Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften / Austrian Journal of Historical Studies
27/2016/2: Volkskultur 2.0


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Editorial: ‚Volkskultur' 2.0
Brigitta Schmidt-Lauber/ Jens Wietschorke (Hg.)

Brigitta Schmidt-Lauber / Jens Wietschorke (Hg.)
‚Volkskultur' zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Eine kritische Begriffsgeschichte
, ÖZG 27/2016/2, 10-32. [Abstract]

Magdalena Puchberger
Heimat-Schaffen in der Großstadt. ‚Volkskultur' im Wien der Zwischenkriegszeit, ÖZG 27/2016/2, 33-66. [Abstract]

Konrad J. Kuhn

Ressource ‚Volkskultur'. Karrieren eines Konzepts zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in der Schweiz, ÖZG 27/2016/2, 67-91. [Abstract]

 

Karin Bürkert

Fastnacht in Baden-Württemberg. Volkskundliche Forschung und gesellschaftliche Intervention in den 1960er Jahren, ÖZG 27/2016/2, 92-118. [Abstract]

 

Simone Egger
‚Volkskultur' in der spätmodernen Welt. Das Bayerische' als ethnokulturelles Dispositiv, ÖZG 27/2016/2, 119-147. [Abstract]

 

Markus Tauschek
Instrument, Taktik oder Strategie? Zur Vieldeutigkeit Populärer Kultur, ÖZG 27/2016/2, 148-167. [Abstract]

 

Reinhard Bodner / Timo Heimerdinger

Ein Erinnerungsfonds für die ‚Tiroler Volkskultur'? Die Ploner-Debatte (2011-2014) als Anstoß und Hemmnis eines Forschungsprojekts über Trachten in Tirol, ÖZG 27/2016/2, 168-208. [Abstract]

 

 


 

 

Editorial, ÖZG 27/2016/2, 5-9.

 

Brigitta Schmidt-Lauber / Jens Wietschorke (Hg.)

Editorial: ‚Volkskultur' 2.0

 
"Eine Diskussion nachzuzeichnen, die von der aktuellen Forschung inzwischen ad acta gelegt worden ist, und Konflikte auszugraben, die eigentlich erledigt sind, hat immer etwas Beckmesserisches. Tote Hunde tritt man nicht".1 So schreibt die Volkskundlerin Carola Lipp 2001 in ihrem Beitrag über "Schwierigkeiten mit der Volkskultur", die sich ihrem Fach in besonderer Weise stellen. Heute, 15 Jahre später, ist der Volkskulturbegriff alles andere als ein toter Hund, auch wenn sich die akademische Disziplin Volkskunde vielerorts längst umbenannt hat - so etwa in Innsbruck und Wien in ‚Europäische Ethnologie', in Graz in ‚Volkskunde/Kulturanthropologie'. Besonders im öffentlichen Diskurs scheint ‚Volkskultur' so präsent und populär wie selten; ‚ethnokulturelle' Semantiken und Inszenierungen sind en vogue - gerade hierzulande. In Österreich unterhält jedes Bundesland eine eigene Volkskulturabteilung, die ‚gelebte Tradition' als Event und regionalen Markenartikel positioniert. Regelmäßig finden hierzu Feste statt, wie etwa in Oberösterreich am 13. und 14. Juni 2015 in der Marktgemeinde St. Wolfgang, bei dem die derzeit 21 von der UNESCO zertifizierten oberösterreichischen ‚Volkskulturschätze' präsentiert und gefeiert wurden - vom Aberseer Schleuniger bis zu den Wirlinger Bollerschützen. Und auch auf dem Rathausplatz in Wien gibt es regelmäßig ‚Volkskulturelles' zu erleben, wie etwa seit 1996 jährlich im April das Steiermarkdorf, das ‚traditionelle Frühlingsfest der Steirer', das auch in der Bundeshauptstadt zelebriert wird und längst nicht nur Hinzugezogene aus der Steiermark anlockt. Fernsehsender und Zeitschriftenmagazine wie Servus oder WOMAN Dirndl haben Hochkonjunktur und präsentieren ein buntes Gemisch aus Informationen zu Handarbeiten und Natur, Landschaften und Lebensweisen, Blumen- und Kräuterwissen oder Geheimtipps für Garten und Küche. Zugleich sind volkskulturelle Repräsentationen in vielen Fällen von Herkunftsfragen und regionalen Identifikationsfolien losgelöst: Trachten boomen mehr denn je - auch in der Stadt und fernab der Alpen - und werden längst nicht nur von Steirerinnen und Steirern oder Münchnerinnen und Münchnern getragen. Im Gegenteil fungieren Dirndl und Lederhose vielfach als Accessoire und frei flottierendes ästhetisches Zeichen in urbanen Erlebnissphären.


Einen wichtigen Kontext dieser Erscheinungen stellt zweifelsohne der institutionalisierte Prozess der fortschreitenden ‚Heritagisierung' regionaler Kultur dar, der insbesondere von der UNESCO vorangetrieben wird und in dem auch die Kulturwissenschaften gefragt sind. "Unsere Volkskultur ist ein Gütesiegel. Sie macht unser Land unverwechselbar",3 meinte der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer bei einem Volkskulturfest 2015 und unterstrich damit den genannten Trend.4 Im Zeichen des "immateriellen Kulturerbes" gerät international auch das, was unter "volkskulturellen Traditionsbeständen" subsumiert wird, neu in Bewegung: "Tradierte Praktiken werden nicht mehr als antiquarische Zeitkapseln verstanden, sondern als dynamisches Vermächtnis, sind nicht länger in Bernstein, sondern als Palimpsest aufgehoben, dem immer wieder neue Überschreibungen hinzugefügt werden".6 Auch im kulturpolitischen Diskurs ist ‚Volkskultur' also kein Fall allein fürs Museum mehr, sondern ein komplexes Handlungsfeld, auf dem Vorstellungen von - wie auch immer ‚traditioneller' - Kultur stets neu ausgehandelt werden. Dabei sind die Übergänge zwischen ‚traditioneller Volkskultur' und populärer Kultur in einem weiten Sinne fließend; ‚Volkskultur' erweist sich als Zuschreibung, deren Spezifik sich nur aus ihrer Positionierung im gesamten Feld historischer wie zeitgenössischer Populärkultur heraus begreifen lässt.


Im Hinblick auf die rezenten Entwicklungen, aber auch auf die noch unabgeschlossene wissens- und wissenschaftsgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem Volkskultur-Konzept in Europäischer Ethnologie/Volkskunde, Sozialgeschichte und Regionalforschung scheint es dringlich, die Diskussion um ‚Volkskultur' zu aktualisieren und weiterzuführen. Wenn wir den vorliegenden Band "Volkskultur" 2.0 betiteln, präsentieren wir die aktuelle Konjunktur des Themas in Gesellschaft und Wissenschaft nicht als ‚Neuauflage', sondern als anders gelagert. "2.0" führt in die Gegenwart, das digitale Zeitalter und seine Formen der Inszenierung und impliziert keinen Gegensatz zu einer vorgeblich abgebildeten Tradition. Der vorliegende Band möchte Ansätze aus dem Fach Europäische Ethnologie, das sich in besonderem Maße für diese Thematik zuständig sieht bzw. gesellschaftlich weiterhin für zuständig erklärt wird, präsentieren und sie für interdisziplinäre Diskurszusammenhänge öffnen. Denn nicht nur in der Gesellschaft ist ein regelrechter Boom der ‚Volkskultur' zu verzeichnen, auch in der Wissenschaft ist eine neue Aufmerksamkeit für das Thema zu beobachten. Gerade unter jüngeren Kolleginnen und Kollegen im Fach Europäische Ethnologie zeigt sich eine rege Aufmerksamkeit für Fragen der ‚Volkskultur', der populären und popularen Kultur, die sich in Forschungsvorhaben, Institutionalisierungen von Fachkommissionen und Tagungen niederschlägt. Der vorliegende Band möchte Einblicke in neueste Forschungen und Ansätze aus diesem Feld bieten, die einen auffälligen Perspektivenwechsel gegenüber früheren Forschungen zum Thema erkennen lassen. Es sei für den Moment dahingestellt, ob die neuen Zugänge und Perspektiven zum Thema ‚Volkskultur' Ausdruck eines Generationenwechsels innerhalb der akademischen Disziplin Europäische Ethnologie sind; in jedem Fall artikuliert sich im Wandel der wissenschaftlichen Paradigmen eine grundlegende gesellschaftliche Transformation, die von Forschungen zum Thema stets mitzureflektieren ist.


Im Themenfeld ‚Volkskultur' verschränken sich Wissenschaft und Gesellschaft in besonderer Weise: Längst stoßen die Kulturwissenschaften, allen voran die Europäische Ethnologie, nicht mehr nur auf die eigenen terminologischen Altlasten, wenn von ‚Volkskultur' die Rede ist; vielmehr sehen sie sich angesichts der genannten Entwicklungen mit einem dynamischen Feld konfrontiert, in dem ‚Volkskulturelles' besprochen, inszeniert, gepflegt, zertifiziert und in vielfältigen Praktiken - teils ernsthaft, teils ironisch - adaptiert wird, wobei eigene fachspezifische Wissensbestände und Terminologien neu in Umlauf kommen. Wissens- und Begriffstransfers zwischen akademischen Expertinnen und Experten, Medien, Kulturpolitik, Vereinen und Öffentlichkeit erfordern eine neue Aufmerksamkeit im Umgang mit ‚Volkskultur' und ihren politischen Implikationen und Effekten.5 Diese aktuelle Dynamik macht es notwendig, auch die Geschichte des Volkskultur-Konzepts nochmals neu zu befragen und fortzuschreiben. Zudem macht der Blick auf neue Konstellationen und Artikulationen in der Gegenwart aber auch sensibel für die vielfältigen historischen Querverbindungen zwischen geschichtswissenschaftlichen und volkskundlichen Fachdiskursen, anwendungsorientierten Wissensformaten und kultureller Praxis im weiten Feld popularer und populärer Kultur.6
Der vorliegende Band der Österreichischen Zeitschrift für Geschichts­wissen­schaften stellt sich dieser Herausforderung durch eine Auseinandersetzung mit alten und neuen ‚volkskulturellen' Phänomenen. Er setzt sich mit den wechselnden Konjunkturen des Volkskultur-Konzepts im 20. Jahrhundert auseinander und beleuchtet in einer Reihe von aktuellen Fallstudien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz historische wie gegenwärtige Semantiken und Gebrauchskontexte dieses Begriffs. Dabei geht es nicht mehr in erster Linie um die "angestrengten Dekonstruktionsprozesse"7 und simplen Kompensationsthesen, denen ‚Volkskultur' insbesondere in der Volkskunde/Europäischen Ethnologie seit den 1970er Jahren immer wieder ausgiebig unterworfen worden war, als nämlich Volkskultur als aktive Erfindung und interessengebundenes Produkt einer schnell umbrechenden Moderne herausgearbeitet wurde. Vielmehr soll danach gefragt werden, wie der Gegenstand ‚Volkskultur' gegenwärtig und historisch im Zusammenspiel von Wissenschaft, Kulturpolitik und Brauchpraxis konkret ausgehandelt wurde und wird. Gleichzeitig zeigt der Band auch Paradigmenwechsel der rezenten (Volks-)Kulturforschung auf, die sich auffällig stark von früheren Diskursen und Zugängen abwendet.


Die reflexiven Brechungen von ‚Volkskultur' gehen einher mit einem Perspektivenwechsel der Forschung hin zu konsequent praxeologischen Ansätzen, die den Dynamiken des ‚Doing Volkskultur' gerecht zu werden vermögen. Zugleich wird in neueren Studien in den Blick genommen, wie über ‚Volkskultur' gesellschaftliche Ordnungen und politische Leitbilder verhandelt werden: Welche Rolle spielen ‚volkskulturelle' Diskurse und Inszenierungen in Prozessen des ‚Doing Society'? Und wie lassen sich umgekehrt die Konjunkturen des Themas in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit als Effekte gesellschaftlicher Transformationsprozesse verstehen?
In unserem einleitenden Beitrag geben wir zunächst einen begriffsgeschichtlichen Überblick, der die semantische Karriere des Volkskultur-Konzepts in Wissenschaft und Gesellschaft im 20. und beginnenden 21. Jahrhundert verfolgt und dabei nach der sozialen und kulturellen Logik von ‚Volkskultur' fragt, die immer auch als ein distinktes Produkt gesellschaftlicher Deutungseliten zu verstehen ist. Nach einer theoretischen Auseinandersetzung mit dem Begriff deuten wir an, wie eine empirische Kulturanalyse des Spannungsfeldes ‚Volkskultur' in seinen gesellschaftlichen und politischen Bezügen aussehen kann. Im Anschluss untersucht Magdalena Puchberger die ‚urbane Heimatkultur' im Wien der 1920er und 1930er Jahre im Hinblick auf den spezifischen Status folkloristischer Veranstaltungen im Spannungsfeld großstädtischer Alltagskulturen und fragt umgekehrt danach, wie essentiell die Stadt für die Formierung von ‚Volkskultur' in dieser Zeit war. Konrad Kuhn setzt sich in seinem Beitrag mit der Etablierung und Stabilisierung von ‚Volkskultur' in der Schweiz über Praktiken der Wissensproduktion auseinander und beleuchtet ? insbesondere für den Zeitraum 1930 bis 1970 ? volkskundliche Wissensformate und politische Kontexte bis hin zur Wiederkehr der ‚Volkskultur' im Sinne von ‚Kulturerbe'. In einer pointierten Fallstudie zum Tübinger Arbeitskreis für Fastnachtsforschung zeigt Karin Bürkert, wie sich ‚volkskundliches Wissen' in den 1950er und 1960er Jahren im Zusammenspiel von Wissenschaft, Brauchpraxis und Öffentlichkeit konstituiert hat und was eine konsequent wissensgeschichtliche Perspektive zur Erhellung solcher Konstellationen beitragen kann. Simone Egger wiederum beschreibt ‚Volkskultur' am Beispiel Bayerns als "Dispositiv einer spätmodernen Welt" und lässt aktuelle Gebrauchsweisen ethnokultureller Codes des ‚Bayerischen' Revue passieren. Sodann öffnet Markus Tauschek das thematische Feld hin zu einer integralen Analyse populärer Kultur im Sinne eines praxeologischen Zugangs. Anhand dreier disparater Felder zeigt er Potentiale ethnographischer Populärkulturforschung auf, die eine ? so Tauschek ? grundsätzlich vieldeutige Praxis in den Blick zu nehmen vermag. Und schließlich thematisieren Reinhard Bodner und Timo Heimerdinger ausgehend von der Ploner-Debatte rund um Verwicklungen der Volkskultur mit der NS-Ideologie aktuelle Herausforderungen, mit denen wissenschaftliche Forschungen zum Thema konfrontiert sind.


In ihrer thematischen Breite liefern die hier versammelten Texte nicht nur konkrete Fallstudien zu einer reflexiven Diskursgeschichte der ‚Volkskultur' im 20. und 21. Jahrhundert, sondern auch neues Material zur Frage nach den Wissenstransfers zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Dass die Herausgabe dieser Ausgabe der Österreichischen Zeitschrift für Geschichtswissenschaften Vertreterinnen und Vertretern der Europäischen Ethnologie überantwortet wurde, wofür wir Reinhard Sieder und den Herausgeberinnen und Herausgebern der ÖZG danken, sehen wir in der besonderen Expertise dieses Faches für den Gegenstand begründet. Zugleich bietet sich das Thema für einen interdisziplinären Dialog besonders an. ‚Volkskultur' ist in den 1970er bis 1990er Jahren schon einmal ein - kontroverser - Diskussionsgegenstand gewesen, der die Geschichtswissenschaft und die Europäische Ethnologie letztlich einander näher gebracht hat. Wenn es mit dem vorliegenden Band gelingt, neue Schnittpunkte zwischen den Disziplinen und Perspektiven auszuloten und so den interdisziplinären Dialog zu fördern, dann ist eines seiner Ziele erreicht.

Brigitta Schmidt-Lauber, Wien
Jens Wietschorke, München


Anmerkungen

1 Carola Lipp, Schwierigkeiten mit der Volkskultur, in: Ruth-E. Mohrmann, Hg., Städtische Volkskultur im 18. Jahrhundert, Köln u.?a. 2001, 49-65, 49.
2 http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/Unesco-Volkskultur-gefeiert;art4,1847044 (26.8.2015).
3 Vgl. dazu u.?a. Dorothee Hemme u.?a., Hg., Prädikat "Heritage". Wertschöpfungen aus kulturellen Ressourcen, Berlin 2007; Regina Bendix, Dynamiken der In-Wertsetzung von Kultur(erbe). Akteure und Kontexte im Lauf eines Jahrhunderts, in: Burkhard Schnepel u.?a., Hg., Kultur all inclusive. Identität, Tradition und Kulturerbe im Zeitalter des Massentourismus, Bielefeld 2013, 45-73; Markus Tauschek, Kulturerbe. Eine Einführung, Berlin 2013.
4 Anne Meyer-Rath, Zeit-nah, Welt-fern? Paradoxien in der Prädikatisierung von immateriellem Kulturerbe, in: Dorothee Hemme u.?a., Hg., Prädikat "Heritage". Wertschöpfungen aus kulturellen Ressourcen, Berlin 2007, 147-176, 165.
5 Zu dieser Forschungsperspektive vgl. für den deutschsprachigen Raum u.?a. Sabine Eggmann/Karoline Oehme-Jüngling, Hg., Doing Society. "Volkskultur" als gesellschaftliche Selbstverständigung, Basel 2013.
6 Zu dieser Unterscheidung vgl. die Erläuterungen in unserem nachfolgenden Beitrag "‚Volkskultur' zwischen Wissenschaft und Gesellschaft" sowie in Markus Tauscheks Beitrag "Instrument, Taktik oder Strategie?", ebenfalls in diesem Band.
7 Friedemann Schmoll, Konjunkturen und Reprisen der "Volkskultur". Geschichte und Gebrauchsweisen eines Begriffes, in: Sabine Eggmann/Karoline Oehme-Jüngling, Hg., Doing Society. "Volkskultur" als gesellschaftliche Selbstverständigung, Basel 2013, 28-43, 29.

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Abstracts, ÖZG 27/2016/1

 

Brigitta Schmidt-Lauber / Jens Wietschorke

'Volkskultur' between Science and Society: A Critical History of the Concept.
‚Volkskultur' zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Eine kritische Begriffsgeschichte
, pp. 10-32

 

Abstract: This paper analyses the concept of 'Volkskultur' (folk culture) as an invention of the 20th century, using perspectives from social history and the history of knowledge. It is demonstrated how 'Volkskultur' was constituted in the space between the poles of science, cultural policy, public discourse and popular practice, and how the concept was used as a symbolic resource. First, the disciplinary discourse of German-speaking European Ethnology (which grew out of 'Volkskunde') is explored in it's interdisciplinary relations and it's historical development. Second, conceptual proposals for the empirical study of the field of 'Volkskultur' in the present are presented. Concluding, this article argues for a praxeological approach on the actors, social usages and political implications of 'Volkskultur'.

Key Words: popular culture, folk culture, folklorism, folklore studies, history of knowledge, disciplinary history, theory of practice.

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Magdalena Puchberger

Creating 'Heimat' in the City. 'Volkskultur' in the Viennese Interwar Period.
Heimat-Schaffen in der Großstadt. ‚Volkskultur' im Wien der Zwischenkriegszeit,
pp. 33-66

Abstract: The article focuses on the significance of Vienna, Austria's capital and only major city, for the creation and development of 'Volkskultur' (folk culture) during the interwar period. It examines 'Volkskultur' as a modern concept to cope with times of crisis. The contribution locates this culture in urban processes, dynamics and discourses on 'Heimat'. It presents 'Volkskultur' as an influential large-scale urban popular culture and Vienna as the central and biggest arena of folk cultural formats and practices in Austria.

Key Words: 'Volkskultur', 'Heimat', Vienna, urban popular culture, interwar period, associations.

 

Konrad J. Kuhn

'Folk Culture' as Resource: Conjunctures of a Concept between Science and the Public in Switzerland.
Ressource ‚Volkskultur'. Karrieren eines Konzepts zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit in der Schweiz,
pp. 67-91

 

Abstract: 'Folk culture' was framed and established by folklore studies/Volkskunde, mainly in the 1930s. Its research activities, especially with extensive individual fieldwork or collaborative collecting projects, shaped the image of Swiss alpine 'folk culture' in a highly lasting way. Even today, the then constructed knowledge formats exert their power not only in public debate, but in the wake of Switzerland's attempts to cope with UNESCO's list of 'intangible heritage'. The article argues for intense research on historical contexts of the longstanding knowledge formats to broaden the concept of 'popular culture' for the future.

 

Key Words: anthropology of knowledge, knowledge production, folk culture, Switzerland, folklore studies/Volkskunde, 1930-2015.

 

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Karin Bürkert

Fastnacht in Baden-Wuerttemberg. Folklore Studies and their Impact on the Southwestern German Society in the 1960s.
Fastnacht in Baden-Württemberg. Volkskundliche Forschung und gesellschaftliche Intervention in den 1960er Jahren,
pp. 92-118

Abstract: Fastnacht - as carnival is called in southwestern Germany - has experienced a significant increase in popularity and creativity since the 1950s. Concurrent with Germany's economic post-war boom, a great number of new figures and masks were established. Carried by the rising public interest in the subject, in 1961, practitioners of the custom approached the Ludwig-Uhland-Institut für Volkskunde, a renowned department of folklore studies at the University of Tübingen. They initiated a working group consisting both practitioners and scholars to intensify historical research on the Fastnacht festivities and to provide information about the new forms and the regional diffusion for practitioners and an interested public alike. Here, folkloristic knowledge was not only asked for and coproduced by social protagonists, but it was also adopted and reframed with a specific idea of a tradition that's worth being funded. This article shows the entanglement of folklore studies and carnival practice on the basis of two strongly discussed topics in the working group: history and originality of Fastnacht. Furthermore, the article discusses two differing positions concerning the work on the custom and its implications for society.

 

Key Words: folkloristic knowledge, carnival research, valorization of culture, doing Volkskultur, doing society.

 

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Simone Egger

Folk Culture in a Postmodern World. 'The Bavarian' as an Ethnocultural Dispositive.
‚Volkskultur' in der spätmodernen Welt. Das Bayerische' als ethnokulturelles Dispositiv,
pp. 119-147

 

Abstract: Since the year 2000, dealing with 'the Bavarian' has become more popular than ever before. While the world is connected via businesses, family relations and digital networks and separated because of wars and conflicts at the same time, ethnocultural coded objects and practices supposed to be typical, local or traditional attract global attention. 'Folk culture' seems to hit the aesthetics of the 21st century. With Michel Foucault 'the Bavarian' may be understood as a dispositive consisting of institutions, people, relations and even breaks. 'The Bavarian' - whatever that means - is not and has never been static. Furthermore 'the Bavarian' functions as a kind of cloud. Conceived as a process its various meanings are permanently negotiated by everyone feeling called to comment on this matter. During the last 15 years more and more people from all over the world have arrived in Bavaria and the metropolitan region of its capital Munich for private or professional reasons, as refugees or high skilled migrants. The effect is an increasing diversity of society in the cities as well as in less urbanized parts of the country. In a postmodern sense, practices, materials, symbols and performances imagined as characteristic components of 'the Bavarian' are to be considered as possibilities of participation.

 

Key Words: dispositive, 'the Bavarian', folk culture, postmodernity, aesthetics.

 

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Markus Tauschek

Instrument, Policy or Strategy? The Ambiguity of Popular Culture
Instrument, Taktik oder Strategie? Zur Vieldeutigkeit Populärer Kultur
,
pp. 148-167

  

Abstract: This article examines the various ways reflexive or "knowing subjects" (Giddens) negotiate, perform and generally use popular culture today. Therefore, the article, following the idea of asymmetrical comparison, discusses three case studies from very different fields - a local protest movement against a furniture store, a Gothic festival in Leipzig and the pageant for a new national anthem in Switzerland - in order to find and deconstruct parallels and differences in the ways popular culture is constructed and conceptualized. Finally, the article discusses whether popular culture, which can be interpreted as polyvalent, is a powerful instrument, a means of policy or a target-oriented strategy.

 

Key Words: popular culture, reflexivity, creativity, resistance, policy.

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Reinhard Bodner / Timo Heimerdinger

A Remembrance Fund for 'Tyrolean Folk Culture'? The Ploner-Debate (2011-2014) as Impulse and Restraint for a Research Project on Folk Costumes in Tyrol.

Ein Erinnerungsfonds für die ‚Tiroler Volkskultur'? Die Ploner-Debatte (2011-2014) als Anstoß und Hemmnis eines Forschungsprojekts über Trachten in Tirol, pp. 168-208

 

Abstract: This article features and interprets the 'Ploner-Debate', a public debate in Tyrol and South Tyrol, that focussed on the interdependencies between 'folk culture' ('Volkskultur') and NS-ideology in historical perspective and the contemporary dealing with this 'brown heritage' in political and public contexts. As one important result of this debate, the provincial government of Tyrol initiated research projects on this topic, among them one about the Intermediate Post for 'German Folk Costume' (Mittelstelle 'Deutsche Tracht') in Innsbruck (1939-1945), its head Gertrud Pesendorfer and its effects up to today. By reconstructing the debate, this article explains the background, aims and challenges of a research project about folk costumes in the context of current discussions around 'folk culture' ('Volkskultur') in European Ethnology.

Key Words: folk culture, folk costume renewal, folk costume associations, cultural politics, culture of remembrance.

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