Gruppe 1: Christina Tavolato, Andrea Steiner, Tina Leiding, Sarah Umdasch, Verena Hirss

Als hätten wir auf dieser Exkursion nicht schon genug Spinnen gesehen, bestimmt und aus Zimmern vertrieben, unternahmen wir gestern Abend mutig und mit Stirnlampen ausgestattet eine zweite Nachtwanderung durch den Wald bei der Hacienda Baru. Auf dem zweistündigen Rundgang entdeckten wir Landkrabben, einen Skorpion und jede Menge Spinnen. Besonders zu erwähnen war die Begegnung mit einer vogelspinnenartigen Fangspinne, welche am Boden jagt und kein Netz baut. Unser nächtlicher Rundgang endete am Sandstrand, der durch den Gezeitengang um geschätzte 80 m breiter war, als nachmittags bei Flut.
Ein für diese Region, Tages- und Jahreszeit ungewöhnlicher Schauer weckte manche von uns um 4 Uhr morgens und brachte 7,5 mm Niederschlag. Nach dem Abbau unserer Kestrels, deren Daten wir mit denen der lokalen Klimastation vergleichen werden, machten wir uns auf den Weg ins 5 Autostunden (Fahrtzeit mehr von Straßenqualität als von Distanz beeinflusst) entfernte Santa Elena in Monteverde. Auf der Fahrt parallel zur Küste konnte man erkennen, wie sich die Vegetation auf die immer trockeneren Verhältnisse des Nordwestens anpasst. Der Regenwald Carara bildet als Übergangsregenwald eine natürliche Grenze zwischen den immergrünen Wäldern im Süden und den nördlichen trockenen Gebieten mit laubwerfenden Bäumen. Das Klima dieser Region stellt mit ausgeprägten Trockenzeiten einen angenehmen Lebensraum für viele Menschen dar. Aus diesem Grund wurden viele Übergangsregenwälder zerstört um als Lebensraum und Weideland genutzt zu werden. Heute leisten sich in dieser Gegend viele amerikanische Pensionisten eine Zweitwohnung, ein sogenanntes „Condonino“. Die dafür erbauten Wohnblöcke stechen aus dem typischen Landschaftsbild Costa Ricas heraus.

Fotos: (c) Christina Tavolato

Eine breite, vielbefahrene Brücke über den Rio Grande de Tárcoles querten wir zu Fuß. Auf halben Wege konnten wir unter uns im Flussbett eine Gruppe Spitzmaulkrokodile (Cocodrilos) erkennen, die es sich in der Sonne gemütlich machten. Diese Tiere halten sich gerne im Brackwasser auf. Eine interessante Studie zeigt, dass momentan mehr männliche Nachkommen schlüpfen. Da die Geschlechtsbestimmung von der Temperatur abhängig ist, gibt es Theorien, die die globale Klimaerwärmung dafür verantwortlich machen.
Um unseren kulinarischen Horizont zu erweitern, gab es zu Mittag neben Chicharrónes (frittierte Schweinsschwarten) eine Obstorgie: Wassermelone, Zuckermelone, Apfelbanane, Mango, Maracuja, Papaya, Ananas, Cashew, Caimito, Zapote negro, Granadilla und Sapodilla.
Von der Obsthauptstadt Orotina führte uns der Weg in die zweitgrößte Provinz des Landes, Guanacaste, im Nordwesten. Schon seit jeher nimmt Guanacaste eine Sonderstellung innerhalb Costa Ricas ein. Vor ca. 200 Jahren entschied sich die vorwiegend nicaraguanische Bevölkerung der Region in einer Volksabstimmung für die Zugehörigkeit zu Costa Rica. Dadurch erreichte Costa Rica die notwendige Größe, um ein unabhängiger Staat zu werden. Der Nationalstolz der Bevölkerung verstärkte sich, als nach dem amerikanischen Bürgerkrieg um 1850 William Walker andere Staaten Mittelamerikas besetzte, aber erfolgreich aus Santa Rosa (Guanacaste) vertrieben werden konnte. Bemerkenswert ist, dass Costa Rica kein Heer den gut ausgestatteten Truppen von Walker entgegenbringen konnte, sondern dass Bauern sich organisierten und um ihr Land kämpften. Juan Santamaría wurde zum Nationalhelden, nachdem er die Hacienda des William Walker anzündete und selbst im Feuer starb. Heute ist der internationale Flughafen nach ihm benannt. Als Symbol für den Zusammenhalt der Region wurde der Guanacaste-Baum zum Nationalbaum Costa Ricas erklärt.
Eine holprige Schotterstraße führte uns in die Cordillera Tilaran nach Santa Elena. Monteverde ist aus zweierlei Gründen berühmt. Einerseits siedelten sich in der Gegend vor der in den 1960er Jahren in Amerika eingeführten Wehrpflicht geflüchtete Quäker an, deren Käse auch heute noch in ganz Mittelamerika bekannt ist. Andererseits erforschten in den 1980er viele amerikanische Wissenschaftler die spezielle Vegetation und ebneten so den Weg für zahlreiche Naturtouristen.
Den Namen „Grüner Wald“ verdankt die Region dem Umstand, dass sie sowohl vom Pazifik als auch vom Atlantik beeinflusst ist und früh genug erkannt wurde, dass es sich dabei um ein wichtiges, schützenswertes Wassereinzugsgebiet handelt. Der Jahresniederschlag beträgt ca. 2000 mm und fällt fast ausschließlich in der Regenzeit von Mai bis Dezember. Die Cordillera Tilaran stellt eine wichtige Wetterscheide zwischen Karibik- und Pazifikküste dar und ist geprägt von den beständigen Nordostpassaten.
Nachdem wir in der Éstacion Biologica Monteverde unser Quartier auf rund 1500 m bezogen haben, machten wir uns auf den Weg zur Windkante um dort unsere Messstationen aufzubauen. Der Pfad führte uns durch einen Eichenwald, in dem viele Epiphyten und Moose das Waldbild prägen. Durch die günstigen Verhältnisse befindet sich in Monteverde das Zentrum der Orchideen – hier findet man weltweit die meisten Orchideenarten.
Aufgrund der Höhe lag die Temperatur nur bei angenehmen 18°C, die sich jedoch durch den hohen Taupunkt von 16,5°C immer noch schwül anfühlten, jedoch nicht so unangenehm wie zuvor in den feuchteren Flachlandregionen. Durch die Neigung der Bäume konnte man schon unter dem Kamm die Hauptwindrichtung ausmachen. An der Windkante änderte sich die Vegetation in einen Zwergwald, der durch niedrige dünne Bäume und viele Palmen geprägt wird. Um die hohen Windgeschwindigkeiten und die Hauptwindrichtung aus der Karibik zu dokumentieren, wurden 3 Messgeräte am Kamm aufgestellt, die in zwei Tagen wieder geholt und ausgewertet werden sollen. Eines davon wurde in einer spektakulären Kletteraktion an einem Baum in exponierter Lage befestigt. Um ca. 17:00 Uhr Lokalzeit zeigten die Geräte in 1800 m eine Temperatur von 15,2 °C und einen Taupunkt von 12,9°C an (85% Luftfeuchtigkeit). Der Wind wehte mit 2,7 m/s schwach aus Nordost. Eine Messung der atmosphärischen Gegenstrahlung ergab ein Äquivalent von – 14°C (wäre die Erde aus Styropor, könnte sie sich bei perfekten Bedingungen in der Nacht auf diese Temperatur abkühlen). Am Übergang vom Zwergwald zum Eichenwald wurde ein viertes Kestrel aufgebaut.
Pünktlich zu Sonnenuntergang um 17:45 Lokalzeit kehrten wir in die Éstacion Biologica Monteverde zurück um bei nächtlichen Temperaturen unter 20°C eine erholsame Nacht zu verbringen.

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