen sind der Form nach partikuläre Sätze, bei deren Negation sich jeweils ein Allsatz ergibt.

Es ist zu beachten, daß 'materiell sein' bzw. 'immateriell sein' und 'Erkenntnisgegenstand sein' nicht synonym sein dürfen. Auch hier ergäbe sonst die Negation der zweiten These einen analytisch wahren Satz.[5]

In einer erkenntnistheoretischen Position können wiederum entweder beide Thesen behauptet oder als wahr vorausgesetzt werden; es kann eine der beiden Thesen geleugnet werden bei gleichzeitiger Behauptung oder Anerkennung der jeweils anderen; oder es können beide geleugnet werden. Somit ergeben sich wieder vier mögliche Typen:

1.21 Erkenntnistheoretischer Realismus

Von 'erkenntnistheoretischem Realismus' ('Re' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1e als auch T2e als wahr behauptet oder vorausgesetzt werden. Die Konjunktion von T1e und T2e bezeichne ich also mit Re:
df. Re: (T1e & T2e )

1.22 Erkenntnistheoretischer Materialismus

Von 'erkenntnistheoretischem Materialismus' ('Me' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1e als wahr behauptet oder vorausgesetzt, T2e aber geleugnet wird. Die Konjunktion von T1e und ~T2e bezeichne ich also mit Me:
df. Me: (T1e & ~T2e )

1.23 Erkenntnistheoretischer Idealismus

Von 'erkenntnistheoretischem Idealismus' ('Ie' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1e geleugnet, T2e aber als wahr behauptet oder vorausgesetzt, wird. Die Konjunktion von ~T1e und T2e bezeichne ich also mit Ie:
df. Ie: (~T1e & T2e )

1.24 Erkenntnistheoretischer Nihilismus

Von 'erkenntnistheoretischem Nihilismus' ('Ne' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1e, als auch T2e geleugnet wird. Die Konjunktion von ~T1e und ~T2e bezeichne ich also mit Ne:
df. Ne: (~T1e & ~T2e )

1.3 Moraltheorie

Zur Definition moraltheoretischer Typen wird ebenfalls die Konjunktion zweier (als wahr behaupteter bzw. als wahr vorausgesetzter oder aber geleugneter) Thesen verwendet, in denen die Qualität des Gutseins von Materiellem bzw. von Immateriellem ausgesagt wird.[6]

Die beiden Thesen lauten:
df. T1m: "Mindestens ein Materielles ist gut."
df. T2m: "Mindestens ein Immaterielles ist gut."

Wiederum sind die Thesen ihrer Form nach partikuläre Sätze, deren Negation einen Allsatz ergibt. Es ist auch hier wichtig, daß 'materiell sein' und 'gut sein' nicht synonym sein dürfen. Wir würden sonst wiederum durch die Negation von T2e einen analytisch wahren Satz erhalten.

In einer moraltheoretischen Position können entweder beide angeführten Thesen behauptet oder als wahr vorausgesetzt werden; oder es kann eine der beiden Thesen geleugnet werden bei gleichzeitiger Behauptung oder Anerkennung der jeweils anderen; es können schließlich auch beide geleugnet werden. Durch diese Möglichkeiten ergeben sich folgende Typen:

1.31 Moraltheoretischer Realismus

Von 'moraltheoretischem Realismus' ('Rm' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1m als auch T2m als wahr behauptet oder vorausgesetzt werden. Die Konjunktion von T1m und T2m bezeichne ich also mit Rm:
df. Rm: (T1m & T2m )

1.32 Moraltheoretischer Materialismus

Von 'moraltheoretischem Materialismus' ('Mm' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1m als wahr behauptet oder vorausgesetzt, T2m aber geleugnet wird. Die Konjunktion von T1m und ~T2m bezeichne ich also mit Mm:
df. Mm: (T1m & ~T2m )

1.33 Moraltheoretischer Idealismus

Von 'moraltheoretischem Idealismus' ('Im' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn T1m geleugnet, T2m aber als wahr behauptet oder vorausgesetzt, wird. Die Konjunktion von ~T1m und T2m bezeichne ich also mit Im:
df. Im: (~T1m & T2m )

1.34 Moraltheoretischer Nihilismus

Von 'moraltheoretischem Nihilismus' ('Nm' ) soll im folgenden genau dann gesprochen werden, wenn sowohl T1m, als auch T2m geleugnet wird. Die Konjunktion von ~T1m und ~T2m bezeichne ich also mit Nm:
df. Nm: T1m & ~T2m )

2 Voraussetzungen für die Unterscheidung verträglicher und unverträglicher Positionen

Voraussetzung (1): Jeder Satz ist aus sich selbst ableitbar.

Unter der Voraussetzung (1) erhalten wir ein allgemeines Kriterium für die Unterscheidung logisch unverträglicher Positionen:

Krit. I:Unter der Voraussetzung (1) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die eine der angeführten Thesen (T1 oder T2) und deren Negation enthalten.

a) Also alle Positionen, die (T1o & ~T1o) enthalten.
b) Alle Positionen, die (T2o & ~T2o) enthalten.
c) Alle Positionen, die (T1e & ~T1e) enthalten.
d) Alle Positionen, die (T2e & ~T2e) enthalten.
e) Alle Positionen, die (T1m & ~T1m) enthalten.
f) Alle Positionen, die (T2m & ~T2m) enthalten.

Unter bestimmten philosophischen Voraussetzungen ergeben sich weitere Kriterien für die Abgrenzung von logisch verträglichen und logisch unverträglichen Positionen. Diese Voraussetzungen betreffen die Ableitbarkeit von erkenntnistheoretischen und moraltheoretischen Sätzen aus ontologischen Sätzen, von ontologischen und moraltheoretischen Sätzen aus erkenntnistheoretischen Sätzen und von ontologischen und erkenntnistheoretischen Sätzen aus moraltheoretischen Sätzen.

Diese Voraussetzungen ergeben sechs weitere Kriterien und können als Implikationen angeschrieben werden:

Voraussetzung (2): (T1o impliziert T1e) und (T2o impliziert T2e)

Voraussetzung (3): (T1o impliziert T1m) und (T2o impliziert T2m)

Voraussetzung (4): (T1e impliziert T1o) und (T2e impliziert T2o)

Voraussetzung (5): (T1e impliziert T1m) und (T2e impliziert T2m)

Voraussetzung (6): (T1m impliziert T1o) und (T2m impliziert T2o)

Voraussetzung (7): (T1m impliziert T1e) und (T2m impliziert T2e)

Aus den Voraussetzungen (2) bis (7) können nun weitere Kriterien für die Unterscheidung logisch verträglicher von logisch unverträglichen Positionen (unter bestimmten, nicht universell anerkannten Bedingungen) formuliert werden.

Krit. II: Unter der Voraussetzung (2) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1o & ~T1e) oder (T2o & ~T2e)

Krit. III: Unter der Voraussetzung (3) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1o & ~T1m) oder (T2o & ~T2m)

Krit. IV: Unter der Voraussetzung (4) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1e & ~T1o) oder (T2e & ~T2o)

Krit. V: Unter der Voraussetzung (5) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1e & ~T1m) oder (T2e & ~T2m)

Krit. VI: Unter der Voraussetzung (6) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1m & ~T1o) oder (T2m & ~T2o)

Krit. VII: Unter der Voraussetzung (7) sind nur diejenigen Positionen logisch unverträglich, die folgende Sätze enthalten: (T1m & ~T1e) oder (T2m & ~T2e)

Es gibt 64 mögliche Kombinationen der Kriterien II-VII unter der Annahme, daß Kriterium I immer angewendet wird.[7] Von diesen möglichen Kombinationen scheinen vor allem vier für den Zweck eines Klassifikationsschemas von Interesse zu sein:
Krit. I
Krit. I und IV
Krit. I und VI
Krit. I und IV und VI

3.1 Verträglichkeit und Unverträglichkeit nach Kriterium I:

Legen wir Krit. I zugrunde, so sind folgende Positionen, welche jeweils Thesen über zwei Bereiche enthalten, logisch unverträglich:

a) (Ro & Io), (Ro & No), (Mo & Io), (Mo & No)
b) (Ro & Mo), (Ro & No), (Io & No)
c) (Re & Ie), (Re & Ne), (Me & Ie), (Me & Ne)
d) (Re & Me), (Re & Ne), (Ie & Ne)
e) (Rm & Im), (Rm & Nm), (Mm & Im), (Mm & Nm)
f) (Rm & Mm), (Rm & Nm), (Im & Nm)

Da es sich bei den hier zu untersuchenden Zweierkombinationen jeweils um symmetrische Relationen der Verträglichkeit bzw. Unverträglichkeit handelt (z.B.: wenn (Ro & Io) unverträglich ist, so ist auch (Io & Ro) unverträglich). Da alle diejenigen Positionen, die nicht logisch unverträglich sind, als logisch verträglich angesehen werden und die Kombination von identischen Positionen jeweils ausgeschieden werden kann (z.B.: (Ro & Ro) = Ro ), haben wir unter Krit. I also 48 logisch verträgliche Kombinationen von jeweils zwei Thesenbereichen. Um nun die Verträglichkeit zwischen jeweils drei Thesenbereichen (also im Normalfall dessen, was ich 'philosophische Position' genannt habe) festzustellen, halten wir uns an die Regel, daß eine solche dreifache Kombination nur dann unverträglich ist, wenn mindestens eine der darin enthaltenen Kombinationen von zwei Thesenbereichen unverträglich ist.

Je nach dem Zweck der Klassifikation können wir diejenigen verträglichen Positionen, in denen jeweils Thesen sowohl über den ontologischen, als auch über den erkenntnistheoretischen, als auch über den moraltheoretischen Bereich aufgestellt werden, entsprechend den vier Grundtypen auflisten. Wir sprechen von 'realistischen' Positionen, ("R") dann, wenn mindestens über einen Bereich realistische Thesen behauptet werden, von 'materialistischen' Positionen ("M") dann, wenn über mindestens einen Bereich materialistische Thesen behauptet werden, von 'idealistischen' Positionen ("I") dann, wenn über mindestens einen Bereich idealistische Thesen behauptet werden und von 'nihilistischen' Positionen ("N") dann, wenn über mindestens einen Bereich nihilistische Thesen behauptet werden. Es ist klar, daß daher in der folgenden Aufzählung eine Reihe von Überschneidungen vorkommt (z.B. ist "R"2 gleich "M"29; "R"7 ist gleich "M"19 und gleich "I"30 etc.).7 7. Diese Überschneidungen sind nur hinsichtlich der Klassifikation selbst ohne Belang; für die Interpretation und Darstellung philosophiegeschichtlicher Sachverhalte kann es von großer Bedeutung sein, welcher Teilbereich einer Position von den ursprünglichen Autoren und welcher von den späteren Interpreten als grundlegend angesehen wurde. Daraus ergeben sich, wie sich an den wechselnden Darstellungen historischer Autoren leicht zeigen läßt, entscheidende Unterschiede.

Wir erhalten somit an Typen verträglicher Positionen unter Zugrundelegung von Kriterium I:

a) Realistische Positionen "R"1 - "R"37

"R"1: [Ro & Re & Rm]

"R"2: [Ro & Re & Mm]

"R"3: [Ro & Re & Im]

"R"4: [Ro & Re & Nm]

"R"5: [Ro & Me & Rm]

"R"6: [Ro & Me & Mm]

"R"7: [Ro & Me & Im]

"R"8. [Ro & Me & Nm]

"R"9. [Ro & Ie & Rm]

"R"10. [Ro & Ie & Mm]

"R"11. [Ro & Ie & Im]

"R"12. [Ro & Ie & Nm]

"R"13. [Ro & Ne & Rm]

"R"14. [Ro & Ne & Mm]

"R"15. [Ro & Ne & Im]

"R"16. [Ro & Ne & Nm]

"R"17. [Mo & Re & Rm]

"R"18. [Mo & Re & Mm]

"R"19. [Mo & Re & Im]

"R"20. [Mo & Re & Nm]

"R"21. [Mo & Me & Rm]

"R"22. [Mo & Ie & Rm]

"R"23. [Mo & Ne & Rm]

"R"24. [Io & Re & Rm]

"R"25. [Io & Re & Mm]

"R"26. [Io & Re & Im]

"R"27. [Io & Re & Nm]

"R"28. [Io & Me & Rm]

"R"29. [Io & Ie & Rm]

"R"30. [Io & Ne & Rm]

"R"31. [No & Re & Rm]

"R"32. [No & Re & Mm]

"R"33. [No & Re & Im]

"R"34. [No & Re & Nm]

"R"35. [No & Me & Rm]

"R"36. [No & Ie & Rm]

"R"37. [No & Ne & Rm]

a) Materialistische Positionen "M"1 - "M"37

"M"1: [Mo & Me & Mm]

"M"2: [Mo & Me & Rm]

"M"3: [Mo & Me & Im]

"M"4: [Mo & Me & Nm]

"M"5: [Mo & Re & Mm]

"M"6: [Mo & Re & Rm]

"M"7: [Mo & Re & Im]

"M"8. [Mo & Re & Nm]

"M"9. [Mo & Ie & Mm]

"M"10. [Mo & Ie & Rm]

"M"11. [Mo & Ie & Im]

"M"12. [Mo & Ie & Nm]

"M"13. [Mo & Ne & Mm]

"M"14. [Mo & Ne & Rm]

"M"15. [Mo & Ne & Im]

"M"16. [Mo & Ne & Nm]

"M"17. [Ro & Me & Mm]

"M"18. [Ro & Me & Rm]

"M"19. [Ro & Me & Im]

"M"20. [Ro & Me & Nm]

"M"21. [Io & Me & Mm]

"M"22. [Io & Me & Rm]

"M"23. [Io & Me & Im]

"M"24. [Io & Me & Nm]

"M"25. [No & Me & Mm]

"M"26. [No & Me & Rm]

"M"27. [No & Me & Im]

"M"28. [No & Me & Nm]

"M"29. [Ro & Re & Mm]

"M"30. [Ro & Ie & Mm]

"M"31. [Ro & Ne & Mm]

"M"32. [Io & Re & Mm]

"M"33. [Io & Ie & Mm]

"M"34. [Io & Ne & Mm]

"M"35. [No & Re & Mm]

"M"36. [No & Ie & Mm]

"M"37. [No & Ne & Mm]

c) Idealistische Positionen "I"1 - "I"37

"I"1: [Io & Ie & Im]

"I"2: [Io & Ie & Rm]

"I"3: [Io & Ie & Mm]

"I"4: [Io & Ie & Nm]

"I"5: [Io & Re & Im]

"I"6: [Io & Re & Rm]

"I"7: [Io & Re & Mm]

"I"8. [Io & Re & Nm]

"I"9. [Io & Me & Im]

"I"10. [Io & Me & Rm]

"I"11. [Io & Me & Mm]

"I"12. [Io & Me & Nm]

"I"13. [Io & Ne & Im]

"I"14. [Io & Ne & Rm]

"I"15. [Io & Ne & Mm]

"I"16. [Io & Ne & Nm]

"I"17. [Ro & Ie & Im]

"I"18. [Ro & Ie & Rm]

"I"19. [Ro & Ie & Mm]

"I"20. [Ro & Ie & Nm]

"I"21. [Mo & Ie & Im]

"I"22. [Mo & Ie & Rm]

"I"23. [Mo & Ie & Mm]

"I"24. [Mo & Ie & Nm]

"I"25. [No & Ie & Im]

"I"26. [No & Ie & Rm]

"I"27. [No & Ie & Mm]

"I"28. [No & Ie & Nm]

"I"29. [Ro & Re & Im]

"I"30. [Ro & Me & Im]

"I"31. [Ro & Ne & Im]

"I"32. [Mo & Re & Im]

"I"33. [Mo & Me & Im]

"I"34. [Mo & Ne & Im]

"I"35. [No & Re & Im]

"I"36. [No & Me & Im]

"I"37. [No & Ne & Im]

d) Nihilistische Positionen "N"1 - "N"37

"N"1: [No & Ne & Nm]

"N"2: [No & Ne & Rm]

"N"3: [No & Ne & Mm]

"N"4: [No & Ne & Im]

"N"5: [No & Re & Nm]

"N"6: [No & Re & Rm]

"N"7: [No & Re & Mm]

"N"8. [No & Re & Im]

"N"9. [No & Me & Nm]

"N"10. [No & Me & Rm]

"N"11. [No & Me & Mm]

"N"12. [No & Me & Im]

"N"13. [No & Ie & Nm]

"N"14. [No & Ie & Rm]

"N"15. [No & Ie & Mm]

"N"16. [No & Ie & Im]

"N"17. [Ro & Ne & Nm]

"N"18. [Ro & Ne & Rm]

"N"19. [Ro & Ne & Mm]

"N"20. [Ro & Ne & Im]

"N"21. [Mo & Ne & Nm]

"N"22. [Mo & Ne & Rm]

"N"23. [Mo & Ne & Mm]

"N"24. [Mo & Ne & Im]

"N"25. [Io & Ne & Nm]

"N"26. [Io & Ne & Rm]

"N"27. [Io & Ne & Mm]

"N"28. [Io & Ne & Im]

"N"29. [Ro & Re & Nm]

"N"30. [Ro & Me & Nm]

"N"31. [Ro & Ie & Nm]

"N"32. [Mo & Re & Nm]

"N"33. [Mo & Me & Nm]

"N"34. [Mo & Ie & Nm]

"N"35. [Io & Re & Nm]

"N"36. [Io & Me & Nm]

"N"37. [Io & Ie & Nm]

3.2 Verträglichkeit und Unverträglichkeit philosophischer Positionen unter Anwendung der Kombination von Krit. I und Krit. IV

Alle diejenigen Positionen sind logisch unverträglich, die bereits durch die Anwendung von Krit. I ausgeschieden sind.

Darüber hinaus sind alle diejenigen Positionen logisch unverträglich, die zugleich (T1e & ~T1o) oder (T2g & ~T2o) enthalten. Dies sind:
a) (Re & Mo), (Re & Io), (Re & No), (Me & Io)
b) (Me & No), (Ie & No), (Ie & Mo)

Hiemit haben wir 41 logisch verträgliche Positionen, die jeweils Thesen über zwei Bereiche unter den Voraussetzungen (1) und (4) enthalten. Wiederum sind Positionen mit Thesen über jeweils drei Bereiche nur dann unverträglich, wenn mindestens eine der darin enthaltenen Teilthesen (über zwei Bereiche) unverträglich ist. Daher sind logisch verträglich:

a) Realistische Positionen: "R"1 - "R"16; "R"21; "R"23; "R"29; "R"30; "R"37.
b) Materialistische Positionen: "M"1 - "M"4; "M"13 - "M"20; "M"29 - "M"31; "M"33; "M"34; "M"37.
c) Idealistische Positionen: "I"1 - "I"4; "I"13 - "I"20; "I"29 - "I"31; "I"34; "I"37.
d) Nihilistische Positionen: "N"1 - "N"4; "N"17 - "N"31; "N"33; "N"37.

3.2 Verträglichkeit und Unverträglichkeit philosophischer Positionen unter Anwendung der Kombination von Krit. I und Krit. VI:

Alle diejenigen Positionen sind logisch unverträglich, die bereits durch die Anwendung von Krit. I ausgeschieden sind.

Darüber hinaus sind alle diejenigen Positionen logisch unverträglich, die zugleich (T1m & ~T1o) oder (T2m & ~T2o) enthalten. Dies sind:
a) (Rm & Mo), (Rm & Io), (Rm & No)
b) (Mm & Io), (Mm & No), (Im & No), (Im & Mo)

Nach der Regel, daß Positionen, die Thesen über alle drei Bereiche enthalten, dann unverträglich sind, wenn mindestens eine der darin enthaltenen Teilthesen (über zwei Bereiche) unverträglich ist, erhalten wir unter den Voraussetzungen (1) und (6) folgende verträgliche Positionen:
a) Realistische Positionen: "R"1 - "R"16; "R"18; "R"20; "R"26; "R"27.
b) Materialistische Positionen: "M"1; "M"4; "M"5; "M"8; "M"9; "M"12; "M"13; "M"16 - "M"20; "M"23; "M"24; "M"28; "M"29; "M"30; "M"31.
c) Idealistische Positionen: "I"1; "I"4; "I"5; "I"8; "I"9; "I"12; "I"13; "I"16 - "I"20; "I"23; "I"24; "I"28 - "I"31
d) Nihilistische Positionen: "N"1; "N"5; "N"9; "N"13; "N"17 - "N"21; "N"23; "N"25; "N"28 - "N"37.

Die jeweils anderen Positionen mit Thesen über alle drei Bereiche sind unter den Voraussetzungen (1) und (6) unverträglich.

3.2 Verträglichkeit und Unverträglichkeit philosophischer Positionen unter Anwendung der Kombination von Krit. I., Krit. IV. und Krit. VI:

Alle diejenigen Positionen sind logisch unverträglich, die unter den Voraussetzungen (1), (4) oder (6) unverträglich sind, also alle in den Abschnitten 3.1, 3.2 und 3.3 als unverträglich genannten Positionen. Es ergeben sich folgende verträgliche philosophische Positionen, die jeweils Thesen über alle drei Bereiche enthalten:
a) Realistische Positionen: "R"1 - "R"16.
b) Materialistische Positionen: "M"1; "M"4; "M"13; "M"16 - "M"20; "M"29 -"M"31.
c) Idealistische Positionen: "I"1; "I"4; "I"13; "I"16 - "I"20; "I"29 - "I"31.
d) Nihilistische Positionen: "N"1; "N"17 - "N"21; "N"23; "N"25; "N"28 - "N"31; "N"33; "N"37.
Anmerkungen:
[*] Zuerst in: Conceptus XXIV, 1990, Nr. 62, S. 33-47.

[1]. Für einzelne Bereiche der Philosophie, wie beispielsweise für die Ethik und Metaethik, sind vergleichsweise einheitlich gebildete Begriffe durchaus im Gebrauch. Man spricht etwa von "Emotivismus", "Utilitarismus" oder "Intuitionismus". Dies trifft jedoch keineswegs für alle Bereiche gleichermaßen zu.

[2]. Entsprechende Thesen werden dementsprechend jeweils mit 'o', 'e' oder 'm' indiziert. 'To' ist also eine ontologische These u. dgl.

[3]. Konkret wird man bei der Anwendung des Schemas, da es sich auf undefinierte Begriffe von 'materiell' und 'immateriell' stützt, jeweils zunächst jene Wortfamilien und Bedeutungsbereiche in der Sprache einer Quelle aufsuchen müssen, die den Bereich des "Materiellen" und des "Immateriellen" bezeichnen können. Dasselbe gilt für die im weiteren eingeführten Begriffe 'existieren', 'Erkenntnisgegenstand sein' und 'gut sein'. Bestimmte Implikationsverhältnisse zwischen ontologischen, erkenntnistheoretischen und moraltheoretischen Thesen werden zwar faktisch in den meisten philosophischen Positionen behauptet oder vorausgesetzt; da es sich aber nicht immer um dieselben Implikationen handelt, die vorausgesetzt werden, liegen dem Klassifikationsschema als solchem keine derartigen Annahmen zugrunde. Allerdings spielen Annahmen über solche Implikationen eine entscheidende Rolle für die Beantwortung der Frage, welche philosophischen Positionen logisch konsistent sind; die für unseren Zweck wichtigen Implikationsannahmen (zwischen ontologischen, erkenntnistheoretischen und moraltheoretischen Teilthesen einer Position) werden daher an entsprechender Stelle, als bestimmte Voraussetzungen, genannt.

[4]. Zu beachten ist hier und weiterhin, daß damit reine Nominaldefinitionen gewonnen werden, daß die Konstatierung eines z.B. ontologischen Typus also nichts über die Wahrheit oder Falschheit der damit bezeichneten Position besagt.

[5]. Zwar können auch ontologische und moraltheoretische Thesen in ähnlicher Weise doppeldeutig aufgefaßt werden, doch fällt dies besonders bei erkenntnistheoretischen Thesen ins Auge. Die Thesen T1e und T2e können auf zweierlei Art verstanden werden:

a) T1e: ([existential]x) (MATx)

T2e: ([existential]x) (IMMATx) oder:

b) T1e: ([existential]x) (MATx & ![Epsilon]x)

T2e: ([existential]x) (IMMATx & !Ex)

Diese beiden unterschiedlichen Interpretationen sind aufgrund vorausgesetzter Implikationsverhältnisse zwischen ontologischen und erkenntnistheoretischen Thesen aufzuklären. S.u.

[6]. Die Nähe der Formulierung zu einer ontologischen These ist hier besonders problematisch. Die Thesen sind jedoch so aufzufassen, daß aus dieser Qualität des Gutseins Werte oder Normen zu rechtfertigen sind.

[7]. Anzahl der Kombinationen von n Elementen zur Klasse k: