Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften
14/2003/2: psychoanalytisches wissen


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Editorial

 PSYCHOANALYTISCHES WISSEN

 

Andreas Mayer

Zur Genealogie des psychoanalytischen Settings, ÖZG 14/2003/2, 11-42. [Abstract]

 

Lydia Marinelli

Wie psychoanalytische Bücher Träume und Psychoanalysen Bücher verändern können, ÖZG 14/2003/2, 43-69. [Abstract]

 

John Forrester

"A sort of devil" (Keynes on Freud, 1925): Reflections on a century of Freud-criticism, ÖZG 14/2003/2, 70-85. [Abstract]

 

Annick Ohayon

Die psychoanalytische Bewegung in der französischen Nachkriegsgesellschaft (1945-1953). Allianzen und Brüche, ÖZG 14/2003/2, 86-107. [Abstract]

 

Henning Schmidgen

"Verschiedene Schicksale". Das Frühwerk Jacques Lacans und die Phänomenologie, ÖZG 14/2003/2, 108-132. [Abstract]

 

 

Forum

 

Michael Schröter

Zwischen den Stühlen. Betrachtungen über den sozialen Ort, die Probleme und Chancen der Psychoanalysegeschichte, ÖZG 14/2003/2, 135-145.

 

Alexandre Métraux

Über psychoanalytische Editionstechnik oder: Wie Geschichte in ein Buch gerät, ÖZG 14/2003/2, 146-153.

 


 

Editorial, ÖZG 14/2003/2

 

psychoanalytisches wissen

 

Mischt sich die Psychoanalyse unter die Geschichtswissenschaften, entsteht keine stabile Verbindung. Dass die beiden Wissensfelder zu einer Entmischung neigen, liegt auf den ersten Blick nicht unbedingt auf der Hand. Gemeinsam ist den Vertretern und Vertreterinnen beider Disziplinen ihre Ausrichtung auf die Vergangenheit und die Umarbeitung der Tradierungsmuster von Geschichte. Die Bedeutung, die sie der Geschichtlichkeit einräumen, war es auch, die beiden eine ähnliche Kritik eintrug. Sowohl die Geschichte als Wissenschaft als auch die Psychoanalyse als klinische Disziplin gerieten in das Zentrum der apodiktisch geführten Debatten zwischen den Fiktionalisten und den Objektivisten. Der Vorwurf, der gegen beide ins Treffen geführt wurde und wird, lautete zum einen, ihre Erkenntnisse würden im Unwissen darüber erzeugt, dass ihre jeweiligen Bezugspunkte nichts Anderes als nach Regeln sprachlicher Übereinkunft gebildete Variablen wären. Zum anderen erfolgte die Verteidigung gleichermaßen von historischer wie von psychoanalytischer Seite allzu oft im Zeichen einer unmittelbaren Erkennbarkeit von Vergangenem, sei es auf individueller oder kollektiver Ebene. In dieser Kontroverse verfügt die Psychoanalyse immerhin über einen zeitlichen Vorsprung. Der ergibt sich weniger daraus, dass Vertreter eines einheitlichen Paradigmas von Wissenschaft ihr von Beginn an den wissenschaftlichen Status aberkannten, als aus den Reformulierungen psychoanalytischer Erkenntnisse als solcher. Die Spannungspole, zwischen denen sich ein Verständnis der Geschichtlichkeit des Individuums bereits bei Freud bewegt, schließen sowohl den Glauben an die mögliche Reaktivierung vergangener Ereignisse ein als auch die Einsicht in die Unmöglichkeit, auf Daten zu stoßen, die einer nachträglichen Bearbeitung entgangen wären.

 

Die ähnlich gelagerten Einwände gegen die Geschichtswissenschaften und die Psychoanalyse schweißten die beiden dennoch kaum zusammen. Der jeweilige Gegenstand der beiden verliert vor allem dann an gemeinsamen Konturen, wird er an den unterschiedlichen epistemologischen Rahmen ausgerichtet, in denen er jeweils gewonnen wird. Obwohl die Geschichtswissenschaften durch Pluralisierungen ihrer Ansätze ihr Verständnis von Geschichte ausgeweitet haben, weicht dieses erheblich von den Auffassungen ab, welche die Psychoanalyse von historischen Phänomenen hat. Trotz des langen und immer noch andauernden Abschieds von der Vorstellung, Geschichte ließe sich abbilden, ohne variierende, von der Gegenwart vorgeprägte Erkenntnisinteressen und -mittel einzusetzen, welche die Aussagen über Vergangenes mitbedingen, scheiterten die Versuche, den Gegenstand der Historiker demjenigen der Psychoanalytiker anzugleichen.

 

Die Nähe, in die Vertreter der Geschichtswissenschaften zu denen der Psychoanalyse geraten, bleibt, mit Freud gesprochen, unheimlich. Die mittlerweile in die Jahre gekommenen Versuche, psychoanalytische Modelle auf vergangene Zeiten anzuwenden, lassen sich vielleicht als Kritik an Historiographien verstehen, die bestimmte Erkenntnisgrundlagen - wie die der Beziehung der Wissenschaftler zu ihren Objekten - ausblendeten. Doch das Ergebnis fiel weder für die eine noch für die andere Seite sehr überzeugend aus: Monokausale, der Annahme einer psychologischen Determinierung verhaftete Modelle entstanden, in denen dem historischen Material oft nicht mehr als die Rolle der Bestätigung formelhaft zugespitzter, unverrückbarer Denkfiguren zukam. Nur in ganz seltenen Fällen führte ein Grenzübertritt zwischen Geschichtswissenschaften und Psychoanalyse zu Formen der Historiographie, die über die bloße Anwendung einer aus klinischen Zusammenhängen gewonnenen Theorie hinausführten. Einen geglückten, aber weitgehend singulär gebliebenen Dialog eröffnete Michel de Certeau, der den Blick, der die Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse dominierte und dominiert, in neue Bahnen lenkte.1 In seinen Überlegungen geben Freud und Lacan den Historikern keine Methoden als sichere Leitschiene zur Hand. De Certeau untersucht abseits dessen jene eigenständige Form der Geschichtsproduktion, welche die Psychoanalyse betreibt. Daraus gewinnt er Fragestellungen, die er innerhalb der Geschichtswissenschaft weitertreibt, ohne historisches Wissen restlos in psychoanalytisches umwandeln zu müssen und umgekehrt.

 

Die Historisierung der Psychoanalyse wiederum verblieb vorwiegend in den eng gesteckten Grenzen wissenschaftshistorischer Zugänge, die eine traditionell gefasste Disziplinengeschichte bedienen. Es überwiegen personen- und institutionenbezogene Studien, deren Entstehung vor allem die soziale Forschungslage der Psychoanalyse-Historiographie widerspiegeln: Angesiedelt meist im außerakademischen Raum orientieren sie sich am dafür typischen Genre - an der Biographie. Der ausgeprägte Hang zur Personalisierung erhält Verstärkung aus der vermeintlich biographischen Orientierung der Psychoanalyse. Näher besehen entpuppt sich die psychoanalytische Perspektivierung des Individuums allerdings eher als eine Untersuchung der Illusionsbildungen denn als methodische Folie für eine historische Biographieforschung.

 

Die historischen Beiträge, die im deutschsprachigen Raum vor allem von Seiten der Emigrationsforschung geleistet wurden, haben einen wichtigen Auftakt zu einer Wissenschaftsgeschichte der Psychoanalyse dargestellt, aber auch sie akzeptierten weitgehend die konfliktfreie Arbeitsteilung zwischen der exegetischen, von Psychoanalytikern betriebenen Theoriegeschichte und einer vorwiegend biographisch orientierten Geschichte der Disziplin. Was dabei auf der Strecke blieb, war ein Zugang, der die Möglichkeit eröffnet, die theoretischen Bildungen und klinischen Praktiken der Psychoanalyse aus historischer Perspektive zu beleuchten. Wenn einzelne Studien dies getan haben, so meist als rein polemisches und negatives Projekt, das vor allem dazu dienen sollte, die 'Freud-Legenden' zu demontieren. Diese Demontage erfolgte durchwegs aus einem normativen Blickwinkel, der die Wissenschaftlichkeit, die Freud für sein Verfahren einforderte, an den Maßstäben einer Leitwissenschaft ausrichtete und auf diese Weise rasch zu einem negativen Befund gelangte. Ein Großteil der historischen Literatur schreibt ein bellizistisches Szenario fort, das Protagonisten in einem Kampf für oder gegen Freud auffährt. Den polemischen Drall, den die Historie damit erhält, gab zwar schon Freud vor, dessen sich explizit als Geschichtswerke zu verstehen gebende Arbeiten unverhüllt polemische Absichten verfolgen.2 Doch profitiert hat von diesem dramatisierenden Stil bis heute die Literatur der "Freud Wars".

 

Dieses Heft stellt Texte vor, die eine Historisierung der Psychoanalyse abseits dieser festgefügten Fronten unternehmen. Die Beiträge arbeiten ein Bild der Psychoanalyse aus, das ihr theoretisches, aber auch ihr in der Praxis erzeugtes klinisches Wissen als zeitgebundenes und damit veränderbares Geschehen betrachtet. Eine solche Sichtweise verlangt Ansätze, die nach den Eigenheiten psychoanalytischer Wissensproduktion fragen. Dass die Psychoanalyse in der Hypnose einen Vorlauf genommen hat, verleitet oftmals dazu, die Differenz zwischen den älteren therapeutischen Verfahren und der Freudschen Methode einzuebnen. Andreas Mayer arbeitet in seiner Untersuchung der Hypnose-Kulturen die sozialen und materiellen Elemente heraus, die das Unbewusste als wissenschaftliches Objekt konfigurieren. Das Emblem der Psychoanalyse - die Couch - wird auf diese Weise Komponente einer Geschichte, in der die unbewussten, inneren Objekte auf die äusseren bezogen werden. Durch diese Lokalisierung der hypnotischen und psychoanalytischen klinischen Praktiken lassen sich Differenzen zwischen den beiden verdeutlichen, die durch eine personalisierende Sicht auf die Selbstanalyse Freuds ausgeblendet bleiben.

 

Mein eigener Beitrag widmet sich den weniger emblematischen, dafür allgemein zugänglichen Formen, welche die Psychoanalyse vermitteln. Bücher und Zeitschriften, welche die psychoanalytische Traumtheorie präsentieren, eröffnen einen Leseraum, der nicht nur dem adressierten Fachpublikum, sondern auch einer allgemeinen Leserschaft zugänglich bleibt. Die textuellen und materiellen Eigenschaften der gedruckten Vehikel psychoanalytischer Empirie werden zum Ausgangspunkt genommen, um bestimmte Transformationen der Traumlehre und der damit in Verbindung stehenden Praktiken zu erhellen. Die Ausbildung des psychoanalytischen Wissens in Form einer hierarchischen Beziehung zwischen Arzt und Patient scheitert an den  lesenden Patienten.

 

Verständnis für die Eigenheiten der Psychoanalyse lässt sich auch aus der sie stets begleitenden Kritik gewinnen. Teilnehmer einer Debatte über Freud in der englischen Zeitschrift The Nation & The Athenæum geben John Forrester die Fäden in die Hand, paradigmatische Positionen der Freud-Kritik zu entwickeln. An dieser Mitte der 1920er Jahre in Cambridge ausgetragenen Kontroverse beteiligt sich auch John Maynard Keynes. Keynes’ Auseinandersetzung mit Freud lässt sich bis hinein in dessen ökonomische Theorie verfolgen, die sich radikal gegen die viktorianischen Werte wendet und eine psychologische Grundlage benötigt. Die historische Situierung der Freud-Kritiker erklärt, warum etwa von Seiten der Psychologen die Ablehnung gegen Freud sehr stark ausfällt, während ein Ökonom wie Keynes eine differenziertere Sicht entwickeln kann.

 

Die französische Psychoanalyse der Jahre unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wird von Annick Ohayon in den Blick genommen. Sie greift Protagonisten heraus, die durch die Engführung der Diskussion auf den Namen Jacques Lacans in der Regel überschattet wurden. Die angedeutete kämpferische Tendenz der Psychoanalyse-Historiographie macht sich bei Ohayon auf doppelte Weise bemerkbar: Sie bringt die zum Teil aus der Besatzungszeit resultierenden politischen Konflikte der französischen Nachkriegsgesellschaft zur Überschneidung mit den Debatten, die zwischen den Vertretern einer psychoanalytisch orientierten Psychiatrie und Psychologie geführt werden. Die politische Rahmung der wissenschaftlichen Kontroversen verhindert es, Spaltungen, die die psychoanalytischen Gesellschaften durchlaufen, auf Ergebnisse persönlicher Zwistigkeiten zu reduzieren.

 

Die panoramatische Sicht Ohayons konterkariert Henning Schmidgen mit seinem Beitrag über Lacan. Seine akribische Studie zum Frühwerk Lacans tastet buchstäblich die Textoberflächen ab, welche die Grundlage von dessen Beziehung zur Phänomenologie bilden. In Abgrenzung von den durch Foucault kritisierten ideengeschichtlichen Ansätzen verfolgt Schmidgen die materiellen Formen, in denen Lacan Edmund Husserl und der phänomenologisch orientierten deutschen Psychiatrie begegnet und sich zu deren "Übersetzer" macht. Als bislang unbekannte Mittlerfigur hebt Schmidgen durch dieses Verfahren Ernst Kretschmer hervor, dem Lacan mehr verdankt als bisher angenommen.

 

Mit Michael Schröter kommt ein Vertreter der Psychoanalyse-Geschichte zu Wort, der sein Arbeitsfeld in Abgrenzung von der und in Anlehnung an die akademisch verankerte Geschichtsschreibung vermisst. Sein Beitrag ist nicht ohne polemische Absicht entstanden, wenn er die Mängel auf Seiten sowohl der psychoanalytischen Sonntags-Historiker als auch der etablierten Wissenschaftsgeschichte benennt. Alexandre Métraux schließlich nimmt die neue Taschenbuch-Ausgabe der Psychopathologie des Alltagslebens zum Anlass, um auf den editorischen Missstand in Sachen Freud-Ausgaben hinzuweisen. Im Gegensatz zu anderen Klassikern des 20. Jahrhunderts fehlt noch immer eine kritische Ausgabe der Werke Freuds.

 

Dieser letztgenannte Umstand entspringt sowohl der Geschichtsauffassung eines Großteils der Psychoanalyse-Vertreter als auch dem Desinteresse der historisch verfahrenden Wissenschaften an der Psychoanalyse. Beiden Haltungen könnte dieses Heft etwas Wind aus den Segeln nehmen. Wenn W. H. Auden bereits in den 1940er Jahren behaupten konnte, die Psychoanalyse erzeuge ein "climate of opinion", so eignet sich diese Metaphorik des Wetters auch für die Beiträge dieses Bandes: Nur ein historisch geschulter Blick vermag zu klären, warum die Psychoanalyse das 20. Jahrhundert wie das Wetter begleitete, man mag über sie schimpfen oder sich an ihr erfreuen.

 

Lydia Marinelli

 

Anmerkungen

 

1 In der deutschen Übersetzung von Ecriture de l’histoire, nämlich in Michel de Certeau, Das Schreiben der Geschichte, Frankfurt am Main 1991, wurde der Teil über Freud stark gekürzt. Daraus lässt sich ablesen, wie wenig Bedeutung die deutsche Geschichtswissenschaft seiner Auseinandersetzung mit der Psychoanalyse zugestanden hat.

2 Vgl. Sigmund Freud, Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung (1914), in: GW X, 43-113.

 

 

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Abstracts, ÖZG 14/2003/2, 133-134.

 

Andreas Mayer: The Psychoanalytic Setting: A Genealogy, pp. 11-42

 

The so-called psychoanalytic setting counts today as a familiar ritual, forming a set of conventions that are well known, if not from first-hand experience, then at least from popular novels and films. Adopting an historical-anthropological viewpoint, this article unfolds a genealogy of Freud’s famous invention. A genealogical approach of this kind has to account for both the social and the material arrangements from which psychoanalysis emerged at the end of the 19th century. It is argued that Freud’s conception of a certain spatial distribution of patient and doctor in the consulting room was not governed by either technical or theoretical necessity, but was rather the result of social and material reconfigurations which can be traced back to the history of experimental hypnotism.

 

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Lydia Marinelli: How psychoanalytic books change dreams and psychoanalysis changes books, pp. 43-69

 

The goal of the article is to survey the formation of factors mediating psychoanalysis which extend beyond the history of the latter’s reception through publications. By bringing together publication history and clinical and theoretical issues, the author seeks to avoid the kind of dichotomy commonly found in the historiography of psychoanalysis, whereby a distinction is made between an immanent process of theory production and external types of reception. Historical contextualization shows that publication played a conflicting role in the development of a process that conceived of itself as a science deriving from experience, rather than being mere hermeneutics. Thus, the non-medical readership ('the lay reader') assumed a central function, that of 'the reading patient'. In this way, the lay reader forced a number of theoretical corrections to be made and successfully disputed several clinical procedures. The period between 1900 and 1918 demonstrates especially well the interaction between theory and clinical methods, and also allows us to explore in four stages the specific use and shaping of different forms of publication.

 

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John Forrester: »A sort of devil« (Keynes on Freud, 1925). Reflections on a century of Freud-criticism, pp. 70-85

 

Controversies over the validity, scientific status and cultural significance of psychoanalysis have continued unabated since its foundation at the beginning of the twentieth century. This paper will focus on one debate, which took place in England in the mid 1920s, so as to give historical specificity to a striking example of a seemingly perennial conflict. Amongst the protagonists were John Maynard Keynes, economist and world banker, and Arthur Tansley, founder of British ecology. Through examining the controversy, the manner in which psychoanalysis was articulated with other fields for these thinkers will be explored, including the psychological foundations for Keynesian economics.

 

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Annick Ohayon: Alliances and splits in the psychoanalytic movement in post-war France (1945-1953), pp. 96-107

 

The article takes its starting point from the hypothesis that, shortly before the Second World War, a fault-line began to emerge in the French psychoanalytic movement between the supporters of a 'French' school of psychoanalysis, which was heavily dependent on psychiatry, and the advocates of a liberal, international, Freudian understanding of psychoanalysis. The war brought this process to a standstill. During the climate of radical change and renewal that accompanied the liberation of France, Daniel Lagache made efforts to restore the unity of the French group, using his university position and drawing on the discipline of psychology. However, this attempt was weighed down by the growing influence of Jacques Lacan’s work and on-going tensions within the movement, both long-standing and of more recent origin (the war had created new problems, such as those stemming from the 'collaboration' by René Laforgue). The author seeks to analyze this crucial moment between the liberation and the first decisive split in 1953, and emphasizes what was at stake for psychoanalysis as well as psychology.

 

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Henning Schmidgen: »Different fates«. Jacques Lacan’s early works and phenomenology, pp. 108-132

 

Many of the methodological restrictions associated with the traditional history of ideas can be overcome by focusing more closely on the history of the material substrata which served to transmit knowledge. This argument is substantiated here with respect to the relationship between the early work of Jacques Lacan (1901-1981) and the disciplines of phenomenology (E. Husserl, M. Scheler), phenomenological psychopathology, and dynamic psychiatry (K. Jaspers, E. Minkowski, E. Kretschmer). By examining in detail the genesis of Lacan’s 1932 doctoral thesis on paranoia and related texts, one realizes that it was not so much Husserl, but rather Scheler’s book on the nature and forms of sympathy (1913/1923) which contributed most to the elaboration of Lacan’s later theory of the imaginary. It also becomes evident that Lacan’s incorporation of certain German philosophical terms (Ausschaltung, Aufhebung) into his French writings was not devoid of productive misreadingsAufhaltung phénoménologique«, »Aufhebung husserlienne«). Hence, it can be suggested that both Lacan’s psychoanalytic work and also his early texts are rooted in a space 'in-between languages' (French and German).

 

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