Abstract

Strategien der Subordination und Koordination im Kanuri

Norbert Cyffer
(Institut für Afrikawissenschaften, Universität Wien)

    Die im Laufe der jüngeren Vergangenheit eingetretenen Strategien der Ko- und Subordination haben möglicherweise zwei Ursachen: a) Entlehnung eines Konzepts aus anderen Sprachen und b) Herausbildung neuer Kategorien aus dem Kanuri heraus. Ein großer Teil der Markierungen hat zur Grundlage die Bestimmung von Richtung (= dynamisch), Raum (= statisch) und Referenz. Handelte es sich früher hier nur um adverbiale bzw. deiktische Merkmale, ist ihre Funktion heute im großen Maße erweitert und in anderen syntaktischen Ebenen präsent.
    S.W. Koelles Kanuri-Grammatik und das Kanuri-Textbuch, beide von 1854, liefern uns eine ausgezeichnete Dokumentation über die sprachlichen Strukturen des Kanuri vor mehr als 150 Jahren. In diesem Zeitraum haben sich bedeutende Veränderungen in der Syntax vollzogen. Während früher nur konditionale und, auf wenige Kategorien beschränkte, temporale Subordinationsmuster Verwendung fanden, hat sich im gegenwärtigen Kanuri ein beachtlicher Reichtum an Möglichkeiten herausgebildet. Aufgrund dieser guten Vergleichsgrundlage sind wir in der Lage, die Grammatikalisierungsprozesse des zurückliegenden Zeitraums nachzuvollziehen.