DIE UNIVERSITÄT AM RING: DAS NEUE HAUPTGEBÄUDE
Der Bau des Hauptgebäudes erfolgte in den Jahren 1873 bis 1884 nach den Plänen des Architekten Heinrich von Ferstel in der Formensprache der Renaissance und in der Monumentalität des Barock. Auf dem ehemaligen Militärparadeplatz an der neuen Prachtstraße Wiens, der Ringstraße, entstanden etwa gleichzeitig Parlament, Rathaus und Universität. Die Architektur dieser drei Monumentalbauten spielt auf die Demokratie der Griechen (altgriechischer Baustil des Parlaments), auf das aufstrebende Bürgertum des Mittelalters (gotischer Baustil des Rathauses) und auf die Blüte der humanistischen Wissenschaft (Renaissance-Stil der Universität) an. Ferstel hatte 1871 auf einer Reise nach Italien (Bologna, Padua, Genua, Rom) die älteren Universitätsbauten studiert. Bei der Gestaltung des Arkadenhofes schloß sich der Architekt an das Vorbild des Palazzo Farnese in Rom an. Er sollte als campo santo der Erinnerung berühmter Universitätslehrer und als Erholungsraum der studierenden Jugend dienen. Das erste Denkmal wurde im Jahre 1888 im Gedenken an den Juristen Julius Glaser aufgestellt. Bis heute sind es rund 150 Plastiken und Reliefs Wiener Gelehrter geworden, unter denen als einzige Frau die Dichterin und Ehrendoktorin der Universität Wien Marie von Ebner-Eschenbach zu finden ist. Besonders hervorzuheben ist die Denkmalgruppe des Bildhauers Carl Kundmann (1892), die den Reformern des österreichischen Bildungswesens Leo Graf Thun-Hohenstein, Franz Exner und Hermann Bonitz gewidmet ist, neben bemerkenswerten Plastiken von bedeutenden Künstlern wie Franz Xaver Messerschmidt, Caspar Zumbusch, Richard Kauffungen, Josef Tautenhayn d. J. etc. Das Zentrum des Hofes bildet seit 1910 der von Edmund Hellmer gestaltete Kastalia-Brunnen, der "Quell der Weisheit". Die Frist vom Tode eines Gelehrten bis zur Aufstellung des Monumentes in den Arkaden ist seit 1926 auf mindestens 10 Jahre festgelegt.
Das ursprüngliche Raumkonzept – alle Universiätseinrichtungen in einem zentralen Gebäude unterzubringen – konnte trotz der Monumentalität des Gesamtkomplexes (161 mal 133 Meter Grundfläche) keineswegs erfüllt werden. Es wurden neben den repräsentativen Räumen des Rektorats, der beiden Festsäle und der zentralen Verwaltung die vier Dekanate sowie die Universitätsbibliothek und zahlreiche Institute und Hörsäle untergebracht. Ein Großteil der Universitätseinrichtungen mußte aber in zahlreichen anderen Häusern außerhalb der "Zentrale" angesiedelt werden. Am 11. Oktober 1884 erfolgte die feierliche Eröffnung des neuen "Universitätspalastes" in Anwesenheit Kaiser Franz Josephs I.
Lit.: Die Universität am Ring 1884–1984, ed. Hermann Fillitz (Wien/München 1984); Thomas Maisel, Die Denkmäler im Arkadenhof der Universität Wien. Biographische Skizzen (Wien 1990).
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Universitätshauptgebäude am Ring Ringstraßen-Fassade des Hauptgebäudes der Universität Wien. (Fotografie, Archiv der Universität Wien) |
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Universitätshauptgebäude am Ring Orig.: Archiv der Univ. Wien, nach einer Radierung von R. Kasimir |