Abstract
Die FulBe in Nord-Kamerun im Spannungsfeld von Eigen- und Fremdsicht: Pulaaku – Zur Konstruktion eines Konzepts
Lena Hanusch
(Institut für Afrikawissenschaften,
Universität Wien)
Gegenstand der Diskussion ist der in Nord-Kamerun untersuchte Begriff Pulaaku, das kulturelle Wertesystem der dort lebenden FulBe, und seine Bedeutung in der Gegenwart. Pulaaku, das u. a. die Abgrenzung von anderen ethnischen Gruppen bezweckt, ist im Laufe der Jahrzehnte vielen gesellschaftlichen Wandlungsprozessen unterlegen, die besonders mit der zunehmenden Sesshaftwerdung und Islamisierung der FulBe – ursprünglich ein Nomadenvolk – in Zusammenhang stehen. Dank der Anpassungsfähigkeit des Konzepts hat es heutzutage für jüngere wie für ältere FulBe noch immer große Bedeutung. Um ein möglichst differenziertes Bild zu zeichnen, werden die Sichtweisen unterschiedlicher Akteure und Akteurinnen, d. h. Eigen- und Fremdsichten, eruiert.
Auch wenn Pulaaku kein absoluter, sondern ein relativer Begriff ist, der nur im Verhältnis mit den etwaigen Kontexten und Lebensumständen der Menschen zu verstehen ist, werden seine für die Region Nord-Kamerun relevanten Kernelemente erörtert. Hierbei sollen geschlechterspezifische Fragestellungen besondere Berücksichtigung finden.