DIE WIENER MEDIZINISCHEN SCHULEN
Die Wiener Medizinische Fakultät besteht seit der Gründung der Universität im Jahre 1365. Weltweite Bedeutung erlangte sie zuerst während der Regierung Maria Theresias. Sie berief den Boerhaave-Schüler Gerard van Swieten aus Leiden nach Wien, der den medizinischen Unterricht reformierte und den Grundstein zur Ersten Wiener Medizinischen Schule legte. Zu ihr zählten Kapazitäten wie Anton de Haen, Maximilian Stoll, Lorenz Gasser, Anton von Störck und der Entdecker der Perkussion Leopold von Auenbrugger. Besonderes Gewicht wurde nunmehr auf den Unterricht am Krankenbett gelegt. Das im Jahre 1784 eröffnete Allgemeine Krankenhaus wurde mit seinen Kliniken mehr und mehr zum wichtigsten medizinischen Forschungszentrum in Wien. Hier wirkten zahlreiche Kapazitäten, die den Weltruf der Zweiten Wiener Medizinischen Schule im 19. Jahrhundert begründeten. Hervorzuheben sind insbesonders: Karl Rokitansky (1804–1878), Josef Skoda (1805–1881), Ferdinand von Hebra (1816–1880), Ignaz Philipp Semmelweis (1818–1865), Ludwig Türck (1810–1868), Johann Nepomuk Czermak (1828–1873), Leopold von Dittel (1815–1898), Theodor Billroth (1829–1894), Hermann Nothnagel (1841–1905), Rudolf Chrobak (1843–1910), Adolf Lorenz (1854–1946), sowie die Nobelpreisträger für Medizin Karl Landsteiner (1868–1940), Robert Bárány (1876–1936) und Julius Wagner-Jauregg (1857–1940).
Lit.: Erna Lesky, Die Wiener Medizinische Schule im 19. Jahrhundert (Studien zur Geschichte der Universität Wien im Überblick 6, 1965); Gabriela Schmidt, Die Wiener Medizinische Fakultät und das Allgemeine Krankenhaus. In: Universitätscampus Wien, Band 1: Historie und Geist, ed. Alfred Ebenbauer, Wolfgang Greisenegger, Kurt Mühlberger (Wien 1998) 7-35.