Aktuelle Tagung

Traditionen - Tradierungen

23. Fachtagung des Arbeitskreises Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit

26. Oktober - 28. Oktober 2017

Tagungshaus der Katholischen Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Hohenheim

CfPs

Die 23. Tagung des AK Geschlechtergeschichte der Frühen Neuzeit wird den Blick auf informelle wie institutionalisierte Rezeptionen und Rekonstruktionen von Geschlechterordnungen und Geschlechterdifferenzen richten, auf Vermittlungen autoritativer Texte, auf über lange Zeiträume gepflegte Rituale und auf Denkmuster mit langer Dauer.

Traditionen und Tradierungen stellen in praktisch allen Gesellschaften wesentliche Mechanismen der Reproduktion und Kontinuität dar. In ihrem Zentrum stehen häufig Konstrukte der Geschlechterdifferenz, die zwar auf historischen Vermittlungsprozessen beruhen, aber dennoch oft als dauerhaft - also nicht durch menschliche Überlieferung gesetzt - gedacht bzw. verteidigt oder auch bestritten werden. So auch in der Frühen Neuzeit. In Familienüberlieferung und dynastischen Traditionsschöpfungen ebenso wie im Hinblick auf Religion, Gemeindeleben und religiöse Praktiken spielten Traditionen - gerade auch mit Bezug auf Geschlecht - als (mehr oder weniger unhinterfragbare) Autoritäten eine wesentliche Rolle; man denke etwa an die Schöpfungsgeschichte bzw. den Sündenfall als Begründung der weltlichen und der Geschlechterordnungen und -hierarchien. Auch im Rechtswesen, in den Schul-, Universitäts- und Gelehrtenkulturen oder in der Kunst und Literatur bezog man sich aktiv und affirmativ auf (v.a. antike) Traditionen, die „Kirchenväter“, die Philosophen und Künstler bzw. Kunstwerke der Antike usw.

Traditionen bzw. Überlieferungen von „Althergebrachtem“ wurden auch schon in der Frühen Neuzeit kritisch hinterfragt - beispielsweise religiöse Traditionen und Lehrsätze in der Reformation einerseits, in der Aufklärung andererseits -, ohne dabei notwendigerweise die Bedeutung von „Altüberkommenem“ generell in Frage zu stellen. Neue Erfahrungen und Erkenntnisse wie etwa die „Entdeckung der Neuen Welt“ forderten durch Tradition legimierte Wissensbestände und Wahrheiten heraus und führten zu wesentlichen Neuerungen nicht nur in den Wissenspraktiken, sondern auch im Alltag (wo etwa der frühneuzeitliche Kolonialismus, aber auch die Globalisierung des Handels völlig neue Beziehungen zwischen Europa und „Aussereuropa“ mit sich brachten). In anderen Fällen wurde dem Überkommenen gar eine vermeintlich noch ältere Tradition entgegengesetzt und nicht selten auch auf „inventions of tradition“ zurückgegriffen, wie dies etwa im sog. Salischen Gesetz in der französischen Monarchie der Fall war. Mit Blick auf eine angeblich schon auf Karl den Grossen zurückgehende Rechtstradition wurde Frauen das Recht auf Thronfolge effektiv streitig gemacht.

Methodisch-theoretisch lässt sich vor diesem Hintergrund die Rolle von Geschlecht sowie in intersektionaler bzw. relationaler Perspektive auch anderen Differenzen im Verhältnis von Wandel und Beharrung, von gezielter Überlieferung und behaupteten oder tatsächlichen Kontinutitäten problematisieren. Wie werden Geschlechterdifferenzen und weitere Differenzkonstrukte mit Hilfe von Tradierungen verknüpft und (re-)konzipiert? Über welche Vermittlungswege wurden vermeintlich feste Geschlechtergrenzen in Prozesse der Stabilierung oder De-stabiliserung von Beziehungen, in Verhältnissen der gesellschaftlichen und kulturellen Über- oder Unterordnung eingeschrieben?

Die Tagungen des Arbeitskreises sollen einzelfallbezogene wie methodologisch-theoretische Debatten im Bereich der Geschlechterforschung weiterführen, intensivieren und initiieren. In einem interdisziplinären Kontext kann dies nur gelingen, wenn die einzelnen Beiträge maßgeblich den Fokus auf die verwendeten Methoden bzw. den theoretischen Hintergrund ihres jeweiligen Forschungsansatzes legen.

Vortragsvorschläge - gerne auch von jüngeren Kolleginnen und Kollegen der verschiedenen historisch arbeitenden Disziplinen - im Umfang von einer halben bis max. einer Seite richten Sie bitte per E-Mail bis zum 15. Mai 2017 an

Prof. Dr. Claudia Opitz-Belakhal Universität Basel (claudia.opitz@unibas.ch)

Dr. Monika Mommertz Universität Basel (monika.mommertz@unibas.ch)

PS: Wir weisen darauf hin, dass für ReferentInnen i.d. Regel keine Reise- und Tagungsgebühren übernommen werden können.