Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften
15/2004/4: Europäische Ethnologie


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Editorial

EUROPÄISCHE ETHNOLOGIE

Ulrich Marzolph

Der Orient in uns. Die Europa-Debatte aus Sicht der orientalistischen Erzählforschung, ÖZG 15/2004/4, 9-26. [Abstract]

 

Brigitta Schmidt-Lauber
Europäische Ethnologie und Gemütlichkeit. Fragen einer Alltagskulturwissenschaft, ÖZG 15/2004/4, 27-49. [Abstract]

 

Gudrun M. König
Stacheldraht: Die Analyse materieller Kultur und das Prinzip der Dingbedeutsamkeit, ÖZG 15/2004/4, 50-72. [Abstract]

 

Johanna Rolshoven
Europäische Ethnologie. Diagnose und Prognose einer kultur- und sozialwissenschaftlichen Volkskunde, ÖZG 15/2004/4, 73-87. [Abstract]

 

Peter Niedermüller
Das neue Europa: Veränderungen eines kulturellen Konzeptes. Ethnologische Perspektiven, ÖZG 15/2004/4, 88-104. [Abstract]

 

Peter Payer
Der Klang von Wien. Zur akustischen Neuordnung des öffentlichen Raumes, ÖZG 15/2004/4, 105-131. [Abstract]

 

Forum

 

Silke Göttsch
Europäische Ethnologie/Volkskunde und ihre Quellen. Fachgeschichte und Fragestellungen, ÖZG 15/2004/4, 135-144.

 

Sabine Hess
Transnationalisierung und kulturanthropologische Migrationsforschung, ÖZG 15/2004/4, 145-155.

 

Gespräch

 

Rolf Lindner / Reinhard Johler / Bernhard Tschofen
Was kann Europäische Ethnologie (nicht)?, ÖZG 15/2004/4, 156-175.

 


 

Editorial, ÖZG 15/1004/4, 5-8

 

Europäische Ethnologie

 

Europäische Ethnologie, das ist - je nachdem, ob man sein Augenmerk auf Kontinuitäten oder Veränderungen legen will - eine alte oder aber eine sehr junge Disziplin. Sie steht einerseits unzweifelhaft in der Tradition der Volkskunde, jenem als Funktion und Agentur von Differenzierungsprozessen der Moderne zu verstehenden Fach, das sich seit dem späten 19. Jahrhundert, philologisch-folkloristische und ethnographische Interessen verbindend, institutionell entwickeln konnte und dessen Grenzen heute in theoretischer und methodischer Sicht in Vielem erreicht zu sein scheinen. Und sie ringt andererseits gerade im deutschsprachigen Raum darum, den neuen Namen nicht allein auf eine Internationalisierung und Entnationalisierung beschränkt zu wissen, sondern mit der Befragung ihrer epistemologischen Voraussetzungen und Konsequenzen einen notwendigen Neuorientierungsprozess voranzutreiben.

 

Die Bezeichnung 'Europäische Ethnologie' geht in die 1950er Jahre zurück: Von Skandinavien ausgehend, sollte Europäische Ethnologie die nationalen Volkskunden - die Wissenschaften vom Eigenen also - in einen internationalen Kontext einbinden und sie gleichzeitig inhaltlich ein gutes Stück 'anthropologisieren'. Sozialwissenschaftliche Fragestellungen, Themen und Methoden zogen in das Fach ein. Im deutschsprachigen Raum ist diese Konzeption zunächst weitgehend nicht nachvollzogen worden, eine 'modernisierte' Volkskunde folgte hier dem Alltagsparadigma der Geschichtswissenschaften und verlor damit andere Felder und Zugänge aus den Augen.

 

Heute erlebt Europäische Ethnologie eine erstaunliche, wenngleich inhaltlich unpräzise gebliebene Konjunktur, ersetzt sie doch zunehmend und nicht zuletzt unter dem Eindruck gegenwärtiger Europäisierung die alte Bezeichnung Volkskunde. Damit ist ein Nachdenkprozess verbunden, der auch von zahlreichen - bisher meist fachimmanent gebliebenen - Selbstvergewisserungen begleitet wird. In diesem Band geht es daher einmal nicht um eine aufs große Ganze drängende Standortbestimmung von Europäischer Ethnologie in einem deutschsprachigen Horizont, sondern um die Vorstellung ausgewählter, im Fach vorgenommener Sichtungen für historisch-kulturwissenschaftlich Interessierte. Die dazu versammelten Beiträge unterziehen sich diesem Vorhaben ebenso theoretisch wie in Bezug auf die untersuchten Felder. Wenn sie dabei den Anschluss an die großen Themen des Faches aus der Vergangenheit - wie Erzählen, Brauch und Sitte oder Sachkultur - suchen, dann nicht, um diese fortzuschreiben oder nach Äquivalenten für verloren geglaubte Terrains zu suchen, sondern weil sie aus der vorsichtigen Sortierung disziplinären Wissens und seiner Konfrontation mit neuen Paradigmen Ansätze entwickeln wollen, mit denen sich die für eine Analyse der komplexen Kulturprozesse europäischer Alltage notwendige analytische Schärfe gewinnen lässt.

 

Der erste Text des Bandes - Der Orient in uns - wirft denn auch neues Licht auf den vielleicht ältesten, auf jeden Fall aber als erstes international entwickelten und europäisch vernetzten Forschungszweig der Volkskunde, die Folkloristik bzw. die in ihrer (philologischen) Tradition stehende Erzählforschung. Der Islamwissenschaftler und Redakteur des auf diesem Gebiet angesiedelten Großprojektes der "Enzyklopädie des Märchens", Ulrich Marzolph (Göttingen), untersucht vor dem Hintergrund der im Begriff des Orientalismus aufgehobenen Kulturbeziehungen des westlichen Europa zum Orient die gegenseitige narrative Konstruktion von Orient und Okzident. Dabei richtet er seinen Blick nicht nur auf den Beitrag orientalischer Überlieferungen zu einer Konstituierung europäischer Erzähltraditionen, sondern verweist auch auf das interkulturelle Potential solchen Erzählguts für eine Erforschung hybrider kultureller Alltage und der aktuellen Prozesse von Interaktion und Integration in Europa.

 

Die narrativistische Tradition gewissermaßen erweiternd, diskutiert Brigitta Schmidt-Lauber (Hamburg/Wien) am Thema der 'Gemütlichkeit' Zugangsweisen zu in Erzählungen kaum fassbaren alltäglichen Orientierungen und Praktiken. Das Ergebnis überraschend wenig differenzierter Vorstellungen von Gemütlichkeit bei den von ihr Befragten nimmt Schmidt-Lauber zum Anlass, die Grenzen gegenwärtiger Verfahren der Alltagsforschung - wie des qualitativen Interviews - auszuloten. Darüber hinaus fragt sie nach den Möglichkeiten einer Europäischen Ethnologie bei der Untersuchung subjektiver alltäglicher Befindlichkeiten und skizziert die theoretischen Voraussetzungen einer Ethnographie des unausgesprochen Selbstverständlichen.

 

Mit dem Beitrag von Gudrun König (Tübingen) zur Analyse materieller Kultur gerät ein ähnliches Problem und zugleich ein weiteres klassisch zu nennendes Feld der Volkskunde in den Blick: ein Feld, das gegenwärtig in der Europäischen Ethnologie wie in den neuen Kulturwissenschaften gesteigerte Aufmerksamkeit erfährt. Auch König verbindet ihre grundsätzlichen Überlegungen mit einer Fallstudie - diesfalls über den Stacheldraht als einem modernen Disziplinierungsmittel, an dessen zivilen und militärischen Umgangsweisen sich kulturelle Einschreibeprozesse und Symbolisierungsformen analysieren lassen. Im Zentrum ihrer Argumentation steht aber die Auseinandersetzung mit dem in der Volkskunde entwickelten Prinzip der "Dingbedeutsamkeit", dessen Tragfähigkeit König überprüft und erweitert, um über instrumentelle Bezüge und subjektive Zuschreibungen hinaus Beziehungsstrukturen zwischen Menschen und Dingen - Mentalitäten, Affekte und Handlungsweisen - verständlich machen zu können.

 

Um die produktiven Unschärfen einer Kulturanalyse des Alltags kreist auch der Beitrag von Johanna Rolshoven (Zürich) Europäische Ethnologie - Diagnose und Prognose einer kultur- und sozialwissenschaftlichen "Volkskunde". Nehmen die Untersuchungen von Schmidt-Lauber und König konkrete Felder zum Anlass ihrer Vermessungen, so ist es hier das Verschwinden der Gegenstandsgrenzen zwischen den beiden in der Europäischen Ethnologie zusammenfließenden Wissenschaftstraditionen - durch die kulturellen Dynamiken in Europa. Rolshoven fragt nicht nach dem Trennenden zwischen der Kultur- und Sozialanthropologie, wie sie sich lange auf das nichteuropäisch Fremde konzentrierte, und der Volkskunde, die ihre Zuständigkeit bis in die jüngste Zeit auf das europäisch Eigene beschränkte, sondern nach gemeinsamen Voraussetzungen und Herausforderungen. Ihre Antworten findet sie einerseits in den Grenzbereichen, in denen sich die Interessen der auf Alltagskultur fokussierenden Fächer bewegen, andererseits in einem dem Gegenstand der Kultur entsprechenden prozessualen Konzept, das "systematische Unsystematiken" reflektiert und im Forschungsprozess produktiv einzusetzen weiß.

 

Das veränderte Europa steht schließlich auch am Ausgangspunkt des Beitrags von Peter Niedermüller (Berlin), allerdings weniger mit allein fachwissenschaftlichem, methodologischem Horizont als mit der Frage nach den Veränderungen des kulturellen Konzepts vom "neuen Europa". Dahinter steht das Postulat, Europa nicht nur als Feld zu begreifen, in dem sich forschen lässt, sondern vielmehr als einen kulturellen und historischen Horizont, in dem die Analyse der europäischen Moderne zu erfolgen hat. Seine Beispiele findet der Beitrag in der symbolischen Topographie des Kontinents im Sinne der Konstruktionen von "Ost" und "West" und im Befund der "multiplen Modernen", und damit zielt er wiederum auf die Analyse der Gleichzeitigkeiten und Dynamiken europäischer Alltage nach 1989.

 

Europäische Ethnologie ist ein offenes Fach mit weichen disziplinären Konturen. Und so ist es nur konsequent, dass in diesem Heft nicht nur Europäische Ethnologinnen und Ethnologen zu Wort kommen. Der Aufsatzteil wird abgerundet vom Beitrag eines Historikers: Peter Payer (Wien) untersucht den Klang der Stadt, eine quellennahe stadt- und kulturgeschichtliche Anwendung von Frage- und Zugangsweisen, die das kulturwissenschaftliche Fächerspektrum heute verbinden. Payer untersucht die Entstehung und Wirkung von Klangräumen im Prozess der Urbanisierung und wirft so ein erhellendes Licht auf die alltagsweltliche Wahrnehmung, Erfahrung und Konstituierung des Raumes in der modernen Stadt.

 

Das Forum schließlich vereint Rückblicke und Ausblicke auf die Herausforderungen, denen sich eine um Profil und Analysefähigkeit ringende Europäische Ethnologie zu stellen hat. Silke Göttsch (Kiel) stellt in ihrem Text Europäische Ethnologie/Volkskunde und ihre Quellen wichtige historische Großprojekte der Volkskunde vor. Sie plädiert für einen reflektierten Umgang mit den oft problematischen Quellen des Faches wie auch für eine forcierte Auseinandersetzung mit der Geschichtlichkeit disziplinären Wissens. Sabine Hess (Frankfurt am Main) leistet in ihrem als Sammelrezension zu verstehenden Beitrag Transnationalisierung und kulturanthropologische Migrationsforschung eine über die bloße Literaturschau hinausgehende Auseinandersetzung mit den theoretischen und insbesondere methodischen Konsequenzen des aktuellen Aufbrechens kultureller Ordnungen. Ihre Umschau stellt Ansätze zur Diskussion, wie die Kulturforschung auf die weltweite Mobilität reagieren und die neu entstehenden kulturellen Räume verstehbar machen kann. Das Gespräch schließlich, das die beiden Herausgeber dieses Bandes mit Rolf Lindner (Berlin), dem anregenden Grenzgänger zwischen volkskundlicher Kulturwissenschaft, Soziologie und Cultural Studies, führen durften, weist auf einige Defizite der aktuellen Diskussion um die Europäisierung und Ethnologisierung des Faches hin und sucht nach Alternativen. Es kreist, Lindners akademische Biographie reflektierend, um neu zu entdeckende Traditionen, um die 'Lebensnähe' der Kulturwissenschaften und liefert neue Argumente für mehr Pluralität - und Kreativität - in der Wissenschaftspraxis.

 

Zu danken haben die Herausgeber - neben Rolf Lindner für das anregende Gespräch - an erster Stelle den Autorinnen und Autoren für ihre Bereitschaft, sich auf dieses nicht immer leichte Experiment einzulassen, Europäische Ethnologie den Leserinnen und Lesern einer historisch-kulturwissenschaftlichen Zeitschrift näher zu bringen und mit ihren Beiträgen sowohl die Konturen des Faches zu zeichnen als auch seine offenen Ränder sichtbar zu lassen. Dann aber gilt der Dank vor allem Reinhard Sieder, auf den die Idee zu diesem Heft zurückgeht und der das Vorhaben bis zum Schluss mit Interesse, Engagement und vor allem großer Geduld begleitet hat. Der Dank gilt außerdem Alexander Mejstrik für wertvolle redaktionelle Unterstützung, Birgit Hadler für die Transkription des Interviews und John Bendix für die ad hoc-Übersetzung der Abstracts. An anderer Stelle nachzutragen bleibt, was eigentlich mit in der Intention dieses Bandes lag, ein größerer Beitrag der Herausgeber zu den Dispositionen und Perspektiven einer Europäischen Ethnologie in Österreich.

 

Reinhard Johler / Tübingen

Bernhard Tschofen / Tübingen

 

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Abstracts, ÖZG 15/2004/4, 132-134

 

Ulrich Marzolph: The Orient in Us. The Debate about the Nature of Europe from the Vantage Point of Narrative Research on the Islamic Orient, pp. 9-26.

 

Due to centuries of selective perception, the Oriental constituents of Western cultures in popular consciousness have mostly been relegated to oblivion. Given this situation and considering the psychological importance to define the Self by marking it off from the Other, it has become possible today to perceive the sibling cultures of the Islamic Orient as alien or even hostile. Against the backdrop of comparative folk narrative research concerned with the Orient, the present essay illustrates the contribution of Oriental collections and elements to the formation of European narrative tradition, and also addresses the related processes of adaptation. The everyday nature and ubiquity of the data under consideration hold a potential that may contribute to the current debates in Europe about interaction and integration.

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Brigitta Schmidt-Lauber: European Ethnology and Gemütlichkeit. Questions or an Empirical Study of the Everyday, pp. 27-49.

 

European ethnology has become a field of empirical cultural study that investigates the everyday orientation and forms of practice subjects engage in within the context of their actual lives. This contribution uses the example of an expression held to be typically German (Gemütlichkeit) to examine past and present approaches the field has taken. Part of this analysis addresses socially ascribed meaning and the context of middle-class cultural patterns, but the main focus is on this term as a subjective, everyday state of being. Taking this perspective allows one to examine methodological approaches in terms of their appropriateness for studying what is regarded as self-understood and everyday; it indicates the potential as well as the limits of current approaches, most particularly the use of qualitative interviews. Responses by informants about Gemütlichkeit, supposedly a very individual state or emotion, are surprisingly uniform and barely differ from one person to the next. This monotony of response, however, gives both methodological and theoretical stimulus to the every-day as a research topic. For the everyday removes itself from a precise reconstruction and does not come in the form of stories. Instead, it expresses itself in culturally normed, harmonized, and stereotyped images.

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Gudrun M. König: Barbed Wire: The Study of Material Culture, and the Meaning of Things, pp. 50-72.

 

The current scholarly fascination with objects as textual sources and as artefacts of meaning serves as the starting point for my reflections about the semiotic labor of things, which I examine in the context of contemporary disciplinary history. The German concept »Dingbedeutsamkeit" or the semiotics of things refers to those structured relations between human beings and material objects which are not solely contained by instrumental fields of interactions. This would include the cultural work of objects in forging mentalities, in shaping sentiments, and in organizing modes of behavior. These effects of things, through form, function, and appearance, are rendered conceptually apprehensible by the notion of the semiotic labor of objects. Focused on the example of barbed wire as a modern instrument of discipline, my research touches on civilian as well as military practices and attitudes by interrogating cultural processes of inscription and different kinds of symbolization.

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Johanna Rolshoven: European Ethnology. Diagnosis and Prognosis for a Volkskunde Embedded in the Cultural and Social Sciences, pp. 73-87.

 

As a discipline, European Ethnology draws inspiration both anthropology, interested in the non-European and 'foreign' and from folklore, which concerns itself with 'native' European culture. As both are involved in studying everyday culture, this contribution argues that the two ethnologies should concede each other the similarities of their fields and approaches in order of complementarities. In addition, both utilize social scientific theories and approaches that have focused both thematically and interdisciplinarily on 'borderlands'. European Ethnology thus can be understood as a holistic field, and as such it stands in productive opposition to the all-pervasive specialization of research found nowadays. Its systematically unsystematic nature reflects, so the argument, culture itself. This is also why field research and discourse analysis constitute the most important methodological approaches in European Ethnology.

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Peter Niedermüller: The New Europe: Changes in a Cultural Concept. Some ethnological Perspectives, pp. 88-104.

 

Over the last decades, two disciplines that study culture have moved toward Europe, or have Europeanized themselves, though they come from different directions and work with distinct and historically shaped disciplinary paradigms. One of these is Volkskunde, a field previously nationally oriented, that since the Second World War has begun to internationalize itself, and from which European Ethnology has coalesced. The other is Social and Cultural Anthropology, which in accordance with its fieldwork methods and traditions, began to do research in the European peripheries once the colonial era ended. With this as background, current research approaches to Europe are discussed here, that is, the tendencies to see Europe not just as a field site in which to do research, but rather as a horizon in which a cultural and historical analysis of European modernity can be conducted. Examples can be found in the cultural geography of the continent, in the sense of the construction of "East" and "West," and in the discussions of the notion of "multiple modernities". The analysis, in short, is of the contemporaneity and dynamics of the European everyday since 1989.

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Peter Payer: The Sound of Vienna. The Acoustic Reorganization of Public Space, pp. 105-131.

 

During the second half of the nineteenth century a heightened sensitivity for the acoustic environment can be clearly observed in European cities. In a context of expanding urbanization and industrialization, urban sound spheres radically changed. The article describes this change in the fast expanding metropolis Vienna from 1850 to 1914. It examines the new acoustic conditions in public space and analyses their social and cultural background: an increasing loss of silence, especially in the night, a new perception of church bells, the sounds of the electric streetcars percieved as essential urban noise, the acoustic competition of animals and machines, the disappearance of street vendors and street musicians. As urban space had become increasingly packed and crowded, behavior was more and more subjected to regulating and disciplining measures which also had repercussions on the acoustic perception of urban environment. A new auditory culture emerged which was highly influenced by middle-class concepts. The street changed from a living space to a traffic zone, serving road users only. More and more animal and social sounds were out of place. The roar of the machines pushed them away.

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